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Full text of "Annalen der Physik und Chemie"

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ANNALEN 


DER 


PHYSIK  UND  CHEMIE. 


BAND    CXIIL 


ANNALEN 


DER 


PHYSIK 


UND 


CHEMIE. 


VIERTE   REIHE. 


HERAUSGEGEBEN     ZU     BERLIN 


VOM 


J.  C.  POGGENDORFF. 


DREI    UND    ZWANZIGSTER    BAND. 


MKBST    ACHT    PieUKKNTAFBtR. 


LEIPZIG,  1861. 

VIRLA«   TOR    JOBARH   AMBROIIU*  BABTB, 


ANNALBN 


DER 


PHYSIK 


UND 


CHEMIE. 


EBAUS6EGEBEM     ZU     BERLIN 


TOW 


J.  C.  POGGENDORFF. 


HUNDERT  UND  DREIZEHNTER  BAND. 


on  «Airsni  roisi  HuiiDniT  uiid  rbuk  viro  AcnniesTBR. 


HSB*T    ACHT   FISUHSHTAFItH. 


LEIPZIG.   1861 


TIRLA6  TOH  JOBAHH  AMBBOtIDt  BARTB. 


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! V  Mr  t  I 


'     (  /  J-  . .   » 


Inhalt 

des  Bandes  CXIII  der  Annalen  der  Phjsik  und  Chemie. 


Erstes  Stück. 

Seile 

I 

I.     Uebcr  die  Absorption  und  Strahlung  der  WSrme  durch  Gase  nnd 
Dampfe;  nnd  über  den  physischen  Zusammenhang  von  Strahlung, 

Absorption  nnd  Leitung;  von  J.  Tjndall 1 

IL     Ueber  Flnoresoeni  der  WSrme ;  vom  Fürsten  Salm-Horstmar  54 

i     IlL     Ucbcr  die  Reibung  der  Flüssigkeiten;  von  O.  £.  Meyer      .     .  55 

IV.  Ueber  musikalische  Temperatur;  von  U.  Helraholts       .     .     .  87 

V.  Ueber  Widerstaodsmaafse  nnd  die  AbhSngigkeit  des  Leitungswi- 
derstandes der  Metalle  von  der  WSrme ;  von  W erner  Siemens       91 

TL     Ueber  die  untern iobsauren  Salze;  tou  H.  Rose      .     .     .     .     .     105 
**     YIL     Ueber  die  Atomgewichte  des  Chroms »   Arsens   und   Antimons; 

von  F.  Kefsler 134 

;^    VIII.     Untersuchung   einer    Methode ,    das   specifische    Gewicht    Ton 

Flüssigkeiten  mit  der  Uhr  in  bestimmen;  von  F.  Mohr     .     .     .     156 
IX.     Die  Bestimmung  des  absoluten  und  speclfischen  Gewichts  in  Flus- 

■igkeinu  •nspcadirUr  f^icderscblige;  Ton  H.  Fleck 160 


Vi 

Seil« 

X.  Ucber  die  EiDwirkaof  des  BrooM  avf  die  Bvttenfiare;  Ton  R. 
Schneider 169 

XI.  Ueber  das  Vorkommen   Ton   krjttallisirtem   Qnan   im   Meteor- 
stein Ton  Xiqoipilco  in  Meiico;  von  G.  Rose      ....  •     184 

XII.  Verbesserte  Gonstmction  des  Nicorscben  Prismas;  ^on  B.  Ba- 
sen   188 

XIII.  Chrysophan,   krjslallisirt  ans   der  alkoboliackcn  L4sai||;    von 

H    Grothe 190 

XIV.  Auflbrderani 191 

XV.  Nene  sympathetische  Schrift 192 

(QetcUoimn  mm  4.  Juni  1861.) 


Zweites  Stfick. 

I.  Ucber  die  Reibung  der  Flüssigkeiten;   von  O.  £.  Meyer  (Fort- 
setaung) 19S 

II.  Ueber  die  vorthcilhafteste  Form  der  Magnete;  ▼<»  Lamont .     .    299 

III.  Ueber  die  Einwirkung   des  Magnets   auf  die  elektriscbe  Entla- 
dung; Ton  Plucker .     249 

rV.     Das  Doppciroetcor  von  Elmira  und  Long -Island 280 

V.  Ucber  die  Krystalirorm  des   Bucklandits   vom  Laacber  See;   voa 

G.  vom   Rath 281 

VI.  Ucber  die  nntemiobsaoren  Salse;  von  Ü.  Rose  (SchluCi)     .     . 

VII.  Ucber   ein  einfaches,   schirfer  meisendct   Atmomcter;   von  A. 
Muhry 

VIII.  Verfahren  lur  pholographisehe  Abdrücke;  von  F.  A.  Oppen- 
heim      308 

IX.  Ueber  das  TOncn  der  die  Elcktricitlt  leitenden  Kupferdribte  m 
einem  kleinen  elektromagoetiseben  Rotationsapparat;  voa  G.  Mofa    316 


Seit« 
Z.    UtiMv  4i«  MsHmt  dar  G«börwitl«  luid  4ie  UnglcicblMit  4ertcl- 

bcD  för  das  rechte  nod  linke  Ohr;  too  E«  Knorr  .  •  •  •  •  320 
XL     Ucfcer  die  Deaer  des  F«uikc»s,   welcher  4»  Eatladoiif  ciaet 

Letten  befleilet;  nm  P.  L.  Rijke 827 

XLL    Ueber  4if  i«n  Hm  %dUner  beiehriebciM  Pseadotkopie;  wmi 

E.  Bacaloflo 333 

XUL    BwoMlcrfbniMl  Ifir  bkia«  B5b«9     .    «    , 836 

(GmUmmm  €m9.JM  186L) 
brittet  Stück. 

L     Oiemiscbe  Analyse  durch  Spectralbeobachtan|en;  ron  G.  Kirch- 

koff  und  R.  Bansen 337 

IL     Ueber  im  rMebtigkeinamioinni  des  Mecrwasien;  von  C  Toa 

Nenaaan 382 

IIL    Heber   dl«   Rttbaag    der   FioMifbeitcB;    tob    O.    £.   Mejer 

(Schluii) 883 

IV.  MipwilofUcbt  BIiiiheilnB|fii;  tob  G.  Tarn  Rath  •  •  .  •  42$ 
T«  Ueber  die  elcktritcbe  FUidieaeBtUdomi  van  W.  Fedderten  437 
VL    Ueber  dan  FeldipMb  un  feschmolieBca  Zustand;   Ton  S.  D. 

Uajea 46d 

YIL     Cbeoiisdb.aulyliache  Beiirige;*  von  H.  Rose 472 

VII L    Heber  die  durch  Verlcttuof  emes  Kristalls  entstehenden  Krj- 

tullflachca;  Toa  Frankenheim •     488 

UL    Ueber  die  foa  Pa«ie.ar  b^baebtete  ^aonMÜe  am  amdsensan- 

fCB  Stromiaa,  Ton  E.  Jacobsen        493 

Xm    Die   Bildung   der   hemiCdrischea  Fliehen    am   chlorsanren    Na- 

IroB;  voa  Demselben 498 

XL     Ueber  «ine  neue  Methode,  die  sphirische  Aberration  mit  HtÜfe 

im  lalcrIcrcBa  lo  votersacben;  ?on  U.  Schröder   •     .    . 


•     * 


\r. 


vtn 

S«ll0 

XII.  Eioficliet  Geiets  ftir  die  TertheilaDg  der  ElekiricitSr  anf  eiDem 

Ellipsoid;  voo  C.  Neoinann 506 

XIII.  Noiu  über  den  Meteoritenfall  ra  Killeler  in  Irland.  Brief- 
liche Mittheilang  Ton  O.  Bochner •     508 

XIV.  Zwei  neuere  Meteortteinßlle.  Brieflicbe  Mittheilnng  ▼(»& 
Denselben 510 

XV.  Ueber  eine  daixh  Photographie  henrorgetreteiki  Strttt  irfcbt 
wahrgenommene  Li^teraclieiiinng  liAd  dhfer^  pkMographische  Dar- 
•tellang  des  ge»cliichietcn  elektrischen  Lichtes;  von  H.  W.  Dove     511 

(Oetehhaun  mm  8.  ÄuguU  1861.) 
Viertes  Sifick. 

I.    Ueber   die   Fortfuhmng   materieller  TheildieD    dureli   strSmendo 

Elektricilat;  von  G.  Quincke 513 

n.     Ueber  die  Zosanlmensetziing  des  Stanrolitbt;  vtoo  G.  Ratnmcl»- 

berg .     599 

m.     Zar  Scheidung  de)  Strontiant  Tom  Kalk;  von  F.  Stbaffg'^taeli     615^ 

IV.  Chemisch -analytische  Beilrige;  von  H.  Rose     .  ;     .     .   -.  '  624l 

V.  Ueber  das' Normal- ArSometer;  von  E.  H.  v.  Radtohaner  .  .  639 
Vi.  Ueber  die  thermischen  Verhalinisse  der  Krystalle;  von  F.  Pfa(f  *647 
VIJ.     Ueber  Um.  Dr.  Fleck 's  Methode  t,at  Bestimmtt«V  ^»  b^**^ 

luten  und  speetfiscfaen  Gewichtes  in  FlSssigkeiten  tospendirter  Nm- 
derschiäge;  von  Mohr       .  .    '.     .     .'..*'     .     .     .     k     655 

( Cftiekloiien  am  10.  Auguit  1861. ) 


iX 


Nachweis  za  den  Kupfertafeln. 


Taf.  I.  —  TjDdall,  S.  9,   18  n.  21 

Taf.  II.  —  Rijke,  Fig   1^.  S.  ^28;  Fi^  2,  S.  330;  Fig.  3,  S.  331.  - 

Mohr,  Fig  4,  S.  157.  ~  Fleck,  Fig.  5,  S.  165.  —  Lamont,  Flg  6 

und  7,  S.  212;  Fig   8,  S.  213;   Fig.  9  a.  10,  S.  244;   Fig.  II  u.  12, 

S.  245.  -.  Mofs,  Fig.  13,  S.  316;  Fig.  14,  S.  317  —  Muhrj,  Fig.  15, 

S.  306. 
Taf.  11.  ^  Meyer,  Fig.  1  a.  2,  S.  194;  Fig.  3,  S.  205;    Fig.  4,  5  a.  6, 

S.  413.  —  BuDtco  and  Kirchhoff,  Fig  7,  S.  374;  Fig.  8,  S.  375. 
Taf.  IV.  —  Meyer,  Fig.  1,  S.  403  u.  404;  Fig.  2,  $.  405. 
Taf.  V.  ~  Bansen  o.  Kirchlioff,  Fig.  1,  S.  349  a.  367;  Fig.  2,  S.  350; 

Fig.  3,  S   369;  Fig.  4,  S   341  and  378. 
Taf.  VI.  ~  G.  ▼.  Raih,  Fig  I  u.  2,  S.  285;  Fig.  3  u.  3«,  S.  289;  Fi^4, 

4-,  n.  5,  5  ,  S.  289;  Fig.  6",  6»,  6',  S.  426;  Fig.  7,  S.  427;  Fig.  8, 8-, 

S.  431;  Fig  9,  S.  433;  Fig.  10,  S.  435. 
Taf.  VII.  —  Fedderien,  Fig.  1,  S.  442  a.  443;   Fig.  2,  S.  449;  Fig.  3 

bis  13.  S.  4.i5;  Fig    14  bis  19,  S   456;  Flg.  20,  S.  458.  —  Jacob- 

sen,  Fig  21  bis  24,  S.  494;  Fig.  25,  S.  495.  —  Schröder,  Fig.  26, 

S.  51)4;  Fig  27  bis  '29,  S.  50.5. 
Taf.  Vlll.  —    Bunsen    and    Kirchhofr,   Fig.  1,   S.  373.    —    Qaincke, 

Fig.  2,  S    516,  541  a.  579;  Fig.  3,  S.  516;   Fig.  4,  S.  528;  Fig   5, 

S.  545;  Fig.  6,  S  551;  Fig.  7,  S.  564,   Fig.  8,  S,  570,  575  u.  582; 

Fig  9,  S  571;  Fig.  10,  S.  571,  574  a.  582;  Fig.  II,  S.  596.  —  Pfalf, 

Fif .  12,  S.  649. 


BerichtignDgen. 


Zam  AofMti  too  Tjndall. 
S.    15  Z.  3  ▼.  o.  1.  AbfiMid  tt.  ADttaod 
S.   20  Z.  2  ▼.  o.  I.  GUtiatelM  it.  GmBmcIm 
S.    38  tind  die  Zahlen  in  Z.  14  v.  15  v.  m.  so 


Zttin  Aaftats  Ton  F.  Sehafffottch. 
S.  192  Z.  4  ▼    u.  1.  Schwefelcyankatiom  at.  SehweTcIUliam 


1861.  ANNALEN  •To.  5. 

DER  PHYSIK  tnSD  CHEMIE. 

BAND  CXIII. 


I.   Veber  die  Absorption  und  Strahlung  der  FFärme 
durch  Gase  und  Dämpfe,  und  über  den  physischen 
Zusammenhang  von  Strahlung,  Absorption  und 
.    Leitung;  von  John   Tyndall. 


Di 


§       » 


j'e  Untersuchungen  über  Gletscher,  welche  ich  von  Zeit 
zu  Zeit  die  Ehre  hatte  der  K.  Gesellschaft  vorzulegen, 
lenkten  meine  Aufmerksamkeit  speciell  auf  die  Beobach- 
tungen und  Specnlationen  von  De  Saussure,  Fourier, 
Pouillet  und  Hopkins  über  den  Durchgang  der  solaren 
und  terrestrischen  Wärme  durch  die  Atmosphäre  der  Erde. 
Hierdurch  entstand  bei  mir  der  Wunsch,  die  gegenseitige 
Wirkung  von  strahlender  Wärme  und  Gasen  aller  Arten 
zum  Gegenstand  einer  experimentellen  Untersuchung  zu 
machen. 

Unsere  Kenntnifs  in  diesem  Zweige  der  Physik  ist  un- 
'  gemein  beschränkt.  Meines  Wissens  läfst  sich  die  Litera- 
tur über  diesen  Gegenstand  in  wenig  Worten  geben. 

Aus  Versuchen  mit  seinem  bewunderswürdigen  thermo* 
elektrischen  Apparat  schliefst  Melloni,  dafs  für  eine  Strecke 
von  5  bis  6  Metern  die  Absorption  der  strahlenden  Wärme 
durch  die  atmosphärische  Luft  vollkommen  unmerklich  sej. 

Mit  einem  sehr  empfindlichen  Apparat  derselben  Art 
fand  Dr.  Franz  in  Berlin,  dafs  die  in  einer  drei  Fufs 
langen  Röhre  enthaltene  Luft  3  Proc.  von  der  hindurch 
gesandten  Wärme  einer  Argand' sehen  Lampe  absorbire, 
d.  b.  dafs,  wenn  man  100  die  Anzahl  der  durch  die  aus« 

Po|geiidorir«  Annal.  Bd.  CXIII.  V 


gepumpte  Röhre  gehendeu  Strahlen  nennt,  die  Anzahl  der 
durch  die  luftvolle  Röhre  gehenden  nur  97  sey. 

Weiterhin  werde  ich  Gelegenheit  haben  zu  zeigen,  dafs 
das  von  Dr.  Franz  erhaltene  Resultat  von  einem  Fehler 
seiner  Beobachtungsweise  herrfibrt.  Diefs  sind,  wie  bekannt, 
Jie  finiig^"  Beobachtungen  dieser  Art  und  sie  laasea  das 
vor  uns  liegende  Feld  der  Untersuchung  ganz  unbebaut. 

§.  2, 

Zu  Anfang  dieser  Untersuchung  fühlte  ich  die  Noih- 
wendigkeit,  mit  einem  Galvanometer  von  gröfserer  Empßnd- 
lichkeit  als  der  gewöhnlichen  zu  arbeiten.  Das  von  mir 
angewandte  Galvanometer  war  von  Sauerwald  in  Berlin 
gearbeitet,  von  dessen  Geschicklichkeit  als  Mechaniker  man 
nicht  hoch  genug  sprechen  kann. 

Der  Draht  des  zu  diesem  Instrumente  gehörigen  Ge- 
windes bestand  aus  Kupfer,  erhalten  von  einer  gälvano* 
plastischen  Manufactur  der  preufsischen  Hauptstadt,  war 
aber  nicht  frei  von  magnetischen  Metallen.  In  Folge  die- 
ser Unreinheit  wichen  die  Nadeln,  wenn  sie  vollkommen 
astatisch  waren,  mehr  als  30  Grade  rechts  und  links  von 
dtr  neutralen  Linie  ab.  Um  diese  Abweichung  zu  neulra- 
lisiren,  wurde  ein  magnetischer  Compensator  augewandt, 
durch  den  die  Nadel  sanft  auf  den  Nullpunkt  zurückge- 
führt wurde. 

Allein  durch  diese  Einrichtung  verlor  das  Instrument 
sehr  an  Emp6ndlichkeit  und  genaue  quantitative  Bestimmun- 
gen waren  mit  demselben  nicht  erhaltbar.  Ich  suchte  daher 
das  Berliner  Gewinde  durch  ein  weniger  magnetisches  zu 
ersetzen.  Hr.  Becker  versah  mich  zunächst  mit  einem,  wel* 
ebes  die  seitliche  Ablenkung  von  30^  auf  3*^  zurückführte. 

Allein  selbst  dieser  kleine  Rückstand  war  eine  Quelle 
grofser  Unbequemlichkeit  für  mich,  und  meine  Untersu- 
chungen liefsen  mich  fast  daran  verzweifeln,  reinen  Kupfer- 
draht zu  erhalten.  Ich  wufste,  dafs  es  Prof.  Magnus  ge- 
lungen war,  solchen  für  sein  Galvanometer  zu  erhalten,  allein 
nur  mit  aufserordentiicher  Anstrengung.    Ehe  ich  solche  Ar- 


3 

beit  unternahm,  fiel  mir  bei,  dafs  zu  meinem  Zwecke  ein 
Magnet  ein  unmittelbares  und  voUkommnes  Prüfmittel  für 
die  Reinheit  des  Drahtes  abgebe.  Reines  Kupfer  ist  dia- 
magnetisch ;  eine  Abstofsung  oder  Anziehung  durch  den 
Magnet  wtirde  also  auf  einmal  zeigen,  ob  es  für  den  beab- 
sichtigten Zweck  geeignet  sey  oder  nicht. 

Stücke  des  Drahts,  den  mir  Hr.  Sauerwald  zuerst  ge- 
liefert hatte,  wurden  stark  angezogen  vom  Magnet.  Auch 
der  mir  von  Hrn.  Becker  gelieferte  Draht,  bekleidet  mit 
seiner  grünen  Seide,  wurde  angezogen,  doch  in  viel  schwä- 
cherem Grade. 

Ich  entfernte  nun  die  Bekleidung  mit  grüner  Seide  von 
letzterem  und  prüfte  den  nackten  Draht.  Nun  wurde  er 
abgesiofien.  Der  ganze  Uebelstand  lag  also  in  der  grü- 
nen Seide;  irgend  eine  Eisenverbindung  war  zum  Färben 
derselben  angewandt,  und  von  dieser  rührte  offenbar  die 
Abweichung  meiner  Nadel  vom  Nullpunkt  her. 

Ich  liefs  die  grüne  Seide  vom  Draht  entfernen,  und  ihn 
von  sauberen  Händen  mit  weifser  überspinnen,  und  hatte 
nun  ein  vollkommenes  Galvanometer.  Die  Nadel  kehrt, 
nach  Aufhebung  des  Stroms,  genau  auf  Null  zurück,  und 
ist  von  aller  magnetischen  Einwirkung  abseiten  des  Ge- 
windes vollkommen  befreit. 

In  der  That,  während  wir  Agatplatteu  und  andere  ge. 
lehrte  Methoden  ersonnen  haben,  um  den  groCsen  Uebel- 
stand eines  magnetisdien  Gewindes  zu  beseitigen,  liegen  die 
Mittel  dazu  auf  der  Hand.  Nichts  ist  leichter  zu  finden  als 
diamagnetischer  Kupferdraht,  selbst  von  der  gröfsten  Fein- 
heit. Von  elf  Proben,  von  denen  mir  vier  von  Hrn.  Becker 
geliefert,  und  sieben  aufs  Gerathewohl  aus  unserem  Labo- 
ratorium genommen  wurden,  erwiesen  sich  neun  diamagne- 
tisch und  nur  zwei  magnetisch. 

Der  einzige  Mangel  jener  feinen  Instrumente,  mit  denen 
Da  Bois-Reymond  seine  bewunderswürdieen  Untersu- 
drangen  anstellt,  ist  vielleicht  der  oben  angegebene.  Die 
Nadel  kommt  nie  auf  Null,  sondern  wird  durch  den  Com- 
pensator  dahin  getrieben.    Dieser  Fehler  kann  vollständig 

\* 


entfernt  werden.  Ersetzt  mau  die  grüne  Seide  durch  sau- 
bere weifse,  so  ist  man,  wie  grofs  auch  das  Gewinde  sey, 
des  Compensators  tiberhoben,  und  hat  die  grofse  Empfind- 
lichkeit gesichert.  Das  Instrument  wird  zu  quantitativen 
Messungen  geeignet.  Effecte,  welche  sonst  aufser  dem  Be- 
reiche der  Versuche  lagen,  werden  nun  sichtbar  gemacht; 
während  die  bisher  festgestellten  Resultate  sich  mit  einem 
Bruchtheil  der  jetzt  gebräuchlichen  Drahtlänge  erhalten 
lassen. 

§.3. 

Unsere  gegenwärtige  Kenutnifs  von  dem  Verhalten  flfls- 
siger  und  starrer  Körper  würde  zu  dem  Schlüsse  führen, 
dafs  wenn  Gase  und  Dämpfe  ein  wahrnehmbares  Absorp- 
tionsvermögen auf  strahlende  Wärme  ausüben,  diese  Ab- 
sorption sich  am  meisten  bei  Wärme  aus  dunkler  Quelle 
äufsem  werde.  Allein  die  Anwenduog  solcher  Wärme  stöbt 
auf  eine  experimentelle  Schwierigkeit.  Wie  sollen  wir  näm- 
lich die  Enden  des  Behälters  verschliefsen,  durch  welchen  die 
Wärmestrahlen  hindurch  zu  senden  sind?  Wie  Melloni 
gefunden,  absorbirt  eine  Glasplatte  von  einem  Zehntel- 
zoll Dicke  alle  Strahlen,  die  von  einer  die  Temperatur  des 
siedenden  Wassers  besitzenden  Quelle  ausgehen,  und  volle 
94  Proc.  von  den  Strahlen  aus  einer  Quelle  von  4(N)®  C. 
Folglich  würde  eine  Röhre,  die  mit  Glasplatten  versehen 
wäre,  für  den  nun  in  Betracht  stehenden  Zweck  kaum  mehr 
geeignet  seyn  als  eine  durch  Metallplatten  verschlossene 
Röhre. 

Steinsalz  bietet  sich  sogleich  als  die  geeignete  Substanz 
dar;  allein  es  ist  ungemein  schwierig  dasselbe  in  Platten 
von  gehöriger  Gröfse  und  Durchsichtigkeit  zu  erlangen. 
Wäre  ich  in  dieser  Beziehung  weniger  gut  ausgerüstet  ge- 
wesen, würden  die  dadurch  entstehenden  Hindernisse  in 
der  That  unüberwindlich  gewesen  sejn. 

Die  ersten  Versuche  wurden  gemacht  mit  einer  4  Fufs 
langen  und  2,4  Zoll  weiten  Röhre  von  planirteni  Zinn, 
deren  Enden  messingene  Ansätze  zur  Aufnahme  der  Stein- 
salzplatten  hatten.     Jede  Platte  wurde  durch  einen  Ba)on- 


Detschlüssel  fest  an  das  Raudstück  gedrückt,  getrennt  von 
demselben  durch  eine  passende  Zwiscbenlage.  Zu  diesem 
Behufe  wurden  verschiedene  Arten  von  ledernen  Ringen 
angewandt  und  verworfen;  zuletzt  nahm  ich  dazu  vulka- 
nisirtes  Kautschuck ,  sehr  schwach  eingefettet  mit  einer  Mi- 
schung von  Wachs  und  Wallrath. 

Mit  der  Röhre  war  ein  T- förmiges  Stück  verknüpft, 
das  auf  der  einen  Seite  mit  einer  guten  Luftpumpe  com- 
municirte  und  auf  der  anderen  Seite  mit  der  freien  Luft 
oder  mit  einem  Gefftfse,  welches  das  zu  den  Versuchen 
dienende  Gas  enthielt. 

Nachdem  die  Röhre  horizontal  befestigt  worden,  wurde 
ein  Leslie' scher  Würfel,  der  heifses  Wasser  enthielt,  dicht 
ynr^ii^(>in  ikAtr  Enden  aufgestellt,  während  eine  vortreff- 
lidie  thermo- elektrische  Säule,  verbunden  mit  ihrem  Gal- 
vanometer, dem  andern  dargeboten  ward.  Nach  Auspnm-* 
pung  der  Röhre  wurde  ein  polirter  Metallschirm,  der  zwi- 
schen dem  heifsen  Würfel  und  der  benachbarten  Steinsalz- 
platte stand,  fortgeuommen.  Dann  gingen  die  Wärmestrablen 
Jarch  die  Röhre,  fielen  auf  die  Thermosäule  und  bewirk- 
ten eine  stehende  Ablenkung  von  30''.  Die  Temperatur 
des  Wassers  war  beim  ersten  Versuch  eigends  so  abgegli- 
chen, dafs  diese  Ablenkung  hervorgebracht  ward. 

Nun  wurde  trockne  Luft  in  die  Röhre  eingelassen  und 
lie  Galvanömeteruadel  mit  möglichster  Sorgfalt  beobachtet. 
Jelbst  mit  Hülfe  einer  Lupe  konnte  ich  nicht  die  geringste 
^enderuug  ihrer  Lage  entdecken.  Sauerstoff,  Wasserstoff 
ind  Stickstoff,  derselben  Probe  unterworfen,  gaben  das- 
>elbe  negative  Resultat. 

Die  Temperatur  des  Wassers  wurde  nun  erst  erniedrigt, 
lO  dafs  folgweise  eine  Ablenkung  von  20*^  und  10^  ent- 
itand,  und  darauf  erhöht,  bis  die  Ablenkung  auf  40^,  50°, 
W  und  70^  stieg;  allein  in  keinem  Falle  rief  die  Eünfüh- 
ung  von  Luft  oder  einem  der  obigen  Gase  in  die  ausge- 
mmpte  Röhre  irgend  eine  merkliche  Veränderung  in  der 
Lage  der  Nadel  hervor. 

Bei  Anstellung  der  obigen  Versuche  trat  ein  Uebelstand 


6 

hervor,  nämlich  die  wohlbekannte  Eigenschaft  des  Galva- 
nometer, dafs  seine  Grade  ungleiche  Beträge  von  Wlirme- 
Wirkungen  repräsentiren.  Bei  meinem  Instrumente  z.  B; 
beträgt  die  Wärmemenge,  welche  erforderlich  ist,  um  die 
Nadel  von  60^  auf  61^  zu  treiben,  ungefähr  das  Zwanxig* 
fache  von  derjenigen,  welche  sie  von  II®  auf  12®  bringt 
Bei  den  kleinen  vorhin  gegebenen  Ablenkungen  befond 
sich  die  Nadel  freilich  in  einer  empfindlichen  Lage,  allein 
die  durch  die  Röhre  gehende  totale  Wärmemenge  war  ao 
unbedeutend,  dafs  ein  kleiner  Bruchtheil  derselben,  selbst 
absorbirt,  der  Wahrnehmung  entgehen  konnte.  Bei  den 
grofsen  Ablenkungen  dagegen  war  zwar  die  gesammte  Wär- 
memenge grofs  und  die  absorbirte  Menge  könnte  ihr  propor- 
tional  gewesen  sejn;  allein  die  Nadel  befand  sich  in  einer 
solchen  Lage,  dafs  eine  sehr  bedeutende  Abnahme  der 
Wärme  erforderlich  war,  um  eine  merkliche  Aendening 
hervorzubringen.  Daraus  entsprang  der  Gedanke,  wo  mög- 
lich mit  grofsen  Wärmemengen  zu  operiren  und  dabei  die 
Nadel,  welche  deren  Absorption  angeben  sollte,  fortwäh- 
rend Lagen  ihrer  gröfsten  Empfindlichkeit  einnehmen  zu 
lassen. 

Der  erste  Versuch,  diese  Aufgabe  zu  lösen,  war  fol- 
gender. Mein  Galvanometer  war  ein  differeutialcs.  Das 
Gewinde  bestand  aus  zwei  neben  einander  gewickelten 
Drähten,  so  dafs  durch  jeden  derselben,  unabhängig  von 
dem  andern,  ein  Strom  gesandt  werden  konnte.  Die  Ther- 
mosäule  wurde  an  einem  Ende  der  zinnernen  Röhre  auf- 
gestellt, und  mit  ihr  wurden  die  Enden  des  einen  Galva. 
uometerdrahts  verbunden.  Nachdem  eine  bis  zur  schwa- 
chen Rotbgluth  erhitzte  Kupferkugel  vor  dem  anderen  Ende 
der  Röhre  aufgestellt  worden,  wich  die  Galvanometernadel 
bis  zu  ihrer  Hemmung  bei  90^  ab.  Nun  wurden  die  En- 
den des  zweiten  Drahts  mit  einer  zweiten  Säule  so  ver* 
bunden,  dafs,  wenn  man  die  letztere  der  Kupferkugel  nä- 
herte, der  erregte  Strom  in  einer  Richtung  entgegengesetzt 
der  erstereu  durch  das  Galvauoineter  ging.  Alimählich,  so 
wie  die  zweite  Säule  näher  au  die  Wärmequelle  gebracht 


wurde,  wich  die  Nadel  von  der  Hemmung  zurück,  und, 
ak  die  beiden  Ströme  fast  gleich  geworden,  stand  die  Na- 
del dicht  bei  Null.  Hier  hatten  wir  also  eine  kräftige 
Wännefluth  durch  die  Röhre,  und  wenn  eine  vier  Fufs 
laiige  Gassäule  irgend  eine  merkliche  Absorption  ausübt^ 
so  befand  sich  die  Nadel  in  der  yortheilhaftesten  Lage  sie 
anzugeben.  Beim  ersten,  in  dieser  Weise  angestellten  Verr 
auch  geschah  die  Neutralisation  des  einen  Stroms  durch 
den  andern  als  die  Röhre  mit  Luft  gefüllt  war,  und  es 
fragte  sich  nun:  Wird  die  Entfernung  der  Luft  die  Gleicbr 
heit  stören?  —  Sie  that  es,  doch  nicht  ganz  in  der  erwar- 
teten Weise. 

Bei  beginnender  Auspumpung  der  Röhre  bewegte  sich 
die  Nadel  plötzlich  in  einer  Richtung,  welche  anzeigte, 
dafs  durch  die  theilweis  entleerte  Röhre  eine  geringere 
Wärmemenge  ging  als  durch  die  luftvolle.  Bald  aber  stand 
die  Nadel  still,  wandte  sich,  sank  rasch  auf  Null  hinab 
und  ging  auf  die  andere  Seite,  wo  ihre  Ablenkung  blei- 
bend ward.  Die  zu  diesem  Versuch  angewandte  Luft  kam 
direct  aus  dem  Laboratorium  und  der  erste  Ausschlag  der 
Nadel  rührte  von  den  Wasserdämpfen  her,  die  durch  die 
plötzliche  Auspumpuug  der  Röhre  niedergeschlagen  waren. 
Wenn  die  Luft  vor  ihrem  Eintritt  in  die  Röhre  über  Chlor- 
calcium  oder  über  Bimstein,  befeuchtet  mit  Schwefelsäure, 
geleitet  wurde,  war  kein  solcher  Effect  zu  beobachten.  Die 
Nadel  bewegte  sich  stets  in  einer  Richtung  bis  sie  das  Ma- 
ximum ihrer  Ablenkung  erreicht  hatte,  zum  Beweise,  dafii 
iu  allen  Fällen  strahlende  Wärme  durch  die  in  der  Röhre 
befindliche  Luft  absorbirt  worden  war. 

Diese  Versuche  wurden  im  Frühling  1859  begonnen  und 
ohne  Unterbrechung  sieben  Wochen  lang  fortgesetzt  Wäh- 
rend dieser  ganzen  Zeit  war  der  Verlauf  der  Untersuchung 
ein  unaufhörlicher  Kampf  mit  experimentellen  Schwierig- 
keiten. Qualitative  Resultate  wurden  leicht  erhalten,  aber 
ich  strebte  nach  genauen  Messungen,  und  solche  konnten 
mit  einer  veränderlichen  Wärmequelle  wie  die  Kupferku- 
gel nicht  erlangt  werden.     Ich  griff   daher  zu  kupfernen 


8 

WQrfelo,  die  ein  stark  erhitztes,  leicht  flüssiges  Metall  oder 
Oel  enthielten,  ward  aber  von  deren  Wirkung  nicht  be- 
friedigt Endlich  construirte  ich  eine  Lampe,  welche  eine 
Gasflamme  längs  einer  Kupferplatte  lieferte,  und  um  diese 
Flamme  constant  zu  halten,  brachte  ich  in  die  Gasleitung 
einen  spedell  zu  diesen  Zweck  construirten  Regulator.  Um 
die  Platte  Tor  der  Wirkung  von  Luftströmen  oder  plötzli- 
dben  Veränderungen  der  äufseren  Temperatur  zu  schützen, 
wurde  sie  und  die  Lampe  umgeben  mit  Metalkchirmen,  die 
dick  mit  Gjps  bekleidet  waren.  Ich  richtete  es  auch  so 
ein,  dais  die  ausstrahlende  Platte  eine  der  Wände  einer 
Kammer  bildete,  welche  mit  der  Luftpumpe  verbunden  und 
evacuirt  werden  konnte,  so  dafs  die  von  der  Kupferplatte 
ausgesandte  Wärme,  vor  ihrem  Eintritt  in  die  Experimentir^ 
Röhre,  einen  luftleeren  Raum  durchstreichen,  und  somit 
die  Qualität  behalten  mufste,  welche  sie  im  Moment  der 
Emission  besafs.  Mit  diesem  Apparat  bestimmte  ich  im 
Sommer  1859  annähernd  die  Absorption  von  9  Gasen  und 
20  Dämpfen;  allein  vermehrte  Erfahrung  und  verbesserte 
Methoden  haben  den  Werth  dieser  zuerst  gemachten  Ver- 
suche so  verringert,  dafs  ich  die  Frucht  dieser  sieben  Wo- 
chen ohne  Weiteres  übergehen  will. 

Am  9.  Sept.  1860  nahm  ich  die  Untersnchuog  wieder 
auf.  Drei  Wochen  lang  arbeitete  ich  mit  der  Kupferplatte 
als  Wärmequelle,  allein  zuletzt  verwarf  ich  sie  wegen  ihrer 
unzulänglichen  Constanz.  Ich  griff  wieder  zu  dem  Würfel 
mit  heifsem  Oel  und  setzte  mit  diesem  die  Arbeit  bis  zum 
29.  Oct.  fort.  Während  dieser  letzten  sieben  Wochen  ez- 
perimeutirte  ich  täglich  8  bis  10  Stunden;  allein  dfiese  Ver- 
suche sollten  unglücklicherweise  das  Schicksal  der  frühe- 
ren theilen.  In  der  That  war  diese  Zeit  nur  eine  Lehrzeit, 
ein  fortgesetzter  Kampf  mit  den  'Schwierigkeiten  des  Ap- 
parats und  den  Mängeln  der  Oertlichkeit,  in  welcher  die 
Untersuchung  angestellt  wurde. 

Mein  Grund  zur  Anwendung  der  oben  erwähnten  hö- 
heren Wärmequellen  war  der,  dafs  einige  der  von  mir  uu- 
tcrsucbten  Gase  ein  so  kleines  Absorptionsvermögen  haben. 


daCs  es  einer  sehr  hohen  Temperatur  bedurfte,  um  es  deut- 
lich sichtbar  zu  machen.  Für  andere  Gase  und  für  alle 
Dämpfe,  die  ich  kennen  lernte,  würde  eine  Quelle  von 
niederer  Temperatur  ausgereicht,  aber  schwerlich  Vorzüge 
gehabt  haben.  Endlich  wurde  ich  veranlafst  zum  siedenden 
Wasser  zu  greifen,  welches  zwar  viel  schwächere  Wirkun- 
gen giebt,  sich  aber  doch  in  so  constanter  Temperatur  er- 
halten Iftfst,  dafs  Ablenkungen,  die  bei  den  andern  Quel- 
len durch  die  Beobachtungsfehler  versteckt  würden,  mit 
ihm  zu  wahren  quantitativen  Absorptionsmaafsen  werden, ' 

§.4. 
Der  zu  den  Absorptions- Versuchen  angewandte  Appa- 
rat ist  auf  Taf.  I  abgebildet.  SS  ist  die  Experimentir- 
ROhre,  aus  Messing  bestehend,  innen  polirt,  und,  wie  die 
Figur  zeigt,  yerbunden  mit  der  Luftpumpe  AA.  Bei  Sund 
S  ist  die  Röhre  durch  Steinsalzplatteu  luftdicht  verschlossen. 
Die  Länge  von  S  nach  S  beträgt  4  Fufs.  C  ist  ein  Wür- 
fel, enthaltend  siedendes  Wasser,  in  welches  das  Thermo- 
meter I  eingetaucht  ist.  Der  Würfel  ist  aus  Kupfer  ge- 
gossen und  auf  der  einen  seiner  Seiten  versehen  mit  einem 
Ring,  woran  ein  Messingrohr,  von  gleichem  Durchmesser 
wie  8S  und  mit  diesem  luftdicht  verbindbar,  sorgftltig  an- 
gelöthet  ist  Die  Seite  des  Würfels  innerhalb  des  Ringes 
ist  die  ausstrahlende  Fläche;  sie  ist  mit  Lampenrnfs  über- 
zogen. So  befindet  sich  denn  zwischen  dem  Würfel  C  und 
der  ersten  Steinsalzplatte  eine  Vorderkammer  F,  die  durch 
das  biegsame  Rohr  DD  mit  der  Luftpumpe  verbunden  ist 
und  unabhängig  von  SS  ausgepumpt  werden  kann.  Um 
zu  verhindern,  dafs  Wärme  durch  Leitung  die  Steinsalz- 
platte S  erreiche,  ist  die  Röhre  F  durch  ein  Gefäfs  V  ge- 
führt, und  an  demselben  beim  Ein-  und  Austritt  festge- 
lOthet.  Diefs  Gefftfs  wird  unausgesetzt  mit  kaltem  Wasser 
versehen,  welches  durch  das  bis  zu  seinem  Boden  hinab- 
gehende Rohr  ii  eintritt,  während  das  erwärmte  Wasser 
durch  das  Rohr  ee  abfiiefst;  die  beständige  Circulation  der 
Flüssigkeit  nimmt  vollständig  die  Wärme  fort,  welche  sonst 


10 

die  Platte  S  erreichen  würde.  Der  Wflrfel  C  wird  durch 
die  Gaslampe  L  erhitzt.  P  ist  die  thermo- elektrische  Säule 
mit  ihrem  Stative,  vor  dem  Ende  S'  der  Experimeutir-Röhre 
stehend,  und  versehen  mit  zwei  konischen  Reflectoreu,  wie 
die  Figur  zeigt.  C  ist  der  compensirende  Würfel,  der 
dazu  dient,  durch  seine  Strahlung  die  Wirkung  der  durch 
SSf  gehenden  Strahlen  zu  neutralisiren.  Diefs  ist  eine  sehr 
feine  Operation  und  um  sie  zu  bewerkstelligen  ist  der  Dop- 
pelschirm H  versehen  mit  einer  Schraubenvorrichtung,  mit- 
telst deren  er  um  äufserst  kleine  Strecken  vor-  und  rück- 
wärts geschoben  werden  kann.  NN  ist  das  Galvanometer 
mit  seinen  vollkommen  astatischen  Nadeln  und  seinem  voll- 
kommen unmagnetischem  Gewinde;  es  ist  mit  der  Säule  P 
durch  die  Drähte  u>w  verbunden.  YY  ist  ein  System  von 
sechs  Chlorcalcium -Röhren,  jede  2,5  Fufs  lang.  Z  ist  eine 
Unförmige  Röhre,  enthaltend  Bimsteinstücke,  befeuchtet  mit 
starker  Aelzkalilauge,  und  X  ist  eine  zweite  ähnliche  Röhre 
enthaltend  Bimsteinstücke,  benäfst  mit  concentrirter  Schwe* 
feisäure.  Wenn  man  nur  Trocknung  beabsichtigte,  ward  die 
Kaliröhre  fortgelassen;  waren  dagegen,  wie  bei  der  atmo- 
sphärischen Luft,  zugleich  Feuchtigkeit  und  Kohlensäure, 
zu  entfernen,  so  wurde  die  Kaliröhre  eingeschaltet  GG  ist 
ein  Gasometer,  aus  welchem  das  zu  untersuchende  Gas 
durch  die  Trocken -Röhren  und  von  da  durch  die  Röhre  pp 
in  die  Elxperimentir- Röhre  SS'  gesandt  wurde.  Der  An. 
salz  bei  Jlf  und  die  Vorrichtung  bei  00  kommen  für  jetzt 
nicht  in  Betracht.  Ich  werde  ihrer  nach  und  nach  gele- 
gentlich erwähnen. 

Die  Verfahrungsweise  war  folgende.  Nachdem  die  Röhre 
SS  und  die  Kammer  F  möglichst  vollkommen  ausgepumpt 
worden,  wurde  die  Gemeinschaft  zwischen  beiden  durch 
Schliefsung  der  Hähne  m,  m'  unterbrochen.  Die  Strahlen 
aus  der  inneren  und  geschwärzten  Fläche  des  Würfels  C 
gingen  zuerst  durch  das  Vacuum  F,  dann  durch  die  Stein- 
salzplatte bei  S,  durch  die  Experimentir- Röhre,  und  durch 
die  zweite  Platte  bei  S*,  von  welcher  aus  sie,  verdichtet 
durch  den  vorderen  konischen  Reflector,  auf  die  benach- 


11 

harte  Fläche  der  Säule  P  fielen.  Währenddefs  fielen  die 
Strahlen  des  heifsen  Würfels  C  auf  die  andere  Fläche  der 
Säule  und  die  Lage  der  Galvanometernadel  zeigte  zugleich, 
welche  der  Wärmequellen  überivog.  Eine  Bewegung  des 
Schirms  H  rück-  oder  vorwärts  mit  der  Hand  reichte  hin 
eine  angenäherte  Gleichheit  herzustellen;  allein,  um  die  bei- 
den Strahlungen  vollkommen  gleich  zu  machen  und  somit 
die  Nadel  genau  auf  Null  zu  bringen,  war  die  vorhin  er- 
w&bute  feine  Bewegung  des  Schirms  durchaus  nothwendig. 
War  nun  die  Röhre  evacuirt  und  die  Nadel  auf  0^  ge- 
bracht, so  wurde  das  zu  untersuchende  Gas  in  die  Röhre 
eingelassen,  wobei  es  zunächst  durch  den  Trocken -Apparat 
gingp  Man  läfst  eine  erforderliche  Gasmenge  hinein.  Die 
Versuche  mit  Gasen  und  Dämpfen  haben  einen  Vorzug  vor 
denen  mit  flüssigen  und  starren  Körpern,  dadurch,  dafs  man 
die  Dichtigkeit  nach  Belieben  abändern  kann.  Hat  man 
die  erforderliche  Gasmenge  hineingelassen,  so  beobachtet 
man  das  Galvanometer  und  kann  nun  aus  der  Ablenkung 
die  Absorption  genau  bestimmen.  Bis  zum  36.  Grade  sind 
die  Grade  meines  Galvanometers  alle  von  gleichem  Werthe, 
d.h.  dieselbe  Wärmemenge,  welche  die  Nadel  von  1^  bis 
2^  bewegt,  bringt  sie  auch  von  35"  auf  36°.  Jenseits  dieser 
Gränze  entsprechen  die  Grade  gröfseren  Wärmemengen. 
Das  Instrument  war  nach  der  von  Melloni  empfohlenen 
Methode*)  genau  kalibrirt,  so  dafs  der  genaue  Werth  seiner 
höheren  Ablenkungen  sogleich  mittelst  einer  Tafel  erhalten 
wurde.  Bis  zum  36.  Grad  kann  daher  die  einfache  Ablen- 
kung als  Ausdruck  der  Absorption  betrachtet  werden;  allein 
darüber  hinaus,  wird  die  einer  Ablenkung  entsprechende 
Absorption  mittelst  der  Kalibrationstafel  erhalten. 

§5. 

Die  Luft  des  Laboratoriums,  befreit  von  ihrer  Feuch- 
tigkeit und  Kohlensäure,  in  die  Röhre  hineingelassen  bis 
sie  gefüllt  war,  bewirkte  eine  Ablenkung  von  etwa 

1 )  La  ihermochrdse  etc,     Napies   1830,  p»  59.  *• 


12 

1° 

Sauerstoff,  bereitet  aus  chlorsaurem  Kali  und  Maugauhjrper- 
oxyd,  gab  eioe  Ablenkung  von  etwa 

1« 
Stickstoff,    erhalten    durch  Zersetzung   tou  salpetersaurem 
Kali,  gab  eine  Ablenkung  von  etwa 

1» 
'Wasserstoff,  aus  Zink  und  Scbwefels&ure,  gab  eine  von 
etwa 

1» 
Sauerstoff,  erhalten  durch  Elektrolyse  des  Wassers ^  und 
durch    eine  Reihe  von  acht,   mit  starker  lodkaliumlösung 
gefüllten  Kugeln  geleitet,  bewirkte  eine  Ablenkung  von  etwa 

l^ 

Beim  letzten  Versuch  war  der  elektroljrtische  Sauerstoff 
von  seinem  Ozon  befreit.  Als  das  lodkalium  fortgelassen 
und  der  Sauerstoff  mit  seinem  Ozon  in  die  Röhre  einge* 
lassen  wurde,  war  die  Ablenkung 

4«. 

Die  kleine  Menge  von  Ozon,  die  den  Sauerstoff  in  dic> 
sem  Fall  begleitet,  stört  also  die  Absorption  des  reinen 
Sauerstoffs'). 

Ich  habe  diese  Versuche  vielmals  mit  verschiedenen 
Wärmequellen  wiederholt  Bei  Quellen  von  hoher  Tem- 
peratur  war  der  Unterschied  zwischen  Ozon  und  gewöhn« 
lichem  Sauerstoff  sehr  auffallend.  Durch  eine  sorgfältige 
Zersetzung  liefse  sich  wohl  eine  viel  gröfsere  Menge  Ozon 
und  demgemäfs  ein  gröfserer  Effect  auf  die  strahlende 
Wurme  erhalten. 

Bei  Darstellung  des  elektroljtischen  Sauerstoffs  bediente 
ich  mich  zweier  verschiedener  Gefäfse.  Zur  Verminderung 
des  Widerstandes  des  gesäuerten  Wassers  stellte  ich  in  das 
eine  GefSfs  ein  Paar  sehr  grofser  Platiuplatten,  zwischen 
welchen   ich  den   Strom   einer  Grovc'schen  Batterie  von 

I  )  Man  wird  weiterliin  sehen,  dafs  dieses  Resultat  roit  der  Vorausseltung 
liarnaonirt,  das  auf  die  beschriebene  Weise  erhaltene  Oaod  sey  ein  zu- 
sammengesetzter Körper. 


13 

10  Zellen  übergeben  liefs.  Die  an  einer  so  grofsen  Ober- 
fläche sich  entwickelnden  Sauerstoffblasen  waren  ungemein 
klein,  und  als  das  so  erzeugte  Gas  durch  lodkaliumlösung 
geleitet  ward,  färbte  es  kaum  die  Flüssigkeit;  der  charak- 
teristische Geruch  des  Ozons  fehlte  auch  fast  ganz.  In  dem 
ziveiten  Geßifse  wurden  kleinere  Platten  gebraucht.  Die 
Saaerstoffblasen  waren  viel  gröfser  und  kamen  nicht  in  so 
innigen  Contact  mit  dem  Platin  oder  dem  Wasser.  Der 
so  erhaltene  Sauerstoff  zeigte  die  charakteristischen  Reac- 
tionen  des  Sauerstoffs,  und  mit  ihm  wurden  die  obigen  Re- 
sultate erhalten. 

Die  gesammte  Wärmemenge,  welche  bei  diesen  Versu- 
chen durch  die  Röhre  gesandt  wurde,  bewirkte  eine  Ab- 
lenkung von 

7P,5. 

Nimmt  man  die  Wärmemenge,  welche  nöthig  ist  die 
Nadel  von  0®  auf  1^  zu  bringen,  als  Einheit,  so  beträgt 
die  Anzahl  der  durch  obige  Ablenkung  ausgedrückten  Ein- 
heiten 

308. 

Folglich  beläuft  sich  die  Absorption  auf  ungefähr  0,33 
Procent  Ich  vermag  für  jetzt  nicht  mit  Sicherheit  Sauer- 
stoff, Wasserstoff,  Stickstoff  und  atmosphärische  Luft  hin- 
sichtlich ihres  Absorptionsvermögens  zu  ordnen,  obwohl 
ich  zu  diesem  Behufe  an  hundert  Versuche  angestellt  habe. 
Die  eigene  Wirkung  derselben  ist  so  klein,  dafs  die  ge- 
ringste fremde  Beimischung  dem  einen  ein  Uebergewicht 
über  den  anderen  verleiht.  Zur  Darstellung  der  Gase  habe 
ich  verschiedene  Methoden  angewandt,  welche  in  chemischen 
Lehrbüchern  empfohlen  werden,  allein  bisjetzt  blofs  um  die 
zufälligen  Fehler  dieser  Methoden  zu  entdecken.  Gereiftere 
Erfahrung  und  die  Hülfe  meiner  Freunde  werden,  hoffe  ich, 
mich  in  den  Stand  setzen,  dieses  Problem  nach  und  nach 
zu  lösen.  Eine  Prüfung  der  gesammten  Versuche  läfst 
mich  den  Wasserstoff  als  dasjenige  Gas  betrachten,  welches 
das  schwächste  Absorptionsvermögen  ausübt. 

Wir  haben  in  diesen  Fällen  Minimal- Absorptionen  von 


14 

Gasen.  Es  wird  interesaaiit  seyu,  die  obigen  Resultate  za- 
sammen  zu  stellen  mit  einigen  der  beim  Olbildenden  Gase 
erhaltenen,  dem  stärkst  absorbirenden  Gase,  irelches  ich 
bisher  untersucht  habe.  Ich  wShle  zu  dem  Ende  einen  am 
21.  November  gemachten  Versuch. 

Die  Nadel  stand  stetig  auf  0",  in  Folge  der  Gleichheit 
der  Wirkunf^en  auf  die  entgegengesetzten  Seiten  der  SSole. 
Die  Zulassung  von  ölbildendem  Gase  gab  die  bleibende 
Ablenkung 

70«,3. 

Nachdem  das  Gas  vollständig  entfernt  und  das  Gleich- 
gewicht wiederhergestellt  worden,  wurde  eine  polirte  Me- 
tallplatte eingeschaltet  zwischen  eine  Seite  der  SSnle  und 
die  benachbarte  Wärmequelle.  Die  gesammte  Wärmemenge 
welche  durch  die  evacuirte  Röhre  ging,  erzeugte  nun  eine 
Ablenkung  von 

75^ 

Die  Ablenkung  70^,3  entspricht  290  Einheiten  und  die 
Ablenkung  75^  entspricht  360  Einheiten,  folglich  waren 
mehr  als  sieben  Neuntel  oder  ungefähr  81  Proc.  von  der 
gesammten  Wärme  durch  das  ölbildende  Gas  fortgenommen 
worden. 

Die  aufserordentliche  Stärke,  mit  welcher  die  Nadel 
nach  Einlassung  von  ölbildendem  Gase  in  die  Röhre  abge- 
lenkt wurde,  war  eine  solche,  wie  erfolgen  würde,  wenn 
die  Steinsalzplatten  plötzlich  mit  einer  opaken  Schicht  über- 
zogen würden.  Ich  prüfte  daher,  ob  eine  solche  Wirkung 
stattfände.  Ich  polirte  eine  dieser  Platten  sorgfähig  und 
hielt  sie  dann  eine  beträchtliche  Zeit  gegen  einen  Strom 
des  Gases;  aber  sie  wurde  dadurch  nicht  trübe.  Ueberdiefs 
erschienen  die  Platten,  welche  täglich  von  der  Röhre  ab- 
genommen wurden,  bei  dieser  Abnahme  gewöhnlich  eben 
so  klar  wie  dann,  wann  sie  angelegt  wurden. 

Bei  diesen  Versuchen  strömte  das  Gas  von  dem  Be- 
hälter aus  und  war  daselbst  mit  kaltem  Wasser  in  Berüh- 
rung gewesen.  Um  zu  sehen,  ob  es  die  Steinsaizplatten 
beschlagen   und   dadurch  den  Effect  hervorgebracht  hätte. 


15 

fttllto  ich  einen  abnlicben  Behälter  mit  atniosphSrischer  Luft 
und  liefs  sie  die  Teroperatar  des  Wassers  annehmen;  allein 
ihre  Wirkung  warde  dadurch  nicht  merklich  vergröfsert. 

Um  das  Gas  einer  Ocular-Untersuchung  za  unterwerfen, 
cooatruirte  ich  eine  Glasröhre  und  verknüpfte  sie  mit  der 
Loftpumpe,  allein  als  ölbildendes  Gas  in  dieselbe  einge^. 
lassen  wurde,  war  nicht  die  geringste  Trübung  wahrzuneh- 
men. Um  den  letzten  Gedanken  an  eine  mögliche  Einwir- 
kung des  Gases  auf  die  Steinsalzplatten  zu  entfernen,  wurde 
die  anfangs  erwtthnte  Zinnröhre  in  ihrer  Mitte  dnrchbohrt, 
und  ein  Hahn  in  dieselbe  eingesetzt:  die  Wärmequelle 
wurde  vor  dem  einen  Ende  der  Röhre  aufgestellt  und  die 
Ibermo- elektrische  Säule  in  einigem  Abstand  vor  dein  an- 
dern« Die  Steinsalzplatteu  waren  ganz  beseitigt,  indem  die 
Röhre  an  beiden  Enden  offen  und  mit  Luft  geföllt  war. 
Als  man  nun  das  ölbildende  Gas  ein  Paar  Sekunden  lang 
einströmen  liefs,  flog  die  Nadel  gegen  die  Hemmung,  und 
sie  blieb  eine  beträchtliche  Zeit  zwischen  80^  und  90^  ste 
ben.  Ein  langsamer  Luftstrom  in  die  Röhre  geleitet,  ent- 
fernte allmählich  das  Gas  und  nun  kehrte  die  Nadel  genan 
auf  Null  zurück. 

Das  Gas  in  dem  Behälter  befand  sich  unter  einem  Was- 
serdruck von  12  Zoll;  als  nun  der  Hahn  an  dem  Würfel 
schnell-  auf  und  zugedreht  wurde,  war  die  Gasmeuge,  welche 
während  dieser  kurzen  Zeit  in  die  Röhre  trat,  hinreichend, 
die  Nadel  gegen  die  Hemmung  zu  treiben  und  zwischen 
60°  und  70°  stillstehend  zu  halten.  Nachdem  das  Gas 
abermals  entfernt  worden,  wurde  der  Hahn  so  schnell  wie 
möglich  einmal  halb  umgedreht.  Die  Nadel  machte  erst 
einen  Ausschlag  von  60°  und  blieb  dann  bei  50°  stehen. 

Die  Gasmenge,  welche  diesen  letzten  Effect  hervorbrachte, 
erwies  sich,  als  sie  in  eine  graduirte  Röhre  eingelassen  wurde, 
nicht  ein  Sechstel -Kubikzoll  übersteigend. 

Nun  nahm  man  die  Röhre  fort  und  liefs  beide  Wärme- 
quellen aus  einigem  Anstand  auf  die  Thermosäule  wirken. 
Als  die  Nadel  auf  Null  stand,  liefs  man  zwischen  einer  der 
Wärmequellen  und  der  Säule  Ölbildendes  Gas  aus  einem 


16 

gewöhnlichen  Argand 'sehen  Brenner  aaset römen.  Das  Gas 
war  unsichtbar:  nichts  war  in  der  Lofl  wahrzunehmen,  aber 
dennoch  zeigte  die  Nadel  die  Gegenwart  desselben  an,  in- 
dem sie  einen  Ausschlag  von  41"  machte.  Bei  den  zuletzt 
beschriebenen  vier  Versuchen  war  die  Wärmequelle  ein  bis 
250"  C.  erhitzter  Würfel  von  Oel,  und  der  Compensations- 
Würfel  war  mit  siedendem  Wasser  angefüllt. 

Diejenigen,  welche,  wie  ich,  die  durchsichtigen  Gase  für 
fast  vollkommen  diatherman  gehalten  haben,  werden  wahr- 
scheinlich das  Erstaunen  begreifen,  mit  welchem  ich  diese 
Effecte  kennen  lernte.  In  der  That  konnte  ich  es  erst  all- 
mählich für  möglich  halten,  dafs  ein  Körper  von  solcher 
Constitution  und  solcher  Durchsichtigkeit  für  das  Licht  wie 
das  ölbildende  Gas  so  ungemein  opak  für  Wärmestrahlen 
jeglicher  Art  seyn  werde.  Um  mich  gegen  Fehler  zu  schützen, 
habe  ich  mehre  Hundert  Versuche  mit  dieser  einzigen  Sub- 
stanz gemacht.  Ich  glaube-  jedoch  nicht,  dafs  ich  durch 
umständliche  Anführung  derselben  der  Beweiskraft  der 
bisher  gegebenen  Versuche,  dafs  der  Vorgang  eine  wahr- 
hafte Wärme* Absorption  ist,  etwas  hinzufügen  würde  '). 

§.  6.  , 

Nachdem  ich  sonach  im  Allgemeinen  das  Absorptions- 
vermögen des  ölbildenden  Gases  festgestellt,  fragt  sich: 
Welche  Relation  besteht  zwischen  der  Dichtigkeit  des  Ga- 
ses und  der  ausgelöschten  Wärmemenge. 

Zuerst  suchte  ich  diese  Frage  in  folgender  Weise  za 
beantworten.  Es  wurde  ein  gewöhnliches  Quecksilber-Ma- 
nometer mit  der  Luftpumpe  verbunden  und  darauf,  nacb- 
dem  die  Experimentir-Röhre  ausgepumpt  und  die  Galvano- 
meternadel auf  Null  gebracht  worden,  ölbildendes  Gas  ein- 

1 )  OfTeobar  wäre  bei  diesem  Gase  die  alte  Arl  des  Expcriroeotirena  an- 
zuwenden. In  der  That  haben  luehre  der  von  Melloni  untersuchten 
starren  K6rper  ein  geringeres  Absorptionsvermögen  als  dasselbe.  Hatte 
es  die  Zeit  erlaubt,  so  würde  ich  meine  Resultate  durch  in  gewöhn- 
licher Weite  geroachte  Versuche  controHrt  haben;  ich  beabsichtige  dicfs 
bei  einer  künftigen  Gelegenheit. 


rgezeichnet.' 
wioD  2  Zoll 

„  o , ja«  Ton  «i- 

nen.  zwei,  drei  Zoll  und  mehr  Spamiung  bestimmt. 

lo  der  folgeodcD  Tafel  enlhllt  die  erste  Cokunne  die 
SpaDDong  in  Zolleo,  die  Zfreite  die  AbleuLoDgen  oDd  die 
drilto  die  einer  jeden  Ablenkung  entsprechende  AbiorptJoo.  - 

Tafel  I.  —  fWUldeadM  Qu. 
SpMMninf.  AblcnkaDf.  Abtorplion.' 

1  ZoU  se^.o  90 

2  51  ,2  123 

3  59  ,3  142 
i                         60  .0  154 

5  60  ,5  163 

6  61  ^  177 
f                      7                          61  ,4  182 

8  61  .7  184 

t                      9  62  ,0  190 

;                     10  63  ,2  193 

1                      20  66  ,0  227. 

Hier  zeigt  sich  keine  besthnmte  Relation  xniscfaen  der 
1  Oidite  des  Gases  und  der  Absorption  darch  dauelb«: 
)  Wir  bemerken  nar,  daCs  mit  zunebniender  Dichte  das  Ver- 
1  hiltnib  zwischen  je  zwei  einander  folgenden  Absorptionen 
'  lid)  hnmennefar  der  Einheit  nähert.  Eine  Versiebenfaehimg 
der  Dichtigkeit  terdcppelt  nur  die  Absorption,  wkhroid 
1  Gm  von  20  Zoll  Spannung  Dar  2^  Mal  so  viel  abaorblrt 
I  wie  Gas  von  einem  Zoll  Spannung. 

!Es  bieten  sich  jedoch  die  folgenden  Beobachtungen  dan 
Klar  ist,  dafs  Olbildendefi  Gas  vor  einem  Zoll  Spannung, 
:  welches  eine  so  starke  Ablenkung  wie  56"  bewirkt,  einen 
I  (rofsen  Antbeil  der  von  dem  Gase  absorbirbaren  Strahlen 
a.i.  Bd.  nxiii.  2 


18 

mUtochen  nafs,  and  mithin  kann  man  mit  Grand  erwar- 
ten» dafs  die  folgenden  Portionen,  indem  rie  auf  eine  im- 
mer geringere  Warme  su  wirken  haben,  einen  fortwibrend 
kleinem  Effect  ausüben  mfiasen.  Gesetzt  aber,  die  Menge 
des  gerade  eingeführten  Gases  sey  so  klein,  dafs  üe  An- 
sabl  der  darch  dasselbe  ansgel(Vschten  Strahlen,  eine  ver- 
schwindende GrOfse  sej  im  Vergleich  eu  der  gesarnrnten 
Zahl  derer,  die  der  Absorption  ffihig  sind.  In  diesem  Falle 
können  wir  gegrfindeter  Weise  erwarten,  dafs  eine  dop> 
pelte,  dreifache  a.  s.  w.  Gasmenge  einen  doppelten»  drei- 
fachen o.  s.  w.  Effect  hervorbringen,  oder,  im  Allgemeinen 
ausgedrückt,  die  Absorption  proportional  der  Dichtigkeit 
aejn  werde. 

Um  diese  Idee  zu  prüfen,  wurde  ein  Theil  des  Appa- 
rata  benutzt,  der  in  der  vorhin  gegebenen  Beschreibung 
absichtlich  übergangen  wurde.  00  ist  eine  graduirte  Glas- 
röhre, deren  Ende  in  eine  Schale  mit  Wasser  B  taudt 
Diese  Röhre  ist  oben  mittelst  des  Hahnes  r  verschliebbar; 
dd  ist  eine  Röhre,  welche  Stücke  von  Chlorcaldum  entbilt 
Die  Röhre  00  wurde  zuerst  mit  Wasser  bis  zum  Hahn  r 
gefüllt,  dann  diefs  Wasser  durch  Ölbildendes  Gas  verdrlBgt^ 
und  darauf  die  Röhre  SS  und  der  ganze  Raum  zwiacbea 
ihr  und  dem  Hahn  r  ausgepumpt.  Nun  drehte  man  dem 
Hahn  sorgfältig  um  und  liefs  das  Gas  äufserst  langsani  in 
die  Röhre  8S  eintreten.  Dadurch  stieg  das  Waaser  ni 
00  und  enreidite  denjenigen  Theilstrich,  welcher  ein  Vit* 
lum  von  3V  Kubikzon  vorstellte.  Man  lieb  soeeessive  Maäbe 
dieser  Capadtai  in  die  Röhre  eintreten  und  bestiininle  f^ 
dMMl  die  Absorption.  In  der  folgenden  TaM  enthill  Ae 
eilte  Columne  die  in  die  Röhre  eingelasseiie  GatmenM* 
die  tweüe  die  mtsprechrade  Ablenkung,  wdche  ionetliiA 
der  Grinzen  der  Tafel  die  Absorption  ansdrticktj  und  dh 
dritte  die  Absorption,  berechnet  in  der  Annahme,  dafi 
Absorption  proportional  der  Dichte  sey. 


19 

Tafel  II.    OelbUdendes  Om. 

MaaTt-Eiolieit  ^  KokikioU. 

MmCm  AbMrptioa 

Gm.  bcobacbtet«  berschoei. 

1  2,2  2,2 

2  4,5  4,4 

3  6,6  6,6 

4  83  8,8 
6  11,0  11,0 

6  .  12,0  13,2 

7  14,8  15,4 

8  163  17,6 

9  19,8  19,8 

10  22,0  22,0 

11  24,0  24,2 

12  25,4  26,4 

13  29,0  28,6 

14  30,2  29,8 

15  33,5  33,0. 

Diese  Tafel  zeigt  die  Richtigkeit  der  TorhendeneD  Ver- 
mathimg,  und  beweist,  dab  filr  kleine  Gasmengen  die  Ab- 
sorption genau  der  Dichtigkeit  proportional  ist.  Schätzen 
wir  jetzt  die  Spannungen  der  Gasmengen,  mit  denen  wir 
operirt  haben«  Die  LKnge  unserer  Experimentir- Röhre 
betrSgt  48  Zoll  und  ihr  Durchmesser  2,4  Zoll;  ihr  Volum 
also  218  KubikzoIL  Addiren  wir  dazu  den  Raum -Inhalt 
der  H&hne  und  anderen  Leitungen,  welche  zu  der  Röhre 
führen,  so  können  wir  annehmen,  daCs  jeder  Fünfzigste!- 
Kubikzoll  des  Gases  sich  in  einem  Raum  von  220  Kubik- 
zoll  auszubreiten  hatte.  Die  Spannung  eines  einfachen 
Maafses  Gas,  so  ausgedehnt,  würde  also  =^^^1^^  Atmo« 
sphftre  seyn,  —  eine  Spannung,  welche  die  mit  der.  Luft- 
pumpe verbundene  Quecksilbersäule  um  ^rr  Zoll  oder  un* 
gefahr  TT  Millimeter  herabdrficken  wfirde. 

Allein  das  Absorptionsvermögen  des  ölbildenden  Gases,  so 
ungewöhnlich  es  den  obigen  Versuchen  nach  auch  ist, 

2* 


20 

doch  weit  übertroffen  von  dem  der  Ditiipfe  einiger  fltlcii- 
tigen  Flüssigkeiten.  Eine  Gasflasche  •  wurde  versehen  mit 
einer  Messiugkappe,  worin  ein  Schraubengang,  mittelst  dessen 
ein  Hahn  luftdicht  an  die  Flasche  geschraubt  werden  konnte. 
Nachdem  Schwefeläthcr  in  letztere  gebracht  worden,  wurde 
der  Raum  über  der  Flüssigkeit  durch  eine  feweite  Luft- 
pumpe vollständig  von  Luft  befreit  Dann  wurde  die  Flasche 
mit  verschlossenem  Hahn  mit  der  Experimentir- Röhre  ver- 
knüpft, letztere  ausgepumpt  und  die  Nadel  auf  Null  ge- 
bracht, endlich  der  Hahn  gedreht,  so  dafs  der  Aetherdampf 
sich  langsam  in  die  Experimentir- Röhre  verbreitete.  Ein 
Gehülfe  beobachtete  das  Manometer  der  Luftpumpe  und 
wenn  es  einen  Zoll  gesunken  war,  schlofs  man  rasch  den 
Hahn.  Nachdem  die  durch  die  partielle  Auslöschung  der 
Wärmestrahlen  bewirkte  galvanometrische  Ablenkung  auf- 
gezeichnet worden,  wurde  eine  zweite,  das.  Manometer  um 
einen  Zoll  deprimircnde  Dampfmenge  hineingelassen,  und 
in  dieser  Weise  die  Absorptionen  für  fünf  solcher  Dampf. 
mengen  bestimmt.  In  der  folgenden  Tafel  enthält  die  erste 
Columne  die  Spannungen  in  Zollen,  die  zweite  die  einer 
jeden  entsprechenden  Ablenkung,  und  die  dritte  die  ak 
aorbirte  Wärmemenge,  ausgedrückt  in  den  schon  angege* 
benen  Einheiten.  Des  Vergleiches  halber  habe  ich  in  der 
laerten  Columne  die  entsprechende  Absorption  des  Ölbil- 
denden Gases  daneben  gestellt. 

Tafel  111.  -T  Sohwefeläther. 

Oelbüdendes  Gat,  . 
cnuprcclieode  Ab-  ■ 
Spaonoog.  AbUoknng.         Absorption.        torplion.  . 

IZoll  64,8  214  90 

2  70,0  282  123 

3  72,0  315  142 

4  73,0  330  lp4 

5  73,0  330  163. 

Für  diese  Spannungen  ist  also  die  Absorption  der  Btrahr 
lenden  WSmic  durch   Schwefelätherdampf  mehr  als  dop- 


21 

pelt  so  grofs  wie  die  Absorption  durch  Ölbildendes  Gas. 
Wir  bemerken  auch,  dafs  bei  ersteretn  die  successiven  Ab- 
sorptionen sich  rascher  der  Gleichheit  nähern.  'In  d6r  Thai 
war  die  von  dem  Dampf  bewirkte  Absorption  bei  4  ZöU 
Cast  dieselbe  wie  die  bei  5  Zoll. 

Es  sind  jedoch  ähnliche  Betrachtungen,  wie  die  beim 
ölbildenden  Gase  gemachten,  auch  beim  Aether  anwend- 
bar.  Gesetzt  wir  machten  unsere  Maafs- Einheit  klein  ge- 
nug, so  wird  die  Anzahl  der  zuerst  zerstörten  Strahlen 
verschwinden  im  Vergleich  zur  Gesammtzahl  derselben,  und 
eine  Zeitlang  wird  wahrscheinlich  das  Gesetz  gelten,  dab 
die  Absorption  direct  der  Dichte  proportional  ist.  Um  zu 
ermitteln,  ob  diefs  der  Fall  sey,  wurde  der  andere  noch 
nicht  beschriebene  Theil  des  Apparats  benutzt.  K  ist  eine 
kleine  Flasche  mit  einer  Messingkappe,  welche  an  den  Hahn 
C*  fest  angeschraubt  wird.  Zwischen  den  Hähnen  C*  und  C, 
welcher  letzterer  mit  der  Expcrimentir- Röhre  verbunden 
ist,  befindet  sich  die  Kammer  if,  deren  Capacilät  genau 
bestimmt  war.  Die  Flasche  K  wurde  theilweis  mit  Aether 
gefüllt  und  die  Luft  über  demselben  entfernt.  Nachdem 
der  Hahn  C  geschlossen  und  C  geöffnet  worden,  wurden 
die  Röhre  SS*  und  die  Kammer  M  vollkommen  ausge- 
pumpt. Durch  Schliefsuug  von  C  und  Oeffuung  von  C 
füllte  sich  die  Kammer  mit  Aetherdampf,  und  wenn  man 
darauf  C  verschlofs  und  C  öffnete,  verbreitete  sich  diese 
Dampfmenge  in  die  Experimeutir- Röhre  und  ihre  Absorp- 
tion konnte  bestimmt  werden.  Solcher  Maafse  wurden  suc- 
cessive  mehre  in  die  Röhre  gesandt  und  der  von  jedem 
bewirkte  Effect  aufgezeichnet.  Es  wurden  auch  Maafse  von 
verschiedener  Capacität  angewandt,  je  wie  es  die  zu  unter- 
suchenden Dämpfe  erforderten.  Bei  der  ersten  Reihe  der 
mit  diesem  Apparat  geraachten  Versuche  unterliefs  ich,  die 
Luft  aus  dem  Raum  über  der  Flüssigkeit  zu  entfernen. 
Jedes  Maafs,  welches  in  die  Röhre  gesandt  wurde,  war 
also  ein  Geroisch  Ton  Dampf  und  Luft.  Diefs  verringerte 
"den  Effect  des  ersteren,  allein  das  Gesetz  der  Propörtio- 
mlHilt  fbr  kleine  Mengen  seigte  sich  4och  sd  entsehiedeii. 


.  \\  '"Jfk  dafs   es  mich    vcraDlafst,  die   Beobachtun 

Die  erste  Columne  enthält,   wie  geyrO&D/ic^ 
Dampf,  die  iweite   die  beobachtete  Absn^-^ 
dritte  die  berechnete.    Die  galTanometrisc&^sit 
Bind  fortgelassen  und  dafilr  ihre  Aeqotralei^te 
len  Coliraine  gegeben«    AimIi  sind  bis  zor  &. 
die  Abiorptionen  nur  die  Werthe  der  Ableoei/ 

Tafel  lY.    OesMif  tob  Aetherdasipf  and  L 


1 


AlMorplion 

heobachut. 

berechne 

1 

4,6 

4,5 

2 

9,2 

9,0 

3 

13,5 

13,5 

4 

18,0 

18,0 

b 

22,8 

23,5 

6 

27,0 

27,0 

7 

31,8 

31,5 

8 

36,0 

36,0 

9 

39,7 

40,0 

10 

45.0 

45,0 

20 

81,0 

90.0 

20 

82,8 

95,0 

22 

84,0 

99,0 

23 

87,0 

104,0 

24 

88,0 

108,0 

25 

90,0 

113,0 

26 

93,0 

117,0 

27 

94,0 

122,0 

29 

95,0 

126,0 

29 

98,0 

131,0 

30 

100,0 

135,0. 

Bis  xom  10.  MaaCse  finden  wir  Dichte  und  i 
genau  in  gleichem  Verhältnisse  zunehmen.  Wä 
erstere  von  1  auf  10  steigt,  wächst  die  letzter 
bis  45,0.  Bei  dem  20.  Maa{se  ist  jedoch  eine  AI 
▼OD  den  Gesetze  merkbar  und  diese  Abweichu 


23 


€ 
B 

t 


m  von  20  bis  30.  In  d«r  That  habeo  20  Maafae  Eioflub 
aaf  die  abaorbirbaren  Strahlen;  die  Ternichtete  Menge  wird 
80  bedeutend,  dafa  jedes  hinzukommende  Maafs  eine  ge- 
ringere Anzahl  solcher  Strahlen  ergreift  und  folglich  eine 
verringerte  Absorption  bewirkt. 

Aetherdampfy  ungemengt  mit  Luft,  lieferte  die  in  fol- 
gender Tafel  enthaltenen  Resultate.  Da  ich  wünschte,  die 
durch  Dampf  von  sehr  schwacher  Spannung  ausgeübte 
Absorption  zu  bestimmen,  so  verkleinerte  ich  die  Capad- 
Ut  der  Maals-Einheit  auf  0,01  Kubikzoll. 


Tafel  V. 

.  —  SehwefeUUher. 

BIaalf>EiDh«t 

Aluor,lioi 

1 

Ml  KaUkioll. 

bcobacbtcl. 

DCffMtlOOl. 

1 

5,0 

4,6 

2 

10.3 

9,2 

4 

19,2 

18,4 

5 

24,5 

23,0 

6 

29,5 

27,0 

7 

34,5 

32.2 

8 

38,0 

36,8 

9 

44,0 

41,4 

10 

46,2 

46,2 

.  11 

60,0 

50,6 

12 

52,8 

65.2 

13 

65,0 

59,8 

14 

57,2 

64,4 

16 

59,4 

69.0 

16 

62,5 

73,6 

17 

65,6 

77,2 

18 

68,0 

83,0 

19 

70.0 

87,4 

20 

72,0 

92,0 

21 

73,0 

96,7 

22 

73,0 

101,2 

23 

73,0 

105,8 

24 

77,0 

110,4 

24 


JlMb-Eidbeii 

Abtorptiofl 

1 

0,01  KabäioIL 

beobachtet. 

berocIuMl. 

25 

78,0 

115,0 

26 

78,0 

119,6 

27 

80,0 

124,2 

28 

80,5 

128,8 

29 

81.0 

133,4 

30 

81,0 

138,0. 

Hier  finden  wir  das  Gesetz  der  Proportionalität  zwischen 
Dichte  und  Absorption  fttr  die  ersten  elf  Maafse  stichhaltig, 
darüber  hinaus  nimmt  aber  die  Abweichung  vom  Gesetz 
alhnähUg  zu. 

Ich  habe  einige  Aetherproben  untersucht,  die  noch  kräf- 
tiger auf  die  Wärmestrahlen  einwirkten.  Ohne  Zweifel  würde 
das  obige  Oesetz  für  kleinere  Maafse  als  0,01  Kubikzoll 
noch  strenger  richtig  seyn,  und  in  einem  passenden  Locale 
wäre  es  auch  leicht,  ein  Zehntel  der  von  diesem  Maafs  be- 
wirkten Absorption  mit  voUkommner  Genauigkeit  zu  be- 
stimmen, was  einem  Tausendstel  eines  KubikzoUes  entspre- 
chen würde.  Allein  beim  Eintritt  in  die  Röhre  hatte  der 
Dampf  nur  die  der  Temperatur  des  Laboratoriums  ent- 
sprechende Spannung  von  12  Zoll.  Diese  würde  mit  2,5 
multiplicirt  werden  müssen,  um  sie  auf  den  Druck  der  At- 
mosphäre zu  bringen.  Folglich  würde  der  Tausendstel -Ku- 
bikzoll, nach  Verbreitung  in  einer  Röhre,  die  eine  Ca- 
pacität    von   220  Kubikzoll   besitzt,    eine    Spannung   von 

iö^ifi^mö'=Mmö  Atmosphäre  haben.    In  einer  Zeit, 

WO  die  mit  den  Lichtstrahlen  verknüpften  Untersuchungen 
durch  Kirchhoff  und  Bunsen  soweit  über  ihre  frühere 
Gränzen  hinausgetrieben  sind,  macht  es  mir  ein  besonderes 
Vergnügen  y  die  Forschungen  über  die  strahlende  Wärme 
etwas  näher  in  Niveau  mit  den  Beobachtungen  jener  erleuch- 
teten Männer  bringen  zu  können. 

Ich  habe  nun  die  mit  dreizehn  anderen  Dämpfen  er- 
haltenen Resultate  darzulegen.  Die  Methode  des  Expe- 
rimentircns  war  dabei  immer  die  bei  dem  Aether  angewandte, 


25 

Dur,  dafs  die  Gröfse  der  MaafseiDbeit  abgeändert  wurde, 
da  bei  maDchen  SubstaDzen  kein  merklicher  Effect  erhalten 
werden  konnte  mit  einer  so  kleinen  Volumeinheit,  wie  in 
den  zuletzt  angeführten  Versuchen  benutzt  werde.  Beim 
Schwefelkohlenstoff  z.  B.  war  es  möglich  die  Maabeinheit 
50  Mal  gröfser  zu  nehmen,  um  die  Messungen  befriedigend 
zu  machen. 


Tafel  VI. 

—  ScbnrefBlkoblenatoff. 

MMlJeiDlialen 

Abiorplion 

0,S  KobikioU. 

bcobaeklet. 

bereclmtc. 

1 

2,2 

2,2 

2 

4,9 

4,4 

3 

6,5 

6,6 

4 

8.8 

8,8 

6 

10,7 

11,0 

6 

12,5 

13,0 

7 

13,1 

15,4 

8 

14,5 

17,6 

9 

15,0 

19,0 

10 

15,6 

22,0 

U 

16,2 

24,2 

12 

16,8 

26,4 

13 

17,5 

28,6 

14 

18,2 

30,8 

15 

19,0 

33,0 

16 

20.0 

35,2 

17 

20,0 

37,4 

18 

20,2 

39,6 

19 

21,0 

41,8 

20 

21,0 

44,0. 

Bis  zum  6.  Maafs  ist  die  Absorption  proportional  der 
Dichte;  darüber  hinaus  nimmt  der  Effect  jedes  folgenden 
MaaCies  ab.  Vergleicht  man  die  Absorption,  bewirkt  durch 
eine  Dampfmenge,  welche  die  Quecksilbersäule  der  Luft- 
pumpe um  einen  halben  Zoll  herabdrtickt,  mit  dem  Effect 
durch  Dampf,  der  einen  Zoll  Spannung  besitzt,  so  bemerkt 
man  dieselbe  Abweichung  Tom  Gesetz  der  Proportionalitit. 


2« 

BiiC  ddv  OneeUltor^BUaoaMlar. 

Spannong  AbforptioD 

;  zoU  143 

1  ZoU  18,8 

Wäre  das  Proportionalitätsgesetz  Btidibaltig,  lo  würde 
die  einem  Zoll  Spannung  entsprechende  Absorption  29,6 
sejn,  statt  18,8. 

Sowohl  für  gleiche  Yolome  beim  Maximum  der  Dampf- 
dichte als  auch  fUr  gleiche  Spannungen,  gemessen  durch 
die  Depression  der  QuecksilbersSuIe,  zeigt  der  Schwefel- 
kohlenstoff das  schwächste  Absorptionsvermögen  unter  allen 
bisher  von  mir  untersuchten  Dämpfen«  Bei  sehr  kleinen 
Quantitäten  absorbirt  ein  Maafs  Schwefelätherdamp^  im  Ma- 
ximo  der  Dichte,  100  Mal  so  viel  strahlende  Wärme  als  ein 
gleiches  Volum  Schwefelkohlendampf,  bei  seinem  Maximum 
der  Dichte.  So  weit  meine  Versuche  bisher  gehen,  sind 
diefs  die  äolsersten  Gränzen  der  Skale.  Die  Wirkung  je- 
des anderen  Dampfs  ist  geringer  als  die  des  Schwefeläthers, 
und  gröCser  als  die  des  Schwefelkohlenstoffs. 

Bei  den  Versuchen  mit  Schwefelkohlenstoff  wurde  wie- 
derholt eine  sehr  sonderbare  Erscheinung  beobachtet.  Nach- 
dem nämlidi  die  Absorption  des  Dampfs  bestimmt  worden, 
wurde  die  Röhre  ausgepumpt,  —  so  vollkommen  wie  mög- 
lich. Die  zurückgebliebene  Dampfmenge  war  auCserordent- 
lieh  klein.  Es  wurde  nun  trockne  Luft  eingelassen,  um  die 
Röhre  vollends  zu  reinigen.  Nach  den  ersten  Hüben  der 
Pumpe  wurde  eine  Erschütterung  gefühlt  und  eine  Art  Ex- 
plosion gehört,  während  dichte  Wolken  von  blauem  Rauch 
sogleich  aus  den  Cylindem  hervordrangen.  Die  Wirkung 
war  auf  die  letzteren  beschränkt  und  verpflanzte  sich  nie- 
mals in  die  Experimentir- Röhre. 

Diese  Erscheinung  habe  ich  nur  beim  Schwefelkohlen» 
Stoff  beobachtet.  Sie  läfst  sich,  glaube  ich,  auf  folgende 
Weise  erklären :  Um  das  Ventil  der  Pumpe  zu  öffnen,  muCi 
das  Gas  unter  demselben  eine  gewisse  Spannung  besitzen, 
und  die  dazu  nöthige  Comprcssion  ist  hinlänglich,  die  Ver- 
bindung der  Bestandtheile  des  SchwefelkohlenstoffB  mit  dem 


27 

Sauerstoff  der  Loft  la  ▼eranhoMB.  Eioe  solche  VerbiD- 
dung  findet  sicber  staltt  denn  der  Geruch  nach  schwefliger 
Stare  ist  in  dem  JEUioche  onverkennbar. 

Um  diese  Idee  zu  prüfen,  versuchte  ich  den  Effect  der 
Compression  in  einem  pneumatischen  Feuerzeuge  (atr-sy- 
ringe).  Ein  Bifschen  Baumwolle,  mit  Schwefelkohlenstoff« 
befeuchtet,  In  dasselbe  gebracht,  blitzte  hell  auf,  als  die 
Luft  comprimirt  ward.  BlSst  man  den  Rauch  mittelst  ei- 
ner Glasröhre  heraus,  so  kann  man  den  Versuch  wohl  20 
Mal  mit  derselben  Flocke  Baumwolle  wiederholen. 

Eis  ist  nicht  einmal  ndthig  die  Baumwolle  in  den  Apparat 
za  lassen.  Wenn  man  sie  hinein  und  heraus  schüttet,  so 
schnell  wie  es  geschehen  kann,  so  ist  doch  behn  Comprimi- 
ren  der  Luft  das  Aufblitzen  sichtbar.  Reiner  Sauerstoff  giebt 
einen  helleren  Blitz  als  atmosphärische  Luft.  Diese  That* 
Sachen  stehen  mit  der  obigen  Erklärung  in  Einklang. 


Ti 

ifel  VIL  —  Amylen. 

MaafM 

Abtorplion 

Einbeil  iV  KobikioH. 

bcolMchtct. 

berechnet. 

1 

3,4 

4,3 

2 

8,4 

8,6 

3 

12,0 

1%9 

4 

16,5 

17,2 

5 

21,6 

21,5 

6 

26,5 

25,8 

7 

30.6 

30^1 

8 

35,3 

34.4 

9 

39,0 

38^7 

10 

44,0 

43,0. 

Für  diese  Quantitftten  ist  die  Absorption  proportional 
der  Dichte;  allein  für  grötsere  Quantitäten  findet  die  ge- 
wöhnliche Abweichung  statt,  wie  folgende  Beobachtungen 
zeigen. 

MÜ  ^tm  OoedMUfcer  -M— ewetir 

SpaoBaof.  Ablenkaog.  Abifytio». 

4  Zoll  60«  157 

1  Zoll  650  216 


T«fel  Till. 

.  -  AMyl-MU. 

HuTm 

Ab«,Tlim, 

1 

5,4                   5,1 

2 

10,3                  10,2 

3 

16,8                  15,3 

4 

22,2                  20i4 

i 

26,«                  25JS 

6 

313                  30,6 

7 

35,6                  35,» 

S 

40,0                  40,8 

S 

44,0                  45,9 

10 

47,5                  51,0 

Mlt<teM 

OiiMkiUI»r-HaiM>BMUr. 

sr».«|. 

i  ZoU 

56°,3                  94 

1  Zoll 

58,2                  120 

Tafel  IX. 

—  Melhyl-Iodia. 

HuTi« 

AbioiplioD 

Einhtil  tV  KnblWafi. 

3,5                      3,4 

7,0                      6,8 

10,3                  10,2 

15,0                    13,6 

17,5                    17,0 

20,5                  20,4 

24,0                  23,8 

26,3                  27,2 

30,0                  30,6 

10 

32,3                  34,0 

Mit  dM 

Spm.«,. 

Ablcokuig. 

4  Zoll 

48",5                 60 

29 


Tafsl  X. 

—  AbotI- 

-lodM. 

Maafse 

Abiorption 

Einheit  ^  Kabiktoll. 

iMobacblet 

bcrecluMt. 

1 

0,6 

0,57 

2 

1,0 

1,1 

3 

1,4 

1,7 

4 

2,0 

2,3 

5 

3,0 

2,9 

6 

3,8 

3,4 

7 

4,5 

4,0 

8 

5,0 

4,6 

9    • 

5,3 

5,1 

10 

5,8 

5,7 

Die  AblcDkuDgen  sind  hier  sehr  klein;  allein  die  Sub- 
stanz besitzt  eine  so  schwache  Flüchtigkeit,  dafs  die  Span- 
nung eines  Maafses  ihres  Dampfes  nach  Verbreitung  in  der 
Experimentir-Röhre  äufserst  gering  seyn  mufs«  Mit  der  un- 
tersuchten Probe  war  es  nicht  möglich  eine  Spannung  zu 
erhalten,  welc)ie  das  Quecksilber  im  Manometer  4  Zoll  her- 
abgedrfickt  hätte,  und  folglich  wurden  keine  Beobachtun- 
gen dieser  Art  angestellt: 

Tafel  XI.  —  Amylcblorid. 


MmIm 

■ 

Absorption 

Einheit  -Jtf  Kabiktoll. 

beobachtet.                berecknet. 

1 

1*3 

1,3 

2 

3,0 

2,6 

3 

3,8 

3,9 

4 

5,1 

5,2 

5 

63 

6,5 

6 

8,5 

7,8 

7 

9,0 

9,1 

8 

10.9 

10,4 

9 

11,3 

11.7 

10 

12,3 

13,0. 

MU  dem  Qiieeluilber-MaBoneter. 

Spaonnof.  Ableokang.  Abjorptioo. 

I  Zoll  69,0  137 

I  Zoll  nicht  ausführbar. 


ffafti  xn.  —  lenoL 

Wulb» 

ABtOCpCMB 

BsiMb  -/ktUhikmM. 

iMncta 

l 

4,5 

4,5 

9 

9,5 

9,0 

3 

14,0 

13^5 

4 

18,5 

18,0 

5 

22,5 

22,5 

« 

27,5 

27,0 

7 

31,0 

31,5 

8 

3^5 

36,0 

9 

39,0 

'40,5 

10 

44,0 

45,0 

11 

47,0 

49,5 

12 

49,0 

54,0 

13 

51,0 

58^5 

14 

54,0 

63,0 

15 

56,0 

67,5 

16 

59,0 

72,0 

17 

63,0 

76,5 

18 

67,0 

81,0 

19 

69,0 

85,5 

20 

72,0 

90,0 

Wir  sehen  hier,  dafs  bis  zam  10.  Maafs  oder  da  herum 
das  Gesetz  der  Proportionalität  zwischen  Dichte  und  Ab« 
Sorption  erfilllt  ist,  und  darUber  hinaus  die  Abweichung  Ton 
dem  Gesetz  allmählich  zunimmt. 

Mit  dem  Oaedndlber- Manometer. 
Spanaaog.  AbleokoDg.  Abforption. 


i  Zoll 

54» 

78 

1  Zoll 

57 

103 

Tafel  XIII. 

—  MMbyl- Alkohol 

• 

MmTm 

Aktorption 

inhelt  Vv  KabikioU. 

oCOOMoMI« 

berechnet. 

1 

10,0 

10,0 

2 

20,0 

20;0 

3 

30,0 

30^ 

Eiahcil  ff  Kabikull. 

4 

II 
6 

7 


10 


■M  «M  VßuMnkm-m 


BfaWl  •/,  KnUho». 

1 

3 

4 
5 
( 
7 
8 
t 
10 


i  Zoll 
1  Zoll 


1  7,0  7,0 

1  14,0  14,0 

3  21,8  i\/) 


-  Ael^l-PraplMBt. 
AbiorpliMl 


32 


Maafse 

Abforpiion 

EiDheit  1^  Kobiktoll. 

beobachtet. 

bereeboet. 

4 

28,8 

28,0 

5 

34,4 

35.0 

6 

38,8 

42,0 

7 

41,0 

49,0 

8 

42,5 

56,0 

9 

44,8 

63,0 

10 

46^ 

70,0. 

Mii  den  Oa^dnUbarBumaBeter* 

SpanDODf.  AbleokoDg.  Abaoqption. 

i  Zoll  <H)^5  168 

1  Zoll  nicht  ausführbar. 


Tafel  XVI.  —  CUorofoni. 


Ma*lw 

AbtorpiioD 

Einheit  Vr  KabikMlI. 

beobachtet. 

berecBDet* 

1 

4,5 

4,5 

2 

9,0 

9,0 

3 

13,8 

13,5 

4 

18,2 

18,0 

5 

22,3     ■ 

22,5 

6 

27,0 

27,0 

7 

31,2 

31,5 

8 

35,0 

36,0 

9 

39,0 

40,5 

10 

40,0 

45,0 

Spätere  Beobachtungen  lassen  mich  glauben,  dafs  di< 
Absorption  durch  Chloroform  eine  etwas  höhere  als  die  ii 
dieser  Tafel  gegebene  ist 


Tafel  XVII.  —  AlkohoL 


MmCm 

Absorptioo 

Einheit  i  Kubiktoll. 

beobachtet. 

berechnet 

1 

4,0 

4,0 

2 

7.2 

8,0 

3 

10,5 

12,0 

4 

14,0 

16,0 

33 


MMfw 

Abtnrpliun 

Einheit  0,5  Kubiktoll. 

beobacbtet. 

bereclinct 

5 

19,0 

20,0 

6 

23,0 

24,0 

7 

28,5 

28,0 

8 

32,0 

32,0 

9 

37,5 

36,0 

10 

41,5 

40,0 

11 

45,8 

44,0 

12 

48,0 

48,0 

13 

50,4 

52,0 

14 

53,5 

56,0 

15 

55,8 

60,0 

Mit  dem 

OueeluUber  -  Manometer. 

Sftammg. 

Ableoknog. 

AbtorplioB. 

l  Zoll 

60« 

157 

1  Zoll  nichl  ausführbar. 

Hier  beim  Alkohol  war  ich  genöthigt  eine  MaaÜBeinheit 
▼OD  0,5  KubikzoU  zu  uehmeD,  um  einen  Effect  zu  erhalten, 
der  dem  von  Benzol  mit  einer  MaaCseinheit  von  yV  Kubik- 
zoU hervorgebrachten  ungefähr  gleich  kam.  Und  dennoch 
nahm,  bei  gleichen  Spannungen  von  0,5  Zoll,  der  Alkohol 
genau  doppelt  so  viel  Wfirme  fort  wie  das  Benzol.  Auch 
zwischen  Alkohol  und  Schwefeläther  findet  eine  ungeheure 
Verschiedenheit  statt,  wenn  gleiche  Maafse  beim  Maximum 
der  Dichtigkeit  verglichen  werden;  um  aber  Alkohol-  und 
Aetherdämpfe  auf  gleiche  Spannungen  zu  bringen,  mnCs 
man  die  Dichtigkeit  der  crsteren  viele  Male  erhöhen.  Dar- 
aus folgt  also,  dafs,  wenn  gleiche  Spannungen  dieser  bei- 
den Substanzen  verglichen  werden,  der  Unterschied  zwi- 
schen ihnen  bedeutend  abnimmt.  Aehnliche  Bemerkungen  gel- 
ten von  vielen  Substanzen,  deren  Verhalten  in  den  vorstehen- 
den Tafeln  angefQhrt  ist,  z.  B.  vom  lodid  und  Chlorid  des 
Amyls  und  vom  Propionate  des  Aethjis.  In  der  That  ist 
es  nicht  unwahrscheinlich,  dafs,  bei  gleichen  Spannungen, 
der  Dampf  der  letzteren  Substanz  im  Znstande  vollkomm- 

PoggcndorfTf  Annal.  Bd.  CXIIl.  3 


34 

Der  Reinheit  ein  gröfseres  AbBorptionsTennögeD  besitzen 
würde  als  der  Aether  selbst. 

Wie  schon  erwähnt,  war  die  zu  diesen  Versuchen  an- 
gewandte Röhre  von  Messing  und  innen  polirt,  und  zwar 
deshalb,  um  die  Wirkung  der  schwachen  Gase  und  DSmpfe 
in  klares  Licht  zu  selzen.  Einst  wünschte  ich  auch  die 
Wirkung  des  Chlors  zu  erfahren  und  brachte  deshalb  eine 
Quantität  dieses  Gases  in  die  Experimentir  -  Röhre.  Die 
Nadel  wurde  rasch  und  stark  abgelenkt,  wollte  aber,  beim 
Auspumpen  '),  nicht  auf  Null  zurückkehren.  Es  wurde 
trockne  Luft  zehn  Mal  nach  einander  hineingelassen,  allein 
die  Nadel  blieb  hartnäckig  auf  40^  stehen.  Die  Ursache 
hiervon  war  leicht  zu  errathen :  Das  Chlor  hatte  das  Metall 
angegriffen  und  dessen  Reflexionsvermögen  theilweise  zer- 
stört. Dadurch  nahm  die  durch  die  Wandung  der  Röhre  be- 
wirkte Absorption  eine  Wärmemenge  fort,  die  fähig  war  die 
ohige  Ablenkung  hervorzubringen.  Für  die  folgenden  Ver- 
suche mufste  das  Innere  der  Röhre  wieder  aufpolirt  werden. 

Obwohl  kein  anderes  Gas  oder  anderer  Dampf,  mit  dem 
ich  experimentirte,  einen  bleibenden  Effect  dieser  Art  her- 
vorbrachte, so  war  es  doch  nöthig,  völlig  überzeugt  zo 
sejn,  dafs  diese  Fehlerquelle  nicht  an  meinen  Versuchen 
hafte.  Zur  Controle  überzog  ich  daher  die  Messingröhre 
innen  auf  eine  Länge  von  zwei  Fufs  sorgfältig  mit  Lam- 
penrufs, und  bestimmte  nun  mit  ihr,  bei  einer  gemein- 
schaftlichen Spannung  von  0,3  Zoll,  wiederum  die  Absorp- 
tion aller  der  Dämpfe,  welche  ich  zuvor  untersucht  hatte. 
Ich  beabsichtigte  nur  eine  allgemeine  Bestätigung  und  er- 
langte die  Befriedigung,  dafs  die  wenigen  Abweichungen, 
welche  die  Messungen  zeigten,  bei  einer  sorgfältigeren  Un- 
tersuchung verschwinden  oder  sich  erklären  lassen  würden. 

Die  folgende  Tafel  erklärt  sich  selbst.  Die  mit  der 
geschwärzten  und  der  blanken  Röhre  erhalteneu  Resultate 
sind  neben  einander  gestellt:  die  Spannung  betrug  bei  der 
ersten  0,3  und  bei  der  letzten  0,5  Zoll. 

1)  Hiebe!  «lieg  ein  dichter  dunkler  Rauch  aus  den  Pumpenttif fein;  Aehn- 
liches  fand  beim  SchwerelwasterslofT  atatt. 


35 


Tftfel  XVIIL 

Abforptioa. 

Geschwirate  Röbre 

BUDhe  RMm 

DSrapfe. 

0 

>",3Sp«OD. 

0",»  SpMn. 

Schwefelkohlenstoff 

5.U 

21 

23 

Metbyl-Iodid 

15,8 

60 

71 

Benzol 

17,5 

78 

79 

ChlorofoiTO 

17,5 

89 

79 

AethyModid 

21,5 

94 

97 

Holzgeist 

26,5 

123 

120 

Methyl-Alkohol 

29,0 

133 

131 

Amylchlorid 

30,0 

137 

135 

Amylcn 

31,8 

157 

143 

Die  Ordnung  der  Absorption  erweist  sich  hier  ak  gleidi 
in  beiden  Röhren,  und  die  absorbirte  Menge  ist  in  der 
blanken  Röhre  im  Allgemeinen  ungeftUir  4^  Mal  so  grols 
wie  in  der  geschwärzten.  In  der  dritten  Columne  habe 
ich  die  Producte  ans  den  Zahlen  der  ersten  Columne,  mul- 
tiplicirt  durch  4-3-»  aufgestellt.  Diese  Resultate  heben  voll' 
stSndig  den  Verdacht,  als  könnten  die  in  der  blanken  Röhre 
beobachteten  Effecte  herrühren  von  einer  durch  die  Dämpfe 
bewirkten  Aenderung  des  Reflexionsvermögens  ihrer  inne- 
ren Oberfläche. 

In  der  geschwärzten  Röhre  machte  sich  die  Ordnung 
der  Absorption  folgender  Substanzen  so: 

Alkohol, 

Schwefeläther, 

Ameisenäther, 

Aelhy  1  -  Propionat, 
während  sie  in  der  blanken  Röhre  nachstehende  war: 

Ameisenäther, 

Alkohol, 

Aethy  1  -  Propionat, 

Schwefelätber. 
Wie  schon    erwähnf,   werden   diese  Unterschiede   bei 
abermaliger  Untersuchung  wahrscheinlich  Terschwinden  oder 

3» 


36 

sich  erkittreo  lassen.  lu  der  That  würden  sehr  kleine  Un- 
terschiede in  der  Reinheit  der  angewandten  Sabstanzen  mehr 
als  hinreichend  sejn  die  beobachteten  Absorptionsdifferen- 
zen herrorzabringen  ')• 

§.  7. 
Wirknog  der  permaneBteo  Oase  auf  atrahleade  Wirme. 

Das  Verhalten  von  SanerstofF,  Stickstoff,  Wasserstoff 
atmosphSrischer  Luft  und  ölbildendem  Gase  ist  bereits  an- 
gegeben worden.  Anfser  diesen  habe  ich  noch  untersucht: 
Kohlenoxyd y  Kohlensäure,  Schwefelwasserstoff  und  Salpe- 
tergas. Die  Wirkung  dieser  Gase  ist  so  schwach  gegen 
die  der  DSmpfe,  welche  in  dem  letzten  Abschnitt  aufge- 
fOhrt  wurden,  dafs  ich  bei  Untersuchung  der  Beziehong 
zwischen  Absorption  und  Dichte  das  Maafs  M  aufgab,  und 
die  Menge  des  hineingelassenen  Gases  durch  die  Depres- 
sion des  Quecksilber- Manometers  bestimmte. 

Tafel  XIX.  —  Kohlenoz^rd. 

Absorption 
SpaBDQDg.  beobachtet.  berechoet. 

0^  Zoll  2,5  2,5 

1,0  5,6  6,0 

1.5  8.0  7,5 
2,0  10,0  10,0 

2.6  12,0  1%6 
3,0  15,0  15,0 
3,5                           17,5                  17,6 

Bis  zur  Spannung  3,5  Zoll  ist  also  beim  Kohlenoxyd 
die  Absorption  proportional  der  Dichte  des  Gases.  Allein 
diese  Proportionalität  findet  bei  gröfeeren  Spannungen  nicht 
mehr  statt,  wie  aus  folgender  Tafel  erbellt. 

1)  Zum  Belege  hienron  mag  bemerkt  tejn,  daCi  von  awei  Proben  Me- 
tbjl- Alkohol,  mit  welcher  mich  swei  meiner  chemifchen  Freunde  ver- 
tehen  hatten,  die  eine  eine  Ab«orptio%  von  84  and  die  andere  eine 
▼on  203  gab.  Die  erstcre  war  mit  groCicr  Sorgfalt  gereinigt  worden, 
die  leUtere  aber  nicht  rein.  Beide  pauirten  indeft  anter  den  gemein- 
famen  Namen  Methyl- Alkohol. 


37 


Spananng. 

Ablenkung. 

Abiorpliott. 

5  Zoll 

I8»,0 

18 

10 

32,5 

32,5 

15 

41  ,0 

45 

Tafel  XS 

L.  —  KohlensKure. 

• 

SpaODDBf 

Abforpt 

ion 

Zoll. 

bcobacblct. 

bcredinet. 

Ofi 

5,0 

3,5 

1,0 

7,5 

7,0 

1,5 

10,5 

10;5 

2,0 

14,0 

14,0 

2,5 

17,8 

17^ 

3,0 

21,8 

21,0 

3,5 

24,5 

24.6 

haben  wir  noch 

das  Proportioi 

nalitltogea 

D  Spannangen  aber  nicht  mehr: 

SpMDnnf. 

Abicokang. 

Ab«orptSoB. 

5  Zoll 

25»,0 

25 

10 

36  ,0 

36 

16 

42  ,5 

4a 

Tafel  XXI.  - 

'  SchwefBlwaMerttoff. 

Spanonng 

AbiorptSoa 

Zoll. 

beobachtet 

bcrechiiet. 

Ofi 

7.5 

6 

1,0 

12,5 

12 

1,5 

18,0 

18 

2,0 

24,0 

24 

2,5 

30,0 

30 

3,0 

34,5 

36 

3,5 

36,0 

42 

4.0 

36,5 

48 

4,5 

38,0 

54 

5,0 

40,0 

60 

Das  Proportionalitätsgesetz  zeigt  sich  hier  gültig  bis  zur 
pannung  von  2,5  Zoll;  von  da  begiDDt  die  Abweichung  und 


88 

nimmt  aUmKhlich  zu.  Obgldch  diese  Messiuigen  mit  aller 
m(^lich»i  Sorgfalt  gemacht  worden,  so  möchte  ich  sie  doch 
gern  wiederholen.  Beim  Auspumpen  dieses  Gases  aus  der 
Röhre  drangen  nKmlich  Achte  Dämpfe  aus  den  Stiefeln  der 
Luftpumpe  hervor,  und  ich  bin  bisjetzt  nicht  im  Stande  mit 
Sicherheit  zu  sagen,  ob  nicht  eine  Spur  derselben  in  einem 
sehr  verdfinnten  Zustande  in  der  Röhre  die  Reinheit  der 
Resultate  beeinträchtigte. 


Tafel  XXII. 

—  Salpetergaa  (Nitroui 

1  osM«). 

SpaDDODg 

Alxorptian 

Zoll. 

beobachM. 

berediB«!. 

0^6 

14,5 

14,5 

1,0 

23,5 

29,0 

i,s 

30,0 

43,5 

2,0 

35,5 

58,0 

2A 

41,U 

71,5 

3,0 

45,0 

87,0 

3,5 

47,7 

101,5 

4,0 

49,0 

116,0 

4:5 

51,5 

130,5 

5,0 

54,0 

145,0 

10,0 

70,0 

290,0 

15,0 

82,0 

435,0 

Hier  zeigt  sich  die  Abweichung  vom  Proportionalilits- 
gesetz  schon  vom  Anfang  an. 

Eingangs  dieser  Abhandlung  versprach  ich  auf  die  Ver- 
suche des  Dr.  Franz  zurQckzukommen  und  ich  will  es  jetzt 
thun.  In  einer  drei  Fuis  langen  und  inwendig  geschwärzten 
Röhre  beobachtete  er  eine  Absorption  von  3,54  Proc.  bei 
atmosphärischer  Luft.  Bei  meinen  Versuchen  mit  einer  vier 
Fufs  langen  Röhre,-  die  inwendig  polirt  war,  was  die  von 
vielen  der  reflektirten  Strahlen  durchlaufene  Strecke  länger 
als  vier  Fufs  macht,  betrug  die  Absorption  dagegen  nur 
ein  Zehntel  dieser  Gröfse.  Bei  den  Versuchen  des  Dr.  Franz 
ersi^ien  die  Kohlensäure  als  ein  schwächeres  Absorbens  als 
Sauerstoff.    Bei  meinen  Versuchen  war,  für  kleine  Quanti- 


39 

titeo»  das  AbsorptionBvennögeD  der  Kohlensäure  fast  150  mal 
so  grofs  wie  das  des  SauerstoffiB,  und  für  die  atmospbiri- 
sche  SpannuDg  würde  es  wahrscheinlich  noch  das  Hundert- 
fache des  letzteren  sejn. 

Der  Widerspruch  zwischen  Dr.  Franz  und  mir  läfst 
sich  folgendermaCsen  erklären.  Seine  Wärmequelle  war 
eine  Argand'sche  Lampe  und  die  Enden  seiner  Experi- 
meotir-Röhre  waren  durch  Glasplatten  verschlossen.  Nun 
hat  Melloni  gezeigt,  dafs  von  den  Strahlen  einer  Loca-* 
telli'schen  Lampe  volle  61  Proc  durch  eine  Glasplatte 
von  0,1  Zoll  Dicke  absorbirt  werden.  Folglich  wurde  aller 
Wahrscheinlichkeit  nach  von  den  Strahlen  der  Lampe  des 
Dr.  Franz  reichlich  ein  Viertel  verbraucht,  um  die  beiden 
Glasplatten  an  seiner  Experimentir  -  Röhre  zu  erwärmen. 
Diese  Glasplatten  wurden  demnach  secundäre  Wärmequel- 
len, welche  gegen  seine  Thermosäule  ausstrahlten.  Bei 
Einlassung  kalter  Luft  wurden  die  Platten  abgekühlt,  und 
die  Wegnahme  ihrer  Wärme  muCste  einen  Effect  erzengen, 
genau  dem  einer  wahren  Absorption  gleich. 

Wenn  ich  Luft  von  gewöhnlicher  Temperatur  mit  einer 
ausstrahlenden  Platte  in  Berührung  kommen  liefs,  habe  ich 
oft  eine  Ablenkung  von  20  bis  3U  Graden  erhalten.  Der 
Effect  rührte  von  der  Abkühlung  der  Platte  her,  und  nicht 
von  einer .  Absorption.  Gewifs  ist  auch,  dafs  ich,  wenn  idi 
Wärme  aus  leuchtender  Quelle  angewandt  hätte,  die  Ab- 
sorption von  0,33  Proc  so  sehr  vermindert  gefunden  haben 
würde,  dafs  sie  kaum  merklich  gewesen  wäre. 

§.  8. 

Ich  habe  nun  in  Betreff  des  Effects  unserer  Atmosphäre 
auf  solare  und  terrestrische  Wärme  einen  Punkt  von  be- 
trächtlichem Interesse  kurz  zu  berühren.  Am  20.  November, 
bei  Untersuchung  der  getrennten  Effecte  der  Luft  und  des 
Wasserdampfs  der  Atmosphäre  wurden  folgende  Resultate 
erhalten. 

Luft,  welche  das  System  der  Trocken- Röhren  durch- 
strichen hatte,  erzeugte  eine  Absorption  von  etwa 

1. 


40 

Laft,  direkt  aus  dem  Laboratoriam  genommen,  die  also 
ihren  Wasserdampf  enthielt,  gab  eine  Absorption  von 

15. 

Folglich  bewirkte  die  an  jenem  Tage  in  der  Atmosphire 
enthaltene  Menge  Wasserdampf  eine  15  Mal  so  grofse  Ab- 
sorption als  die  Atmosphäre  selbst  Ich  beabsichtige  diese 
Yersudie  künftig  zq  wiederholen  und  weiter  auszudehnen; 
allein  schon  jetzt  lassen  sich  Folgerungen  von  grofser  Widi- 
tigkeit  aus  ihnen  ableiten. 

Eis  ist  ungemein  wahrscheinlich,  dafs  die  von  Hr.  Poniliel 
nachgewiesene  Absorption  der  Sonnenstrahlen  durch  die  At* 
mosphäre  hauptsächlich  von  dem  in  der  Luft  enthaltenen 
Wasserdampf  herrührt.  Der  grofse  Temperatur-Unterschied 
im  Sonnenschein  am  Mittag  und  am  Abend  rührt,  glaube 
ich,  hauptsSchlich  her  von  der  verhaltnifsmftfsig  dünnen 
Schicht  von  WasserdKmpfen,  welche  dicht  an  der  Erde  liegt 
Am  Mittag  ist  die  von  den  Sonnenstrahlen  zu  durchbrechende 
Dicke  derselben  sehr  gering,  am  Abend  dagegen  in  der  Regel 
▼erbttltnifsmäfsig  ungeheuer  groCs. 

Die  intensive  Hitze  der  Sonnenstrahlen  auf  hohen  Bergen 
rührt,  glaube  ich,  nicht  davon  her,  dafis  sie  nur  eine  geringe 
Dicke  der  Atmosphäre  zu  durchdringen  haben,  sondern  von 
der  Abwesenheit  des  Wasserdampfs  in  grofsen  Höhen.  Da- 
durch werden  die  dunklen  Wärmestrahlen  nicht  ergriffen. 

Allein  dieser  Wasserdampf  der  eine  so  zerstörende  Wir- 
kung auf  die  dunklen  Strahlen  ausübt,  ist  so  gut  wie  durch- 
sichtig für  Lichtstrahlen.  Die  Verschiedenheit  in  der  Wir- 
kung der  von  der  Sonne  auf  die  Erde  herabkommeuden 
und  der  von  der  Erde  in  den  Himmelranm  ausgestrahlten 
Wärme  wird  also  bedeutend  durch  den  Wasserdampf  der 
Atmosphäre  vergröfsert. 

De  Saussure  und  Fourier,  Hr.  Pouillet  und  Hr. 
Hopkins  nehmen  an,  dafs  diese  Af fangung  der  terrestri- 
schen Strahlen  den  wichtigsten  Einflufs  auf  die  Klimate  aus- 
übe. Allein  wenn,  wie  es  obige  Versuche  andeuten,  der 
Haupteinflufs  von  dem  Wasserdampf  ausgeübt  wird,  so  mufs 


41 

Verändeniog  dieses  Bestandtheils  der  Atmosphftre  eine 
Veränderung  im  Klima  hervorbringen. 

Aehnliche  Bemerkungen  gelten,  obwolil  in  geringerem 
Grade,  von  der  in  der  Atmosphäre  verbreiteten  Kohlensäure^ 
wahrend  eine  fast  unwahmehmbare  Beimischung  von  einem 
der  Kohlen wasserstoffdSmpfe  ungeheuren  Effecte  auf  die 
terrestrischen  Strahlen  und  somit  auf  die  Klimate  ausüben 
würde. 

Es  ist  also,  um  die  Erde  eine  verschiedene  Wärmemenge 
bewahren  zu  lassen,  nicht  nothwendig,  Ver&nderugen  in  der 
Dichte  und  Höhe  der  Atmosphftre  anzunehmen:  eine  geringe 
VerSndemng  in  den  veränderlichen  Bestaudtheilen  dersel- 
ben würde  dazu  ausreichen  und  vielleicht  genügend  seyn, 
die  klimatischen  Verftnderungen  zu  erklären,  welche  durch 
die  Untersuchungen  von  Geologen  aufgedeckt  wurden. 

Die  oben  beigebrachten  Messungen  machen  nur  einen 
Theil  der  wirklich  angestellten  aus;  allein  sie  erfüllen  den 
Zweck  des  gegenwftriigen  Abschnitts  der  Untersuchung. 
Sie  weisen  unter  den  farblosen  Gasen  und  DSmpfen,  rück- 
sichtlich ihrer  Wirkung  auf  strahlende  Wftrme,  ungeheure 
Unterschiede  nach,  und  stellen  auch  das  Gesetz  fest,  dafs 
die  Absorption  bei  jedem  Dampfe,  wenn  seine  Menge  hin- 
ISnglich  klein,  genau  der  Dichte  proportional  ist. 

Allein  die  wichtigste  Seite  dieser  Resultate  ist,  meiner 
Meinung  nach,  die,  dafis  diese  Versuche,  aufser  das  wir 
die  Dichtigkeit  der  untersuchten  Substanzen  ftndem  kön- 
nen, uns  reinere  Fftlle  von  molecularer  Action  liefern,  als 
wir  bisher  durch  Versuche  zu  erreichen  vermochten.  So- 
wohl bei  starren  als  bei  flüssigen  Kürpem  kommt  die  Co- 
hftsion  der  Theilchen  mit  im  Spiel;  sie  controliren  und  be- 
schränken einander  wechselseitig.  Eine  gewisse  Wirkung 
kommt  zu  der  ihnen  für  sich  angehOrigen  hinzu  und  ver- 
wickelt unsere  Begriffe.  Allein  in  den  oben  beschriebenen 
Fftllen  sind  die  Molecüle  vollkommen  frei,  und  wir  fixiren 
auf  sie  individuell  die  Effecte,  welche  die  Versuche  zeigen. 
So  wird  der  Blick  mehr  denn  )e  auf  diejenigen  besonde- 


42 

ren  physikalischen  QuaUtftten  geheftet»  durch  welche  ein 
Wirmestrahl  von  einem  Molecüle  aufgefangen  und  Ton  ei- 
nem anderen  durchgelassen  wird«  Ich  werde  späterhin  auf 
diesen  Gegenstand  zurück  kommen. 

§.  9. 
WftrMestraUung  doich  CUse. 

Wie  bekannt  hängt  die  Lichtmenge,  welche  eine  Flamme 
aussendet,  hauptsächlich  ron  dem  Glühen  starrer  Substan* 
zen  ab.  Die  Helligkeit  eines  angezündeten  Strahls  von  ge* 
wohnlichem  Leuchtgase  z.  B.  rührt  vorzüglich  von  den  in 
der  Flamme  ausgeschiedenen  starren  Kohlentheilchen  her. 

Melloni  hat  eine  Parallele  gezogen  zwischen  dieser 
Wirkung  und  der  von  strahlender  Wärme.  Er  fand  die 
Strahlung  seiner  Alkohol  -  Lampe  bedeutend  TergrOisert» 
wenn  er  einen  Platindraht  in  der  Flamme  aufhing«  Er 
fand  auch,  daCs  der  von  einer  Argand' sehen  Lampe  aaf^ 
steigende  heifse  Luftstrom,  wenn  darin  ein  Drahtbündel  an« 
gebracht  ward,  eine  reichliche  Strahlung  gab,  während  nach 
Fortnahme  dieses  Bündels  sich  keine  Spur  von  Wärme 
mittelst  seines  Apparats  entdecken  liefis  ^). 

Diefs  sind  die  einzigen  Versuche,  welche  bisher  über 
diesen  Gegenstand  veröffentlicht  wurden,  und  ich  habe  nun 
über  diejenigen  zu  berichten,  die  ich  im  Zusammenhang 
mit  der  gegenwärtigen  Untersuchung  anstellte.  Die  Sänle^ 
versehen  mit  ihren  konischeu  Reflectoren,  wurde  auf  ein 
Stativ  gebracht,  und  davor  ein  Schirm  von  polirtem  ZUoa. 
Hinter  dem  Schirm  wurde  eine  Alkohollampe  aufgestellt, 
so  daCs  ihre  Flamme  ganz  von  demselben  verdeckt  war. 
Die  Über  den  Schirm  aufsteigende  Gassäule  strahlte  ihre 
Wärme  gegen  die  Thermosäule  und  erzeugte  eine  bedeu- 
tende Ablenkung.  Dasselbe  erfolgte,  wenn  die  Alkohol- 
lampe durch  eine  Kerze  oder  einen  Strahl  von  Leuch^;as 
ersetzt  ward. 

Bei  diesen  Versuchen  wirkten  die  erhitzten  Verbren- 
nungsproducte  auf  die  Säule;   allein   es  liefs  sich  auch  die 

1 )  La  Ihermochrdse  p.  94. 


> 


43 

StrahloDg  aus  biober  Luft  nachweisen,  wenn  man  einen 
haifflen  Eisenspatel  oder  eine  heifse  MeCallkngel  hinter  dem 
Schirm  anbrachte;  es  wurde  solchergestalt  eine  Ablenkung 
erhalten,  die  wenn  der  Spatel  rotfaglOhte,  mehr  als  60^ 
betrug.  Diese  Wirkung  rührte  nur  von  der  Ausstrahlung 
der  Luft  her;  eine  Strahlung  von  dem  Spatel  auf  die  Säule 
war. nicht  möglich,  und  keine  Portion  der  erhitzten  Luft 
nSherte  sich  der  Sftule  so,  dafs  sie  dieser  durch  Contact 
bitte  Wärme  zuführen  können.  Diese  Effecte  sind  so  leicht 
herrorzubringen,  dafs  ich  nicht  begreife,  weshalb  ein  so 
gesdiickter  Experimentator  wie  Melloni  sie  nicht  erhal- 
ten hat. 

Zunächst  wollte  ich  nun  sehen,  ob  die  Gase  in  ihrem 
Ansstrahlungsvermögen  verschieden  seyen,  und  zu  dem  Ende 
ooDstruirte  ich  folgende  Vorrichtung.  Die  Thermosäule, 
▼ersehen  mit  ihren  konischen  Reflectoren,  stand  hinter  ei- 
nem Doppelschirm  von  blankem  Zinn  und  an  der  anderen 
Seite  dieses  ein  Argand'scher  Brenner,  bestehend  aus  zwei 
eonc^itrischen  Ringen,  die  zum  Entweichen  des  Gases  Lö- 
cher hatten.  Eine  Röhre  führte  zu  einem  Behälter,  der  das 
zu  untersudiende  Gas  enthielt.  Ueber  dem  Argand' sehen 
Brennw  befand  sich  eine  Kupferkugel,  die  natürlich  die 
Luft  durch  Contact  erhitzte.  So  war  ein  aufsteigender 
Strom  hergerichtet,  welcher,  wie  in  dem  zuvor  beschrie- 
benen Versuch,  auf  die  Säule  wirkte.  Es  ward  nöthig  be- 
fiondtti,  diese  Strahlung  der  erhitzten  Luft  zu  neutralisiroi 
und  zu  dem  Ende  lieb  ich  einen  grofsen  Leslie'schen 
Würfel»  gefüllt  mit  Wasser  von  etwas  höherer  Tempera- 
tur als  die  Luft,  auf  die  entgegengesetzte  Seite  der  Säule 
wirken. 

Nachdem  hierdurch  die  Nadel  auf  Nnll  gebracht  wor- 
den, wurde  der  Hahn  des  Gasbehälters  aufgedreht;  das 
Gas  strich  durch  den  Brenner,  kam  mit  der  Kugel  in  Be- 
rührung und  stieg  nun  in  einem  erhitzten  Strom  vor  der 
Säule  in  die  Höhe.  Das  Galvanometer  wurde  beobachtet 
und  die  Ablenkung  ihrer  Nadel  aufgezeichnet.  Es  ist  wohl 
unnöthig  zu  bemerken,  dafs  die  Kugel  durch  den  Schirm 


44 

ganz  verdeckt  war  für  die  Thermosäale,  und  dafs,  selbst 
wenn  dieb  nicht  der  Fall  war,  das  angewandte  Neutrali- 
sationsrerfahren  dennoch  die  reine  Wirkung  des  Gases 
gab. 

Die  Resultate  dieser  Versnche  sind  in  folgender  Tafe^ 
gegeben;  die  Ziffern  neben  den  Namen  der  Gase  beseidi- 
nen  die  Grade  der  durch  die  Strahlung  der  Gase  bewirk» 
ten  Ablenkung  der  GaWanometemadel 


Luft 

0» 

Saoentoff 

0» 

Stickstoff 

0» 

Wasserstoff 

0» 

Kohlenoxyd 

12« 

KohlensSore 

18"» 

Salpetergas 

29«» 

Oelbildendes  Gas  63^ 
Die  Ausstrahlung  der  Luft»  dessen  mub  man  sich  er- 
innern, war  durch  den  grofsen  Lesli ersehen  Würfel  neu- 
tralisirt,  und  folglich  bezeichnet  die  0^  bei  ihr  blofs,  dab 
die  Forttreibung  von  Luft  aus  dem  Behälter  durch  den 
Arg  and 'sehen  Brenner  den  Effect  nicht  vergröberte.  Sauer* 
Stoff,  Wasserstoff  und  Stickstoff,  in  ähnlicher  Weise  an 
der  heiben  Kugel  vorbeigeleitet,  waren  gleichfalls  wirkungs- 
los. Die  übrigen  Gase  aber  zeigten  nicht  nur  eine  her» 
vortretende,  sondern  auch  eine  ungleiche  Wirkung.  Ihre 
StrahlungsvermOgen  befolgten  genau  die  Ordnung  ihrer  Ab* 
sorptionsvermOgen,  denn  die  von  ihnen  durch  Absorption 
bei  5  Zoll  Spannung  hervorgebrachten  Ablenkungen  waroi 
nachstehende: 


Luft                \ 

Sauerstoff      f 

kleiner  Bruchtheil 

Stickstoff       l 

eines  Grades 

Wasserstoff  / 

Kohlenoxyd 
Kohlensäure 

25« 

Salpetergas 
Oelbildendes  Gas 

440 
6P. 

45 

Es  wäre  leicht,  diesen  Versachen  eine  elegantere  Fonn 
za  geben  und  zu  gröfserer  Genauigkeit  zu  gelangen,  allein 
mein  Zweck  war  nur,  die  allgemeine  Ordnung  der  Aus- 
strablungsvermOgen  dieser  Gase  festzustellen. 

Ein  interessanter  Weg,  sowohl  Ausstrahlung  als  Ab- 
sorption nachzuweisen,  ist  folgender:  Wenn  man  die  po- 
lirte  Seite  eines  Leslie' sehen  Wfirfek  gegen  die  Thermo- 
sfinle  wendet,  ist  der  erzeugte  Effect  unbedeutend;  allein 
er  wird  sehr  verstärkt,  wenn  man  diese  polirte  Seite  mit 
einem  Fimifs  Aberzieht  Statt  der  Firnibschicht  kann  man 
eine  Luftschicht  anwenden.  Es  wurde  ein  solcher  WQr- 
fei,  welcher  siedendes  Wasser  enthielt,  mit  seiner  polirten 
Seite  gegen  die  Säule  gewendet,  und  sein  Effect  auf  das 
Galvanometer  in  gewöhnlicher  Weise  neutraUsirt  Als  die 
Nadel  auf  0®  stand,  wurde  eine  Schicht  Olbildendes  Gas 
aus  einem  schmalen  Schlitz  an  der  Metallflache  vorbeige- 
leitet.  Die  eriiöhte  Strahlung  bewirkte  eine  Ablenkung 
von  45^.  Nach  Fortnahme  des  Gases,  kehrte  die  Nadel 
auf  0®  zurflck. 

Die  Absorption  durch  eine  Luftschicht  läfst  sich  zeigen, 
wenn  man  den  WQrfel  mit  kaltem  Wasser  füllt,  doch  nicht 
mit  so  kaltem,  dafs  die  Wasserd&mpfe  der  Atmosphäre 
darauf  niedergeschlagen  werden.  Eine  vergoldete  Kupfer- 
kugel, erkaltet  in  einer  Kältemischung,  wurde  vor  der 
Säule  aufgestellt  und  ihr  Effect  dadurch  neutralisirt,  dafs 
man  der  entgegengesetzten  Seite  der  Säule  einen  Becher 
mit  etwas  eiskaltem  Wasser  vorhielt  Dann  wurde  eine 
Schicht  von  Olbildendem  Gas  über  die  Kugel  geleitet,  allein 
die  erfolgende  Ablenkung  bewies,  daCs  die  Absorption,  statt 
^rOCser  zu  seyn,  kleiner  als  zuvor  war.  Die  Kugel  hatte 
sich  nämlich  mit  einer  Eiskruste  überzogen,  welche  eins 
der  besten  Absorptionsmittel  für  strahlende  Wärme  ist.  Das 
ölbildende  Gas,  wärmer  als  das  Eis,  neutralisirte  die  Ab- 
sorption desselben.  Wenn  indefs  die  Temperatur  der  Kugel 
nur  wenige  Grade  niedriger  als  die  der  Atmosphäre,  und  die 
Oberfläche  derselben  ganz  trocken  war,  so  wirkte  die  Gas- 
schicht wie  eine  Fimifsschicht  und  verstärkte  die  Absorption« 


46 

Ein  merkwürdiger  Effect,  welcher  anfangs  zur  Verwick- 
lang der  Versuche  beitrug,  mag  hier  erläutert  werden. 
Man  denke  sich  die  Experimentir- Röhre  ausgepumpt  und 
die  Nadel  auf  0^  befindlich.  Man  denke  sich  ferner  eine 
geringe  Menge  ron  Alkohol-  oder  anderem  Dampf  hin- 
eingelassen; sie  nimmt  einen  Theil  der  Wfinne  von  der 
einen  Quelle  fort,  und  die  gegentiberstehende  Wärmequelle 
Qberwiegt  daher.  Sey  die  erfolgende  Ablenkung  45°.  Wenn 
nun  trockne  Luft  bis  zur  Ffülung  der  Röhre  eingelassen 
wird,  so  wird  ihr  Effect  natürlich  zu  schwach  sejn,  um 
die  Absorption  zu  verstärken  und  die  Ablenkung  gröfser 
zu  machen.  Allein  in  Wirklichkeit  wurde  Folgendes  be- 
obachtet Beim  ersten  Elintritt  der  Luft  nahm  die  Ablen- 
kung der  Nadel  ab,  statt  zu;  sie  fiel  auf  26®,  wie  wenn 
ein  Theil  der  anfangs  forlgenommenen  Wärme  wiederersetzt 
wäre.  Bei  26^  blieb  jedoch  die  Nadel  stehen;  sie  wendete 
sich,  bewegte  sich  rasch  aufwärts  und  nahm  etwas  Über  45° 
eine  feste  Stellung  ein.  Nun  werde  die  Röhre  wieder  eva- 
cuirt.  Die  Fortnahme  des  Gemenges  von  Luft  und  Dampf 
hätte  natürlich  das  Gleichgewicht,  von  dem  wir  ausgingen, 
wiederherstellen  sollen;  allein  es  wurde  Folgendes  beob- 
achtet Beim  anfangenden  Auspumpen  bewegte  sich  die 
Nadel  von  45°  bis  54°,  dann  hielt  sie  ein,  wandte  sich 
und  sank  hurtig  auf  0°,  wo  sie  andauernd  stehen  blieb. 

Nach  vielen  Versuchen,  diese  Anomalie  zu  erklären,  ver- 
fuhr ich  so:  Eine  Thermokette  wurde  an  die  äufrere  Ober- 
fläche der  Experimentir-Röhre  gelöthet  und  ihre  Enden  mit 
einem  Galvanometer  verbunden.  Bei  Einlassung  der  Luft 
erfolgte  eine  Ablenkung,  welche  zeigte,  dafs  die  Luft  beim 
Eintritt  in  das  Vacuum  sich  erwärmte.  Beim  Auspumpev 
wich  die  Nadel  wiederum  ab,  und  zeigte,  dafs  das  Innere 
der  Röhre  erkältet  war.  Diefs  sind  freilich  bekannte  Effecte, 
allein  ich  wollte  doch  ihrer  vollkommen  versichert  seyn« 
Späterhin  durchbohrte  idi  die  Röhre  und  schraubte  loft- 
didit  Thermometer  ein.  Beim  Füllen  der  Röhre  stiegen  die 
Thermometer,  beim  Auspumpen  sanken  sie;  der  Unterschied 


47 

xffiflcheD   dem  Maximum  und  Minimum  beiief  sich  bei  der 
Luft  auf  S""  F. 

Die  Erklärang  der  obigen  sonderbaren  Erscheinungen 
;irt  demnach  folgende.  Das  Absorptionsvermögen  des  ange- 
-  gebenen  Dampfs  ist  sehr  grofs  und  das  Ausstrahlungsrer* 
!  sögen  ebenfalls.  Die  durch  die  Luft  bei  ihrem  Eintreten 
erzeugte  Wfirme  theilt  sich  dem  Dampfe  mit,  der  dadurch 
temporär  eine  Quelle  strahlender  Wärme  wird,  und  die 
durch  seine  Gegenwart  zuerst  hervor  gebrachte  Ablenkung 
▼ermindert  Das  Umgekehrte  findet  statt,  wenn  die  Röhre 
ausgepumpt  wird;  der  Dampf  wird  abgekfihlt,  seine  grofse 
Absorptionswirkung  auf  die  Wärme,  die  von  der  anliegen« 
den  Seite  der  Säule  ausstrahlt,  kommt  mehr  im  Spiel  und 
der  nrsprfingliche  Effect  wird  verstärkt.  In  beiden  Fällen 
ist  jedoch  die  Wirkung  des  Dampfs  eine  vorübergehende; 
der  Dampf  verliert  bald  die  ihm  mitgetheilte  Wärme,  und 
eben  so  gewinnt  er  auch  bald  die  verlorene  Wärme.  Die 
Vorgänge  nehmen  dann  ihren  normalen  Verlaui 

§.10. 

Ueber  dea  pbjraiMlien  ZiuammeDbaDg  von  Stnüdoog, 

AbflorptiOB  aod  Leitung. 

In  dem  vorstehenden  Versuche  haben  wir  es  mit  freien 
Atomen,  einfachen  sowohl  als  zusammengesetzten,  zu  thun 
gehabt,  und  es  fand  sich,  dafs  in  allen  Fällen,  Absorption 
stattfand«  Nach  der  dynamischen  Wärmetheorie  will  diefs 
sagen:  kein  Atom  vermag  im  vibrirenden  Aether  zu  existiren, 
ohne  nicht  einen  Theil  von  dessen  Bewegung  anzunehmen« 
Wir  können,  wenn  wir  wollen,  den  Atomen  eine  gewisse 
Rauheit  beizulegen,  vermöge  welcher  der  Aether  sie  fassem 
und'  mit  sich  fortführen  kann.  Allein  es  ist  gleichgültig, 
welche  Qualität  es  sej,  die  ein  Atom  befähigt,  Bewegung 
von  dem  erschütterten  Aether  anzunehmen,  da  es  dieselbe 
Qualität  sejrn  mub,  welche  dasselbe  auch  in  Stand  setzt, 
dem  ruhenden  Aether  Bewegung  einzuprägen,  wenn  es  in 
letzteren  eingetaucht  und  erschüttert  wird«    Eis  ist  nur  nö- 


48 

thig,  den  Fall  eines  in  Wasser  eingetauchten  Körpers  zu 
betrachten,  um  zu  sehen,  dab  diefs  der  Fall  seyn  mufs. 
Es  ist  hier  eine  Polarität  so  rigid  als  die  des  Magnetismus. 
Aus  dem  Daseyn  der  Absorption  können  wir  nadi  theore- 
tischen Gründen  unfehlbar  auf  eine  CapacitKt  für  Strahlung 
schliefsen;  aus  dem  Daseyn  der  Strahlung  können  wir  mit 
gleicher  Sicherheit  auf  eine  Capacitttt  für  Absorption  folgern ; 
und  jede  von  ihnen,  mufs  als  ein  Maafs  der  anderen  be- 
trachtet werden. 

Dieses  einfach  auf  die  mechanischen  Relationen  zwischen 
dem  Aether  und  den  von  ihm  umschlossenen  Atomen  ge- 
gründete Räsonnement  wird  durch  die  Versuche  vollkom- 
men bestStigt,  indem  sie  gezeigt  haben,  dafs  unter  den  Ga- 
sen in  Betreff  ihres  Absorptionsvermögens  grofse  and  genau 
eben  solche  Unterschiede  bestehen  als  rücksichtlich  ihres 
Strahlungsvermögens.  Allein,  welche  specifische  Eigenschaft 
ist  es,  die  ein  Molecül  zu  einem  starken  Absorbens  macht, 
wahrend  ein  anderes  dem  Durchgang  derWSrme  kaum  ir- 
gend ein  Hindernils  darbietet?  Ich  glaube  die  Versuche 
werfen  einiges  Licht  auf  diese  Frage.  Betrachten  wir  die 
vorhin  angeführten  Resulte,  so  finden  wir,  daCs  die  elemen- . 
taren  Gase  Wasserstoff,  Sauerstoff,  Stickstoff  und  das  Ge- 
menge atmosphärische  Luft,  Absorptions-  und  Ausstrahlung^- 
vermögen  in  einem  unvergleichlich  geringerem  Gjr^de  be- 
sitzen als  die  zusammengesetzten.  Verknüpt  man^lie  Alom- 
theorie  mit  der  Conception  eines  Aethers,  so  scheint  dieCs 
Resultat  genau  das  zu  seyn,  was  man  erwarten  mofste« 
Denkt  man  sich,  mit  Dal  ton,  einen  elementaren  Körper 
als  eine  einfache  Kugel,  und  nimmt  an,  eine  solche  Kugel 
werde  in  ruhendem  Aether  in  Bewegung  gesetzt  oder  ohne 
Bewegung  in  bewegten  Aether  gebracht,  so  mufs  die  Mit- 
theilung der  Bewegung  durch  das  Atom  im  ersten  Fall,  und 
die  Abnahme  derselben  von  dem  Atom  im  zweiten  Fall 
unermefslich  geringer  seyn  als  im  Fall  eine  Anzahl  sol- 
cher Atome  gruppirt  sind  und  ein  System  ausmachen.  So 
geschieht  es,  dafs  Wasserstoff  und  Stickstoff,  wenn  sie  zu- 
sammengemengt sind,  einen  kleinen  Effect  geben,  dagegen 


49 

eioeu  ungeheuer  grofseu,  wenn  sie  ckemiich  verbunden  sind. 
Sauerstoff  und  Wasserstoff,  im  elektrolytischen  Verhältnifs 
mit  einander  gentengt,  üben  kaum  eine  merkliche  Wirkung 
aus^  Sufsern  dagegen  eine  sehr  kräftige,  wenn  sie  zu  Was- 
serdampf chemisch  verbunden  sind.  So  auch  Sauerstoff  und 
Stickstoff;  gemengt,  wie  in  unserer  Atmosphäre,  absorbiren 
und  strahlen  sie  schwach;  verbunden  aber  zur  Bildung  von 
oscillirenden  Systemen,  wie  in  Salpetergas,  sind  ihre 
Kräfte  ungeheuer  verstärkt.  Reine  atmosphärische  Luft  von 
5  Zoll  Spannung  übt  wahrscheinlich  keine  gröfsere  Absorp- 
tion als  die  einem  Fünftel  Grad  entsprechende  aus,  während 
Salpetergas  von  derselben  Spannung  eine  Absorption  ent- 
sprechend 51  solcher  Grade  hervorbringt.  Folglich  ist  bei 
dieser  Spannung  die  Absorption  durch  Salpetergas  unge- 
fähr 250  Mal  gröber  als  die  durch  Luft  Keine  Thatsacbe 
in  der  Chemie  thut,  meiner  Meinung  nach,  so  überzeugend 
dar,  dafs  die  Luft  ein  Gemenge  und  keine  Verbindung  ist, 
als  die  eben  angeführte.  In  ähnlicher  Weise  ist  die  Absorp- 
tion durch  Kohlenoxyd  von  dieser  Spannung  beinahe  das 
lOOfache  von  der  durch  Sauerstoff  allein;  die  durch  Kohlen- 
säure das  100  bis  150  fache  von  der  durch  Sauerstoff,  und 
die  durch  Ölbildendes  Gas  von  dieser  Spannung  das  lOOOfache 
von  der  durch  Wasserstoff,  seinem  Bestandtheil.  Selbst 
diese  zuletzt  erwähnte  ungeheure  Wirkung  wird  weit  Über- 
troffen durch  die  der  Dämpfe  mehrer  flüchtiger  Flüssigkei- 
ten, in  welchen  die  Gruppirung  der  Atome,  wie  man  weifs, 
den  höchsten  Grad  von  Complication  erreicht. 

Ich  habe  mich  bisher  auf  die  Betrachtung  beschränkt, 
dafs  die  zusammengesetzten  Molecüle  querweise  (broadsides) 
durch  den  Aether  gehen,  die  einfachen  Atome,  mit  welchen 
wir  operirten,  aber  nicht;  daCs  in  Folge  dieser  Verschie- 
denheit der  Aether  zu  Wellen  (billaws)  anschwellen  mufs, 
wenn  die  ersteren  sich  bewegen,  während  er  bloCs  in  Fur- 
chen (ripples)  erzittert,  wenn  die  letzteren  bewegt  sind; 
daCs  auch  zur  Auffangung  der  Bewegung,  unter  sonst  glei- 
chen Umständen,  die  ersteren  weit  wirksamer  seyn  müssen. 

PoggcDdorCPt  Annal.  Bd.  CXI II.  4 


.'Mlciii  OS  bleibt  noch  eine  andere  wichtige  Betrachtung 
übrig.  Alle  Gase  und  Dämpfe,  deren  Verhalten  wir  un- 
tersucht haben,  sind  durchgäuglich  für  Licht,  d.  h.  die  Wel- 
len des  sichtbareo  Spectrums  geben  obae  merklicbe  Absorp- 
tion bindurcb.  Daraus  ist  klar,  daCs  das  Absorptionsver- 
mögen abhängt  von  der  Periodicit&t  der  Undulationen,  trel- 
cbe  sie  treffen.  In  diesem  Punkt  schliefst  sich  die  gegen- 
wärtige Untersuchung  au  die  Versuche  von  Niepce,  die 
Yermuthungen  von  Augström,  die  Beobachtungen  von 
Foucault  und  an  die  wundervollen  Untersuchungen  von 
Kirchhoff  und  Bunsen,  welche  das  Gebiet  unserer  For- 
schungen so  unermefslich  erweitert  haben.  Durch  Kirch- 
hoff  ist  bündig  erwiesen  worden,  dafs  jedes  Atom  in  spe- 
ciellem  Grade  diejenigen  Wellen  absorbirt,  welche  syn- 
chron mit  seinen  eigenen  Schwinguugsperioden  sind«  Nan 
mufs  die  Verknüpfung  der  einfachen  Atome  zu  Gruppen, 
aufser  dafs  die  breiten  Seiten  dem  Aether  dargeboten  wer- 
den, im  Allgemeinen  auch  ihre  Bewegung  durch  den  Aether 
langsamer  machen.  Eine  Bleikugel,  an  einen  Faden  aufge- 
hängt uud  im  Wasser  zum  Oscilliren  gebracht,  wird  ra- 
scher schwingen  ab  zwei  oder  mehrere  Kugeln,  welche 
zu  einem  System  verknüpft  sind.  In  ähnlicher  Weise  wird 
ein  Molecül,  welches  durch  Combination  zweier  oder  meh- 
rer Atome  gebildet  ist,  im  Allgemeinen  langsamer  im  Aether 
schwingen  als  jedes  seiner  Atome  einzeln  genommen«  Die 
Tendenz  hievon  ist,  die  Perioden  dieser  zusammengesetz- 
ten Molecüle  in  Isochronismus  mit  den  langsamen  Undula- 
tionen  der  dunklen  Wärme,  und  sie  zu  befähigen,  solche 
Strahlen,  wie  bei  unseren  Versuchen  gebraucht  worden 
sind,  wirksamer  zu  absorbiren. 

Beide  Umstände,  der  physische  Charakter  des  Molecfi- 
les  selbst  und  die  Schwingungsperiode  desselben,  mflssen 
in  Erwägung  gezogen  werden.  Sey  es  mir  erlaubt,  hier 
kurz  die  Gründe  anzugeben,  die  mich  schliefsen  lassen, 
dafs  die  Ucbereinstimmung  in  der  Periode  allein  nicht  hin- 
reichend ist,  eine  kräftige  Absorption  zu  bewirken;  dafs 
daneben  die  Molecüle  so  coustruirt  seyn  müssen,  dafs  sie 


51 

Angriffspunkte  fiir  den  Aetber  darbieten.  Die  Berührangs- 
wärme  mrd  toio  Steinsalz  mit  ungemeiner  Leichtigkeit  an- 
genommen, allein  einmal  erhitzt,  erfordert  eine  Platte  von 
dieaer  Substanz  eine  sehr  lange  Zeit  zum  Erkalten.  Diefs 
überraschte  mich,  als  ich  es  zuerst  wahrnahm,  allein  es  er- 
klärt sich  durch  die  wichtigen  Versuche  des  Hrn.  Balfour 
Stewart,  welche  bewiesen  haben,  dafs  das  Ausstrahlungs- 
Termögen  des  Steinsalzes  aufserordentlich  schwach  ist.  Pe- 
riodicität  kann  hier  keinen  Einflufs  haben,  denn  der  Aether 
vermag  Impulse  aller  Perioden  anzunehmen  und  durchzu- 
lassen, und  die  Thatsache,  dafs  Steinsalz  zu  seiner  Erkal- 
tung mehr  Zeit  verlangt  als  Alaun,  beweist  einfach,  dals 
die  Molecüle  des  ersteren  mit  verhältnifsmttfsig  kleinerem 
Widerstand  durch  den  Aether  gleiten  und  somit  sich  eine 
längere  Zeit  hindurch  zu  bewegen  fortfahren;  während  die 
des  letzteren,  dem  Aether  breite  Seiten  darbietend,  ihm 
schnell  die  Bewegung  mittheilen,  welche  wir  Wärme  nen- 
nen. Dieses  Vermögen  der  SteinsalzmolectUe,  durch  ruhen- 
den Aetber  zu  gleiten,  mufs  natürlich  den  bewegten  Aether 
befähigen,  um  dieselben  herum  zu  gleiten,  und  so  kann, 
glaube  ich,  keine  Colncidenz  der  Periode  einen  solchen 
Körper  zu  einem  kräftigen  Absorbens  machen. 

Manche  Chemiker  werden,  glaube  ich,  geneigt  sejrn, 
die  Idee  von  einem  Atom  zu  verwerfen,  und  bloCs  an  der 
von  aequivalenten  Mengen  festhalten.  Sie  betrachten  den 
Act  der  Verbindung  als  eine  Art  von  Eindringen  der  einen 
Substanz  in  die  andere.  Allein  diefs  ist  eine  blofse  Ver- 
steckung des  Fuudamental-Phänomens.  Der  Werth  der  At<^ 
mentheorie  besteht  darin,  dafs  sie  die  physische  Erklärung 
von  dem  Gesetz  der  Aequivalente  liefert.  Angenommen 
die  eine,  folgt  die  andere,  und  nimmt  man  den  Act  der 
chemischen  Verbindung,  wie  ihn  Dalton  sich  dachte,  so 
sehen  wir,  dafs  er  harmonisch  stimmt  mit  dem  davon  ganz 
unabhängigen  Begriff  eines  Aethers,  und  dafs  er  uns  in 
Stand  setzt,  die  Phänomene  der  Strahlung  und  Absorption 
auf  die  einfachsten  mechanischen  Grundsätze  zurückzu- 
führen. 

4* 


52 

Aeholidie  BetnwlitiiDgen  wie  die  obigeo  lutmi  ^^ÜK/k^ 
glaube  Utk,  erfolfireidi  auf  die  Phinonfloe  der  Lettoag  ja», 
wenden.  Ich  habe  iMhon  ein  InatraaMnt  baachriebea^  <iii9|f 
ehes  ich  beim  Untenodien  der  Leüang  der  Wliae  Jmi^ 
Würfel  Ton  Hob  und  anderen  Subatamen  gabrawki  l|a|if|k 
Als  idi  mit  diesem  Inalmment  beedülftigt  war,  bäMto.^||jSi 
mir  auch  Würfel  Ton  yerachiedenen  Krjatallen  feaaM^ii^ 
und  mit  demselben  ihr  LeitungB vermögen  beatinnit^^i'BBit 
einer  einzigen  Ausnahme  fand  ich,  dafs  die  LeitongsflihiB» 
keit  mit  der  Diathermansie  xunahm«  Die  Ausnahme  Ibildate 
ein  Würfel  von  sehr  reinem  Bergkrjstall,  welcher  ein  wer 
nig  besser  als  mein  Steinsalzwürfel  leitete.  Der  letiten  - 
besafs  indeb  ein  sehr  hohes  Leityermögen.  Wirklich  stMil- 
den  bei  meinen  Versuchen  Steinsalz»  Kalkspath,  Glas^  Gjpe 
und  Alaun,  rflcksichtlich.  ihrer  Leitungsfilhigkeit,  genau  is 
der  Ordnung,  wie  rficksichtlich  der  Diatheimausie  bei  dea 
Versuchen  von  Mellon  i.  Ich  habe  schon  Betrachtungen 
hinzugefügt,  welche  zeigen,  da(s  die  Molecflle  des  Stein- 
salzes mit  Leichtigkeit  durch  den  Aether  gleiten;  allein  der 
Fall  von  Bewegung,  welche  die  Molecüle  dabei  bcsiliei^ 
mufs  den  gegenseitigen  Zusammenstofs  derselben  erieicb* 
tern.  Ihre  Bewegung  statt  auf  den  zwischen  ihnen  befind* 
licbeu  Aether  verwendet  und  dadurch  dem  äulseren  Aether 
mitgctheilt  zu  werden,  wird  frei  von  Theilcben  zu  Theil- 
eben  übertragen,  oder,  anders  gesagt,  wird  frei  geleitet 
Beim  Alaun  andererseits  kann  der  Aether  bis  zu  einem  ge- 
wissen Grad  als  Puffer  wirken,  welcher  sich  dem  Zusam- 
menstofs der  Theildien  widersetzt  Wenn  sich  beim  Alaun 
ein  Molecül  dem  andern  n&hert,  so  bewirkt  es  eine  An- 
schwellung des  dazwischen  befindlichen  Fluidums  und  diese 
wird  sogleich  nach  auGBcn  verpflanzt  und  geht  als  Leitung 
verloren.  Diese  seitliche  Verschwendung  hindert  die  Be- 
wegung irgend  tief  in  den  Alaun  einzudringen,  und  somit 
wird  die  Substanz  das,  was  wir  einen  schlechten  Leiter 
nennen.  Ein  geringes  Nachdenken  wird  zeigen,  dafs  genau 
die  Qualität,  welche  einen  Körper  zu  einem  guten  Aus- 
strahler macht,  ihn  zu  einem  schlechten  Leiter  macht    Man 


53 

wird  auch  sehen,  dafs  es  ganz  unzulässig  ist  gute  Leitung 
von  guter  innerer  Strahlung  abzuleiten.  Sowohl  nach  au- 
fsen,  wie  nach  innen  ist  der  schlechte  Leiter  ein  guter 
Strahler;  seine  Güte  als  Strahler  und  seine  Schlechtigkeit 
als  Leiter  beruhen  auf  der  einfachen  Eigenschaft,  welche 
ihn  befähigt,  die  Bewegung,  welche  er  selbst  besitzt,  schnell 
auf  den  Aethcr  zu  übertragen. 

Betrachtungen  wie  diese  können  nicht  umhin,  den  Blick 
auf  manche  verwandte  Gegenstände  zu  richten,  namentlicli 
auf  die  Frage  über  elektrische  Leitung;  allein  ich  habe  die 
Speculationen  für  jetzt  schon  weit  genug  getrieben.  Ich 
niufs  es  dem  Urtheile  competenter  Richter  überlassen,  xo 
entscheiden,  ob  sie  blofse  Phantasien  sind  oder  reine  An- 
wendungen Ton  bereits  als  sicher  anerkannten  Grundsätzen ' ). 

1)  Bri  den  obigen  BelraditaDgeD  über  Leitung  habe  ich  mich  aaf  due 
▼on  zwei  xusaroroengeMtxten  Körpern  gclieferle  Erläuterung  beschränkt; 
allein  auch  die  elementaren  Atome  sind  unter  sich  verschieden  rficksicht- 
lich  ihres  Vermögens,  Bewegung  vom  Acthcr  so  empfangen,  und  Be» 
wegung  ihm  miiautheilen.  Ich  könnte  &.  B.  anföhren,  dafs  die  Atome 
des  Platins  mehr  Widersland  bei  der  Bewegung  durch  den  Aether  er- 
leiden als  die  Atome  des  Silbers.  In  der  That,  frage  ich,  wurde  ein 
Platindraht,  durch  den  ein  starker  Elektricitälsstroro  geht,  wohl  ein  so 
dichtes  wcifses  Licht  aussenden,  wenn  er  ein  so  guter  Leiter  wäre  wie 
Silber? 


54 


II.     Veber  Fluorescenz  der  TVärme. 


JLIiese  Mittheilang  betrifft  eine  alte  Thatsache,  die  Melloni 
ISDgit  entdeckt  bat  Meine  Absiebt  ist  nar  darauf  anfiooerk- 
sam  za  macben»  daCs  meines  Wisseps  nocb  Niemand  der 
Analogie  erwibnt  bat,  die  zwiscben  Liebt  und  Wflrme  auch 
in  FtiMtdU  auf  Fluorescen»  bestebt. 

Wir  wissen,*  dats  die  Strablen  der  Sonne  durcb  klares 
Eis  bindurcb  geben,  ohne  das  Eis  zu  scbmelzen;  aucb  wis- 
sen wir,  dals,  wenn  dieselben  Strablen  auf  einen  undnrdi- 
sicbtigen,  dunkel  gefilrbten  Körper ,  z.  B.  auf  einen  Baum- 
stamm,  fallen  und  von  diesem  auf  den  nabe  liegenden  Sebne^ 
reflectirt  werden,  diese  Stelle  des  Scbnees  schmilzt.  IcL 
glaube  dafs  diese  Erscbeinung  eine  Fluorescenz  der  WAr- 
mestrablen  genannt  werden  kann,  da  diese  vom  Baum- 
stamme nun  ausgebenden  Wttrmestrablen  offenbar  eine  an- 
dere Wellenlftnge  oder  eine  andere  Wörmefarbe  baben 
müssen  als  die  Strablen,  welche  diese  Fluorescenz  in  de 
OberfUcbe  der  Rinde  des  Baumes  crregteu. 

Ffirst  zu  Salm-Horstmar. 


55 


in.     IJeber  die  Reibung  der  Fliissigkeiten; 
von  Oskar  Emil  Meyer  aus  Varel  a.  d.  Jahde. 

V  orliegendc  Abhandlung  entblllt  die  praktischen  Resultate 
einer  theiis  experimeulellcu,  theils  theoretischen  physikali- 
schen Untersuchung,  mit  welcher  ich  mich  seit  mehreren 
Jahren  zu  Königsberg  in  Pr.  unter  der  Leitung  meines 
hochverehrten  Lehrers,  des  Hrn.  Professor  Neumann,  be- 
schäftigt habe.  Üer  mathematische  Thcil  dieser  Untersu- 
chaog,  auf  den  sich  die  Berechnung  der  hier  mitgetheilten 
Versuche  sti^lzt,  wird  gleichzeitig  mit  diesem  experimentellen 
im  59.  Bande  des  Journals  für  reine  und  angewandte  Ma- 
thematik publicirt. 

Wie  ich  bereits  dort  erwähnt  habe,  unternahm  ich  diese 
Versuche,  als  die  philosophische  FaailtSt  der  KOnigsbergcr 
Universitöt  für  das  Jahr  1857  den  Studirenden  als  Preis 
frage  die  Aufgabe  stellte,  aus  der  Beobachtung  der  abnehmen 
den  Schwingungen  eines  in  einer  Flüssigkeit  um  seine  Axe 
oscillirenden  Cylinders  die  Reibung  dieser  Flüssigkeit  zu  be- 
stimmen. Die  Möglichkeit,  aus  dieser  Beobachtung  die  Rei- 
bung der  Flttssigkeit  abzuleiten  beruht  darauf,  dafs  durch  die 
Oscillationen  des  Cylinders  auch  die  ihm  anhaftende  dünne 
Flüssigkeitsschicht  mit  in  Bewegung  gesetzt  wird,  und  dafs 
wiederum  diese  die  nttchstbenachbarte  und  mittelbar  alle  fol- 
genden mit  sich  fortzieht.  Dieses  Fortziehen  der  Flüssig- 
keitsschichten, der  einen  durch  die  andre,  nennt  man  die 
Reibung.  Es  ist  demnach  eine  Folge  der  Reibung  der  Flüs- 
sigkeit, wenn  durch  diese  Uebertragung  eines  Thcilcs  der 
Geschwindigkeit  des  Cylinders  an  die  auf  einander  folgen- 
den Flüssigkeitsschichten  die  Amplituden  desselben  eine  fort- 
dauernde Abnahme  erfahren.  Die  Beobachtnng  dieser  Ab- 
nahme der  Amplituden  giebt  daher  ein  Mittel  zur  Bestim- 
mung der  Reibung  der  Flüssigkeit. 

Diese  Verringerung  der   Amplituden   ist   um  so  bedeu- 
tender, )e   gröfser  das  Drehungsmoment  derjenigen  KrSfte 


56 

iu  Bezug  auf  die  Axe  des  Cylioders  ist,  welche  von  den 
reibeuden  Flüssigkeitsscbichten  auf  den  Cjrlinder  als  Verzö- 
gerungen seiner  Bewegung  ausgeübt  werden.  Andrerseits 
ist  die  Abnahme  der  Amplituden  um  so  geringer,  je  gröfser 
das  Trägheitsmoment  des  Cylinders  ist.  Um  nun  eine  mög- 
lichste Schärfe  der  Beobachtung  zu  erreichen,  hat  man  über 
jene  beiden  Gröfsen  so  zu  verfügen,  dafs  eines  Theils  die 
Abnahme  der  Amplituden  stark  genug  ist,  um  mit  Sicher- 
heit gemessen  werden  zu  können:  dafs  aber  andern  Theils 
die  Bewegung  des  Cylinders  lange  genug  andauert ,  dafs 
eine  längere  Reihe  auf  einander  folgender  Schwingungen 
beobachtet  werden  kann.  Man  erreicht  beides  bequem  da- 
durch, dafs  man  dem  Cylinder  eine  geringe  Höhe  giebt, 
also,  mit  andern  Worten,  statt  desselben  eine  Scheibe  an- 
wendet. Eine  solche  hat  den  Vortheil,  dafs  bei  einem  mä- 
fsigen  Momente  der  Trägheit  den  Reibungskräften  ein  gün- 
stiger Angriff  geboten  wird. 

So  bestand  die  von  der  Facullät  gestellte  Aufgabe  darin, 
eine  Art  von  Versuchen  zu  wiederholen,  fortzuführen  und 
durch  theoretische  Betrachtungen  zu  erklären,  welche  zu- 
erst von  Coulomb  *)  ausgeführt  wurden.  Coulomb  liefs 
eine  an  einem  verticalcn  Draht  iu  ihrem  Mittelpunkte  ho- 
rizontal aufgehängte  Kreisscheibe  in  einer  Flüssigkeit  um 
den  Draht  als  Axe  schwingen,  so  dafs  also  diese  sich  um 
ihren  Mittelpunkt  drehte,  ohne  eine  absolute  Ortsverände- 
rung zu  erleiden.  Coulomb  beobachtete  die  Zeit  einer 
Schwingung  und  bestimmte  das  Yerhältnifs,  in  welchem 
zwei  auf  einander  folgende  Amplituden  stehen.  Er  fand 
dieses  Vcrhältnifs  durch  die  ganze  Reihn  der  Schwingungen 
constont:  er  fand  also,  dafs  die  aufeinander  folgenden  Am- 
plituden der  Scheibe  die  Glieder  einer  geometrischen  Reihe 
bilden.  Er  beobachtete  ferner,  dafs  die  mit  Scheiben  ver- 
schiedener Gröfse  bestimmten  Werthc  des  logarithmischen 
Decrements  dieser  geometrischen  Reihe  in  dem  Verhältnisse 
der  vierten  Potenzen  der  Radien  der  Scheiben  stehen. 

I  )  Memoires  tle  tinstttut  national.     Bd.  3,  S.  246 


57 

SpStcr  bat  Moritz ')  Beobachtungen  derselben  Art  an- 
gestellty  ohne  indefs  diefs  letztere  interessante  Gesetz  einer 
neoen  Prüfung  zu  unterwerfen.  Auch  genügen  seine  Re- 
sultate, da  er  weder  das  Trägheitsmoment  des  Apparates^ 
noch  das  Torsionsmoment  des  Drahts  angiebt,  nicht  zur  Be- 
rechnung der  Reibung  in  absolutem  Maafse. 

Nach  derselben  Methode  habe  ich  die  in  dieser  Abhand- 
lung mitgetheilten  Versuche  angestellt  und  aus  denselben, 
wie  aus  Coulomb 's  Beobachtungen,  nach  der  in  meiner 
oben  erwähnten  theoretischen  Arbeit  entwickelten  Rechnung 
die  Constanten  der  Reibung  abgeleitet.  Ich  reichte  bereits 
am  Ende  des  Jahres  1857  einen  grofsen  Theil  dieser  Beob- 
achtunf^en  mit  den  Grundzügen  der  Theorie  der  Künigs- 
berger  Facultfit  ein  und  wurde  am  18.  Januar  1858  von 
derselben  mit  dem  doppelten  Preise  belohnt.  Doch  unter- 
blieb die  Publication  bis  jetzt,  weil  sich  mir  im  Fortgange 
der  Beobachtungen  ein  doppelter  Zweifel  aufgedrungen  hatte. 

Zunächst  fand  ich,  dafs  die  anfangs  Ton  mir  angewandte 
Gau fs' sehe  Methode  zur  Bestimmung  des  Trägheitsmo- 
ments eines  Apparats,  so  werthvoU  sie  für  Apparate  von 
grofser  Trägheit,  wie  die  von  Gaufs  benutzten  Magnete, 
ist,  auf  Apparate  geringer  Trägheit  nicht  angewandt  werden 
darf.  Nadi  dieser  Methode  wird  bekanntlich  das  Trägheits- 
moment des  Apparats  bestimmt  durch  dasjenige  von  Ge- 
wichten, welche  man  in  gemessenen  Entfernungen  von  der 
Drehungsaxe  zu  beiden  Seiten  derselben  am  Apparate  auf- 
gehängt bat.  Diese  Methode  der  Bestimmung  führt  in  allen 
den  Fällen  zu  aufserordentlich  sicheren  Resultaten,  in  denen 
die  scheinbare  Vermehrung,  die  das  Trägheitsmoment  durch 
die  von  den  Gewichten  in  Bewegung  gesetzte  Luft  erfährt, 
gegen  das  Trägheitsmoment  selbst  als  verschwindend  klein 
vernachlässigt  werden  darf.  Sie  veranlafst  indefs  sehr  er- 
hebliche Fehler  bei  Apparaten  geringer  Trägheit,  wie  z.  B. 
bei  dem  von  mir  angewandten.  Es  dürfte  daher  wohl  anzu- 
nehmen seyn,  dafs  gar  manche  der  nach  dieser  Methode  ohne 

1 )  DicM  Annalen  Bd.  70,  S.  74. 


59 

keit,  mit  welcher  dieselbe  durch  ein  enges  cylindrisches 
Rohr  TOD  bedeutender  Länge  aus  einem  Gefäfse  ausströmt. 
Die  Formel,  welche  die  Abhängigkeit  der  Geschwindigkeit 
▼OD  der  Reibung  der  FIfissigkeit  ausdrückt ,  ist  unter  dem 
Namen  des  Poiseuille'schen  Gresetztes  bekannt.  Dieses 
Gesetz  wiesen  unabhängig  yon  einander  PoiseuilleO  und 
G.  Hagen*)  auf  dem  Wege  der  Beobachtung  nach.  Seit- 
dem ist  dasselbe  mehrfach  aus  theoretischen  Betrachtungen 
abgeleitet  worden.  Unter  diesen  Herleitungen  zeichnet  sich 
die  von  Neumann  gegebene  und  durch  H.  Jacobson 
veröffentlichte')  theils  durch  Einfachheit,  theils  durch  Voll- 
ständigkeit so  Tortheilhaft  aus,  dafs  ich  alle  Qbrigen,  die 
idi  in  meiner  theoretischen  Abhandlung;  angezahlt  habe, 
hier  nicht  nodi  einmal  zu  erwähnen  brauche.  In  einer 
dieser  Untersuchungen,  der  von  Hagenbach*),  wird  der 
gewöhnlichen  Form  jenes  Gesetzes  noch  eine  Correction 
hinzugefügt.  Dieselbe  beruht,  um  statt  der  dort  gebrauchten 
technischen  die  physikalische  Ausdruckweise  anzuwenden, 
auf  einer  Berechnung  des  Verlustes  an  lebendiger  Kraft, 
welcher  beim  Eintritte  der  Flüssigkeit  in  das  enge  Rohr 
stattfindet,  aus  einer  recht  plausibelen  Hypothese. 

Diese  Methode,  die  Reibung  einer  Flüssigkeit  aus  der 
Geschwindigkeit  ihrer  Strömung  durch  enge  cylindrische 
Röhren  zu-bestimmen ,  empfiehlt  sich  in  hohem  Grade  so- 
wohl durch  die  Leichtigkeit  und  Schnelligkeit  der  Ausfüh- 
rung eines  Versuchs,  als  auch  durch  die  Einfachheit  der 
mathematischen  Analyse  des  Vorgangs.  Indefs  ist  dieser 
letztere  Vorzog  nur  illusorisch,  da  bei  diesem  Versuche 
mancherlei  Nebenumstände  auftreten,  die  wir  mathematisch 
bestimmen  zu  können  noch  weit  entfernt  sind.    Ich  brauche 

1 )  Mimoires  de  savanis  ^irangers^  t.  IX^  1846.  Annnies  de  chimie 
ei  de  phjrsique;  3.  s^r,  FII  u,  XXi;  diese  Anoalen  Bd.  58. 

2)  Abbaiidlunfcn  der  Berliner  Akademie  1854.     Diese  ADoalen  Bd.  46. 

3)  Reichert*!  and  du  Boit-Rejmond's  ArckiT  für  Analoiuic  und 
Physiologie  1860;  und  Bericht  über  die  Versammlung  deutscher  Natur- 
forscher   und  Aer»le  su  Königsberg  1860. 

4)  In  einer  Abhandlung  im  109.  Bande  dieser  Annalen  (1860),  welche 
bertits  im  99.  Bd.  (1856)  von  Wiederoann  angekündigt  wurde 


61 

meiner  theoretischen  Abhandlung  im  mathematischen  Ge- 
wände durchgeführt  habe,  läfst  sich  auch  ohne  Benutzung 
des  mächtigen  HülfsmiUek,  das  die  Anwendung  der  Mathe- 
matik gewährt,  erläutern.  Ich  werde  versuchen,  hier  durch 
ooucrete  Vorstellungen  eine  Anschauung  von  den  Opera- 
tionen zu  geben,  die  ich  dort  in  Zahl  und  Zeichen  ausge- 
führt habe. 

Bewegt  sich  eine  horizontale  kreisrunde  Scheibe  in  der 
angegebenen  Weise  in  einer  Flüssigkeif,  dreht  sie  sich  also 
in  derselben  um  ihren  Mittelpunkt,  ohne  eine  absolute  Orts- 
Veränderung  zu  erfahren:  so  wird  diese  Drehung  auf  die 
Flüssigkeit,  falls  diese,  wenn  auch  nur  in  geringem  Grade 
an  der  Scheibe  haftet,  zunächst  den  unmittelbaren  EinfluCs 
haben,  dais  die  an  der  oberen  und  unteren  Fläche  der 
Scheibe  liegenden  dünnen  Flüssigkeitsschichten  -dieser  Be- 
wegung folgen.  Ob  diese  Bewegung  der  adhärirendcn 
Schichten  dieselbe  oder  eine  geringere  Gröfse  hat,  als  die 
der  Scheibe,  hängt  von  der  Adhäsion  zwischen  der  Flüssig- 
keit und  dem  Stoffe  der  Scheibe  ab.  Adhärirt  die  Flüssig- 
keit vollkommen  an  der  Scheibe,  benetzt  sie  also  dieselbe 
so  sehr,  dafs  diese  auch,  wenn  sie  aus  der  Flüssigkeit  her- 
ausgehoben wird,  noch  von  einer  dünnen  Schicht  derselben 
bedeckt  bleibt,  so  scheint  es  erlaubt  anzunehmen,  —  und 
das  bestätigen  Versuche  mit  Scheiben  aus  verschiedenem 
Stoffe  —  dafs  die  nächsten  Flüssigkeitsschichten  auch  wäh- 
rend der  Bewegung  so  fest  an  der  Scheibe  haften,  dafs  sie 
dieselbe  Geschwindigkeit,  wie  diese  selbst  besitzen. 

Indeüs  möge  die  Scheibe  so  stark  benetzt  werden,  oder 
möge  die  Reibung,  die  sie  von  der  unmittelbar  benachbarten 
Flüssigkeit  erfährt,  so  gering  Seyn,  dafs  diese  Flüssigkeits- 
schichl  nicht  die  volle  Geschwindigkeit  annimmt:  so  wird 
sie  doch  jedenfalls  den  unmittelbar  benachbarten  Schichten 
der  Flüssigkeit  eine  der  ihrigen  gleich  gerichtete  Bewegung 
ertheilen.  Diese  ersten  Schichten  werden  an  die  ihnen  fol- 
genden einen  Thcil  ihrer  so  erhaltenen  Geschwindigkeit 
übertragen,  diese  zweiten  an  die  folgenden,  und  so  fort 
wird  )ede  Flüssigkeitsschicht  von  der  der  Scheibe  nächst 


62 

näheren  Schichl  Gescbwkidigkclt  erhalten  «od  einen  4lnil 
an  die  nichit  folgende  abgeben.  Dieee  üeJimiagungeijH 
Geschwindigkeit  wird  rieh  Im  an  die  Gvftiw  derifftal|^ 
keit,  wenn  diese  mdie  ganng  ist,  erstrecken;  and  rnrnmÜfim 
sehr  weit  entfernt  ist,  bis  n  einer  FlflssigkBHsachiihl,i^^|n 
der  Scheibe  so  fem  ist,  dab  die  IKflerens  der  9Aätlf0 
und  abgegebenen  Geschwindigkeit,  keine  merklicher 
gung  mehr  henrorrnft.  ^«-t 

Es  wird  also  durch  die  drehende  Bewegung  der 
zontalen  Scheibe  die  FlOssigkeit  in  einen  solchen 
▼ersetzt  werden,  dafs  alle  über  und  unter  der  Scheibe 
findlichen  horizontalen  Schichten  dersdben  gegen 
eine  Drehung  erfahren  haben.  Im  Innern  einer 
Schicht  aber  haben  die  Theilchen  ihre  relative  Lage 
eiDander  beibeharten«  Eine  Ausnahme  findet  nur  bei 
Theilchen  statt,  welche  nahezu  über  oder  unter  dea 
fseren  Rande  der  Scheibe  liegen,  deren  Bewegung  ich 
unten  untersuchen  werde.  Abgesehen  von  diesen 
sich  die  über  und  unter  der  Scheibe  liegende  Flüssigkeit 
in  jedem  Momente  der  Bewegung  in  einem  Zustandet  ^^ 
dem  eines  an  seinen  beiden  Enden  eingespannten  Dnhtns 
vollkommen  analog  ist,  wenn  sein  mittlerer  Ounraitaill 
durch  eine  fiufsere  Kraft  aus  seiner  Ruhelage  gedreht 
Der  Unterschied  zwischen  dem  Zustande  des  Drahtes 
dem  der  gleichsam  tardirten  Flüssigkeit  besteht  nur 
dafs  die  Querschnitte  des  Drahtes  nach  dem  Aufhören 
äufsereu  tardirenden  Kraft  in  ihre  alte  Gleichgewiclrtslage 
zurückkehren,  dafs  dagegen  die  Schichten  der  Flflsaig^eit 
nach  dem  Aufhören  der  Drehung  der  Scheibe  sich  ein  bmms 
dem  alten  ähnliches  Gleichgewicht  suchen.  :  «• 

Nicht  so  einfach  verhSlt  es  sich  mit  der  Bewegung  ^^^der 
Theilchen  der  Flüssigkeit,  welche  nahezu  über  oder  unter  dem 
Rande  der  Scheibe  liegen.  Diese  verlieren  zugleich  Geschwin- 
digkeit durch  die  Reibung  an  den  noch  weiter  von  derDre- 
hiingsaxc  ertfernten  Flüssigkeitsscbichten.  ludefs  sieht  man 
ein,  dafs  auch  hier  in  ähnlicher  Weise  von  jeder  Schicht  mr 
nächstfolgenden  ein  Theil  ihrer  Geschwindigkeit  übertrag( 


63 

wird,  8o  daCs  bei  dieseD  entfernteren  Theilchen  der  Flüssig- 
keit ebenfalls  die  Geschwindigkeit  mit  wachsender  Entfer- 
nnog  des  Theilchens  von  der  Scheibe  abuiramt  und  in  m- 
niger  Entfernung  ganz  verschwindet. 

Dafs  die  Sache  sich  in  der  That  so  verhält,  kann  man 
leicht  durch  einen  directen  Versuch  einsehen.  Bringt  man 
die  horizontale  Scheibe  des  Coulomb'schen  Apparats  mög- 
lichst nahe  unter  die  Oberfläche  einer  Flüssigkeit,  auf  der 
leichte  Körperchen  schwimmen,  und  versetzt  sie  durch  Dre- 
hung des  Drahts,  an  welchem  sie  hängt,  in  seinem  oberen 
Befestigungspunkt  in  Schwingungen,  so  bemerkt  man,  dafs 
alle  die  Körperchen,  die  über  der  Fläche ''der  Scheibe 
schwimmen,  den  regelmäfe^gen  Schwingungen  der  Scheibe 
folgen,  ohne  aber  eine  relative  Verschiebung  gegen  einan- 
der zu  erfahren.  Sie  betheiligen  sich  an  der  oscillirenden 
Bewegung,  wie  wenn  sie  durch  die  Oberfläche  des  Wassers 
zu  einer  festen  Scheibe  vereinigt  wären.  Dagegen  bleiben 
alle  Körperdien,  deren  Entferung  von  der  Drehungsaxe 
gröfser  ist  als  der  Radius  der  Scheibe,  in  vollkommner 
Ruhe.  Zwischen  diesen  ruhenden  und  den  in  der  Mitte 
gleichmäfsig  oscillirenden  Körperchen  zeigt  sich  über  dem 
Rande  der  Scheibe  eine  schmale  Zone,  auf  der  die  schwim- 
uieuden  Körperchen  sehr  verschiedene  Bewegung  haben. 
Auf  der  geringen  Breite  dieser  Zone  —  bei  Wasser  betrug 
dieselbe  bei  meinen  Versuchen  nur  etwa  3  bis  4  Linien  — 
nimmt  die  Winkelgeschwindigkeit  sehr  rasch  mit  wach- 
sender Entfernung  von  der  Mitte  von  dem  in  der  centralen 
Zone  stattfindenden  Werthe  bis  auf  Null  ab. 

Am  regelmäfsigsten  zeigt  sich  diefs  Verhalten,  wenn  man 
auf  der  Oberfläche  der  Flüssigkeit  kleine  kreisrunde  Papier- 
schnitzelchen  von  der  Gröfse  eines  starken  Nadelknopfs 
schwimmen  läfst  Dieselben  haben  vor  andern  kleinen  Kör- 
pereben den  Vorzug,  dafs  die  Beugung,  die  um  sie  herum 
die  Oberfläche  erleidet,  nach  allen  Seiten  dieselbe  ist,  so 
dafs  aus  den  an  der  Oberfläche  sich  äufsernden  Capillari- 
tätskiüften  keine  Störung  der  regelmäfsigen  Bewegung  ent- 
stehen kann*    Ordnet  man  solche  Papierschnitzel  in  einer 


64 

geraden  Liuie  oder  legt  sie  so  auf  die  Oberfläche  der  Flüs- 
sigkeit, dafs  sie  die  Ecken  regelmäbiger  Figuren  bilden,  so 
werden,  auch  wenn  das  Centrum  derselben  nicht  in  die 
Drehnngsaxe  des  Apparats  föllt,  die  gebildeten  Configura- 
tionen  nicht  durch  die  Oscillation  in  unregelmäfsige  ver> 
wandelt,  aufser  wenn  sie  über  dem  Rande  der  Scheibe 
liegen.  In  diesem  Falle  wird  die  Regelmftfsigkeit  sofort 
zerstört. 

Indem  man  die  Bewegung  der  auf  der  Oberfläche  schwim- 
menden Körper  mit  der  der  Scheibe  vergleicht,  bemerkt  man 
zunächst,  dafs  eine  Oscillation  der  Körperchen  immer  später 
beginnt,  als  die  der  Scheibe.  Diefs  ist  eine  noth wendige 
Folge  der  obigen  Erörterungen.  Denn  es  bedarf  eines  Theils 
einer  gewissen  Zeit,  die  von  der  Scheibe  abgegebene  Ge- 
schwindigkeit bis  an  die  Oberfläche  zu  übertragen;  andern 
Theils  ist  eine  längere  Zeit  vonuöthen,  dafs  die  von  der 
Scheibe  seit  Beginn  einer  Oscillation  abgegebene  Geschwin- 
digkeit die  noch  von  der  vorhergehenden  der  Flüssigkeit 
anhaftende  entgegengesetzt  gerichtete  Bewegung  zerstöre. 

Man  bemerkt  ferner  bei  dieser  Vergleichung  der  Ge- 
schwindigkeiten der  Oberfläche  der  Flüssigkeiten  und  der 
Scheibe,  dafs  die  erstere  bei  weitem  geringer  ist  als  die 
letztere,  und  dafs  sie  um  so  geringer  ist,  je  weiter  die 
Scheibe  von  der  Oberfläche  entfernt  ist.  Mit  dem  Wachsen 
dieser  Entfernung  der  Scheibe  von  der  Oberfläche  nimmt 
das  Verhältnifs  der  Geschwindigkeit  der  Oberfläche  zu  der 
der  Scheibe  sehr  rasch  ab,  so  rasch,  dafs  z.  B.  bei  Wasser 
kaum  noch  eine  Bewegung  der  Oberfläche  wahrgenommen 
wird,  wenn  eine  Scheibe  von  etwa  5  Zoll  Durchmesser  nur 
einen  halben  Zoll  tief  unter  derselben  Amplituden  von  etwa 
90*"  beschreibt. 

Diese  Erfahrung,  sowie  die  Bemerkung,  dcifs  die  Zone, 
in  der  auf  der  Oberfläche  die  Winkelgeschwindigkeit  va- 
riirt,  so  sehr  schmal  ist,  beweisen,  dafs  durch  die  Reibung 
des  Wassers  Geschwindigkeit  nur  auf  eine  geringe  Strecke 
übertragen  wird,  und,  da  sich  die  Bewegung  um  so  weiter 
ausdehnen  mufs,  je  stärker  die  Reibung  der  einzelnen  Schieb- 


65 

ten  an  einander  ist,  dafs  das  Wasser  eine  geringe  Reibung 
besitzt.  Aehnlicb  verhalten  sich  mit  wenigen  Ausnahmen 
die  fibrigen  Flüssigkeiten. 

Wegen  dieser  Eigenschaft  ist  es  gestattet,  in  der  Rech- 
nung statt  des  beschriebenen  wirklich  existirenden  Verhal- 
tens einen  Zustand  zu  substituiren,  der  sehr  wenig  von  dem 
wahren  verschieden  ist.  Die  beabsichtigte  Annäherung  setzt 
nur  voraus,  data  die  Scheibe  so  dünn  sey,  dafs  sie  für's  erste 
als  unendlich  dünn  angesehen  werden  könne,  dafs  ihr  Ra- 
dios  dagegen  eine  betrachtliche  GröCse  besitze.  Unter  die- 
ser doppelten  Voraussetzung  darf  man  annehmen,  daCs  in 
Jeder  horizontalen  Schicht  der  Flüssigkeit  die  Bewegung  so 
beschaffen  sey,  dafs  alle  diejenigen  in  ihr  liegenden  Theil- 
chen,  deren  Entfernung  von  der  Drehungsaxe  kleiner  ist 
als  der  Radius  der  Scheibe,  dieselbe,  nur  von  dem  Abstände 
der  Schicht  von  der  Scheibe  abhängende,  Winkelgeschwin- 
digkeit besitzen,  während  alle  in  gröfserer  Entfernung  befind- 
lichen Theilcheu  in  Ruhe  bleiben.  E^  wird  damit  statt  d^ 
in  Wirklichkeit  stattfindenden  raschen  Abnahme  der  Win- 
kelgeschwindigkeit an  den  Stellen  der  Horizontalschicht, 
welche  über  dem  äufseren  Rande  der  Scheibe  liegen,  eine 
Tollständige  Discontinuität  voraui^gesetzt;  oder  es  wird  die- 
jenige Reibung,  welche  der  vertical  über  oder  unter  der 
Scheibe  liegende  Theil  einer  horizontalen  Flüssigkeitsschicht 
an  sein^Qn  äufseren  Rande  von  der  weiter  von  der  Drehungs- 
axe entfernten  Flüssigkeit  derselben  Schicht  erfährt,  ver- 
nachlässigt gegen  diejenige  Reibung,  welche  derselbe  cen- 
trale Kreistheil  der  Schicht  von  der  unmittelbar  unter  und 
über  ihm  liegenden  Flüssigkeit  erleidet.  Diese  Vernachläs- 
sigung ist  um  so  eher  erlaubt,  je  gröfser  der  Radius  dieser 
kreisförmigen  Schicht,  d.  h.  der  Radius  der  Scheibe  ist 
Denn  je  gröfser  dieser  Radius  ist,  einen  um  so  geringeren 
Theil  der  ganzen  Kreisfläche  einer  Schicht  wird  diejenige 
Zone  am  äufseren  Rande  bilden,  in  der  die  Winkelgeschwin- 
digkeit variirt.  Die  absolute  Breite  dieser  Zone  ist  femer 
nach  dem  obigen  um  so  kleiner,  je  geringer  die  Reibung 
der  Flüssigkeit  ist    Man  wird  demnach  mit  Hülfe  dieser 

PoggcodorfTf  Aonal.  Bd.  CXIIJ.  ^ 


66 

Annttherung  die  Geschwindigkeit  der  Flüssigkeit  und,  indem 
m&D  aus  diesem  angenäherten  Werthe  der  Geschwindigkeit 
die  Verzögerung  ableitet,  welche  die  Scheibe  erleidet,  auch 
diese  um  so  richtiger  bestimmen,  je  gröfser  der  Radius  der 
Scheibe  und  je  geringer  die  Reibung  der  Flüssigkeit  ist. 
Berechnet  man  dann  aus  dem  beobachteten  Werthe  dieser 
Verzögerung  die  Reibung  der  Flüssigkeiten,  indem  man  die 
auf  diese  Weise  gefundene  angenäherte  Formel  zu  Grunde 
legt,  so  wird  der  gefundene  Werth  der  Reibung  dem  wah- 
ren Werthe  um  so  näher  kommen,  je  gröfser  der  Radios 
der  zur  Beobachtung  benutzten  Scheibe  war  und  je  kleiner 
die  Reibung  selber  ist.  Der  so  aus  der  Beobachtung  ab- 
geleitete Werth  derselben  wird  aber  immer  nur  einen  sehr 
geringen  Fehler  enthalten,  wenn  nur  der  Radius  der  Scheibe 
sehr  grofs  ist  im  Vcrhältnifs  zu  der  Breite  der  Zone,  in  der 
auf  einer  Horizontalschicht  der  Flüssigkeit  die  Winkelge- 
schwindigkeit veränderlich  ist,  oder,  was  dasselbe  ist,  im 
Verhältnifs  zu  der  Entfernung,  bis  in  welche  sich  die  Be- 
wegung in  die  Flüssigkeit  ausbreitet. 

Der  Grad  der  Annäherung  an  die  Wahrheit,  der  bei 
dieser  Vernachlässigung  erreicht  wird,  tritt  vielleicht  deut- 
licher hervor  durch  Vergleichung  derjenigen  Flüssigkeits- 
massen, welche  im  Innern  des  durch  den  Rand  der  Scheibe 
gelegten  geraden  Cylinders  durch  die  Reibung  in  Bewegung 
gesetzt  werden,  mit  denjenigen,  welche  aufserhalb  dieser 
Cylinderfläche  gelegen  in  Bewegung  gerathen.  Die  an  diese 
äufscren  Massen  übertragene  Geschwindigkeit  wird  gegen 
die  an  die  inneren  Massen  abgegebene  vernachlässigt  Diese 
Vernachlässigung  ist  erlaubt,  wenn  die  Massen  aufserhalb 
gegen  die  innerhalb  gelegenen  vernachlässigt  werden  dürfen. 
Letztere  sind  proportional  der  Entfernung,  bis  in  die  sich 
die  Bewegung  fortpflanzt,  und  dem  Quadrate  des  Radius 
der  Scheibe,  erstere  dem  Radius  selbst  und  defh  Quadrate 
jener  Entfernung.  Sie  können  also  gegen  jene  vernachläs- 
sigt werden,  wenn  diese  Entfernung  gegen  den  Radius  ver- 
nachlässigt werden  darf;  der  gemachte  Fehler  wird  mit  dem 
Verhältnifs  dieser  Entfernung  zum  Radius  wachsen. 


67 

Der  Fehler,  der  einem  auf  diesem  angenäherten  Wege 
gefundenen  Werthe  der  Reibung  einer  Flüssigkeit  anhaftet, 
ist,  da  in  der  theoretischen  Betrachtung  ein  Theil  der  Rei- 
bung vernachlässigt  wird,  der  mit  in  die  Beobachtung  eingeht, 
sicher  der  Art,  dafs  der  berechnete  Werth  etwas  gröfser 
als  der  wahre  ist*  Doch  ist,  wie  aus  den  unten  mitgetheil* 
ten  Beobachtungen  selbst  hervorgeht,  diese  Vergröfsernng 
nicht  bedeutend. 

Mit  Hülfe  der  erwähnten  Annäherung  wäre  es  nun  leicht, 
die  Geschwindigkeit  jeder  horizontalen  Schicht  der  Flüssig- 
keit aus  der  der  Scheibe  zu  bestimmen  und  damit  die  Ver- 
ringeruDg  der  Geschwindigkeit  der  Scheibe  selbst,  wenn 
das  Gesetz  bekannt  wäre,  nach  welchem  von  zwei  mit  ver- 
schiedener Geschwindigkeit  neben  einander  bewegten  Fltts» 
sigkeitsschichten  die  rascher  bewegte  der  langsameren  Ge- 
schwindigkeit mittheilt.  Dieses  Fundamentalgesetz  der  Rei- 
bung kann  nur  durch  die  Beobachtung  gefunden  werden, 
und  zwar  nur  so,  dafs  mau  eine  Hypothese  über  die  Form 
jenes  unbekannten  Gesetzes  der  Theorie  zu  Grunde  legt, 
aus  dieser  Hypothese  den  Erfolg  eines  Experiments  voraus 
berechnet  und  das  Resultat  dieser  Rechnung  mit  dem  wirk- 
lich angestellten  Versuche  vergleicht. 

Als  Hypothese  führe  ich  die  schon  öfter,  zuerst  von 
Newton')  benutzte  Voraussetzung  ein,  dafs  die  Reibung, 
welche  zwischen  zwei  in  gleicher  Richtung  bewegten  Flüs- 
sigkeitsschichten  ausgeübt  wird,  proportional  dem  Unter- 
Bckiede  ihrer  Geschwindigkeiten  und  proportional  der  Be^ 
rahmngefiäche  der  beiden  Schichten  sey.  Ich  nehme  also 
an,  dafs  sie  unabhängig  eon  dem  absoluten  Werthe  der  Ge- 
schwindigkeiten und  unabhängig  vom  Drucke  sey,  der  in 
den  Schichten  stattfindet.  Sind  die  Geschwindigkeiten  nicht 
gleich  gerichtet,  so  gilt  diefs  Gesetz  vonr  den  gleich  gerich- 
tetoi  Compt>nenten  der  Geschwindigkeiten  nach  drei  auf 
einander  rechtwinkligen  Richtungen.  Dieses  Gesetz,  mit 
dem   auch  die  Resultate  der  Beobachtungen,  welche  über 

1 )  Principia  mathematiea  phiiosophiae  natura/is;  Lib.  IT%  secL  IX,  1687. 


68 

die  Strömung  durch  cylindrische  Röhren  angestellt  sind, 
übereinstimmen,  ist  durch  meine  nach  der  Coulomb 'sehen 
Methode  angestellten  Beobachtungen  bestätigt  worden.  Diese 
Bestätigung  erstreckt  sich  indefs  nicht  auf  die  Unabhängig- 
keit der  Reibung  vom  Drucke,  da  bei  jener  Methode  eine 
Aenderung  des  Druckes  nicht  wohl  ausführbar  ist. 

Gehören  die  beiden  Flüssigkeitsscbichten  rerschiedenen 
Flüssigkeitsschichteu  an,  so  ist  die  Anwendung  dieses  Ge- 
setzes ohne  Schwierigkeiten. 

Sind  Vi  und  o,  gleich  gerichtete  Componenten  der  Ge- 
schwindigkeiten der  beiden  oberflächlichen  Schichten  der 
Flüssigkeiten,  so  erleidet  die  Schicht,  deren  Geschwindig- 
keit v^  ist,  von  der  zweiten  auf  der  Einheit  der  Berüh- 
rungsfläche eine  Reibung,  welche  gleich  der  bewegenden 
Kraft 

m 

ist.  Auf  die  zweite  Schicht  wird  dagegen  von  der  ersten 
vermöge  der  Reibung  auf  der  Einheit  der  Berührungsfläche 
die  bewegende  Kraft 

E(f>,—v,) 
ausgeübt.  Die  hierin  vorkommende  Gröfse  E  hängt  nach 
der  Hypothese  nur  von  dem  Stoff  der  Flüssigkeiten,  deren 
gegenseitige  Reibung  sie  repräsentirt,  und  der  Temperatur 
ab.  Man  nennt  diese  Constante  passend  die  Constante  der 
äufseren  oder  gegenseitigen  Reibung  der  beiden  Flüssigkei- 
ten. Sie  besitzt  die  einfache  Bedeutung,  dafs  sie,  dividirt 
durch  die  Dichtigkeit  der  langsamer  bewegten  Flüssigkeif, 
die  Geschwindigkeit  darstellt,  welche  auf  der  Einheit  der 
Gränzfläche  zweier  Flüssigkeiten  von  der  rascher  auf  die 
langsamer  bewegte  in  der  Zeiteinheit  übertragen  wird,  wenn 
der  Unterschied  der  Geschwindigkeiten  die  Einheit  ist;  oder 
dafs  sie,  dividirt  durch  die  Dichtigkeit  der  rascher  bewegten, 
die  Verzögerung  angiebt,  die  diese  unter  den  genannten  Um- 
ständen von  der  langsameren  in  der  Zeiteinheit  erleidet. 

Ganz  ebenso  verhält  es  sich  mit  der  Reibung,  die  ein 
fester  Körper  von  einer  Flüssigkeit  erfährt  oder  umgekehrt 
eine  Flüssigkeit  von  einem  festen  Körper. 


69 

Das  Gesetz  erscheint  dagegen  in  einer  andern  Form  bei 
der  Reibung,  die  zwei  benachbarte  Schiebten  desselben  ho- 
mogenen Mediums  auf  einander  ausüben.  Die  zwischen 
diesen  bestehende  Differenz  der  Geschwindigkeiten  ist  un- 
endlich klein.  Man  darf  hieraus  indefs  nicht  schliefsen,  dafs 
die  zwischen  ihnen  stattfindende  Reibung,  weil  sie  dieser 
Differenz  proportional  sej,  ebenfalls  verschwindend  klein 
seyn  müsse.  In  der  That  ergiebt  die  Erfahrung  das  Ge- 
geutbeil.  Der  Fehler  dieses  Schlusses  wird  sofort  klar,  wenn 
mau  auf  die  Reibung  zwischen  zwei  heterogenen  Flüssig- 
keiten zurtickgeht.  Ist  die  Differenz  der  Geschwindigkeiten 
t?!  und  c^  der  beiden  Flüssigkeiten  an  ihrer  Grftnzfläche 
sehr  klein,  so  darf  man  hieraus  nicht  schliefsen,  daCs  die 
von  einer  Flüssigkeit  auf  die  andre  ausgeübte  Reibung  eben- 
falls sehr  klein  seyn  müsse.  Vielmehr  wird  gerade,  wenn 
die  Reibungsconstante  E  sehr  grofs  ist,  die  Geschwindigkeit 
beider  Flüssigkeiten  nahe  gleich  werden  müssen;  so  dafs 
unter  Umständen  gerade  daraus,  daCs  die  Differenz  beider 
Geschwindigkeiten  klein  ist,  geschlossen  werden  darf,  dafs 
die  Reibungsconstante  sehr  grofs  ist.  So  ist  man  gezwun- 
gen anzunehmen,  dafs  die  unendlich  kleine  Differenz  der 
Geschwindigkeiten  zweier  benachbarter  Schichten  einer  und 
derselben  Flüssigkeit  mit  einer  unendlich  grofsen  Constan- 
ten  multiplicirt  werden  müsse,  wenn  aus  derselben  die  von 
den  Schichten  auf  einander  ausgeübte  Reibung  erhalten 
werden  soll;  oder  dafs  diese  Differenz  der  Geschwindig- 
keiten, divjdirt  durch  den  unendlich  kleinen  Abstand  der 
Schichten  und  multiplicirt  mit  einer  endlichen  Constante 
den  Ausdruck  der  Reibung  der  Schichten  gegen  einander 
liefert.  .Die  Reibung  im  Innern  eines  homogenen  flüssigen 
Mediums  hängt  also  nicht  von  dem  Differentiale  der  Ge^ 
sducindigkeit  ^  sondern  von  dem  Differentialquotienten  der- 
selben  nach  der  Normale  der  Ebene  ab,  auf  der  die  Rei- 
bung ausgeübt  wird.  Bezeichnet  man  diese  Normale  mit  x, 
die  Geschwindigkeit  mit  e  und  durch  ri  eine  endliche  Con- 
stante, so  ist  do^ 

dx 


70 

die  Kraft»  welche  die  nach  der  positiTen  Seite  der  Normale 
hin  gelegene  Schiebt  auf  die  nach  der  negativen  Seite  der- 
selben liegende  auf  der  Einheit  der  Berührungsfläche  in  der 
Zeiteinheit  in  Folge  der  Reibung  ausübt; 

dagegen  ist  die  von  der  letzteren  auf  die  erstere  ausgeübte 
Gegenwirkung. 

Diese  neue  Constante  17,  welche  ebenfalls  nur  von  der 
Natur  der  Flüssigkeit  und  ihrer  Temperatur  abhSngt,  kann 
man  im  Gegensatze  zur  Constante  der  äufseren  Reibung  E 
als  Constante  der  inneren  Reibung  bezeichnen.  Diese  bei» 
den  Namen  finden  ihre  Rechtfertigung  in  den  Benennungen 
der  ihnen  vollständig  analogen  beiden  Constanten,  von  denen 
die  Fortpflanzung  der  Wärme  durch  die  leitenden  Körper 
abhängt.  Da  indefs  die  Constante  97  ein  weit  gröfseres  In- 
teresse besitzt,  als  die  Constante  £,  so  werde  ich  tj  gewöhn- 
lich kurzweg  als  Reibungsconstante  oder  als  Reibungscaiffi' 
cienten  bezeichnen^). 

Die  Bedeutung  dieser  neuen  Constante  läfst  sich  durch 
folgende  Vorstellung  leicht  anschaulich  machen.  Ueber 
einer  horizontalen  Ebene  bewege  sich  Flüssigkeit,  deren 
Höhe  {gleich  der  Längeneinheit  sej.  Die  Bewegung  sej  in  sta- 
tionären Zustand  eingetreten  und  sej  so  beschaffen,  dafs  alle 
Theilchen  derselben  horizontalen  Schicht  dieselbe  Geschwin- 
digkeit besitzen.  Dann  ist  eine  nothwendige  Folge,  dafs 
die  Geschwindigkeit  eine  lineare  Function  der  Höhe  über 
dem  Grunde  der  Flüssigkeit  sej.  Denn  bei  diesem  Zu- 
stande der  Bewegung  erfährt  jede  Schicht  auf  ihren  beiden 
Seiten  gleiche,  entgegengesetzt  gerichtete  Reibung,  so  dafs 
keine  Aenderung  der  Geschwindigkeit  eintreten  kann.  Be- 
stimme ich  noch,  dafs  die  unterste  Schicht  der  Flüssigkeit 
fest  am  Boden  hafte,   dafs  dagegen  die  oberste  eine  Ge- 

• 

1)  Wicdemaon  und  Hagenbach  (diese  Annalen  Bd.  99  und  105) 
belegen  dieselbe  Constante  mit  dem  Namen  »Zäliigkeitsconstante.«  Die 
Einfuhrung  des  Ausdrucks  »Zähigkeit*'  statt  des  alleren  »Reibung« ,  den 
bereits  Newton  gebraucht,  scheint  mir  keinerlei  Voriheil  tu  bieten 


71 

scb windigkeit  besitze,  vennöge  deren  sie  sich  in  der  Zeit- 
einheit um  die  Längeneinheit  bewege ,  so  ist  die  Reibung, 
welche  zwischen  zwei  beliebigen  Schichten  ausgeübt  wird, 
gleich  der  Reibungsconstante.  Im  wesentlichen  stimmt 
diese  Definition  mit  der  von  Hagenbach  gegebenen  über- 
ein,  nach  der  die  Reibungsconstante  diejenige  Kraft  i^t, 
welche  nöthig  ist,  eine  horizontale  Flüssigkeitsschicht  gegen 
eine  andre  um  die  Entfernung  zweier  Moleküle  zu  ver- 
schieben. 

Nach  dieser  allgemeinen  Untersuchung  kehre  ich  zur 
Theorie  der  Coulomb 'sehen  Versuche  zurück.  Mit  Hülfe 
der  aufgestellten  Hypothese  ist  es  nicht  schwer,  die  Bewe- 
gung irgend  einer  über  oder  unter  der  Scheibe  durch  die- 
selbe in  Schwingungen  gerathenen  Schicht  der  Flüssigkeit 
durch  diejenige  der  Scheibe  auszudrücken.  Diese  Bewe- 
gung der  Scheibe  ist  darauf  aus  der  gewöhnlichen  Diffe- 
rentialgleichung, welche  die  Bewegung  eines  an  einem  ela- 
stischen Drahte  aufgehängten  und  um  denselben  oscillirenden 
Körpers  bestimmt,  abzuleiten,  nachdem  zu  derselben  noch 
das  Drehungsmoment  der  an  der  Oberfläche  der  Scheibe 
wirksamen  Reibungskräfte  hinzugefügt  worden  ist. 

Macht  man  die  Voraussetzungen,  dafs  die  Flüssigkeit  an 
der  Oberfläche  der  Scheibe  so  fest  hafte,  dafs  keine  Glei- 
tung stattfinde,  dafe  ferner  die  Flüssigkeit  so  grofse  Aus- 
dehnung habe,  dafs  die  Bewegung  der  Scheibe  sich  nicht 
bis  zu  ihren  Gränzen  ausbreite,  und  dafs  endlich  die  Scheibe 
und  Flüssigkeit  zu  Anfang  des  Versuchs  in  Ruhe  waren 
und  die  Bewegung  nur  durch  eine  anfängliche  Ablenkung 
der  Scheibe  aus  ihrer  Gleichgewichtslage  hervorgerufen 
wurde:  so  gelangt  man  auf  dem  angedeuteten  Wege  zu 
folgenden  Formeln,  welche  den  bereits  im  allgemeinen  an- 
gedeuteten Erfolg  eines  Versuchs  vollständig  darstellen. 
Nach  den  erforderlichen  Reductiouen  und  nachdem  man 
die  erlaubten  Annäherungen  hat  eintreten  lassen,  findet 
man  als  Ausdruck  der  Winkelgeschwindigkeit,  vermöge  wel- 
cher ein  Flüssigkeitstheilchen  um  die  Drehungsaxe  oscillirt, 


72 


'  (1) 

ferner  für  die  WiDkelgescbwindigkeit  der  Scheibe 

V',=y^*8iD(2a6  0-«~^*'~*'^' (2) 

und  für  ihre  gleichzeitige  Entfernung  aus  ihrer  Gleichge- 
wichtslage 

y,  =  0.co8(2a6O.e"~^"''"**^' (3) 

Diese  Formeln  gelten  indefs  nur,  wenn  seit  dem  An- 
fange des  Versuchs  eine  so  lange  Zeit  verstrichen  ist,  dafs 
sich  eine  gewisse  Regelm&fsigkeit  in  der  Bewegung  herge- 
stellt hat 

In  den  Formeln  bezeichnet  (ß  die  Ablenkung  der  Scheibe 
aus  ihrer  Gleichgewichtslage  zu  Anfang  des  Versuchs,  durch 
welche  die  Schwingungen  hervorgerufen  wurden,  M  das 
Trägheitsmoment  der  Scheibe  mit  den  mit  ihr  verbundenen 
Theilen  des  Apparats  in  Bezug  auf  die  Drehungsaxe,  r  das 
Torsionsmoment  des  Drahts,  an  dem  sie  aufgehängt  ist,  tj 
die  Reibungsöonstante  der  Flüssigkeit,  q  ihre  Dichtigkeit, 
X  die  senkrechte  Entfernung  eines  Flüssigkeitstheilchens  von 
der  Scheibe  und  t  die  seit  dem  Anfange  des  Versuchs  ver- 
strichene Zeit.  Die  aufserdem  in  den  Formeln  vorkommen- 
den Gröfseu  a  und  b  hängen  von  einer  Wurzel  einer  ge- 
wissen biquadratischen  Gleichung  ab.  In  der  Form  einer 
Entwicklung  nach  den  aufsteigenden  Potenzen  der  kleinen 
Gröfse  |/J7  nehmen  sie  die  Form 


/ — — =  \  (*) 

an.     Hier  ist  zur  Abkürzung  gesetzt 

''  =  -/2*^^^ (5) 


73 

und  es  bezeichnet  R  den  Radius  der  Scheibe.  £s  ist  dem- 
nach 

_  [  (6) 

Die  Formeln  (l)  bis  (3)  zeigen,  dafs  wie  die  Scheibe,  so 
auch  die  Flüssigkeit  sich  in  regelmäfsigen  Osciilationen  be- 
wegt. Die  Dauer  einer  solchen  Schwingung  ist  bei  beiden 
dieselbe  und  zwar  ist  sie 

^=ä^=«V'f(H-x+x'-ix»       +....)  (7) 

Die  Schwingungsdauer  der  Scheibe  ist  demnach  in  der  Flüs- 
sigkeit gröfser  als  im  Vacuum,  in  dem  sie  den  Werth 

To=«/|- (8) 

hat.  Diese  Vermehrung  der  Schwingungszeit  der  Scheibe 
liefert  schon  ein,  wenn  auch  nicht  sehr  sicheres  Mittel  zur 
Bestimmung  von  tj.     Man  hat  nämlich 

T^  =  Z  =  x  +  x^  —  ix         +....  (9) 

und  durch  Umkehrung  der  Reihe 


^  =  -/-iJ-^- V-==J-2'+!£^— 2*+....    (10) 

Indefs  liefert  diese  Methode  keine  sehr  sicheren  Resultate, 
da  einmal  die  Differenz  T — Tq  nicht  so  scharf  bestimmt 
werden  kann,  wie  es  zu  wünschen  wäre,  und  da  ferner 
beide  Gröfsen  T  und  Tq  nicht  unbeträchtlichen  Schwan- 
kungen unterworfen  sind. 

Der  Anfang  einer  Oscillation  tritt  nach  Gleichung  (I) 
in  )eder  Schicht  der  Flüssigkeit  später  ein  als  bei  der  Scheibe» 
und  zwar  um  so  später,   je   weiter  diese  Schicht   von   der 

Scheibe  entfernt  ist.    Ferner  wird,  wegen  des  Factors  V-^ 


.     74 

diese  Verzögerang  der  Bewegung-  der  Flüssigkeit  gegen  die 
der  Scheibe  um  so  bedeutender,  je  kleiner  ?;  ist. 

Aber  nicht  allein  bleibt  die  Bewegung  der  Flüssigkeit 
der  Zeit  nach  hinter  der  der  Scheibe  zurück,  sondern  sie 
ist  auch  geringer  als  diese;  und  zwar  ist  sie  um  so  gerin- 
ger, )e  weiter  das  bewegte  Theilchen  von  der  Scheibe  ent- 
fernt ist,  sie  nimmt  mit  wachsendem  x  in  geometrischer 
Progression,  proportional  einer  Exponentialgröfse  ab.    Da 

im  Exponenten  der  Factor  \  -^   enthalten    ist,    so    nimmt 

diese  Exponentialgröfse,  also  auch  tfß  mit  wachsendem  x  um 
so  rascher  ab,  je  kleiner  17  ist:  d.  h.  je  geringer  die  Rei- 
bung der  Flüssigkeit  ist,  um  so  weniger  weit  breitet  sich  in 
derselben  die  durch  die  Scheibe  verursachte  Bewegung  aus; 
je  gröfser  die  Reibung  ist,  um  so  weiter  erstreckt  sich  diese 
Bewegung. 

Mit  wachsender  Zeit  nimmt  die  Geschwindigkeit  der 
Flüssigkeit  wie  der  Scheibe  ab  und  zwar  beide  nach  dem- 
selben Gesetze,  da  sie  derselben  Exponentialgröfse  propor- 
tional sind.  In  derselben  Weise  verringert  sich  die  Ab- 
lenkung (fi  des  Apparats  aus  der  Gleichgewichtslage.  Die 
Maximalwerthe  dieser  Ablenkung,  die  auf  einander  folgen- 
den Amplituden  der  Scheibe  bilden  also  die  Glieder  einer 
abnehmenden  geometrischen  Reihe.  Das  logarithmische  De- 
crement  dieser  Reihe,  das  die  Abnahme  der  Glieder  be- 
stimmt, ist  in  natürlichen  Logarithmen 

«  =  (a«  — 6')  r=?!^'  =  jnx[l  — x  +  4x«— x^  +...] 

(II). 

Diese  Formel  bestätigt  das  von  Coulomb  gefundene  Ge- 
setz, dafs  die  mit  verschiedenen  Scheiben  beobachteten 
Werthe  des  logarithmischen  Decremeuts  in  dem  Verhält- 
nisse der  vierten  Potenzen  der  Radien  der  Scheiben  stehen, 
als  ein  mit  grofser  Annäherung  gültiges.  Denn  da  x  pro- 
portional R^  ist,  so  ist  mit  Vernachlässigung  dieser  kleinen 
Gröfse  X  gegen  1  auch  das  logarithmischc  Decrcmeut  e  pro- 
portional R*,     Strenger  erhält  man  statt  dieses  von  Cou- 


75 

lomb  experimeDtell  gefundeneD  (Gesetzes  durch  Umkehning 
der  Reihe 


(12). 

GeDauer  ist  also  die  in  dieser  Gleichung  zur  rechten  Hand 
stehende  Function  des  logarithmischen  Decrements  der  vier- 
ten Potenz  des  Radius  der  Scheibe  proportional. 

Diese  Formel  kann  mit  Vortheil  zu  einer  Controle  der 
Theorie  und  ihrer  Voraussetzungen  verwandt  werden,  ins- 
besondere zur  Entscheidung  darüber ,  ob  der  Radius  der 
Scheibe  die  zur  sicheren  Bestimmung  der  Reibungsconstante 
einer  Flüssigkeit  erforderliche  Gröfse  hat.  Es  ist  nämlich 
nach  den  Formeln  (12)  und  (8)  die  Gröfse 


l'-s-=5.fsT['+T+»(v)'+5(i)'+-]  =  C»»«- 

(13) 

unabhängig  von  den  Dimensionen  der  angewandten  Scheibe. 
Diese  Formel  kann  zugleich  zu  einer  sicheren  Bestimmung 
von  ri  verwandt  werden,  und  ich  habe  sie  in  der  That  der 
Berechnung  der  im  nachfolgenden  mitgetheiUen  Beobach- 
tungen zu  Grunde  gelegt. 

Durch  Verbindung  der  Formeln  (10)  und  (12)  erhält  man 
noch  die  merkwürdige  Relation 

=  i['  +  T  +  t(T)'  +  5(i)'+-](") 
oder  in  erster  Annäherung 

J  =  l^'  =  ^ (15) 

eine  Formel,  welche  ebenfalls  zur  Controle  der  Theorie 
benutzt  werden  kann. 


Ehe  ich  iudcfs  diese  Formeln  auf  die  Beobachtung  an- 
wenden darf,  sind  an  denselben  noch  zwei  Verbesserungen 
vorzunehmen. 


76 

ZuDäcbst  enthält  die  soebeu  iui  Auszuge  mitgetheilte 
Theorie  des  Versuchs  die  nicht  erfüllte  Voraussetzung,  dafs 
die  Scheibe  unendlich  dünn  sej.  Es  ist  indefs  leicht ,  den 
durch  diese  Voraussetzung  entstandenen  Fehler  zu  bestim- 
men und  aus  den  Formeln  fortzuschaffen.  Ich  habe  in  mei« 
ner  theoretischen  Abhandlung  durch  eine  einfache  Rechnung 
nachgewiesen,  dafs  man  den  Einflufs  des  Randes  der  Scheibe, 
soweit  es  bei  den  sonst  möglichen  Beobachtungsfehlern  nöthig 
isty  berücksichtigt,  wenn  man  in  allen  angegebenen  Formeln 
statt  R*  schreibt  A«  +2JR'  S,  wo  d  die  Dicke  der  Scheibe 
bedeutet.  Dafs  auf  diese  Weise  der  Reibung  am  Rande 
der  Scheibe  genügende  Rechnung  getragen  ist,  sieht  man 
schon  ein,  wenn  mau  dieselbe  auf  die  Weise  berücksich- 
tigt, dafs  man  in  der  Rechnung  den  Radius  um  die  halbe 
Dicke  vergröfsert.      Diese   Annäherung  ist  immer   erlaubt, 

^  "*"  2  ) 

statt  jR^  zu  schreiben  oder  mit  Vernachlässigung  Ton  <¥^  ge- 
gen R^  hat  man  R*+2R^S  statt  A*  zu  setzen,  wasjvit 
dem  obigen  übereinstimmt. 

Eine  zweite  Verbesserung  der  angegebenen  Formeln  be- 
steht in  folgendem.  Das  Experiment  zeigt,  dafs  auch  in  der 
Luft  die  Schwingungen  des  Apparats  abnehmen,  ebenfalls 
mit  grofser  Annäherung  nach  dem  Gesetz  einer  geometri- 
schen Progression,  aber  weit  langsamer  als  in  einer  tropf- 
baren Flüssigkeit.  Diese  Annahme  rührt  theils  von  der 
Reibung  der  Luft  an  der  Scheibe  und  den  übrigen  Theilcn 
des  Apparats  her,  theils  von  einem  Widerstände,  der  der 
Bewegung  im  Innern  des  Aufhängungsdrabts  geboten  wird, 
also  ebenfalls  einer  Art  Reibung.  Ueber  den  Effect  der 
ersten  Ursache,  der  Luftreibung  kann  kein  Zweifel  entste- 
hen; es  gelten  für  diesen  die  für  die  Reibung  tropfbarer 
Flüssigkeiten  entwickelten  Gleichungen.  Denn  dafs  die  im 
vorstehenden  angestellten  Betrachtungen  nicht  auch  für  Gase 
gültig  bleiben  sollten,  kann  nur  dann  zweifelhaft  erscheinen, 
wenn  in  Folge  der  Bewegung  Verdichtungen  und  Verdün- 
nungen im  (rase  eintreten.  Solche  Aenderungen  der  Dich- 
tigkeit   können   bei    dem   in   Rede  stehenden   Experimente 


77 

nur  in  Folge  der  Cenirifugalkrafl  eintreten.  Indefs  können 
bei  der  geringen  Geschwindigkeit,  die  der  Apparat  besitzt 
und  also  auch  der  Luft  ertheilt,  diese  sicher  nicht  bedeu- 
tend sejn.  Man  ist  also  berechtigt,  dieselben  zu  vernach- 
lässigen und  die  obigen  Formeln  als  auch  für  gasförmige 
Flüssigkeiten  gültig  anzusehen. 

Die  zweite  Ursache,  die  Reibung  im  Innern  des  Drahts, 
läfst  sich  nicht  mit  derselben  Sicherheit  in  Rechnung  ziehen. 
Man  könnte,  die  Hypothese  machen ,  dafs  der  Widerstand, 
der  Tom  Drahte  herrührt,  der  Winkelgeschwindigkeit  des 
Apparats  proportional  sey.  Man  hat  unter  dieser  Voraus- 
setzung zu  der  Differentialgleichung,  die  die  Bewegung  der 
Scheibe  bestimmt  und  welche  nach  meiner  theoretischen 
Abhandlung  in  Grelle 's  Journal  die  Form 


Jf  =  0 


hat,  noch  ein  Glied  von  der  Form  —  a  -^  hinzuzufügen, 
wo  a  eine  Constante  ist.     Man  erhält  also  die  Gleichung 

Indem  man  diese  Gleichung  auf  dieselbe  Weise  behandelt, 
wie  es  mit  ihrer  einfacheren  Form  in  der  theoretischen  Ab- 
handlung geschehen  ist,  überzeugt  man  sich,  dafs  in  der  gan- 
zen Rechnung  nichts  wesentlich  geändert  wird,  als  die  Be- 
deutung der  Constanten  a  und  6.  Zur  Bestimmung  der- 
selben erhält  man  die  Gleichung  4  ten  Grades. 

in  welcher 

gesetzt  ist.  Löse  ich  diese  Gleichung  auf,  so  erhalte  ich 
die  früher  angegebenen  Wcrthe  von  a  und  6,    in  denen 

nur  -^  durch  ^  —  (ö^)    ^''8®***  ist  und  zu  denen  noch 


78 

neue  nach  aufsteigenden  Potenzen  von    ~    fortschreitende 

Glieder  hinzutreten.  Vernachlässige  ich  das  Quadrat  dieser 
Gröfse  in  den  mit  ]/ri  multiplicirten  Gliedern,  so  erhalte  ich 
statt  der  früheren  Formeln 

r=-=^_-ri+x+x»-....l     .     .     .     (16) 

To  =  -r-      "     (17) 

^    M        \2MJ 


a 


«  =  ;i/-p=?^==  +  x(l-x+|x'  — ...0^     (18). 


Zu  denselben  tritt  noch  als  neue  Gröfse  das  logarithmische 
Decremcnt  der  Amplituden  im  luftleeren  Räume  hinzu 

a 

,^=n-^=M== (19). 


^   M        \2MJ 


Zu  demselben  Resultate  gelange  ich,  wenn  ich  von  der 
Hypothese  ausgehe,  dafs  die  Reibung  im  Drahte  von  den- 
selben Gesetzen  abhängt,  wie  die  der  Flüssigkeiten.  Diese 
Hypothese,  die  schon  wegen  der  Analogie  sehr  viel  für  sich 
hat,  läfst  sich  noch  durch  eine  einfache  Betrachtung  ablei- 
ten, die  ich  an  die  Differentialgleichungen  der  Elasticität 
knüpfe.  Die  Differentialgleichungen  enthalten  bekanntlich 
die  Voraussetzung,  dafs  die  relativen  Verrückungen  zweier 
benachbarter  Theilchen  als  unendlich  klein  anzusehen  seyen 
oder,  was  auf  dasselbe  hinauskommt,  dafs  die  Theilchen 
sich  nur  so  weit  aus  ihrer  Gleichgewichtslage  entfernen,  dafs 
sie  nach  dem  Aufhören  der  äufseren  Kräfte  in  diese  zu- 
rückkehren, nicht  aber  in  eine  neue  eintreten.  Es  fragt 
sich  ob  diefs  der  Fall  ist.  Bewegen  sich  die  Theilchen 
des  elastischen  Körpers  so  weit,  dafs  sie  nach  dem  Auf- 
hören der  äufseren  Kräfte,  durch  die  die  Verschiebung 
hervorgerufen  wurde,  in  eine  neue  Gleichgewichtslage  ein- 


79 

treten,  so  werden  die  FormelQ,  durch  welche  mau  die  Com- 
pouenten  des  elastischen  Drucks  als  Functionen  der  rela- 
tiven Yerrtickungen  auszudrücken  pflegt,  nur  dann  noch 
gültig  seyn,  wenn  man  unter  den  Verrückungen  die  Ent- 
fernungen aus  der  neuen  durch  die  Bewegung  entstan- 
denen Gleichgewichtslage  versteht.  Statt  dieser  Verrük- 
kungen  sollen  in  die  Formeln  die  Verschiebungen  aus  der 
ursprünglichen  Gleichgewichtslage  eingeführt  werden.  Da 
man  aber  nicht  das  Gesetz  kennt,  nach  welchem  diese  bei- 
den Arten  von  Verrückungen  von  einander  abhängen,  so 
kann  man  die  Hypothese  machen,  daCs  die  Componenten 
der  Verrückungen  aus  der  ursprünglichen  Gleichgewichts- 
lage, genommen  nach  drei  auf  einander  rechtvrinkligen  Rich- 
tungen, um  Längen,  welche  den  Componenten  der  Geschwin- 
digkeit proportional  sind,  gröfser  seyen  als  die  Componen- 
ten der  Verrückungen  aus  der  neuen  Gleichgewichtslage- 
Die  für  die  Componenten  des  elastischen  Drucks  aufge- 
stellten Formeln  erhalten  also  nach  dieser  Hypothese  ihre 
Gültigkeit  wieder,  wenn  jeder  Componente  der  Verrückung 
eine  Länge  hinzugefügt  wird,  welche  der  Componente  der 
Geschwindigkeit  nach  derselben  Richtung  proportional  ist. 
Dieselbe  Aenderung  wäre  darnach  mit  den  elastischen  Glei- 
chungen vorzunehmen,  aber  mit  der  Vorsicht,  dafs  nur  den 
Gliedern,  welche  partielle  Differentialquotienten  nach  den 
Coordinaten  enthalten,  diese  neuen  Glieder  hinzuzufügen 
sind. 

Man  findet  so  z.  B.   für  den  Torsionswinkel  q>  eines 
elastischen  Drahtes  die  Differentialgleichung 

In  derselben  bedeutet  D  die  Dichtigkeit,  X  den  Elasticitäts- 
coefficienten  des  Drahts,  ß  eine  neue  Constante,  x  die  Ent- 
fernung eines  Punktes  des  Drahts  von  dem  unteren  Quer- 
schnitt desselben,  r  die  Entfernung  von  der  Axe,  endlich  I 
die  Zeit.     Setze  ich  hierin 


80 

und  neDDe  H  den  Reibungscoefficienten  des  Stoffes  des 
Drahts,  so  erhält  die  Gleichung  dieselbe  Form 

die  sie  erhalten  haben  würde,  wenn  ich  die  zuerst  erwähnte 
Hypothese,  dafs  die  Reibung  im  Innern  des  Drahts  densel- 
ben Gesetzen  gehorche,  yne  die  Reibung  im  Innern  einer 
Flüssigkeit,  benutzt  hätte. 

Ist  der  Draht  sehr  dünn,  so  darf  ich  annehmen,  dafs 
sich  ein  Querschnitt  Über  dem  andern  dreht,  ohne  dafs  im 
Innern  eines  jeden  Verschiebungen  stattfinden.  Ich  darf 
also  (f  als  unabhängig  von  r  ansehen  und  erhalte 

n^y 3  3  ^  j.  n   ^y 

^Ö*>  — ^'^öx'^^öröx'- 
Diese  Gleichung  integrire  ich  für  den  Fall,  dafs  der  am 
Draht  aufgehängte  Apparat  im  luftleeren  Räume,  also  ohne 
andre  Reibung,  als  die  des  Drahtes  schwingt.    Seine  Be- 
wegung wird  dann  bestimmt  durch  die  Differentialgleichung 

x=0 

in  der  r  den  Halbmesser  des  Drahts  bezeichnet.  Aulser- 
dem  sind  die  Gränzbedingungen  zu  erfüllen,  dafs 

für  a;  =  0     (p  =  q)^ 

für  x  =  l     9  =  0 

sej,  wenn  l  die  Länge  des  Drahts  ist. 

Der  ersten  Differentialgleichung  genügt  als  particulärcs 
Integral 

Csmh(l — x)     — mt 
AI      ^ 

worin  C  und  m  unbestimmte  Constanten  sind  und  zur  Ab- 
kürzung 


81 

; 

geschriebeu  ist.   Dieser  Ausdruck  erfüllt  zugleich  die  zweite 
GräozbedinguDg.     Durch  die  erste  wird 

— mi 

Setze  ich  die  beiden  gefundenen  Functionen  in  die  zweite 
y    Differentialgleichung,  so  erhalte  ich  die  Gleichung 

.1.1         2Jlf  . 

aus  der  h  und  damit  m  zu  bestimmen  ist.  Diese  transcen- 
dente  Gleichung  hat  keine  imaginären,  aber  ein  unend- 
liches System  von  reellen  Wurzeln  h.  Dagegen  sind  die 
zugehörigen  Werthe  von  m  zum  Theil  compIex-imaginSr; 
'    denn  es  ist 


m 


=  ^A'±iV«^A'-(^A')'     i=V~l 


und  hier  ist  die  Wurzelgröfse  ffir  kleine  A  immer  reell,  da 
die  Constante  X  aufserordentlich  grofs  ist. 

Indem  man  alle  positiven  Wurzeln  h  aufsucht,  erhfilt 
man  ein  unendliches  System  von  particulären  Integralen, 
deren  Summe  den  vollen  Werth  von  (p  ausmacht.  Für  die 
Beobachtung  ist  unter  ihnen  dasjenige  das  interessanteste,  wel- 
ches von  der  Wurzel  h  abhängt,  für  welche  der  reelle  Theil 
des  zugehörigen  m  den  kleinsten  Werth  annimmt.     Denn 

I  mit  wachsendem  t  wird  dieses  am  langsamsten  abnehmen, 
also  für  groise  Werthe  von  t  so  gut  wie  allein  die  Func- 
tion (p  bestimmen.      Diefs  gesuchte  A  ist  aber  wegen  des 

?    obigen  Werths  von  m  der  kleinste  Werth  von  A. 

Um  diesen  aufzufinden,  setze  ich  unter  der  Voraussez- 
zung,  dads  er  sehr  klein  sey,  in  erster  AnnSherung 


Ich  erhalte  also 


und 


i.  —   ^^  h 

hl  ""  nDr^'^ 


2MI 
PofgcodorfT«  Annal.  Bd.  CXIII. 


82 

ein  Werth,  der  wegen  des  Factors  r*  in  der  Tbat  sehr 
klein  ist.     Das  gesuchte  m  wird  demnach 


4Ml~^^    6    MI        \4Ml) 


2 


Setze  ich  diesen  Werth  von  m  in  den  für  9),  gefun- 
denen Ausdruck,  so  zeigt  es  sich,  dafs  der  Apparat  Pendel- 
schwingungen machen  muCs,  deren  Schwingungsdauer  T^ 
durch  die  Gleichung 

^  _  «  Ar*         /nHr*Y  ',j^. 

T^—  b  Mi~\4Mj)      •     •     •     •     V^^ 

bestimmt  ist,  und  dafs  die  Amplituden  der  Schwingungen 
nach  dem  Gesetze  einer  geometrischen  Reihe  abnehmen 
müssen,  deren  logarithmisches  Decrement 

'o=lW^o (21) 

ist.  Demnach  erhalte  ich  eine  vollständige  Uebereinstim- 
mung  mit  Formel  (17)  und  (19),  wenn  ich  setze 

«  =  ^ .(22). 

Die  erste  dieser  Formeln  ist  aus  der  Theorie  der  Elastici- 
tfit  bekannt,  die  zweite  bestimmt  die  Widerstandsconstante 
a  eines  Drahts  ebenfalls  als  eine  Art  von  Torsionsmoment. 

Will  ich  von  den  letzten  Untersuchungen  über  die  Rei- 
bung im  Draht  Anwendung  machen  auf  die  in  einer  Flüs- 
sigkeit oder  in  der  Luft  schwingende  Scheibe,  so  ist  es  we^ 
gen  der  Kleinheit  von  a  ausreichend,  bei  der  ersten  An- 
näherung stehen  zu  bleiben  und  6^  in  Formel  (21)  einfach 
zu  e  in  Formel  (II)  zu  addiren,  sowie  den  aus  Formel  (20) 
erhaltenen  Werth  von  Tq  mit  dem  von  x  abhängenden 
Factor  der  Gleichung  (7)  zu  multipliciren*  Ich  erhalte  also 
auch  auf  diesem  Wege  die  Formeln  (16)  bis  (19). 

Wende  ich  diese  verbesserten  Formeln  statt  der  ur- 
sprünglichen an,  80  werden  dadurch  die  Gleichungen  (9)u.(lO) 
nicht  geändert;  dagegen  ist  in  den  Gleichungen  (11)  bis  (15) 


83 

aberall  « —  «^    statt  e  za   schreiben.      Ich    erhalte   somit 
folgende  Formeln,  die  durch  den  Versuch  zu  prüfen  sind. 


=  Con8t. (23) 

(24) 
wo 

gesetzt  ist 

In  diesen  Formeln  beziehen  sich  allerdings  T^  und  a^ 
auf  den  luftleeren  Raum.  Aber  ich  begehe  keinen  merk- 
baren Fehler,  wenn  ich  die  in  der  Luft  beobachteten  Werthe 
dafür  substituire.  Denn  dadurch  wird  nichts  geändert,  als 
daÜB  an  die  Stelle  von  Viyp  die  Differenz 

tritt,  in  der  tj^  und  ^o  Reibungscoefficienten  und  Dichtigkeit 
der  Luft  bezeichnen.  Diese  Differenz  darf  man  aber  un- 
bedenklich gleich  Yv9  selbst  setzen. 

Finde  ich  die  obigen  Gesetze  (Formel  (23)  und  (24))  durch 
das  Experiment  bestätigt,  so  ist  damit  der  Beweis  geliefert, 
daCs  die  einzige  PrSmisse  der  Theorie,  die  Hypothese  nSm- 
lich,  dafs  die  Reibung  der  Flüssigkeiten  dem  Unterschiede 
der  Geschwindigkeiten  der  reibenden  Schichten  proportional 
sey,  in  der  Natur  erfüllt  ist. 

Zu  ganz  ähnlichen  Formeln  gelangt  man,  wenn  man 
eine  Gleitong  der  Flüssigkeit  an  der  Scheibe  annimmt,  sowie 
wenn  man  die  Flüssigkeit  über  und  unter  der  Scheibe  als 
verschieden  voraussetzt.  Es  ändert  sich  dadurch  nur  die 
Bedeutung  der  Gröfsen  a  und  b.  Diese  allgemeineren  Be- 
redinnngen  sind  von  Interesse  wegen  eines  Elxperimentes, 
welches  die  BeiHmmung  der  gegenseitigen  Reibungscanstanie 
zweier  Flü$$igkeUen  zum  Zweck  hat. 

6* 


84 

Bringt  man  die  Scheibe  des  Coalomb'scheii  Appwii 
dicht  unter  oder  Ober  die  gemeinflchaftliche  Gitaatadt^ 
zweier  Flüssigkeiten,  die  sich  nicht  misdien,  und  swur  wo, 
daCs  sie  sich  innerhalb  der  einen  FItlssigkeit  befiodef,  m 
wird,  wenn  sie  in  Schwingungen  versetxt  worden  iitt  llre 
Bewegung  dnrdi  eine  doppelte  Reibung  yennindert  worden. 
Auf  der  einen  Seite  der  Scheibe  wirkt  die  innere  Rdboig 
der  sie  umgebenden  Flüssigkeit,  auf  der  andern  die  Rei- 
bung, die  diese  Flüssigkeit  von  der  andern  erleidet  Von 
der  Reibung,  welche  in  der  dünnen,  zwischen  der  Sdieibö 
und  der  gemeinschaftlichen  GrSnzfläcbe  liegenden  FHlnig-  - 
keitssebicht  stattfindet,  kann  ihrer  Kleinheit  wegen  abge- 
sehen werden,  und  es  darf,  wenn  die  Scheibe  benetxt  wird^ 
angenommen  werden,  dafs  jene  dünne  Schicht  dieselbe  Ge- 
schwindigkeit besitzt  wie  die  Scheibe,  also  gleichsam  einen 
Theil  ihrer  Masse  bildet.  Die  Theorie  dieses  Experimentes 
fällt  also  mit  der  eines  andern  Versuchs  zusammen.  Bei 
diesem  befindet  sich  die  Scheibe  in  der  GrSnze  zweier  FIIIb- 
sigkeiten,  von  denen  die  eine  sie  benetzt,  wfihrend  in  der 
andern  eine  Gleitung  an  der  Oberfläche  stattfindet  Die 
Theorie  dieses  Versuches  habe  ich  in  meiner  theoretisdien 
Abhandhing  entwickelt  und  die  Formeln  angegeben,  weiche 
zur  Berechnung  der  Constante  der  Sufseren  Reibung  aas 
den  beobachteten  Zahlen  dienen. 

Der  Versuch  ist  Tortheilhaft  auf  folgende  Weise  anso- 
stellen.  Man  beobachtet  zunächst  die  Amplituden  der 
Scheibe,  wenn  sie  unmittelbar  unter  der  freien  Oberfliche 
einer  der  beiden  Flüssigkeiten  schwingt  und  bestimmt  das 
logarithmische  Decrement,  von  dem  die  Abnahme  der  Am- 
plituden in  diesem  Falle  abhängt  Ist  nun  die  andre  FlQs- 
sigkeit  die  leichtere,  so  giefst  man  darauf  dieselbe  über  die 
crstere,  so  dafs  die  Scheibe  sich  jetzt  in  derselben  Tiefe 
unter  der  gemeinschaftlichen  Oberfläche  der  beiden  Flüs- 
sigkeiten befindet,  in  der  sie  unter  der  freien  war.  Man 
versetzt  sie  dann  wieder  in  Schwingungen  und  beobachtet 
das  logarithmische  Decrement  ihrer  Amplituden.  Dieses 
^vird  gröfsor   seyn   als  das  erstbeobachtete.     Die  Differenz 


85 

beider  Decremente  bestimint  auf  sehr  einfache  Weise  die 
Reibung  der  Flüssigkeiten  gegen  einander.  Aus  dieser  Dif- 
ferenz verschwindet  zugleich  die  im  Innern  des  Aufhän- 
gungsdrahts  stattfindende  Reibung,  sowie  die  Reibung  der 
Luft  an  den  aufserhalb  der  Flüssigkeit  schwingendea  Theilen 
des  Apparats. 

Aufserdem  läfst  sich  das  Experiment  so  ausführen,  dafs 
die  Scheibe  in  der  leichteren  Flüssigkeit  schwingt.  Nach- 
dem beide  Flüssigkeiten  über  einander  geschüttet  sind,  taucht 
man  die  Scheibe  in  die  obere  ein  und  beobachtet  ihre  Schwin- 
gungen sowohl  unmittelbar  unter  der  freien  Oberfläche  der 
oberen  Flüssigkeit  als  über  der  gemeinschaftlichen  beider 
Flüssigkeiten.  Es  ist  bei  dieser  Anordnung  des  Versuchs 
nur  nothwendig,  die  Entfernung  der  Scheibe  von  den  Gränz- 
flächen  zu  messen,  damit  dieselbe  beide  Male  gleich  sej. 
Von  beiden  Anordnungen  des  Versuchs  wird  man  diejenige 
vorziehen,  bei  der  die  Differenz  der  beiden  logarithmischen 
Decremente  am  gröfsten  ausfällt. 

Aus  meiner  theoretischen  Abhandlung  setze  ich  die  Be- 
deutung der  logarithmischen  Decremente  hierher.  Schwingt 
die  Scheibe  unter  der  freien  Oberfläche,  so  ist  das  loga- 
rithmische Decrement  der  Amplituden 

6'=«o+^«i[l— ^1 +1^1*— «I '  +  ••••]     •     (25) 
wo  X,  die  Hälfte  des  früheren  x  (Formel  (5)),  also 

ist  Dagegen  ist  das  logarithmische  Decrement  der  Ampli- 
tuden der  an  der  gemeinschaftlichen  Oberfläche  der  Flüssig- 
keiten ausgeführten  Schwingungen 

—  72  7^^      "**ä727^'^"*"  — 


86 


ffenn  zur  Abkürzung  bezeichnet  wird 


1= 


E 


Wq' 


und  E  die  gesuchte  Constante  der  gegenseitigen  Reibung, 
ff  und  Q*  die  Constante  der  inneren  Reibung  und  die  Dich- 
tigkeit der  zweiten  Flüssigkeit  sind.  Man  erhält  so  in  der 
Differenz 


■-•=?*[ 


1 


r 


"Wi^^"^^  +i(f)*  >?(•  +  •  •• 


K2  yS 


(28) 


ein  bequemes  Mittel,  die  Constante  E  durch  successive  An- 
näherung zu  berechnen,  wenn  17,  g,  ij',  q'  durch  vorgttngige 
Beobachtungen  bestimmt  sind.  Es  ist  aber  zu  bemerken, 
dafs  die  obigen  Reihenentwicklungen  nicht  immer  conver- 
giren. 

(Fortietsaog  im  iiieh«t«n  Heft.) 


87 


IV.     lieber  musikalische  Temperatur; 
von  H.  Helmholtz. 

(Ein  in  Heidelberg  gehaltener  Vortrag.) 


j 


ede  Dartonleiter  enthält  in  sich  die  Töne  dreier  Dar- 
accorde;  C  dur  z.  B.  der  drei  Accorde 

F  a  C,  C  e  G,  G  h  D. 
Sollen  diese  Accorde  rein  klingen,  so  müssen  die  grofsen 
Terzen  das  Verhältnifs  der  Schwingungszahlen  4:5,  und 
die  Quinten  das  Verhältnifs  2  :  3  haben;  innerhalb  der 
Gräozen  einer  Tonart  ist  auch  kein  Hindernifs,  sie  so  zu 
summen.  Wenn  man  aber  in  eine  andere  Tonart  überge- 
hen will,  z.  B.  G  dur,  so  giebt  der  neu  hinzutretende  Ac- 
cord  D,  fis,  A  eine  Quinte  A,  welche  nicht  mehr  gleich 
dem  ersten  a  der  Terz  von  F  ist.  Wenn  wir  die  Schwin- 
gODgszahl  von  F  gleich  1  setzten,  ist  a,  die  grofse  Terz 
von  F  =  1  und  A  die  Quinte  von  D  =  |^.  Die  beiden 
Werthe  von  A  stehen  im  Verhältnifs 

a  :  A  =  80  :  81. 
Das  Bedürfnifs  der  Tastaturinstrumente  hat  die  Musiker  ver- 
leitet, statt  dieser  beiden  Töne  einen  einzigen  setzen  zu 
wollen,  wobei  nothwendig  eins  beider  Intervalle  oder  beide 
falsch  werden  müssen.  Die  Griechen,  welche,  wie  es  scheint, 
nur  einstimmig  oder  in  Octaven  cinhergehend  ihre  Musik 
ausführten,  beobachteten  richtig,  dafs  ein  Fehler  in  der 
Fortschreitung  von  einer  Quinte  viel  auffallender  sey,  als 
in  der  Fortschreitung  von  einer  Terz,  und  hielten  also  die 
Quinten  rein,  indem  sie  die  Pythagoräische  Ten  64  :  81 
als  Norm  festsetzten. 

Wenn  man  aber  sich  das  auch  gefallen  läfet,  und  weiter 
modulirt  in  Quinten  fortschreitend  von  A  nach  E,  H^  Fis, 
Cis,  Gis,  Dis,  Ais,  so  kommt  man  zuletzt  auf  Eis,  welches 
beinahe,  aber  nicht  ganz  mit  dem  F  zusammenfällt,  von  dem 
man  ausgegangen  ist.  Es  ist  nämlich  höher  im  Verhältnifs 
531441  :  524288,  oder  abgekürzt  mittelst  Kettenbrüeben, 


88 

im  Yerhftltnifs  74  :  73.  Um  uun  im  Interesse  der  TasI 
tar- Instrumente  die  beiden  Töne  Eis  und  F  vereinigen  \ 
können,  mufsten  wieder  eine  oder  mehrere  Quinten  unre 
gemacht  werden.  Eb  ergab  sich  als  das  Beste,  den  Fehl 
unter  alle  gleichmSfsig;  zu  vertheilen,  indem  man  alle  Quint 
etwas  zu  klein  macht.  Die  Abweichung  der  Quinten 
diesem  jetzt  allgemein  herrschenden  Stimmungssystem  ist  ni 
in  der  That  ausserordentlich  klein,  indem  die  reine  zur  tei 
perirten  Quinte  sich  wie  886  :  885  verhält.  Dabei  verri 
gert  sich  denn  auch  der  Fehler  in  der  Terz  etwas,  indc 
er  von  |4  auf  ^ü  sinkt. 

Die  neuere  Musik  ist  nun  entschieden  harmonisch,  ui 
fiir  diesen  Fall  ist  die  Voraussetung  nicht  richtig,  dafs  Fehl 
der  Terzen  weniger  schädlich  sind,  als  Fehler  der  Quinte 
Das  Widrige  falsch  gestimmter  Intervalle  entsteht  vomehi 
lidi  durch  die  Schwebungen  ihrer  Combinationstöne  ui 
harmonischeu  Obertöne.  Die  Schwingungszahl  der  stär 
sten  Combinationstöne  ist  gleich  der  Differenz  der  Schwi 
gungszahlen  der  primären  Töne.     Im  reinen  Duraccord 

61  :  80  :  96 
geben  beide"  Terzen  den  Combinationston  16,   die  zwei 
Unteroctave  des  Grundtons.  Aber  im  Pythagoräischen  A 
cord 

64  :  81  :  96 
geben  sie  die  Combinationstöne  17  und  15,  welche  bezQ 
lieh  einen  halben  Ton  höher  und  tiefer  sind,  als  der  ric 
tige  Combinationston,  miteinander  2  Schwebungeu  mach« 
in  der  Zeit,  wo  der  Gruudton  des  Accordes  64  Schwi 
gungen  macht.  Ist  dieser  c,  mit  256  Schwingungen,  so  i 
die  Zahl  der  Schwebungen  der  Combinationstöne  8  in  d 
Sekunde,  was  ein  entschiedenes  Knarren  des  Tons  giel 
Aufserdem  klingen  jene  beiden  Combinationstöne,  soba 
man  auf  sie  aufmerksam  wird,  abscheulich  zur  Harmonie 

Nun  sind  nicht  alle  Musikinstrumente  gleich  empfindli< 
gegen  Dissonanzen.  Singstimmen  sind  gar  nicht  an  eine  Ter 
peratur  gebunden,  auf  den  Streichinstrumenten  sind  es  ni 
die  Töne   der  Iceren  Saiten.     Hier  kann  also  ein  fein  g 


89 

übter  Musiker  den  gröfsereo  Härten  ausweichen.  Das  Cla- 
▼ler  ist  wenig  empfindlich  gegen  Dissonanzen,  weil  seine 
Töne  zu  kurz  verhallen,  und  die  Orgel  ist  wegen  der  con- 
stanten  Stärke  ihrer  Töne  zu  rauschender  Musik  mit  ge- 
häuften Dissonanzen  mehr  geeignet,  als  für  ausdrucksvolle 
TOD  weichem  Wohlklange.  Aus  diesen  Gründen  konnten 
sidi  die  zur  künstlerischen  Musik  am  besten  geeigneten  In- 
strumente mit  den  Nachtheilen  der  temperirten  Stimmung 
ziemlich  abfinden.  Aufserdem  werden  die  Schwebungen, 
wenn  sie  nicht  sehr  schnell  sind,  wenig  fühlbar  in  schnell 
bewegter  Musik,  wenn  die  Dauer  der  meisten  Töne  kürzer 
ist,  als  die  Dauer  der  Schwebungen. 

Deutlich  fühlbar  werden  die  Mängel  der  Stimmung  bei 
nllen  langsam  sich  bewegenden  aushaltenden  Tönen,  und 
desto  mehr,  je  kräftiger  diese  sind.  Chöre  von  Blasinstru- 
menten sind  deshalb  für  die  vollendet  künstlerische  Musik 
fast  gar  nicht  anwendbar.  Besonders  auffallend  sind  nun 
die  Nachtheile  auch  in  der  gegenwärtig  sich  sehr  verbrei- 
tenden Physharmonica,  um  so  mehr,  als  die  Combinations- 
töne  an  diesem  Instrumente  wegen  seiner  besonderen  Con- 
struction  etwas  stärker  sind,  als  an  anderen.  Hier  ist  der 
Unterschied  rein  gestimmter  und  temperirter  Accordc  so 
grofs,  dafs  letztere  nach  erstereu  wie  Dissonanzen  klingen. 

Will  man  also  reine  Harmonien  haben,  so  bleibt  nichts 
übrig,  als  jedem  Tone  der  Scala  zwei  verschiedene  Werthe 
zu  geben,  je  nachdem  er  Terz  oder  Quint  beziehlich  Grund- 
ton eines  Duraccordes  ist,  welche  Werthe  im  Yerhältnifs 
80  :  81  stehen.  Ich  bezeichne  im  Folgenden  die  höheren 
Töne  mit  grofsen  Buchstaben,  die  niederen  mit  kleinen. 
Berücksichtigt  man  nun  noch,  dafs  die  oben  berechnete 
Differenz  zwischen  Eis  und  F,  nämlich  ^.'^  nahehin  gleich 
ist  der  zwischen  F  und  f,  welche  -^j^  beträgt,  so  kann  man 
nahehin  die  durch  Kreuze  erhöhten  Töne  der  niederen  Keihe 
gleich  den  durch  b  erniedrigten  Tönen  der  oberen  setzen, 
also  eis  :^  Des,  fis  =  Ges  u.  s.  w.  So  erhält  mau  folgende 
Reihe  von  Duraecorden  zur  Verfügung: 


90 


Ges^  b  Des"»    f    As  c  Es   g  B  d 
G      h    D       fis    A  cisEgis'^Hdis« 


Fes*   as   Ces*   es 
F       a      C        e 

Fis  ais*  Cis  eis* 
Die  mittleren  seyen  mathematisch  rein,  in  den  äufsersten 
ist  bei  den  mit  Sternchen  versehenen  die  erwähnte  Verwechs* 
lang  vorgenommen  worden,  welche  streng  genommen  aller- 
dings einen  Fehler  giebt,  der  aber  verschwindend  klein  ist. 
In  den  betreffenden  Accorden  hat  ottmlich  nur  die  Terz 
den  kleinen  Fehler,  den  in  der  gleichschwebenden  Tempe- 
ratur die  Quinte  hat;  er  beträgt  ^ö^*    Wenn  man  diesen 

Fehler  auf  die  verschiedenen  Quinten  vertheilen  wollte, 
würde  er  für  jede  ^7  dieser  Gröfse  betragen,  aber  diese  er- 
höhte theoretische  Genauigkeit  wäre  practisch  illusorisch,  da 
schon  jetzt  der  ganze  Fehler  von  -g^s-  b^>  ^^^  Quinten 
an  der  Gränze  dessen  liegt,  was  ein  geübtes  musikalisches 
Ohr  unterscheiden  kann. 

Für  die  practische  Ausführung  sind  entweder  zwei  Tas- 
taturen nöthig,  wobei  es  dem  Spieler  überlassen  bleibt,  die 
Töne  des  Accordes  passend  in  der  einen  oder  anderen  Reihe 
zu  wählen,  oder  man  sondert  die  Töne  in  8  Gruppen 


F 

a 

Cis 

f 

A 

cis 

C 

e 

as 

c 

E 

eis 

G 

h 

es 

g 

H 

dis 

D 

6s 

b 

d 

Fis 

B 

Alle  Töne  jeder  dieser  Gruppen  werden  durch  einen 
besonderen  Windkanal  gespeist,  und  durch  Pedale  wird  re- 
gulirt,  dafs  der  Wind  entweder  der  rechten  oder  linken 
Gruppe  jeder  Linie  zugeführt  wird.  Es  sind  nur  vier  Ven- 
tile nöthig  zu  stellen,  durch  vier  Pedale;  dadurch  kann  dann 
das  Instrument  für  jede  Tonart,  welche  im  Laufe  des  Mu- 
sikstückes eintritt,  in  richtige  Stimmung  gebracht  werden. 


91 


V.     Veber  fVidersiandsmaafse  und  die  Abhängig- 

heit  des  Leitungswiderstandes  der  Metalle  von  der 

TVärme;  von  Dr.  Werner  Siemens. 


JLIem  von  mir  in  diesen  Annalen^)  gemachten  Vorschlage 
eines  reproducirbaren  Widerstandsmaafses  ist  von  Hrn. 
Matthiefsen  ^)  kürzlich  ein  anderer  gegenüber  gestellt 
worden.  Während  ich  vorschlug  als  Einheit  des  Wider- 
standes den  Widerstandeines  Quecksilberfadens  ean  l^ Länge 
und  l'"'*  Querschnitt  bei  0^  anzunehmen,  schlägt  Hr.  Mat- 
thiefsen  vor  die  Weber'sche  absolute  Einheit  als  all- 
gemeines Widerstandsmaafs  zu  benutzen,  dasselbe  mit  dem 
Widerstände  eines  Drahtes  aus  einer  Gold- Silber-Legirung 
zu  vergleichen  und  dann  durch  Anfertigung  von  Drähten  aus 
derselben  Legirung  zu  reproduciren. 

Der  erste  Theil  des  Vorschlages  des  Hrn.  Matthiefsen 
hat  auf  den  ersten  Blick  Manches  für  sich.  Bei  näherer 
Betrachtung  sprechen  aber  sehr  überwiegende  Gründe  da- 
gegen. Ein  Maafs  kann  nur  dann  seinen  Zweck  erfüllen, 
wenn  es  so  genau  herzustellen  ist,  wie  die  Instrumente,  denen 
es  dienen  soll,  es  mit  anderen  vergleichen  zu  können.  Er- 
klärt man  sich  gegen  ein  willkührlich  gewähltes,  durch  Co- 
pirung  zu  vervielfältigendes  Grundmaab,  wie  Hr.  Mat- 
thiefsen es  ebenfalls  thut,  so  mufs  das  unmittelbar  herstell- 
bare Grundmaafs  nothwendig  in  solcher  Schärfe  zu  repro- 
duciren sejn,  dafs  unsere  empfindlichsten  Instrumente  keine 
Verschiedenheit  wahrnehmen  können. 

Das  ist  nun  leider  bei  der  Bestimmung  des  absoluten 
Widerstandes  nach  der  Weber 'sehen  Methode  nicht  der 
Fall.  Es  ist  auch  nicht  anzunehmen,  dafs  die  Methode  sich 
so  vervollkommnen  liefse,  dafs  der  obigen  Anforderung 
auch  nur  annähernd  genügt  würde,  da  der  Bestimmung  des 
absoluten  Widerstandes  die  der  Messung  der  Stromstärke 

1)  Pogg.  Ann.  Bd.  110,  S.  1. 

2)  Pogg.  Aon.  Bd.  112,  S.  353. 


) 


92 

und  der  elektromolorischen  Kraft  Dach  absolutem  MaaCse 
▼orhergehea  mufs,  alle  bei  diesen  schwierigen  Maafsbestim- 
mungen  begangenen  Fehler  sich  also  in  der  Bestimmung 
des  absoluten  Widerstandes  wiederfinden.  Es  kann  wohl 
mit  Bestimmtheit  behauptet.werden,  dafs  auch  die  geübtesten 
und  mit  den  vollkommensten  Instrumenten  und  Localitäten 
ausgerüsteten  Physiker  nicht  im  Stande  seyn  werden,  abso- 
lute Widerstandsbestimmungen  zu  machen,  die  nicht  um 
einige  Procente  von  einander  verschieden  wären !  Ein  Maafs»  | 
welches  so  wenig  genau  ist,  würde  aber  nicht  einmal  den 
Anforderungen  der  Technik  genügen.  Doch  selbst  wenn 
die  Möglichkeit  gegeben  wäre,  das  absolute  Widerstands- 
maafs  in  hinreichender  Schärfe  zu  bestimmen ,  so  würde 
man  doch  noch  kein  absolutes  Maafs  für  die  Leitungsfkhig- 
keit  der  Körper  haben,  müfste  also  doch  wieder  eine  Ein- 
heit des  Leitungsvermögens  willkührlich  wählen.  Dann  ist 
es  aber  weit  bequemer  und  anschaulicher  das  Widerstands- 
maafs  als  den  Widerstand  eines  prismatischen  Körpers  aus 
dem  Material,  welches  man  als  Einheit  der  Leitungsfähigkeit 
angenommen  hat,  zu  definiren.  Aufser  diesen  Gründen  eignet 
sich  das  absolute  Widerstaudsmaafs  auch  noch  aus  dem 
Grunde  nicht  zur  allgemeinen  Verwendung,  weil  es  unprak- 
tisch klein  ist,  und  nicht  auf  einer  einfachen  geometri- 
schen Vorstellung  beruht.  So  grofs  daher  auch  der  Werth 
des  absoluten  Widerstaudsmaafscs  für  manche  Betrachtungen 
und  Rechnungen  ist,  und  so  wichtig  es  ist,  den  Werth  jedes 
andern  gebräuchlichen  Widerstandsmaafses  in  absoluten  Ein- 
heiten zu  kennen,  so  mufs  man  es  doch  als  ganz  unbrauch- 
bar für  ein  allgemeines  Grundmaafs  des  Leitungswiderstan- 
des erkläreu.  Hr.  Matthiefsea  beschränkt  sich  übrigens 
auch  auf  die  Erklärung  »das  absolute  Widerstaudsmaafs  sej 
das  beste  und  werde  es  stets  bleiben«  ohne  Gründe  für 
diese  Behauptung  anzuführen  oder  Zahlen  anzugeben,  welche 
seine  Darstellung  vermittelst  der  Gold- Silber- Legirung  er- 
möglichten. Er  will  vorläufig  nur  den  Beweis  führen,  dafs 
Drähte,  die  aus  der  von  ihm  angegebenen  Gold-Silber-Le- 
giruug  gezogen  wären,  sich  vorzugsweise  zur  genauen  Re- 
production   von   Widerstaudsmaafsen   und   zur   Anfertigung 


94 

—  die  des  Quecksilbers  =  1  gesetzt  —  und  sein  Wider- 
stand vergröfscrt  sich  durch  Erwärmung  um  l^  C  nur  um 
0,000272.   Der  Einwand  des  Hr.  Matthiefsen,  dafs  man 
das  Quecksilber  h&ufig  erneuern  müsse,  weil  es  durch  die 
eintauchenden  Kupferdrähte  verunreinigt  wtirde,  kann  daher 
wohl  nicht  als  erheblich  angesehen  werden,  da  man  sich 
der  geringen  Mühe  des  Füllens  der  Spiralröhren  mit  frisch 
gereinigtem  Quecksilber  dann  leicht  unterziehen  kann,  wenn 
man  neue  Etalons  anfertigen  oder  alte  controliren  will.    Ist 
man  übrigens  mit  der  von  Hrn.  Matthiefsen  als  ausrei- 
chend betrachteten  Genauigkeit  von  1  bis  2  Proc.  zufrieden, 
so  kann  man  auch  ohne  allen  Nachtheil  Platin-  oder  Eisen- 
drähte anstatt  der  kupfernen  als  Zuleitungen  benutzen,  da 
der   Uebergangswiderstand   vom    Quecksilber   zum    festen, 
nicht  amalgamirten,  Metall  nur  bei  Messungen  von  gröfserer 
Schärfe  in  Betracht  kommt.  Dafs  meine  Methode  aber  wirk- 
lich ihren  Zweck   erfüllt,  nämlich   die  directe  Darstellung 
von  Widerstands  -  Etalons  bis  zu  jeder  erforderlichen  Ge- 
nauigkeit gestattet,  mögen  die  in   der  nachfolgenden  Ta- 
belle zusammengestellten  Messungen  beweisen,  welche  zu 
dem  Behufe  mit  gröfster  Sorgfalt  angestellt  wurden,  um  die 
von  mir  in  Vorschlag  gebrachte  Einheit  des  Leitungswider- 
standes, nämlich  die  eines  Quecksilberfadens  von  1"*  Länge 
und  1"^  Querschnitt  bei  0^ ,  möglichst  genau  darzustellen. 
Die  Glasröhren  wurden  absichtlich  von  sehr  verschiedenem 
Durchmesser  gewählt  und  mit  Quecksilber  aus  verschiedenen 
Bezugsquellen,    welches  auf  die  angegebene  Weise  durch 
Erhitzung  mit  englischer  Schwefelsaure  gereinigt  war,  ge- 
füllt. 


96 

Ich  niufs  hier  den  Vorwurf  eines  groben  Irrthums,  des- 
sen mich  Hr.  Matthicfsen  zeiht,  entschieden  ab  und  auf 
denselben  zurückweisen.  Hr.  Matthiefsen  sagt  in  der 
meine  Arbeit  behandelnden  Anmerkung  wörtlich:  »da  Spa- 
ren fremder  Metalle  (0,1  Proc.  oder  0,2  Proc.)  eine  Ab- 
nähme  in  der  Leitungsfähigkeit  des  reinen  Quecksilbers  ver- 
ursachen, nicht  wie  Siemens  sagt  eine  Zunähme. •  Ich 
begreife  wirklich  nicht  wie  ein  solcher,  so  leicht  zu  con- 
statirender,  qualitativer  Irrthum  sich  hat  einstellen  können. 
Ich  mufs  meine  Behauptung  vollätändig  aufrecht  erhalten 
in  Bezug  auf  alle  von  mir  in  dieser  Beziehung  untersuch- 
ten Metalle  wenigstens,  nämlich  Silber,  Kupfer,  Zinn  and 
Zink. 

Ich  glaube  mich  sogar  zu  dem  allgemeinen  Aussprach 
berechtigt,  dafs  die  Leitungsfähigkeit  flüssiger  Mctallgemische 
die  der  getrennt  nebeneinander  liegenden  Einzelmetalle,  in 
flüssigem  Zustande  und  von  derselben  Temperatur,  ist,  und 
dafs  der  Grund  der  grofsen  Verminderung  der  Leitungsfti- 
higkeit  starrer  Legirungen  nur  im  Erstarrungsprocesse  selbst 
zu  suchen  ist.  Die  nachfolgenden  Versuche  werden  zeigen, 
dafs  diese  Annahme  wenigstens  grofse  Wahrscheinlichkeit 
für  sich  hat. 

dadurch  die  Behauptung  aussprechen  tu  wollen,  dafs  er  die  von  mir 
benutate  sehr  einfache  Reinigungsroethode  des  käuflichen  Quecksilbers 
nicht  für  ausreichend  hält.  Zur  Beseitigung  dieses  Zweifels  war  Hr. 
Dr.  Quincke  so  gütig  mir  eine  Quantität  seines,  von  ihm  selbst  mit 
gröfster  Vorsicht  aus  Quecksilberoxj^d  dargestellten,  Quecksilbers  an  einem 
▼ergleichenden  Versnche  aur  Disposition  an  stellen.  Hr.  Dr.  Quincke 
überaeugte  sich  aber  durch  eigene  Beobachtung,  dafs  nicht  die  geringste 
Verschiedenheit  des  Widerstandes  einer  meiner  Spiralröhren  an  er- 
kennen war,  als  das  darin  befindliche  gereinigte  käufliche  Queckstiber 
durch  sein  frisch  gereinigtes  chemisch  reines  Quecksilber  ersetat  wordeo 
war.  Die  Leitungsfahigkeit  beider  konnte  daher  wenigstens  Dicht  um 
0,0001  verschieden  seyn,  da  meine  Instrumente  eine  solche  Verschieden- 
heit noch  sicher  angeben. 

Gleichzeitig  überzeugte  sich  Hr.  Dr.  Quincke  davon,  dafs  der  Wi- 
derstand der  Spirale  kleiner  wurde,  als  das  Quecksilber  mit  etwas  Kup- 
feramalgam verunreinigt  wurde,  seine  Leitungsfahigkeit  sich  also  be- 
trächtlich vergröfserte. 


96 

des  gesammten  Rohrat»  q ,  den  des  von  Zink  erffeHlea 
xeichiiet 

1)  q:q^=zlO0aimM,  -  tf 

2)  ?ii  +  (fl-g.)  =  i  «nd 

3)?=^  ist 

Für  $  und  ö  sind  die  Werfhe  18^  und  8,9  angenomsM. 
Die  hier  gefundene  Ldtnngsfthigkeit  des  Zinks  ist  gH^ 
Cser  als  die  von  Beequerel  gefundene,  8^»  aber  beMcM^ 
lieh  kleiner  wie  die  von  Matthiefsen  beobadtete,  Biü^ 
lieh  18.  Letztere  Angabe  ist  wohl  als  die  zurerllssigera 
anzusehen,  da  Matthiefsen  ansdrücUidi  angiebt  chenisA 
reines  Zink  verwendet  zu  haben.  Ist  die  der  RedmoBg 
zu  Grande  liegende  Annahme  richtig,  so  mObte  also  fltlasi- 
ges  Zink  bei  gleicher  Temperatur  weit  schlechter  leiten  wie 
festes.  Versuche,  die  mit  Zinn,  Kupfer  und  Silber  in  tim- 
Ucher  Weise  angestellt  wurden,  gaben  dasselbe  Resultat. 
Bei  Kupfer  und  Silber  ffiUt  die  Leitungsflhigkeii  sogpir  ver- 
hältnifsmäfsig  noch  weit  geringer  aus,  wie  aus  der  nadi* 
stehenden  Tabelle  für  Silber  ersichtlich  ist. 


i 

m 

IT 

m 

l 

'   15 

602^ 

0,6594 

0 

^^_ 

15 

603,70 

0,6565 

0,044 

8.8 

15 

607,9 

0,6448 

0,21 

9,3 

15 

6ia,5 

0,6301 

0,53 

7.8 

Der  Widerstand  der  Glasspirale  ward  hier  mit  einer 
Einheit  aus  Neusilberdraht  verglichen.  Der  Silbergehalt 
ward  aber  nicht  durch  nachträgliche  Analyse  bestimmt, 
sondern  aus  der  Zusammensetzung  berechnet  Daa  spedfi- 
sfche  Gewicht  des  Silbers  ist  =  10,5  gesetzt.  Um  zu  ver- 
hüten, dafs  sich  starres  Amalgam  in  den  angeblasenen  Glas- 
gefäfsen  abschied,  wie  es  bei  langsamem  Einströmen  des 
Quecksilbers  in  das  Glasrohr  von  geringem  Querschnitt 
leicht  eintritt,  ward  es  vermittelst  einer  kleinen  Pumpe  unter 
kräftigem  Druck  hineingetrieben.  Es  ist  allerdings  möglich, 
dafs   trotz  dieser   Vorsichtsmaafsregel   der  Silbergehalt  des 


im  Rohre  befiDdlichcii  Quecksilbers  deunocb  etwas  geringer 
aDEgefallen  ist;  es  inOCBte  dann  aber  die  LeiluDgsÄhigkeit 
des  tlfissigeu  Silbers  uocb  kleiner  ausfaileo  wie  die  Re«^- 
nuDg  ergiebl.  Sie  wBre  also  oocb  kleiner  im  VerhallniCs  zam 
flOssigeo  Zink,  wShrend  sie  3  mal  gröfser  ist,  wenn  beide 
Metalle  im  starren  Zustande  sind. 

Dafs  der  Widerstand  einig-er  Metalle  beim  Uebergaoge 
ans  dem  starren  in  den  flassigeu  Zustand  plötzlich  zonimml, 
bat  Matthiefsen  für  Kalium  und  Natrium  nachgewiesen'}, 
doch  reichen  die  verhältnifsmäfsig  geringen  Unterschiede, 
welche  derselbe  fUr  diese  Metalle  fand,  nicht  aus,  um  die  hier 
gefundenen  grofsen  Differenzen  zu  erklären.  Um  mir  weitere 
Aof  kUruDg  hierüber  zu  versdiaffen,  fQllle  ich  eine  Glasspi- 
nie  im  Slearinbade  mit  reinem  Zinn.  Das  Zinn  schmolz 
nach  meinem,  nicht  weiter  controlirten,  Quecksilbertbermo- 
meter  schon  bei  224°  C.  und  fQllle  das  Glasrohr  vollkom- 
men. Nachdem  ich  das  so  gefüllte  Glasrohr  bis  auf  280° 
erwHrmt  hatte,  mafs  ich  seinen  Widerstand,  liera  es  darauf 
bngsam  abkühlen,  wobei  das  flfissige  Stearin  durch  Ein- 
blasen  von  Luft  in  steler  Bewegung  erhalten  wurde  und 
wiederholte  die  Widerstandsmessungeo,  wenn  die  Tempe- 
ratur sich  einige  Zeit  constant  erbalten  hatte.  In  nachfoU 
gender  Tabelle  sind  diese  Messungen  zusammengestellt. 


Die  Zahlen  der  mit  w,  überschriebenen  Spalte  sind  nai^ 
der  Formel 

1000-8         , 


100 

berechnet,  in  welcher  tOg  den  Widerstand  des  Rohres  bei 
der  Temperatur  t,  u)q  den  Widerstand  desselben  bei  0®, 
a  die  Ablesung  am  Noniiis  des  Brücken -MeCsinstramentes 
und  l  den  Widerstand  der  Zuleitungsdrähte  zur  Spirale  be- 
zeichnet. Letzterer  betrug  111,95"""  oder  kleine  Elinhei- 
ten*)*  D><^  Zahlen  der  Spalte  a  sind  sämmtlich  die  Mittel 
aus  zwei  Messungen  und  zwar  solcher,  bei  denen  die  bei- 
den Bröckenzweige  durch  einen  widerstandslosen  Commo- 
tator  vertauscht  waren.  Messungen,  bei  welchen  die  Summe 
der  beiden  erhaltenen  Ablesungen  um  mehr  wie  0,5"**  von 
1000  verschieden  waren,  wurden  verworfen.  Der  Vergleichs- 
widerstand ward  durch  Eis  auf  0"  erhalten.  Mit  Queck- 
silber gefüllt  hatte  die  Spirale  bei  O''  den  Widerstand  742,31. 

Die  Leitungsf&higkeit  des  Zinks  ist  mithin  -gAr  =  9,1.    Die 

letzte  Messung  (9)  ist  eine  am  anderen  Tage  vorgenom- 
mene Control -Messung,  nach  welcher  die  Leitungsf^higkeit 
des  Zinns  ebenfalls  =  9,1   wird.     Aus  den  Zahlen  der  mit 

--j^  überschriebenen  Spalte,  welche  die  mittlere  Wider- 
standszunahme für  1^  zwischen  den  benachbarten  Tempera- 
turen enthält,  ergiebt  sich,  dafe  die  Widerstandszunahme  des 
starren  Zinns  mit  der  Annäherung  an  den  Schmelzpunkt  in 
steigender  Progression  wächst,  dafs  beim  Uebergange  über 
den  Schmelzpunkt  eine  sprungweise  Vergröfserung  des  Wi- 
derstandes eintritt,  welche  beinahe  das  2^  fache  des  Wider- 
standes bei  0°  erreicht,  dafs  bei  weiterer  Erhitzung  des  flüs- 
sigen Zinns  die  Widerstandszunahme  sich  allmählich  wieder 
vermindert  und  etwa  45°  über  dem  Schmelzpunkte  nur  noch 
ohngefähr  halb  so  grofs  ist  wie  in  der  Nähe  des  Gefrier- 
punktes. Dividirt  man  die  Zahlen  dieser  Spalte  durch  den 
Widerstand  bei  0°,  also  durch  81,57,  so  erhält  man  den 
Coefficienten  der  Widerstandszunahme  für  die  betreffenden 
Temperaturintervalle.  Der  Anblick  der  Zahlenwerthe,  wel- 
che in  der  mit  a  bezeichneten  Spalte  zusammengestellt  sind, 

1 )  Als  WidersUndsmaars   ist   roilhin    j^'ö?  Einheit   oder  der  Widerstand 
eines  Würfels  von   1"*™  Seitenlänge  angenoniinen. 


103 

mometer,  welche  tV  GradtheilaDg  besarsen,  abgeleseD.  Um 
sieber  zu  se^^n,  dhü  die  Temperatur  der  ganzen  Wauer- 
muse  gleicbmäbig  war,  wurde  dieselbe  durch  Einblasen  von 
Luft  in  lebhafter  Bewegung  erhalten. 


GeuiDiDiroidcl  0,86 
Die  mit  t,  tiberschriebeue  Spalte  giebt  die  Temperatur 
des  Vergleicbswiderstandes,  die  mit  t  überscbriebene,  die 
auf  die  constante  Temperatur  17,34  des  Vergleicbswider- 
standes reducirte  Temperatur  der  erwlnnten  Spirale.  Der 
XU  den  Messungen  der  folgenden  Tabelle  benutzte  Kitpfer- 
dnht  war  etwa  ^'"'  dick  mit  Seide  umsponnen  und  auf 
einen  kleinen  Rahmen  von  Hartgummi  lose  aufgewickelt.  Die 
&iden  des  Drahtes  waren  an  dicke  Kupferdrtibte  gelOtbet, 
welche  den  Widerstand  11,9  hatten,  wShrend  die  Zuleitun- 
gen der  Quecksilberspirale,  welche  diefsmal  durch  Eiswasser 
conatant  auf  0"  erballen  wurde,  nur  1,8  betrug.  Der  mit 
dem  Kupferdraht  umwickelte  kleine  Rahmen  ward  in  ein 
mit  wohl  ausgekochtem  Oel  gefülltes  Reageusglas  gesteckt 
welches  seinerseits  in  ein  mit  Wasser  gefülltes  Gefafs 
laucble.  Das  Thermometer  reichte  in  den  Rahmen  hinein, 
war  also  von  dem  Drahte,  dessen  Temperatur  bestimmt 
werden  sollte,  umgeben.  Die  Erhitzung  des  Wassers  ge- 
schah auf  die  beschriebene  Weise  durch  Wasserdampf. 
Durch  Regniirung  der  Dampf  bildong  Uefo  sich  die  Tempera- 
tur im  Reagensrobr  lange  Zeil  TolIstXudig  cftnslant  erbalten. 


104 


Der  Wideretand   der   als  Vergjeichswiderstand   bemilzlen 
Qaecksilberepirale  war  bei  0^  =  1997,5. 


No. 

ti 

1 

a 

Wi 

At 

Jwt 

Ji 

1 

0 

0.4 

433,95 

1520,8 

2 

— 

19,8 

448,70 

1615,94 

19,4 

95,14 

4,90 

3 

— 

38,1 

462,15 

1706,01 

18,3 

90,07 

4.92 

4 

— . 

&3,4 

473,25 

1783,96 

15,3 

77,95 

5,09 

5 

— 

67,4 

482,90 

1855,10 

14,0 

71,14 

5,06 

6 

— 

87^ 

496,2 

1954,24 

19,9 

99,14 

4,96 

7 

^.^ 

19,8 

448,70 

1615,94 

8 

— 

49.9 

471,00 

1768,20 

30,1 

152,26 

5,05 

9 

— 

72,1 

486,0 

1878,49 

22,2 

110,29 

4,97 

10 

— 

91,4 

498,2 

1973,06 

19,3 

94,57 

4,90 

11 

.. 

38,2 

462,3 

1708,43 

12 

— 

54,6 

474,15 

1790,83 

16,4 

82,40 

5,02 

13 

— 

70,3 

484,7 

1868,67 

15,7 

77.84 

4,95 

14 

— 

91,4 

498,2 

1973,06 

21,1 

104,39 

4,94 

amiDtmitte 

1    4,98 

ni 

#^    mif- 

^«^  fth. 

irArhripli 

piitf»   ZaIi 

lAtirPihA 

.    mrAlrlii 

*  diirrli 

^^  ,  

Division  der  in  gleicher  Höhe  stehenden  Zahlen  der  beiden 
vorhergehenden  Kolumnen  erhalten  sind  und  die  Wider- 
standszunahme  durch  Erwärmung  um  einen  Grad  angiebt, 
sind  in  beiden  Tabellen  hinlänglich  übereinstimmend  und 
zeigen,  dafs  die  Curve  der  Widerstandszunahme,  sowohl 
bei  Quecksilber  wie  bei  Kupfer  als  gerade  Linie  anzu- 
nehmen ist.  Dividirt  man  die  mittlere  Widerstandszunahme 
durch  den  Widerstand  bei  0",  so  erhält  man  den  Coefii- 
cienten  a,  welcher  also  für  Quecksilber  =  0,000985  und 
für  Kupfer  =  0,00329  ist. 

Sowohl  der  von  mir  früher  für  Quecksilber  angegebene 
Coefficient  0,00095  wie  namentlich  der  später  von  Hm. 
Schröder  van  der  Kolk')  mitgetheilte  0,0008  waren 
also  zu  klein.  Dafs  der  für  Kupfer  gefundene  Coefficient 
0,00329  so  beträchtlich  kleiner  ist  wie  der  von  Arndtsen 
angegebene  0,0036  kann  seineu  Grund  darin  haben,  dafs  ich 

I)  Pogg.  Add.  Bd.  110,  S.  452. 


105 

käufliches  Kupfer  von  der  Leitungsfähigkeit  46,7  benutzt 
habe,  während  völlig  reines,  durch  Schmelzen  galvanischen 
Kupfers  unter  Wasserstoff  dargestelltes,  die  Leitungsfähigkeit 
56,4  hatte.  Was  Hrn.  Matthiefsen  zu  der  am  Schlüsse 
seines  oben  erwähnten  Aufsatzes  gemachten  AeuCserung: 
dafs  die  gewöhnliche  Annahme,  die  Leitungfhhigkeit  des  rei- 
nen wie  käuflichen  Kupfers  ändere  sich  gleichmäfsig  mit  der 
Temperatur,  »weit  von  der  Wahrheit  entfernt«  sey,  veran- 
laCst  bat,  kann  ich  nicht  beurtheilen,  da  derselbe  diesen 
Ausspruch  nicht  auf  mitgetheilte  Versuche  stützt. 


VI.     Veber  die  unterniobsauren  Salze; 
von  Heinr.  Rose. 


JLrie  Untemiobsäure  zeigt,  ungeachtet  ihrer  verschiedenen 
atomistischen  Zusammensetzung,  in  ihrem  Verhalten  zu  Basen 
die  gröfste  Aehnlichkeit  mit  der  Tantal-  und  Niobsäure,  so 
dafs  es  schwer  ist,  sie  von  diesen  zu  unterscheiden.  Ich  habe 
schon  mehrmals  bemerkt,  dafs  dieses  Verhalten  von  einer 
Säure,  der  man  eine  ganz  andere  atomistische  Zusammen- 
setzung als  den  genannten  zuschreiben  mufs,  ein  ganz  un- 
gewöhnliches ist.  Im  Allgemeinen  äufsert  die  Untemiob- 
säure )edoch  eine  gröfsere  Aehnlichkeit  mit  der  Niobsäure 
als  mit  der  Tantalsäure,  so  dafs  in  dem  Verhalten  gegen 
mehrere  Reagentien  die  Niobsäure,  wie  ich  diefs  schon  mehr- 
mals bemerkt  habe,  gleichsam  in  der  Mitte  steht  zwischen 
der  Tantal-  und  der  Untemiobsäure. 

Uoterniobsftarehydrat. 

Das  Wasser  in  dem  Hydrate  scheint  etwas  fester  ge- 
bunden zu  seyn,  als  im  Niobsäurehydrat. 

Die  meisten  Versuche  wurden  mit  dem  Hydrate  ange- 
stellt, das  aus  dem  Chloride  durch  Zersetzung  mit  Wasser 


106 


erbalten  worden  war.  Es  zeigt  das  auf  diese  Weise  er- 
haltene Hydrat  beim  Rothglühen  dieselbe  Feaererschei- 
nung,  wie  das  auf  ähnliche  Weise  dargestellte  Hydrat  der 
Tantalsfture  und  der  Niobsäure.  Nur  das  Hydrat  der 
Sfture,  welche  mit  saurem  schwefelsaurem  Kali  geschmolzen 
worden,  und  also  einer  langen  dunklen  RothglQhhitze  aus- 
gesetzt gewesen  ist,  zeigt  diese  Feuererscheinnng  beim  Glü- 
hen nicht 

Das  Hydrat  der  Untemiobsfiure,  wenn  es  aus  dem  Chlo- 
ride dargestellt  worden  ist,  ist  von  sehr  voluminöser  Be- 
schaffenheit,  weit  voluminöser,  als  die  auf  ähnliche  Weise 
dargestellten  Hydrate  der  Tantalsäure  und  der  Niobsäure. 

Die  Resultate  der  verschiedenen  Versuche  über  den 
Wassergehalt  dieses  Unterniobsäurehydrats,  bei  denen  das- 
selbe bei  100"  C.  so  lange  getrocknet  wurde^  bis  es  keine 
Gewichtsverminderung  mehr  erlitt,  sind  folgende: 


Unterniobsäure 
Wasser 


1. 
91,98 
8,02 


Sauerstoff 

18,15 
7,13 


ii. 
92,44 
7,56 


SaaerstofT 

18,24 

6,72 


100,00 

100,00 

III. 

SaaerstofT 

IV. 

Sauerstoff 

Unterniobsäure 

90,55 

17,86 

92,12 

18,17 

Wasser 

9,45 
100,00 

8,40 

7,88 
100,00 

7,00 

V. 

Sauerstoff 

VI. 

Sauerstoff 

UnterniobBäure 

92,34 

18,22 

92,68 

18^29 

Wasser 

7,66 
100,00 

6,81 

7,32 
100,00 

6,51 

VII. 

Sauerstoff 

vin. 

Sauerstoff 

UntemiobsSore 

92,82 

18,31 

91,30 

18,01 

Wasser 

7,18 
100,00 

6,38 

8,70 
100,00 

7,73 

IX. 

Sauerstoff 

X. 

Sauerstoff 

Uuterniobsäiire 

91,38 

18,03 

92,50 

18,25 

Wasser 

8,62 

7,66 

7,50 

6,67 

100,00 


100,00 


107 


XI. 

Säuerst  off 

XII. 

Sauerstoff 

UDterniobsäure 

■ 

92,39 

1S,23 

92,30 

18,21 

Wasser 

7,61 
100,00 

6,76 

7,70 
100,00 

6,84 

XIII. 

SauerstofT 

XIV. 

Sauerstoff 

Unterniobsäure 

93,31 

A8,41 

93,95 

18,54 

Wasser 

6,69 
100,00 

5,95 

6,(»5 
100,00 

5,38 

XV. 

SauerttofT 

XVI. 

Sauerstoff 

Unterniobsäure 

92,20 

18,19 

92,39 

18,23 

Wasser 

7,80 
100,00 

6,93 

7,61 
100,00 

6,76 

XVII. 

SaueritoCr 

XVIII. 

Sauerstoff 

Unterniobsäure 

92,60 

18,27 

92,54 

18,26 

Wasser 

7,40 
100,00 

6,58 

7,46 
100,00 

6,63 

XIX. 

Sauerstoff 

XX. 

Sauerstoff 

Unterniobsäure 

92,63 

18,28 

92,71 

18,29 

Wasser 

7,37 

6,55 

7,29 

6,48 

100,00 

100,00 

XXI. 

Sauerstoff 

XXII. 

Sauerstoff 

Unterniobsäure 

91,78 

18,11 

92,82 

18,31 

Wasser 

8,22 
100,00 

7,31 

7,18 
100,00 

6,38 

XXIII. 

Sauerstoff 

XXIV. 

Sauerstofl 

Unterniobsäure 

92,24 

18,20 

92,32 

18,21 

Wasser 

7,76 

6,90 

7,68 

6,83 

100,00 

XXV. 

100,00 

Sauerstoff 

Unterniobsäure    91,75 

18,10 

Wasser 

8,25 

7,33 

100,00. 

Obgleich  bei  diesen  vielen  Bestiuioiungen  der  Wasser- 
ehalt nicht  so  abwechselnd  gefunden  wurde,  wie  beim  Hjr- 
rate  der  Niobsäure,  so  ist  es  auch  bei  dem  Hydrate  der 
Jntemiobsäure  schwer  die  rationelle  ZuBammensetzung  des- 
elben  zo  bestimmeD. 


108 

Es  ist  wahrscheinlich,  dafs  bei  einer  Temperatur  von 
100^  C.  Doch  etwas  mehr  als  ein  Atom  Wasser  von  der  Uu- 
teniiobsäure  gebunden  wird,  oder  dafs  bei  dieser  Temperatur 
dieses  überschüssige  Wasser  sehr  langsam  und  schwer  fort- 
geht«   Nimmt  man  diefs  an,  so  ist  dann  wahrscheinlich  das 

•  •  •  • 

Hjrdrat  der  Untemiobsäure  H  +  ^b,  dessen  berechnete  Zu- 
sammensetzung im  Hundert  ist: 

Untemiobsäure      93, 1 1 
Wasser  6,89 

100,00. 

Einige  der  angeführten  Zahlen  nähern  sich  in  der  That 
dieser  berechneten;  meistens  aber  ist  der  Wassergehalt 
gröfser. 

Erhöht  man  die  Temperatur  über  100°  C,  so  geht  fast 
alles  Wasser  noch  vor  dem  Glühen,  und  vor  dem  Er- 
scheinen des  Feuerphänomens  fort«  Bei  150°  C.  betrug 
der  Wasserverlust  des  Hjdrats  4,47  Proc;  bei  200"  5,75 
Proc;  bei  300^^  7,80  Proc.  und  nach  dem  Glühen  8,43  Proc. 

Das  specifische  Gewicht  des  Hydrats  aus  dem  Unter. 
niobchlorid  wurde  4,303  gefunden.  Nach  dem  Glühen  hatte 
das  Hydrat  7,37  Proc.  Wasser  verloren,  und  zeigte  dann 
eine  Dichtigkeit  von  5,358.  Ein  anderer  Theil  derselben 
Säure  zeigte  nach  dem  Rothglühen  das  specifische  Gewicht 
5,456.  Es  ist  diefs  eine  Dichtigkeit,  wie  ich  sie  sonst  nicht 
bei  der  Untemiobsäure  gefunden  habe. 

Wird  die  Untemiobsäure  aus  der  Lösung  der  unter- 
niobsauren  Alkalien  durch  Chlorwasserstoffsäure  gefällt,  so 
erhält  man  ein  Hydrat,  das  beim  Glühen  dieselbe  Feuer- 
erscheinung zeigt,  wie  das  aus  dem  Chlorid  erzeugte.  Ein 
solches  Hydrat  fällt  selbst  wenn  die  Lösung  kochend  durch 
Chlorwasserstoffsäure  niedergeschlagen  wird.  Das  Hydrat 
wurde  so  lange  ausgewaschen,  bis  das  Waschwasser  eine 
Silberoxydlösung  nicht  mehr  trübte.  Es  mufs  indessen  wohl 
noch  Chlorwasserstoffsäure  enthalten  haben,  denn  nach  dem 
Glühen  erlitt  es  noch  eine  neue  Gevrichtsverminderung,  wenn 
es  in  einer  Atmosphäre   von  kohlensaurem  Ammoniak  ge- 


109 

glaht  wurde.  Durchs  Glühen  beim  Zutritt  der  Luft  zeigte 
es  einen  Gewichtsverlust  von  8,46  Proc,  mit  kohlensaurem 
Ammoniak  geglüht,  einen  Verlust  von  9,10  Proc 

Das  Hydrat,  welches  man  erhält,  wenn  man  Unterniob- 
säure  mit  saurem  schwefelsaurem  Kali  geschmolzen,  und  die 
geschmolzene  Masse  lange  mit  Wasser  behandelt  hat,  ist  die- 
sem Hydrat  sehr  ähnlich  zusammengesetzt,  nur  giebt  es 
beim  Glühen  keine  Feuererscheinung.  Die  ausgewaschene 
Säure  wurde  lange  mit  Ammoniakflüssigkeit  digerirt,  damit 
gekocht  und  endlich  filtrirt.  Da  sie  milchicht  durchs  Filtrum 
g;ing,  so  wurde  sie  zuletzt  mit  einer  sehr  verdünnten  Lösung 
▼on  Chlorammonium  ausgewaschen.  Nach  dem  Trocknen 
bei  100^  C.  zeigte  sie  folgende  Zusammensetzung: 

I.  Sauerstoff  II.  SaacrstoIT 

Unterniobsäure    91,17       17,99  90,73       17,90 

Wasser  8,83        7,86  9,27        8,25 

100,00  100,00 


UnterDiobsaiires  Kali. 

Das  Hydrat  der  Unterniobsäure,  selbst  wenn  es  aus 
einer  Säure  bereitet  ist,  welche  mit  saurem  schwefekaurem 
Kali  geschmolzen  worden,  löst  sich  nach  dem  Trocknen  in 
einer  Lösung  von  Kalihydrat  vollständig  auf.  Auch  von 
einer  Lösung  des  kohlensauren  Kali's  wird  dasselbe,  doch 
nicht  in  sehr  bedeutender  Menge  gelöst,  wenn  es  mit  der* 
selben  erhitzt  und  gekocht  wird.  Eine  gröfsere  Menge  und 
fast  alles  löst  sich  in  der  Lösung  des  kohlensauren  Kali'a 
auf,  wenn  das  Hydrat  der  Säure  aus  dem  Chloride  berei« 
tet  worden  ist.  EJn  deutliches  Brausen  von  entweidiender 
Kohlensäure  kann  dabei  nicht  bemerkt  werden. 

Schmelzt  man  geglühte  Unterniobsäure  mit  Kalihydrat, 
so  erfolgt  beim  Schmelzen  eine  gänzliche  Lösung.  Wird 
die  geschmolzene  Masse  mit  Wasser  behandelt,  so  löst  sie 
sich  darin  vollständig  auf;  nur  manchmal  bleiben  sehr  ge- 
ringe Mengen  von  Silber  zurück. 


HO 

Durchs  Schmelzen  der  Untemiobs&ure  mit  kohleiiBaarem 
Kali  bei  Rothglühhitze  erh&lt  man  eine  Masae,  die  gewöhn- 
lich sich  gSnzlich  in  Walser  auflöst.  Wenn  eine  zu  geringe 
Hitze  beim  Schmelzen  angewandt  worden  ist,  kann  vielleicht 
eine  sehr  geringe  Menge  der  Unterniobsfture  als  saures  Salz 
ungelöst  bleiben. 

Die  Auflösungen  der  UnterniobsSure  können  in  jeder 
Verdünnung  gekocht  werden,  ohne  dafs  sich  ein  saures  un- 
lösliches Salz  abscheidet.  Man  kann  selbst  die  Lösung  bb 
zur  TrockniCs  abdampfen;  nach  Behandlung  mit  Wasser  er- 
hält man  wiederum  eine  vollständige  Lösung. 

Eis  ist  iQir  nicht  geglückt,  ein  unterniobsaures  Kali  im 
krystallisirten  Zustande  von  einer  bestimmten  Zusammen- 
setzung darzustellen. 

Als  ich  durch  eine  Lösung  von  u  temiobsaurem  Kali  in 
Kalihydrat  Kohlensäuregas  leitete,  erhielt  ich  lange  Zeit 
hindurch  gar  keine  Fällung;  endlich  aber  erfolgte  ein  vo- 
luminöser Niederschlag,  der  aber  beim  Auswaschen  sich 
vollständig  auflöste.  Als  aber  diese  Lösung  mit  der  zuerst 
filtrirten  Lösung  des  kohlensauren  Kalis  sich  vermischte, 
wurde  sie  milchicht,  aber  beim  Erhitzen  wiederum  klar. 
Zu  einem  geringen  Volumen  abgedampft,  setzte  sich  ein  krjr- 
stallisirtes  Salz  ab,  dafs  von  der  Mutterlauge  so  gut  es  an- 
ging getrennt  wurde.  Es  enthielt  sehr  viel  kohlensaures 
Kali,  das  wabrscheiplich  als  Bicarbonat  mit  basisch  unter- 
niobsaurem  Kali  eine  krystallinische  Doppelverbiudung  bil- 
dete. Nach  dem  Trocknen  und  dem  Glühen  bei  schwadier 
Rothglühhitze  löste  es  sich  noch,  obgleich  nicht  ganz  voll- 
ständig in  heifsem  Wasser  auf.  Die  Lösung  mit  SchweCel- 
säure  zersetzt  gab  nach  dem  Abdampfen  durch  Auflösung 
des  dicken  Niederschlags  in  der  concentrirt  gewordenen 
Säure  einen  dicken  Sjrup,  der  durch  Verdünnung  mit 
Wasser  und  Erhitzung  die  ganze  Menge  der  Untemiob- 
säure  absetzte.  Ich  erhielt  nur  17,43  Proc.  UnterniobsSure, 
aber  44,22  Proc.  Kali ;  das  Fehlende  bestand  in  Kohlensäure 
und  in  Wasser.  Der  Glühverlust  des  bei  100^  C.  getrock- 
neten Salzes  betrug  nur  7,46  Proc.    Es  scheint  dieCs  eine 


112 

43,13  und  43,01  Proc.  Untenriobsiure,  so  wie  26,36  and 
24,69  Proc.  Kali  erhalten.  Der  Glühvcrlust  der  bei  IW^  C. 
getrockneten  Verbindung  betrug  27,45  Proc.  und  durch  eine 
besondere  Untersuchung  wurden  16,62  Proc.  Kohlensäure 
in  der  getrockneten  Substanz  gefunden.  Hieraus  geht  her- 
vor»  dafs  dieses  Salz  eine  Verbindung  von  Bicarbonat  von 
Kali  mit  einem  sauren  nnterniobsauren  Kali  ist,  vielleicht 

2(k-|-2C  +  H)  +  (K+2^b+6H),  doch  gehört  eine  vrie- 
derholte  Untersuchung  dazu,  um  diese  Zusammensetzung  zu 
bestätigen.  Jedenfalls  unterscheidet  sich  diese  Verbindoiig 
wesentlich  von  der  vorigen,  dafs  in  dieser  saures,  in  jener 
basisches  untemiobsaures  Kali  enthalten  ist 

Es  wurden  einige  Versuche  angestellt,  um  die  Menge 
der  Kohlensäure,  welche  beim  Schmelzen  der  Untemiob- 
säure  mit  kohlensaurem  Kali  verjagt  wird,  zu  bestimmen. 

I.  3,910  Grm.  kohlensaures  Kali  mit  0,612  6rm.  Un- 
temiobsäure  zusammengeschmolzen,  verloren  0|289  Gnn. 
Kohlensäure. 

IL  Aus  5,370  Grm.  kohlensaurem  Kali  wurden  durch 
0,531  Grm.  Unterniobsäure  0,258  Grm.  Kohlensäure  ausge- 
trieben. A« 

Das  Schmelzen  wurde  durch  ein  Gebläse  bewirkt;  die 
Unterniobsäure  löst  sich  beim  Schmelzen  in  dem  kohlen- 
sauren Alkali  leicht  auf,  und  giebt  eine  vollkommen  klare 
Flüssigkeit,  die  beim  jedesmaligen  Erstarren  ein  starkes 
Spratzen  zeigt,  wie  diefs  auch  beim  Schmelzen  der  Niob- 
säure  mit  kohlensaurem  Kali  stattfindet. 

Im  ersten  Versuch  verhält  sich  der  Sauerstoff  der  ver- 
triebenen Kohlensäure  zu  dem  der  angewandten  Niobsäure 
wie  210:121;   im  zweiten  wie   188:105.     Es  bildet  rieh 

•  >  •  • 

also  wesentlich  3K-H9(b,  oder  das  unterniobsäure  Kali, 
welches  ich  in  Verbindung  mit  Kalibicarbonat  auf  nassem 
V^ege  dargestellt  hatte. 

Unterniobsaures  Natron. 
Von  allen  Salzen  der  drei  Säuren,  der  Tantalsäure,  der 
NiobsSure  und  der  Unterniobsäure  kann  das  unterniobsäure 


113 

Natron  am  besten  krystallisirt  erhalten  werden.  Es  ist 
auch  das  beständigste  von  allen,  und  zeigt  bei  den  ver- 
schiedenen  Bereitungen  dieselbe  Krystallform  und  Zusam- 
mensetxuDg;  man  mag  die  Sfiure  angewendet  haben,  welche 
man  unmittelbar  aus  den  Columbiten  von  Bodenmais  oder 
▼on  Nordamerika  durch  AufschlieCsung  mit  saurem  schwe- 
felsaurem Kali  erhalten  oder  welche  man  aus  dem  Unter- 
niobchlorid  dargestellt  hat. 

Dessen  ungeachtet  ist  die  Darstellung  des  krjstallisirten 
Sahes  in  so  fern  mit  einigen  Schwierigkeiten  verbunden, 
ab  die  UntemiobsSure  mit  Natron  auch  auflösliche  saure 
Salze  bildet,  welche  nicht  so  gut  krjstallisiren,  und  durch 
deren  Einmengen  das  Salz  eine  gleichsam  schleimige  Be- 
scbaffenheit  annimmt  und  der  regelmäCsigen  KrystalUsation 
widersteht 

Man  kann  das  Salz  auf  verschiedene  Weise  darstellen. 
Am  reinsten  und  immer  von  derselben  Beschaffenheit  er- 
halt man  es,  wenn  man  die  Unterniobsäure  oder  ein  sau- 
res nnterniobsaures  Natron  oder  das  Hydrat  der  Stture  im 
Silbertiegel  mit  Natronhydrat  schmelzt.  Man  bekommt  keine 
klare  geschmolzene  Masse,  wie  durchs  Schmelzen  mit  Kali- 
hydrat; es  bildet  sich  ein  unlöslicher  Bodensatz,  der  in 
keinem  Ueberschufs  des  Natronhydrats  löslich  ist.  Die  ge- 
sdimolzene  Masse  wird  mit  Wasser  behandelt,  welches  das 
fiberschfissige  Natronhydrat  auflöst,  in  dessen  Lösung  das 
unterniobsäure  Natron  unauflöslich  ist.  Der  ungelöste  Rück- 
stand löst  sich  aber  vollständig  in  warmem  Wasser  auf;  es 
bleibt  bisweilen  eine  Spur  von  Silberoxyd  ungelöst  zurück. 
Wird  nun  die  filtrirte  Lösung  des  Salzes  mit  der  vorher 
erhaltenen  Lösung  des  Natronhydrats  vermischt,  so  schei- 
det sich  das  Salz  wiederum  ab,  und  zwar  in  Krystallen, 
deren  krystallinische  Structur  man  oft  schon  durch  die 
Lupe  erkennen  kann,  wenn  die  Vermischung  beider  Flüssig- 
keiten mit  vieler  Sorgfalt  geschah,  immer  aber,  auch  wenn 
man  ein  feines  Pulver  erhalten  hat,  durch  das  Mikroskop. 
Man  filtrirt  das  pulverförmige  Salz,  wftscht  es  mit  weni- 
gem kalten  Wasser  ab  und  trocknet  es  an  der  Luft. 

Pogfcndorff*!  Aonal.  Bd.  CXUI.  ^ 


114 

Auf  ahuliche  Weise  erhält  man  das  uoterDiobsaiire  Na- 
tron, wenn  man  das  Hydrat  der  Säure  mit  einer  Lötang 
von  Natronhjdrat  erhitzt.  Es  löst  sich  darin  zwar  nidit 
auf  9  wenn  man  aber  die  überschüssige  Natronlösung  abfil- 
trirt,  so  ist  das  Unlösliche  in  heifsem  Wasser  löslidi,  und 
kann  durch  Abdampfen  bei  gelinder  W&rme  krjstallinisch 
erhalten  werden. 

Man  kann  auch  das  neutrale  untemiobsaure  Natron  er- 
halten, wenn  man  Unterniobsäure  mit  kohlensaurem  Na- 
tron schmelzt.  Wenn  man  aber  bei  dieser  Operation  nidit 
eine  bedeutende  Hitze  anwendet  und  dieselbe  sehr  lange 
einwirken  läfst,  so  dafs  nicht  hinreichend  Kohlensäure  aus- 
getrieben worden  ist,  so  erhält  man  lösliche  saure  Natros- 
salze  der  Unterniobsäure,  welche  beim  Abdampfen  Massm 
von  schleimiger  Beschaffenheit  geben,  welche  die  kryatal- 
linische  Ausscheidung  des  neutralen  Salzes  verhindern.  Man 
mufs  so  lange  schmelzen,  bis  die  geschmolzene  Masse  eine 
vollständig  klare  Flüssigkeit  bildet  und  keine  Blasen  von 
entweichender  Kohlensäure  mehr  zu  bemerken  sind.  Es 
geschieht  diefs  daher  am  besten  und  sichersten,  wenn 
man  die  Unterniobsäure  mit  dem  kohlensauren  Natron  mit 
Hülfe  eines  Gebläses  zusammenschmelzt. 

Wenn  man  bei  nicht  so  hoher  Temperatur  und  nicht 
lange  genug  die  Schmelzung  hat  stattfinden  lassen,  so  er- 
hält man  neben  dem  sauren  Salze  doch  oft  noch  das  neu- 
trale Salz  im  krystallinischen  Zustande,  wenn  man  die  ge- 
schmolzene Masse  mit  Wasser  übergössen  sehr  lange  ste- 
hen läfst  Man  giefst  dann  die  klare  Lösung  ab,  die  nur 
kohlensaures  Natron  und  geringe  Mengen  von  unterniobaau- 
rem  Natron  enthält,  giefst  auf  den  Rückstand  wieder  Wasser, 
erhitzt  und  läfst  wiederum  das  Ganze  sehr  lange  stehen. 
Dann  kann  man  aus  der  klaren  filtrirten  Lösung  durch  Ab- 
dampfen oft  das  neutrale  Salz  im  krystallinischen  Zustande 
erhalten. 

Auf  diese  Weise  kann  man  selbst  unmittelbar  aus  den 
Columbiten  von  Bodenmais  und  von  Nordamerika  durch 
Schmelzen  derselben  im  sehr  fein  gepulverten  Zustande  mit 


115 

kohlensaurem  Natron  das  neutrale  Salz  gev^inuen.  Aber 
diese  Darstellung  hat  ihre  Schwierigkeiten  und  glückt  nicht 
immer  y  wenn  auch  die  gehörige  Hitze  bei  der  Operation 
angewandt  worden  ist.  Ich  werde  später  bei  der  Zerle- 
gQDg  des  Columbits  davon  ausführlicher  reden.  Aber  schon 
Gehlen  hat  1812  auf  diese  Weise  das  untemiobsaure 
Natron  in  krjrstallinischen  Körnern  erhalten  '),  und  ich  selbst 
habe  grofse  Mengen  so  dargestellt.  Es  ist  indessen  schwer, 
das  Salz  nach  dieser  Methode  ganz  frei  von  einem  sehr 
kleinen  Rückhalt  von  Eisen  und  Maugan  zu  erhalten. 

Das  neutrale  untemiobsaure  Natron  kann  mit  verschie- 
denen Mengen  von  Wasser  krystallisiren,  namentlich  mit 
5  ond  7  Atomen  Wasser.  Deshalb  auch  ist  seine  Auflös- 
liebkeit  im  warmen  und  im  kalten  Wasser  bei  verschiede- 
nen Versuchen  verschieden  gefunden  worden.  Ein  Theil 
dea  Salzes  löst  sich  in  75  bis  80  Theilen  Wasser  von 
100<»  C  auf,  aber  auch  oft  erst  in  103  Theilen  von  ko. 
übendem  Wasser.  Vom  Wasser  von  14^  bis  20^  C.  wer- 
den 195  bei  200  Theile  erfordert,  um  einen  Theil  des  Sal- 
zes aufzulösen.  Das  neutrale  untemiobsaure  Natron  ist 
also  im  Wasser  leichter  löslich,  als  das  tantalsaure  und  das 
niobsaure  Natron. 

Die  Analyse  des  Salzes  geschieht  leicht,  indem  man  die 
Lösung  desselben  durch  Schwefelsäure  zersetzt,  damit  er- 
hitzt, und  die  UnterniobsAure  dadurch  abscheidet.  In  der 
filtrirten  Lösung  kann  das  Natron  als  schwefelsaures  Salz 
bestimmt  werden. 

Die  quantitative  Bestimmung  der  Untemiobsaure  kann 
indessen  sehr  gut  auch  durch  salpetersaures  Quecksilber- 
ozydul  ausgeführt  werden,  dessen  Lösung  mau  zu  der  des 
nnteraiobsauren  Natrons  hinzufügt.  Den  Niedersdilag  des 
nnteraiobsanren  Qnecksilberoxyduls  wäscht  man  darauf  mit 
Wasser  aus,  zu  dem  einige  Tropfen  der  Lösung  des  sal- 
petersauren Quecksilberoxydols  hinzugefügt  worden  sind. 
Nach  dem  Trocknen  erhalt  man  durchs  Glühen  die  Unter- 

1)  Schweif ger*i  Joarn.  fiSr  Gheml«  and  Phjtilr,  Bd  6,  S.  2S6. 

8* 


116 

niobsäare.  Aus  der  filtrirten  Flüssigkeit  entfernt  man  durch 
Schwefelwasserstoffgas  das  Quecksilber,  versetzt  sie  mit  et- 
was ScbwefekSure  und  bestimmt  das  Natron  als  schwefel- 
saures Salz. 

Das  neutrale  unterniobsaure  Natron  ist  von  völfig  der- 
selben Beschaffenheit,  wenn  es  aus  der  UntemiobsSnre  dar- 
gestellt worden,  welche  man  unmittelbar  aus  den  Colnm- 
biten  erhalten  hat,  als  wenn  man  es  aus  der  Säure  be- 
reitet hat,  welche  durch  Zersetzung  des  Untemiobchlorids 
gewonnen  worden  ist. 

Die  Resultate  von  Analysen  des  Salzes  aus  einer  Siure^ 
die  unmittelbar  aus  den  Columbiten  erhalten  worden,  und 
das  zu  sehr  verschiedenen  Zeiten  dargestellt  worden  waor, 
sind  folgende: 

I.         Säuerst.  II.        Saoent.         III.      Saoccs^ 

Unterniobsaure  59,80  11,80  61,84  12,20  60,81  12,00 

Natron  15,64  4,01  16,29  4,18  15,66  4,02 
Wasser  (als 

Verlust)          24,56  21,33  21,87  19,44  23,53  20,92 

100,00  100,00  100,00 

Die    Zusammensetzung    des    Salzes    kann    ako    durch 

m  •  •  •  • 

Na+9(b<-f-5H  ausgedrückt  werden,  mit  welcher  Formel 
besonders  die  Zusammensetzung  des  Salzes  III  überein- 
stimmt. Die  Salze  wurden  im  lufttrocknen  Zustande  an- 
gewandt, in  welchem  sie  nicht  immer  vollkommen  dieselben 
Mengen  von  Wasser  enthalten  können. 

Die  Salze  I  und  III  waren  dargestellt  worden,  indem 
das  Hydrat  der  Unterniobsaure  in  einer  Lösung  von  Na- 
tronhydrat gelöst  wurde.  Das  Salz  H  wurde  durchs  Schmel- 
zen der  Säure  mit  Natronhydrat  erhalten. 

Das  Salz,  welches  aus  einer  Säure  dargestellt  worden, 
die  durch  Zersetzung  des  Untemiobchlorids  erhalten  wor- 
den war,  hatte  folgende  Zusammensetzung: 


SaacrsU 

11. 

Sanent 

12,38 

61,53 

12,14 

4,20 

15,35 

3,94 

18,53 

23,12 

20,55 

117 

I. 
Ualerniobsäure  62,75 

Natron  16,40 

Wasser  (als  Verlast)    20,85 

100,00  100,00 

Dieses  Salz  war  darch  Schmelzen  der  UntemiobsSnre 
mit  kohlensaurem  Natron  erhalten  worden.  Auf  diese  Weise 
ist,  wie  ich  schon  oben  bemerkt  habe,  das  neutrale  Salz 
am  schwierigsten  darzustellen. 

Das  neutrale  untemiobsaure  Natron  mit  7  Atomen  Was- 
ser habe  ich  ebenfalls  sowohl  aus  der  Unterniobsfiure  dar- 
gestellt, welche  aus  den  Columbiten  unmittelbar  erhalten, 
als  auch  aus  der,  welche  aus  dem  Chloride  bereitet  wor- 
den war. 

Das  mit  der  Säure  aus  Columbit  dargestellte  Salz  zeigte 
folgende  Zusammensetzung  im  Hundert: 


Saaerttolf 

Unterniobslnre 

56,94 

11,23 

Natron 

14,51 

3,72 

Wasser  (ab  Verlast) 

28,55 

25,38 

100,00. 

*  •  •  •  0 

Die  Zusammensetzung  des  Salzes  ist  also  Na+^b+7H. 

Das  Salz,  welches  aus  der  aus  dem  Unterniobchlorid 

erhaltenen  Säure  bereitet  worden  war,  hatte  folgende  Zu- 

sainmensetzong : 

I. 
Untemiobsaure  54,05 

Natron  14,54 

Wasser  (als  Verlust)  31,41 

100,00  100,00 

Bei  der  Darstellung  der  Salze  zu  diesen  Versuchen  war 
die  Untemiobsaure  mit  Natronhydrat  geschmolzen  worden; 
die  gesdimolzene  Masse  halte  ich  darauf  mit  Wasser  be- 
handelt,  die  Lösung  des  Überschüssigen  Natrons  abfiltrirt, 
das  Salz  aufgelöst,  und  die  Lösung  desselben  mit  der  des 
Natronhydrats  Termischt.   Das  gefällte  neutrale  Salz  wurde 


SanerttofT 

II. 

Saoentoff 

10,66 

54,04 

10,66 

3,73 

14,25 

3,66 

27,92 

31,71 

28,27 

118 

mit  kaltem  Wasser  abgewaschen,  und  dann  so  lange  swi- 
sehen  Fliefspapier  geprefst,  bis  diefs  nicht  mehr  davon 
befeuchtet  wurde,  worauf  es  der  Analyse  unterworfen 
wurde.  Es  enthielt  daher  unstreitig  auCser  dem  Kiystall- 
Wasser  nodi  anhängendes  Wasser 

Wird  das  lufttrockne  untemiobsaure  Natron  einer  Tem- 
peratur von  100^  C.  ausgesetzt,  so  verliert  es  den  gröfs- 
ten  Theil  des  Krystallwassers,  behält  aber  wie  das  tantal- 
saure und  niobsaure  Natron  einen  Theil  hartnäckig  zurück. 
Es  löst  sich  nach  dem  Erhitzen  wiederum  vollständig  in 
Wasser  auf,  wodurch  es  sich  wesentlich  von  dem  tantal* 
sauren  und  auch  von  dem  niobsauren  Natron  unterscheidet 

Wird  darauf  das  bei  100'*  C.  getrocknete  Salz  geglüht, 
80  verwandelt  es  sich  in  ein  saures  Salz  und  in  Natron- 
hjdrat,  welches  letztere  seinen  Wassergehalt  gegen  Koh- 
lensäure umtauscht,  wenn  diese  hinzutreten  kann,  nament- 
lich wenn  das  Glühen  in  einer  Atmosphäre  von  kohlen- 
saurem Ammoniak  geschieht. 

Es  geht  daher  nicht  an,  dafs  man  den  Wassergehalt  des 
neutralen  wasserhaltigen  Salzes  unmittelbar  durchs  Glühen 
durch  den  Verlust  bestimmt;  und  zwar  ebenso  wenig  wie 
bei  dem  tautalsauren  und  niobsauren  Natron. 

Das  Salz  11  mit  5  At.  Wasser  (S.  117)  bis  zu  100''  C. 
erhitzt,  verlor  18,56  Proc.  Wasser  oder  y  vom  ganzen  Was- 
sergehalte. Von  den  fünf  Atomen  Wasser  des  Salzes  blieb 
also  ein  Atom  bei  100^  C.  zurück.  Als  das  getrocknete  Salz 
darauf  geglüht  wurde,  verlor  es  nur  2,54  Proc.,  nahm  aber 
an  Gewicht  zu,  als  das  Glühen  in  einer  Atmosphäre  von  koh- 
lensaurem Ammoniak  fortgesetzt  wurde.  Durch  das  Glühen 
wird  das  -Salz  im  Wasser  unlöslich,  durch  welches  nur  koh- 
lensaures Natron  (oder  Natronhydrat)  ausgezogen  wird. 

Bei  dem  Salze  mit  7  Atomen  Wasser,  welches  aber 
noch  anhängendes  Wasser  enthielt  und  das  zu  den  beiden 
Versuchen  S.  117  angewandt  wurde,  wurden  durch  eine 
Temperatur,  welche  oft  höher  war  als  100°  C,  28,36  Proc 
und  27,94  Proc.  Wasser  ausgetrieben.    Es  ist  daher  mOg- 


lieh,  durch  eine  lange  anhaltende  Temperatur  dem  Salze 
noch  mehr  Wasser  zu  entziehen.  Dennoch  war  das  Salz 
nach  dieser  Erhitzung  noch  ganz  im  Wasser  löslich. 

Basisch  unterniobsaares  Natron. 

Bei  der  Darstellung  des  neutralen  Natronsalzes  erhielt 
ich  einst  ein  basisches  Salz,  welches  folgende  Zusammen- 
setzung zeigte  : 

SiaerstofT 

Unterniobsfture             46,88  9,25 

Natron                          16,02  4,11 

Wasser  (als  Verlust)    37,10  32,98 

100,00. 

Es  ist  diefs  4Na+3Nb+32H  oder  vielmehr  eine  in- 
teressante  Verbindung  von  neutralem  unterniobsaurem  Na- 
tron mit  Natronhydrat  3(Na9ib  +  7R)+Nali\ 

Wird  dieses  Salz  bei  sehr  gelinder  Rothglühhitze  er- 
hitzt, so  verliert  es  34,87  Proc.  Wasser;  wird  aber  die 
Hitze  um  etwas  gesteigert,  und  wendet  man  namentlich  nur 
f(ir  wenige  Augenblicke  das  Gebläse  au,  so  schmilzt  das 
Salz  und  verliert  den  ganzen  Wassergehalt.  Es  treibt  dann 
beim  Schmelzen  die  Uuterniobsäure  alles  Wasser  aus  dem 
Natronhydrat,  was  nicht  der  Fall  ist,  wenn  das  neutrale 
Salz  dem  starken  Rothglühen  ausgesetzt  wird,  da  dasselbe 
bei  dieser  Temperatur  nicht  schmilzt. 

Wird  das  nur  schwach  geglühte  Salz  mit  Wasser  ge- 
kocht, so  erhält  man  neben  einem  starken  unlöslichen  Rück- 
stand eine  trübe  Lösung,  welche  aber  durch  Zusatz  einer 
geringen  Menge  einer  verdünnten  Lösung  von  kohlensau- 
rem Ammoniak  klar  wird. .  Die  Menge  des  gewaschenen 
Rückstandes  beträgt  52,05  Proc  vom  ungeglühten  Salze.  Das 
Gelöste  besteht  in  kohlensaurem  Natron  und  enthäU 
13,15  Proc.  davon  oder  7,71  Proc  Natron.  Der  unlösliche 
Rückstand  wurde  durch  Schmelzen  mit  saurem  schwefel- 
saurem Ammoniak  zerlegt  Er  bestand  aus  44,48  Proc  Un- 
temiobsäure  und  aus  8,12  Proc  Natron.   Durch  diese  Ana- 


120 

lyse  ergiebt  sich»  daCs  das  ungeglühte  Salz  15,83  Proc  Na- 
tron gegen  44,48  Proc  Unterniobsäure  enthalten  mats,  wor- 
aus folgt,  dafs  es  noch  etwas  wasserhaltiger  war,  ak  das 
zur  ersten  Analyse  angewandte. 

Nehmen  wir  an,  daCs  durchs  gelinde  Rothglühen  ans 
dem  Salze  der  gröfste  Theil  des  Wassers  entfernt,  und  dab 
die  Hälfte  des  Natrongehalts  in  demselben  dadurch  in  Na- 
tronhjdrat  (oder  in  kohlensaures  Natron)  verwandelt  wor- 
den  sey,    so   hat    sich    das    Salz   in    ein    saures   unlösli- 

ches  unterniobsaures  Natron  2  Na +3  91b  und  in  2  Atome 
Natronhydrat  verwandelt«  Diefs  ist  indessen  nicht  ganz 
vollständig  geschehen.  Es  ist  etwas  weniger  Natronhydrat 
erzeugt  worden,  und  das  unlösliche  saure  unterniobsäure 
Natron  zeigte  bei  der  Analyse  einen  etwas  gröfseren  Na- 
trongehalt. Wäre  die  Zersetzung  durch  gelindes  Rothglfi- 
hen  so  erfolgt,  wie  es  angegeben  worden,  so  mülste  sich 
der  Sauerstoff  des  Natrons  zu  dem  der  Unterniobsäure  wie 
2:9  verhalten;  nach  der  Analyse  aber  verhält  es  sich  wie 
2 : 8,44. 

Das  Natronhydrat  scheint  gegen  das  neutrale  untemiob» 
saure  Natron  eine  Verwandtschaft  zu  zeigen,  welche  erst 
durch  vieles  Wasser  aufgehoben  werden  kann.  Wenn  man 
daher  die  Lösung  des  neutralen  Salzes  durch  eine  Lösung 
von  Natronhydrat  fällt,  so  fällt  zugleich  mit  dem  Salze  Na- 
tronhydrat, von  dem  noch  etwas  bei  dem  Salze  bleibt,  wenn 
es  mit  nicht  zu  vielem  Wasser  ausgewaschen  wird.  Ein 
solches  durch  Natronhydrat  gefälltes  Salz,  das  auf  dem 
Filtrum  mit  kaltem  Wasser  ausgewaschen  worden,  und  so- 
dann durch  Pressen  zwischen  Löschpapier  getrocknet  wor- 
den war,  verlor  bis  zu  100^  C.  erhitzt  30,23  Proc,  und 
durchs  Glühen  32,78  Proc.  Wasser.  Es  hatte  folgende  Zu- 
sammensetzung: 


Sauerstofl 

Unterniobsäure 

51.57 

10,17 

Natron 

14,18 

3,64 

Wasser  (als  Verlust) 

34,25 

30,44 

100,00. 


122 

dero  wurde  die  Uoterniobsttare  vermiUelst  salpelenauren 
Quecksilberoxjduk  gefällt  (II). 


L 

Saaerttoff 

IL 

SaatntoS 

,  CJoterniobsäare 

58,88 

11,62 

59,20 

11,68 

NatroD 

12,33 

3,16 

13,11 

3^ 

Wasser 

27,66 

24,59 

27,69 

24,61 

98,87  100,00 

Die  Natron -BestimmoDg  ist  wohl  bei  der  zweiten 
riebtigere.  Bei  der  ersten  Analyse  wurde  der  Wasserge- 
halt durchs  Glühen  bestimmt.  Durchs  Trocknen  bei  100®  G. 
▼erlor  das  Salz  22,93  Proc.  Wasser  und  durchs  Glühen 
dann  noch  4,73  Proc.  Durch  den  Glfihverlust  kann  man 
bei  den  sauren  Salzen  den  Wassergehalt  wohl  richtig  be- 
stimmen, weil  bei  ihnen  durchs  Glühen  kein  Natronhjdrat 
entsteht;  auch  stimmt  damit  der  Verlust  bei  der  zweiten 
Analyse,  der  als  Wasser  angegeben  ist,  überein. 

Das  Verhältnifs  des  Sauerstoffs  im  Natron  und  in  der  Un- 
terniobsäure  ist  in  den  beiden  Analysen  nur  1 :  3,73  und 
1 : 3,5.  Es  deutet  diefs  auf  kein  Salz  des  Natrons  mit  der 
UntemiobsSure  nach  einem  einfachen  bestimmten  VerhSlt- 
nisse,  wenn  man  es  nicht  allenfalls  als  eine  Verbindung 

von.9Na»bH'+NbH    und    als    6Na»bH'+NbH    be- 
trachten will. 

Ein  krystallinisches  Salz,  das  auf  ähnliche  Weise  aus  der 
Unterniobsäure,  welche  unmittelbar  aus  den  Columbiten 
erhalten  worden  war,  dargestellt  worden  war,  zeigte  bei 
der  Untersuchung  folgende  Zusammensetzung: 

SauerstofT 


UntemiobsSure 

58,55 

11,55 

Natron 

10,65 

2,73 

Wasser 

30,80 

27,38 

100,00. 

Auch  in  dieser  Verbindung  ist  kein  sehr  einfaches  Ver- 
hältnifs zwischen  dem  Natron  und  der  Unterniobsäure,  wenn 

man  sie  nicht  für  12Na9(bH^4-5NbII  ansehen  will,  mit  wel- 
cher Zusammensetztung  der  Wassergehalt  nicht  in  Ueber- 


123 
eimtimmiiiig  xa  bringen  ist,   wenn  man  nicht  in  der  Ver- 

•  •  •  • 

bioduDg  das  Untemiobsäarehydrat  3H+9(b  annehmen 
will 

Ein  drittes  sanres  untemiobsaorefl  Natron  wurde  er- 
halten, als  eine  UnterniobsAure,  welche  unmittelbar  ans  dem 
Columbit  durch  Schmelzen  mit  saurem  schwefelsaurem  Am- 
moniak erhalten  worden  war,  mit  kohlensaurem  Natron  zu- 
ümmen  geschmelzt,  und  die  erhaltene  Masse  wie  gewöhn- 
lich mit  Wasser  behandelt  wurde.  Es  schied  sich  dadurch 
ein  Rfickstand  von  schleimiger  Beschaffenheit  ab,  der  sich 
aber  nach  der  Trennung  von  der  LOsung  des  kohlensauren 
Natrons  Tollstttndig  im  Wasser  löste.  Die  Lösung  wurde 
bis  auf  ein  geringes  Volumen  abgedampft,  das  sich  dabei  aus- 
sdieidende  Salz  abfiltrirt,  mit  kaltem  Wasser  abgewaschen, 
und  dann  zwischen  Fliefspapier  so  lange  gepreCst,  bis  dieses 
nicht  mehr  befeuchtet  wurde. 

Das  so  behandelte  Salz  löste  sich  vollständig  im  Wasser 
ao£  Wurde  es  aber  bei  100^  C.  getrocknet,  und  dann 
mit  Wasser  behandelt,  so  war  die  Auflösung  keine  voll- 
standige;  es  blieb  dann  ein  sehr  geringer  Rückstand,  der 
sich  auch  durchs  Erhitzen  nicht  löste. 

Da  das  erhaltene  Salz  nach  einem  einfachen  bestimmten 
Verhältniis  zusammengesetzt  zu  sejn  schien,  so  wurde  es 
mehrfachen  Untersuchungen  unterworfen. 

Bis  zu  100^  C.  erhitzt,  verlor  es  in  zwei  verschiedenen 
Versuchen  25,73  und  26,37  Proc  Wasser.  Wurde  es  dar- 
auf geglüht,  so  verlor  es  noch  5,86  Proc  Wasser. 

Es  wurden  von  dem  Salze  drei  Analysen  angestellt.  Bei 
der  ersten  wurde  das  Salz  erst  bei  100^  C.  erhitzt,  und 
dann  geglüht,  um  den  Wassergehalt  zu  bestimmen.  Dieb 
konnte  dadurch  mit  Genauigkeit  geschehen,  weil  in  dem 
sauren  Salze  kein  Natronhydrat  beim  Glühen  sich  bildet, 
und  daher  alles  Wasser  vollständig  ausgetrieben  wird.  Das 
geglühte  Salz  wurde  dann  durch  Schmelzen  mit  saurem 
schwefelsaurem  Ammoniak  zersetzt. 

Bei  der  zweiten  Analyse  wurde  das  bis  zu  100°  C  er- 
hitzte Salz,  das  sich  nicht  mehr  ganz  vollständig  im  Wasser 


124 

löste,  io  der  Siedhitze  durch  coDcentrirte  SchwefelsSare  xer- 
setzt 

Da  das  Salz  vor  dem  Erhitzen  bei  100^  C.  volktflodig 
im  Wasser  löslich  ist,  so  koQote  bei  der  dritten  Analyse 
aas  der  wSsserigeu  Lösung  die  Untemiobsäare  darch  sal- 
petersaares  Qaecksilberoxydal  geteilt  werden. 

Die  Resultate  der  Analysen  stimmen  nicht  ganz  voll- 
kommen  überein.  Der  Grund  davon  liegt  theils  wohl  in 
den  Schwierigkeiten  der  Untersuchung,  theils  aber  ist  wohl 
das  nur  geprefste  Salz  nicht  immer  von  ganz  gleicher  Zu- 
sammensetzung gewesen. 


I. 

S«aent. 

II. 

Säuerst. 

m. 

StmmiL 

Untemiobsäare  58,80 

11, 6U 

58,65 

11,57 

59,08 

11.66 

Natron               10,06 

2,58 

11,14 

2,86 

10,82 

2,78 

Wasser              31.59 

28,02 

30,21 

26,85 

30,10 

26.75 

100,45  100,00  100,00 

In  der  ersten  Analyse  verhält  sich  der  Sauerstoff  des 
Matrons  zu  dem  der  Unterniobsäure  wie  1 : 4,5.  In  den 
andern  beiden  Analysen  ist  dicfs  nicht  so  der  Fall,  und 
es  ist  etwas  mehr  Natron  vorhanden.  Nehmen  wir  das 
Resultat  der  ersten  Untersuchung  als  das  richtige  an,  so 
ist  das  Verhältnils  des  Natrons  zur  Säure  ein  ziemlich  ein- 

•  •  •  •  

faches  2Na  +  3P(b.  Der  Wassergehalt  ist  indessen  ein  etwas 
ungewöhnlicher.  Besteht  die  Verbindung  aus  neutralem  un- 
temiobsaurem  Natron  und  aus  Niobsäurehydrat,  so  mübten 
im  ersteren  7  Atome  Wasser  angenommen  werden,  und 
das   Niobsäurehydrat   müfste   8  Atome   Wasser   enthalten 

2(NaÄbH^)-|-Sb  +  8H. 

Da  das  neutrale  unterniobsäure  Natron  stärker  erhitzt  wer> 
den  kann,  als  das  tantalsaure  und  das  niobsaure  Natron,  ohne 
seine  Löslichkeit  im  Wasser  zu  verlieren,  so  sind  viele  Un- 
tersuchungen angestellt  worden,  am  die  Verbindung'en  so 
untersuchen,  die  durch  Wasser  aus  dem  unterniobsauren 
Natron  ausgezogen  werden,  das  vorher  bis  zu  einer  ge- 
wissen Temperatur  erhitzt  worden  war. 

Ich  habe  schon  angeführt,  dafs  wenn  das  unterniobsäure 
Natron  bis  zu  100®  C.  erhitzt  worden,  es  sich  noch  toD- 


125 

stiodig  im  Wasser  löst.  Wird  es  bis  zu  160^  C.  erhitxt, 
und  dann  mit  Wasser  behandelt,  so  bleibt  nur  eine  aufser- 
ordentlich  geringe  Menge  eines  unlöslichen  Rückstandes. 
Nach  einer  Erhitzung  bis  ISO""  bis  200<'  C.  ist  auch  noch 
der  gröCste  Theil  des  Salzes  im  heifsen  Wasser  auflöslich, 
und  selbst  nach  der  Erhitzung  bei  einer  Temperatur  von 
300^  C.  löst  sich  noch  etwas  saures  unterniobsaures  Natron 
aii(  obgleich  der  allergröfste  Theil  davon  ungelöst  zurück- 
bleibt Aus  dem  geglühten  Salze  indessen  löst  sich  nur 
Natronhydrat  oder  kohlensaures  Natron  auf. 

Eis  wurde  eine  gröbere  Menge  des  unterniobsauren  Na- 
trons bis  zu  einer  Temperatur  von  180^  C.  während  12 
Standen  erhitzt.  Das  erhitzte  Salz  wurde  darauf  dreimal 
mit  Wasser  ausgekocht  und  jedesmal  dazu  ungefähr  150 
Grm.  Wasser  verwendet. 

Erster  Auszug.  —  Nach  dem  ersten  Auskochen  mit  Wasser 
kUrte  sich  die  Flüssigkeit  nach  kurzer  Zeit,  so  dafs  sie  bald 
filtrirt  werden  konnte.  Sie  lief  vollständig  klar  durchs  Fil- 
tmm.  Die  filtrirte  Flüssigkeit  ¥mrde  bis  zu  einem  geringen 
Volumen  eingedampft.  Das  nach  dem  Erkalten  ausgeschie- 
dene Salz  wurde  mit  etwas  kaltem  Wasser  ausgewaschen. 
Die  Menge  desselben  war  nicht  bedeutend;  es  war  aber 
frei  von  Kohlensäure. 

Das  lufttrockene  Salz  verlor  durch  Trocknen  bei  100°  C* 
18,13  Proc.  Wasser. 

Durchs  Glühen  in  einer  Atmosphäre  von  kohlensaurem 
Ammoniak  erlitt  das  getrocknete  Salz  einen  Gewichtsver- 
lust von  5,75  Proc.  Mit  heifsem  Wasser  behandet,  wurde 
aus  der  geglühten  Verbindung  etwas  kohlensaures  Natron 
ausgezogen.  Die  Zersetzung  des  Salzes  gesdiah  durchs 
Schmelzen  mit  saurem  schwefelsaurem  Ammoniak.  Das 
Resultat  der  Untersuchung  des  bei  100°  C  getrockneten 
Salzes  war  folgendes: 

Saaentoff 

Unterniobsäure             77,34  15,26 

Natron                          16,25  4,17 

Wasser  (als  Verlust)     6,41  5,70 

100,00. 


Sauerstofi* 

Uoterniobsäure 

72,54 

14,31 

Natron 

18,68 

4,82 

Wasser 

ß.78 

7,80 

100,00. 

Das  Salz  ist  also  neutrales  unterniobsaures  Natron.  Es 
geht  hieraus  hervor,  dafs,  wenn  das  unteruiobsaure  Natron 
nach  einem  Erhitzen  über  100^  C.  sehr  lange  Zeit  mit 
Wasser  in  Berührung  gewesen  ist,  dieses  endlich  neu- 
trales Salz  aus  demselben  auszieht.  Dasselbe  scheint  aadi 
der  Fall  zu  sejn,  wenn  Unterniobsäure  mit  kohlensaurem 
Natron  bei  Rothglühhitze  geschmolzen,  sodann  durch  Wasser 
der  gröfste  Theil   des  kohlensauren   Natrons  aus  der  ge- 


126 

Das  Salz  ist  also  ein  saures  ontemiobsanres  Natron, 
und  es  sind  9  Atome  Natron  gegen  II  Atome  Untemiob- 
sfture  in  demselben  enthalten.  Man  kann  es  als  eine  Verbin- 
dung von  9NaNbll+2li]^b  betrachten. 

Zweiter  Auszug.  —  Das  beim  ersten  Auszuge  UngelMe 
wurde  wiederum  längere  Zeit  mit  ungefthr  150  Grm.  Wasser 
gekocht.  Das  Ungelöste  setzte  sich  jetzt  bei  weitem  lang- 
samer ab,  als  beim  ersten  Auszuge,  und  erst  nach  zwei  Ta- 
gen liefs  sich  die  Flüssigkeit  vollkommen  klar  filtriren.  Die 
61trirte  Flüssigkeit  wurde  bis  zur  Krjstallisation  abgedampft,  I 
und  die  sich  ausgeschiedene  kr jstallinische  Masse'  mit  etwas 
kaltem  Wasser  abgewaschen.  Die  Menge  des  erhaltenen 
Salzes  war  bei  weitem  beträchtlicher  als  die  vom  ersten  Aas- 
zuge.   Das  Salz  war  frei  von  kohlensaurem  Natron 

Das  Salz  verlor  bei  100«  C.  33,26  Proc;  bei  200»  C. 
36,12  Proc:  bei  250''  C.  36,33  Proc.  und  bei  300<'  C.  37,00 
Proc;  beim  Glühen  darauf  37,35  Proc  am  Gewicht  Als 
das  Salz  mit  kohlensaurem  Ammoniak  geglüht,  und  dann 
mit  Wasser  behandelt  wurde,  löste  dieses  kohlensaures  Na- 
tron auf,  das  mit  Chlorwasserstoffsäure  behandelt  eine  sehr 
geringe  Menge  von  Unterniobsäure  absetzte.  Die  Zusam- 
mensetzung des  bei  100"  C.  getrockneten  Salzes  war  im 
Hundert: 


127 

schmoheneD  Masse  ausgezogen  wird,  und  der  Rückstand 
sehr  lange  Zeit  mit  Wasser  in  Berührung  bleibt 

Das  bei  100^  C.  getrocknete  Salz  enthielt  mehr  als  ein 
Atom  Wasser«  Unstreitig  war  es  wohl  nicht  lange  genug 
jener  Temperatur  ausgesetzt  gewesen. 

Die  unlösliche  Verbindung,  welche  bei  der  Behandlung 
des  in  einer  Atmosphlire  von  kohlensaurem  Ammoniak  ge- 
glühten Salzes  mit  Wasser  zurückblieb ,  bestand  nach  der 
Untersuchung  im  Hundert  aus: 

Saoerstoff 

Untemiobsäure    81,20      16,02 
Natron  17,60        4,51 

98,80. 

Es  ist  diefs  ein  saures  Salz,  dessen  empirische  Zusam- 

menselzung  durch  6  Na -f- 7  Kb  ausgedrückt  werden  kann. 

Die  Analyse  des  bei  100^  C.  getrockneten  Salzes,  das 
nach  dem  Trocknen  vollständig  im  Wasser  auflöslich  war, 
Termittelst  einer  Lösung  von  salpetersaurem  Quecksilber- 
oxydul gab  folgendes  Resultat: 

Saacrstoff 


Uaterniobsäure 

72,27 

14,36 

NatroB 

19,12 

4,91 

Wasser 

8,60 

7,65 

100,00. 

Ich  will  hier  noch  bemerken,  dafs  das  bei  100^  C.  ge- 
trocknete Salz  auch  noch  durch  Glöhen  vermittelst  Chlor- 
ammoniums zerlegt  wurde.  Diese  Art  der  Analyse  glückt 
indessen  nicht  vollständig;  ist  nfimlich  bei  dem  Erhitzen 
mit  Salmiak  ein  Theil  des  Salzes  unzersetzt  geblieben,  so 
wird  derselbe  nach  dem  Glühen  durch  ein  erneutes  Glühen 
mit  Salmiak  schwer  zersetzt.  Wenn  daher  das  Geglühte 
mit  Wasser  behandelt  wird,  so  kann  man  nicht  sicher  seyn, 
dafis  die  ungelöst  bleibende  Untemiobsäure  nicht  noch  etwas 
Natron  enthalte.  Sie  mufs  daher  mit  saurem  schwefelsaurem 
Ammoniak  zusammengeschmolzen  werden ,  wodurch  die  Un* 
tersQchnng  erschwert  wird. 


I 


128 

Dritter  Aut%ug.  —  Der  nach  dem  zweiten  Annog  mit 
Wasser  zurflckgebliebene  Rückstand  wurde  zum  dritten 
Male  mit  Wasser  ausgekocht.  Jetzt  aber  setzte  sich  das 
Ungelöste  nicht  mehr  ab,  sondern  es  bildete  mit  der  FlOa- 
sigkeit  eine  Milch,  die  selbst  nach  einem  Stehen  von  4  bis 
5  Wochen  keine  vollständig  klare  Flüssigkeit  gab  und  sidi 
nur  mühsam  fillriren  liefs.  Die  filtrirte  Flüssigkeit  wurde 
daher  mit  Alkohol  versetzt,  wodurch  ein  volumiDÖser  Nie- 
derschlag entstand,  der  nach  dem  Filtriren  mit  Alkohol  aofr- 
gewaschen  wurde.  In  der  getrennten  Flüssigkeit  war  keine 
Unterniobsäure  mehr  enthalten. 

Die  Untersuchung  der  erhaltenen  Verbindung  konnte 
kein  reines  Resultat  geben,  denn  sie  war  eine  Menguog  tod 
dem  im  Wasser  aufgelösten  Salze  und  dem  darin  Sos- 
pcndirten,  welche  gemeinschaftlich  durch  Alkohol  gefUlt 
worden  waren.  Es  war  daher  auch  eine  saure  Verbindongi 
Wurde  dieselbe  bei  100°  C.  getrocknet,  und  dann  geglQlity 
zuletzt  in  einer  Atmosphäre  von  kohlensaurem  Ammoniak» 
so  konnte  Wasser  aus  dem  Geglühten  kein  kohlensaures 
Natron  ausziehen,  wie  überhaupt  nicht  bei  den  sauren  Ver- 
bindungen der  unterniobsauren  Alkalien.  Der  Glühverluat, 
der  6,32  Proc  betrug,  zeigte  daher  die  richtige  Menge  des 
Wassers  an.     Die  Analyse  ergab  folgendes  Resultat: 

SaaerstofT 

Unterniobsäure     77,54  15,30 

Natron                  15,80  4,05 

Wasser                  6,32  5,62 

99,66. 

Die  Verbindung  hat  merkwürdiger  Weise  die  Znsam- 
mensetzung des  Salzes  vom  ersten  Auszuge,   nämlich  die: 

9Na  +  llP4'b  +  llH,    und  kann    wie  diefs   als  9NaWbH 

.  •  •  • 

-|-2H^b  angesehen  werden. 

Hätte  das  Suspendirte  von  dem  wirklich  im  Wasaer 
Aufgelösten  getrennt  werden  können,  so  würde  sich  wahr- 
scheinlich gezeigt  haben,  dafs  dieses  aus  neutralem  Salze 
besteht. 


I 


129 

Wob  maD  durch  die  LOeong  des  kr^slnlliiirteD  uDt«"- 
nobmoren  Natrons  in  Wuser  von  gewohnlicher  Tempe- 
ntor  einen  Strom  von  ffbAlentäure^ox  leitet,  so  erhllt  man 
in  langer  Zeit  keine  Fällung.  Erat  nach  drei  Tagen  ent- 
MmkI  eine  geriiig;e  Trflbong  die  durch  achttägiges  Hindnreh- 
Mlen  des  Gases  nnr  wenig  sidi  vermehrte.  Nachdem  das 
Gas  wShrend  13  Tage  dorch  die  Losung  gestrOmt  hatte, 
hatte  sidi  scheinbar  noch  kein  bedeutender  Niederschlag 
geWMeL  Als  das  Ganze  8  Tage  hindurch  gestanden  hatte, 
fing  der  Niederschlag  an  sich  abzusondern,  und  die  dar- 
über stehende  Flfissigkeit  wurde  klar.  Die  Fallung  war 
wm  so  ToInminOaer  Beschaffenheit,  dafo  sie,  in  der  Flfissig- 
keit vertheill,  darin  sehr  lange  euspendirt  blieb,  und  der- 
selben ein  gelatinflaes  Ansehen  mittheille.  Auch  nach  dem 
Filtriren  und  Auswaschen  behielt  sie  diese  gelatinöse  Be- 
idiaffenheit.  Das  Auswaschen  geschah  mit  Wasser  von  ge- 
wöhnlicher Temperatur. 

Die  vom  Niederschlag  abfiltrirte  Flüssigkeit  enthielt  keine 
Dnteraiobsiore,  und  wurde  durch  Schwefelsäure  nicht  ge- 
trObL  Die  Kohlensaure  hatte  die  Unteruiobsäure  daher 
vollstlndig  aus  der  Losung  des  Natronsalzes  gefHUt.  Durchs 
Aoswäscben  laste  sich  nur  eine  sehr  unbedeutende  Menge 
des  Niederschlags  auf. 

Wegen  der  gelatinösen  Beschaffenheit  des  Niederschlags 
trocknete  er  nur  aufscrordentlicb  langsam,  und  behielt  lange 
seine  Durchsdteinheit  bei.  Bei  100°  getrocknet  Ähnelte  er 
ectrocknelem  Eiweifs. 

1,072  Gnn.  des  bei  100"  getrockneten  Niederschlags 
hioterliefsen  nach  dem  GlDben  einen  Bfickstand  von  0,983 
Gm.  Beim  ersten  Erhitzen  decrepitirte  die  Substanz  an- 
(serordenllich  stark.  Beim  GIflhen  konnte  keine  Lichter- 
scfaeinang  bemerkt  werden. 

Mit  saurem  schwefelsaurem  Kali  geschmolzen  wurden 
aus  der  geglühten  Verbindung  0,928  Gnn.  Unteroiobsaure 
erbalten. 

Die  Zusammensetzung  des  sauren  untemiobsanreo  Na- 
PofceDdorfPi  Anul.  Bd.  CXIII.  9 


130 

tronsy  das  aas  der  LösoDg  des  neutralen  Salzes  durch  Kob- 
lensäuregas  gefttllt  wurde,  ist  daher: 


Sauerstoff 

UuterniobsSure 

86,57 

17,07 

Natron 

5,13 

1,31 

Wasser 

8,30 

7,38 

100,00. 

Die  Verbindung  ist  wohl  Na-h4Äb+6H;  sie  entbiU 
nach  der  Untersuchung  etwas  mehr  Untemiobsäure,  als 
nach  dieser  Formel  erfordert  wird. 

Die  Lösung  der  Uuterniobsäure  in  Alkalien  verhSlt  sich 
gegen  Kohlensäure  ähnlich  der  alkalischen  Lösung  der  Kkh 
selsSure,  aus  welcher  die  Kieselsäure  durch  Kohlenaäore 
eben  so  langsam  abgeschieden  wird. 

Wenn  man  Untcrniobsäure  mit  kohlensaurem  Natron 
schmelzt,  und  die  Menge  der  verjagten  Kohlensäure  be- 
stimmt, so  ergiebt  sich,  dafs  wie  bei  der  Tantalsäure  und 
bei  der  NiobsSure  ein  sehr  basisches  Salz  entstanden  ist. 
Aber  bei  der  Behandlung  der  geschmolzenen  Masse  mit  Was- 
ser, löst  sich  neutrales  Salz  neben  Natronhydrat  und  über- 
schüssigem kohlensaurem  Natron  auf. 

Bei  diesen  Schmelzungen  wurde,  wie-  ich  diefs  bei  ähn- 
lichen Versuchen  immer  gethan  habe,  zuerst  in  einem  ta- 
rirten  Platintiegel  kohlensaures  Natron  geschmolzen,  sodann 
gewogen,  dann  die  Untcrniobsäure  darauf  geschüttet,  das 
Ganze  wiederum  gewogen,  und  nun  dasselbe  so  lange  zd- 
snmmengeschmolzcn,  bis  bei  erneuten  Wägungen  kein  Ge- 
wichtsverlust mehr  stattfand. 

Bei  allen  diesen  Versuchen  findet  eine  Ungenauigkeil 
statt,  worauf  ich  erst  später  aufmerksam  wurde.  Erhitzt 
man  nämlich  nach  dem  Abwägen  des  kohlensauren  Natrons 
und  der  metallischen  Säure  das  Ganze  sehr  wenig,  dafs  es 
sehr  schwach  glüht,  und  nicht  zum  Schmelzen  gebracht  wird, 
so  bemerkt  man  sonderbarer  Weise  eine  Gewichtszunahme, 
wenn  auch  nur  eine  geringe. 

Der  Grund  dieser  Erscheinung  ist  offenbar  der,  dafs  das 


131 

kohlensaare  Natron  durchs  Schmelzen  eine  sehr  geringe 
Menge  von  Kohlensfture  verliert').  Wird  es  dann  mit  der 
Säure  schwach  geglüht,  so  wird  diese  geringe  Menge  wieder 
aufgenommen,  wodurch  das  Gewicht  des  Ganzen  sich  ver- 
mehrt, und  ein  Gewichtsverlust,  und  sogleich  ein  bedeu- 
tender, tritt  erst  ein,  wenn  das  Ganze  bis  zum  anfangen- 
den Schmelzen  gebracht  worden  ist. 

Es  ist  daher  zweckmtifisig,  diese  Versuche  so  einzurichten, 
dafis  man, nachdem  man  die  metallische  Sfture  auf  das  koh- 
lensaure Natron  geschüttet  hat,  so  lauge  schwach  eriiitzt, 
als  noch  eine  kleine  Gewichtsvermehrung  bemerkt  wird, 
ond  von  dem  nun  erhaltenen  Gewichte  dann  das  nach 
dem  mehrmaligen  Schmelzen  verminderte  Gewicht  der  Masse 
abzieht  Wenn  übrigens  das  kohlensaure  Natron  bei  mög- 
lichst geringer  Hitze  geschmolzen  worden,  so  verliert  es 
oicbt  wahrnehmbar  Kohlensfture. 

Aach  beim  Schmelzen  der  Unterniobsäure  mit  kohlen- 
saurem-  Natron  bemerkt  man,  dafs  das  Gewicht  der  ge- 
schmolzenen Masse  nur  dann  erst  constant  wird,  wenn  die- 
selbe eine  klare  Flüssigkeit  bildet  und  keine  Blasen 
mehr  emporsteigen.  Im  Anfange  des  Scbmelzens  sieht 
man  deutlich  im  geschmolzenen  kohlensauren  Natron  eine 
ungelöste  Masse,  die  sich  durch  wiederholtes  Schmelzen 
vermindert  und  endlich  ganz  verschwindet.  Man  mufs 
bei  wiederholten  Schmelzungen  das  Geschmolzene  rasch 
abkühlen,  weil  während  des  langsamen  Erkaltens  Koh- 
lensäure wiederum  aufgenommen  werden  kann. 

Die  meisten  Schmelzungen  der  Unterniobsäure  mit  dem 
kohlensauren  Natron  wurden  ohne  Anwendung  des  Ge- 
bläses angestellt  Die  Unterniobsäure  schmilzt  leichter  mit 
dem  kohlensauren  Natron  znsanunen,  als  die  Tantalsäure 
und  die  Niobsäure. 

I.  2,0585  Grm.  kohlensaures  Natron  mit  0,4675  Gnn. 
Unterniobsäure  zusammengeschmolzen  veranlafsten  eine  Ent- 

1)  Pogg.  Ann.  Bd.  86,  S.  114. 


132 

wicklang  tod  0,216  Grm.  KoblensSiire.  Da  aber  das  ge- 
meinschaftliche Gewicht  des  kohlensauren  Natrons  und  der 
UntemiobsSnre  iin  Anfange  der  Erhitsong  um  0,007  Grm. 
zunahm,  so  war  die  Menge  der  entwichenen  KohleosSure 
wohl  0,223  Grm. 

II.  Aus  4,742  Grm.  kohlensaurem  Natron  veijagteo 
0,930  Grm.  Unterniobsäure  0,452  Grm.  KohlensSure,  wei- 
die  Zahl  indessen  zu  0,460  Grm.  erhöht  werden  muCs,  da 
das  Gewicht  der  Masse  sich  um  0,008  Grm.  beim  Ejrhitzen 
vermehrte. 

III.  3,695  Grm.  kohlensaures  Natron  und  0,565  Grm. 
Unterniobsäure  wogen  nach  einem  oftmaligen  Sdmelzen 
4,176  Grm.  Die  Menge  der  entwichenen  Kohlensäure  war 
indessen  nicht  0,284  Grm.  sondern  0,290  Grm. 

IV.  4,013  Grm.  kohlensaures  Natron  und  0,743  Grm. 
Unterniobsäure  wogen  nach  dem  Schmelzen  4,382  Grm. 
Das  kohlensaure  Natron  war  zuerst  bei  möglichst  gelinder 
Hitze  geschmolzen  worden  und  defshalb  fand  bei  geringer 
Erhitzung  mit  der  Säure  keine  Gewichtsvermehrung  statt. 

V.  Aus  5,252  Grm.  kohlensaurem  Natron  wurden  durch 
0,656  Grm.  Unterniobsäure  0,342  Grm.  Kohlensäure  auage- 
trieben.  Bei  diesem  Versuche  war  ein  Gebläse  angewandt 
worden,  wodurch  er  in  kurzer  Zeit  vollendet  war. 

VI.  Durch  0,885  Grm.  Unterniobsäure  wurden  ans 
7,720  Grm.  kohlensaurem  Natron  0,342  Grm.  Kohlensäure 
verjagt.  Auch  hierbei  wurde  das  Gebläse  zu  Hülfe  ge- 
nommen. 

VIL  3,500  Grm.  kohlensaures  Natron  und  0,271  Grm. 
Unterniobsäure  wogen  nach  oftmaligem  Schmelzen  3,634GmL 

VIIL  0,464  Grm.  Unterniobsäure  und  5,737  Grm.  koh- 
lensaures Natron  wogen  nach  Austreibung  der  Kohlensäure 
5,973  Grm. 

IX.  2,976  Grm.  kohlensaures  Natron  und  0,370  Grm.  Un- 
terniobsäure wogen  3,164  Grm.  nach  oftmaligem  Schmelzen. 

In  diesen  Versuchen  wurde  nur  bei  dem  Versuch  VI 
eine  Unterniobsäure  angewandt,  welche  unmittelbar  aus  den 


133 

Columbiteu  durch  Schmelzen  mit  saurem  schwefelsaurem 
Kali  dargestellt  worden  war.  In  den  übrigen  Versuchen» 
die  zum  Theil  schon  vor  langer  Zeit  angestellt  worden  wa- 
ren, wurde  die  Säure  aus  dem  Chlorid  benutzt.  In  den 
Versuchen  I,  II,  V,  VII,  VIII  und  IX  war  das  Unterniob- 
chlorid  aus  der  Sfinre  des  Columbits  von  Baiem  bereitet 
worden,  zu  dem  Versuche  IV  war  dasselbe  aus  dem  nord- 
amerikanischen Columbit  dargestellt  und  bei  dem  Ver- 
suche III  aus  dem  Samarskit  erhalten  worden. 

Der  Sauerstoff  der  ausgetriebenen  Kohlensäure  verhält 
sich  zu  dem  der  angewandten  Untemiobsäure  folgender- 
maßen: 


Versache. 

SaaerstofF  in 

der  angewaod- 

ten  Unleraiob- 

•aore. 

SaaerstofT  in 
der  ausgetrie- 
benen Koh- 
lensäure. 

VerhSltni(s  des 

Sauerstofls  der 

Untern  lobsänre 

so  dem  der 

Kohlensaure. 

1 

0,092 

0.162 

1    :   1,76 

11 

0,183 

0,334 

1   :  1,85 

111 

0,111 

0,211 

1  :   1,90 

IV 

0,146 

0,272 

1  :   1,86 

V 

0,129 

0,249 

1  :  1,93 

VI 

0,175 

0,320 

1  :   1,83 

VII 

0,053 

0,100 

1  :   1,90 

VUI 

0,091 

0,166 

1   :i,82 

IX 

0,073 

0,132 

1  :  1,81 

Man  kann  wohl  annehmen,  dafs  wenn  alle  Fehler  bei 
diesen  Versuchen  hätten  vermieden  werden  können,  die 
beiden  Sauerstofimengen  sich  wie  1 : 2  verhalten  haben 
würden.  Das  untemiobsäure  Natron ,  welches  sich  durch 
langes  Zusammenschmelzen  der  Untemiobsäure  mit  kohlen- 
saurem Natron  bildet,  ist  daher  von  der  Zusammensetzung 

3Na-|-P(b.  Beim  Behandeln  mit  Wasser  zersetzt  es  sich 
in  neutrales  Salz,  während  2  Atome  Natronhydrat  frei 
werden. 

Die  Verbindungen  des  Natrons  mit  der  Untemiobsäure, 
welche  man  wohl  annehmen  kann,,  sind  daher  folgende: 


135 

aus  übereinstimiDeod  mit  dem  von  Dexter  gefundenen  her- 
ausstellt. 

Da  es  auffallend  erscheinen  könnte,  dafs  ich  bei  An- 
stellung meiner  Versuche  die  der  genannten  Mitbearbeiter 
dieses  Themas  so  wenig  berücksichtigt  habe  —  aber  auch 
nur  aus  diesem  Grunde  bemerke  ich  im  Voraus,  dafs  ich 
die  meinigen  säramtlich  im  Sommer  und  Herbst  1855  im 
Laboratorium  des  Königl.  Gewerbeinstituts  zu  Berlin  aus- 
geführt habe. 

Bei  diesen  Atomgewichtsbestimmungen,  wie  auch  theil- 
weise  bei  meinen  früheren,  verfuhr  ich  im  Allgemeinen  so, 
dafs  ich  die  Mengen  der  sich  zersetzen  sollenden   Stoffe 
vorher  nahezu  in  dem  erforderlichen  Vcrhältnifs  abwog  und 
den  nach  erfolgter  Reaction  noch  vorhandenen  Uberschufs 
des   einen  oder  andern  in  der  Flüssigkeit  durch  zwei  nor- 
mirte  Lösungen  von  zweifach  chromsaurem  Kali  und  von 
Eisenchlorür  bestimmte.   Das  Verfahren  war  also  nicht  rein 
volumetrisch ,  sondern  die  Gewichtsanalyse  und  die  volu- 
metrische   wurden   hierbei    in   derselben  Weise  combinirt, 
wie  es  von  Marignac  mit  so  ausgezeichnetem  Erfolge  bei 
seinen  Atomgewichtsbestimmungen  des  Chlors,  Kaliums,  Sil- 
bers n.  8.  w.  geschehen  ist.     Ohne,  bei  der  mangelhaften 
persöniidien   Ausführung   meiner  Versuche,   im  mindesten 
einen  Vergleich  mit  jenen  beanspruchen  zu  wollen,  darf 
ich    es   doch  als  einen   Vortheil  dieser  Methode  vor  der 
Fällungsanalyse  bezeichnen,  dafs  hierbei  keine  festen  Sub- 
stanzen sich  bilden,  welche  wie  selbst  das  Chlorsilber,  kleine 
Mengen  der  aufjgelösten  aus  der  Flüssigkeit  entfernen,  wo- 
gegen ein  'Nachtheil  allerdings  in  der  Schwierigkeit  besteht, 
das  Ende  der  Reaction  scharf  zu  beurtheilen. 

Man  bedient  sich  zu  diesem  Zwecke  bekanntlich  ent- 
weder eines  in  die  Flüssigkeit  gebrachten  fremden  Stoffes, 
an  welchem  eine  Veränderung  sichtbar  wird,  sobald  die 
Reaction  der  Hauptstoffe  vollendet  ist;  oder  man  nimmt, 
namentlich  gegen  das  Ende  der  Reaction,  welches  man  bei 
abgewogenen  Mengen  ungefähr  schon  kennt,  einen  ver- 
schwindend kleinen  Theil  der  Flüssigkeit  (Tropfen)  heraus 


136 

und  Isfst  diesen  auCserhalb  desselben  auf  eine  dritte  Sub- 
stanz reagiren;  oder  endlich ,  man  beurtheit  ohne  weiteres 
Einmischen  noch  Fortnehmen ,  allein  nach  einer  Farbenän- 
derung (auch  Entstehen  oder  Vergehen  einer  Farbe)  das 
Ende  der  Reaction. 

Da  für  die  Anwendung  der  erstgenannten  Methode  sich 
mir  kein  geeigneter  Stoff  darbot ,  indem  die  meisten  ent- 
weder fast  eben  so  leicht  als  arsenichte  Säure  und  Anti- 
monoxyd von  Chromsäure  oxydirt  werden,  so  habe  ich  bei 
allen  Versuchen  die  zweite  angewendet;  nämlich  die  zu 
untersuchende  Flüssigkeit  so  lange  mit  der  Chromsäurelö- 
sung vermischt,  bis  die  vorherrschend  gelbe  und  bleibende 
F^ärbung  anzeigte,  daCs  keine  reducirende  Substanz  mehr 
vorhanden  sey,  sodann  Eisenchlorürlösung  bis  zum  Eintreten 
und  endlich  wieder  Chromsäurelösung  bis  zum  Verschwin- 
den der  Fällung  von  Berlinerblau  aus  Kaliumeisencyanid- 
lösung  zugesetzt.  Neben  dieser  aber  habe  ich,  besonders 
bei  den  Versuchen  tiber  Antimon,  auch  noch  die  dritte  Me- 
thode befolgt.  Wenn  nämlich  der  gröfste  Theil  des  Anti- 
monoxyds schon  zu  Säure  durch  chlorsaures  Kali  oxydirt 
ist,  und  daher  die  Menge  der  zur  vollständigen  Oxydation 
hinzuzufügenden  Chromlösung  gering,  so  läfst  sich  mit  ziem- 
licher Schärfe  der  Moment  bestimmen,  wo  die  entschiedene 
blaugrüne  Lösung  des  Chromoxyds  durch  Zusatz  der  nun 
nicht  mehr  redudrt  werdenden  und  bekanntlich  so  stark 
färbenden  Chromsäure  den  Uebergang  nach  gelbgrün  zeigt 
Eine  vollständige  Sicherheit  gewährt  dieses  Verfahren  noch 
durch  folgendes  Hülfsmittel:  Ich  behalte  etwa  den  vierten 
Theil  der  zu  behandelnden  Flüssigkeit  zurück,  und  setze 
diesen  erst  zu  dem  Rest,  wenn  hier  der  Farbenwechsel  ein- 
getreten ist.  Sodaun  theile  ich  wieder  in  etwa  gleiche  Theile 
und  setze  zu  dem  einen  so  lauge  Chromsäurelösung,  bis 
die  Farbe  desselben,  verglichen  mit  der  des  andern,  in  gelb- 
grün übergegangen  ist,  vermische  wieder  und  wiederhole 
diese  Operationen  so  oft,  bis  auf  Hinzufügung  einer  mög- 
lichst kleinen  Quantität  Chromsäurelösung  der  Farbenwech- 
sel eintritt. 


137 

Nur  die  in  Bezug  auf  Beleuchtung  ungünstige  Lage  meines 
Arbeitslocales,  veranlagte  mich  die  Resultate  dieses  Verfah- 
rens, wo  ich  es  anwendete,  mit  »Dorläußgm  zu  bezeichnen. 
Der  Sicherheit  wegen  habe  ich  nach  Erlangung  derselben 
die  Antimonflüssigkeiten  immer  mit  soviel  Chromsäurelösung 
versetzt,  daCs  sie  entschieden  gelb  wurden,  sodann  mit  Was- 
ser verdünnt,  und  mit  Eisenchlorür  und  Chromsäure  titrirt. 
Das  hierdurch  erlaugte  Resultat,  unter  »schliefslich*  ange- 
führt, diente  allein  als  Basis  zur  Berechnung. 

Atomgewicht  des  Chroms. 

Das  Atomgewicht  des  zweifach  chromsauren  Kalis  hatte 
ich  durch  die  Versuche  (1)  bis  (3)  meiner  früheren  Arbeit 
zu  147,52  vorläufig  bestimmt.  Zu  einer  solchen  Bestimmung 
wurde  ich  genöthigt  durch  die  Bemerkung,  dafs  nicht,  wie 
es  das  Atomgewicht  des  Chroms  =  26,7  verlangt  haben 
wfirde^  beinahe  gleiche  Mengen  arsenichter  Stture  und  zwei- 
fach chromsaures  Kali  sich  gegenseitig  zerlegen,  sondern 
daCs  auf  100  Theile  arsenichter  Säure  immer  nur  etwa  99 
Theile  des  Chromsalzes  verbraucht  werden.  Nach  dieser 
vorläMißgen  Bestimmung  richtete  ich  meine  Normallösung 
von  0,00615  Grm.  pro  Cubikcentim.  Gehalt  an  Chromsalz 
und  indem  ich  zu  der  endlichen  Bestimmung  Chromsalz  an- 
wendete, welches,  namentlich  von  seinem  Feuchtigkeitsge- 
halte noch  sorgfältiger  als  das  erste  befreit  war,  fand  ich 
durch  die  Versuche  (4)  bis  (9)  meiner  früheren  Arbeit  das 
Atomgewicht  desselben  von  147,16  bis  147,55  im  Mittel: 
147,32.  Setzt  man  K  =  39,12  (Marignac),  so  folgt  daraus: 

Cr  =  26,1. 

Eis  enthalten  aber  femer  auch  die,  noch  nicht  für  die 
Atomgewichtsbestimmung  des  Chroms  herangezogenen  Ver- 
suchsreihen (10)  bis  (15)  und  (16)  bis  (27)  Daten  zu  ei- 
ner solchen.  Der  Unterschied  derselben  von  den  erstge- 
nannten besteht  darin,  dafs  dort  eine  Lösung  von  Eisen- 
chlorür von  immer  gleich  bleibender  Menge,  hier  aber  ar- 
senichte  Säure,  in,  von  I  bis  6  Grm.  resp.  1  bis  10  Grm., 
steigenden  Quantitäten,  einerseits  mit  zweifach  chromsaurem 


138 

Kali,  anderseUs  mit  chlorsaorem  Kali  yerglichen  wurde«  Zur 
OffenleguDg  möglicher  Fehler  der  Methode  liefern  also  die 
beiden  letzten  Reihen  noch  mehr  Gelegenheit  als  die  erste. 
Indem  ich  die  drei  ersten  Spalten  der  früheren  Reihe 
(10)  bis  (15),  welche  die  Yersuchsangaben  enthalt«!,  hier 
unter  a,  I  bis  VI  noch  einmal  anführe,  stelle  ich  in  die 
vierte  Spalte  die  Menge  der  Gramme,  und  in  die  fünfte 
die  Menge  der  Theile  zweifach  chromsauren  Kalis,  welche 
auf  100  Theile  der  angewendeten  arsenichten  Stture  ver- 
braucht wurden. 

Reihe  a. 


Ancoichte 
Saare. 
Grm. 

Zweifach 

chroiDUuru 

Kali. 

Grm. 

Cbrom«aUld- 

sang  zu 
0,00615  Gmi. 

Salz 
CobikccDtim. 

in  Summa. 
Grm. 

Tbeile  de* 
Siltea   Tcr- 
branebl  aaf 
100  TUile 
anenichlcr 
Siore. 

I 

1,0108 

1 

+0,4 

1,0025 

984)5 

il 

1,4055 

1.4 

-1,0 

1,3939 

98,94 

III 

2,0112 

2 

—0,9 

1,9945 

99,17 

IV 

2,8051 

2,8     . 

—3,8 

2,7766 

98,98 

V 

4,0007 

4 

-5,7 

3,9640 

99,08 

VI 

6,0061 

5,9956 

—6,6 

5,9553 

99,15. 

Also  98,94  bis  99,17,  im  Mittel  99,04  Theile  zweifach 
chromsaures  Kali  auf  100  Theile  arsenichter  Säure. 

In  der  folgenden  Reihe,  /9,  I  bis  VII  fQhre  ich  ebenso 
die  drei  ersten  Spalten  der  früheren  Versuche  (16)  bis  (27) 
an  und  berechne  die  Zahlen  der  vierten  Spalte,  indem  ich 
147,32  Theile  zweifach  chromsaures  Kali  in  der  Oxydation 
aequivalent  122,57:2  Theilen  chlorsauren  Kalis  setze,  was 
jedenfalls  nahezu  richtig  ist  und  wojin  nicht  genau,  doch 
bei  der  verhältoifsmSfsig  kleinen  hinzugekommenen  Menge 
des  Chromsalzes  eine  verschwindend  kleine  Aenderung  des 
Resultats  herbeiführen  würde. 


I 


139 


- 

Beihe  ß. 
ChloruUlS- 

Thnle  Chlor- 
raure*  Kalt 

mag  m 

Cblonaurei 

Terbnaefat 

i 

^rtenicbte 

CUortiDru 

0,00616  Gno. 

Kili  in 

aariOOThcilc 

Saure. 

Kali. 

Sali* 

SoiDIIM. 

arten  ichler 

Gnn. 

Gm. 

CnbikcenlSiD» 

Grn. 

Slor» 

1 

2,6 

1 

-1-11,3 

1,0289 

41,156 

11 

2,5 

1 

-»-10,9 

1,0279 

41,116 

lU 

1,407 

0,5249 

+21,4 

0,5797 

41,200 

IV 

2,4438 

0,9972 

+4,3 

1,0082 

41,255 

V 

1,0745 

0,4015 

+16,1 

0,4427 

41,201 

VI 

1,7955 

0,708 

+  11,6 

0,7377 

41,086 

VII 

3^5569 

1,4365 

+  11,3 

1,4654 

41,199 

VIII 

7,0103 

2,8615 

+  11,1 

2,8899 

41,224 

IX 

5,006 

2,0175 

+  17,2 

2,0605 

41,161 

X 

iaoi27 

4,05 

+29,1 

4,1245 

41,193 

XI 

5,0147 

2,0221 

+  16,2 

2,0636 

41,149 

XU 

10,0174 

4,0607 

+22,7 

4,1188 

41,126 

Ako  41,086  bis  41,255,  im  MiUel  41,173  Theile  chlor- 
saures  Kali  auf  100  Theile  areenichter  Säure. 

Combinire  ich  zuerst,  um  die  möglichst  entfernten  Werthe 
fOr  das  Atomgewicht  des  Chroms  aus  diesen  beiden  Reihen 
zu  erhalten,  il,  die  Resultate  a  min.  mit  ß  max.,  B,  a  max. 
mit  ß  min.  und  sodann  Jlf,  a  Mittel  mit  ß  Mittel,  so  er- 
giebt  sich: 


In  der  Oxydation  i 

Zweifach  chrom- 

aaarea  Kali. 

lind  aequivalenl: 

Chlorsaares 

Kali. 

Atomgewicht 

des  xweifacb 

chromsauren 

Kalis. 

Aionigewicht 
des  Chroms. 

A 

98,94 

41,255 

146,98 

25,93 

B 

99,17 

41,086 

147,92 

26,40 

M 

99,04 

41,173 

147,42 

26,15. 

Die  hier  gefundene  Mittelzahl,  Cr  =  26,15,  stimmt  also 
sehr  genau  mit  der  aus  meinen  beiden  früheren  Paralel- 
Reihen,  mittelst  Eisenchlortir  sich  ergebenden:  26,1  fiber- 
ein. Dafs  sie  aber  überhaupt  der  Wahrheit  viel  näher  liegt 
als  die  bis  jetzt  sehr  allgemein  angenommene:  26,7,  dafür 
möchte  noch  sprechen  ihre  nähere  Uebereinstimmung  mit 


140 

den  beiden,  zwar  ältesten,  aber  doch  wohl  besten  Bestim- 
mungen Anderer.  Sowohl  Peligot  als  Berlin')  durch  die 
doppelte  Analyse  des  chromsauren  Silberoxyds,  erhielten 
nSmlich  1845  die  Zahl  26,3,  wahrend  später  Moberg*) 
26,7  bis  26,9,  Lefort^  (▼on  Berlin«)  richtig  berechnet) 
26,5,  Wildenstein  ^)  26,75  fanden.  Die  beiden  letzten 
Analytiker  nahmen  aber,  der  eine  als  Ausgangs-,  der  an- 
dere als  Endpunkt  bei  ihren  Versuchen  den  chromsauren 
Baryt,  aus  kalihaltiger  Lösung  gefüllt,  von  welchem  Salze 
es  in  diesen  beiden  Fällen  durchaus  nicht  erwiesen  ward» 
dafs  es  nicht  eben  so  bedeutende  Mengen  fixer  Bestand- 
theile  aus  den  Lösungen  niederschlägt  wie  der  ihm  sehr 
ähnliche  schwefelsaure  Baryt.  Die  höchst  wahrscheinliche 
Verunreinigung  dieses  Salzes  mit  Kali  mufste  aber,  abge- 
sehen von  dem  möglicherweise  durch  Glühen  alkalisch  ge- 
wordenen Chlorbarium  Wildensteins  das  Atomgewicht 
des  Chroms  zu  hoch  ergeben.  Die  Bestimmung  Mobergs 
aber  stfltzt  sich  gar  auf  die  Zusammensetzung  eines  Salzes, 
dessen  Wassergehalt  in  der  Luft  zu-  und  im  Exsiccator 
abnimmt,  möchte  also  wohl  nach  beiden  Seiten  hin  unsi- 
cher seyn. 

Atomgewicht  des  Arsens. 

Das  Atomgewicht  des  Arsens  hatte  ich  in  meiner  frfl- 
heren  Abhandlung  aus  den  Versuchen  (10)  bis  (15)  zu 
75,08,  aus  (16)  bis  (27)  zu  75,24  berechnet.  Bei  der  jetzi- 
gen Revision  dieser  Rechnungen  habe  ich  aber  gefundei^ 
dafs  in  Folge  eines  Rechnungs- Fehlers  aus  den  Nummern 
(10)  und  (II)  die  Atomgewichte  der  arsenichten  Säure  99,02 
und  99,03  nicht  den  Versuchsdaten  entsprechen,  sondern 
die  richtigen  Zahlen  99,2  und  99,3,  oder  genauer  99,23  und 
99,26  sind.   In  Folge  dieser  Correction  erhöht  sich  die  erst- 

1)  Bcrtelius  Lehrbuch  der  Chemie  Aufl.  5,  Bd.  3,  S.  1206. 

2)  Journ.  (Tir  praku  Chcni.  Bd.  43,  S.  114. 

3)  Ebendaselbst  Bd.  51,  S.  261. 

4)  Eb<fl]daselbsl  Bd.  71,  S.  191. 

5)  Ebeodaselbst  Bd.  59,  S.  27. 


141 

gerandene  Mittelzahl  für  As  von  75,08  auf  75,15,  differirt 
also  nur  noch  am  0,09  von  der  zweiten. 

Blan  könnte  aber  gegen  diese  Bestimmungen  überhaupt 
den  Einwurf  machen,  dafs  ich  überall  die  arsenichte  Säure 
mittebt  Kali  in  Lösung  brachte,  und  diese  Lösung  bekannt- 
lieh allmählich  Sauerstoff  aus  der  Luft  anziehe.  Um  die 
Grobe  dieser  Fehlerquelle  nach  Zeit  und  Temperatur  un- 
gefähr tu  ermitteln,  stellte  ich  folgende  vergleichende  Ver- 
sadic  an: 

Reihe  y, 

L  2,0376  Grm.  arsenichte  Säure,  in  Kali  gelöst,  die 
Lösung  sogleich  mit  Chlorwasserstoffsäure  übersättigt  und 
mit  einer  Lösung  von  2,044  6rm.  zweifach  chromsauren 
Kalis  vermischt  verbrauchten  beim  Titriren  — 3,8  Cub.Cent. 
Chromsalzlösung.  Also  100  Theile  arsenichte  Säure  99,17 
Theile  Chromsalz. 

IL  2,04  Grm.  arsenichte  Säure,  in  Kali  gelöst,  die  Lö- 
sung zwei  Stunden  in  einem  offenen  Glase,  im  Wasserbad 
erhitzt,  wobei  sie  mehrmals  eintrocknete,  dann  angesäuert 
und  mit  2,044  Grm.  gelöstem  Chlorsalz  vermischt  verbrauch- 
ten beim  Titriren  —  5,6  Cubikceutim.  Chromsalzlösung. 
Also  100  Theile  arsenichter  Säure  verbrauchten  98,51  Theile 
Chromsalz. 

III.  2,0274  Grm.  arsenichte  Säure,  in  Kali  gelöst,  die 
Lösung  einen  Tag  lang  mit  grofser  Oberfläche  der  Luft 
ausgesetzt,  sodann  angesäuert  und  mit  2,046  Grm.  gelöstem 
Chromsalz  vermischt,  verbrauchten  beim  Filtriren  —  3,5 
Cobikcentim.  Chromsalzlösung.  Also  100  Theile  arsenichter 
Säure  verbrauchten  98,80  Theile  Chromsalz. 

Aus  der  Vergleichung  dieser  drei  Versuche  labt  sich 
sdiliefsen,  dab  die  Oxydation  der  arsenichten  Säure  in  al- 
kalischer Lösung  bei  gewöhnlicher  Temperatur  sehr  lang- 
sam, in  höherer  Temperatur  zwar  schneller,  vor  sich  geht, 
dafs  aber,  während  einer  Stunde  und  bei  möglichst  unbe- 
hindertem Zutritt  der  Luft  (gegen  die  höchste  Versnchszahl 
der  Reihe  a,  99,17  Proc.  gehalten)  höchstens  4  Proc  arsenicb- 


142 

ter  SSure  oxydirt  werden.  Demoach  kann  man  wohl  die, 
bei  einer  zwei  Minuten  dauernden  Auflösung,  im  Kolben 
stattfindende  Oxydation  der  arsenichten  S&ure  Temach- 
ISssigen. 

Um  indessen  auch  einige  von  dieser  kleinen  Fehlerquelle 
ganz  befreite  Versuche  anzustellen,  löste  ich  die  in  Folgen- 
dem angeführten  Mengen  von  arsenichter  Säure  in  aaurer 
Auflösung  mit  denen  des  Chromsalzes  zusammen  und  titrirte 
sodann.  Die  Lösung  enthielt  bei  I,  II  und  III  SchwefelsSure^ 
bei  IV  Chlorwasserstoffsäure,  bei  V  saures  schwefelsaures 
Ammoniak. 

Reihe  S. 


Theile  des 

Chromfta1&l5- 

Salsct  Ter- 

Zweifach 

•UDg    EU 

braacht  aaf 

Anenichte 

chromaaares 

0,00615  Grm. 

Salt  iD 

100  Theile 

Sfiure. 

Kali. 

SalE. 

Summa. 

arsenichte 

Gnn. 

Grin. 

Cobikcenlim. 

Grm. 

Süare. 

I     2 

2 

—  3 

1,9815 

99,08 

II     1,5005 

1,5012 

-  2,4 

1,4864 

99,06 

III    3,001 

3,052 

—  12,7 

2,9739 

99,10 

IV    0,9755 

0,9955 

-   4,9 

0,9654 

98,97 

V    2,001 

'    2 

-   3,2 

1,9803 

98^7. 

Die  Mittelzahl  ist  99,04,  also  genau  gleich 

der  aus  der 

Versuchsreihe 

a  sich  ergebenden. 

Verbalteo  der  arseDichteo  Sfinre  uod  der  Cbromsfture 

In  alkaliscber  Losung. 

Zu  der  Auffindung  des  eigenthümlichen  Verhaltens  der 
arsenichten  Säure  gegen  Chromsäure  in  alkalischer  Lösung 
gab  mir  eine  Reihe  von  Versuchen  Veranlassung,  welche 
ich  zuerst  anstellte  um  eine  der  Reihe  ß,  wo  chlorsaores 
Kali  und  arsenichte  SSure  in  alkalischer  Lösung  zusammen* 
gebracht  wurden,  parallele  hinzustellen.  Indem  sich  hierbd 
jedoch  keine  genügende  Uebereinslimmung,  sondern  viel- 
mehr eine  mit  der  absoluten  Menge  der  Substanzen  relativ 
zunehmende  Menge  von  Chromsalz  ergab,  hielt  ich  mich, 
obgleich  die  Ursache  des  Fehlers  nicht  sofort  erkennend, 
doch  für  berechtigt,  an  Stelle  derselben  die  Versuchsreihe  a 


143 

üreteu  xa  lassen,  welche  iu  sofern  eigentlich  der  Reihe  ß 
mehr  correspondirend  war,  als  bei  beiden  dann  erst  eine 
Oxydation  der  arsenichten  Säure  in  saurer  Lösung  eintrat 
Denn  dilorsaures  Kali  wird  in  alkalischer  Lösung  durch 
kdn  Redactionsmittel  zu  Chlorkalium  reducirt,  während 
beini  Vermischen  gleicher  (Oxydations-)  Aequivalente  ar- 
seoichter  Sfiure  und  chromsauren  Kalis,  in  concentrirten 
Losungen  wenigstens,  augenblicklich  eine  vollständige  Reduc- 
tioii  des  letzteren  einzutreten  scheint. 

Bei  gleichzeitiger  Auflösung  der  arsenichten  Säure  und 
des  Chromsalzes  in  Kalilauge  hatte  sich  nämlich  ergeben: 


Reibe  c. 

• 

CliromMls- 

Theilc  Gbrom- 

Zweifach- 

l55QOg    XU 

mU  Terbraucht 

Artenicilte 

chronisanres 

O.OOeiSGrm. 

Ghroinsals 

auflOOTh. 

Siare. 

Kali 

SaU. 

in  Samina. 

artenichter 

Grm. 

Grm 

CubikcentifD. 

Grm. 

Siore. 

I 

0^157 

0,9233 

—  3,8 

0,8999 

98,27 

u 

1,5182 

1,4996 

—0,6 

1,4959 

98,53 

IU 

2,2(118 

2,2201 

-8,2 

2,1697 

98,54 

IV 

3,2126 

3,1996 

-4,6 

3,1713 

98,71 

V 

4,5596 

4,5718 

—9.2 

4,5152 

99,03 

Hierbei  waren  wohl  die  Mengen  des  zugesetzten  Kali- 
hjrdrats,  nicht  aber  die  des  zur  Auflösung  verwendeten 
"Wassers  den  Mengen  der  arsenichten  Säure  proportional, 
sondern  da  ich  nicht  sehr  verschieden  grofse  Gefäfse  be- 
nutzte, so  wurde  bei  steigenden  Mengen  der  Substanzen 
▼erfaältnifsmäfsig  weniger  Wasser  gebraucht.  Es  schien  also 
bei  steigender  Concentration  der  Flüssigkeit  das  Verhältnifs 
zwischen  den  beiden  reagirenden  Stoffen  sich  demjenigen 
zn  nähern,  welches  in  sauren  Flüssigkeiten  constant  ist. 

Nachdem  nun  die  inzwischen  angestellte  Versuchsreihe  / 
bereits  bewiesen  hatte,  dafs  der  atmosphärische  Sauerstoff 
auf  die  alkalische  Lösung  der  arsenichten  Säure  von  nicht 
so  bedeutendem  Einflufs  sej,  und  auch  bei  einem  anderen 
Versuche,  wo  ich  Luft  längere  Zeit  durch  eine  kaiische 
Auflösung  von  Chromoxyd  leitete,  eine,  quantitativ  weni^- 


144 

stens  nicht  bemerkbare  Menge  desselben  in  CbromsSure 
fibergeffihrt  wurde,  war  es  deuUicb,  dafs  das  Zusammen* 
seyn  von  Cbromsäure  und  arsenichter  Sfture  eine  wesent- 
liche Bedingung  der  freiwilligen  Oxydation  sej.  Ich  ver- 
gröfserte  daher  in  der  folgenden  Versuchsreihe  absidhtlich 
die,  den  Fehler  bewirkenden  Einflüsse  durch  allmihlicb  stei- 
gende Verdünnung  der  Lösungen  und  yerl&ngerte  Berüh- 
rung mit  der  Luft. 

Bei  den  Hauptversuchen  wurden  die  Substansen  für  sich 
in  gleichen  Mengen  verdünnter  Kalilauge  gelöst,  die  Lö- 
sungen vermischt,  sodann  in,  mit  Papier  bedeckten  Becher* 
gläsern  stehen  gelassen  und  nach  der  angegebenen  Zeit  an- 
gesäuert und  titrirt.  Aufserdem  wurden  mit  den  beiden 
Hauptversuchen  V  und  VIII  gleichzeitig  noch  zwei  andere 
V6  und  VIII 6  angefangen,  bei  welchen  die  arsenichte 
Säure  für  sich  in  eben  so  viel  verdünnter  Kalilauge  gelöst 
ward,  als  bei  den  Hauptversuchen  für  beide  Stoffe  zosam- 
meu  angewendet  worden,  und  unter  sonst  gleichen  Bedin- 
gungen eben  so  lange  der  Luft  ausgesetzt  blieb.  Sodann 
wurde  dieselbe  aber  erst  angesäuert  und  nachher  mit  der 
Lösung  des  Chromsalzes  vermischt  und  titrirt. 

Reihe  ;. 


Zeit  der 

Theile 

Arse- 

Zweifach- 

VolaiD 

Berührung 

Ghroro- 

Cbromnb 

Dichte 

chroiDsaores 

der  Mi- 

mit  der 

•äurelo- 

verbraucht 

Säure. 

KaH. 

■cllllDg. 

Luft. 

sung. 

•uflOOTh. 

Grm. 

GriD. 

LUer. 

Stunden. 

Gobikcent. 

an.S. 

I          2,001      2,0015 

0,25 

0 

-   8,7 

97,30 

n      2 

2 

0,25 

1 

-    7,3 

97,76 

m     2 

2 

0,5 

24 

—  10,8 

96,69 

IV       2 

2 

0,5 

24 

—    5,9 

98,17 

V        2 

2 

0,5 

24 

—  15,0 

95^9 

VI      2 

2 

1 

24 

40,0 

87,70 

VII     2 

2 

1 

48 

—  71,0 

78,17 

VIII    2 

2 

Vol 

1 

uro  der  Ld- 

72 

—  78,8 

75,73 

lung  lies  AsO] 

Liter. 

V6      2 

2 

0,5 

24 

-    3,4 

98,95 

Vin6  2 

2 

1 

72 

-   5,4 

98^ 

145 

Durch  Vergleichuog  dieser  Resultate  lassen  sich  leicht 
folgende  Schlüsse  ziehen: 

1.  Die  Oxydation  der  arsenichten  Säure  in  alkalischer 
Lteong  durch  den  atmosphSrischen  Sauerstoff  wird  in  be- 
deotendem  Grade  dadurch  befördert ,  dafs  gleichzeitig  eine 
Oxydation  derselben  durch  Chromstture  erfolgt. 

2.  Je  längere -Zeit  die  Oxydation  durch  Chromsäure 
dauert,  d.  h«  je  verdOnnter  die  Lösung  ist,  eine  desto  län- 
gere Zeit  hindurch  ist  dem  atmosphärischen  Sauerstoff  Ge- 
legenheit geboten,  oxydirend  zu  wirken,  eine  desto  gröbere 

•  Menge  arsenichter  Säure  wird  somit  durch  denselben  oxydirt 
Um  das  Quantitative  in  diesen  Vorgängen  festzustellen 
mfiCBton  selbstverständlich  noch  weitere,  in  mehreren  Be- 
ziehungen die  Bedingungen  abändernde  Versuche  unter- 
oonimen  werden.  Ich  begnüge  mich,  hierdurch  aufmerksam 
^macht  zu  haben  auf  eine  eigenthümlichc,  und,  wie  es  mir 
scheint,  noch  nicht  häufig  beobachtete  Classe  von  kataly- 
tiadien  Erscheinungen.  In  dem  Verhalten  der  Chromsäure 
zu  Zinnchlorfir  findet  übrigens,  wie  Löwenthal  ')  beob» 
achtet  hat,  etwas  ganz  Analoges  statt. 

Atomgewicht  des  Antimons. 

Zur  Aenderung  des  von  Berzelius  angenommenen  Atom- 
gewichts des  Antimons:  129,  wurde  ich  durch  die  volumetrische 
Analyse  des  weinsteinsauren  Antiraonoxyd-Kalis  geführt.  In- 
dem ich  eine,  für  das  Arsen  sich  als  genau  erweisende  Me- 
thode auf  das  Antimon  anzuwenden  versuchte  und  die  Reac- 
tionen  anscheinend  in  derselben  Weise  vor  sich  gingen,  fand 
sieb  der  Sauerstoffverbrauch  des  in  dem  Salze  enthaltenen 
Antinionoxyds  4,805  bis  4.83,  im  Mittel  4,82  Theile  auf  100 
Theile  des  Salzes  betragend.  Hiernach  würde  das  Atomge- 
*  wicht  des  krystallisirten  Salzes  331,9,  und,  wenn  man  in 
demselben  ein  Atom  Krystallwasser  annimt,  das  Atomge- 
wicht des  Antimons  1 19,8  betragen  haben  uud  beinahe  ge- 
nau in  arithmischer  Reihe  mit  dem  des  Phosphors  und  Ar- 
sens stehen. 

1 )  ioomU  för  praktiJclM  Chemie,  Bd  76,  S.  484. 
PoggcDdorTi  AnnaL  Bd.  CXIII.  10 


146 

Die  weiteren,  direct  auf  die  AtomgewichtsbeslimmiiDg 
des  Metalls,  mittelst  einfacherer  Verbindungen  desaelben 
zielenden  Versuche  ergaben  indessen  das  Atomgewicht  er- 
heblich höher,  zu  123,7. 

V^enn  ich  es  nachträglich  noch  unternehmen  dürfte  die 
Versuche  mit  gröfserer  von  denen  mit  geringerer  Stimm- 
fähigkeit  zu  sondern,  so  wfirde  ich  die  Reihen  (47)  bis  (51) 
und  (64)  bis  (75),  wo  das  Metall  oder  eine  Verbindoog 
desselben  in  concentnrten  Säuren  unter  starker  Gasenl- 
Wicklung  gelöst  wurde,  von  einem  möglichen  Verloste  an 
Antimon  nicht  freisprechen  und  es  sehr  erklärlich  finden, 
wenn  sie  aus  diesem  Grunde  ein  zu  hohe»  Atomgewicht 
des  Metalls  lieferten.  Kein  offenkundiger  Fehler  lag  da- 
gegen in  den  Reihen  (52)  bis  (57),  wo  Metall  mittelst  eines 
Salzes  von  bestimmtem  Sauerstoffgehalt  und  (58)  bis  QS3)f 
wo  Oxyd  ebenso  in  Antimonsäure  tibergeführt  worden,  in- 
dem die  Lösung  in  allen  Fällen  ohne  Chlorentwicklun^ 
welche  .tibrigens  das  Atomgewicht  fälschlich  erfiiedrt^f  haben 
wtirde,  geschah. 

Dafs  in  der  erstgenannten  dieser  beiden  Reihen  aber 
ebenfalls  ein,  das  Atomgewicht  erhöhender^  Fehler  vorhanden 
sejr,  bemerkte  ich,  als  ich,  in  der  Absicht,  Antimon  aus  seinen 
Verbindungen  vorläufig  abzuscheiden,  mich  einer  von  Fre- 
senius *)  angegebenen  Methode  bedienen  wollte,  nach  wel- 
cher Antimon  durch  Zinn  gefällt,  sodann  erst  mit  Salzsäure 
und  zuletzt  mit  Wasser  gewaschen  werden  soll.  Bei  der 
Ausführung  dieser  Vorschrift  zeigte  sich  bald,  dafs,  nach- 
dem alles  Zinnchlorür  abgelaufen  sejn  mufste,  die  salzsaore 
Waschflüssigkeit  des  Antimons  fortwährend  die  Chromlö- 
sung  grün  färbte,  dafs  also  Antimon  von  (lufthaltiger  oder 
mit  der  Luft  in  Berührung  stehender)  Salzsäure  mit  Leich- 
tigkeit gelöst  werde'). 

1)  Aolcituog  zur  quaotitaliTen  cheroUchen  Analpe.     Aufl.  1,  S.  275. 

2)  Dcxter  erhielt,  unter  sich  sehr  abweichende,  Resultate  bei  den  Ver- 
suchen das  Atomgewicht  des  Metalls  durch  die  Menge  des  aus  sali- 
saurer  Lösung  niedergeschlagenen  Goldes  zu  bestimmen.  Indem  das 
AloiDgcwicht  sich  dabei  ebenfalls  su  hoch  ergab,  so  war  die  firciwill«|< 


147 

Diese  Fehlerquelle  muCste  deniDach  bei  meioen  Versu- 
chen (52)  bis  (57)  zur  Erhöbung  des  Atomg^cwichts  mitge- 
wirkt haben,  und  gab  sich  in  ihrem  ungeföbren  Umfange 
durch  folgenden  directen  Versuch  zu  erkennen. 

3,8645  Grm.  Antimon  und  2,2755  6rm.  chlorsaures  Kali 
wurden  in  SalzsUure  gelöst,  welche  vorher  durch  einige  hin- 
eingebrachte Stückchen  Marmor  von  ihrem  Luftgehalte  be- 
freit war,  indem  während  der  Lösung  fortwährend  Kohlen- 
efture  in  den  Hals  des  Kolbens  geleitet  wurde.  Bei  der 
Titrining  wurden  42,3  Cubikcentim.  Chromlösung  erfordert, 
wonach  das  Atomgewicht  des  Metalls  sich  gleich  122,75  er- 
geben wfirde. 

Somit  mufsten  auch  die  mittelst  Oxyd  erlangten  Re- 
sultate unrichtig  seyn.  Die  Fehlerquelle  lag  hier  aber  nicht 
in  der  Methode  sondern  in  der  Verunreinigung  des  als  na- 
hem rein  betrachteten  Oxydes  mit  Quantitäten  fremder 
Stoffe,  welche  mir  wegen  der  geringen,  anfänglich  zur  qua- 
litativen Untersuchung  benutzten  Mengen  des  Oxydes  ent- 
gangen waren. 

Indem  ich  12,4  Grm.  dieses  Oxydes  im  Platiutiegel  mit 
erneuerten  Mengen  Chlorwasserstoffsäure  erwärmte  und  da- 
durch dasselbe  als  Chlorid  verflüchtete,  fanden  sich  in  dem 
Bückstande  0,022  Grm.  Kieselsäure,  und  nachdem  der  Rest 
des  Antimons  durch  Schwefelwasserstoff  entfernt  war,  nach 
bdumnten  Methodeu  0,0115  Grm.  Eisenoxyd,  0,036  Grm. 
Kalkerde  und  0,0185  Grm.  Chlornatrium,  welche  Substan- 
xeOy  wenn  Kalk  und  Natron  als  kohlensaure  Salze  in  dem 
Oxyde  vorhanden  waren,  zusammen  0,93  Proc.  des  Ganzen 
betragen.  Da  diese  Stoffe  in  der  Oxydations-  und  Reduc- 
tioosanalyse  sämmtlich  unwirksam  sind,  so  erniedrigt  sich, 
unter  Berücksichtigung  der  Verunreinigung  das  mittelst  der 
früheren  Versuche  (58)  bis  (63)  gefundene  Atomgewicht 
des  Oxyds  um  0,93  Proc. :  das  des  Antimons  aber  auf  122,22 
bis  122,83,  im  Mittel  auf  122,36. 

Oxydation  des  Metalls   in  SaUsäure   höchst   wahrschein h'ch  Ursache   des 
Fehlers. 

10*       . 


148 

Ich  hielt  68  indessen  fOr  nothwendig,  ein  reineres  An- 
timonoxjd  darzustellen.  Indem  Fftllungsversuche  nicht  den 
gewünschten  Erfolg  hatten,  so  reinigte  ich  das  zu  den  frü- 
heren Analysen  benutzte  Oxyd  durch  Sublimation  in  einem 
Strome  trockner  Kohlensäure.  Diese  wurde  in  einem,  nach 
Art  der  pneumatischen  Feuerzeuge  construirten  Apparate 
aus  krystallisirtem  zweifach  kohlensaurem  Natron  und  ver- 
dünnter destillirter  Schwefelsäure  entwickelt  und  durch  con- 
centrirte  Schwefekäure  getrocknet.  Das  Oxyd  befand  sieb 
in  einem  Porcellanschiffchen,  und  dieses  in  einem  kurzen 
gläsernen  Verbrennungsrohr,  welches  da  wo  das  Schiffchen 
lag  und  etwa  einen  Zoll  beiderseits  weiter  mit  einigen  La- 
gen dünnen  Kupferblechs  umwickelt  war,  um  nameutlidi 
bei  der  Heizung  von  unten  ein  Ansetzen  von  sublimirtem 
Oxyd  in  dem  oberen  Theile  des  Rohrs ,  ein  HerabflieÜBcn 
desselben  und  die  dadurch  herbeigeführte  Verunreinigung 
des  sich  stromabwärts  sublimirenden  Oxyds  zu  verhindern. 
Das  Rohr  wurde  an  der  Stelle,  wo  das  Schiffchen  lag,  darch 
eine  Gaslampe,  wie  man  sie  zur  organischen  Elementarana- 
lyse benutzt,  erhitzt,  während  Kohlensäure  darüber  strömte. 
Im  Inneren  der  Röhre,  dicht  hinter  dem  stromabwärts  lie- 
genden Ende  des  Kupferblechs  setzte  sich  ein  scharf  be- 
gränzter  Ring  von  farblosem  Oxyd  an,  dessen  Rand  zwar 
an  das  Glas  angeschmolzen  war,  dessen  Mitte  aber  aas 
glänzenden  farblosen  Nadeln  bestand,  welche  sich,  nachdem 
das  Rohr  zwischen  dem  Schiffchen  und  dem  Sublimat  ab* 
gesprengt  war,  leicht  durch  Klopfen  aus  demselben  entfer- 
nen liefsen.  Nur  diese  reinen  Krystalle,  von  welchen  bei 
)eder  Sublimation  etwa  1,5  bis  2  Grm.  erhalten  wurden, 
benutzte  ich  zu  den  folgenden  Versuchen,  deren  jeder,  mit 
Ausnahme  von  V,  wo  zwei  Sublimationen  vereinigt  wurden, 
mit  einem  Producte  von  besonderer  Darstellung  ausgeführt  ist 

Indem  diese  Versuche  in  ganz  derselben  Weise  wie  die 
früheren ' )  namentlich  mit  chlorsaurem  Kali,  welches  weder 
Spuren  von  Wasser  noch  von  Chlorkalium  enthielt,  auge- 
stellt wurden  und  ich  in  der  Einleitung  bereits  die  Bedeu- 

1)  Pogg.  Ann.  Bd.  95,  S.  220. 


149 

tuog  der  anter  vorläufig  und  schliefslich  angeführten  Ti- 
irir- Resultate  erörtert  habe,  so  fahre  ich  hier  nur  die  fol- 
geuden  Ergebnisse  an: 


Beihe  ^. 


Cblor. 

Berechoetes 

Aotiroon- 

Muret 

Chromlösuog. 

Atomgewicht 

oijd. 

Kali. 

Cnbikcentim. 

des 

Grm. 

GriD. 

Torläufif. 

schliefslich. 

Aotimonju 

I 

0^72 

0 

— 

+  55,2 

123,02 

u 

0,8929 

0.221 

+   9 

+   9,6 

124,58 

III 

1,7888 

0,4527 

+  19 

+  19,2 

121,67 

IV 

1,6523 

0,4506 

+    4 

+   3,9 

122,58 

V 

3^2998 

0,8806 

+  16,5 

+  16,5 

122,09 

VI 

1,3438 

0,3492 

+  10,5 

+  10,2 

122,31 

Bei  der  Berechnung  des  mittleren  Resultates  dürfen 
ledocb  ausgeschlossen  werden:  Versuch  I,  weil  dieser  mit 
desi  ersten,  einigermafsen  gelungenen  Sublimations  -  Pro* 
ducle  angestellt  war,  und  dieses  sich  so  langsam  in  Chlor- 
wasserstofCsäure, löste,  dafs  eine  Verunreinigung  mit  anti* 
monsaurem  Antimonoxyd  vielleicht  vorhanden  war;  Ver- 
such II,  weil  das  Oxyd  sich  mit  Hinterlassung  von  einigen 
Flocken,  deren  Gewicht  nicht  bestimmt  wurde,  in  Chlor- 
wasserstoff löste,  und  hierbei  also  wohl  etwas  von  dem, 
mit  den  Glasbestandtheilen  verunreinigten  Theile  des  Su- 
blimats dazwischen  gekommen  war.  Beide  Versuche  mufs- 
ten  in  Folge  dessen  ein  zu  hohes  Resultat  geben.  Das 
Büttel  der  übrigen  aber,  welche  zwischen  121,67  und  122,68 

schwanken  ist 

Sb  =  122,16. 

Bei  einer  zweiten  Reihe  von  Bestimmungen  ging  ich  von 
metallischem  Antimon  aus,  welches  ich  auf  folgende  Weise 
erhalten  hatte:  Ehe  ich  mich  genöthigt  sah,  das  Antimon- 
oxyd durch  Sublimation  zu  reinigen,  hatte  ich  eine  Rein- 
darstellung desselben  versucht,  durch  Einbringen  einer  Lö- 
sung von  weinsteinsaurem  Antimonoxyd- Ammoniak  in  über- 
schüssiges kaustisches  Ammoniak.  Der  Niederschlag,  in 
Bezug  auf  dessen  Verunreinigungen  sich  in  den  chemischen 


150 

Schriften  keine  bestinunten  Angaben  vorfinden,  konnte 
möglidierweise  reines  Oxyd  seju.  Da  derselbe  sich  aber 
als  wcinsteinsäurehaltig  erwies,  so  glühte  ich  die  ganze 
Menge  desselben  in  einem  grofscn  Porcellantiegel  über  ei- 
ner Gasgeblaselauipe,  und  benutzte  den  unter  einer  star- 
ken Lage  von  Antimonoxyd  abgeschiedenen.  Regulas  des 
höchst  reinen  Metalls  sowohl  zu  den  nächstfolgenden  Be* 
Stimmungen  als  später  zur  Darstellung  des  Antimoncbiorida. 

Indem  die  früheren  Versuche,  das  Metall  total  zu  Sftare 
zu  oxydiren,  so  fehlerhafte  Resultate  ergeben  hatten,  mabte 
ich  nun  einen  Weg  einschlagen,  auf  welchem  das  Metall 
vorläufig  auf  die  Stufe  des  Oxyds  gebracht  und  sodann 
durch  eine  gemessene  Sauerstofimenge  in  Säure  verwan- 
delt wurde,  ohne  dafs  jedoch  bei  der  Auflösung  durch  die 
Gasentwicklung  ein  Verlust  stattfinden  durfte. 

Das  Verhalten  der  hierbei  in  Anwendung  kommenden 
Oxydationsstufen  anderer  Metalle  mufs  ich  jedoch,  weil 
darüber  abweichende  Angaben  existiren,  näher  erörtetn. 
Nach  einer  Angabe  von  Woulffe')  werden  durch  Zinn- 
chlorür  die  Säuren  des  Arsens  und  die  Oxyde  des  Antimons 
zu  Metall  reducirt,  nach  Streng  dagegen  sollen  durch 
dasselbe  Reagens  Arsensäure  gar  nicht,  Antimonsäure  nur 
bis  zu  Oxyd  reducirt  werden.  Nach  meinen  Versuchen 
aber  werden  concentrirte  salzsaure  Lösungen  von  Arsen- 
säure oder  arsenichter  Säure  durch  Zinnchlorür  in  der 
Wärme  zu  Metall,  unter  gleichzeitigem  Auftreten  von  Ar- 
senwasserstoff reducirt.  Antimonsäure  reducirt  sich  unter 
gleichen  Bedingungen  zu  Antimoiioxyd;  dieses  aber  wird 
in  concentrirter  salzsaurer  Lösung,  auch  beim  Kochen  von 
überschüssigem  Zinnchlorür  nicht  verändert^). 

1)  GiDelin's  Handbuch  der  Gliemie  Aufl.  4,  Bd.  3,  S.  82. 

2)  Mittelst  dieser  Reaction  lafsl  sich  mit  Leichtigkeit  eine  nicht  gar  tn 
unbedeutende  Verunreinigung  des  Aniimonoxyds  durch  arseniclite  SSnrr 
entdecken.  Das  Tcrschiedene  Verhalten  der  beiden  Metalle  aber  au  eiocr 
Trennung  derselben  von  einander  zu  benutzen  ist  mir  nicht  geglückt, 
indem  die  vollständige  Abscheidung  des  Arsens  mit  Verlust  flüchliger 
Verbindungen  desselben  wie  des  Antimons  verknüpft  und  auch  eine 
Wiederauflösung  desselben  bei  der  Filtration  schwierig  zu  verroeidei) 
war. 


151 

Die  Lösung  der  Antiinonsäure  in  Chlorwasserstoffsäure 
zeigt  aber  beim  Erwärmen  bis  nahe  zum  Kochen  eine  gelbe 
FSrbong»  wekhe  nicht  mehr  eintritt,  wenn  man  so  viel 
Zinnchlorür  hinzugesetzt  hat,  dafs  alles  Antimon  sich  auf 
der  Stufe  des  Oxyds  befindet,  und  eine  Probe  mit  Queck- 
silberchlorid anzeigt,  daCs  neben  Zinnchlorid  auch  Zinn- 
chkwQr  in  der  Flüssigkeit  vorhanden  ist.  Sodana  aber  läfst 
sich  durch  Zusatz  von  Quecksilberchlorid  das  überschüssige 
Zinochlorfir  in  Chlorid  umwandeln,  ohne  die  Oxydations- 
slafe  des  Antimons  zu  verändern.  Bei  der  weiteren,  zu 
messeDden  Oxydation  des  Antimonoxyds  mufs  dann  frei- 
lieb  das  Quecksilberchlorür  durch  Filtration  getrennt  werden. 

Die  Reinheit  der  in  die  Untersuchung  hineingezogenen 
fremden  Stoffe  (das  Zinnchlorür  enthält  wohl  meistens  Spu- 
ren von  Eisen)  hatte  ich  nur  in  soweit  zu  untersuchen, 
dafs  ich  eine  gröfsere  Menge  von  Zinnchlorür  als  bei  die- 
sen Bestimmungen  zur  Anwendung  kam,  durch  einen  Ueber- 
schofs  von  Quecksilberchlorid  zersetzte,  und  das  Filtrat 
dorch  Titriren  auf  das  Vorhandenseyn  einer  redudrenden 
oder  oxydirenden  Substanz  untersuchte.  Indem  sich  in 
dieser  Beziehung  die  Flüssigkeit  vollständig  neutral  ver- 
hielt, konnte  ich  unbedenklich  in  folgender  Weise  ver- 
Gahren: 

Die  gewogene  Menge  Metall  wurde  mittelst  Salzsäure  und 
so  viel  (hier  nicht  gewogenem)  chlorsauren  Kali  in  Auflösung 
gebracht,  dafs  theilweise  Chlorid,  theilweise  Superchlorid 
entstand«  Sodann  setzte  ich  allmählich  eine  concentrirte 
salzsaure  Lösung  von  Zinnchlorür  hinzu,  bis  durch  das 
Nichteintreten  der  gelben  Färbung  beim  Erhitzen  der  Ueber- 
schuÜB  des  Reductionsmittels  erkennbar  war.  Hierauf  fügte 
ich  eine  concentrirte  salzsaure  Lösung  von  Quecksilber- 
chlorid im  Ueberschufs  hinzu  und  filtrirtc  die  etwa  auf  das 
Doppelte  mit  Wasser  verdünnte  Flüssigkeit.  Nachdem  das 
erste  Filtrat  vollständig  abgelaufen  war,  wurde  mit  dem- 
selben die  in  einem  Kolben  befindliche  abgewogene,  und 
zur  totalen  Oxydation  des  Antimonoxyds  unzureichende 
Menge   dilorsauren  Kalis   übergössen   und   die  Reductiou 


152 

desselbeD  durch  Erwftnnen  bewirkt.  Der  auf  dem  Filtmm 
befindliche  Niederschlag  vod  Quecksilberchlorflr  wurde  Cer- 
ner so  lange  mit  verdünnter  ChlorwasserstoCCsäure  geim* 
sehen,  bis  eine  gröfisere  Probe  des  Durchgelaufenen  durch 
einige  Tropfen  aus  der  Bürette  zugesetzter  Chromltamg 
(welche  natürlich  einen  Theil  der  ganzen  gemessenen  Meng^ 
bildeten)  eine  bleibende  gelbe  Färbung  erhielt  Sodann 
wurden  die  Flüssigkeiten  vereinigt  und  wie  bei  der  vori- 
gen Versuchsreihe  titrirt. 

Reibe  &. 

Chlortaurcs  Ghroml/Uuog.  Berechodtct 

Antimoo.  Kali.  Gubikcentim.  Alomgewidit 

Grm.  GriD.  vorläufig.       •chlieCilicfa*    d««  AotiaKHis. 

i    1,636  0,5  17,5  18,3  12%25 

II    3,0825  0,95  30  30,2  122,61 

III    4,5652  1,4106  46  45,5  12%16 

Das  mittlere  Resultat  dieser  drei  Versuche  ist: 

Sb  =  122,34. 

Ich  hatte  die  Absicht  die  Versuche  über  Antimon  durch 
eine  doppelte  Analyse  des  Chlorantimons  zu  beschliefsen, 
indem  ich  nämlich  sowohl  durch  Silber  die  Menge  des  darin 
enthaltenen  Chlors,  als  durch  chlorsaures  Kali  und.Titriren 
die  Menge  des  Sauerstoffs  bestimmen  wollte,  welche  zur 
Ueberführung  des  Chlorids  in  Superchlorid  erforderlich  war. 
Als  Material  zur  Bereitung  des  Chlorids  wählte  ich  das  An- 
timon, dessen  Darstellung  ich  eben  beschrieben  habe  und 
ein  Quecksilberchlorid,  von  welchem  5  Grm.,  probeweise 
in  einem  Porcellantiegel  verdampft  keinen  wägbaren  Rück- 
stand hinterliefseu.  In  Erwägung  der  Reinheit  beider  Sub- 
stanzen hielt  ich  es  für  überÜüssig  das  Antimonchlorid  zu 
destilliren.  Ich  mengte  daher  einen  Theil  gepulvertes  An- 
timon mit  zwei  Theilen  Quecksilberchlorid,  erhitzte  nach 
dem  Zusammenreibeu  das  Gemenge  in  einem  ausgetrock- 
neten kleinen  Kolben,  bis  ein  Theil  des  über  dem  schnell 
sich  bildenden  Amalgam  befindlichen  Chlorantimons  ver- 
dampft war  und  füllte,  den  Rest  von  dem  Amalgam  ab- 
giefsend,  denselben  portionenweise  in  bereitgehaltene,  vor* 


153 

her  tariiie,  ▼erscblieCsbare  GlasgefSfse.  Von  den  zwölf  zur 
Analjse  bestimmten  Proben  ging  eine  dadurch  verloreiiy 
dafii  ich  den  Chlorgehalt  durch  Auflösen  in  Weinsteinsfture 
imd  directe  Fällung  mit  salpetersaurem  Silberoxyd  zu  be^ 
stimmen  versuchte.  Zweimal  zwei  Proben  wurden  zu  den 
gröberen y  über  4  Grm.  betragenden  Mengen  vereinigt:  so 
iah  im  Ganzen  neun  Versuche  übrig  blieben. 

Bei  den  Titrirversuchen  wurde  die  Verbindung  in  Chlor- 
wasserstoEkäure  gelöst  und  die  Lösung  wie  die  des  Anti- 
moooxyds  (Reihe  17)  behandelt. 

Für  die  Gewichtsanalysen  wurde  die  Rose' sehe  Me- 
thode befolgt.  Die  weinsteinsaure  Lösung  wurde  mit  Schwe- 
felwasserstoffgasy  welches  durch  zwei  mit  Wasser  gefüllte 
G  ei f sie r' sehe  (Kali)  Apparate  passirt  war,  gefällt,  aus  dem 
Filtrate  durch  schwefelsaures  Kupferoxyd  der  Schwefelwas- 
serslofl  entfernt  und  aus  der  nochmals  filtrirten  und  mit 
Salpetersäure  versetzten  Fltissigkeit  durch  salpetersaures 
Silberoxyd  Chlorsilber  niedergeschlagen  und  unter  den 
bekannten  Vorsichtsmaafsregeln  geschmolzen  und  gewogen* 


I 

U 
III 


Cblor- 
antimoo. 

GltD. 

1,8576 
1,9118 
4,1235 


Cblon. 
Kali. 
Grrn. 


0,3019 
0,6801 


Zweifacb 
chroms. 
K«li. 
Grm. 

0,5967 


Reibe  «. 

Ver«  Berechoe- 

ChromlösuDg.    brauch-  tes  Atom- 

CubikccDlim.   ter Sauer-  gewicbi 
schliefs-       Stoff.  des 

lieh.         Proc.  ADtioiOO. 

33,4  7,031  121,19 

16,2  7,032  121,16 

23,2  7,022  121,47 


vor- 
läufig. 


15,5 
24,5 


Reibe  «. 


1 
II 

lU 

IV 

V 

VI 


Gbloran- 
tinioD. 
Gnn« 

13662 

1,6832 

2,7437 

2,6798 

5,047 

3,6975 


Chlorsilber. 


Gmi. 

3,483 

3,141 

5,1115 

5,0025 

9,411 

7,2585 


Proc. 

186,64 
186,61 
186,30 
186,67 
186,47 
186,24 


Chlor. 
Proc, 

46,143 
46,137 
46,060 
46,153 
46,101 
46,044 


Berechnetes 
Atomgewicht 
des  ADtimons. 

124,17 
124,20 
124,57 
124,12 
124,38 
124,67 


154 

A  Berechnung  der  Resaltale  wurden  die  Atomgewichte: 
Cl  =  35,46  Ag=  107,97  (Marignac)  angenommen. 

Indem  nun  die  Differenz  der  Resultate  der  Reihe  i  und 
der  Reihe  x  keine  andere  Ursache  haben  konnte,  ab  eine 
Unreinheit  des  angewendeten  Materials,  so  hatte  ich  ur- 
sprtUiglich  die  Absicht,  die  beiden  Reihen  durch  andere, 
mit  sorgfilltiger  dargestelltem  (destillirtem)  Chlorantimon  zu 
ersetzen.  Aeufsere  Umstände  nöthigten  mich  fedodi  die 
Arbeit  unmittelbar  nach  Beendigung  dieser  Versuche  abzu- 
brechen, und  da  ich  bis  jetzt  verhindert  war,  dieselbe  wie* 
der  aufzunehmen,  so  mufs  ich,  um,  die  beiden  Reihoi  com- 
binirend,  eine  Atomgewichtsberechnung  des  Antimons  zu 
▼ersuchen,  auf  die  einzig  wahrscheinliche  Hypothese  surOick- 
gehen:  dafs  beim  Zusammenreiben  des  Antimons  mit  dem 
Quecksilberchlorid,  wobei  schon  eine  Einwirkung  stattfindet^ 
die  Masse  Feuchtigkeit  angezogen  habe,  dafe  beim  nadihe- 
rigen  Kochen  Chlorwasserstoff  verflüchtigt  worden  und  in 
Folge  dessen  das  zurückbleibende  Chlorid  mit  Oxyd  verun- 
reinigt gewesen  sej. 

Die  Reihe  i  giebt  den  mittleren  Sauerstoffverbrauch  des 
Chlorids,  im  Mittel  auf  7,028  Proc,  die  Reihe  x  den  Chlor- 
gehalt im  Mittel  zu  46,106  Proc  an.  Die  Aequivalente  die- 
ser beiden  Zahlen  müfsten  sich,  wenn  die  angewandte  Sub- 
stanz rein  gewesen  wäre,  wie  2 : 3  verhalten.     Es  ist  aber 

^.^^.46,106  =  6,934  anstatt  7,028.      Es  waren   also 

o  o 

y  (7,028  — 6,934)  =  0,1 41  Proc.  Sauerstoff  in  dem  von 

Chlor  übrigen,  mithin  nur  53,894  —  0,141  =  53,753  Anti- 
mon vorhanden.  Diese  Menge  von  Metall  war  es  also^ 
welche  7,028  Theile  Sauerstoff  verbrauchte,  um  von  Oxjd 
in  Säure  übergeführt  zu  werden,  und  hieraus  crgiebtsich: 

Sb  =  122,37. 

Die  am  weitesten  von  dieser  Mittelzahl  sich  entfernendes 
Werthe  erhalten  wir,  wenn  wir  das  Minimum  der  Procente 
Sauerstoff  von  i  (ill)  mit  dem  Minimum  der  Procente  Chlor 
von  X  (VI)  oder  das  Maximum  von  e  (II)  mit  dem  Maxi- 


155 

nium  von  x  (lY)  cotnbiDireD.    Es  crgiebt  sieb  Sb  =  122,49 
bis  122,25. 

Eb  haben  also  im  Ganzen  die  Versuche  fiber  Antimon 
ergeben: 

Aosabl  d.  Atom^wicht  des  Aotimont. 

stinimeoden  Niedrig-  Höch- 

Rcilie.  Material.         Versuche.        sieos.  steos.  Miitel. 

rj      Antimonoxyd       4       121,67       122,58       122,16 
&      Antimon  3       122,16      122,61       122,34 

^  I    Chlorantimon      ^  j    122,25       122,49       122,37 

Obgleich  nun  die  Resultate  dieser  Versuche,  im  Ganzen 
genommen  sehr  nahe  mit  den  von  D  ext  er  gewonnenen 
fibereinstimmen,  so  mufs  ich  doch  gestehen,  selbst  durchaus 
nicht  der  festen  Ueberzeugung  zu  seyn,  dafs  unsere  Zahl, 
die  um  volle  zwei  Wasserstoffeinheiten  höher  ist  als  die 
von  Schneider  gefundene,  der  Wahrheit  um  vieles  näher 
komme  als  diese.  Jeder,  welcher  sich  analytisch  mit  ver- 
sdiiedenen  Antimon  Verbindungen  beschäftigt  hat,  wird  von 
sich  wiederholen  können,  was  Berzelius  (1812)  sagte: 
»Ich  habe  niemals  mit  einer  Materie,  wo  es  so  aufseror- 
dentlich  schwer  ist,  constantc  Resultate  zu  erhalten  gear- 
beitet«. Da  es  aber,  vornehmSich  in  Erwägung  der  man- 
nigfachen Fehlerquellen,  welche  noch  in  meinen  eigenen 
Versuchen  versteckt  seyn  mögen,  durchaus  unpassend  wäre, 
mich  in  grundlosen  Speculationen  über  die  möglichen  Fehler 
anderer,  auf  welche  diese  zum  Theil  selbst  schon  die  Auf- 
merksamkeit gelenkt  haben,  zu  ergehen,  so  möge  es  wei- 
teren und  gründlicheren  Versuchen  auheim  gestellt  bleiben, 
über  diese  sich  widersprechenden  Angaben  verschiedener 
Methoden  Aufklärung  zu  verschaffen.  Jedenfalls  aber  glaube 
ich  gezeigt  zu  haben,  wie  namentlich  bei  der  Analyse  des 
Chlorantimous  die  volumetrische  Methode  eine  sehr  scharfe 
Controle  der  auf  anderen  Wegen  erlangten  Resultate  er- 
möglicht. 

Danzig  im  April  1861. 


156 


VIII.    Untersuchung  einer  Methode,  das  specifische 

Gemcht  von  Flüssigkeiten  mit  der  Uhr  zu 

bestimmen;  von  Dr.  Mohr. 


JLlie  Ausflufsgeflchwindigkeit  von  Flüssigkeiten  hSngt,  ab* 
gesehen  von  allen  molecularen  Beziehungen,  von  der  Drack- 
höhe,  nicht  aber  von  der  Dichtigkeit  der  Flüssigkeit  ab. 
Die  absolute  Geschwindigkeit  des  Ausflusses  ist  die  eines 
freifallenden  Körpers,  der  die  Druckhöhe  durchfallen  hat, 
nach  der  bekannten  Formel  d=V29«,  no  v  (i^lociiiig) 
die  Geschwindigkeit  bezeichnet,  g  (gravitas)  die  Beachleu* 
nigung  der  Schwere,  und  s  (spcUium)  der  Fallraum. 

Bei  gleicher  Druckhöhe  sollte  die  Ausflufsgeschwindi^ 
keit  bei  allen  Flüssigkeiten  gleich  seyn,  da  eine  Flüssigkeit» 
in  dem  Yerhältnifs  sie  specifisch  schwerer  ist,  also  stftrker 
drückt,  auch  durch  ihre  gröfsere  Masse  einen  gröfseren 
Widersland  der  Bewegung  entgegenstellt.  Die  aus  einer 
runden  Oeffnung  ausgeflossene  Menge  der  Flüssigkeit  ist 
ein  Cjrlinder  von  dem  Querschnitt  der  Ausflufsöffnung  und 
von  der  Höhe,  welche  aus  den  beiden  Factoren  der  Aus- 
flufsgeschwindigkeit  und  der  Zeit  besteht.  Unter  ganz  glei- 
chen Verhältnissen  sollten  deshalb  in  gleicher  Zeit  gleiche 
Volumina  von  allen  Flüssigkeiten  ausfliefsen,  und  die  ab- 
soluten Gewichte  der  einzelnen  Flüssigkeiten  würden  sich 
verhalten  wie  die  speciflschen.  Wollte  man  nun  unter  glei- 
chen Verhältnissen  verschiedene  Flüssigkeiten  gleich  lang 
ausfliefsen  lassen,  so  erhielte  man  im  günstigen  Falle  nichts 
anderes  ak  die  gleichen  Volumina,  und  müfste  die  Mengen 
wägen;  dabei  wäre  aber  nichts  gewonnen,  da  man  gleiche 
Volumina  weit  schärfer  in  eine  Literflasche  mit  engem  Halse 
abmessen  kann.  Läfst  man  aber  gleiche  Gewichte  der  Flüs- 
sigkeiten ausfliefsen,  so  müfsten  sich  die  Auslaufszeiteu  um- 
gekehrt wie  die  specifischen  Gewichte  verhalten.  Ob  diese 
Methode  sich  zu  einer  Anwendung  eignete,  konnte  a  priori 
nicht  festgestellt  werden;   es  war  sogar  nicht  einmal  wahr- 


157 

scheinlich,  da  molecularc  Wirkungen  sich  bei  der  Bewe- 
gung des  Aosfliefsens  sicherlich  geltend  machen  würden.  Es 
kam  also  auf  eine  experimentelle  Prüfung  an. 

Vor  allen  war  nothwendig,  dafs  die  Drockhöhe  während 
des  Ausfliebens  und  bei  dem  Wechseln  der  Flüssigkeiten 
sich  nicht  im  Mindesten  ändern  konnte,  und  deshalb  wurde 
der  Apparat  so  eingerichtet,  dafs  er  weder  bei  dem  Ver- 
suche^ noch  bei  dem  Wechsel  der  Flüssigkeit  bewegt  oder 
geöffnet  werden  mubte. 

Eine  gleiche  Druckhöhe  wird  bekanntlich  durch  die 
Mariotte'sche  Röhre  leicht  hervorgebracht. 

Fig.  4  Taf.  11  stellt  einen  etwa  1  Liter  haltenden  Ballon 
mit  Glashahn  und  gebogener  AusfluCsspitze  vor,  um  direct 
auf  eine  Waage  ausfliefsen  lassen  zu  können.  Die  obere 
Oeffoong  war  durch  einen  Kork  verschlossen,  durch  wel- 
chen luftdicht  die  mit  einem  Trichter  versehene  Mariotte'- 
sdie  Röhre  und  eine  mit  einer  elastischen  Klemme  (Quetsch- 
haho)  geschlossene  Röhre  hindurchging. 

Oeffnete  man  diese  Klemme  durch  Quetschen,  so  konnte 
man  durch  den  Trichter  Flüssigkeit  eingiefsen,  ohne  die 
Flasche  zu  öffnen  oder  nur  zu  bewegen.  Die  Druckhöhe 
ist  der  senkrechte  Abstand  zwischen  dem  untersten  Ende 
der  Luft  einführenden  Trichterröhre  bis  zur  Ausflufsspitze. 
Die  Ausflufsöffnung  war  etwa  1"""  weit.  Man  prüft  den 
Apparat  auf  seine  Dichtheit,  wenn  man  den  gl&sernen  Hahn 
öffnet  und  Flüssigkeit  ausfliefsen  läfst,  bis  Luftblasen  durch 
die  Trichterröhre  eindringen.  Schliefst  man  jetzt  den  Aus- 
flafohahn,  so  mufs  das  Niveau  der  Flüssigkeit  ganz  unten 
in  der  Röhre  stehen  bleiben  und  darf  selbst  nach  längerer 
Zeit  nicht  steigen.  Die  Ausflufszeitcn  werden  mit  einer 
guten  Sekundenuhr  beobachtet. 

Auf  einer  Waage  wurde  ein  Becherglas  ins  Gleichge- 
wicht gebracht,  dann  die  eine  Seite  mit  500  Grm.  belastet, 
und  der  Hahn  bei  der  vollkommen  vorgerichteten  Flasche 
mit  einer  vorher  notirten  Sekunde  rasch  vollgeöffnet.  Um 
nicht  vom  Bewegen  der  Waage  überrascht  zu  werden,  wurden 
auf  die  Seite  des  Ausflusses  etwa  20  Grm.  als  Wächter  auf- 


158 

gelegt.  Beim  ersten  Bewegen  der  Waage  wurden  diese  we§> 
genommen,  dann  die  Sekundenuhr  ans  Ohr  gebaUen  und 
beim  ersten  Bewegen  des  Zeigers  an  der  Waage  die  Sekunde 
ausgesprochen  und  notirt.  Zun&chst  wurde  geprtlft  welche 
Uebereinstimmung  die  Resultate  unter  sich  bei  gleichem 
Volume  hatten,  indem  eine  Halbliter- Flasche  mehrmals  bis 
an  die  Marke  volllaufen  gelassen  wurde.  Alle  Fltissigkeiteo 
hatten  die  Temperatur  von  12^  R.  Für  den  Auslauf  von 
500  CC.  Wasser  wurden  beobachtet: 

1)  402     Sek. 

2)  402,5    » 

3)  402,5     » 

Da  diese  Uebereinstimmung  befriedigend  war,  so  wurde 
XU  den  Versuchen  fibergegangen.  E^  wurden  drei  Flflssigkei- 
ten  verwendet:  1)  Destillirtes  Wasser  von  14"  R.,  alsEjnheit 
genommen,  2)  ein  Brennspiritus  von  dem  specifischen  Ge- 
wichte 0,87315  und  3)  eine  Kochsalzlösung  von  dem  spe- 
cifischen Gewichte  1,19409.  Diese  specifische  Gewichte 
wurden  durch  Aus  wägen  einer  100  CC.  Wasser  haltenden 
Flasche  bis  auf  Milligramme  bestimmt. 

1.    AosflufiiBeUea  für  gleiche  Volumina  (500  CC). 
Wasser.  Weingeist.  SaUIösung. 

1)402     Sek.  1)455,5  Sek.         1)419  Sek. 

2)  402,5    »  2)  449      »  2)  421     » 

3)  402,5    »> 

Hiermit  war  die  Methode  eigentlich  schon  Terurtheilt 
Diese  Zahlen  hätten  der  Theorie  nach  untereinander  gleich 
seyn  müssen.  Die  Differenzen  betrugen  an  53  Seknndea, 
während  die  Beobachtung  nicht  leicht  über  eine  Se\junde 
irren  konnte.  Es  geht  daraus  hervor,  dafs  der  Weingeist  die 
gröfste  moleculare  Einwirkung  darbot,  indem  er  am  lang- 
samsten ausflofs.  Es  ist  daraus  zu  schliefsen,  dafs  keine 
Flüssigkeit  die  nach  der  Theorie  aus  der  Druckhöhe  ent- 
springende Ausflufsgeschwindigkeit  besitzt,  und  dafs  die  Co- 
hftsion  der  Flüssigkeit,  so  wie  die  Anziehung  an  die  Wände 
des  Gefäfses  uothwendig  die  Ausflufsgeschwindigkeit  ver- 
mindern und  die  Ausflufszeit  verlängern  müsse.    Nun  wur- 


159 

den  die  AnsfluCBzeiten  für  gleiche  Gewichte  (500  Grm.)  mit 
der  Waage  gemessen. 

Anaflulin&eiteo  fnr  gleiehe  Gewichte: 


1. 

2. 

3. 

Wauer. 

WeiogcUt. 

SalzlSioog. 

413,5  Sek. 

534  Sek. 

352  Sek. 

413      » 

524    » 

353    » 

413,5    » 

523    » 

353    - 

Mittel  413,33  Sek.        523,66  Sek.        352,66  Sek. 

Zunächst  ist  es  aaf&IIend  dafs  die  Aasflulszeiten  fQr 
500  CC.  und  500  6nn.  Wasser  verschieden  sind.  Diefs 
mag  seinen  Grund  darin  haben,  daCs  die  500  CC.  Flasche 
trocken  geaicht  war,  bei  den  Versuchen  aber  nur  ausge- 
laufen und  noch  feucht  angewandt  wurde,  weil  das  Aus- 
trocknen zu  viel  Zeit  in  Anspruch  genommen  hätte:  sodann 
wurde  beim  Bestimmen  der  Ausflufszeit  für  gleiche  Gre- 
wichte  gefunden,  dafs  beim  Bewegen  des  Zeigers  an  der 
Waage  schon  0,9  bis  1,1  Grm.  Wasser  zuviel  ausgeflossen 
war,  während  in  der  500  CC.  Flasche  die  Marke  streng 
eingehalten  werden  konnte.  Der  erste  Umstand  vermin- 
dert die  Ausflubzeit  für  gleiche  Volumina,  und  der  zweite 
vermehrt  die  für  gleiche  Gewichte. 

Nach  der  Theorie  mü&te  das  specifische  Gewicht  des 

Weingeistes    ^''    —  0,789  seyn;  es  war  aber  0,87315,  ako 
sehr  weit  davon  entfernt.  Das  specifische  Gewicht  der  Salz- 

413  33 

Itoing  müfste  ö&ölÄä^^ ''^^^  seyn;  ^  ^^r  aber  1,19409, 
also  ebenfalls  ganz  unbrauchbar.  Eis  ergiebt  sich  aus  diesen 
wenigen  Versuchen,  dafs  man  dafs  specifische  Gewicht  von 
Flüssigkeiten  nicht  mit  der  Uhr  bestimmen  kann,  da  die 
molecularen  Störungen  die  Resultate  zu  sehr  beeinflussen. 
Dagegen  lieÜBe  sich  das  Verfahren  wohl  dazu  anwenden, 
aus  dem  Unterschiede  des  wirklichen  und  des  so  gefunde- 
nen spedfischen  Gewichts  die  Cohäsion  der  Flüssigkeiten  zu 
bestimmen.  Die  störenden  Kräfte  sind  zwei:  1)  die  Adhä- 
sion der  Flüssigkeiten  an  den  Wandungen  des  Gefäfses, 
nigstena  an  der  Auaflufsspitze.  Dieselbe  könnte  durch 
pillare  Röhren  gemessen  werden,  2)  die  Bewe^Ucfakeil  d^t 


160 

Flllsngkeitsinolecüle  unter  sich.  Ueber  diese  sind  mir  keine 
UntersDchungen  bekannt  Die  hierauf  bczQglidien  Versudw 
wQrden  viel  Zeit  in  Anspruch  nehmen,  und  liegen  mir  auch 
sonst  zu  sehr  aus  dem  Wege,  weshalb  ich  meinen  Antheil 
an  dieser  Frage  gerne  jedem  Forscher  zur  Disposition  stelle. 


IX.      Die  Bestimmung  des  absoluten   und  speciß- 
sehen  Gewichtes  in  Flüssigkeiten  suspendirter 

Niederschläge ; 
von  Dr.   Fi.  Fleck, 

Assistent  an  der  Kdnigl.  poljtechnischeo  Schale,  Lehrer  der  Physik  und 
Chemie  an  der  chtrargisch  medicinischeo  Academie  in  Dresden. 


iL^ur  Beantwortung  einer  Reihe  chemisch  physikaliscber 
Fragen  erschien  es  dem  Verfasser  Dieses  von  Wichtigkeit 
ein  Verfahren  zu  besitzen,  durch  welches  die  Frage  gelM 
werde: 

In  welchem  Dichtigkeitszustande  befinden  sich  chemiseke 
Verbindungen  im  Momente  ihrer  Abscheidung? 

Zur  Stellung  derselben  wird  man  schon  berechtigt,  so- 
bald man  das  Verhalten  von  Niederschlägen  in  Flüssigkeiten 
etwas  näher  in  das  Auge  fafst.  Die  Schwierigkeit  und  Lang- 
samkeit, mit  welcher  gewisse  chemische  Verbindungen,  deren 
specifischcs  Gewicht  im  trocknen  und  festen  Zustande  oft 
ziemlich  hoch  erscheint,  sich  in  den  FäUungsfltissigkeiteD 
abscheiden,  die  Leichtigkeit,  mit  welcher  sie  durch  geringe 
Bewegung  der  Decantirgefäfse  ihren  Platz  wechseln,  in  der 
Flüssigkeit  sich  erheben,  um  dann  sich  langsam  wieder  nie* 
derzuschlagen,  spricht  dafür,  dafs  die  Dichtigkeit  derselben  in 
dem  Zustande  der  Abscheidung  eine  geringere  ist  als  die,  in 
welcher  wir  den  Körper  im  festen  oder  einfach  getrockneten 
Zustande  begegnen ;  auf  diesen  Dichtigkeitsunterschied 


1()1 

den   wir  sehr  häuüg  schon  durch  die  Farbcnänderung  hin- 
gewiesen, welche  gewisse  Stoffe,  ohne  ihre  chemische  Zu- 
sammenseUaDg  zu  ändern,  erfahren,  sobald  sie  getrocknet 
oder  geschmolien  werden:  Rothes  Dreifach -Seh wefelanti- 
moilsSbS,,   durch   Fällong   einer   Antimonchlorürlösung 
mit  Schwefelwasserstoff  erhalten,  geht  beim  Schmelzen  in 
graoschwarzen,  krystallisirten  Schwefelspiebglanz  über;  das 
schwarze  Schwefelqaecksilber   liefert    bei  der  Sublimation 
den  schweren  rothen  Zinnober;   weifses  Chlorsilber  liefert 
schon  am  Lichte  eine  bläuliche,  dichtere  Verbindung  deren 
Farbenänderong  wohl  nicht  allein  den  auf  der  Oberfläche 
des   Niederschlages    statthabenden   Reductionprocefis   zuge- 
schrieben werden  dürfte;  kohlensaurer  Kalk,  als  voluminö- 
ser amorpher  Niederschlag  abgeschieden,  geht  beim  längeren 
Stehen,  noch  schneller  durch  Erwärmen  der  Flüssigkeit,  in 
krjBtallisirten  Doppelspath  über,  wo,  bei  Anwendung  eines 
Ueberschnsses  des  Fällungsmittels,  jedes  Krystallkörnchen, 
unter   dem  Mikroskop  betrachtet,    die  hemiedrische  Form 
der  heiagonalen  Doppelpyramide  erkennen  läfst   Ueber  die 
Beziehungen,  in  welchen  solche  Molecularveränderung  che- 
nnadier   Verbindungen   zu   den    chemischen   Eigenschaften 
stehen,  erlangen  wir  indefs  erst  einiges  Licht,  sobald  es 
iina  möglich  wird,  die  oben  ausgesprochene  Frage  auf  ex- 
perimentellem Wege  zu  beantworten.     Nach  einer  Reihe 
vergeblicher  Versuche  und  Berechnungen  ist  es  dem  Ver- 
fasser  dieses  gelungen,    ein   Verfahren  in  Anwendung  zu 
bringen,  welches  zunächst  dazu  bestimmt  ist,  die  Dichtig- 
keitszustände  von  in  Fällungsflüssigkeiten  suspendirten  Nie- 
derschlägen kennen  zu  lernen.  Schon  die  ersten  damit  an- 
gestellten Versuche   lieferten    so   überraschende  Resultate, 
dafs  es  dem  Verfasser  als  Pflicht  erscheint,  die  Methode 
zur  Oeffentlichkeit  gelangen  zu  lassen,  damit  es  dem  grö- 
fseren  chemischen  Publikum  möglich  werde,   auf  der  be- 
tretenen Bahn   mit   fortzuarbeiten   und   das    unermefBliche 
Gebiet  von  experimentellen  Forschungen,  welches  sich  da- 
durch erschliebt,  gleichzeitig  bearbeiten  zu  helfen.   Es  mulh 
ohnedieis  Jedaa,  der  ein  solches  VeriaViTeu  vot^äsAlBL^^  ^vncGk 

PoggendorfT»  AaaaL  Bd.  CXIU.  VV 


162 

gelegen  seyn,  dasselbe  auch  von  anderer  competenier  Seite 
geprüft  und  dessen  Werih,  sowie  den  der  daraus  hervor- 
gehenden Resultate  mehrseitig  beurtheilt  zu  wissen. 

Nach  dem  bekannten  hydrostatischen  Gesetze:  JtAet 
unlösliche  feste  Körper  verdrängt^  in  Flüssigkeiten  f>on  otr- 
schiedener  Dichtigkeit  eingetaucht^  ein  seiner  Masse  eni* 
sprechendes  Volumen  und  Gewicht  des  letzteren,  beantwor- 
ten wir  obige  Frage,  sobald  wir 

1)  das  Gewicht  g  eines  gleichen  Volumens  Flfissigkeit 
sammt  Niederschlag, 

2)  das  Gewicht  g^  eines  gleichen  Volumens  Flfissigkeit 
sammt  Niederschlag  (bei  verändertem  spedfischem  Ge» 
wicht  des  letzteren), 

3)  das  specifische  Gewicht  s  der  ersten  Flüssigkeit  und 
4  )  das  specifische  Gewicht  s .  der  zweiten  Flüssigkeit»  in 

welche   nach  einander  der  Niederschlag  übergeführt 
wird,  und  endlich 
5)  das  stets  gleiche.  Volumen  f>  der  Flüssigkeiten  sammt 
Niederschlag  durch  das  Experiment  bestimmt  haben. 
Es  schliefsen  dann  die  bekannten  Werthe 
g  die  unbekannten  Gewichte  a  der  Flüssigkeit  (vom  spe- 
cifischen  Gewichte  s)  und  x  des  darin  vertheilten  Nie- 
derschbges, 
9i  die  unbekannten  Gewichte  a^  der  Flüssigkeit  (vom  spe- 
cifischen  Gewichte  Si)  und  x  des  darin  vertheilten  Nie- 
derschlages, 
V  das  unbekannte  Volumen  a  beider  Flüssigkeiten  und 
y  des  Niederschlages  ein,  so  dafis 


g   =a   +x 

9i—ai  +^ 

f>  =«  +y 

a   =zsa 

a,  =«,«; 

dann  ist  aber  auch 

g        sa  +  X 

•     •     • 

•     (!) 

und 

gf,  z=zsia  +  x  .     . 

•     •     • 

•  ai) 

mithin 

X    —g  —  as,  =g, 

—  a», 

163 
and  daraofl 


a—SZlRi. 


UeberUrägt  man  lelxteren  Wertb  in  Formel  (I)  und  (II),  so 
wird 

9  =•  (^)+*    .  .  .  .  (ni) 

Daraus  berechnet  sich  x,  das  Gewicht  des  Niederschlages: 

*=«  -*  (75ff)     '  <  •    •   (V) 

*=i^.-*.K-Ef7)  '•  .  .  .  (VI). 

Das  Volumen  des  Niederschlages  y  ergiebt  sich  aus  folgen- 
den Formeln 

»  =  »  — ^^^' (VII). 


<  —  « 


Durch  Division  des  Werthes  y  in  x  resultirt  dann 


(VIII) 


,_£llt»  «^-• 


das  specifische  Gewicht  des  Miederschlages. 

Zur  Auffindung  der  in  den  Formeln  (I)  bis  (VIII)  be- 
stimmten Werthe  wird  in  folgender  Weise  operirt: 

Man  normirt  zunächst  den  Inhalt  eines  ungefähr  50  Ca- 
bikcentimeter  Flüssigkeit  haltenden  Kölbchens  mit  flachem 
Boden  auf  eine  nachher  zu  besprechende  Weise  und  fttUt, 
nachdem  die  Tara  desselben  durch  wiederholte  Austrock- 
nung und  Wägung  möglichst  genau  festgestellt  ist,  aus  ei- 
nem Gefäfse,  in  welchem  durch  chemische  Umsetzung  ein 
Niederschlag  erzeugt  wurde,  diesen  sammt  Flüssigkeit  in  das 
Kölbchen  bis  zu  dem  markirten,  das  Volumen  ein  für  alle- 
mal feststellenden  Punkte,  trocknet  das  Gefäfs  völlig  ab 
und  dto  nicht  mit  Flüssigkeit  geiüUlctv  TWvY  d^^^.  ^^io^ 


164 

▼olktSndig  aus  und  wllgt  Kolben  mit  Inhalt;  nadi  Abnig 
des  Kolbcngewichtes  von  dem  Gesammtgewicbt  erhSlt  man 
g^  das  Gewicht  der  Flüssigkeit  und  des  Njederachliges, 
^sa  +  x.  Sodann  schliefst  man  das  Gefiifs  and  fiberlibt 
es  bis  zur  vollständigen  Klärang  der  FlOssigkeit  von  dem 
sich  darin  abscheidenden  Niederschlag,  sich  selbst.  Hat  sidi 
letzterer  vollständig  abgelagert,  so  zieht  man  mittelst  eines 
aus  einer  sehr  dOnnen,  etwa  1  Millimeter  im  Durchmesser 
haltenden  Glasröhre  geformten  Hebers  die  geklärte  FlOssig- 
keit bis  zu  ungefähr  1  ihres  Volums  ab  und  bestnnmt  in 
einem  15  bis  20  Cubikcentimeter  fassenden  Pyknometer  das 
specifische  Gewicht  derselben  =  s.  Auf  den  unter  der  hn 
Kölbchen  verbleibenden  Flüssigkeit  befindlichen  Nieder- 
schlag und  zu  erstem  giefst  man  destillirtes  Wasser,  aditll- 
telt  längere  Zeit  gut  um,  damit  die  den  Niederschlagmole- 
cülen  adhärireuden  Flüssigkeitstheilchen  gleichmftfsig  ver- 
mischt werden,  und  fiberläfst  wiederum  das  Kölbchen  bis 
zur  völligen  Klärung  des  Inhaltes  sich  selbst,  normirt  dann 
das  Volumen,  trocknet  gut  ab  und  aus  und  wägt  von  Neuem. 
Das  Gesammtgewicht  minus  der  Kolbentara  entspricht  dem 
Werthe^,:  das  ist  das  Gewicht  der  Flüssigkeit  Oj  und  des 
Niederschlages  x.  Man  bestimmt  dann,  wie  oben,  das  spe- 
cifische Gewicht  der  über  dem  Niederschlag  stehenden  Flüs- 
sigkeit von  dem  Werthe  s  ^  und  besitzt  nun  alle  die  Werthe^ 
welche  dazu  dienen,  die  noch  Unbekanten  a,  x  und  y  zu 
berechnen. 

Das  ganze  Verfahren,  so  einfach  es  für  den  ersten  Au- 
genblick erscheint,  schliefst,  sabald  nicht  alle  Vorsichtsmaaf»- 
regeln,  wie  sie  bei  Herstellung  gleicher  Flüssigkeitsrolumina 
und  bei  der  Bestimmung  specifischer  Gewichte  nothwendig 
erscheinen,  auf  das  Genaueste  beobachtet  werden,  eine  Reihe 
von  Fehlerquellen  ein,  liefert  aber,  sobald  letztere  vermie- 
den werden,  auch  sehr  zuverlässige  Resultate.  Zur  Hervorhe- 
bung der  Vorsichtsmaafsnahmen  und  zum  vollständigen  Ver- 
ständnifs  des  oben  kurzentwickelten  Verfahrens  lasse  ich 
hier  einige  Versuche,  wie  ich  solche  angestellt,  nach  ihrem 
ganzen  Verlauf  in  der  Beschreibung  folgen: 


165 

Em  moU  da$  $pecifische  GewicU  des  frisch  gefällten 
Chlarsilbers  bestimmi  werden. 

In  einem  etwas  geräumigen  Probirröhrchen  wird  eine 
ooncoitrirte  Höllensteinlösung  mit  Kochsalzlösung  gef&Ut, 
die  Flüssigkeit  mit  Salpetersäure  schwach  angesäuert  und 
dmrch  Elinhtlllen  des  Röhrchens  in  ein  schwarzes  Papier 
iex  Niederschlag  vor  den  Einflufs  der  directen  Lichtstrahlen 
gesichert  Während  dieser  Zeit  hat  man  das  Kölbchen,  in 
welches  die  Wägungen  ausgeführt  werden  sollen,  auf  einem 
wannen  Ofen  oberflächlich  getrocknet.  Dieses  Kölbchen, 
wdU:he8  etwa  60 — 60  Cubikcentimeter  Wasser  fafst,  hat 
einen  Hals  von  beiläufig  der  doppelten  Höhe  des  Kolb- 
banches;  der  Durchmesser  des  Halses  darf  im  Lichte  nicht 
mehr  als  1  Centimeter  betragen.  Man  senkt  in  den  Kolben, 
der  vor  seinem  Gebrauch  mit  destillirtem  Wasser  gehörig 
ans-  and  abgesptilt  worden,  nachdem  er  auf  den  Ofen  ober- 
flichtich  ausgetrocknet,  ein  rechtwinklig  gebogenes  Glas- 
rohr und  saugt  durch  dasselbe  so  lauge,  unter  fortdauern* 
der  Erwärmung  des  Kolbens,  trockne  Luft  ein,  bis  der 
Kolben  nicht  mehr  an  Gewicht  abnimmt,  also  vollständig 
trocken  gemacht  ist  Die  letzte  Wägung  entspricht  der 
Tara  des  Kolbens.  Ist  dieser  so  weit  vorbereitet,  füllt  man 
ihn  mit  ausgekochtem,  destillirtem  Wasser  von  bestimmter 
Temperatur  und  stellt  das  Volum  desselben  fest.  Die 
Normirung  desselben  ist  durch  Einhaltung  eines  am  Kol- 
benbals  angebrachten  Theilstriches  nicht  vollständig  genau 
zu  ermöglichen.  Man  beobachtet  bei  noch  so  genauer  Ab- 
lesung immer  Gewichtsdifferenzen  von  5  bis  10  Millimeter, 
welche  sich  auf  diese  Weise  nicht  umgehen  lassen.  Aus 
diesem  Grunde  habe  ich  zu  einem  andern  Verfahren  schrei- 
ten müssen:  Ich  zog  nämlich  das  Röhrenstück  einer  kleinen 
Glashohlkugel,  wie  solche  von  zerbrochenen  Licbig'schen 
Kaliapparaten  für  die  Elementaranaljse  in  jedem  Labora* 
toriom  angetroffen  werden,  in  eine  sehr  feine,  gerade  Spitze 
aus  und  setzte  diese  Kugel  mit  der  Spitze  nach  unten  auf 
den  Kolbenhals  (Fig.  5,  Taf.  II).  Letztere  saugt  nun  als 
Capillarröhre,  so  lange  sie  noch  die  in  dem  Kolben  befind- 


166 

liehe  Fifissigkeit  berührt,  von  letzterer,  bis  de  tb«r  ihr 
ausmfindet,  fortwährend  ab.  Die  aafgesogenen  Fltksrig- 
keitstheilchen  werden  durch  an  die  Spitze  gehaltene  Blfttt- 
chen  yon  Filtrirpapier  weggezogen  und  durch  Wiederhohmg 
des  Eintauchens  das  Flfissigkeitsvolumen  im  Kolbenhab  auf 
ein  stets  gleiches  gebracht.  Den  noch  feuchten  Kolbenhab 
trocknet  man  mit,  zu  einer  Rolle  gedrehtem,  Filtrirpapier 
aus  und  wägt  dann  den  Kolben  sammt  Inhalt. 
Das  Gesammtgewicht  beträgt  60,080  Grm. 

Kolbentara    6,308  Gm. 

63,772  Grm.  Wasser  nm 

+ 16,5«  G 

Die  Dichtigkeit  des  Wassers  bei  dieser  Temperatar  be- 
trägt nach  Kopp  0,99907,  das  Volumen  obiger  Wasser- 
menge ~  ^^^-  =  53,822  =  0.      Ist   so  der  Kolbeninhalt 

bestimmt,  füllt  man  aus  dem  Probirröhrchen  den  Chlor- 
silberniederschlag sammt  Flüssigkeit  in  den  vorher  entleer- 
ten Kolben,  füllt  bis  zu  |  der  Kolbenhalshöhe  Wasser 
oder  verdünnte  Salpetersäure  nach,  schüttelt  einige  Minuten 
lang  um,  während  man  den  Kolben  mit  schwarzem  Papier 
umgiebt,  und  stellt  ihn  ebenso  verwahrt  eine  Stunde  lang 
in  ein  mit  Wasser  von  bestimmter  Temperatur  gefülltes 
Becherglas  neben  das  darin  stehende  Pyknometer,  das  Be- 
cherglas selbst  aber  in  ein  mit  demselben  Wasser  gefülltes 
Holzgeföfs.  Der  Zweck  dieser  Arbeit  ist  die  Erzielung  und 
Erhaltung  gleichmäfsiger  Temperaturen.  Nach  Verlauf  einer 
Stunde  normirt  mau  mit  Hülfe  der  kleinen  Glaskugel  das 
Flüssigkeitsvolum  des  Kolbens,  trocknet  höchst  sorgfaltig 
das  Innere  des  Kolbeuhalses  und  die  äufsereu  Wandungen 
des  Kolbens  ab  und  wägt  von  Neuem. 

Das  Gesammtgewicht  beträgt  62,668  Grm. 

Kolbentara     6,308  Grm, 

56,360  Grm.  =:g=a+x. 

Während  der  Wäguug  hatte  eine  sehr  geringe  Farben- 
ändcruug  des  vorher  noch  weifscu  Niederschlages,  die  aber 
iinvenneidlich   war,  stattgefunden.     Der  Kolben  wird  nun 


167 

wieder  in  das  Becherglas  eingesetzt,  Uugere  Zeit  zur  Rege. 
lang  der  Temperatur  (beilttufig  -f-9°  C.)  darin  gelassen,  wäh- 
rend das  Wasser  im  Holzgefäfs  öfter  durch  Wasser  von  die- 
ser Temperatur  ersetzt  wird;  dann  zieht  man  mittelst  des 
oben  beschriebenen  engen  Glashebers  einen  Theil  der  Flüs- 
sigkeit aus  dem  Kolben  ab  und  bestimmt  im  Pyknometer 
deren  spec.  Gewicht  =  1,10453  =  «.  (Um  diese  specifische 
Gewiditsbestimmuug  möglichst  genau  zu  erhalten,  ist  es 
nöthi^  das  Pyknometer  vorher  mit  destillirtem  Wasser  von 
ganz  gleicher  Temperatur  auszuwägen).  Die  aus  dem  KoL 
ben  gezogene  Flüssigkeit  ersetzt  man  nun  durch  destillirtes 
Wasser,  mit  welchem  man  den  Kolben  anfüllt,  sodann 
mehrere  Minuten  schüttelt,  von  Neuem  in  das  Wasserge- 
fkfs  einsetzt  und  wieder,  mit  schwarzem  Papier  umkleidet, 
ach  eine  Stunde  lang  selbst  überlfifst.  Nach  dieser  Zeit 
wird  der  Inhalt,  wie  oben  angegeben,  normirt,  der  Kolben 
abgetrocknet  und  gewogen;  man  erhält 

das  Gesammtge wicht  61,150  Grm. 
Kolbentara    6,308  Grm. 

54,842  Grm.  =  jf ^  :=  ai  +  a? 
hierauf  bebt  man  aus  dem  Kolben  wieder  einen  genügenden 
Theil  der  Flüssigkeit  ab,  nachdem  vorher  die  Normaltem- 
peratur  wie  oben  hergestellt  ist,  und  bestimmt  im  Pykno- 
meter deren  Gewicht  :=  1,0164  =  5^. 

Durch  diese  aufeinanderfolgenden  Operationen  sind  nun 
folgende  Werthe  erzielt  werden: 

o  =  a+y  =  53,822  Cubikcentimeter 

g:=a+x=z 56,350  Grm. 

$  =  1,0453 

g^  =  Ol  +:c  :=  54,842  Grm. 
#,=1,0164, 
daraus  berechnet  sich 

_ g-g,  _  66,350-54,842  _  1,506    _  e<>  , oft 
"  —  ,-*.    —   1,0453-- 1,0164  —  0.0289  "  ^^»^ö"' 

a  =  a.8  =  52,180  •  1,0453  =  54,54375 
x=g^a  =  56,350  —  54,5437  =  1,8063 
j/  =  c  —  a  =  53,822  —  52,180  =  1,642 

d  =  i^  =  ^=^  =  i^J  =  l,100,   =dem  specifi^ 

sehen  Getoicüt  des  CK\oTS\\\iCT^. 


168 

Ein  zweiter  Venoch  in  einem  sweiten  Kölbchen,  auf 
gleiche  Weise  mit  Chloreilber  ausgef&hrt,  ergab  folgende 
Werthe: 

o  =:  55,001 

g  =  62,505 

$  =1,1392 

^.=  67,625 

«,  =  1,10462 
(die  WSgungen  wurden  bei  + 12,4"  C.  ausgefüiirt). 
Daraus  berechnet  sich 

a  =  59,7772 

X  =  2,7278 

tt  =  52,473 

y  =  2,528 

d^-  =  ^^^^lJQ8  =  dem»peeifi$ehmGewidUde$ 

Chlorsilbers. 

Diese  nahezu  übereinstimmenden  Resultate  zeugen  zu- 
nächst für  die  Richtigkeit  des  Verfahrens,  wie  sie  anderer- 
seits das  interessante  Resultat  liefern,  dafs  sich  die  als  Nie- 
derschläge abgeschiedenen  Verbindungen  in  einem  ganz  an- 
deren Dichtigkeitszustande  befinden,  als  in  welchem  wir 
ihnen  im  getrockneten  oder  geschmolzenen  begegnen. 

Da  die  Versuche  mit  Hülfe  dieses  Verfahrens  nun  ihren 
Fortgang  nehmen,  behalte  ich  mir  die  Veröffentlichung  der 
daraus  bereits  erzielten,  interessanten  Resultate  für  eine 
spätere  Veröffentlichung  vor,  fühle  mich  aber  zugleich  ver- 
anlafst,  Fachgenossen,  welche  sich  für  diesen  Gegenstand 
interessiren,  zu  ersuchen,  vergleichende  Versuche  anzustel- 
len, da  es  nur  wünschenswerth  erscheinen  kann,  die  da- 
durch erzielten  Erfolge  als  neue  Grundlage  für  fortgesetzte 
Forschungen  auf  dem  Gebiete  der  physikalischen  Chemie 
verwendet  zu  sehen. 


169 


X.     Ueber  die  Einmrkung  des  Broms  auf  die 
Buitersäure;  con  ü  Schneider. 


U  eher  die  Einwirkung  des  Broms  auf  die  Buttersäure  war 
bis  jetzt  so  gut  wie  Nichts  bekannt.  Cahonrs^)  hat  an- 
gegeben, da(s  wenn  man  zu  einer  wSCsrigen  Lösung  von 
buttersaurem  Kali  vorsichtig  Brom  fügt,  bis  eben  einige 
Tropfen  einer  bromhaltigen  Säure  niederfallen,  dann  zur 
Trockne  abdampft,  mit  Weingeist  auszieht  und  zum  Filtrat 
einige  Tropfen  Schwefelsäure  fügt,  eine  von  der  Buttersäure 
etwas  verschiedene,  schwächer  als  diese  riechende,  in  Was- 
ser und  Weingeist  lösliche  Säure  abgeschieden  wird.  Diese 
Substanz  ist  nicht  näher  untersucht  worden.  Cahonrs 
giebt  darüber  nur  an,  sie  scheine  nicht  C^HeBr^O«  zu 
seyn,  —  ako  nicht  von  gleicher  Zusammensetzung  mit  der 
Siore,  die  er  bei  der  Einwirkung  von  Brom  auf  dtracon- 
saures  Kali  erhalten  hatte  und  die  nach  ihrer  empirischen 
Znaammensetzung  als  Dibrombuttersäure  (C8HoBrs04) 
betrachtet  werden  konnte.    (S.  weiter  unten.) 

Ich  habe  das  Verhalten  des  Broms  zur  Buttersäure  ei- 
ner ausführlichen  Untersuchung  unterworfen  und  theile  hier 
die  Resultate  mit,  zu  denen  ich  bis  jetzt  gelangt  bin.  Ich 
behalte  mir  vor,  den  Gegenstand,  den  in  allen  Richtungen 
erschöpfend  zu  behandeln  mir  bis  jetzt  unmöglich  war,  wei- 
ter zu  verfolgen. 

Brom  läfst  sich  in  jedem  Verhältnib  mit  Buttersäure 
mischen  und  übt  bei  gewöhnlicher  Temperatur  durchaus 
keine  Wirkung  auf  die  Säure  aus.  In  der  Wärme  dage- 
gen findet  eine  kräftige  Einwirkung  statt  und  es  werden 
je  nach  dem  Verhältnifs,  in  dem  man  Brom  und  Butter- 
sSure  anwendet  und  je  nach  der  Temperatur,  der  man  das 
Gemisch  beider  aussetzt,  verschiedene  Substitutionsproducte 
der  Buttersäure  erhalten. 

1)  Annal  de  Chim,  ei  Phys,  (3)  19,  607. 


170 

Das  Brom  und  die  BuUersäare  müssen  dabei  im  Zu- 
stande völliger  Trockenheit  und  Reinheit  angewendet  wer- 
den. Die  Buttersäure,  deren  ich  mich  bediente»  war  von 
H.  Trommsdorff  aus  Erfurt  bezogen.  Dieselbe  wurde 
einer  nochmah'gen  fractionirten  Destillation  unterworfen 
und  nur  der  Theii  zu  den  weiter  unten  beschriebenen  Ver* 
suchen  verwendet,  der  zwischen  156  und  160®  überge- 
gangen war. 

I.    Monobronbattersäure. 

Man  erhält  diese  Verbindung ,  wenn  man  ein  Gremiseh 
aus  1  Aeq.  (10  Vol.)  Butters&ure  und  2  Aeq.  (6  VoL)  Brom 
iu  starken  zugeschmolzenen  Röhren  3  bis  4  Stunden  im 
Oelbade  auf  140  bis  150''  erhitzt  ■).  Die  Luft  in  den 
Röhren  erscheint  nach  dieser  Zeit  vollkommen  farblos^  also 
frei  von  Bromdampf ,  und  die  Flüssigkeit  hat  eine  dunkel- 
weingelbe Farbe  angenommen. 

Um  sicher  die  Bildung  höherer  Bromsubstitutionspro* 
ducte  zu  vermeiden,  ist  es  rathsam,  die  Buttersäure  im  ge- 
ringen Ueberschufs  anzuwenden,  etwa  2  Volumina  dieser 
auf  1  Volumen  Brom. 

Ich  habe  unter  Einhaltung  dieses  Verhältnisses  allmäh- 
lich 180  Grammen  Brom  auf  120  Grammen  Buttersäure  wir» 
ken  lassen.  Die  ganze  Masse  wurde  in  18  Röhren  ver- 
theilt,  so  dafs  jede  einzelne  Röhre  etwa  16  bis  17  Grammen 
des  Flüssigkeitsgemisches  enthielt.  Ein  Platzen  der  Röhren 
fand  hierbei  iu  keinem  einzigen  Falle  statt. 

Werden  nach  beendigter  Reactiou  die  Röhren  geöffnet, 
so  entweicht  bromwasserstoffsaurer  Dampf  mit  explosions- 
artiger Heftigkeit.  Man  mäfsigt  diese  leicht  dadurch,  dafs 
man  die  Röhren  vor  dem  Oeffnen  auf  — 10  bis  — 12®  er- 
kältet. 

Wenn  bei  gewöhnlicher  Temperatur  kein  Dampf  mehr 

I  )  Bei  höherer  Temperatur  beendigt  sich  die  Reaction  in  noch  kurEercr 
Zeit.  Als  bei  einem  Versuche  die  Temperatur  fiir  kurze  Zeil  auf  175* 
gestiegen  war,  trat  in  der  einen  Uuhrc  schon  nach  zwei  Stunden  tSI- 
lige  Enliarbung  ein. 


171 

ans  den  Röhren  entweicht,  werden  dieselben  karae  Zeit 
in  siedendes  Wasser  getaucht;  dabei  entweichen  von  Neuem 
Ströme  von  Bromwasserstoff. 

Der  Hockstand  in  den  Röhren,  eine  dunkelweingelbe 
FIflssigkeit  von  der  Consistenz  eines  dünnen  Oeles,  besteht 
nm  der  Hauptsache  nach  aus  Monobrombuttersäure.  Die- 
sdbe  ist,  wenn  man  bei  der  Darstellung  einen  Ueberscbufs 
▼oo  ButtersXure  angewandt  hatte,  durch  diese,  sowie  durch 
etwas  zurückgehaltene  Bromwasserstoffsäure  verunreinigt 
Dorch  wiederholtes  Schütteln  mit  kleineren  Mengen  Was- 
ser, worin  die  Monobrombuttersäure  zwar  nicht  unlöslich 
aber  doch  weit  weniger  löslich  ist  als  jene  Säuren,  lassen 
dieee  sidi  vollständig  entfernen.  Man  hebt  nach  jedesma- 
ligem Schütteln  die  obenauf  schwimmende  wäfsrige  Sdiicht 
mit  der  Pipette  ab  und  setzt  die  Behandlung  mit  Wasser 
so  lange  fort,  als  in  diesem  noch  Bromwasserstoff  nachge- 
wiesen werden  kann  ^). 

Die  Monobrombuttersäure  zeigt  bei  dieser  Behandlung 
mit  Wasser  ein  eigenthümliches,  dem  Aether  ähnliches  Ver- 
baken.  Indem  sie  sich  nämlich  zum  Theil  darin  auflöst, 
nimmt  sie  selbst  eine  bedeutende  Quantität  von  Wasser  auf. 
Eüne  Säure,  die  wiederholt  mit  Wasser  geschüttelt  worden 
war,  von  diesem  also  wohl  so  viel  aufgenommen  hatte,  als  sie 
Oberhaupt  bei  gewöhnlicher  Temperatur  aufnehmen  konnte, 
enthielt  nahezu  20  Proc.  ihres  Gewichts  an  Wasser.  E^ 
gaben  nämlich 

0,315  Grm.  derselben  0,285  Grin.  Bromsilber,    entspre- 
chend 38,49  Proc.  Brom.     Eine  Brombuttersäure  mit  20 
Proc  Wasser  würde  38,32  Proc.  Brom  enthalten. 
Die   wasserhaltige.  Brombuttersäure   kann   nicht   durch 
fractionirte  Destillation  entwässert  werden.    Zwar  geht  zwi- 
schen 100  und  120^  viel  Wasser  über;  aber  schon  bei  die- 
ser Temperatur  und  noch   ehe  sie  alles  Wasser  verloren 
hat,   fängt  die  Säure   an,  sich  zu  bräuneu,  färbt   sich  bei 

I)  Der  Theil  der  Monobrombuttersäure,  der  sich  hierbei  auf  lost,  kann 
aus  der  wafsrigen  Lösung  durch  Zusatz  von  festem  Ghlorcalcium  wie- 
der abgcicliiedefi  werden. 


172 

gesteigerter  Hitze  immer  diuikler  und  erfährt,  wenn  sie  end- 
lich ins  Sieden  kommt,  anter  Ausstofsung  dicker  DSmpfe 
von  Bromwasserstoff,  eine  tiefer  greifende  Zersetzung.  Die 
Elrscheinungen  sind  ziemlich  dieselben,  wenn  man  die  De* 
stillation  unter  Kohlensäure  ausführt 

Die  Elntwftsserung  mufs  also  bei  gewöhnlicher  Tempe-. 
ratur  bewirkt  werden.  Es  hat  sich  gezeigt,  daCs  die  was- 
serhaltige Säure  bei  längerer  Berührung  mit  trockenem  Chlor- 
calcium  ihren  Wassergehalt  zwar  langsam  aber  vollständig 
abgiebt  Dabei  mufs  die  Anwendung  von  geschmolzenem, 
d.  b.  Ca  O- haltigem  Chlorcalcium  sorgftltig  vermieden  wer- 
den, da  die  Säure  aus  solchem  etwas  Kalk  erde  aufninmit, 
die  sich  nachher  nicht  leicht  daraus  entfernen  läCst  Man 
wendet  scharf  getrocknetes  Chlorcalcium  an,  durch  dessen 
Lösung  rothes  Lackmuspapier  nicht  gebläut  wird. 

Beim  Eintragen  von  Chlorcalcium  in  die  wasserhaltige 
Brombuttersäure  lösen  die  ersten  Portionen  des  Salzes  sich 
vollständig  auf,  die  Flüssigkeit  trennt  sich  dabei  sofort  in 
zwei  Schichten,  —  die  obere  ist  eine  wäfsrige  Chlorcal- 
ciumlösung,  die  untere  die  tbeilweise  entwässerte  Brombut- 
tersäure.  Trägt  man  so  viel  Chlorcalcium  ein,  dafs  eine 
kleine  Menge  desselben,  selbst  nach  häufigerem  Umschüt- 
teln, ungelöst  bleibt,  so  zeigt  die  von  der  Chlorcalcium- 
lösuug  vermittelst  Scheidetrichters  getrennte  Säure  atmä- 
hemd  die  Zusammensetzung  eines  Hydrates  von  der  Formel 
C0H7BrO4+H2O2.  Eine  solche  Säure  gab  bei  der  Ana- 
lyse folgende  Resultate: 

1)  0,531  Grm.  gaben  0,553  Grm.  Bromsilber. 

2)  0,406  Grm.  gaben  bei  der  Verbrennung  mit  chromsau- 

rem Bleioxyd,  0,367  Grm.   Kohlensäure    und    0,176 
Grm.  Wasser. 

Theorie:  Versuch: 

Cg  =  48  25,94  Proc  24,6 

H,  =   9         4,97     •  4,81 

Br  =  80  43,24     »  44,3 

Og  =  48  25,85     » 

185      100,00. 

Da  die  gefundenen  Zahlen  sich   von  den  geforderten 

nicht  unerheblich  entfernen,  so  mag  denselben  kein  beson- 


174 

verursacht  sie  keine  schmerzhafte  Empiindang,  aber  die  be- 
rtlhrten  Stellen  der  Haut  fangen  nach  einiger  Zeit  an  sich 
abzuschftlen.  Auf  Papier  macht  die  Säure  einen  langsam 
verschwindenden  Fettfleck. 

Der  Siedepunkt  der  Sfture  hat  sich  aus  Gründen,  di«^ 
bereits  oben  angedeutet  wurden,  nicht  mit  Genauigkeit  b^ 
summen  lassen.  Bei  vorsichtigem  Erhitzen  ger&th  sie,  in* 
dem  sie  sich  bräunt,  gegen  180^  ins  Rieden,  färbt  sidi  damt 
dunkler  und  verdickt  sich  endlich;  dabei  steigt  das  Thei^ 
mometer  allmählich  auf  220°  und  darüber,  ohne  auch  nur 
für  kurze  Zeit  an  irgend  einer  Stelle  constant  zu  werden. 
Eine  zwischen  205  und  215°  übergegangene  Portion  der 
Säure  gab  bei  der  Analyse  37,1  Proc.  Brom ' ),  während  die 
reine  Säure  fast  48,1  Proc.  enthält.  Es  findet  also,  wenn  die 
Säure  ins  volle  Sieden  kommt,  eine  tiefere  Zersetzung  statt. 

In  Salpetersäure  (von  1,2  specifischem  Gewicht)  ist  die 
Monobrombuttersäurc  in  der  Kälte  nicht,  beim  mäfsigen  Er- 
wärmen leicht  löslich.  Kocht  man  die  Lösung  kurze  Zeit, 
so  scheint  keine  Veränderung  stattzufinden,  denn  beim  Er- 
kalten der  Flüssigkeit  scheidet  sich  die  Brombuttersäure  — 
zum  gröfsteu  Theil  wenigstens  —  in  ölförmigcn  Tropfen 
wieder  aus.  Es  soll  noch  untersucht  werden,  was  bei  sehr 
lange  fortgesetztem  Kochen  mit  starker  Salpetersäure  sich 
bildet,  unter  Umständen  also,  unter  denen  die  Buttersäure 
in  Bernsteinsäure  übergeht. 

In  Schwefelsäure-Hydrat  löst  sich  die  Monobrombutter- 
säurc schon  in  der  Kälte.  Durch  Wasser  wird  sie  aus 
dieser  Lösung  unverändert  gefällt.  Beim  Kochen  der  Lö- 
sung findet  unter  Bräunung  und  Ausgabe  von  HBr  eine 
tiefere  Zersetzung  statt. 

Bei  der  Behandlung  mit  metallischem  Zink  giebt  die 
Säure  Bromzink  und  Buttersäure. 

Beim  Kochen  mit  Aetzammoniak  entstehen  Bromammo- 
nium und  eine  Säure,  die  ohne  Zweifel  Amidobuttersäure 
ist.  Ich  werde  bei  einer  späteren  Gelegenheit  ausführlicher 
auf  dieselbe  zurückkommen. 

Die  Salze  der  Monobrombuttersäurc  krystallisiren  gleich 

1 )  0,485  Grm.  gaben  0,420  Gmi.  Bromsilber. 


175 

denen  der  Battereäure  im  Allgemeinen  schwierig  und  nicht 
schön.  Die  meisten  sind  in  Wasser  löslich,  besonders  leicht 
die  Alkalisalxe^  weniger  leicht  die  mit  schwerer  metallischer 
Basis.  Die  meisten  sind  auch  in  Alkohol  löslich  und  zeigen, 
anf  Wasser  geworfen,  dieselben  rotirenden  Bewegungen 
wie  viele  buttersaure  Salze.  Ich  habe  von  diesen  Salzen 
bis  jezt  nur  einige  näher  untersucht  und  theile  darüber 
Folgendes  mit. 

Das  KaH-  und  Naironsah  werden  erhalten  durch  Sätti- 
gen von  Monobrombuttersäure  mit  mäfsig  concenfrirten  Lö- 
sungen der  kohlensauren  Alkalien.  Sie  krjstallisiren  aus 
der  fiber  Chlorcalcium  bis  zur  Syrupsconsistenz  eingedampf- 
ten Lösung  und  ziehen  aus  der  Luft  Feuchtigkeit  an.  Das 
scheint  in  rhombischen   Prismen  zu  krjstallisiren. 

Das  Kalksab  wird  auf  ähnliche  Weise  erhalten  durch 
der  Monobrombuttersäure  mit  kohlensaurem  Kalk, 
bei  mäfsiger  Erwärmung.  Das  Salz  krystallisirt  aus  wässri- 
ger  wie  aus  weingeistiger  Lösung  nur  schwierig;  ich  habe 
es  in  deutlich  ausgebildeten  Krystallen  nicht  erhalten  kön- 
nen. Die  Lösung  trocknet,  indem  sie  sich  mit  Häuten  über- 
liehty  zu  einer  gummiartigen,  durchscheinenden  Masse  ein, 
die  zoletzt  ein  krystallinisch  körniges  Geffige  annimmt.  Das 
trockne  Salz  zieht  aus  der  Luft  ziemlich  schnell  Feuchtig- 
keit an. 

Monobrombuttersaures  Blei  =  *"«  ^^  ^ p^»  j  O,.  Ver- 
setzt man  eine  concentrirte  Lösung  von  neutralem  essig- 
lanrem  Bleioxyd  mit  einer  wässrigen  Lösung  von  mono- 
brombnttersaurem  Kali  oder  mit  einer  alkoholischen  Lösung 
Ton  Monobrombuttersäure,  so  entsteht  ein  weifser  Nieder- 
adilagy  der  sich  sofort  zu  einer  zähen,  klebrigen,  langsam 
erhSrtenden  Masse  von  pflasterartiger  Consistenz  zusammen- 
ballt. Diese  ist  das  Bleisalz  der  Monobrombuttersäure.  Bei 
lange  fortgesetztem  Trocknen  im  Vacuum  über  Schwefel- 
säure wird  es  allmählich  zu  einer  spröden,  brüchigen  Masse, 
die  gepulvert  werden  kann. 

Bei  der  Analyse . wurden  folgende  Resultate  erhalten: 


176 

1)  0,309  Gm.  gaben  0,197  Gnu.  Kohlensäure  und  0,077 
Qnn.  Wasser. 

2)  0,618  GriD.  gaben  0,344  Grni.  schwefelsaures  Bleioxyd. 

3)  0,330  Grm.  gaben  0,222  Grm.  Bromsilber 

Theorie:  Vertach: 

I.  II.  111. 


C,=48 

17,79  Proc 

17,39  —    — 

H,=  6 

2,89  » 

2,17  —    — 

Br  =  80 

29,00  » 

—   —   28,61 

Pb  =  103^75 

38,46  » 

—  38^19 

0»  =  32 

11,86  » 

269,75    100,00. 

Fügt  man  zu  einer  alkoholischen  Lösung  von  Bleizucker 
eine  alkoholische  Lösung  von  monobrombuttersaurem  Kali 
oder  von  Brombuttersäure,  so  entsteht  gar  kein  Nieder- 
schlag, woraus  folgt,  dafs  das  Bleisalz  in  Alkohol  ziemlich 
leicht  und  leichter  als  in  Wasser  löslich  ist.  Wasserzu- 
satz bewirkt  in  dieser  alkoholischen  Lösung  einen  weiCsen 
Niederschlag,  der  sich  indefs  auch  bald  zu  einer  klebrigen 
Masse  vereinigt. 

Wenn  die  von  diesem  Niederschlage  abfiltrirte  Flüssig« 
keit  im  Wasserbade  bis  auf  ein  enges  Volumen  abgedampft 
wird,  so  erfährt  sie  einen  Verlust  an  Säure  und  giebt  beim 
Erkalten  ein  pul  verförmiges  krystallinisches  Salz,  das  sich 
mit  kaltem  Wasser  gut  auswaschen  läfst.  Dieses  gab  bei 
der   Analyse    Zahlen,    die    ziemlich    gut    zu    der   Formel 

pi^  (Ot+Pb^O,  stimmen.     Es  gaben  nämlich: 

0,365  Grm.   0,128  Grm.    Kohlensäure   und   0,050  Gnu. 
Wasser.     Dem  entsprechen  9,5  Proc  Kohlenstoff  und 
1,5  Proc  Wasserstoff,    während  die  obige  Formel  9,7 
Proc  Kohlenstoff  und  1,22  Proc.  Wasserstoff  verlangt. 
Von  gleicher  Zusammensetzung  scheint  der  weifse  Nie- 
derschlag zu  seyn,  den  man  beim  Fällen  von  Bleiessig  mit 
einer  Lösung  von  bromfiuttersaurem  Kali  erhält. 

Monobrombuttersaures  Silber  =^^^^^^^Ao^.  Diese 

Verbindung  wird  als  weiOser  krystallinischer  Niederschlag 


CgH.BrO 


l 


177 

erhalten,  wenn  man  zu  einer  Auflösung  von  salpe(ersaureui 
Silber  eine  Lösung  von  broaibuttersaurem  Kali  setzt.  Durch 
Waschen  mit  kaltem  Wasser,  worin  sie  nur  wenig  lös- 
lich ist,  wird  sie  leicht  rein  erhalten.  Sie  ftrht  sich,  selbst 
in  zeratreaten  Tageslichte,  schnell  dunkel.  Bei  der  Be- 
handlung mit  siedendem  Wasser  wird  sie  sofort  unter  Aus- 
scheidung von  Bromsilber  zersetzt.  Dabei  nimmt  die  Flüs- 
sigkeit eine  deutlich  saure  Beaction  an.  Es  ist  höchst  wahr- 
sdieinlich,  dafs  hierbei  die  von  Wurtz  bei  der  Einwir- 
kung von  verdOnnter  Salpetersäure  auf  Amylglycol  erhal- 
ICD«  Butylactimäure  (C.H.O.j^^)  g,l,i,d,t  ^j,j 

0,541  Grm.  des  im  Vacuum  über  Schwefelsäure  getrock- 
neten Silbersalzes  gaben  0,216  Grm.  Silber  =  39,92  Proc. 
Die  Formel  verlangt  39,41  Proc 

Manobrambuiiersaures  Aethyl sziC^H^BrO^if^        _ 

MonobrombuttersSure  tttherificirt  den  Weingeist  bei  Anwe- 
senheit einer  Miuerakäure  fast  mit  derselben  Leichtigkeit  wie 
die  Buttersfture.  Mischt  man  4  Theile  Monobrombuttersäure, 
2  bis  3  Theile  Weingeist  und  1  bis  1 4  Theile  concentrirte 
SdiwefelsAore,  so  erwärmt  sich  das  Gemisch  und  nach  kurzer 
Zeit  scheidet  sich  der  Aether  als  eine  schwere,  öligstöchicht 
ans«  Die  Ausbeute  wird  bedeutend  vermehrt,  wenn  man 
du  durch  Alkohol  klar  gehaltene  Gemisch  1  bis  2  Stunden 
im  Wasserbade  auf  80^  erwärmt  und  dann  erst  durch  Was- 
senosatz  den  Aether  abscheidet  Dieser  wird  gereinigt  wie 
der  Bntteräther,  d.  h.  durch  Schütteln  mit  dünner  Sodalö. 
song,  dann  mit  Wasser,  Trocknen  über  Chlorcaldum  und 
Reclifidren. 

Die  Rectification  wurde,  da  der  monobrombuttersäure 
Aether  bei  seinem  Siedepunkte  eine  schwache  Zersetzung 
erflihrt,  onter  Kohlensäure  ausgeführt.  Das  Destillat  wurde 
in  3  Portionen  au%efiingen.  Von  diesen  enthielt  die  zweite^ 
twischen  150  und  178®  übergegangene,  nur  33  Proc  Brom,- 
dagegen  die  dritte^  zwischen  178  und  190^  übergegangene, 

PHfMdofffPt  AbmI.  Bd.  CXIII..  12 


I 


178 

40^52  Proe.  Brom,  also  nahexu  die  dem  reioen  Aether  enl« 
sprechende  Menge. 

Obgleich  die  Recüfication  anter  KohlensAure  stattÜMMl; 
traten  zwischen  180  und  190®  schwache  bromwasserstofE* 
saure  Dämpfe  aa£  Da  das  Destillat  von  diesen  etwas  auf- 
genommen haben  konnte,  so  wurde  durch  dasselbe  einigo 
Zeit  ein  Strom  von  trockner  Kohlensäure  geleitet. 

Bei  der  Analyse  des  so  gewonnenen  Aethers  wurdea 
folgende  Resultate  erhalten: 

1)  (^364  Grm.  gaben  0,490  Grm.  Kohlensiure  und  0^18S 
Grm.  Wasser. 

2)  0,820  Grm.  gaben  0,781  Grm.  Bromsilber. 

3)  0,868  Grm.  gaben  0,437  Grm.  Wasser.    Die  Koblen- 
stoffbestimmung  ging  in  diesem  Falle  verioren. 

Theorie :  Versuch : 


I. 

II. 

III. 

C|,  =  72 

36,92 

36,72 

— 

— 

H,.  =  ll 

5,64 

5,73 

— 

5.59 

Br  =  80 

41,03 

— 

40,52 

— 

0»=32 

16,41 

195 

100,00. 

Dei^onobrombuttersaure  Aether  ist  eine  farblose  Flüssig- 
keit von  angenehmem,  dem  des  ButterSthers  ähnlichem,  aber 
penetranterem  Geruch.  Er  ist  bedeutend  dünnfltlssiger  als  die 
Monobrombuttersänre.  In  Wasser  ist  er  wenig,  in  AJkohol 
und  Aether  leicht  löslich.  Sein  specifisches  Gewicht  ist  (bei 
15^)  =  1,33.    Sein  Siedepunkt  liegt  bei  etwa  185<'. 

Auf  ähnliche  Weise  wie  die  Aethylverbindung  können 
die  Methyl'  und  Amyherbindung  der  Monobrombuttersänre 
eriialten  werden.  Idi  habe  dieselben  bis  jetzt  nicht  näher 
untersucht. 

II.    Dibrombattersftare. 

Diese  Verbindung  wird  erhalten,  wenn  man  ein  Gemiach 
aus  1  Aeq.  Buttersäure  und  4  Acq.  Brom  (d.  h.  2,5  Vol. 
Buttersäure  und  3  Vol.  Brom)  in  starken  zugeschmolze- 


179 

Den  Röhren  6  bis  8  Stunden  auf  140  bis  160''  erhitzt. 
Nach  dem  Erkalten  erscheint  die  Luft  in  der  Röhre  farb- 
los und  die  FlOssigkeit  hat  eine  hellbraune  Farbe  ange- 
nommen. 

Da  in  diesem  Falle  wegen  der  gröfseren  Menge  des 
Broms  beim  Erhitzen  ein  weit  stärkerer  Druck  stattfindet 
als  bei  der  Darstellung  der  Monobrombnttersäure,  so  habe 
idi  die  Beschickung  jeder  einzelnen  Röhre  auf  5  bis  6  CC. 
des  Gemisches  von  Brom  und  ButtersSure  beschrinken  müs- 
sen. Mehrere  Röhren,  die  12  CC.  des  Gemisches  enthielten, 
sprangen  nach  mehrstfindigem  Erhitzen  bei  150^  mit  grofser 
Gewalt. 

Anstatt  Brom  auf  Butters&ure  im  Verhaltnifs  von  4:1  Aeq. 
direct  wirken  zu  lassen,  kann  man  auch  1  Aeq.  Monobrom- 
butteräure  mit  2  Aeq.  Brom  erhitzen.  Dabei  tritt  die  Ent- 
färbung schon  nadi  etwa  3  Stunden  ein,  wenn  man  die 
Temperatur  annfthrend  auf  150®  erhält. 

Das  Oeffnen  der  Röhren  mufs  auch  in  diesem  Falle 
mit  grofser  Vorsicht  geschehen.  Trotz  starker  Abkühlung 
findet  das  Entweichen  des  zum  Theil  zur  Flüssigkeit  com* 
primirten  Bromwasserstoffs  mit  stürmischer  Heftigkeit  statt. 

Nachdem  dieses  Gas  zum  gröfsten  Theil  entwichen  ist, 
wird  behuCs  der  Reinigung  der  rohen  Dibrombntfersäure 
ähnlich  verfahren,  wie  es  oben  bei  der  Darstellung  der 
Monobrombuttersäure  angegeben  wnrde. 

Beim  Schütteln  der  rohen  Säure  mit  Wasser  löst  sich 
eine  kleine  Menge  derselben  in  diesem  auf.  Zugleich  löst 
aber  auch  die  Dibrombuttersäure  Wasser  auf  und  zwar  — 
wie  es  scheint  —  mehr  als  die  Monobrombuttersäure.  Da- 
bei wird  sie  bedeutend  dünnflüssiger,  als  sie  ursprünglieb 
war.  Man  befreit  sie  von  diesem  Wasser  durch  lange  fort- 
gesetzte Behandlung  mit  trocknem  Chlorcalcium.  Findet 
das  Trockpen  in  offnen  Gefäfscn  über  Aetzkalk  statt,  so 
verliert  die  Säure  ihre  braune  Farbe,  die  von  etwas  zu- 
rückgehaltenem Brom  herrührte,  und  wird  hellgelb. 

Die  auf  diese  Weise  erhaltene  Säure  gab  bei  der  Ana- 

nalyse  folgende  Resultate: 

12» 


180 

1)  0,342  Gnn.  gaben  0,515  Grm.  Bromsilber. 

2)  0,619  Grm.  gaben  bei  der  Verbrennung  mit  chrom- 
saurem Bleioxyd  0,438  Grm.  Kohlensäure  and  0,160 
Grm.  Wasser. 


Theorie : 

Venach : 
1.            11. 

C,=   48 

19,51  Proc 

—      19,30 

H>=     6 

2,44     - 

—       2,86 

Br,  SS  160 

65,04     » 

64,1 

0,=   32 

13,01     » 

246     100,00. 

Die  DibrombuttersSure  (CsHeBr^O«)  ist  eine  toU- 
kommen  klare,  hellgelbe  FlQssigkeit,  Ton  dicköliger  Con- 
siatenz  und  eigenthOmlichem  aromatischem,  Ton  dem  der 
Monobrombultersäure  wesentlich  verschiedenem  Gremck. 
Ihr  specifisches  Gewicht  ist  =  1,97  (Mittel  aus  2  Bestno- 
mungen).  In  Wasser  ist  sie  schwerer  löslich  als  die  Mono- 
brombuttersäure;  es  gebraucht  nämlich  ein  Theil  der  S&ure 
30  bis  31  Theile  Wasser  (von  mittlerer  Temperatur)  in 
seiner  Lösung.  Sie  wird  bei  —  10°  C.  noch  nicht  fest;  bei 
—  15^  aber  nimmt  sie  eine  butterartige  Consistenz  an.  Ihr 
Siedepunkt  hat  sich  ebenso  wenig  wie  der  der  Monobrom- 
buttersSure  mit  Genauigkeit  bestimmen  lassen,  da  audi  sie 
schon  unter  ihrem  Siedepunkte  sich  unter  Braunftrbang 
und  Ausstofsung  bromwasserstoffsaurer  Dämpfe  theilweise 
zersetzt. 

Bei  der  Behandlung  der  Dibrombuttersäure  mit  Zink  and 
verdünnter  Schwefelsäure  oder  Salzsäure  erfolgt  allmShlicb 
völlige  Lösung;  fügt  man  dann,  wenn  keine  Wasserstoffenl- 
Wicklung  mehr  stattfindet,  zu  der  Flüssigkeit  einige  Tropfen 
Salzsäure  und  etwas  Chlorcalcium,  so  scheidet  sich  als  eine 
obenauf  schwimmende  Schicht  Buttersäure  aus,  die  an  ihren 
characteristischen,  penetranten  Geruch  leicht  erkannt  wird. 

Bekanntlich  hat  Cahours  '),  indem  er  Brom  auf  eine 
mäfsig  concentrirte  Lösung  von  neutralem  citraconsauren 
Kali  einwirken  liefs,  neben  einem  Körper,  der  die  Zusamm^i- 

1)  Annnl.    de   chim    et   Je  phys.  (3)  19.  507.     Ann.   der   Cli«ai.  mid 
Pharm.  64.  353.     Journ.  f.  prakt.  Chem.  41.  68. 


182 

tutiontproduct  einer  mit  der  Btttterstare  isomeren  Star«  w 
seyn,  die  für  sidi  noch  nicht  näher  gekannt  ist. 

Die  Salze  der  Dibrombuttersäure  sind  denoi  der  Mo- 
nobrombuttersäure  im  Allgemeinen  ähnlich,  sie  krystallisiren 
ebenso  wie  diese  nur  schwierig.  Ich  habe  dieselben  bis 
jetzt  nicht  näher  untersucht.  Das  BleiiaU  wird  beim  Ver- 
setzen einer  Bleizuckerl(toung  mit  einer  Lösung  von  dibroo^ 
buttersaurem  Kali  als  eine  zähe  pflasterartige  Masse  erhallen^ 
die  nur  schwierig  und  langsam  eintrocknet  Es  ist  in  Waaer 
ziemlich  löslich.  Das  SilberMaU  fällt  als  weifser  Niederschlag 
beim  Versetzen  einer  Lösung  von  salpetersaurem  Silber  mit 
dibrombuttersaurem  Kali.  Es  färbt  sich  am  Lichte  schnell 
dunkel  und  scheint  sich  sehr  leicht  unter  Abscheidung  von 
Bromsilber  zu  zersetzen.  Der  Äether  der  Dibrombutterstare 
kann  auf  ganz  ähnliche  Weise  wie  das  monobrombottar- 
saure  Aethjl  (s.  oben)  erhalten  werden.  Er  ist  eine  schwere 
farblose  Flüssigkeit  von  penetrantem,  nicht  eben  angeneh- 
mem Geruch. 

Ich  habe  endlich  versucht,  die  TetrabrombutierBöure  dar- 
zustellen. Zu  diesem  Zwecke  wurden  1  Aeq.  Dibrombutter- 
säure und  4  Aeq.  Brom  (was  sehr  nahe  .3  Theilen  von  je- 
ner und  4  Theiie  von  diesem  entspricht)  in  einer  starken 
zugeschmolzenen  Röhre  längere  Zeit,  etwa  20  bis  24  Stuu* 
den,  auf  150  bis  180*^  erhitzt  Es  fand  dabei  sichtbare 
Einwirkung  statt  Um  den  Druck  in  der  Röhre  nicht  zu 
stark  werden  zu  lassen,  wurde  nach  10  bis  12  stündigea 
Erhitzen  die  stark  abgekfiblte  Röhre  geöffnet,  die  gebildete 
HBr  entlassen  und  nach  dem  Zuschmclzen  der  Röhre  das 
Erhitzen  fortgesetzt. 

Die  Luft  in  der  Röhre  erschien  nach  24  Stunden  in  der 
Hitze  zwar  noch  durch  etwas  Bromdampf  braun  ge- 
färbt, nach  dem  Erkalten  aber  fast  farblos.  Die  Flüssig- 
keit hatte  eine  hellbraune  Farbe  angenommen,  war  ganz 
durchsichtig  geworden  und  ziemlich  dickflüssig.  Nach  dem 
völligen  Erkalten  derselben  schieden  sich  lange  nadelför- 
niigc  Krystalle  daraus  ab,  deren  Menge  sich  allmählich  ver- 


183 

mehrte.  Diefs  fand  besondeiB  statt,  ak  nach  dem  Oeffnen 
der  Röbre  die  gröfste  Menge  des  HBr.  entwichen  war.  Ein 
völliges  Erstarren  der  Flüssigkeit  trat  indeb  nicht  ein. 

Die  von  der  Flüssigkeit  durch  Filtration  über  ein  klei- 
nes Asbestpäuschchen  getrennten  Krystalle  wurden  in  Ae- 
ther  angenommen,  worin  sie  sehr  leicht  löslich  waren.  Die 
ätherische  Lösung  gab  beim  langsamen  Verdunsten  eine 
krystallinisch  körnige  Masse,  die  indels,  wie  die  mikro- 
skopische Betrachtung  zeigte,  aus  lauter  kleinen  zarten 
Nadeln  zusammengesetzt  war. 

Diese  Substanz  dürfte  ihrer  Bildung  nach  kaum  etwas 
Anderes  seyn  ab  Teirabrambuttersäure.  Ich  habe  sie  bis 
jetzt  nicht  in  einer  für  die  nähere  Untersuchung  ausrei- 
chenden Menge  erhalten,  bin  aber  eben  mit  der  Darstel- 
lung derselben  in  gröCserer  Quantität  beschäftigt  und  hoffe 
bald  Ausföhrlicheres  darüber  mittheilen  zu  können. 
Berlin,  im  April  1861. 

Nachschrift. 

Nachdem  das  Manuscript  zu  der  vorstehenden  Abhandlung 
an  die  Redaction  dieser  Annalen  bereits  *  eingereicht  war, 
oliielt  ich  das  Maiheft  der  Annalen  der  Chemie  und  Phar- 
mazie und  fand  darin  eine  Notiz  von  Gorup-Besanez 
und  Klincksieck  über  Monobrombuttersäure.  Diese  Che- 
miker haben  in  derselben  Weise,  wie  ich,  Brom  auf  But- 
tmrsäure  einwirken  lassen,  es  ist  ihnen  aber  nicht  gelungen, 
aus  dem  dabei  erhaltenen  rohen  Producte  die  Monobrom- 
buttersäure selbst  abzuscheiden.  Dagegen  haben  sie  den 
Aether  dieser  Säure  erhalten  und  zwar  nach  einer  ande- 
ren Methode  als  die,  deren  ich  mich  zur  Darstellung  dieser 
Verbindung  bedient  habe.  Versuche  der  genannten  Chemi- 
ker, die  Monobrombuttersäure  aus  dem  Aether  darzustellen, 
blieben  gleichfalk  ohne  Erfolg. 

Da  Gorup-Besanez  die  Absicht  geäufsert  hat,  die  mo- 
nobrombnttersauren  Salze  ausführlicher  bearbeiten  zu  lassen, 
so  werde  ich  mich  vorläufig  mit  diesen  nicht  beschäftigen. 
Dagegen  behalte  ich  mir  vor,  in  den  oben  angedeuteten 


184 

Richtungeu  auf  einige  Derivate  der  Mono-  und  DibrwH 
bnttenäure  näher  einzugehen. 
Berlin,  den  20.  Mai  1861. 

R.  Schneider. 


XI      iJeher  das  Vorkommen  Qon  krystallisirtem 

Quarz  in  dem  Meteoreisen  von  Xiquipilco  in 

Mexico;  von  Gustav  Rose. 

(Autsaf  auf  d.  Mooauber.  d.  Akad.  d.  Wim.,   April*  1861.) 


Hr.  Geh.  Sanitätsrath  Nagel  sah  neulich  aus  der  oxy- 
dirten  Rinde  eines  Stückes  Meteoreisen  von  Xiquipilco  in 
seiner  ausgezeichneten  Mineralien  -  Sammlung  eine  kleine 
Krystallspitze  hervorragen,  die  nach  etwas  gröfserer  Ent- 
blöfsung  als  eine  vierfltfchige  Ecke  mit  glänzenden  Flächen 
erschien.  Hr.  Nagel  brachte  mir  das  Stfick  zur  weitem 
Untersuchung  und  Bestimmung  des  eingewachsenen  Kry- 
Stalls  und  erlaubte  dabei  gern,  dafs  ich  den  Krystall  aus 
dem  braunen  Ejsenoxyde  herausnehmen  könnte,  und  war 
später  auch  so  freundlich  den  herausgenommenen  Krystall 
dem  KöuigL  mineralogischen  Museum  zu  verehren.  Ein 
kleines  Bruchstück  eines  andern  Krystalls,  welcher  neben 
diesem  in  der  Rinde  steckte,  aber  beim  Herausnehmen  zer- 
brach, hatte  er  mir  gleich  für  die  Untersuchung  gegeben. 

Als  der  Krystall  aus  dem  Muttergestein  herausgehoben 
wurde,  hiuterliefs  er  in  demselben  einen  glattflächigen  Ein- 
druck. Er  war  nur  -^  Linie  grofs,  doch  konnten  ungeachtet 
seiner  Kleinheit  nicht  allein  seine  Form  deutlich  als  die 
eines  Hexagondodecaeders  erkannt,  sondern  auch  mehrere 
seiner  Kantenwinkel  mit  ziemlicher  Genauigkeit  gemessen 
werden.  Ich  fand  die  Neigung  der  Flächen  in  einer  Seiten- 
kante 103°  35  bis  40',  in  einer  angränzeuden  103°  25  bis 
49^,  in  der  dazwischen  liegenden  Endkante  133°  30  bis  42'. 


185 

Barn  Qoan  betragen  diese  Winkel  103''  34'  und  133«'  44'. 
Der  Krystall  ist  also  Qtiars,  und  ebenso  auch  das  Bruchstück 
TOD  dem  Krystalle,  der  neben  dem  ersteren  gesessen  hatte, 
denn  vor  dem  Löthrohr  schmolz  es  mit  kohlensaurem  Na- 
tron gemengt  sn  einem  klaren  Glase  zusammen. 

Das  Vorkommen  des  Quarzes  in  dem  Meteoreisen  ist 
bis  )e(it  noch  nicht  beobachtet  und  recht  bemerkenswerth. 
Bekanntlich  ist  das  Meteoreisen,  ein  Nickeleisen f  das  mehr 
oder  weniger  regelmSfsig  mit  Phosphomickeleiien^  welchem 
Haidinger  den  Namen  SchreibersU  gegeben  hat,  gemengt 
igL  Anberdem  findet  sich  gewöhnlich  noch  Sckwefeleieen 
in  grobem  oder  kleinem  Köraem  eingemengt,  das  nach 
Rammeisberg  nicht  Magnetkies,  sondern  einfach  Schwe- 
feleisen ist;  einige  Eisen -Meteorite  enthalten  auch  Oltrtfi  in 
ganz  al>geruudeten  Individuen  porphjrartig  eingewaschen, 
wie  namentlich  das  berfihmte  Pallassche  Eisen,  oder  Graphit 
wie  das  Eisen  von  Tenessee,  und  bei  noch  andern  bleiben 
beim  AnflOsen  in  Chlorwasserstoffsäure  kleine  verschieden 
gelkrbte,  weifse,  gelbliche,  grünliche,  sapphirblaue  oder  ru- 
binrothe  Körner  zurück,  wie  dergleichen  namentlich  in  dem 
Eisen  aus  dem  Toluca-Thal,  worin  Xiquipilco  liegt,  Wöhler, 
Pugb  und  Uricoechea  gefunden  haben*).  Quarz  ist 
also  in  dem  Meteoreisen  noch  nicht  beobachtet,  und  ebenso 
wenig  in  den  übrigen  Meteoriten,  aber  es  ist  wohl  wahr- 
adieinlicfa,  dafs  unter  den  in  Säuren  unauflöslichen  Körnern 
in  dem  Meteoreisen  ebenfalls  Quarz  enthalten  ist.  Zwar 
könnte  man  Zweifel  hegen,  ob  der  beschriebene  Quarzkrj- 
atall  wirklich  dem  Meteoreisen  angehört  habe,  und  nicht  viel- 
mehr erst  nach  dem  Falle,  beim  Liegen  in  und  auf  der  Erde, 
und  der  dabei  stattfindenden  Oxydation  seiner  Oberfläche 
eich  damit  verbunden  habe ;  indessen  war  der  Krystall  voll- 

1)  lo  dcD  Höhlungen  eine«  in  Chile  gefundenen  Metcoreisens  aoll  angeb- 
lich aaeh  JSiei  Torkommen,  das  also  auch  noch  sii  den  Gemenglheilen 
def  Metcoreisens  za  zahlen  wäre,  l^tigneteisenrrz^  das  Dr.  Kranta  auf 
der  aufsern  Rinde  des  Toluca-Eiscns  beobachtet  hat,  ist  hier  nicht  hinau- 
sihicn,  da  dieses  sich  offenbar  erst  später  durch  die  Oxydation  gebildet 
bat,  wie  auch  Krantz  annimmt. 


186 

kommen  von  dem  braaDen  Eisenoijde  umgeben  und  dieses 
veriband  sich  so  vollkommen  mit  dem  unzersetsten  Eisen, 
dals  man  dasselbe  für  nichts  anderes  als  für  die  entstandene 
oxydirte  Rinde,  und  den  Quarz  als  darin  ursprünglich  ein- 
gewachsen annehmen  kann.  Anfserdem  sind  doch  Quara- 
krystalle  in  dem  Sande  nur  recht  selten,  und  in  dem  To- 
luca-Thal  ist  Quarzsand  vielleicht  gar  nicht  vorhanden,  da 
die  umgebenden  Berge  aus  quarzlosem  Trachyt  oder  neue- 
rem vulkanischem  Gestein  bestehen.  Wünschenswerth  aber 
wäre  es,  wenn  Wohl  er,  im  Fall  er  noch  im  Besitz  der 
erwähnten  Körner  wäre,  durch  weitere  Untersuchung  aus- 
machen könnte,  ob  Quarz  darunter  enthalten  sey. 

Das  Meteoreisen  vom  Toluca-Thal  ist  in  einer  bedeu- 
tenden Menge  von  Stücken  in  einer  grolsen  von  NW  nach 
SO  geriditeten  Erstreckung  von  24  Meilen  Länge  und  4- 
Meilen  Breite  gefunden,  und  wird  immer  noch  gefunden, 
obgleich  die  angräuzenden  Mexicaner  es  schon  seit  langer 
Zeit  zu  allerhand  Werkzeugen  verschmiedet,  viele  Reisende 
es  für  die  Naturalieusammlungeu  fortgeführt  und  die  Ga- 
zeta de  Mexico  schon  seit  1784  davon  Nachricht  gegeben 
haben.  Der  Meteoritenfall  im  Toluca-Thal  ist  offenbar 
einer  der  bedeutendsten,  von  denen  man  Kunde  hat.  G.  A. 
Stein  brachte  vier  Stücke  nach  Europa,  von  denen  eins 
220  Pfund,  die  andern  19^,  13  und  54  Pfund  wogen, 
und  erwähnt  eines  anderen  gefundenen  Stückes  von  300 
Pfund.  Dr.  Krantz  hat  ebenfalls  viele  Stücke  erhalten, 
darunter  solche  von  43,  27,  17  und  6  Pfund.  Bei  den 
vielen  Stücken,  die  sich  auf  diese  Weise  in  den  Sammlun- 
gen finden,  wird  man  vielleicht  auch  noch  bei  andern  Stük- 
ken  Quarzkrystalle  beobachten  und  die  gemachte  Entdek- 
kung  bestätigen  können. 

In  dem  hiesigen  Königl.  mineralogischen  Museum  befin- 
den sich  aus  dem  Toluca-Thal  folgende  Stücke: 

1 )  Eine  von  dem  220  Pfund  schweren  Stücke  des  Hm. 
G.  A.  Stein  abgeschnittene,  4  Pfund  18  Loth  schwere 
Platte.    Die  eine  grofse  Fläche  ist  polirt  und  geätzt; 


187 

sie  zeigt  sehr  schöne  Widmanstetten'Bche  Figuren, 
die  Streifen  gehen  nach  drei  Richtungen  ganz  gerad- 
linig durch  die  Platte.  AuCser  den  dünnen  Streifen 
▼ou  Schreibersit  sieht  man  auf  der  Fläche  mehrere 
ganz  runde  Kreise  von  Schreibersit,  Durchschnitte 
von  kleinen  Kugeln ,  die  sich  auf  solche  Weise  auch 
in  andern  Elisenmeteoriten,  namentlich  in  dem  von 
Schwetz  finden.  Schwefeleisen  ist  an  mehreren  Stel- 
len in  kleinen  unregelmäCsigen  Partien  eingemengt. 

2)  Ein  vollständiges  rundum  mit  Rinde  versehenes  3  Pfd. 
8  Loth  schweres  Stück,  vom  Dr.  Krantz  erworben. 

3)  Ein  ähnliches  kleineres  und  längliches  Stück  von  Hr. 
V.  Gerolt,  dem  PreuOs.  Gesandten  in  Washington, 
für  das  hiesige  mineralogische  Museum,  fast  28  Loth 
schwer. 

4)  Ein  ähnliches  kleines  Stück  3 1  Loth  schwer,  vom  Dr. 
Krantz  gekauft;  auf  einem  Stückchen  Rinde,  die  sich 
abgelöst  hat,  sitzen  ganz  kleine  Krystalle  von  Mag- 
neteisenerz. 

5)  Ein  13^  Loth  schweres  Stück,  aus  der  Sammlung  von 
Klaproth  abstammend.  E^  hat  eine  geätzte  Fläche, 
die  Streifen  der  Widmanstetten' sehen  Figoren 
sind  kleiner  und  unregelmäßiger  als  bei  1)  vielleicht 
eine  Folge  davon,  dafs  die  Masse  au  der  Stelle  ge- 
hämmert wurde  wo  sie  angeschliffen  ist,  möglich  aber 
auch,  dafs  die  Masse  von  einem  andern  Fundort  in 
Mexico  stammt,  was  vielleicht  durch  Vergleichung 
auszumachen  ist. 

6)  Ein  8^  Loth  schweres  Stück  von  Ger  mar,  früherem 
Professor  in  Halle  gekauft;  es  hat  eine  geätzte  Fläche 
mit  den  (gewöhnlichen  Figuren. 

7)  Ein  fast  3  Loth  schweres  Stück  aus  der  Chladni'- 
scben  Sammlung  mit  rundlicher  angeschliffener  und 
geätzter  Fläche  mit  den  gewöhnlichen  Widmanstet- 
ten'schen  Figuren.  Nach  dem  beiliegenden  Zettel 
von  Chladni  aus  Mexico  ohne  nähere  Angabe  des 


188 

Fuodorts,  den  Figuren  nach  zu  urtheilen  wohl  vom 
Toluca-Thal. 
8)  Ein  kleines  1  Loth  schweres  Bruchstfick. 
Nur  auf  der  Oberfläche  des  von  Hrn.  ▼•  Gerolt  ge- 
sandten Stückes  konnte   ich  kleine  quarzähnliche   Körner 
sitzen  sehen;  doch   gingen  dieselben  leider  noch  vor  der 
Untersuchung  durch   einen    unglücklichen  Zufall  verloren. 
Die  Quarzkrystalle  scheinen  daher  in  dem  Meteoreisen  vom 
Toluca-Thal  doch  immer  nur  selten  vorzukommen. 


XII.     y erbesserte  Construction  des  Nicor sehen 
Prismas;  von,  B.  Hasert,  Prof.  in  Eisenach. 


E 


i^  ist  im  verflossenen  Jahre  ein  neuer  Schnitt  für  Pola- 
risationsprismen  durch  Foncault  angegeben  worden,  wel- 
cher unter  einen  Winkel  von  59^,  von  der  Grundfläche 
des  Kalkspathrhombus  gegen  die  stumpfen  Ecken  desselben 
geführt  wird,  so  wie  beigefügte  Zeichnung  es  darstellt 

A 7  Diese  Prismen  werden  nicht  mit 

/  \  /      Kitt  verbunden,  sondern  die  Schnitt- 

/ \         /        flächen   werden    durch    eine  Luft- 

/         /\     /  Schicht  getrennt,  welche  als  Spie- 

/  ! ^J  gelungsmittel   dient,    und   den  or- 

/  deutlichen  Strahl  zur  Seite  hinaus- 

9 

wirft,  ähnlich  wie  bei  dem  NicoFschen  Prisma  die  Balsam- 
schicht. Der  Vortheil  dieses  Schnittes  ist:  dafs  man  aus 
kurzen  Stücken  Kalkspath,  Prismen  von  grofsen  Grund- 
flächen herstellen  kann.  Die  Nachtheile  sind  folgende: 
1 )  Die  Zone  der  totalen  Polarisation  wird  bis  auf  die 
Hälfte  der  Zonciibreite  des  Nicol'scheu  Prismenschuit- 


190 

4)  Eid  so  coDstruirtes  Prinna  bat  weder  einen  TOthen, 
noch  einen  blanen  Saum  der  Polarisationstone ,  son- 
dern der  Saum  hat  nur  eine  schwache  secnnd&re  Fär- 
bung, unbedeutend  blafsgrfin,  wie  er  sich  bei  riditig 
construirten  adiromatischen  Objectiven  zeigt 
Prismen  von  dieser  Consfruction  sind  jedefxeit  Ton  mir 
zu  beziehen. 


XIII.     Chrysopharif  hrystallisirt   aus   der  alkoholi- 
sehen  Lösung;   vom  Techniker  H,  G  rot  he. 


iJei  Versuchen,  die  auf  die  practische  Anwendung  des 
Chrjsophans  für  die  Färberei  gerichtet  waren,  bediente  idi 
mich  der  Schlofsberger-Döpping'schen  Methode  der 
Chrysophangewinnung  aus  der  Wurzel  des  Rheum  pyram^ 
dalis.  Diese  Species  des  Rhabarbers  wird  in  Gärten  als 
Zierpflanze  gehegt  und  liefert  grofse  Quantitäten  Worzeln, 
in  ziemlich  umfangreichen  Dimensionen.  Den  nach  obiger 
Methode  gewonnenen  von  den  Harzen  Erythroretin  und 
Phäoretin  gereinigten  und  vorher  vom  Gerbstoff  befreiten 
Rhabarbarextract  liefs  ich,  nach  der  Beendigung  meiner  sehr 
günstig  ausgefallenen  Färbeversuche,  längere  Zeit  unbeachtet 
stehen  und  fand  nach  geraumer  Zeit  Krjstalle  auf  der  Ober- 
fläche der  durch  das  Ve;*dun8ten  des  Alkohols  und  Aethers 
eingedickten  Flüssigkeit.  Bei  näherer  Betrachtung  zeigten 
sie  sich  als  klare,  sechsseitige  Säulen  mit  etwas  geblidiem 
Scheine,  die  sorgfliltig  abgetrocknet  an  der  Luft  nadi  und 
nach  verwitterten  und  endlich  in  ein  weifsgelbes  Pulver 
zerfielen.  Sie  lösten  sich  nicht  in  Wasser,  schwer  in  kal- 
tem Alkohol,  leichter  in  warmem  Weingeiste.  Bei  156®  C. 
schmolzen   diese  Krystalle   und   erstarrten   darauf  kiystalli- 


191 

niflcb.  —  Es  ist  diese  Darstellung  von  ChrjsophaDkrysttUe 
am  so  interessanter,  als  Schlofsberger  aus  dem  alkoho- 
Uscben  Extract  nur  Krjstalle  in  Form  warziger  Körner  er- 
hielt. —  Ich  habe  auch  versehiedene  Spedes  der  Rumiceem 
untersucht,  angeregt  durch  Thann's  Entdeckung,  dafsHti- 
mex  patientia  das  dem  Chrysophan  identische  Rmmein  ent- 
hSlt  und  habe  dasselbe  gefunden  in  Rumex  nuiriiimiMf  pa- 
lustris,  acutus  f  aquaiieus  und  hgdrokq^athum^  und  glaube, 
dafs  der  gelbe  Farbstoff  in  Polyganum  fagapyrmm  hierher 
gehört. 


XIV.     Aufforderung. 


i^ächst  einem  Quellenverzeichnifs  Ober  die  Literatur  der 
Meteoriten,  das  demnächst  als  Versuch  in  den  Verhand- 
lungen der  Frankfurter  Senkenbergischen  Gesellschaft  von 
mir  veröffentlicht  werden  wird,  ist  für  das  Studium  der 
Meteoriten  nichts  so  nothwendig,  als 

ein  Gesammteerzeichnifs  aller  Meteoriten  in  den  verschie- 
denen Sammlungen. 

Um  das  hierzu  noch  fehlende  Material  zu  erlangen,  er* 
gebt  hiermit  an  alle  Hochschuleii,  gelehrte  Gesellschaften 
und  Privaten  die  ergebenste  Bitte: 

um  gütige  Mittheilung  von  Meteoritenverzeichoissen  mit 
Gewichtsangaben  der  einzelnen  Fragmente 

womöglich  bis  zu  Ende  des  Sommers  1861. 

Bis  jetzt  wurden  mir  Verzeichnisse  eingesandt  von:  Am- 
sterdam, Altenburg,  Berlin,  Emden,  Frankfurt  a.M.  (SVerz.), 
Görlitz,  Göttingen,  Groningen,  Harlem  (3  Verz.)»  Inns- 
bruck, Krakau,  Leiden,  London  (Lettsom),  Mannheim, 


192 

New-Haven,  Schaumburg,    Stuttgart  (2  Verz«X  TübiDgen, 
Upsala,  Utrecht,  WaBbington,  Wien,  Würzburg,  Kiel. 

Zugesagt  sind   sie   too  Breslau,    Caicutta,   Darmstadt, 
Kopenhagen,  London  (brit  Museum),  Paris  (2  Vers.) 

Womöglich  gegen  Ende  dieses  Jahres  1861  soll  dann 
das  Gresammtverzeichnifs  veröffentlicht  werden. 

Jede  Mittheilung  von  Meteoritenverzeichnissen  wird  ndt 
dem  ergebensten  Dank  entgegengenommen. 
Giefsen,  Ende  April  1861. 

Dr.  Otto  Büchner. 


XV.     Neue  sympathetische  Schrift. 

(Ursprünglich  als  Manascript  gedruckt.) 


E, 


dne  saure  AuQösung  von  Eisenchlorid  wird  so  weit 
dtinnt,  dafs  damit  Geschriebenes  beim  Eintrocknen 
verschwindet.  Diese  Schrift  hat  die  Eigenschaft,  durch 
schwefelblausaure  Dünste  alsbald  mit  blutrother  Farbe  sieht- 
bar,  durch  Ammoniakdunst  hingegen  abermals  unsichtbar  vi 
werden,  so  zwar,  daCs  sie  sich  durch  die  genannten  beiden 
Mittel  beliebig  oft  hervorrufen  und  hinwegnehmen  libt 
Zu  diesem  Zwecke  hält  man  die  Schrift  abwechselnd  in 
den  Luftraum  zweier  nebeneinander  stehenden  weithalaigen 
Flaschen,  deren  erste  Vitriol  nebst  einigen  Tropfen  einer 
starken  Auflösung  von  Schwefelcyankalium,  deren  zweite 
Aetzammoniak  enthält,  beides  in  etwa  fingerhoher  Schidit 

Der  Zusatz  von  Schwefelkalium  mufs  von  Zeit  zu  Zeit 
erneuert  werden.  Die  daraus  entstehenden  DQnste  sind 
bekanntlich  giftig. 

F.  G.  Schaffgotsch. 


Gedruckt  bei  A.  W.  Schade  in  Berlin,  Grttnstralto  18. 


194 

schoben  wurden,  au  jeder  beliebigeu  Stelle  des  Stabes  be- 
festigt werden.  Das  obere  Paar  dieser  KlemmscheibeD 
diente  dazu,  eine  in  der  Mitte  durchbohrte  messiogeoe 
Scheibe  (d)  von  69%60  par.  Maafs  Durchmesser  und  VfiS 
Dicke  zu  tragen,  so  dafs  gegen  die  FIftche  dieser  Sdieibe 
die  Axe  des  Stabes  senkrecht  gerichtet  war.  An  ihran 
Rande  trug  diese  Scheibe  eine  versilberte  Scale,  die  in 
360  Grade  getheiit  war.  Durch  das  andere  Paar  der  Klemm- 
scheiben  konnten  4  verschiedene,  ebenfalls  in  der  Mitte 
durchbohrte  Kreisscheiben  (d)  in  derselben  Weise,  vrie  die 
getheilte  Scheibe,  am  Stabe  befestigt  werden.  Diese  Schei- 
ben waren  bestimmt,  in  der  zu  untersuchenden  FlüssiglLeit 
zu  schwingen.  Sie  bestanden  aus  verschiedenen  Stoffen, 
zwei  aus  Messing,  eine  aus  gewöhnlichem  Weifsblech,  dal 
auf  der  Drehbank  durch  Drücken  mit  einem  stampfen  In- 
strument eben  gemacht  war,  und  die  vierte  aus  Spiegelglas. 
Die  Dimensionen  dieser  4  Scheiben  waren: 

Durchmesser  Dicke 

Kleinere  Messingscheibe     5(f\l2  par.     0^,60  par. 
Glasscheibe       .... 


51  ,68 

1  ,27 

69  ,79 

0,56 

95  ,31 

0  ,22 

Gröfsere  Messiugscheibe 

Weifsblechscheibe  .  . 
Durchmesser  wie  Dicken  wurden  an  jeder  Scheibe  meb- 
rere  an  verschiedenen  Stellen  gemessen.  Die  für  die  Dordi- 
messer  beobachteten  Werthe  waren  in  vollständiger  Ueber- 
einstimmuug  mit  einander.  Doch  zeigten  sich  bei  den  be- 
obachteten  Werthen  der  Dicken  Abweichungen  von  0"VOI 
bis  0^,02.  Nur  bei  der  Glasscheibe  waren  dieselben  weil 
bedeutender.  Vier  Messungen  der  Dicke  an  vier  in  gliei- 
chen  Abständen  von  einander  gelegenen  Punkten  des  Ran- 
des gaben  die  Werthe 

1"',30,     r",30,     l",26,     1"',21. 
Die  beiden  Flächen   der  Scheibe  waren  also  nicht  genau 
parallel   geschliffen.     Die   angeführten   Messungen   wurden 
mittelst  eines  Maafsstabes  mit   verschiebbarem  Nonius   aus- 
geführt. 

Ueber  die   kleinere  Messingscheibe  ist  noch  zu  bemer- 


195 

ken,  cbfs  bei  der  ADfertigaDg  des  weiter  unten  erwähnten 
BMriDgi  (m)  der  Durchmesser  derselben  etwas  verkleinert 
worde»  Er  betrug  von  da  an  nach  einer  mikroskopischen 
MeanDf  nur 

49^57  par. 
Ich  werde  im  Folgenden  daher  immer  angeben,  welcher  der 
beiden  Werthe  bei   einem  Versuche  in  die  Rechnung  ein- 
iiifiHhi'en  ist. 

Ddber  der  getheilten  Scheibe  befand  sich  an  der  Axe 
(«a)  ein  drehbarer  seitlicher  Arm  (l),  der  ein  Laufgewicht 
trof^  Dieses  diente  dazu,  die  Scheiben  in  die  horizontale 
Lage  tu  bringen«  Dabei  verfuhr  ich  so,  dafs  ich  neben 
taiseren  Bande  der  Scheiben  eine  Nähnadel  aufstellte, 
Spitze  bst  die  Scheibe  berührte.  Versetzte  ich  dai^ 
anf  den  Apparat  in  Schwingungen,  so  konnte  ich  mich 
dordi  Beobachtung  der  Nadelspitze  mit  einer  Loupe  itber- 
leogen,  daCs  die  Scheiben  ihre  Schwingungen  sowohl  in 
ihrer  eigenen  Ebene,  als  auch  um  ihren  Mittelpunkt  aus- 
führten. 

Die  messingene  Axe  (aä)  des  Apparats  trug  oben  und 
nnten  ein  Schraubengewinde.  Auf  das  untere  konnte  eine 
abgerundete  Schraubenmutter  (e),  auf  das  obere  ein  der 
Llnge  nach  durchbohrtes  und  in  zwei  auf  einander  recht- 
winkligen Richtungen  der  Länge  nach  eingeschnittenes  cj- 
liadrisches  Messingstück  (f)  aufgeschraubt  werden.  Dieft 
Mstere  trug  wieder  ein  etwas  konisches  Schraubengewinde, 
auf  das  eine  birnförmig  gestaltete  Schraubenmutter  (g)  ge- 
schraubt werden  konnte.  In  den  Kreuzungspunkt  der 
bdden  Einschnitte  wurde  das  Ende  des  Drahts  gesteckt, 
an  dem  der  Apparat  aufgehängt  werden  sollte,  und  durch 
Anxidien  der  bimförmigen  Schraubenmutter  zwischen  den 
vier  Vierteln  des  eingeschnittenen  Stücks  fest  eingeklemmt 

Als  Aufhttngungsdraht  wurden  nach  und  nach  verschie- 
dene Messingdrfthte  angewandt.  Sie  hatten  eine  Länge  von 
etwa  2^'  und  eine  Dicke  von  0'",2.  Sie  waren  vor  der 
Anwendung  gleichmäfsig  ausgeglüht,  durch  Dehnung  gerade 
gezogen  und  durch  Dehnung  und  starke  Tordirung  wieder 


196 

möglichst  geh&rtet.  Beim  AusglOben  befanden  sich  die 
DrShte,  um  Verbrennung  zu  vciiiüten  und  das  Glühen  nög- 
liehst  gleichmäfsig  za  machen,  in  einer  Lehmkugel,  ▼<MI  der- 
selben durch  geöltes  Papier  getrennt.  Diese  Kugel  woHe 
getrocknet  und  in  einem  grofsen  Ofenfeuer  zum  WeiCiglfl- 
hen  erhitzt;  nach  dem  Erkalten  wurde  die  entstandene  Zie^ 
grlmasse  zerschlagen  und  der  Draht  herausgenommen* 

Das  obere  Ende  des  Drahts  war  auf  gleiche  WeiM 
gefafst,  wie  das  untere.  Das  obere  EinklemmungsatUck 
(f  und  g')  war  an  einen  etwas  mehr  als  zolUangen  Cwam 
(k)  geschraubt,  der  sich  irt  einer  conischen  Hülle  (i)  leieht 
drehte.  Diese  Hülle  trug  einen  kleinen  versilberten  Theil- 
kreis  (A),  der  in  8  gleiche  Theile  gelheilt  war.  Am  Conas  (A) 
befand  sich  eine  geränderte  Handhabe  mit  einem  Zeiger  (n) 
für  den  Theilkreis  (ft). 

Die  conische  Hülle  (i)  war  vermittelst  einer  Platte  an 
einem  rechtwinkligen  Stücke  Holz  befestigt,  das  vertlcal  eef 
zwei  hölzernen  Säulen  von  etwa  V  Länge  auf-  und  abbe- 
wegt werden  konnte,  um  die  Scheibe  beliebig  tief  in  die 
Flüssigkeit  eintauchen  zu  können.  Die  hölzernen  Sftuloi 
standen  entweder  auf  einer  Art  Galgen  oder  auf  einer  ho- 
rizontalen Stange,  deren  beide  Enden  an  der  Wand  befe- 
stigt waren. 

Die  Beobachtung  wurde  mittelst  eines  astronomischen 
Fernrohrs  mit  Fadenkreuz,  das  auf  die  Theilung  der  Scheibe 
(d)  gerichtet  wurde,  ausgeführt.  Das  Fernrohr  war  meistens 
unmittelbar  an  der  Wand  des  Zimmers  befestigt. 

Der  benutzte  Apparat  gehört  dem  physikalischen  Gabi« 
net  der  Königsberger  Universität.  Seine  Construction  isf 
von  Herrn  Professor  Neumann  angeordnet  worden. 

§3. 

Die  nächste  Aufgabe  zur  Vorbereitung  auf  die  Beob- 
achtung war  die  Bestimmung  des  Trägheitsmoments.  Diese 
Bestimmung  ist  bei  kleinen  Apparaten,  die  an  einem  ein- 
zigen Drahte  aufgehängt  sind,  mit  grofsen  Schwierigkeiten 
verknüpft,  weil  das  Torsionsuiomcnt  des  Drahts  sich  durch 


197 

Belastung  uud  auch  mit  der  Zeit  bedeutend  ändert.  Diese 
Aenderungen  sind  im  Ganzen  sehr  unregelmälsig;  doch  ist 
zo  bemerken,  daCs  mit  der  Zeit  meistens  die  Sdhwingungs< 
dftaer  des  Apparates  ab*,  also  das  Torsionsmoment  des  Drahts 
zunimmt,  vorausgesetzt,  dafs  der  Apparat  hSufig  in  Bewe- 
gung gesetzt  wird. 

Zu  diesen  Uebelstilnden  kommt  noch  hinzu,  dafs  die 
AnwendoDg  der  Gau fs' sehen  Methode,  nach  der  das  TrSig- 
heifsmoment  durch  den  Einflufs  angehängter  Gewichte  auf 
die  Schwingungsdauer  bestimmt  wird,  auf  Apparate  von  der 
Gröfse  und  der  Form  wie  der  beschriebene  durchaus  un- 
erlaubt ist.  Die  angehängten  Gewichte  verändern  nämlicli 
die  Schwingungsdauer  nicht  nur  durch  Vermehrung  des 
Trägheitsmoments,  sondern  sie  verursachen  zugleich  einen 
solchen  Widerstand  der  Luft,  dafs  dieser  merklichen  Ein- 
flufs auf  die  Gröfse  der  Schwingungszeit  gewinnt.  Man 
kaon  sich  dieser  Methode  nur  dann  mit  Vortheil  bedienen, 
wenn  der  Apparat  selbst  einen  solchen  Widerstand  an  der 
Lnft  findet,  dab  der  von  den  Gewichten  herrührende  ge- 
gen diesen  vernachlässigt  werden  darf.  Zugleich  darf  das 
ToTsionsmoment  des  Drahts  oder  der  Drähte  nicht  merklich 
dordi  die  Belastung  mit  den  Gewichten  geändert  werden. 

Ich  wandte  zuerst  die  Gaufs'sche  Methode  in  der 
Weise  an,  dafs  ich  die  Schwingungsdauer  des  Apparats  ffir 
sieh  und  aufserdem  dieselbe  bestimmte,  nachdem  an  zwei 
gegenüberliegenden  Punkten  des  Umfangs  der  getheilten 
Scheibe  zwei  gleiche  Gewichte  aufgehängt  worden  waren. 
Diese  Gewichte  bestanden  aus  bleiernen  Cylindern,  deren 
Durchmesser  8'^70  par.  und  deren  Höhe  23^70  und  23^',40 
betrug.  An  ihrem  oberen  Ende  war  ein  kleiner  messinge- 
ner Ring  zum  Aufhängen  eingeschraubt.  Sie  hingen  an  ei- 
nem quer  über  die  Scheibe  gelegten  dünnen  silberplattirten 
Kupferdraht,  dessen  Länge  104"',62  war  und  der  0,060  Grm. 
wog.  Die  Gewichte  selber  wogen  zusammen  360,393  Gnu. 
Damach  ist  der  Werth  des  Trägheitsmoments  der  Gewichte 
und  des  Aufhängungsdrahts  in  Bezug  auf  die  Drehungsaxe 
des  Apparats,  die  Masse  des  Bleies  als  homogen  vorausgesetzt. 


WM  M 

M  1  " 


198 

M,  =  439900 .  - 

bezogen  auf  Gramme  und  pariser  Linien  aU  Eioheiten.  Man 
findet  aus  diesem  Werthe  und  den  beiden  beobachteteo 
Scbwingungszeiten  das  Trägheitsmoment  des  Apparats 

wenn  vorausgesetzt  wird,  dafs  das  Torsionsmomenl  des 
Drahts  sich  nicht  merklich  durch  die  Belastung  verindert 
T  ist  die  Scbwingungsdauer  des  Apparates  ohne  Gewidiie, 
T|  mit  den  Gewichten. 

Meine  Beobachtungen  lieferten  folgende  Resultate  fiDr 
den  Apparat 

r  T,  Jf 

mit  der  kleineren  Messingscbeibc   ff\n2i  19",4295  7477 

9,732  19,447  7685 

gröfseren            »                10,541  17,804  12081 

n     •         n                 n               12,3312  20,8500  12042 

ohne  Scheibe 8 ,5265  18 ,8565  5753 

Bei  der  dritten  Beobachtung  war  der  Apparat  an  einem 
anderen  Draht  aufgehängt.  Die  Schwinguugszeiten  worden 
aus  je  24  bis  30  in  regelmäfsigen  Intervallen  von  5  Miim- 
ten  angestellten  Beobachtungen  der  Zeit  berechnet,  zu  der 
der  Apparat  seine  Gleichgewichtslage  passirte.  Die  Zeit- 
bestimmungen wurden  mit  einem  0",4  schlagenden  Chrono- 
meter gemacht,  die  Berechnung  nach  der  Methode  der  kletn- 
sten  Quadrate  ausgeführt.  Die  Werthe  von  Jlf  beziehen 
sich  auf  Centimeter  und  die  Dichtigkeit  des  Wassers  ab 
Einheiten. 

Trotz  der  sehr  grofsen  Uebereinstimmuug  der  beiden 
für  den  Apparat  mit  der  grofsen  Scheibe  erhaltenen  Werthe 
mufste  die  bedeutende  Abweichung  der  für  den  Apparat 
mit  der  kleineren  Scheibe  gefundenen  Zahlen  Bedenken 
über  die  Brauchbarkeit  der  Methode  erregen.  Ich  änderte 
deshalb  die  Methode  so  ab,  dafs  es  schien,  als  sei  der  Wi- 
derstand, den  die  Luft  den  schwingenden  Gewichten  bot, 
aus  der  Gndformel  climinirt.     Aus  einem   und  demselben 


1 91) 

i\]essingblccli  wurden  4  Cy linder  von  der  Gröfse  der  l]ici- 
gewiclitc  augefertigi').  Zwei  dieser  Cjünder  wurden  mit 
Blei  ausgegossen,  zwei  dagegen  hohl  verschlossen.  Am 
oberen  Ende  trugen  diese  Gewichte  einen  Haken  mit  einer 
feinen  Einkerbung  in  der  Mitte,  in  der  die  Schleifen  feiner 
Drahte  lagen,  an  denen  sie  aufgehängt  wurden.  Um  diese 
4  Gewichte  in  verschiedenen  Entfernungen  von  der  Dre- 
hongßaxe  am  Apparat  aufhängen  zu  können,  wurden  auf 
einem  auf  der  oberen  Fläche  der  getheilten  Scheibe  gezo- 
genen Durchmesser  (zwischen  den  Theilstrichen  90  und  270) 
auf  jeder  Seite  der  Axe  zwei  Paar  feiner  Löcher  durch  die 
Scheibe  gebohrt  (a  und  ß  in  der  Figur).  Durch  je  zwei 
entsprechende,  auf  verschiedenen  Seiten  befindliche  Löcher 
wurde  ein  feiner  Draht  von  derselben  Sorte,  wie  früher, 
gezogen,  und  die  Enden  desselben  in  Schleifen  zusammen- 
gedrillt.  In  diese  Schleifen  wurden  die  4  Gewichte  gehängt 
und  zwar  so,  dafs  einmal  die  gefüllten  Gewichte,  das  an- 
dere Mal  die  hohlen  in  den  gröfseren  Entfernungen  von 
der  Axe  hingen.  Es  wurde  bei  beiden  Anordnungen  die 
Scbwingungsdauer  des  Apparats  beobachtet,  und  aufserdem 
die  Schwingungszeit  des  unbelasteten  Apparats  bestimmt 

Durch  die  angehängten  Gewichte  wird  die  umgebende 
Luft  in  Bewegung  gesetzt.  Nach  BesseTs  Beobachtung 
(in  seiner  berühmten  Arbeit  über  die  Länge  des  Secunden- 
pendeis,  Abb.  der  Berl.  Akad.  1826)  und  der  Erklärung 
derselben  durch  Poisson  (Mhtt.  de  tAcad.  Vol.  11)  hat 
diese  Mitlheilung  der  Bewegung  an  die  Luft  denselben  Ef- 
fect wie  eine  Vermehrung  des  Trägheitsmoments.  Diese 
Vermehrung  ist  nach  Poisson 

wo  /Ei  die  Masse  der  durch  den  schwingenden  Körper  ver- 

1)  Genauer  waren  die  Diniensioiicii  dieter  Gewichte,  vrie  «le  durcli  mi- 
kroskopiscUe  Messoog  an  dem  niii  No.  4  beieichneten  kohlen  gefunden 
wurden : 

Dicke  der  cylindri'sclien  Wand       0"\20  par.  M. 

Durchmesser 8  ,92       » 

Höbe 21  ,72      » 


200 

driogten  Luft,  L  die  Entferoung  des  SchwerpunkU  dieam 
Luftmasse  von  der  Drehnngsaxe  bezeidmet.  Bei  der  Uoter- 
8uchuDg  wurde  aber  die  Reibung  unberücksichtigt  gelaraen» 
Ich  bezeichne  mit  m,  die  Masse  eines*  der  vollen  Ge- 
wichte, mit  ihj  die  eines  der  leichteren ,  mit  m,  AJ  das 
Trägheitsmoment  eines  vollen  Gewichts  in  Bezug  auf  seine 
Längsaxe,  mitniiA.?  dieselbe  Grölsc  für  ein  hohles;  femer 
mit  £t  die  Entfernung  der  äuCseren  Löcher  (genauer  die 
Entfernung  des  inneren  Randes  derselben)  von  derDrebungs- 
aze,  mit  L^  die  der  inneren  Löcher.  Aulserdem  nenne  ich 
fji^  und  fi^  die  scheinbaren  Vermehrungen  des  Trägheits- 
moments,  die  durch  ein  in  den  Entfernungen  L«  und  L^ 
von  der  Axe  in  der  Luft  schwingendes  Gewicht  hervorge- 
bracht werden.  Diese  Gröfsen  sind  für  die  vollen  und 
hohlen  Gewichte  dieselben,  da  die  Oberflächen  beider  gidcb 
sind.  Endlich  nenne  ich  T,  T^  und  T^  die  drei  beobach- 
teten Schwingungsdauern.  Dann  ist,  wenn  ich  voraussetze, 
daCs  das  Torsionsmoment  r  durch  die  Belastung  nicht  merk- 
lich geändert  werde, 

r TJ  =n*  IM  +  2m,  (L?  -f-  AJ)  +  2m,  (L\  +  A|)| 

-+-2^,+2^J>    (I) 
TTl=n^lM+2m,  (L?  +  A?) -f-2m,  (LJ +;ij)! 

Daraus  ergiebt  sich  eine  von  fc,   und  ^,  unabhängige  Be- 
stimmung von  M. 

M  =  2j!^^,(m,-m,HLl--L])    ...    (2). 

Nach  dieser  Formel  habe  ich  folgeude  Beobachtungen 
berechnet.  Durch  Combination  von  10  Wägungen  nach 
der  Methode  der  kleinsten  Quadrate  ergaben  sich  folgeude 
Werthe  für  die  4  Gewichte: 

Gewicht  No.  1  =  m ,  9  =  170,5654  Grm. 
«    2  =  m',^  =  170,5639     « 
u  »    3  =  m  1  jT  =    25,2352     » 

H    i  =  m\g  =^    25,2358    • 


201 

Für  die  Entferoungen  von  der  Aie,  in  denen  diese  Ge- 
wichte aufgehängt  wurden ,  also  fQr  die  Entfernungen  der 
iaaeren  Rftnder  der  Löcher  a  und  ß  von  der  Aie,  ergaben 
aich  aus  7  mikroskopischen  Messungen  nach  derselben  Me- 
thode folgende  Werthe: 

L  ,  =  28'",2733  par.  =  6,37798  Cm. 
L\  =  28  ,3204    -    =  6,38859    « 
L ,  =  16  ,7272    n    =  3,77338    » 
L\=16,8393    »     =3,79865    » 

Daraus  berechne  ich,  bezogen  auf  Centimeter, 

(m^— m,)  (LI— L])+(m\--m\)(L'l— VI)  ==.1616,96. 

Ich  beobachtete  ferner  folgende  Werthe  der  Schwinguugs- 
dauern,  wShrend  am  Apparat  sich  die  kleinere  Messingscheibe 
befand, 

T  =5 ',4407 
r,  =  7  ,6241 
r,  =  9  ,4034 

in  derselben  Weise,  wie  die  früher  angegebenen,  init  dem 
einzigen  Unterschiede,  dafs  statt  des  Chronometers  eine 
iV  Secunden  schlagende  Pendeluhr  benutzt  wurde.  Aus 
diesen  Werthen  erhillt  man  nach  der  obigen  Formel,  bezo- 
gen auf  Centimeter, 

M  =  7500,5, 

also  einen  Werth,  der  zwischen  den  früheren  Beobachtun- 
gen die  Mitte  hält. 

Versucht  man,  mit  Hülfe  dieses  Werthes  aus  den  oben 
angegebenen  Beobachtungen,  bei  denen  die  Bleigewichte 
angewandt  worden,  die  Masse  der  durch  diese  Bleigewichte 
in  Bewegung  gesetzten  Luft  zu  berechnen,  so  erhalt  man 
einmal  einen  negativen  Werth,  das  andere  Mal  einen  posi- 
tiven. Dieser  letztere  fällt  noch  dazu  so  grofs  aus,  dafs 
man  ihn  für  unmöglich  halten  mufs.  Man  findet  nämlich, 
dafs  ein  Bleicyliuder  einer  Luftmasse  die  volle  Geschwin- 
digkeit des  Apparats  ertheilen  müfste,  deren  Gewicht  0,566 
Grm.,  deren  Volumen  also  436  CC.  grofs  sejn  müCste.    Der 


202 

aus  der  angegebenen  von  Poiason  aufgealellteo  Formel 
folgende  Werth  ist  50  mal  kleiner. 

Ich  versuchte,  eine  sebSrfere  Bestimmung  dieser  Grdise 
zu  erhalten,  indem  ich  die  zuletzt  angegebenen  Beobach- 
tungen so  wiederholte,  dafs  die  hohlen  Gewichte  fehlten 
und  die  schwerereu  nach  einander  in  den  beiden  Entfer- 
nungen von  der  Axe  aufgehfingt  wurden.  Den  Beobach- 
tungen entsprechen  also  die  Gleichungen 

TT\=n'lM+2m^(L]+Xl)+2fi,^  (3) 

rTJ=:^'[Jlf4-2ma(LJ+iJ)+2|U,]     ) 

Aus  diesen  Gleichungen  folgt 

,i,-(i,=z'!^^.f-.m,(Ll-L\)        (4) 

Ich  beobachtete 

T  =  5  ",4452;     T,  =  7 ',0584 ;     T,  =  r,276I. 

Berechne  ich  hieraus  mit  Yeruachffissigung  von  fi^ — fi^  das 
Trägheitsmoment  M,  so  finde  ich 

M  =  7374,8 
in  demselben  Maafs  wie  früher;  ich  erhalte  also  einen  viel 
kleineren  Werth  als  aus  den  anderen  Beobachtungen«    In 
Folge  dessen  finde  ich  den  unglaublich  grofsen  Werth 

|M,  —fii  =99, 
ebenfalls  auf  Centinieter  bezogen.     Setze  ich  nach  Pois- 
son's  Formel 

so   finde  ich  als  Gewicht  der  von  einem  Messingcyliuder 
mitgeführteu  Luft 

1,8  Grm., 
also  einen  noch  gröfseren  Werth  als   bei    den  bleiernen 
Gewichten. 

Bei  allen  diesen  Schwingungsbeobachtungen  hatte  ich 
mich  davor  sicher  gestellt,  dafs  durch  die  Schwingung  nidit 
etwa  die  Grfinze  der  Elasticilät  des  Drahts  überschrittm 
wurde.  Die  Amplituden,  bei  denen  die  beobachteten  Schwin- 
gungen ausgeführt  wurden,  für  eine  volle  Schwingung  lagen 


203 

ininer  zwischen  den  fiufsersten  Gränzen  120^  und  20'*. 
Folgende  Beobachtungen  zeigen,  dafs  der  Draht  um  min- 
destens 225^  tordirt  werden  konnte,  ehe  er  die  Gränzc  sei- 
ner Elastidtät  überschritt 

Es  wurde  zunächst  durch  das  Fernrohr  die  Ruhelage 
der  Scheibe  beobachtet,  dann  diese  durch  einen  Retorten- 
halter in  derselben  festgeklemmt,  während  der  obere  Auf- 
hängungspunkt  des  Drahts  gedreht  wurde.  Diese  Drehung 
wurde  an  der  oberen  kleinen  l'heilung  abgelesen;  bei  die- 
ser Ablesung  konnten  Fehler  tou  Bruchtheileu  eines  Gra- 
des gemacht  werden.  Es  wurde  dann  die  Schraube  des 
Retortenhalters  langsam  gelüftet,  so  dafs  die  Scheibe  ohne 
Schwingungen  in  ihre  neue  Ruhelage  sich  drehte.  Diese 
wurde  wieder  durch  das  Fernrohr  beobachtet.  Ich  beob- 
achtete so  folgende  Zahlen: 


Obere  Tbeilaog. 

Untere 

Thcilan;;. 

Drehung. 

Drehung. 

0 

326,6 

45 

45» 

281,9 

44°,7 

135 

90 

191,3 

90  ,6 

270 

135 

56,0 

135  ,3 

90 

180 

237,5 

178  ,5 

315 

225 

12,2 

225  ,1 

180 

225 

147,2 

225  ,0 

90 

270 

238,0 

265  ,2 

90 

360 

241,5 

357  ,5 

Die  Gränze  der  Elasticität  ist  also  erst  durch  eine  Drehung 
um  270^  überschritten. 

Es  war  nach  den  mitgetheilten  Resultaten  nicht  zu  hof- 
fen, dafs  bei  Aufhängung  des  Apparats  an  einem  Draht 
constante  Resultate  erlangt  werden  könnten.  Zugleich  ist 
ersichtlich,  dafs  bei  dieser  Art  der  Aufhängung  nicht  ent- 
schieden werden  kann,  ob  die  gefundenen  Abweichungen 
der  Resultate  von  den  Aenderungen  des  Torsionsmoments 
oder  von  dem  Einflufs  der  Luft  auf  die  schwingenden  Ge- 
wichte herrühren.    In  der  That  ist  Ton  beiden  Ursachen  an- 


204 

zanehmeoy  dafs  sie  in  dem  Resnltal  eineu  merklieben  Fehler 
henrorbringCD.     Diefs  zeigt  folgende  Betrachtung. 

Aus  der  Theorie  der  Elasticität  folgt,  daCB  das  Torsiona- 
moment  r  in  der  Weise  vom  Radius  r  und  der  Lftnge  / 
des  Drahts  abhftngt,  dafs 

ist.  Hierin  ist  l  der  Elasticitätscoefficient  des  Drahts  and  q 
ein  CoefÜGient,  der  dadurch  definirt  ist,  daCs  eine  VergrOa- 
serung  Jl  von  l  eine  Verkleinerung  von  r  um  Jr  hervor- 
rufty  die  in  dem  VerhAltnifs 

Jl       ^  Jr 

stehen.  Mach  Poisson's  Theorie  der  Elasticit&t  und 
Cagniard  de  la  Tour's  Beobachtung  ist  dieser  Coeffi- 
cient  9  =  4, 

nach  allen  anderen  Beobachtungen  nicht  viel  davon  ver- 
schieden. Der  obige  Ausdruck  für  r  gelte  für  die  Belastung 
des  Drahts  durch  das  Gewicht  P;  für  eine  gröfsere  Bela- 
stung P+JP  vrird  dann  gelten 

da  man,  ivenn  JP  nicht  grofs  ist,  (Jry  gegen  r^  wird 
vernachlässigen  können.    Hieraus  folgt 

Jt  .Jr       Jl  /-   .    4\Jl 

also  nahezu 

Jr  c%J^ 

=2  —  ^-r  • 

T  I 

E^  verringert  sich  also  das  Torsionsmoment  durch  Vermeh- 
rung der  Belastung.  Demnach  sind  die  bisher  gefundenen 
Werthe  des  Trägheitsmoments  ( jf)  kleiner  als  der  wahre 
Werth  Jlf,  vorausgesetzt,  dafs  die  Methode  keine  weiteren 
Fehler  enthalt.    Es  ist  angenähert 

und  für  eine  zweite  Belastung  durch  Gewichte 


205 
und  darauB  angenähert 

Jrj   Jt,  (]|f,)~(3fa) 

oder  nach  den  obigen  Forraehi 

/f^  _  /^  _  (/»f,)~(»f,) 

Diese  Formel  wende  ich  auf  die  beiden  Beobachtungen  mit 
den  Messinggewichten  an,  weil  in  diesen  beiden  /(  =  /,  ist« 

Diese  Beobachtungen  haben  bei  gröfserer  Belastung  ei- 
nen gröfseren  Werth  für  M  gegeben.  Sie  sind  also  mit 
der  Formel  in  Widerspmch.  Man  mufs  demnach  noch  eine 
andere  Fehlerquelle  annehmen.  Diese  scheint  darin  zu  lie- 
gen, dafs  die  Gröfsen  fi^  und  fi^  nicht  allein  von  L^  und 
£,9  sondern  auch  von  der  Geschwindigkeit  der  Bewegung, 
also  von  T^  und  T,  abhängen. 

Um  die  angedeuteten  Fragen  zu  untersuchen,  mithin  die 
Anwendbarkeit  der  Gau  falschen  Methode  auf  den  vorlie- 
genden Fall  zu  prüfen,  wurde  der  Apparat  bifilar  autge* 
hängt.  Es  wurden  dabei  einige  unwesentliche  Aenderungen 
mit  demselben  vorgenommen.  Um  möglichst  wenig  von  ihm 
fortnehmen  zu  müssen ,  wurde  die  kleine  Schraubenmutter 
(e)  am  unteren  Ende  der  Axe  abgenommen  und  durch  eine 
längere  ersetzt,  die  in  eine  Schraube  endigte,  welche  in  ein 
redtwinkliges  Stück  Messing  eingeschraubt  werden  konnte, 
das  für  gewöhnlich  zur  bifilaren  Aufhängung  eines  anderen 
Apparats  diente.  Es  hing  somit  der  Apparat  auf  dem  Kopfe, 
die  getheilte  Scheibe  wurde  daher  umgekehrt  aufgesteckt. 
Durch  diese  neue  Anordnung  hatte  der  j\pparat  an  Stabil!- 
Mt  gewonnen,  da  die  getheilte  Scheibe,  als  die  ^öfsere, 
tiefer  hing  als  die  kleinere  ungetheilte. 

Die  zur  bi61aren  Aufhängung  dienenden  neuen  Theile 
dea  Apparats  sind  Figur  3  Taf.  III  dargestellt.  An  dem 
oberen  Ende  des  Apparats  befindet  sich  das  erwähnte  kleine 
Parallelepipedom  (a)  aus  Messing.  An  dieses  können  von 
)e  zwei  gegenüberliegenden  Seiten  kleine  Messingbleche  (fr) 


206 

durch  zwei  kleine  Stahlschrauben  (c)  angeschraubt  werden. 
Die  Enden  der  Drähte  werden  zwischen  diesen  Blechen 
und  dem  mittleren  StQck  (a)  eingeklemmt.  Ihre  Stelle  ist 
durch  eine  auf  der  oberen  Fläche  von  (a)  gezogene  Linie 
bezeichnet.  Diesem  Stücke  (ä)  mit  den  Blechen  (b)  entspricht 
am  oberen  Theile  ein  gleiches  (a')  mit  gleichen  Blechen  (bf). 
Dieses  ist  durch  einen  Stab  (d* )  in  einem  Ringe  (e')  um  eine 
Tcrticale  Axe  drehbar  aufgehängt,  und  kann  durch  die 
Schraube  (f)  festgestellt  werden.  Darüber  befindet  sich  eine 

Rolle  (gfO- 

Zur  Aufhängung  wurden  silberplattirte  Kupferdräbte 
(No.  15)  verwandt,  die  vorher  auf  die  beschriebene  Weise 
ausgeglüht  worden  waren.  Es  wurde  ein  soldier  Draht 
über  die  Rolle  (g*)  gehängt,  die  beiden  Hälften  gerade  ge- 
streckt und  die  Enden  ohne  Torsion  zwischen  (a)  und  (b)  cid- 
gespannt.  Nachdem  der  Apparat  einige  Tage  so  gehangen 
hatte,  während  welcher  Zeit  er  hin  und  wieder  in  Schwin- 
gungen versetzt  wurde,  zog  ich  auch  die  Schrauben  (c')  fest 
an  und  schnitt  den  Draht,  der  über  die  Rolle  (g')  lie^  ab. 
Ich  konnte  somit  sicher  sejn,  dafs  beide  Drähte  in  gleicher 
Spannung  waren. 

In  jeden  Draht  war  vor  der  Aufhängung  eine  kleine 
Vorrichtung  eingeschaltet,  die  zur  Bestimmung  des  Torsions- 
moments  desselben  diente.  Dieselbe  bestand  aus  einem 
kleinen,  dünnen  Platinbleche  a,  durch  das  mit  einer  Nadel 
4  Löcher  gebohrt  worden  waren.  In  je  zwei  dieser  Löcher 
fafste  ein  aus  Draht  gefertigter  Haken.  An  diesen  beiden 
Haken  waren  die  Hälften  eines  der  Drähte  befestigt.  Die> 
selben  waren  um  die  zusammengebogenen  Schenkel  des 
Hakens  gewickelt,  *und  zwar,  um  das  Aufdrillen  durch  die 
Osdllationen  des  Apparats  zu  vermeiden,  so,  dafs  der  Dndit 
erst  zwischen  den  Schenkeln  des  Hakens  hindurchlicf  und 
zwischen  denselben  durch  seine  eigenen  weiteren  Windun- 
gen um  den  Haken  herum  eingeprefst  war.  In  Figur  3  ist 
die  ganze  kleine  Vorrichtung  von  beiden  Seilen  dargestellt. 

Die  Bestimmung  der  Torsionskraft  eines  Drahts  geschah 
auf  folgende  Weise.    Es  wurde  zunächst  die  Gleichgewichts- 


207 

Stellung  des  Apparats  durch  das  Fernrohr  beobachtet.  Dar- 
auf wurde  einer  der  beschriebeuen  4  Haken  gelöst  und  von 
der  andern  Seite  wieder  in  das  Blech  eingehakt,  der  Draht 
also  um  180^  tordirt.  Der  Apparat  wurde  möglichst  schnell 
zur  Ruhe  gebracht,  und  seine  neue  Gleichgewichtslage  durch 
das  Fernrohr  beobachtet.  Dieselbe  Beobachtung  wurde 
fOr  eine  Drehung  um  180"  in  entgegengesetzter  Richtung 
angestellt,  und  beide  Beobachtungen  am  andern  Haken  je- 
des Blechs  wiederholt.  Ich  erhielt  auf  diese  Weise  aus  den 
Beobachtungen  an  jedem  Draht  4  Gleichungen  von  der 
Form 

0=Pj^[sin(9>o±9,)— 8in9o]=i=^.  {.^  —  Vil—^^Vi     (5) 

durch  die  die  Torsionsmomcute  Tj  und  r^  der  Drähte  durch 
das  Drehungsmoment  der  Schwere  ausgedrückt  werden 
konnten.  In  der  Formel  bezeichnet  P  das  Gewicht  des  Ap- 
parats, 0  und  u  die  Entfernung  der  beiden  Drähte  an  den 
oberen  und  unteren  Einklemmungsstellen ,  l  die  Länge  der 
Drähte.  Femer  ist  9>o  ^>®  Ablenkung  des  Apparats  aus 
der  Gleichgewichtslage,  die  er  in  Folge  der  Schwere  ein- 
nehmen würde,  wenn  die  Drähte  vollständig  ohne  Torsion 
eingespannt  wären;  ^i  diejenige  Ablenkung,  die  eine  Tor- 
sion eines  Drahts  um  180^  hervorbringt.  Aus  den  8  Glei- 
chungen sind  die  drei  Gröfsen  T|,  r,  und  q>Q  zu  bestimmen. 

Man  könnte  dieser  Methode  zur  Bestimmung  des  Tor- 
sionsmoments den  Vorwurf  machen,  dafs  die  Tordirung  um 
einen  so  groben  Winkel  das  Torsionsmoment  ändere,  dafs 
also  die  Gränze  der  Elasticität  des  Drahts  überschritten 
werde.  Diesem  Einwände  zu  begegnen,*  bestimmte  ich  die 
Sdiwiugungsdauer  des  Apparats  in  seiner  normalen  Auf- 
hängung und  darauf  dieselbe,  nachdem  der  eine  Draht  rechts, 
der  andere  links  herum  um  180^  tordirt  war.  Ich  fand  aus 
je  12  Beobachtungen,  die  wie  die  bereits  angegebenen  an- 
gestellt wurden,  als  Werth  der  auf  unendlich  kleine  Bo- 
gen reducirten  Schwingungszeit  bei  normaler  Stellung 

r=l3M084, 


208 

bei  tordirten  DrShten 

T=13",1054. 
Uabei  war 

9^=0   und    r,  =T,  =0,0549.  Pj^ 

gefuudeu  worden.  Es  haben  sich  demnach  durch  die  Dre- 
hung um  180^  die  Torsionsmomente  um  höchstens  den 
zweitausendsten  Theil  ihres  ganzen  Werthes  vergröfsert 

Auf  den  so  abgeänderten  Apparat  wandte  ich  die  be» 
schriebene  Modification  der  G auf s'schen  Methode,  bei  der 
zwei  Paar  gleich  gestalteter  Gewichte  benutzt  werden,  an. 
In  der  schon  gebrauchten  Bezeichnung  erhalte  ich  die  Re- 
sultate der  Beobachtungen  dargestellt  durch  die  Gleichungen 

(P^  +  r,+r,)r=;r^Jlf 
([P+2(m,+m,)(/]^+r\  +  r',)77 

{lP+2(fn,+m,)gy^.  +  T\  +  T^,)r, 

=  7t^lM+ 2m,  (LJ  +  A?) + 2m,  (LJ  +  AJ) + 2^,  +2^  J. 

Hierin  sind  r^,  und  t*^  die  Werthe  der  Torsionsmo- 
mente bei  der  Belastung  der  Drähte  durch  die  Gewichte, 
t  die  Länge  derselben  bei  dieser  Belastung;  die  ungestriche- 
nen  Buchstaben  repräsenliren  dieselben  Gröfsen  ffir  den  un- 
belasteten Apparat. 

Aus  diesen  Gleichungen  kann  ich  das  Trägheitsmoment 
M  auf  doppelte  Weise  bestimmen;  einmal,  wenn  o,  u  und  { 
gemessen  sind,  aus  der  ersten  Gleichung  allein;  dann  von 
0  und  u  unabhängig,  durch  die  aus  den  drei  Gleichungen 
folgende  Relation,  welche  wegen  der  Gl.  (5)  ou  nicht  mehr 
enthält, 

*  = rTr7n2(m,-mi)(I5-jL;) 

Sind  0,  u  und  t  gemessen,  so  liefern  die  letzten  beiden 
Gleichungen  (6)  eine  Relation,  die  zur  Conlrole  der  Gültigkeit 


209 

der  beiden  Gleichungen  verwandt  werden  kann.    Man  er- 
hält nlbnlich  durch  Subtraction 

([P+2  (m,  4-inOiy]  g + r', +T',)(n^  -  r,») 

=:2;r»(iii,-mi)(V— V)     .    .    (8). 

Ich  beobachtete  nach  den  angegebenen  Methoden  fol- 
gende Werthe  der  Torsionsmomente  und  der  auf.  unendlidi 
kleine  Amplituden  reducirten  Schwingungszeiten 

ri=0,0551-P^  r,=0,0535.P^ 

T  =  13",170 
T,=  13"3122 
T,=  16",9047 

T',=rO,0252  [PH-2  («.•4-«,)rf  Jy,       T',=0,a237  [P-f-2(«,+»i,)^)  J^ 

T  =  13",I54 

Ti  =  0,0560.P^  r^=0,0&32.P^ 

Femer  wurde  gefunden 

P=:44!,538  Gnu., 

und  es  ist  nach  den  bereits  angegebenen  Werthen 

2(iii|+»h)9=391»5997  Grm. 

2(1»,— m,)(LJ-L?)=7676,96. 

Aufaerdem  mafs  ich 

/  =  6'  5'  8 ',5  par.  =  932"',5  par.  M. 

Eine  Vergröfserung  von  l  durch  die  Belastung  konnte 
nicbt  wahrgenommen  werden,  sondern  ich  fand 

V  =  l. 
Nach  Vollendung  der  angegebenen  Beobachtungen  wor- 
den die  Drähte  dicht  an  der  Einklemmung  abgeschnitten, 
und  o  und  u  durch  ein  verschiebbares  Mikroskop  gemes- 
sen. Ich  fand  als  Werth  der  Entfernungen  der  Mittelpunkte 
der  Drähte 

o  =  3^88  par.  M.  =  0,875  Cm., 
ti  =  3'",89    »     •   =0,877    » 
ou  =  0,768  aCm. 

Poffoidorff*«  AdmI.  Bd.  CAIII.  \^ 


210 

Bei  der  Berechnung  dieser  Beobachtungen  habe  ich  für 
Ty  r,  und  r,  die  arithmetischen  Mittelwerthe  aus  den  in 
Anfang  und  zu  Ende  gefundenen  Werthen  eingeführt.  Idi 
finde,  indem  ich  Jlf  aus  der  ersten  Gleichung  (6)  berechne, 

M  =  7626 
bezogen,  wie  früher  auf  Centimeter,  dagegen  aus  der  Glei- 
chung (7)  in  demselben  MaaCse 

M  =  7838. 
Diese  grofse  Abweichung  läfst  schon  vermuthen,  daCs  die 
Gleichung  (8)  durch  die  beobachteten  Werthe  nicht  erfBlIt 
wird.     In  der  That  finde  ich  als  Werlh  der  linken  Seite 

7467 

und  der  rechten 

7677 

Dieser  Mangel  an  Uebcreinstimmung  beweist,  dafs  im  vor- 
liegenden Falle  die  Bestimmung  des  Trögheitsmoments  mit 
Hülfe  der  angehängten  Gewichte  nur  zu  fehlerhaften  Re- 
sultaten führen  kann.  Der  Grund  hiervon  läfst  sich  aus 
den  mitgetheilten  Versuchen  nicht  angeben;  doch  ist  es  nicht 
unwahrscheinlich,  dafs  der  Hauptfehler  durch  die  Mitthei- 
lung der  Bewegung  an  die  Luft  in  Folge  der  angehSngten 
Gewichte  hervorgebracht  wird.  Denn  die  Dimensionen  der 
Gewichte  sind  nicht  unbedeutend  gegen  die  des  Apparats; 
dieser  aber  bietet  der  Luft  kaum  einen  Widerstand  (aulser 
der  Reibung  an  seinen  Flächen,  die  von  ihm  zu  unterscheiden 
ist);  die  Gewichte  waren  aufserdem  sehr  nahe  neben  dll- 
ander aufgehängt,  so  dafs  die  durch  eins  derselben  in  der 
Luft  hervorgerufenen  Strudel  auf  die  Beweg^ung  des  anden 
wirkten.  Auf  diese  Weise  mögen  die  Gewichte  iu  kleine 
pendelnde  Bewegungen  versetzt  seyn,  welche  die  Schwin- 
gungszeit  des  Apparats  ändern  mufsten.  Vielleicht  auch  sind 
die  von  den  Gewichten  bewegten  Luflmassen  von  der  Schwin- 
gungsdauer  abhängig ' ). 

1)  Welche  Voraussetzung  man  aucii  iibcr  den  Widerstand  der  Luft  rnaclie, 
jedenfalls  wird  die  durch  ihn  bewirkte  Vcrj^röl'serung  der  Schwingung*- 
zeit  uro  so  kleiner  ausfallen,  je  gröf:>er  M,  also  je  gröGier  T  iil.  E» 
ist  also  in  der  Formel  (7)  die  Differenz  Tj — T,  zu  klein,' demojch 
das  darauf  berechnete  M  zu  grofs. 


211 

Ich  versuchte  noch  ein  Mittel,  Uebereinstimmung  der 
Resultate  hervorzubring^en.  In  Folge  der  Reibung  der  Luft 
an  den  Flächen  des  Apparats  wird  die  Schwingungsdauer 
desselben  vergröfsert.  Diese  Vergröfserung  zu  bestimmen, 
kann  man  die  in  der  Einleitung  mitgetheilten  Formeln  be- 
nutzen, insbesondere  die  Gleichung  (7)  §  1,  nach  welcher 
die  Schwingungszeit  T  des  in  der  Luft  schwingenden  Appa- 
rats aus  der  für  den  luftleeren  Raum  geltenden  Tq  nach 
der  Formel 

r=To(i  +  ^  +  ....) 

abgeleitet  werden  kann,  wenn  €  das  Decrement  der  natür- 
lichen Logarithmen  der  Amplituden  des  Apparats  bezeichnet. 
Es  wird  mithin  die  Schwingungszeit  T  auf  den  luftleereb 

Raum  reducirt,  wenn  sie  mit  (l  — ~  eicj  multiplidrt  wird. 

Diese  Reduction  ^ )  bringe  ich  an  den  beobachteten 
Scbwingungsdauem  an,  um  sie  dann  in  die  Gleichungen  (6),  (7) 
und  (8)  einzusetzen.  Die  gleichzeitig  mit  den  Schwingungs- 
weiien  beobachteten  Amplituden  des  Apparats  lassen  sich 
allerdings  nur  sehr  roh  durch  eine  geometrische  Progres- 
sion darstellen.  Doch  fallen  die  Abweichungen  so  unre- 
gelmftfsig,  dafs  die  aus  je  zwei  entfernt  liegenden  Ampli- 
tuden berechneten  Werthe  des  logarithmischen  Decrements 
fast  immer  gleich  sind.  Ich  habe  daher  die  beobachteten 
Reihen  unter  Annahme  des  Gesetzes  einer  geometrischen 
Progression  nach  der  Methode  der  kleinsten  Quadrate  be- 
rechnet,  und  habe  so  folgende,  den  angegebenen  Werthen 
der  Schwingungsdauern  zugehörige  Werthe  von  e  ^)  erhalten: 

T  =13 ',170;  €  =0,00329 

T,=  13",8I22;  6.=  0,00619 
T,=  16",9047;  €,=  0,00332 
T  =13 ',154;  6  =0,00342. 

Dadurch  erhalte  ich  die  reducirten  Werthe 

1)  Ucber  die  Zulassigkeit  dieser  Reduction  sehe  man  den  Scklul»  de«  §.  4. 

2)  In  natürliclien  Logarithmen. 

14» 


212 

T  =13^l56 
T,=  13'',7850 

r,=  16",8868 

T  =  13",U0 
und  setze  ich  diese  in  die  GleichoDg  (7)  ein,  so  erhalte  ich 

ilf=7813 
und  aus  der  ersten  Gleichung  (6) 

M  =  7610, 
also  eine  nur  wenig  gröfsere  Uebercinstimmung. 

Um  endlich  noch  eine  Bestimmung  des  Trägheitsmo- 
ments zu  erhalten,  die  von  dem  Widerstände  der  Luft  un- 
abhängig ist 9  wandte  ich  eine  dritte,  von  Professor  Neu- 
mann angegebene  Methode  an,  deren  Princip  mit  der  Ganfs'- 
schen  Aehnlichkeit  hat.  Es  wurde  aus  Blei  ein  c^liodri- 
scher  Bing  angefertigt,  dessen  äufserer  Durchmesser  glddi 
dem  der  kleineren  Messingscheibe  gemacht  wurde  ')•  Dieser 
Bleiring  wurde  auf  die  Scheibe  so  aufgelegt,  dafs  die  äu- 
fseren  Ränder  beider  zusammenfielen.  Der  Apparat  wurde 
in  der  beschriebenen  Weise  wieder  bifilar  aufgehängt  und 
seine  Schwingungsdauer  bestimmt,  einmal  mit  der  Belastung 
durch  den  BIciring,  einmal  ohne  denselben.  Aufscrdem 
wurden  bei  beiden  Belastungen  die  Torsionsmomente  der 
Drähte  bestimmt.  Das  Trägheitsmoment  des  Blcirings  wurde 
aus  seinem  Gewicht  und  seinen  Dimensionen  berechnet. 

Diese  Berechnung  führt  zu  einem  sehr  sicheren  Resol- 
täte,  wenn  die  Masse  des  Ringes  homogen  ist.  Das  TrSg- 
heitsmoment  eines  Ringes  von  der  Dichtigkeit  D  und  der 
Höhe  A,  dessen  innerer  Radius  r^,  dessen  äufserer  r,  iü, 
hat  den  Werth 

27t  h  fa 

M'  =  Off/r^  d(f  dsdr=^^  Dh  (r\  —  rj). 

0    0    r, 

Sein  Gewicht  ist 

]  )  Bereits  S.  194  ist  erwähnt,  dafs  dabei  durrh  eine  Unvorsichtigkeit  ^ 
Mechanicus  der  Durchmesser  der  Scheibe  um  etwa  \  Linie  verkleinert 
wurde. 


213 
2s  Ar, 
G  =  ^9  ff/*'  ^f  ^*dr  =  aDgh  (rj  —  r|). 
•   •   r, 
Abo  ist 

lf=§«  +  r:). 

Diese  Fonnel  enthält  keine  Differenz  von  zwei  beobach- 
tetCD  Gröfsen.  Ist  der  King,  wie  es  bei  dem  von  mir  an- 
gewandten der  Fall  war,  nicht  genau  cylindrisch,  sondern 
äwas  konisch,  so  ist  hienn  noch  eine  Correctioo  hinzuzu- 
fllgcj),  welche  TOQ  den  Unterschieden  der  beobachteten 
Werdie  der  Radien  abhfingt 

Dorch  ein  ungenaues  Auflegen  des  Ringes  auf  den  Hu- 
berea  Rand  der  Scheibe  entsteht  im  Trägheitsmoment  nur 
efai  Fehler  zweiler  Ordnung.  Ist  der  Mittelpunkt  des  Rin- 
get am  die  Entfernung  J  gegen  die  Rotalionsaxe  verschoben, 
10  ist  das  Trägheitsmoment  in  Bezug  auf  diese 

■*=  '•yyy »•'  ^9  <*«  dr  =  ^  »A Cr;  — r») (rl-^r',-^J*). 

•    «    r,+Jaaif 

Der  Fehler  hingt  also  von  dem  Quadrate  der  Verschie- 
bng  ab. 

Die  Radien  des  Bleirings  wurden  mikroskopisch  ge- 
Bcven,  nachdem  der  Ring  auf  die  Scheibe  gekittet  war. 
Das  fiilikroskop  wurde  auf  die  Mitte  des  Lochs  in  der  Scheibe 
gtriehtet,  zu  einem  Rande  geschoben  und  dann  auf  den 
andern  eingestellt.  Die  Verschiebung  von  einem  Rande 
mn  andern  wurde  auf  der  am  Mikroskop  angebrachten 
Theiinng  abgelesen.  Ich  wiederholte  jede  Messung  und 
Gmd  80:  ^ 

Aealserer  Durchmesser  auf  der 

oberen  Fläche ==:  49'",45;     49'",45 

AcDÜserer  Durchmesser  auf  der 

unteren  Fläche =49"',55;     49"',!J4 

Inerer  Darchmesser  (oben  und 

tuten) ^38",18;    38"',18  par.  M. 


214 

Ferner  fand  ich  das  Gewicht  des  Bleiring? 

G  =z  281,439  GroL 
Daraus  berechne  ich  sein  Trägheitsmoment,    bezogen  aaf 
Centimeter 

ir  =  6996. 

Ich  beobachtete  ferner  die  Torsionsmomente  beim  uor 
belasteten  Apparat 

T,=r,  =0,0549.?^, 

die  Schwingungszeit  desselben,  auf  unendlich  kleine  Bogen 
reducirt, 

r=  I3',1173. 

Dieser  Beobachtung  liefs  ich  eine  andere  folgen,  welche  ent- 
scheiden sollte,  ob  die  Reibung  des  Bleirings  an  der  Luft 
merklicheu  Einflufs  auf  die  Schwingungszeit  haben  könne. 
Um  den  Kaud  der  Scheibe  klebte  ich  eineu  Staniolstreifea 
von  der  Höhe  des  Bleiriugs.  Sein  Gewicht  war  0,3362  Gnn. 
Die  darauf  beobachtete  Schwiugungsdauer  betrug 

r  =  13",n40; 

ein  Beweis,  dafs  der  Einflufs  der  Luftreibung,  die  die 
Schwingungszeit  vermehrt  habeu  würde,  an  dem  Staniol* 
streifen  verschwindend  klein  ist  gegen  den  der  unregelmä- 
fsigeu  Aeuderuugeu  der  Torsionsmomente. 

Ich  bestimmte  dann   die   Schwingungszeit  des  mit  dem 
Bleiriug  belasteten  Apparats  und  fand  dieselbe 

T,  =  14",5344, 

und  darauf  die  Torsionsmomcute 

r'.  =r',  =  0,0280  (P+G)^^f 

Ei^diich  wurde  noch  gemessen 

l  =:  932",2  par.  M.  =  210,29  Cm., 
und  aus  den  früheren  Beobachtungen  entnommen 

0M  =  0,768  a  Cm. 
P  =  441,538Grm. 
Bei    allen  angegebenen   Zeit-   und   Torsionsbeobachtungeu 
lag  die  Temperatur  zwischen  21^,2  und  22^,0  C. 


215 

Die   beobachteten   Gröfsen  sind   durch  die  RelatioDen 
verbunden 


(PiJ  +  r,+T,)T«=^'Jtf 


(9). 


Aus  beiden  Gleichungen  folgt  die  Formel 

M= ^^-^ BF     (10) 

aus  der  das  Trägheitsmoment  M,  unabhängig  von  der  Be* 
Stimmung  der  kleinen  Längen  o  und  u  erhalten  wird.  Durch 
Einsetzung  der  Zahlenwerthe  finde  ich 

M  =  7656, 
aus  der  ersten  Gleichung  (9) 

M  =  7640 
und  endlich  aus  der  zweiten 

ilf=:7626- 

Diese  Werthe  sind  noch  einer  Verbesserung  fähig,  da- 
durch dafs  die  Schwinguugszeiten,  aus  denen  sie  abgeleitet 
sind,  auf  den  luftleeren  Raum  reducirt  werden.  Diefs  ge- 
schieht, wie  bereits  angegeben  ist,  durch  Multiplication  mit 

fl  —  ~Y  wo  €  das  Decrement  der  natürlichen  Logarithmen 

der  Amplituden  bezeichnet.  Durch  Anwendung  der  Me- 
thode der  kleinsten  Quadrate  auf  die  gleichzeitig  mit  den 
Schwingungszeiten  beobachteten  Amplituden  fand  ich  als 
Werth  dieses  Decrements  beim  unbelasteten  Apparat 

€  =  0,00378, 

bei  dem  durch  den  Bleiring  belasteten 

e,  =0,00226. 

Hierbei  aber  ist  zu  bemerken,  dafs  sich  die  Amplituden 
nicht  ganz  streng  durch  eine  geometrische  Reihe  darstel- 
len lassen.  Die  beobachteten  und  die  mit  obigen  Werthen 
berechneten  Amplituden  sind  folgende. 


216 

Apparat  okne  Bebitaiig.  Apparat  nit  Blaimf. 

beobachtet.  berechnet.  beobachtet.  bcrochnet. 


29«,5 

SO-.S 

36»,3 

36»,8 

25  ,6 

25  ,9 

33  ,3 

33,5 

21  ,7 

21  ,8 

30  ,6 

30  ,5 

18  ,2 

18^ 

27  ,9 

27  ,7 

15  ,2 

15  ,4 

25  ,6 

25  ,2 

12  ,8 

12  ,9 

23  ,4 

22  fi 

10  ,9 

10  ,85 

21  ,2 

20  ,8 

9.7 

9,1 

18  ,6 

19  ,0 

7,7 

7  ,5 

17  ,0 

17  ,3 

6  ,5 

6,4 

15  ,5 

15  ,7 

14.1 

14,3 

12  ,9 

13,0 

12,1 

113 

Das  Zeitintervall  zwischen  )e  zwei  Beobachtungen  war 
beim  unbelasteten  Apparat  gleich  46  Schwingungszeiten,  beim 
belasteten  gleich  42. 

Mit  Httlfe  der  gefundenen  Werthe  von  €  und  e^  er- 
halte ich  die  auf  den  luftleeren  Raum  reducirten  Schwin- 
gungszeiten 

T  =  13',1016  T,  =  14,5240 

und   aus   diesen   folgende  Werthe   des  Trägheitsmoments, 
erstens  aus  61.  (10) 

Jlf=7641, 

zweitens  aus  der  ersten  Gl.  (9) 

Jlf=7622 
und  endlich  aus  der  zweiten 

Jlf=7605. 

Die  so  gefundenen  Werthe  zeigen  eine  für  die  beab- 
sichtigten Beobachtungen  Überaus  genügende  Uebereinstini- 
mung.  Die  gröfste  Abweichung  vom  Mittelwcrthe  beträgt 
etwa  777  desselben.  Die  Werthe  stimmen  ebenso  mit  dem 
früher  gefundenen  (S.  212). 

Ä=7610 

überein,  dem   einzigen   unter  den  früheren,  gegen  dessen 


217 

Richtigkeit  keine  erhebliche  Gründe  sprechen.    Als  Mittel- 
wertb  aus  diesen  vier  Bestimmungen  ergiebt  sich 

M  =  7620. 

Dieser  Werth  gilt  f&r  den  bifilar  aufgehäugten  Apparat 
mit  der  kleineren  Messiugscheibe.  Um  aus  demselben  den 
ffir  die  unifilare  Aufhängung  geltenden  zu  finden ,  sind  ei- 
nige kleine  Correctionen  an  demselben  anzubringen.  Es 
ist  das  Trägheitsmoment  des  rechtwinkligen  Einklemmungs- 
stticks  der  Dräthe  und  des  cylindrischen  Verbindungsstücks 
desselben  mit  dem  Apparate  von  demselben  abzuziehen, 
und  dafür  das  der  kleinen  abgerundeten  Schraubenmutter 
hinzuzufügen.  Das  Einklemmuugsstück  wiegt  3,470  Grm., 
das  cjrlindrische  Zwischenstück  3,799  Grm.  und  endlich  die 
Schraubenmutter  1,420  Grm.  Das  Einklemmuugsstück  hat 
eine  Länge  von  b"\9,  eine  Breite  von  2"',8  pariser  MaaOs, 
das  Zwischenstück  2'",6  Durchmesser,  und  die  Schrauben- 
mutter 3"',0  Durchmesser.  Darnach  sind  die  Trägheitsmo- 
mente der  3  Theile,  bezogen  auf  Centimeter, 

2,74,  0,18,  0,09, 

Die  anzubringende  Correction  beträgt  also  nur 

-2,83, 
sie  fällt  also  völlig  in   die  Gränze  der  möglichen  Fehler 
von  M.     Der  Werth  Jlf  =  7620  kann   demnach  auch  für 
die  unifilare  Aufhängung  als  gültig  angesehen  werden. 

Aus  diesem  für  den  Apparat  mit  der  kleineren  Scheibe 
geltenden  Werth  des  Trägheitsmoments  habe  ich  die  für 
Belastung  durch  die  anderen  Scheiben  gültigen  durch  Be- 
rechnung aus  deren  Radien  und  Gewichten  abgeleitet.  Bei 
der  Gelegenheit  habe  ich,  um  die  Zulässigkeit  einer  solchen 
Berechnung  zu  prüfen,  das  Trägheitsmoment  eines  jeden 
einzelnen  Stücks  des  Apparats  aus  seinem  Gewicht  und  sei- 
nen Dimensionen  berechnet.  So  habe  ich  für  das  Träg- 
heitsmoment des  vollständigen  Apparats  mit  der  kleineren 
Messingscheibe  den  Werth 

7543 
gefunden.     Derselbe  stimmt  bis  auf  den   lOOsten  Thdl  mit 
dem  aus  den  Schwingungsbeobachtuugen  abgeleiteten  über* 
ein.     Dafs  er  zu  klein  ausfällt,  scheint  vornehmlich  do^na^ 


218 

seinen  Grund  za  haben,  daCs  die  getheilte  Scheibe ,  deren 
Trägheitsuiouient  {  des  ganzen  ausmacht,  nicht  homogen 
ist;  ihr  Schwerpunkt  liegt  mehrere  Linien  vom  Mittelpunkte 
entfernt.  Bei  den  übrigen  Metallscheiben  liefs  sidi  eine 
derartige  Abweichung  nicht  bemerken.  Ich  glaubte  daher, 
deren  berechnete  Trägheitsmomente  als  richtig  voraussetzen 
zu  dOrfen.  So  fand  ich  als  Wcrth  des  Trägheitsmoments 
des  Apparats 

ohne  Scheibe 5880, 

mit  der  gröfseren  Messingscheibe     12390, 
mit  der  Wcifsblechscheibe      .     .     13120, 

wiederum  bezogen  auf  Centimeter  und  die  Dichtigkeit  des 
Wassers  als  Einheiten. 

Bei  der  Glasscheibe  habe  ich  ihrer  ungleichen  Dicke 
wegen  Anstand  genommen,  diese  Berechnung  auszuführen. 
Ich  habe  deshalb  bei  Gelegenheit  der  im  folgenden  §.  mit- 
getheilten  Beobachtungen,  die  mit  allen  Scheiben  angestellt 
wurden,  die  Schwinguugsdauer  des  Apparats  mit  der  Glas- 
scheibe mit  der  des  mit  der  kleineren  Messingscheibe  be- 
lasteten Apparats  verglichen  und  daraus  das  Trägheitsmo- 
ment des  Apparats 

mit  der  Glasscheibe  gleich     .     .     .     7200 
gefunden.     Dafs  diese   Vergleichuug,   trotz   des  Einflusses 
der  Luftreibuug  erlaubt  ist,  unterliegt  keinem  Zweifel,  da 
Trägheitsmoment    und    Radius    beider     Scheiben     nahezu 
gleich  sind. 

Es  scj  mir  erlaubt,  hier  eine  beiläufige  Bemerkung  über 
die  Acndcrung  der  Torsionsmomcuie  ausgeglühter  Drähte 
durch  vergröfsertc  Belastung  anzuschlicfsen. 

Führe  ich  in  die  oben  angegebenen  Werthe  der  Tor- 
sionsmomcute  der  Drähte  die  numerischeu  Werthe  der  Bela- 
stungen ein,  so  erhalte  ich  für  die  Toisiousmomente  bei 
der  ersten  bifilareu  Aufhängung  und  bei  unbelastetem  Ap- 
parate 

r.  =24,3-;';;     r,=23,5^f 


219 
dagegen  bei  BelastuDg  durch  die  vier  Gevricbte 

ebenso  bei  der  zweiten  Aufhängung  und  bei  unbelastetem 
Apparate 

und  bei  Belastung  durch  den  Bleiring 

r'.=T',=20,5^. 

Das  Torsionsmoment  nimmt  also  mit  wachsender  Bela- 
stung in  bedeutendem  Grade  ab,  ohne  dafs  sich  die  Länge, 
der  Drähte  durch  dieselbe  merklich  ändert.  Es  ist  also  die 
Seite  204  abgeleitete  Relation 

—  —  —  ^~r 

uicht  auf  geglühte  Kupferdrähte  anwendbar;  ebenso  wenig 
die  andere 

7 = ay 

welche  sich  aus  der  schon  benutzten  Gleichung 

durch  Einführung  der  Hypothese  ergiebt»  dafs  durch  die 
Belastung  und  die  dadurch  hervorgebrachte  Dehnung  keine 
Aenderung^der  Dichtigkeit  des  Drahts  eintrete,  da(s  also 

sey. 

III. 
BeobachtUDgeo  ear  Prfiftiog  der  Theorie. 

§•  4. 
Bei  einer  Prüfung  der  entwickelten  Theorie  durch  die 

Beobachtung  ist  zunächst  zu  untersuchen,  ob  die  Amplitu- 
den der  Scheibe  in  der  That  das  Gesetz  einer  geometri- 
schen Reihe  befolgen  und  in  welchen  Gränzeu.  Als  Bei- 
spiel hierfür  wähle  ich  meine  erste  Beobachtung.  Dieselbe 
wurde  mit  der  gröfseren  Messingscheibe  angestellt.     Diese 


220 

war  9  par.  Linien  tief  in  Brunnenwasser  von  1 1  °,0  C.  ein- 
getaucht, das  sich  in  einem  Zinkgefäfs  befand,  dessen  Ra- 
dius etwa  2  Zoll  gröfser  war  als  der  der  Scheibe.  Fol- 
gende Tabelle  enthält  in  der  ersten  Columne  die  beobacb- 
.tete  Doppelamplitude,  in  der  zweiten,  deren  Brigga'sGhen 
Logarithmus,  in  der  dritten  die  Differenz  der  auf  einander 
folgenden  Logarithmen. 


184",4 

2,2658 

141  ,6 

2,1511 

0,1147 

110  ,6 

2,0438 

0,1073 

87  ,9 

1,9440 

0,0998 

69  ,3 

1,8407 

0,1033 

54  ,5 

1,7364 

0,1043 

42  ,9 

1,6325 

0,1039 

33  ,8 

1,5289 

0,1035 

26  ,6 

1,4249 

0,1040 

20  ,8 

1,3181 

0,1068 

16  ,2 

1,2095 

0,1085 

12  ,8 

1,1072 

0,1023 

10  ,2 

1,0086 

0,1086 

8,1 

0,9085 

0,1001 

6  ,4 

0,8062 

0,1023 

Die  in  der  letzten  Columne  enthaltenen  Zahlen  sollten 
nach  der  Theorie  gleich  scjn.  Sie  sind  es  nicht  vollstän- 
dig; namentlich  zeigt  die  erste  Differenz  eine  grofse  Ab- 
weichung. Diefs  rührt  daher,  dafs  beim  Beginn  der  Beob- 
achtung die  Bewegung  noch  nicht  so  lange  gedauert  hatte, 
als  nöthig  war,  um  die  in  den  Schlufsformeln  der  Theorie 
gemachten  Annäherungen  rechtfertigen  zu  können.  Ich 
hatte  in  der  Tfaat  nur  drei  oder  vier  Schwingungen  vor- 
übergehen lassen,  als  ich  die  Beobachtung  begann.  Die 
folgenden  Werthe  des  Decrements  sind  constanter,  sie  wei- 
chen vom  Mittelwerthe  höchstens  um  etwa  den  25sten  Theil 
desselben  ab.  Bessere  Uebereiustimmung  findet  man,  wenn 
man  je  zwei  entfernt  liegende  Beobachtungen  benutzt,  den 
Werth   des  Decrements  zu   berechnen.     So  finde  ich  aus 


222 

Scheibe  dicht  anter  die  Oberflfiche  bringt  and  die  Ober- 
fläche mit  leichten  Körpern  bestreat. 

Beqaemer  läfst  sich  die  Frage  nach  der  gesuchten  Eliitfer- 
nung,  bis  zii  welcher  sich  die  Bewegung  der  Scheibe  merk* 
lieh  fortpflanzt,  entscheiden,  indem  man  die  Scheibe  in  Ter- 
schiedeneu  Tiefen  unter  der  Oberfläche  beobachtet.  Diese 
Versuche  habe  ich  zweimal  angestellt,  einmal  mitBraDnen- 
Wasser,  das  drei  Tage  an  der  Luft  gestanden  hatte,  einmal 
mit  frisch  geschöpftem  Brunnenwasser.  Die  Scheibe  hing 
an  einem  andern  Draht,  als  bei  den  vorher  angegebenen 
Beobachtungen;  die  Zahlen  sind  also  nicht  mit  den  früheren 
vergleichbar. 

Die  Temperatur  des  abgestandenen  Wassers  war  17^,4  C 
Ich  fand,  indem  ich  in  der  angedeuteten  Weise  das  Mittel 
aus  den  beobachteten  Werthen  zog,  folgende  Wertbe  des 
logarithmischen  Decrements  für  Briggs' sehe  Logarithmen. 
Berührte  die  Scheibe  nur  mit  der  unteren  Fläche  die  Ober- 
fläche des  Wassers,  so  ergab  sich 

0,0555; 
tauchte  ich  sie  so  tief  ein,  als  nöthig  war,  dafs  das  Wasser 
sich   über  ihr  vereinigte,   also  bis  zur  Tiefe  der  capillaren 
Erhebungen .  am  Rande  eines  Gefäfses,  so  fand  ich  für  die- 
selbe Gröfse 

0,741; 
bei  3"'  (par.  Maafs)  Tiefe  beobachtete  ich 

0,1040, 
bei  6"'  Tiefe 

(M043 
und  endlich  bei  12"'  Tiefe 

0,1041. 
Ebenso  fand  ich  bei  dem  frischen  Brunnenwasser,  dessen 
Temperatur   während   des  Versuchs  von  12,5  auf  13^,2  C. 
stieg,  bei  Berührung  der  Oberfläche  mit  der  unteren  Seite 

0,0539, 
beim  Eintauchen  bis  zur  Tiefe  der  capillaren  Höhe 

0,0917, 
bei  12"  Tiofc 

0,1106 


223 

Aus  diesen  Beobachtungen  geht  hervor,  dafs  in  höchstens 
3  Linien  Entfernung  von  der  Scheibe  die  Geschwindigkeit 
der  Flüssigkeit  weniger  als  den  hundertsten  Theil  von  der 
der  Scheibe  beträgt.  Diefs  ist  in  aufserordentlicher  Ueber- 
einstimmung  mit  dem  berechneten  Werthe  dieser  Entfer- 
nung, den  man  aus  der  theoretisch  abgeleiteten  Formel  un- 
ter Benutzung  des  beobachteten  Werths  von  tj  erhält 

Zugleich  folgt  aus  den  Beobachtungen  als  zweites  be- 
merkenswerthes  Resultat,  dads  die  capillare  Erhebung  des 
Wassers  am  Rande  der  halb  eingetauchten  Scheibe  keinen 
EinfluCs  auf  die  Bewegung  der  Flüssigkeit  wie  der  Scheibe 
ausübt.  Denn  sollen  die  Formeln  des  §.  1  auf  dieses  Experi- 
ment angewandt  werden,  so  ist  in  denselben  R*  durch  4  R* 
zu  ersetzen.  Mit  Vernachlässigung  des  Quadrats  des  loga- 
rithmischen Decrcments  gegen  dieses  selber,  findet  man  also 
dieses  im  Falle  der  halb  eingetauchten  Scheibe  halb  so  grofs 
wie  im  Falle  der  vollständig  eingetauchten,  vorausgesetzt 
dafs  die  Beschaffenheit  der  Oberfläche  den  Vorgang  nicht 
alterirt.  Verdopple  ich  nun  die  für  die  halb  eingetauchte 
Scheibe  gefundenen  Decremente 

0,0555  und  0,0539, 
so  finde  ich  die  Zahlen 

0,1110  und  0,1078, 
die  von  den  für  die  ganz  eingetauchte  Scheibe  beobachteten 

0,1041  und  0,1106 
nicht  viel  verschieden  sind.      Dasselbe   Resultat  halte  ein 
mit  der  kleineren  Messingscheibe  angestellter  Versuch;  ich 
fand  für  die  halb  eingetauchte  Scheibe  bei  einer  Tempera- 
tur des  Wassers  von  19**,0  C. 

0,02028  =  4  . 0,04056 
und  für  die  ganz  eingetauchte 

0,0412. 
Kann  man  diefs  Resultat  als  eine  Bestätigung  der  Theorie 
ansehen,  so  gilt  dasselbe  von  der  Relation  zwischen  der  Vcr- 
gröfscrung  der  Schwingungsdauer  durch  die  Reibung  der 
Flüssigkeit  bei  halb  und  ganz  eingetauchter  Scheibe.  Nach 
der  Theorie  soll  dieselbe  im  letzteren  Falle  angenähert  dop- 


224 

pelt  80  grofs  seyn  wie  im  ersteren.  Diefo  bestätigen  fol- 
gende zwei  Beobachtungen.  Der  Apparat  hatte  mit  der 
gröCseren   Scheibe  in  der  Laft  eine  Schwingungsdauer  von 

12^,374; 
wurde  die  Scheibe  in  Wasser  von  17^,75  C.  halb  einge- 
taucht, so  betrug  die  Schwingungszeit 

12",823, 
sie  wurde  also  durch  die  Reibung  an  der  unteren  Fläche 
vermehrt  um 

0^,449  =  4. 0",898; 
tauchte  ich  die  Scheibe  ganz,  etwa  1"  tie^  ein,  so  fand  ich 

13",263, 
also  eine  Vermehrung  von 

0",889. 
Ebenso   fand  ich  die  Schwingungsdauer  des  Apparats  mit 
der  kleineren  Messingscheibe  in  der  Luft 

9",733, 
und,  war  die  Scheibe  zur  Hälfte  in  Wasser  von  19^,0  C. 
eingetaucht, 

9",860, 
und  bei  völliger  Eintauchung  bis  zur  Tiefe  von  etwa  l" 

10',00. 
Die  Vermehrungen  betrugen  also 

0",127  =  4  . 0",254  und  0",267. 
Nach  der  Theorie  soll  ferner  diese  Zunahme  der  Schwin- 
gungsdauer in  Folge  der  Reibung  der  Flüssigkeit  dem  Un- 
terschiede der  logarithmischen  Decremente  bei  Schwingun- 
gen in  der  Flüssigkeit  und  in  der  Luft  proportional  seyn; 
oder  genauer,  es  soll  nach  der  im  §.  L  gebrauchten  Be- 
zeichnung die  Gleichung 

to  n 

erfüllt  sejn. 

Folgende  Tabelle  enthält  die  zur  Prüfung  dieses  Ge- 
setzes angestellten  Beobachtungen. 


225 


I 


•    «k  _m  «k    ^    «k   •>    •>   «    «k    «k    ■>    ^ 

oeoeoeeooeooo 

+++I+I+I+++++ 


•k  <k  «k  «k  «k  «k  «k       ^  «k       ^m       __m       ^_p»         .  0t 

DOOOOO© 


w      w     ^      " 


^   a   lO    c^ 

o   ei   ei   PN 

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9  <D  M  0>  CO 

^  esi  e<  ^  ^ 

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•k        ^»k       *k 


r*  OD  CO  OD  o 
^  CO  6§  (Ä  A 
CO     ©•     Cl     p-     fN 


äl    ^     CO  OD 


CO 


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.    S     ^^   «.   •»     '^    '*    «^    €>     ^^    Cq.    OD    OD^ 

OiOCOCOCOCDCOOOO^QOQOQO 


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CO 

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«   » 


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HcndoriTf  Anash  Bd.  CXIU. 


\h 


226 


lu  dieser  Tabelle  enthSlU  die  erste  Colanme  die  I 
Zeichnung  der  angewandten  FlQssigkeit«  die  iweita  die  Te 
peratur  derseJben  in  Centesimalgraden,  die  dritte  £e  Sdiw 
gungsdauer  in  der  Flüssigkeit ,  die  vierte  dieselbe  in  i 
Luft,  die  fünfte  das  logaritbmische  Dercrement  der  Aid| 
tuden  in  der  Flüssigkeit,  in  Briggs'sdien  Logarithmen,  i 
sechste  dasselbe  verkleinert  um  das  Decrement  bei  Sdiwi 
gUDgen  in  der  Luft  ebenfalls  iu  Brigg'schen  Logarithn» 
die  siebente  ist  aus  der  dritten  und  vierten  berechnet,  i 
achte  aus  der  sechsten  und  auf  natürliche  Log^rithm 
redncirt,  die  neunte  enthält  die  Differenz  der  beiden  letsti 

Die  Uebereinstimunng  der  beiden  vorletzten  Colamn 
ist  so  grofs,  wie  man  erwarten  darf,  da  der  Werth  von 
mit  Ausnahme  der  beiden  ersten  Beobachtungen  nur  dar 
eine  einzige  Messung  von  einigen  Schwingungsdauern  I 
stimmt  worden  ist. 

Zu  allen  in  vorstehender  Tabelle  enthaltenen  Beobac 
tuugen  diente  die  kleinere  Messingscheibe.  Ich  werde  wi 
ter  unten  noch  eine  Versuchsreihe  über  denselben  Gregc 
genstand  angeben,  die  mit  allen  Scheiben  ausgeführt  wnrc 

Ich  wende  mich  vorher  zu  einer  andern  Prüfung  cl 
Theorie,  deren  Zweck  namentlich  der  ist,  zu  entscheid« 
ob  die  von  mir  angewandten  Scheiben  grofs  genug  sii 
um  die  bei  Herleitung  der  Theorie  gemachten  Annähern 
gen  rechtfertigen  zu  können,  ich  meine,  zur  Prüfung  d 
Gesetzes,  nach  welchem  das  logarithmische  Decrement  vc 
Radius  der  Scheibe  abhängen  soll. 

Die  Resultate  der  ersten  Reihe  von  Beobachtungc 
welche  zu  der  genannten  Prüfung  der  Theorie  dienen  so 
ten,  sind  in  folgender  Tabelle  zusammengestellt. 

Temperatur.   |  Logar.  Decr. 


3 
4 
2 
1 
5 


Grofse   Messingscheibe 
Kleinere  »  ') 


>» 


Apparat  ohne  Scheibe^) 


M 


16«,9C. 

0,0987 

16  ,0 

0,0407 

15  ,75 

0,0404 

15  ,6 

0,00420 

16  .1 

0,00412 

1  )  mit  (lein  anfänglichen  gröfseren  Radius. 

2)  J.  h.  nur  mit  den  kleinen  EinklcinmuafMcheiben. 


225 


«§ 


eo  ce   e 

s  i  i 


e   o 


»^     "^     ^ag     W*     ^ 

8  S  i  §  3 


+  +  +I+I  +   I+  +  +  +  + 


CO 


CO 


I 


5." 


S  S  S  2 


o  o  o 


S  o»   »o   t^ 

o   e<   o   ^ 

e"  ^  cT  e'' 


iT  cT  c> 


S 


•I» 


©  o' 


i  §  §  §  S 


e<   1^   o   lO   «g   g 
o   ©   ©   ©   ©   © 


s 


s  s 


«o   cp   ^ 


*^     a      «     »      • 


3 


«         «         «        ft         A 


d»  lo  © 


©iA©©©©©©©©QogoaD 


• 

n  »o  ^.  n  «•  «i  n  ^.  »,  -  «o  »q.  » 

lAio^qot^vaooQeocojfiSS 

»N   ei  **                   X    . 

isser 

5s. 

asser 

■i 

•  SP 

^    9    S   J-               3 

t: 

S  .1   'S   3           .S 

E 

B    8  J   S            8  ;S    »    »    •    -    • 

03   Q   <    as               Q   tf 

|cador(r<  Aonal.  Bd.  CXID. 


\^ 


228 


sehr  kleinen  Radios  haben.  Es  sind  daher  die  Vormsseir 
Zungen  der  Theorie  nicht  erfDlIt,  und  aofserdem  ist  die 
Reibung  des  Wassers  an  dem  zum  Theil  mit  eingetaadktM 
Stiel  des  Apparats  nicht  gegen  die  an  dieser  kleinen  Scheibe 
zu  TernachUssigen.  Will  ich  die  Reibung  am  Stiel  mit  iä 
Rechnung  ziehen ,  so  habe  ich  das  Gesetz  in  der  Form 

(»+t) -('■■+'f) 

in  die  Rechnung  einzufOhren,  wo  63  und  M^  das  logarifb- 
mische  Decrement  und  das  Trägheitsmoment  des  Apparats 
ohne  Scheibe,  A3  und  S^  Radius  und  Dicke  der  Einklem- 
mungsscheiben  bezeichnen.  So  erhalte  ich  als  Werth  der 
Constanten  aus  der  Beobachtung  mit  der 

grOfseren  Scheibe:    0,0656 

kleineren  Scheibe:     0,0669. 
Die  Uebercinstimmung  ist  also  jetzt  weit  gröfser  als  bei 
der  ersten  ungenaueren  Berechnung. 

Einen  ähnlichen  Grad  von  Uebereinstimmung  zeigt  eine 
zweite  Reihe  von  Beobachtungen,  die  ebenfalls  mit  den 
beiden  Messingscheiben  in  Brunnenwasser,  aber  mit  einem 
andern  AufhSngungsdrafate  angestellt  wurden.  Die  Tempe- 
ratur des  Wassers  war  14^^,75  C.  Der  Radius  der  klei* 
ueren  Scheibe  ist  der  ursprüngliche  gröfsere.  Die  angege- 
benen logarithmischen  Decremente  beziehen  sich  auf  Briggs- 


sche  Logarithmen. 


Kleinere  Scheibe 
Giofscre  Scheibe 
Apparat  ohne  Scheibe 


Logarilhin.  Decr. 
im  Wasser  !    in  d.  Luft 


Schwin- 
fungsseit 
in  d.  Laft 


0,0420 
0,1057 
0,0026 


0,0013 


9^,72 

12  ,33 

8  ,53 


Nehme  ich  wieder  an,  dafs  das  logarithmische  Decrement 
der  Schwingungen  in  der  Luft  für  alle  drei  Versuche  das- 
selbe ist,  und  berechne  die  Versuche  nach  der  zuletzt  an- 
gegebenen Formel,  so  finde  ich  als  Werthe  der  Constanten 
^Qs  der  Beobachtung  mit  der 


I 


227 

Die  erste  Columne  enthAlt  die  Ordoungszahlen  der  Beob- 
aditangen,  die  zweite  die  Angabe  der  angewandten  Scheibe» 
die  dritte  die  Temperatur  des  zum  Versuche  benutzten  Brun- 
nenwassers»  die  vierte  das  logarithmische  Decremen  t  in 
Briggs 'sehen  Logarithmen.  Außerdem  wurde  bei  Anwen- 
dung der  gröCseren  Scheibe  beobachtet  die  Schwingungg- 
dauer  in  der  Luft 

T=l(r,54 
und  das  logarithmische  Decrement  der  Schwingungen  der- 
selben in  der  Luft 

0,0020, 
ebenfalls  in  Briggs'schen  Logarithmen.  Die  Ausftihrung 
der  gleichen  Beobachtungen  für  die  kleinere  Scheibe  und 
den  Apparat  ohne  Scheibe  wurde  leider  dadurch  verhindert, 
dafs  der  benutzte  Draht  verbogen  und  dadurch  zur  ferneren 
Benutzung  untauglich  wurde. 

Ich  habe  daher  diese  Beobachtungen  unter  der  Voraus- 
setzung in  die  Rechnung  eingeführt,  dafs  das  logarithmische 
Decrement  der  Amplituden  in  der  Luft  für  alle  3  Anord- 
nungen des  Apparats  dasselbe  sey,  und  dafs  das  Torsions- 
moment  des  Drahts  durch  die  Belastung  durch  die  Scheibe 
nkbt  erheblich  geändert  werde.  Ich  habe  mich  daher  auch 
mit  der  ersten  angenäherten  Form  des  Gesetzes  begnügt, 
und  zwar  demselben  die  Gestalt 


(«-t)" 


=s  const. 


gegeben.  Als  Werth  dieser  Constanten  finde  ich  aus  den 
angeführten  Beobachtungen,  nachdem  dieselben  durch  lineare 
Interpolation  auf  15^,9  C.  reducii;t  sind,  fQr  natürliche  Lo- 
garithmen: 

gröfsere  Messingscheibe:    0,0656 

kleinere  Messingscheibe:    0,0687 

Apparat  ohne  Scheibe:      0,0847 

Die  grofse  Abweidiung  für  den  Apparat  ohne  Scheibe 

kann  nicht  auffallen,  da  die  Eanklemmnngsscheiben  einen 


228 

sehr  kleinen  Radios  haben.  Es  sind  daher  die  Vorausset- 
zungen der  Theorie  nicht  erfüllt,  und  aufserdem  ist  die 
Reibung  des  Wassers  an  dem  zum  Theil  mit  eingetaaditen 
Stiel  des  Apparats  nicht  gegen  die  an  dieser  kleinen  Scheibe 
zu  vernachlässigen.  Will  ich  die  Reibung  am  Stiel  mit  in 
Rechnung  ziehen,  so  habe  ich  das  Gesetz  in  der  Form 

(.— .)M»-(..-.>Jl{^ 

in  die  Rechnung  einzuführen,  wo  €3  und  Jlf,  das  log;aridi- 
mische  Decrement  und  das  Trägheitsmoment  des  Apparats 
ohne  Scheibe,  A3  und  ^3  Radius  und  Dicke  der  Einklem- 
mungsscheiben  bezeichnen.  So  erhalte  ich  als  Werth  der 
Constanten  aus  der  Beobachtung  mit  der 

gröfseren  Scheibe:    0,0656 

kleineren  Scheibe:     0,0669. 
Die  Uebercinstimmung  ist  also  jetzt  weit  gröfser  als  bei 
der  ersten  ungenaueren  Berechnung. 

Einen  ähnlichen  Grad  von  Uebereinstimmung  zeigt  eine 
zweite  Reihe  von  Beobachtungen,  die  ebenfalls  mit  den 
beiden  Messingscheiben  in  Brunnenwasser,  aber  mit  einem 
andern  Aufhängungsdrahte  angestellt  wurden.  Die  Tempe- 
ratur des  Wassers  war  14'*,75  C.  Der  Radius  der  klei- 
neren Scheibe  ist  der  ursprüngliche  gröfsere.  Die  angege- 
benen logarithmischen  Decremente  beziehen  sich  auf  Briggs- 
sehe  Logarithmen. 

Logartllim.  Decr. 
im  Wass«r      io  d.  Luft 


Kleinere  Scheibe 
GröCMcre  Scheibe 
Apparat  ohne  Scheibe 


0,0420 
0,1057 
0,0026 


0,0013 


SchwiQ- 
gangsxeit 
in  d.  Laft 


9",72 

12  ,33 

8  ,53 


Nehme  ich  wieder  an,  dafs  das  logarithmische  Decrement 
der  Schwingungen  in  der  Luft  für  alle  drei  Versuche  das- 
selbe ist,  und  berechne  die  Versuche  nach  der  zuletzt  an- 
gegebenen Formel,  so  finde  ich  alsWerthe  der  Constanten 
aus  der  Beobachtung  mit  der 


230 

stimmte  ich  logarithmiscbeft  DecremeDt  and  SchwiDgtiii(;i- 
dauer  in  der  Luft  gleichzeitig  darch  Beobachtungen  in  Inter- 
▼allen  Ton  öMinnten,  ferner  nach  einander  das  logarithmiache 
Decrement  im  Wasser  durch  Beobachtung  jeder  Schwingung 
und  die  Schwingungsdauer  im  Wasser  durch  so  hftufige 
Beobachtung,  als  das  Zählen  der  Uhrschläge  erlaubte.  Ich 
wiederholte  in  der  Regel  diese  Beobachtung  so  lange ,  bis 
die  Doppelamplitude  des  Apparats  von  der  anßüdglicheQ 
von  120^  auf  20®  sich  erniedrigt  hatte.  Aus  jeder  Reihe 
▼on  Beobachtungen  wurde  die  gesuchte  GrOÜBe  nadh  der 
Methode  der  Ideinsten  Quadrate  berechnet.  In  folgender 
Tabelle  habe  ich  bei  jeder  GrOCse  die  Anzahl  der  Beob- 
achtungen angegeben»  aus  der  dieselbe  abgeleitet  ist  Da- 
bei bedeutet  *),  dafs  die  Beobachtungen  zwei  rersdiiedenen 
Reihen  angehören ;  *^\  dafis  3  Reihen  zur  Beredinong  dien- 
ten. Die  aufgeführten  logarithmischen  Decremente  sind  aof 
Briggs' sehe  Logarithmen  bezogen.  Der  Dorchmesser  der 
kleineren  Scheibe  ist  bei  diesen  Beobachtungen  der  kleinere 
49*',57  par. 


l^J-'J 


IN 


It^  = 


231 

iiisiiiii  Susi'^a- 

.-,-.-tfc.-=.-.-=,-o-      „^    »l^    1^ 

.«.»-.SS.,    Isl  i-IJl 
I  §•§!  8^1 

.»S«  — iftO»         *     ■*   ^   bJ  ^    2     « 

2s3SJ:2      S       h  «  'S  *  ^ 
^      I  '''I  «  r 

lllsMIl  -    ll^fi 

'  in«         iS  £   £  kJ  *« 

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2SE2S3SES      s  '  2  •!  • 

J  a^l'ä 

gsasassss  '^  -S  i  1  -^ 
Ipipiii  '^       4 II'" 

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?=^  g  i  .s   .  ■"  « -3 

sssagssss  ">a'=  s  a  js  s 
iga.S!i;a.ss.  §  ^  j  §  1 :?  . 
t-, ..-.»»-    I  s  ^  i  -3  ^  I 

J  J  oi-S  £.- 


<s(e<or-cD-^aooK 


11  j  ili 


B  ■«  -s  :§  -g  I  5 


■g  Z  8  «  ■  -3 


II 

1 

■i" 


II 


1^1 


yt 


zssss 


s23as 


^  -i 


SsosS 
III -^ 


S 
i 

i 

—    e 

"  I 


-.-."•  ^  i 


jiijl  -S 


233 


dm  Apparat  ohne  Scheibe  0,0005617 
der  kleineren  Meflsingschcibe  0,0004379 
der  Gla80cheibe  0,0004378 

der  grOfseren  MessiugBcheibe  0,0004163 
der  Weifsblecbscheibe  0,0003747. 

Diese  Zahlen  zeigen  also  statt  der  gewünschten  Ueberein- 
atiauiiiig  die  regefanftlsigste  Abnahme  mit  wachsendem  Ra- 
dios der  Sdieibe. 

Berechne  ich   aber   die  Constante   nach  der  strengen 
Form  des  Gesetzes 


"-^"«rras^r^ 


wo  jetzt  6  and  Sq  die  natürlichen  Logarithmen,  also  das 
2^3025  fadie  der  angegebenen  logarithmischen  Decremente, 
bezeichnen  y  so  erhalte  ich  als  Werthe  der  Constanten  aus 
der  Beobachtung  an 

dem  Apparat  ohne  Scheibe 
der  kleineren  Messingscheibe 
der  Glasscheibe 
der  gröfseren  Messingscheibe 
der  Weifsblecbscheibe 

Berücksichtige  ich  noch  die  mögliche  Aenderung  des  Tor- 
sioDsmoments  durch  die  Belastung,  schreibe  also  das  Gesetz 
in  der  Form 


0,0004047 
0,0003257 
0,0003269 
0,0003190 
0,0003166. 


Gon8t  = 


M 


(II*-+.2äM)V 

SO  erhalte  ich  als  Werthe  der  Constanten: 

Apparat  ohne  Scheibe  0,09194 

Kleinere  Messiugscheibe  0,07388 

0,07421 


Glasscheibe 

GrttCsere  Messiugscheibe 

Weifsblecbscheibe 


0,07254 
0,07159. 


234 


Diese,  wie  die  vorher  aogegebdnen  XoMtn  leigen  den* 
selben  Grtd  von  Uebereinstiimnan^  bis  auf  etwa  dea  SOsteM 
Theil  des  ganxen  Werthes,  wenn  man  von  der  Beobach» 
lang  am  Apparat  ohne  ^Scheibe  absieht  Die  grobe  Ab- 
weichung dieser  Beobachtung  liCst  ▼ermatheii,  dab  bei  den 
kleineren  Scheiben  die  Reibung  an  der  cjUndrischan  Asa 
des  Apparats  merklichen  Einflufs  haben  könnte.  Ich  habe 
daher  die  Beobachtungen  auch  nach  den  Formeln 


const.s 


Consta = 


ll*+2ll*d-fÄj-h2Äjda)Lv    7t    J^\    n    / 

+  f(^)'+T(^)*  + 

[ll*H-2Ä»«J-(Ä}-H2Ä|,Ja)]VTo  LV     n    J^\ 

5  /«-f.\3     .     9 


4  ^ 


)"+i(^)' 


•  •  •  •     J 


in  denen  <,  und  (A, -1-2^3  ^a)  sich  auf  den  Apparat  ohne 
Scheibe  beziehen,  in  denen  also 

63  =0,00166 . 2,3025 . . . .  und  AJ  +  2  A;  ^3  s  39,4 
in  Centimetern  ist,   berechnet  und  als  Werthe  der  Con- 
stanten erhalten: 

Kleinere  Messingscheibe 

Glasscheibe 

Gröfsere  Messingscheibe 

WeiCsblechscheibe 


0,0003258; 
0,0003243; 
0,0003175; 
0,0003180; 


0,07390 
0,07362 
0,07220 
0,07191. 


Alle  angegebenen  Werthe  der  nach  der  Theorie  con- 
stauten  Gröfse  sind  also  nicht  völlig  constant,  sondern  es 
zeigt  sich  deutlich  mit  wachsendem  Halbmesser  der  Scheibe 
eine  geringe  Abnahme  des  Werthes.  Es  ist  demnach  wohl 
nicht  zu  bezweifeln,  dafs,  wenigstens  bei  den  kleineren 
Scheiben,  die  bei  der  Herleitung  der  Theorie  gemachten 
Voraussetzungen  nicht  so  weit  gerechtfertigt  sind,  dafs  der 
begangene  Fehler  von  der  Ordnung  der  möglichen  Beob- 
achtungsfehler wäre.  Diefs  ist  um  so  mehr  zu  bedauern, 
da  ich,  mich  stützend  auf  die  Resultate  der  früheren  rohe- 
ren Beobachtungen,  fast  alle  Bestimmungen  der  ReibungB- 


235 

coDStanten  mit  der  kleinereii  Messingscheibe  ausgeffihrt  habe. 
Dw  von  mir  gefundenen  Zahlen  sind  daher  ein  wenig  xu 
groCs.  DieCB  ist  in  Uebereinstiinmung  mit  dem  Einflufs  der 
bei  der  theoretischen  Behandlung  dee  Problems  eingeffihr- 
tcn  Annäherungen.  Dort  habe  ich  einen  Theil  der  Reibung 
▼emachlässig^,  den  ich  mit  beobachte.  Die  Berechnung  dea 
Eiperiments  nach  der  angenäherten  Formel  giebt  also  xu 
grolse  Werthe  der  Reibuugsconstanten. 

IndeCs  kann  der  Fehler  meiner  Zahlen  nicht  so  bedeu- 
tend sejrn,  daCs  sich  dadurch  die  Abweichung  von  den  Re- 
sultaten andrer  Beobachtungen  erklären  liefiBe.  Denn  nach 
den  oben  angegebenen  Zahlen  sind  bei  den  beiden  grö- 
fseren  Scheiben  die  Voraussetzungen  der  Theorie  bis  zur 
Gränze  der  Genauigkeit  der  Beobachtungen  erfüllt.  Die 
durch  diese  beiden  Scheiben  gefundenen  Werthe  der  con- 
stanten  Gröfsen  sind  also  als  richtig  anzusehen;  die  aus 
den  mit  den  kleineren  Scheiben  angestellten  Beobachtungen 
abgeleiteten  Werthe  dieser  Constanten  können  demnach 
höchstens  einen  Fehler  von  -^^  des  ganzen  Werths  enthal- 
ten. Diese  Consfante  ist  der  Quadratwurzel  aus  dem  Rei- 
bungscoef&cienten  proportional.  Der  aus  den  Versuchen 
mit  den  kleineren  Scheiben  berechnete  Werth  des  Reibuogs- 
coeffidenten  ist  also  mindestens  bis  auf  den  15.  Theil  seines 
ganzen  Werths  verbürgt. 

Es  folgt  aus  den  Beobachtungen  femer  das  bereits  er- 
wähnte Resultat,  dafs  die  Reibung  des  Wassers  an  der 
Scheibe  in  der  That  als  unendlich  grofs  anzusehen  ist.  Denn 
die  Beobachtungen  an  der  Glasscheibe  zeigen  eine  vollstän- 
dige Uebereiostimmung  mit  denen  an  der  kleineren  Messing- 
sdieibe;  und  ebenso  stimmen  die  an  den  beiden  gröiseren 
Scheiben  gefundenen  Resultate  so  gut  wie  vollkommen 
til)erein.  Die  Reibung  des  Wassers  an  der  gläsernen,  den 
messingnen  und  der  Zinn -Oberfläche  ist  also  dieselbe.  Nun 
ist  aus  Poiseuilles  Versuchen')  bekannt,  dafs  die  Rei- 
bung des  Wassers  am  Glase  als  unendlich  betrachtet  wer- 
den darf.     Dasselbe  ist  also  von  den  Oberflächen  meiner 

1)  Heirnholts  und  ▼.  Piotrowski  a.  a.  O.  S.  56. 


236 


;-  und  WeifsblechscheibeD  za  behaupten.  Ffir  Mei- 
UDg  iat  dasselbe  Resultat  bereits  durch  Jacobson' s  Ver- 
suche ' )  nachgewiesen. 

Ich  benutzte  ferner  die  angeführten  Beobachtungen  lu 
einer  Controle  der  zwischen  den  logarilhmischeo  Deere» 
menten  und  den  Schwingungsdauem  stattfindenden  Relatioiw 
Gleichung  (24),  §.  1, 


6^ 

4 


•  •  •  • 


wo  unter  den  e  und  «„  wieder  die  natfirlichen-Logarithmeii 
zu  verstehen  sind.    Ich  erhalte  als  Werth  der 

linken  recbtCB 

Seite  der  Gleidinng 

beim  Apparat  ohne  Scheibe  .     .    0,00Q8        0,0013 
bei  der  kleineren  Messingscbeibe    0,0147        0,0123 

n      »    Glasscheibe 0,0186        0,0235 

»      »    gröfseren  Messingscheibe    0,0451         0,0417 
*>      »    Weifsblechscheibe      .     .    0,1473        0,1439 
Diese  Zahlen    zeigen,   wenn  auch  keine  befriedigende 
Uebereinstimmung,  doch  ein  ähnliches  Gesetz ;  und  mehr  ist 
wegen   der  Kleinheit   der  Unterschiede   der  Schwingungs- 
zeiten und  der  Veränderlichkeit  derselben  nicht  zu  erwarten. 
Ich  habe  endlich  diese  Beobachtungen,  soweit  sie  in  der 
Luft  angestellt  sind,  benutzt,  um  für  die  Reibung  der  Luft 
dasselbe  Gesetz,  wie  für   tropfbare  Flüssigkeiten  nachzu- 
weisen.   Durch  Reduction  der  dircct  beobachteten  Zahlen 
vermöge  linearer  Interpolation  auf  18^,0  C.  Lufttemperatur 
erhalte  ich  für  den  in  der  Luft  schwingenden  Apparat  fol- 
gende Werthe  der  Schwingungszeit  und  des  logarithmischen 
Decrements. 

Ohne  Scheibe  .... 
Kleinere  Messingscheibe 
Glasscheibe  .... 
Gröfsere  Messingscheibe 
Weifsblechscheibe      .     • 


7',5370 
8",0276 
7",9084 
9",2304 
9",4258 


0,000608 
0,000846 
0,000715 
0,000830 
0,001679. 


1)  Reichert*s  und  du  Bo!s'  Archiv  1860. 


237 

logarithmiscben  Decremente  sind  in  Briggs 'sehen  Lo- 
garithmen angegeben. 

Mit  Vernachlässigung  der  Glieder,  welche  von  dein  Pro- 
dmct  der  Widerstandsconstante  a  des  Drahts  in  Potenzen 
des  Relbangscoeffieienten  und  der  Dichtigkeit  der  Luft  ab- 
hingen,  bestehen  die  logarithmischen  Decremente  aus  drei 
Theilen.  Der  erste  rfihrt  allein  vom  Widerstände  des  Drah- 
tes ber,  der  zweite  von  der  Reibung  der  Luft  an  der  ge- 
theilten  Scheibe  mit  dem  auf  ihr  liegenden  Bleiring  und  der 
dritte  von  der  Reibung  an  der  andern  ungetheilten  Scheibe. 
Die  Reibung  an  den  übrigen  Theilen  des  Apparats  kann 
vemadilässigt  werden.  Bei  Fortlassung  der  Glieder  zweiter 
Ordnung  hat  nach  den  früheren  Entwicklungen  das  loga- 
rithmische  Decrement  die  Form: 

"       'S     **"■ 4M ^^^VoQo^o 

worin  Rq  und  8q  Radius  und  Dicke  der  getheilten  Scheibe 
und  Aiy  A,,  ^^  den  inneren  und  ttufseren  Radius  und  die 
Dicke  des  Bleirings  bezeichnen;  t^q  und  Qq  sind  die  in- 
nere Reibungsconstante  und  die  Dichtigkeit  der  atmosphäri- 
schen Luft,  alle  übrigen  Zeichen  haben  die  bisherigen  Be* 
deulungen.  Die  numerischen  Werthe  der  hier  vorkommen- 
den GrOfsen  sind  mit  Ausnahme  der  Höhe  ^1  des  Bleirings^ 
bereits  oben  angegeben.  Diese  Höhe  beträgt  d  1  =  2!"ßl 
par«  M.  Diese  Formel  wende  ich  auf  die  oben  angegebenen 
Beobachtungen  an  und  berechne  aus  denselben  die  allein 
unbekannten  coustanteu  Cocfficicnten  a  und  Vt^oCo  i^^ch 
der  Methode  der  kleinsten  Quadrate.  Dabei  nehme  ich 
alle  Gröfsen  aufser  s^  als  richtig  beobachtet  an,  weil  die 
Bestimmung  von  €„,  als  der  kleinsten  Gröfse,  die  unsicherste 
von  allen  ist. 

Ich  finde  so  als  Werthe  der  beiden  gesuchten  Gröfsen 

a  =  0,967         V^pÖ  =  0,0006836 

bezogen  auf  Centimeter  und  Secunden  als  Einheiten,  Setze 
ich  diese  Zahlen  in  die  obige  theoretische  Formel  für  «o 
ein,  so  erhalte  ich  folgende  berechnete  Werthe  dieser  Gröfse; 


238 

daneben  stelle  ich  die  beobachteten  und  die  Differem 
beider. 

berechnet;       beobachtet;  DifTcrcDB. 

Apparat  ohne  Scheibe  .  0,0006601;  0,000608;  +0,0000621 
Kleinere  Messingscheibe  0,0007164;  0,000846;  -0,0001296 
Glasscheibe  ....  0,0007596;  0,000715;  +0,0000446 
Gröfsere  Messingscheibe  0,0008596;  0,000830;  +0,0000296 
Weiisblechscheibe    .    .  0,0016816;  0,001679; +0,0000026 

Das  ist  eine  Uebereinstimmang,  wie  sie  bei  so  kleinen  be- 
obachteten GrOfsen  nicht  besser  gewünscht  werden  kann. 
Die  berechneten  logarithmischen  Decremente  sind  in 
folgender  Weise  aus  den  drei  Theilen,  1)  dem  von  den 
Widerstände  des  Drahts,  2)  dem  von  der  Reibung  der  Luft 
an  der  getheilten,  3)  an  der  ungetheilten  Scheibe  herrflb- 
renden  Theile  zusammengesetzt 

1.  2.  3. 

Apparat  ohne  Scheibe  .  0,0001227;  0,0005325;  0,0000049 

Kleinere  Messingscheibe  0,0001152;  0,0004853;  0,0001159 

Glasscheibe      ....  0,0001169;  0,0004961;  0,0001466 

GröCsere  Messingscheibe  0,0001004;  0,0003946;  0,0003646 

Weifsblechscheibe     .    .  0,0000983;  0,0003822;  0,0012011 

Die  Reibung  der  Luft  hat  also  auf  die  Abnahme  der  Am- 
plituden des  Apparats  einen  weit  gröfseren  EinfluCs  ab  der 
Widerstand,  den  der  Aufhängungsdraht  der  Bewegung  bietet 
Hierin  liegt  der  Grund  für  die  früher  (S.  211)  eingeführte 
Reduction  der  Schwingungsdauer  auf  den  luftleeren  Raum. 

(Schlaff  im   nächsten   Heft.) 


239 


IL      Ueber  die  Porlheilha/tesU  Form  der  Magnete; 

von  Dr.  Lamont 


j 


•  weiter  die  Lehre  vom  MagDetismus  in  ihrer  Entwick- 
long  fortsdireitet,  desto  wichtiger  wird  die  Ejutscheidang 
der  Frage,  toelche  Form  man  den  Magneien  geben  eolley  um 
den  vortheühafteiten  Effect  %u  erlangen.  Wenn  wir  uns 
zoDächst  auf  diejenigen  Magnete  beschräniLeu,  welche  znr 
Untersuchung  des  Erdmagnetismus  verwendet  worden  sind, 
80  finden  wir,  daCs  von  Einigen  spitzig  zulaufende,  von  An- 
dern flach  prismatische  Nadeln  für  die  zweckmfifsigsten  er- 
klart wurden;  auch  massive  oder  hohle  Cylinder  sind  em- 
pfohlen worden.  Eis  ist  mir  übrigens  nicht  bekannt,  dafs 
entscheidende  Versuche  bisher  ausgeführt  worden  wiren; 
nicht  einmal  die  Principien  hat  man  meines  Wissens  fest- 
gestellt, nach  welchen  die  Vorzüglichkeit  der  einen  Form 
vor  den  übrigen  benrtheilt  werden  soll.  In  letzterer  Be- 
siehung wird  sich  übrigens  bei  näherer  Erwägung  zeigen, 
dafs  kaum  eine  Unsicherheit  oder  Verschiedenheit  der  An- 
aiohten  eintreten  dürfte,  da  es  im  Allgemanen  nur  drei  Be- 
ziehungen giebty  die  bei  Magneten  in  Betracht  kommen, 
und  es  nicht  zweifelhaft  seyn  kann,  in  welchem  Verhält- 
nisse diese  Bestimmungen  zum  Erfolge  stehen. 

Die  drei  hier  angedeuteten  Bestimmungen  sind:  das  mag- 
n^ische  Mameut^  das  Qeieiehi  oder  die  Maese  und  das  Trag- 
heUstnoment,  und  diejenige  Form  ist  als  die  vortheilhafteste 
anzuerkennen,  bei  welcher  ein  möglichst  grofses  magneti- 
sches Moment  mit  einer  möglichst  kleinen  Masse  und  einem 
möglichst  kleinen  Trägheitsmoment  vereinigt  wird. 

Der  directe  Weg  über  die  vortheilhafteste  Form  der 
Magnete  zu  entscheiden  würde  darin  bestehen,  gehärtete 
Stahlstäbe  von  verschiedenen  Formen  sich  zu  verschaffen,  sie 
big  zur  Sättigung  zu  magnetisiren  und  für  jede  Form  die  obi- 
gen Bestimmungen  durch  Messung  zu  ermitteln.  Nach  dieser 
Methode  habe  ich  zwar  verschiedene  Versuche  angestellt, 


240 

aber  denselben  keine  grofse  Ausdehnung  gegeben,  wöl  idi 
einen  andern  Weg  gefunden  habe,  der  einfacher  and  ü» 
cherer  zum  Ziele  führt. 

Ein  Magnet  ist  zusammengesetzt  aus  magneüiirien  M(h 
leciUen.  Würde  man  die  Molecule  trennen,  so  würde  sich 
zeigen,  dab  jedes  Molecul  einen  kleinen  Magnet  bildet  out 
einer  bestimmten  Quantität  positiven  und  negativen  Magno- 
tismus,  und  diefs  ist  es,  was  ich  als  $elb9tMtändigen  Magn^ 
tinmiM  der  Molecule  bezeichne.  Sobald  man  die  Molecule 
zusammenlegt,  so  indudrt  jedes  in  den  übrigen  neuen  Mag- 
netismus und  zu  dem  selbststindigen  Magnetismus  eines  jo- 
den Moleculs  kommt  noch  eine  mehr  oder  weniger  bo- 
trftchtliche  Quantität  imducirten  MagneÜsrnui  je  nach  der 
Lage,  welche  das  Molecul  im  Magnete  einnimmt 

Die  ganze  Wirkung  eines  Magnets  wird  bedingt  durch  den 
seWitsiändigen  und  inducirten  Magnetismus  der  Molecule. 

Ein  Magnet  ist  dann  bis  zur  Sättigung  magnetisirt,  wenn 
jedes  Molecul  den  möglichst  gröfsien  selb$tständigen  Mag- 
netismus besitzt;  daraus  folgt  zugleich,  dafs  in  einem  bis 
zur  Sättigung  magnetisirten  Stabe  sämmtliche  Molecule  ^let- 
chen  selbstständigen  Magnetismus  haben. 

Bringt  man  einen  weichen  Eisenkern  von  mäfsiger  Länge 
in  eine  sehr  lange  Spirale,  die  ein  galvanischer  Strom  durdi- 
läuft,  so  wird  bekanntlich  auf  jedes  Molecul  des  Kerns  die- 
selbe  magnetisirende  Kraft  ausgeübt,  d.  h.  es  wird  jedem 
Molecul  gleicher  selbstständiger  Magnetismus  ertheilt  und 
die  gegenseitige  Induction  der  Molecule  tritt  dann  in  Wir- 
kung wie  bei  den  Moleculen  eines  Magnets.  Es  ergiebt 
sidi  daraus,  dafs  die  Yertheilung  des  Magnetismus  bei  eir 
nem  Eisenkern,  der  in  einer  langen  Spirale  sich  befindet, 
und  bei  einem  Magnet,  der  bis  zur  Sättigung  magnetisirt 
ist,  dieselbe  seyn  wird,  und  die  Gesetze  unter  obigen  Be- 
schränkungen eben  so  gut  durch  Eisenkerne  wie  durch  Mag- 
nete bestimmt  werden  können.  Durch  Substitution  von  Ei- 
senkernen aber  erlangt  man  den  grofsen  Vortheil,  daCs  die 
Untersuchtlug  nicht  blos  leichter  ausführbar  wird,  sondern 
auch  die  störenden  Einflüsse,  welche  aus  der  ungleichen 


229 

gröfiBeren  Scheibe:    0,0713 

kleineren  Scheibe:    0,0723. 
piebme  ich  dagegen  auf  die  Aenderung  des  Tonionsmomento 
mit  der  Belastung  Rücksicht,  schreibe  also  das  Gesetz  in 
der  strengeren  Form 

cM  «3  Jlfj 


Vt:     Vr. 


(«+!)- (,.-Hi)- 


=:  const, 


wo   Ta  =  8^'|&3  ist,  so  finde  ich  für  die  Constante  die 
Werthe: 

gröbere  Scheibe:    0,214 
kleinere  Scheibe:    0,217, 
also  eine  Uebereinstimmung  von  derselben  Ordnung.  Die  aus 
den  Beobachtungen  mit  der  kleineren  Scheibe  berechnet^i 
Werthe  der  Ck>nstanten  sind  immer  um  etwa  den  70sten 
Theil  des  ganzen  Werths  gröfser. 

Endlich  habe  ich  noch  eine  Reihe  von  Beobachtungen 
mit  allen  Scheiben  angestellt,  tbeils  in  der  Absicht,  die  zu- 
letit  erörterten  Gesetze  durch  schärfere  Beobachtung  und 
strengere  Rechnung  zu  prüfen,  theils  zu  dem  Zwecke,  die 
bisher  stillschweigend  gemachte  Voraussetzung,  dafs  das 
Wasser  fest  an  der  Oberfläche  der  Scheiben  hafte,  dafs 
also  die  Constante  E  der  äufseren  Reibung  unendlich  grofs 
sey,  für  die  augewandten  Scheiben  als  richtig  nachzuwejsen. 

Bei  den  Versuchen  vergröfserte  ich,  um  eine  längere 
Reihe  von  Beobachtungen  jedes  logarithmischen  Decrements 
und  jeder  Schwingungsdauer  zu  erhalten,  das  Trägheitsmo- 
ment des  Apparats  um  das  des  früher  beschriebenen  Blei- 
ringg.  Ich  legte  denselben  auf  die  getheilte  Scheibe,  auf 
der  seine  richtige  Lage  durch  feine  Striche  markirt  wurde. 
Idi  habe  denselben  auch  bei  manchen  andern  Beobachtun- 
gen, bei  denen  ich  eine  längere  Dauer  der  Schwingun- 
gen wünchte,  benutzt.  Er  ist  deshalb  in  der  beigelegten 
Zeichnung  des  Apparats  (Fig.  2,  m,  Taf.  IH)  in  dieser  Lage 
dargestellt.  Ich  beobachtete  die  Schwingungen  der  Schei- 
ben in  der  fjuft  und  in.  destillirtem  Wasser,  und  zwar  be- 


242 

VerhSltnifse  des  ina{;netischen  Moments  zd  der  Marae  and 
zu  dem  Trägheitsmomente  zu  beurtheilen  ist:  was  nun  das 
Tr&gheitsmoment  betrifft,  so  kommt  es  nur  bei  den  Schwin- 
gungen in  Betracht  und  ist  von  geringerer  Bedeutung,  wefs- 
halb  wir  zunächst  das  Verhältnifs  des  magnetischen  Moments 
zu  der  Masse  untersuchen  wollen. 

I.  Versuchsreihe.  Um  die  Abhängigkeit  des  Mag^netis- 
mus  vom  l)urchmesser  zu  ermitteln,  iiefs  ich  vier  Eisen- 
kerne  (Fig.  6,  Taf.  II)  von  gleicher  Länge  =  43",2  (pariser 
Maafs)  und  gleichem  (gewichte,  aber  ungleichem  Querschnitte 
herstellen,  und  zwar  war  der  Querschnitt  bei 

A  ein  gleichseitiges  Dreieck;  Länge  einer  Seite  ---  7"',5, 
B  ein  Cylinder;  Durchmesser  =  5'",7, 
C  ein  Quadrat;  Länge  einer  Seite  ==  5'",3, 
D  ein  Parallelogramm;  Seiten  =i6'",U  und  4%l, 
E  ein  Parallelogramm;  Seiten  =i  12"',4  und  2"',L 
In  einer  langen  Spirale  von  2i2  Windungen  gaben  diese 
Eisenkerne  folgende  magnetische  Momente  (reducirl  auf  glei- 
che StrofDstärke): 


roagn.  Moment. 

Masse. 

Verhällnifs. 

A         7,255 

1,00 

7,255 

B        6,806 

i),99 

6,875 

C        7,30» 

1.14 

6,404 

D        6,952 

1,05 

«,621 

E        8,248 

1,13 

7,299 

Die  Masse  ist  hier  wie  bei  folgenden  Versuchsreihen 
mittelst  der  Waage  bestimmt,  nicht  aus  den  obigen  nur 
approximativ  angegebenen  Dimensionen  abgeleitet  worden. 

Die  unvortheilhaftesten  Formen  sind  das  Prisma  mit  qua- 
dratischem Durchschnitte  und  der  Gelinder,  bei  welchen  die 
Masse  um  die  Axe  der  Figur  möglichst  zusammengezogen 
wird,  wogegen  die  gröfserc  Ausbreitung  der  Masse  bei  den 
übrigen  F^ormen  von  wesentlichem  Vorthcile  sich  erweist. 

IL  Versuchsreihe.  Zwölf  gleiche  Lamellen  aus  Eisen- 
blech (Fig.  7,  Tafel  II),  Länge  43  ",2,  Breite  5'",:i,  Dicke  0"'J, 
wurden  so  untersucht,  dafs  zuerst  ein  einzelnes,  dann  zwei, 
drei  u.  s.  w.  aneinander  gelegt  oder  vielmehr  zusammenge- 


243 

bunden  in  die  oben  erwähnte  Spirale  gebracht  worden. 
Wenn  die  zwölf  Lamellen  aneinander  gelegt  waren,  80  bil- 
deten sie  ein  Prisma  sehr  nahe  von  gleicher  Gröfse  wie  C 
in  der  I.  Versuchsreihe,  und  hatten  ein  Gewicht  von  94,8 
Grm.     Die  Resultate  waren: 

roago.  Moment.     Verhältoifs  zur  Maate. 


1  Lamelle 

3,53 

3,53 

2 

4,11 

2,05 

3 

4,36 

1,45 

4 

4,65 

1,16 

5 

4,94 

0,99 

6        » 

5,15 

0.86 

7 

5,39 

0,77 

8 

5,61 

«►,70 

9 

5,83 

0,65 

10 

6,05 

0,60 

11 

6,27 

0,57 

12 

6,44 

0,54 

hier  zeigt  sich .  auffallend  wie  nachtheilig  es  ist  die  Dicke 
zu  vermehren. 

Den  obigen  Angaben  zufolge  würden  14,4  Parallelo- 
gramme, dem  Gewichte  nach,  dem*  Prisma  C  (Versuchsreihe  I) 
gleich  seyn,  und  der  ganze  Magnetismus  derselben  hätte 
6,874  betragen,  eine  zweifache  Vergleichung  gab  aber  7,194, 
ohne  Zweifel  eine  Folge  davon,  dafs  die  Parallelogramme 
beim  Ausglühen  mit  Zunder  sich  bedeckt  hatten. 

IIL  Versuchsreihe.  Sechs  Parallelogramme  (Fig.  8,  Taf.  II) 
▼OD  45^6  Länge,  0"Vi  Dicke  und  den  Breiten  2"V3,  4%6, 
6^8,  9%1,  li"',4,  13'",7  wurden  aus  einer  Eisenblechtafel 
heraufigeschuilteu,  und,  nachdem  sie  sorgfältig  ausgeglüht 
worden  waren,  in  die  oben  erwähnte  Spirale  gebracht;  das 
Ergebnil's  war  wie  folgt: 


magii.  Moment. 

Masse. 

Verhälioifs  cor  Masse« 

A        2,69 

2,8 

0,961 

B        4,05 

5,8 

0,699 

C        5,04 

9,0 

0,560 

D        5,77 

11,7 

0,493 

E        6,52 

14,3 

0,454 

F        7,12 

16,7 

0.425 
16« 

244 

Hieraus  ergiebt  sich,  dafs  auch  die  VergröfBeruug  der 
Breite  als  nachtheilig  zu  bctrachteu  ist,  )educh  iu  geringe- 
rem Vcrhfiltuisse  als  wir  es  iu  der  zweiten  Versuchsreihe 
bei  der  Dicke  gefunden  haben. 

IV.  Versuchsreihe.  Vier  Nadeln  (Fig.  9,  Taf.  II)  von  | 
der  Mitte  aus  spitzig  zulaufend  gegen  beide  Enden  (ver- 
schobene Quadrate)  wurden  aus  einer  Eisenblechtafel  her- 
ausgeschnitten. Sie  hatten  alle  die  gleiche  Länge  =  09***^, 
die  Breite  in  der  Mitte  verhielt  sich  sehr  nahe  wie  I,  2^  3,  4 
und  betrug  bei  der  breitesten  Nadel  19"',5.  Die  Beobach- 
tung ergab  folgende  Zahlen : 

luagD.  M(»meQt.  Mass«.  Verliallnirs  cur  Masse. 

A        iyüH  4,95  0,870 

B        5,313  9,84  0,539 

C        5,944  14,45  0,412 

D        6,595  19,45  0,339 

Man  sieht  hieraus,  dafs  das  Verhältnifs  des  Magnetismus 

zum  Gewichte  um  so  vortheilhafter  ist,  je  spitziger  die  Ni-    | 

dein  zulaufen,  d.  h.  )e  geringer  die  Breite  in  der  Mitte  ist 

V.  Versuchsreihe.  Drei  gleiche  Nadeln  (Fig.  10,  Taf  II) 
der  Form  nach  denen  der  vierten  Versuchsreihe  ähnlich, 
Länge  46'^0,  Breite  in  der  Mitte  13''',3  wurden  angefer- 
tiget;  von  zweien  wurde  ein  Theil  aus  der  Mitte  beraos- 
genommcn,  so  dafs  sie  durchbrochen  verschobene  Quadrate 
darstellten,  und  der  herausgeschnittene  Theil  der  ganzen 
Figur  ähnlich  war.  Was  die  Gröfse  des  herausgeschnitte- 
nen Theiles  betrifft,  so  betrug  er  bei  B  ein  Drittel,  bei 
C  zwei  Drittel  der  ganzen  Figur.     Die  Beobachtung  gab: 

niago.  Moment.  Masse.  Verliälloirs  xur  Masae. 

A        3,46  1,02  3,39 

B        3,47  0,85  4,08 

C        3,17  0,52  6,04 

Es   ist   also   sehr  vortheilhaft  in  der  Mitte  einen  Theil  der 

Masse  herauszunehmen. 

VI.  Versuchsreihe.  Bei  der  IV.  und  V.  Versuchsreibe 
liefen  die  Nadeln  von  der  Mitte  aus  nach  beiden  Enden 
spitzig  zu;   bei  der  gegenwärtigen  Versuchsreihe  sollte  er- 


2ti 

inittelt  werden,  welchen  TTnterschied  es  mache,  ob  die  Breite 
gleich  von  dor  Mitte  aus  oder  näher  an  den  Enden  abzu- 
Debmen  beginnt.  Hiczu  wurden  flache  Stahlstücke  von 
43"M  Lange,  l'",0  Dicke  und  I0'",0  Breite  (in  der  Mitte) 
verwendet,  deren  Gestalt  in  (Fig.  11,  Taf.  II)  dargestellt  ist; 
der  Theil  ab  betrug  bei  B  ein  Sechstel,  bei  C  ein  Drittel, 
bei  D  die  Hälfte  von  der  Länge.     Die  Resultate  waren: 


1 
\ 


magn.  Moment. 

Massc. 

Verhallnifs  zur  Masse. 

A        44,6 

37,2 

1,20 

B        34,3 

28,8 

1,19 

C        27,7 

23,6 

1,17 

D        23,6 

18,0 

1,32 

I 


Die  Beobachtungsreihe  ist  wenig  zuverlässig,  jedoch  zeigt 
sie  entschieden,  dafs  das  Zuspitzen  der  Enden  der  Magnete 
unvortheilbaft  ist,  aufscr  wenn  die  Abnahme  der  Breite  von 
.  der  Mitte  beginnt.  Eine  von  der  Mitte  aus  spitzig  zulau- 
!  fende  flache  Nadel  ist,  den  obigen  Messungen  zufolge,  um 
3  yV  vortbeilhafter  als  eine  parallelogrammförmige:  aus  an- 
'    deren  weit  zuverlässigem  Versuchsreihen  habe  ich  ein  etwas 

grOfseres  Verhältnifs,  nehnilich  ^  gefunden. 
f  VII.  Versuchsreihe.     Bekanntlich  zeigt  sich  der  Magne- 

)   tiflmas  am   stärksten   in   den   Kanten  und  Spitzen,   und  es 
schien  zweckmäfsig  zu  untersuchen,  welchen  Erfolg  man  er- 
;,  halte»  wenn  ein   Magnet  mehrere  Spitzen  hat.     Zu  diesem 
-    Zweck  wurden  drei  Parallelogramme  von*47''M)  Länge,  9''^0 
Breite,  W\i  Dicke  aus  einer  Tafel  von  Eisenblech  heraus* 
geschnitten  und  durch   dreieckige  Einschnitte  bewirkt,  dafs 
das  eine  Stück  zwei,  das  andere  drei  Spitzen  an  jedem  Ende 
^    erhielt,  während  bei  dem  dritten  Stücke  kein  Einschnitt  ge- 
macht  wurde.     Die   Gestalt    der  Stücke    ersieht   man  aus 
Fig.  12,  Taf.  II,  die  Tiefe  der  Einschnitte  np  betrug  ein 
.    Viertel  der  Länge.     Die  Beobachtung  ergab: 


magn.  Moment. 

Masse. 

Verlialtnirs  cor  Masse. 

A        &,075 

1,00 

4,659 

B        4,908 

1,10 

4,462 

C       6,005 

1.41 

4,259 

246 

Hiernach  ist  es  Tortheilhaft  an  den  Enden  flacher  Mag- 
nete Einschnitte  zu  machen ,  und  zwar  steigt  das  Yerfatit* 
nifs  mit  der  Anzahl  der  Einschnitte. 

Der  in  der  VI.  Versuchsreihe  gegebenen  Bestimmung 
zufolge  wtirde  die  Verhältnifszahl  für  eine  von  der  Mitte 
aus  spitzig  zulaufende  Nadel  4,79  seyn;  es  ist  nicht  un- 
wahrscheinlich, dafs  durch  Vermehrung  der  Anzahl  der  Ein- 
schnitte dieses  Verhiiltnifs  übertroffen  werden  könnte,  je- 
doch empfiehlt  sich  die  Form,  um  die  es  hier  sich  handelt, 
in  sonstigen  Beziehungen  so  wenig,  dafs  sie  kaum  practi- 
sehe  Anwendung  finden  wird. 

Aus  den  vorhergehenden  Bestimmungen  folgt; 

1 )  dafs  schmälere  Magnete  vortheilhafter  sind  als  6ret(ere, 

2)  dafs  dtmfiere  Magnete  vortheilhafter  sind  als  dickere, 

3)  dafs  mithin  die  vorfheilhafteste  Form  diejenige  ist,  wo 
Breite  und  Dicke  verschwinden,  und  der  Magnet  in 
eine  mathematische  Linie,  d.  h.  in  einen  sogenannten 
Linear -Magnet  sich  verwandelt. 

Die  vortheilhafteste  Form  eines  Magnets,  in  sofern  man 
das  Vcrhältnifs  des  Magnetismus  zum  Gewichte  betrachtet, 
ist  also  eine  imaginäre-,  practisch  übrigens  giebt  es  zwei 
Formen,  die  als  vortheilhaft  erscheinen,  nehmlich  die  flache^ 
von  der  Mitte  aus  spitzig  zulaufende,  und  die  flache  pris- 
matische, und  zwar  ist  bei  ersterer  Form  das  Verhältnifs 
des  Magnetismus  zum  Gewichte  um  ein  Achtel  vortheilhaf- 
ter als  bei  letzterer;  dabei  mufs  immer  als  Regel  gelten,  dafs 
die  Dicke  und  Breite  so  weit  vermindert  werden  müssen  als 
es  die  sonst  zu  erfüllenden  Bedingungen  nur  immer  gestatten. 

W^ir  hätten  nun  noch  zu  untersuchen,  in  welchem  Ver- 
hältnisse bei  den  oben  angeführten  Formen  der  Magnetis- 
mus zum  Trägheitsmomente  stehe;  allein  ich  halte  es  filr 
überflüssig,  die  darauf  bezüglichen  tabellarischen  Zusammen- 
stellungen hier  beizufügen,  da  ohne  solche  leicht  einzusehen 
ist,  dafs  die  Formen,  welche  wir  in  Rücksicht  auf  das  Gewicht 
als  unvortheilhaft  erkannt  haben,  auch  hinsichtlich  des  Träg- 
heitsmoments als  unvortheilhaft  sich  darstellen  müssen.  Was 
aber  die  flache  von   der  Mitte  aus  spitzig  zulaufende  und 


247 

die  flach  prismatische  Fonii  betrifft,  weiche  obeu  als  die 
eiDxig  zweckinäfsigeu  bezeichuct  wordeu  siud,  so  verhalten 
sidi  bei  gleicher  Lauge  und  gleicher  Breite  iu  der  Mitte 
die  Gewichte  wie  1:2  und  die  Trägheitsmomente  wie  1:3,75, 
so  dafs  der  spitzig  zulaufenden  Form  bei  Weitem  der  Vor- 
zug zuerkannt  werden  mufs. 

Rficksichdich  der  vorhergehenden  Untersuchung  dürfte 
noch  zu  erwähnen  seyn,  dafs  sie  immerhin  umständlich  und 
minder  befriedigend  ausfallen  mufs,  so  lange  man  nicht  im 
Stande  ist  für  die  Vertbeiluug  des  Magnetismus  und  für  die 
Abhängigkeit  des  magnetischen  Moments  von  den  Dimen- 
siooen  Gesetze  aufzustellen.  In  dieser  Hinsicht  haben  die 
bisherigen  Arbeiten  nur  sehr  geringen  Erfolg  gehabt.  Aus 
zahlreichen  Beobachtungen,  die  ich  mit  prismatischen  Stäben 
angestellt  habe,  ergiebt  sich,  dafs  bei  gleicher  Dicke  die 
Biagnetischen  Momente  sich  verhalten  wie  die  Quadratwur- 
zeln der  Dicke;  jedoch  gilt  dieses  Gesetz  nur  für  gröisere 
Querschnitte  und  ist  für  kleinere  Dimensionen  völlig  an- 
brauchbar.     Ich  habe  jetzt  die  Form 


V 


ax-hb 
-  -i_  —  X 


snbstituirt,  wo  t  die  veränderliche  Dimension  und  a,  b,  c 
Constanten  sind,  und  finde  dafs  sie  sehr  genau  der  Beob- 
achtung bei  kleinen  wie  bei  grofsen  Dimensionen  entspricht« 
Auch  wenn  man  Lamellen  zusammenlegt,  stellt  diese  Form 
den  Erfolg  sehr  gut  dar,  wie  folgende  Tabelle,  in  welcher 
die  IL  Versuchsreihe  nach  der  Formel 


1/12,80  +  2.4611 
^      n  + 0.218 

berechnet  ist, 

nachweisen  wird: 

S«hl  der  Lamellen 

magDetischcs 

Monent 

=3  11. 

beobachtet. 

berechnet. 

DHrereoz. 

1 

3,53 

3,54 

—0,01 

2 

4,11 

4,00 

—  0,11 

3 

4,36 

4,34 

—  0,02 

-  '4 

4,65 

4,63 

-.^»»öfl 

248 


ZiM  der  LtmelleD 

5 

magneiisches  Moment 
beobachtet.           berechnet. 

4,94              4,90 

Difiereni. 

—0,04 

6 

5,15 

5,16 

+0,01 

7 

5,39 

5,40 

+0,01 

8 

5.61 

5,62 

+0,01 

9 

5,83 

5,84 

+0,01 

10 

6,05 

6,05 

0,(>0 

11 

6,27 

6,25. 

—  0,02 

12 

6,44 

6,45 

+0,01 

Eine  practische  Folgerung  ergiebt  sich  aus  der  vorher- 
gehenden Untersuchung,  die  wir,  ich  glaube  von  Seite  der- 
jenigen, welche  mit  der  Verfertigung  magnetischer  Instru- 
mente sich  befassen,  sorgfältig  beachtet  zu  werden  verdient 
Ein  frei  beweglicher  Magnet  ist  nur  in  sofern  mit  Vortheil 
zu  gebrauchen,  als  das  magnetische  Moment  im  Verhftlt- 
nisse  zum  (gewichte  möglichst  grofs  ist.  Je  mehr  man  aber 
den  Querschnitt  vergröfsert,  desto  weiter  entfernt  man  sich 
von  der  Erfüllung  dieser  Bedingung,  und  hiernach  mufs  der 
Gebrauch  massiver  Mnguetstäbe  als  unzulässig  erklärt  wer- 
den. Nur  ein  Mittel  gibt  es  grofse  magnetische  Stärke  bei 
geringem  Gewichte  zu  erlangen,  darin  bestehend,  dafs  man 
mehrere  dünne  und  flache  Magnete  neben-  oder  übereinan- 
der zu  einem  Systeme  fest  verbindet,  ohne  dafs  sie  sich  be- 
rühren. Schon  vor  vielen  Jahren  habe  ich  angefangen  bei 
magnetischen  Varia(ions> Instrumenten,  später  auch  bei  mag- 
netischen Theodoliten  mehrere  Magnete  zu  verbinden,  and 
gegenwärtig  gebrauche  ich  durchgängig  Systeme  von  drei 
Lamellen,  die  übereinander  gelegt  und  in  der  Mitte  durch 
kleine  Messingstücke  von  ungefähr  ^  Linien  Dicke  von  ein- 
ander getrennt  gebalten  werden.  Auch  bei  Schiffscompassen 
werden  gegenwärtig  stets  mehrere  Nadeln  und  zwar  neben' 
einander  mit  dem  besten  Erfolge  gebraucht.  Hohle  cylin- 
drische  Magnete,  denen  einige  Künstler  in  Beziehung  auf 
Stärke  und  Leichtigkeit  einen  grofsen  Vorzug  zugeschrieben 
haben,  bleiben,  wie  schon  aus  theoretischen  Betrachtungen 


249 

leicht  nachgewiesen  werden  kann,  sehr  weit  sogar  gegen 
eine  einzige  flache  Nadel  zurück,  und  hiemit  stimmen  auch 
die  Versuche,  die  ich  angestellt  habe,  übereiu. 


m.     [Jeher  die  Einwirkung  des  Magnets  auf  die 
elektrische  Entladung;  von  Plücker. 

(Siehe  diese  Annalen  Bd.  CHI,  S    88  und   151,    Bd.  GIV,  S.   113  u.  622, 

Bd.  CV,  S.  67,  Bd.  CVII,  S.  77  und  497  ) 


215.  I  /ie  Einwirkung  des  Magnets  auf  die  elektrische 
Entladung  durch  gasverdünnte  Räume  giebt  sich,  )e  nach 
den  Terschiedeneii  Bedingungen,  unter  welchen  diese  Ent- 
ladung, deren  Träger  das  verdünnte,  leuchtend  werdende  Gas 
oder  die  von  den  Elektroden  fortgeführte  Materie  ist,  auf- 
tritt, in  den  verschiedenartigsten  Erscheinungen  kund.  Drei 
Wesen I lieh  verschiedene  Fälle,  in  derjenigen  Reihenfolge, 
wie  ich  sie  zuerst  beobachtet  und  in  den  früheren  Mitthei- 
lungen beschrieben  habe,  sind  die  folgenden. 

21ö.  Der  er$%e  Fall  ist  derjenige,  wo  der  Magnet  auf 
den  elektrischen  Lichtstroni  fern  von  den  beiden  Electro- 
den  wirkt.  Ist  das  verdünnte  Gas  zum  Beispiel  in  einer 
cjlindrischen  Röhre  eingeschlossen,  so  können  wir  den 
ganzen  Ltchtstreifen  als  ein  Bündel  von  unendlich  vielen, 
parallelen,  elementaren,  Lichtströmen  ansehen,  die  gegenseitig 
auf  einander  nicht  merklich  einwirken.  Von  dem  Grade  der 
Verdünnung^  hängt  es  ab,  ob  diese  Elementarströme  den 
ganzen  inneren  Raum  der  Röhre  ausfüllen,  oder  sich  auf  ei- 
nen dünnen  Faden  zusammenziehen.  In  diesem  letztern 
Falle  verhält  sich  der  Lichtfaden,  unter  magnetischer  Ein- 
wirkung, ganz  wie  ein  beweglicher  Kupferdraht,  der  Träger 
eines  Stromes  ist.  Die  desfallsigen  Erscheinungen  hat  Hr. 
Delarive  zuerst  beschrieben.   Ganz  andere  Erscheinungen 


250 

treten  aber  bei  starker  VerdQüüuug  auf.  Dann  fQllt,  vor 
der  magnetischeu  Einwirkung,  das  Stroinbüudel  den  ganzen 
inuern  Raum  der  das  verdünnte  Gas  enthaltenden  Röhre 
aus,  uiit  dieser  Röhre  zugleich  sich  erweiternd  und  yer-  * 
engend.  Die  Erscheinungen,  die  alsdann  unter  der  Ein- 
wirkung des  Magnets  auftreten,  la.^sen  sich,  in  der  obigen 
Annahme  von  nebeneinander  herlaufenden  beweglichen  Ele- 
mentarströmen, aus  den  bekannten  elektromagnetischen  Go* 
setzen  gröfstentheils  zwar  vorhersagen,  aber  nicht  alle.  Zm 
den  unvollständig  erklärten  Erscheinungen  zähle  ich  unter 
andern  das  Auslaufen  des  Stromes  in  eine  Spitze,  zu  der 
das  Licht  von  der  entgegengesetzten  Seite  flammenartig»  über- 
fluthet,  das  Auslöschen  des  Lichtes  des  Stromes  durch  den 
Magnet  und,  vor  Allem,  die  durch  denselben  hervorge- 
rufenen farbigen  glänzenden  ßlitzc  in  gewissen  verdünnten 
Gasen  und  Dämpfen  (Chlor,  Brom,  lod,  Zinnchlorid,  Schwe- 
febäure).  Bei  unserer  völligen  Unkunde  über  die  Con- 
stitution der  Körper  und  die  davon  abhängige  Constitution 
des  elektrischen  Stromes  kann  es  hier  nicht  überraschen, 
dafs  Erscheinungen  von  der  Art  der  vorstehend  erwähnten« 
keine  genügende  Erklärung  finden.  Neue  Hypothesen, 
die  auf  unserm  gegenwärtigen  Standpunkt  nur  den  Cba» 
rakter  von  Bildern  und  Symbolen  haben  können,  werden 
so  lange  unvermögend  seyn  eine  Erklärung  zu  geben,  als 
sie  nicht  nähere  Annahmen  über  die  Natur  des  Stromes 
und  seiner  Träger  involviren.  Um  zu  diesem  schliefslichen 
Ziele  zu  gelangen,  scheint  nichts  so  geeignet  als  neue  be- 
stimmt charakterisirte  Erscheinungen,  die  der  obigen  ähn- 
lich sind,  diesen  hinzuzufügen  und  gemeinsam  zu  discutiren. 
An  der  äufsersten  Gränze  der  Verdünnung,  hört,  mit  dem 
Vorhandensejn  hinlänglicher  Menge  ponderabler  Materie^ 
der  Strom  auf;  bevor  noch  der  Strom  aufhört,  erlischt  das 
sichtbare  Licht  desselben.  Auf  der  andern  Seite,  bei  gri^ 
fserer  Dichtigkeit,  des  gasförmigen  Mediums,  findet  die  Ent- 
ladung, bei  gesteigerter  Intensität,  in  Blitzen  statt»  deren 
Träger  vorzugsweise  dieses  Medium  ist.    Auf  solche  Blitze, 


wie  sie  aurli   die  EIoktrisinna-rliiiH»  ^irbt,   wirkl  der  Mn^iH't 
nicht   in   ir^ond   walirnchmbjircr  All. 

217.  Der  zweite  der  oben  erwähnten  Fälle  ist  derje- 
Dige,  vro  der  Maguct  auf  das,  in  verdünnleu  Medien  von 
der  negativen  Elektrode  ausströmende,  eigeuthümliche  Licht 
einwirkt.  Dieses  Licht  zieht  sich  hierbei  zu  einer  Fläche 
zusammen,  dem  geometrischen  Orte  aller  derjenigen  mag- 
netischen Curven,  die  durch  die  verschiedenen  nicht  iso- 
lirten  Punkte  des  in  das  verdünnte  (las  hineinreichenden 
Theiles  der  Elektrode  gehen  und  andererseits  von  der  um- 
gebenden Glaswandung  begränzt  werden.  Auf  diese  Weise 
sind  diese  schönen  mannigfaltigen  *  Erscheinungen  vollstän- 
dig charakterisirt.  Die  bekannten  elektromagnetischen  Ge* 
setze  geben  aber  den  theoretischen  Satz,  dafs  ein,  in  einem 
seiner  Punkte  festgehaltener,  linearer,  elektrischer  Strom, 
dessen  Ausgangspunkt  nicht  näher  bestimmt  ist,  unter  der 
Einwirkung  des  Magnets,  nur  dann  im  Gleichgewichte  ist, 
wenn  er  die  Form  derjenigen  magnetischen  Curve  annimmt, 
welche  durch  den  festen  Punkt  geht  und  dadurch  vollkommen 
bestimmt  ist:  so  wie  ferner,  dafs  diese  Curve  auch  dann  die- 
selbe bleibt,  wenn  die  Stromrichtung  commutirt  wird.  Hieran 
knOpfen  sich  bestimmte  Andeutungen  über  die  physischen 
Bedingungen,  unter  welchen  das  Licht  am  negativen  Pole 
auftritt  Sind  wir  berechtigt  anzunehmen,  dafs  hier  der 
Träger  des  elektrischen  Stromes  ponderable  Materie  ist, 
die  uutcr  der  Einwirkung  des  Magnets  auf  den  Bahnen 
magnetischer  Curven  zur  umgebenden  Glaswandung  hinge- 
föbrt,  vielleicht,  bei  der  Intermittirung  des  Inductionsstro- 
meSp  hin-  und  hergeführt  wird,  bis  sie  an  dem  Glase 
sdiliefslich  sich  anlegt.  Diese  zusätzliche  Hypothese  scheint 
mir  wohl  begründet,  namentlich  darum,  weil,  in  Folge  der 
Ablagerung  der  von  der  negativen  Elektrode  herrührenden 
Materie,  die  innere  Glaswandung  sich,  ohne  die  besagte 
magnetische  Einwirkung,  gleichmäfsigy  unter  dieser  Einwir- 
kung aber  nur  da  schtoär^t,  wo  sie  eon  denjenigen  mag^ 
neiischen  Curven,  aus  welchen  die  LicAtfläcfte  besletd^  ^^ 
troffen  wird. 


252 

218.  Die  mannigfaltigen  Erscheinungen  des  driften  Fal- 
les betreffen  den  elektrischen  Strom  der  in  verdOnntem 
Medium  von  der  positiven  Elektrode  ausgeht  und,  bei  hin- 
länglicher Nähe  der  negativen  Elektrode,  unter  der  gleich- 
zeitigen Einwirkung  dieser  Elektrode  und  des  Magnetj\, 
seine  Bahn  beschreibt.  Indem  wir  die  Wirkung  der  Elek- 
trode als  eine  anziehende,  die  Wirkung  des  Magnets  aber 
als  eine  nach  den  bekannten  elektromagnetischen  Gesetzen 
auftretende  betrachten ,  können  wir,  was  der  Gegenstand 
einer  früheren  Mittheilung  gewesen  ist  '),  alle  diese  Er- 
scheinungen (die  hier  mit  den  Erscheinungen  des  zweiten 
Falles  gleichzeitig  auftreten)  unter  allen  Bedingungen  im 
Voraus  bestimmen.  Träger,  wenigstens  Hauptträger,  der 
Entladung  ist  hier  das  verdünnte  Gas. 

219.  Wir  wollen  in  dieser  neuen  Mittheilung  einen 
eierten  Fall  genauer  analysiren,  wo,  unter  Bedingungen, 
die  von  den  bisher  von  mir  besprochenen  ganz  verschie- 
den sind,  die  elektrische  Entladung  der  Einwirkung  des 
Magnets  gehorcht.  Während  nämlich  der  gewöhnliche 
Entladungsfunken,  der  in  Gasen  von  gewöhnlicher  Dich- 
tigkeit eine  gerade  oder  gebrochene  Linie  beschreibt  und 
dann  keine  Ablenkung  durch  den  Magnet  erleidet,  wird 
dieser  Funken,  unter  bestimmten  Bedingungen,  von  einer 
zweiten  Entladung  von  verschiedenartigem  Lichte  und  mehr 
nehelartigem  Aussehen  begleitet  und  von  derselben  gewis- 
sennafsen  umhüllt.  Diese  sccundäre  Entladung,  wie  wir 
sie  hier  zur  Unterscheidung  nennen  wollen,  tritt  vorzugs- 
weise stark  auf,  wenn  wir  uns  des  grofsen  Ruhmkorff- 
schen  Apparates  bedienen  und  die  directen  Inductionsfun- 
ken,  die  eine  Schlagweite  von  30  bis  36  Centim.  gestatten, 
auf  eine  Entfernung  von  blofs  1  bis  2  Centim.  überschla- 
gen lassen.  Hr.  Ruhm  kor  ff  bemerkte  bei  der  Prüfung 
seiner  Apparate,  dafs  das  Licht  dieser  secundären  Entla- 
dung jedem  Luftzuge,  so  wie  dem  Magnete  folgt.  Vicomte 
du  Moncel  hat  bereits  die   desfallsigen  Erscheinungen  zo- 

1)   Ann.  Bd.  CVII,  S.  88  bis  113. 


253 

sammengestellt  ').  Ich  werde,  iu  dem  Folgenden  versuchen 
dieselbe  näher  zu  charakterisiren  und  auf  ihre  Gesetze  zu- 
rückzuführen. 

220.  Die  schönsten  Erscheinungen  treten  in  dem  Falle 
Auf,  wenn  man  die  beiden  Drahtenden  der  grofsen  In- 
ductionsiollc  in  äquatorialer  Lage  zwischen  die  beiden  ge- 
näherten Halbanker  bringt.  Statt  dieser  Elektroden  wol- 
len wir,  mit  Hrn.  Ruhm  kor  ff,  die  messingenen  Spitzen 
eines  allgemeinen  Entladers  nehmen,  mit  dessen  beiden 
isolirten  Leitern  die  beiden  Elektroden  verbunden  sind. 
Wir  wollen  überdiefs  zunächst  den  Normalfall  ins  Auge 
fassen,  dafs  zwei  gleiche  Halbanker,  die  entweder  zwei 
breitere  Flächen  oder  zwei  abgerundete  Knöpfe  einander 
zukehren,  symmetrisch  auf  die  beiden  PolÜächeu  des  gro- 
fsen Elektromagnets  aufgelegt  sind  und  dafs,  in  der  Ae- 
quatorial- Ebene,  die  beiden  Spitzen  des  Entladers  mit  der 
Mitte  des  magnetischen  Feldes  in  gerader  Linie  lieg;en  und 
zu  beiden  Seiten  dieser  Mitte  von  derselben  gleichen  Ab- 
stand haben.  Vor  der  Erregung  des  Elektromagnets  springt 
ein  kleiner  Funken  in  gerader  Linie  über,  begleitet  von 
jener  verschieden  gefärbten  Lichthülle,  die  bei  stärkerem 
Blasen  die  Form  einer  Flamme  annimmt,  deren  Basis  der 
Abstand  der  beiden  Messingspitzeu  ist  und  deren  Spitze 
nach  derjenigen  Richtung,  nach  welcher  geblasen  wird, 
mehrere  Centime! er  weit  abliegt.  Wenn  der  Magnetismus 
erregt  wird,  so  bildet  sich  in  der  Aequatorial- Ebene  eine 
schöne  Lichtfläche,  ohne  bemerkbare  Dicke,  einerseits  durch 
den  ungestört  überschlagenden  blitzartigen  Funken,  ande- 
rerseits duich  einen  scharfen  Bogen  begränzt,  der  nahe  die 
Form  eines  Halbkreises  hat  und  auf  dem  Entlader  in  zwei 
Punkten  aufsteht,  die  von  den  Spitzen  desselben  etwa  zwei 
Centimeter  entfernt  sind.  Bei  regelmäfsiger  Unterbrechung 
des  Apparates  behält  die  Lichtfläche  eine  ganz  ruhige  Lage, 
man  bemerkt  aber,  .dafs  sie  nicht  homogen  ist:  sie  wird 
vielmehr  von  helleren  Lichtlinien  mehr  oder  weniger  stetig 

1 )  Hecherches    sur    In    non  -  homoginHii    de    VStinccUe    dUctriifue, 
Paru  lb60. 


254 

durchzogen,  die  nahe  parallel  der  Sufseren  BegrSnzangp- 
Curve  sind.  Eine  dieser  helleren  Linien  steht  gewöhnlich 
auf  den  beiden  Spitzen  des  Entladers  auf.  Indem  das  Licht 
zwischen  dieser  Linie  und  dem  blendenden,  kleinen  Blitze 
dem  Auge  dunkler  erscheint,  macht  die  Lichtfläche  leicht 
den  Eindruck  eines  breiten  Streifens,  der  durch  zwei  con- 
centrische  Halbkreise  bekränzt  wird. 

22  L  Die  Lichtfläche  besteht  offenbar  aus  lauter  leuch- 
tenden Linien,  die  die  Bahnen  einzelner  Entladungen  zwi- 
schen den  beiden  Elektroden  sind.  Bei  der  Anwendung 
unserer  Messingspitzen  ist  die  Farbe  der  halbkreisförmigen 
Fläche  violett;  sie  wird  durch  hellviolette  Bogen  durchzo- 
gen, oft  durch  goldgelbe.  Dieselben  Farben  finden  sich 
in  der  ursprünglichen,  die  directe  Entladung  umgebenden, 
Lichthülle. 

222.  Wenn  statt  der  vorausgesetzten  regelmäfsigen  Un- 
terbrechung des  Apparates  der  geschlossene  inducirende 
Strom  einfach  mit  der  Hand  unterbrochen  wird,  so  herrscht 
das  gelbe  Licht  vor,  die  Dimensionen  der  elektrischen  Licht 
fläche  nehmen  bedeutend  zu,  die  Begränzun^  derselben  ist 
aber,  bei  gleicher  Schärfe,  eine  weniger  stabile  und  regel- 
mäfsige. 

In  dem  vorliegenden  Falle,  so  wie  in  allen  nachfolgen- 
den, tritt  die  durch  den  Magneten  hervorgerufene  Licht- 
fläche von  einer  Seite  der  die  Spitzen  des  Entladers  ver- 
bindenden  geraden  Linie  auf  die  entgegengesetzte  Seite  hin-  ' 
über,  wenn  entweder  die  Stromrichtung  oder  die  magne- 
tische Polarität  commutirt  wird.  Sie  wird  bei  der  Commn* 
tation  beider  wieder  die  ursprüngliche.  Wenn  wir  so  vor 
dem  Elektromagnete  stehen,  dafs  wir  den  Nordpol  der- 
selben zur  rechten  Seite  haben  und  der  Strom  auf  uns  zu 
gerichtet  ist,  liegt  die  Lichtflächc  nach  Oben. 

223.  Die  Lichthülle  tritt,  namentlich  bei  einzelnen  Un- 
terbrechungen, auch  dann  noch  auf,  wenn  die  Schlagweite 
auf  10  und  mehr  Centimeter  vergröfsert  wird,  in  diesem 
Falle  aber  stärker  nach  der  positiven  Elektrode  hin  als 
nach  der  negativen.     Der  Magnet  zieht  dieselbe  zu  einem 


255 

bandf&nnigen  Streifen  auseinander,  der,  in  der  Aquatorial- 
Ebene,  an  den  directen  Endladungsfunken  auf  der  einen  oder 
andern  Seite  desselben  sich  anlehnt. 

22-i.  Wenn  die  beiden  Anne  des  allgemeinen  Entla- 
ders mit  Ausnahme  der  beiden  einander  gegenüberstehen- 
den äufsersten  Spitzen  vollkommen  isolirt  sind,  so  steht 
die  durch  den  Magnet  hervorgerufene  Lichlfläche  nur  in 
diesen  Spitzen  auf  denselben  auf.  Wenn  hierbei  die 
beiden  Halbanker  grofse  PolOächen  einander  zukehren,  so 
nehmen  die  Curven,  welche  die  LichtUäche  zwischen  ihnen 
begrSnzt  und  die  Curven,  welche  dieselbe  durchziehen,  so- 
weit die  Schätzung  des  Auges  reicht,  genau  die  Form  von 
Kreisbogen  au,  die  sämmtlich  auf  der  die  beiden  Spitzen 
des  Entladers  verbindenden  geraden  Linie,  als  geuieinschaft- 
lieber,  senkrecht  stehen.  Dasselbe  findet  statt,  wenn  die 
beiden  Halbanker  cono'idische  Spitzen  einander  zukehren 
und  demnach  die  magnetische  Vertheilung  in  der  Aequa- 
torial  -  Ebene  symmetrisch  ist  um  die  Mitte  des  magne- 
tischen Feldes  (dem  Punkte,  in  welchem  die  Verbindungs- 
linie der  beiden  conoKdischen  Spitzen  die  Aequatorial- Ebene 
trifft),  vorausgesetzt  tiberdiefs,  dafs  die  Endpunkte  der  Arme 
des  Entladers  gleich  weit  von  dieser  Mitte  abstehen. 

Der  hellere  Theil  der  Lichtflächc  bildet  hier  einen  Me- 
niscus, während  er,  in  dem  Falle  des  nicht  isolirten  Entla- 
ders, einen  bandförmigen  Streifen  bildet,  der  von  concen- 
trischen  Kreisbogen   begrenzt  wird. 

225.  Die  Aequatorial  -  Ebene  schneidet  alle  magneti- 
schen Curven  unter  rechten  Winkeln  und  ist  daher  eine 
Miveauflüche.  Die  Richtung,  nach  welcher  die  elektromag- 
netische Kraft  auf  ein  in  dieser  Ebene  liegendes  Strom-Ele- 
ment .wirkt,  liegt  in  derselben  Ebene  und  ist  auf  dem  Ele- 
mente senkrecht,  fst  die  Aequatorial-Ebene  ein  gleichförmig 
magnetisches  Feld  (was  in  der  Mitte  zwischen  grofscn  Pol- 
flSchen  annähernd  der  Fall  ist)  und  setzen  wir  voraus  der 
Stromträger  sej  ein  vollkommen  biegsamer  Faden  von  ge- 
gebener Länge,  dessen  Endpunkte  in  der  Aequatorial-Ebene 
fest  sind,  so  nimmt  dieser  Faden  unter  der  Einwirkung  des 


256 

Magneten  die  Form  eines  Kreisbogens  an,  der  durch  seine 
beiden  festen  Endpunkte  und  seine  Länge  vollkommeD  be- 
stimmt ist.  Der  Kreis  ist  nämlich,  wie  bekannt,  die  einzige 
Gleichgewichtslage  des  Fadens,  wenn  auf  alle,  gleich  grofse, 
Elemente  des  Fadens,  von  der  concaven  Seite  her,  gleiche 
nonnale  Kräfte  wirken. 

Denken  wir  uns  eine  Reihe  solcher,  unttsr  der  Einwir- 
kung des  durchgehenden  Stromes  glühend  werdender,  un- 
endlich feiner  Fäden  von  wachsender  Länge,  die  alle  iD 
den  Endpunkten  der  Arme  des  Entladers  befesligt  sind,  so 
erhalten  wir  dadurch  ein  treues  Bild  der  Erscheinung  der 
224.  Nummer. 

Denken  wir  uns  ferner  einen  solchen  kreisförmigen 
Stromfaden  auf  dessen  concave  Seite  eine  Kraft  wirkt,  die 
wir  nach  dem  Vorstehenden  als  eine  vom  Mittelpunkte  ^es* 
Kreises  ausgehende,  gleichniäfsig  abstofsende  ansehen  können, 
so  sucht  diese  Kraft  den  Faden  auszudehnen  und  zwar  wenn 
dessen  Verlängerung  sich  kein  Hindernifs  entgegenstellte,  xu 
einem  concentrischen  Bogen  von  gröfsern  Dimensionen.  In 
dem  Falle,  dafs  die  Arme  des  Entladers  nicht  isolirt  sind 
und  demnach  die  Endpunkte  des  Stromfadens  frei  auf  dem* 
selben  fortrticken  können,  vvürde,  unter  der  Einwirkung 
des  Magnets,  wenn  überhaupt  die  Fäden  an  Länge  zu- 
nehmen könnten,  die  innem  concentrischen  Bogen  der  Er- 
scheinung der  angeführten  Nummer  in  die  äufsem  über- 
gehen. In  dem  Falle  aber,  dafs  die  Arme  des^  Entladers 
bis  auf  die  äufsersten  Punkte  isolirt  sind,  müssen,  auch 
nach  der  Verlängerung,  die  kreisförmigen  Stromfäden  fort- 
während durch  diese  beiden  festen  Punkte  gehen. 

226.  Die  vorstehenden  theoretischen  Betrachtungen  wa- 
ren für  mich  eine  Veranlassung  die  einschlagenden  Versuche 
des  Hrn.  Lcroux  zu  wiederholen.  Der  Effect  dieser  schö- 
nen Versuche  ist  ein  überraschender. 

Verbindet  man  nämlich  die  Enden  zweier  Leitungsdrähte, 
die  von  den  beiden  Polen  einer  Batterie  von  etwa  4  Gro- 
V ersehen  Elementen  ausgehen,  durch  einen  dünnen,  mehrere 
Centimeter  langen  Platiudraht,   der  unter  der  Einwirkung 


257 

Stromes  glühend  wird,  und  bringt  dann,  bevor  der  Strom 
eschlossen  ist,  die  Endpunkte  der  dicken  Leitungsdrähte 
wischen  die  genäherten  grofsen  Polflächen  an  die  Stelle 
ler  Endpunkte  der  Arme  des  Entladers,  so  spannt  sich,  nach 
»chliefsung  der  Kette,  der  dünne,  lose  herabhängende  Draht, 
idem  er  glühend  und  dadurch  geschmeidig  wird;  er  stellt 
ich  dabei  in  die  Aequatorial- Ebene  und  nimmt  in  dieser 
Ibene  unverkennbar  die  Form  eines  Kreisbogens  an,  der 
af  der  Verbindungslinie  der  Endpunkte  der  beiden  dicken 
«eitungsdrähte,  als  Sehne,  sieht.  Bei  einer  Commutation 
er  Stromrichtung  wie  der  magnetischen  Polarität  wirft  sich 
er  glühende  Draht  auf  die  andere  Seite  seiner  Sehne  her- 
ber. Wenn  man  die  beiden  Drahtenden  einander  nähert, 
0  fafst,  bei  der  unveränderten  Länge  des  Platindrahts  der 
urch  den  glühenden  Kreisbogen  bestimmte  Abschnitt  einen 
nmer  kleiner  werdenden  Winkel. 

227.  Die  elektromagnetische  Kraft,  welche  auf  die  con- 
ave  Seite  der  Stromfäden  wirkt  (225),  spricht  sich  deut- 
cher  noch  in  dem  folgenden  Versuche  aus. 

Wenn  mau  zwischen  gröfsere  Polflächen  in  der  Aequato- 
iaI-Ebene,  statt  der  beiden  Spitzen,  zwei  feine  Kupferstrei- 
$Dy  die  mit  der  Inductionsrolle  des  grofsen  Ruhmkorf fa- 
chen Apparates  verbunden  sind,  in  paralleler  Lage  und 
iner  Entfernung  von  10 — 12"*"  einander  gegenüberbringt, 
0  können  der  Punkte  von  welchem  die  Entladung  durch 
ie  Luft  ausgeht,  und  der  Punkt,  zu  welchem  dieselbe  über- 
eht,  beliebig  auf  den  beiden  parallelen  Kupferstreifen  fort- 
(Scken.  Wir  können  bei  übrigens  gleicher  Ajustirung  wie 
über  (220),  durch  einfache  Mittel  bewerkstelligen,  dafs  der 
litzartige  Entladungsfunken  mit  seiner  Lichthülle  an  belie- 
igen  Stellen  der  beiden  Kupferstreifen  überspringt,  wenn 
rir  diese  vertical  voraussetzen,  an  den  beiden  obern  Enden, 
n  den  untern  oder  in  der  Mitte.  Durch  Erregung  des 
.lektromagnets  wird  auch  hier  der  blitzartige  Entladungs- 
ink eu  selbst  von  seinem  ursprünglichen  Wege  nicht  ab- 
elcnkt,  die  Lichthülle  desselben  aber  wird,  nach  Oben  oder 
ach  Unten,  4  —  5  Centimeter  in  der  Weise  ausgebreitet, 

Po«geoc]orrr&  Annal.  Bd.  CXllI.  17 


258 

dafs  sie  zwischen  den  beiden  parallelen  Kupferstreifen  eine 
Lichtfläche  bildet,  die  einerseits  durch  den  Entladungsfon- 
ken,  andrerseits  durch  einen  scharfen,  kreisförmigen  Bogen, 
der  diesem  Funken  seine  concave  Seite  zukehrt,  begränit 
wird.  Soweit  an  den,  als  Anode  auftretenden  Kupferstrei- 
fen die  Lichtfläche  sich  anlehnt,  treten  auf  derselben  iD 
kleinen  Entfernungen  von  einander  kleine  strahlende  Licht- 
punkte auf,  die  den  hellen  Lichtlinien,  die  die  Fläche  durch- 
ziehen, entsprechen.  Nach  einer  Commutation  der  Strosh 
richtung  oder  der  magnetischen  Polarität  wirft  sich  die  Licht- 
fläche auf  die  entgegengesetzte  Seite  des  blitzartigen  Enl- 
ladungsfunkens  herüber.  Nach  der  gleichzeitigen  Commuta- 
tion beider  tritt  die  ursprüngliche  Erscheinung  wieder  auf; 
nur  sind  dann  die  strahlenden  Lichtpunkte  von  einem  Strei- 
fen zum  andern  hinübergetreten. 

228.  Wenn  die  beiden  Halbanker  nicht  symmetriscli 
sind,  wenn  namentlich  einer  grofsen  Polfläche  des  einen 
eine  conoüdische  Spitze  des  andern  gegenübersteht,  so  nimmt 
die  fragliche  Lichtfläche  zwischen  den  Polen  nur  in  .dfit 
Nähe  der  groFsen  PolHächc  die  frühere  Form  einer  ebenen 
Scheibe  an  (220,  224).  Wenn  die  Enden  der  Arme  dei 
Entladers  in  symmetrischer  Lage  in  die  Nähe  der  conoTdi 
sehen  Spitze  gebracht  werden,  so  krümmt  sich  die  Licbt- 
fläche,  die  fortwährend  auf  dem  blitzartigen  Entladungsfon- 
ken  aufsteht,  in  solcher  Weise,  dafs  sie  der  Spitze  ihre 
concave  Seite  zukehrt.  Sie  hat  annäherungsweise  die  Form 
einer  Niveaufläche,  die  von  den,  von  der  Spitze  divergirend 
ausgehenden ,  magnetischen  Curven  senkrecht  geschnitten 
wird. 

229.  Die  durch  die  bisherigen  V^ersuche  gerechtfertigte 
Anschauung,  dafs  die  fraglichen  magnetischen  Lichtflftchen 
von  einzelnen  Lichtlinien  gebildet  werden,  die  mit  ihren 
Endpunkten  auf  den  Armen  des  Entladers  aufstehen  und 
diejenige  Form  haben,  welche  ein  von  Elektricität  durcb- 
strömter  biegsamer  Faden  unter  der  Einwirkung  des  Mag- 
nets annimmt,  behält  in  allen  möglichen  Fällen  ihre  Gel- 
tung,   welche  Lage   der  Entlader  gegen   den  Magnet   aocb 


haben   ina^r.      Wir  wollen,  der  Kürze  we^on,   voraussetzen, 
(ials   fortan  zwei   ^leiclie    scinveie,   paiallelepipädist  he   Flalb 
anker,    die  grofse  quadraliüche  Flächen  einander  zukehren, 
symmetrisch   auf  den  beiden  Armen  des  grofseu,  senkrecht 
stehenden  Elektromaguets  aufliegen. 

Wenn  fvir  als  Ausgangspunkt  denjenigen  Fall  nehmen, 
dafs  die  beiden  Arme  des  Entladers  in  der  Aequatorial- 
Ebene  liegen  und  die  Mitte  zwischen  denselben  mit  der 
Mitte  zwischen  den  beiden  Halbankern  zusammenfällt  und 
dann  die  Arme  des  Entladers  in  der  Aequatorial-Ebene  um 
diese  Mitte  drehen,  so  dreht  sich  die  abgestofsene  Lichtfläche 
in  dieser  Ebene  gleichmäfsig  mit  —  was  schon  a  priori  sich 
ergiebt.  Ist  die  Lage  der  Arme  die  horizontale  und  heben  wir 
dann  dieselben  senkrecht  nach  Oben,  bis  sie  zwischen  den 
Pulflächen  heraustreten,  so  werden  die  magnetischen  Lichtfltt- 
chen  fortwährend  in  der  Aequatorial -Ebene,  je  nach  der 
Stromrichtung  und  der  magnetischen  Polarität,  nach  Oben  ab- 
gestofsen  oder  zwischen  die  Anker  hineingezogen.  In  dem 
letztem  Falle  ist  der  scharfe  Ton,  der  die  Erscheinung  immer 
begleitet,  viel  stärker  als  in  dem  erstem.  Höher  noch  in  der 
Aequatorial-Ebene  gehoben,  zeigt  sich  darin,  dafs  die  Dimen- 
sionen der  Uchtfläche  abnehmen,  die  Abnahme  der  mag- 
netischen Wirkung,  die  erst  in  sehr  grofser  Entfernung  un- 
merklich wird. 

Gehen  wir  wieder  von  der  ursprünglichen  horizontalen 
Lage  der  Arme  des  Entladers  aus,  führen  diese  aber,  nach- 
dem sie,  senkrecht  gehoben,  zwischen  den  Polflächen  her- 
ausgetreten sind,  nach  horizontaler  Richtung  in  der  Nähe 
der  obern  Fläche  eines  der  beiden  Halbanker  über  den- 
selben hinweg  und  in  der  Nähe  der  von  der  Aequatorial- 
Ebene  angewendeten  Fläche  derselben  wieder  herab ,  so 
bleibt  die  Lichtfläche  nahezu  eine  ebene  Fläche  und  be- 
hält, im  Allgemeinen,  ihre  Form.  Aber,  während  sie  ur- 
sprünglich vertical  nach  Oben  oder  Unfen  gerichtet  war, 
dreht  sie  sich  continuirlich,  wird  nahe  oberhalb  der  Mitte 
des  Halbankers  horizontal  und  zuletzt  wieder,  immer  in  dem- 
selben Sinne  sich  drehend,  auf  der  abgewendeten  Fläche 

VI* 


260 

des  Ankers  vertical;  aber  nun  umgekehrt  nach  Unten  oder 
Oben  gerichtet. 

230.  Lassen  wir  den  grofsen  Ruhmkorff 'sehen  Ap- 
parat, statt  zwischen  den  beiden  Spitzen  des  Entladersy  sicfc 
zwischen  den  schmalen  Kupferstreifen  der  227.  Mummer  ent- 
laden, indem  wir  diese  oberhalb  der  Mitte  der  beiden  Halb- 
anker in  axialer  Richtung  anbringen,  so  Übt  der  Magnet 
keinen  directen  Einflufs  darauf  aus,  an  welcher  Stelle  der 
Streifen,  in  äquatorialer  Richtung,  der  blitzähnliche  Fankeo 
überspringt.  Durch  zwei  auf  den  beiden  Streifen  einander 
gegenüberliegende  kleine  Erhabenheiten  können  wir  diese 
Stelle  fixiren.  An  diesen  Funken  lehnt  sich  immer  die 
Lichtscheibe  an.  Wenn  wir  die  beiden  Streifen  ihrer  LSnge 
nach  continuirlich  vorschieben,  so  geht,  während  die  huRr 
Scheibe  sich  fortwährend  dreht,  jener  Funken  mit.  Nor 
in  der  Aequatorial  Ebene  ist  die  Lichtscheibe  vertical,  senk- 
recht gegen  die  Streifen,  nach  Oben  oder  Unten,  gerichtet 
Rückt  der  Funken,  von  dieser  Lage  aus,  oberhalb  eines 
Halbankers  fort,  so  geht  die  Lichtscheibe  durch  die  hori- 
zontale Lage,  wo  sie  seitlich  durch  die  beiden  Streifen  be- 
gränzt  wird,  hindurch,  um  diese  Streifen,  nach  Unten  oder 
Oben,  wieder  zu  verlassen.  Rückt  der  Funken,  von  der 
Aequatorial -Ebene  aus,  oberhalb  der  Oberfläche  des  an- 
dern Ankers  fort,  so  ist  die  Erscheinung  ganz  dieselbe,  nur 
dreht  sich  alsdann  die  Lichtscheibe  in  entgegengesetztem 
Sinne. 

231.  Wenn  die  beiden  Kupferstreifen  genau  parallel 
und  ohne  alle  Erhabenheiten  sind,  so  ist  die  Stelle  des  Ue- 
berschlageus  keine  stabile,  nur  scheint  der  Funken  eine  Prä- 
dispositiou  zu  haben,  da  wo  er  einmal  übergeschlagen  ist, 
auch  ferner  überzuschlagen.  Ein  Blasen  mit  dem  Munde 
reicht  hin,  um  die  Stelle  des  Ueberschlagens  zu  verrück eHj 
wobei  dann,  nach  jeder  Verrück ung,  die  magnetische  Licht- 
scheibe, durch  die  Kraft  des  Magnets,  anders  gerichtet  ist'). 

1)  Dm  FortruckcD  de«  Blilces  Ewuchen  den  beiden  parallelen  Elektroden 
ist  offenbar  keine  directe  Wirkung  des  Blascns.  Fortgeblasen  wird  nur 
die   pooderablc   Materie   der   erleuchteten   Lichtflacbe  und  diese  hnniwipt 


261 

232.  Es  bleiben  uns  jetzt  nur  noch  diejenigen  Fälle 
»1  discutiren  Übrig,  wo  der  Inductionsfunken  nicht  mehr, 
wie  bisher,  in  aequatorialer,  sondern  nach  irgend  einer  an- 
dern Richtung  überschlägt.  Ich  kann  mich  aber  hierbei  um 
so  kürzer  fassen  als  ich  überall  auf  die  sehr  schönen  Ver- 
suche des  Hrn.  Leroux  Bezug  nehmen  kann.  Es  sind 
nftmlich,  in  allen  Fällen,  die  Gurren,  welche  die  fraglosen 
magnetischen  Flächen  begränzen  und  durchziehen,  um  mich 
kurz  auszudrücken  »Leronx'sche  Curven«,  das  heifst  Cur- 
▼en  von  derjenigen  Form,  die  ein  dünner  Platindraht  von 
entsprechender  Länge  annimmt,  dessen  Enden  die  beiden 
Arme  des  Entladers  in  den  entsprechenden  Punkten  berüh- 
ren,  und  der  durch  den  hindurchgehenden  Strom  glühend 
wird,  wenn  man  den  Entlader  mit  den  Polen  einer  galvani- 
schen Batterie  verbindet. 

Bringt  man  die  Spitzen  des  Entladers  oberhalb  der  bei- 
den Halbanker  des  Elektromagnets  in  axiale  Richtung  gleich 
weit  von  der  Aequatorial- Ebene,  so  schlägt  der  blitzähn- 
liche Funken  des  grofsen  Inductionsapparats,  wie  immer, 
in  gerader  Linie  über;  die  magnetische  Lichtfläche  wird 
alsdann  durch  eine  iS- förmige  Curve,  die  in  der  horizonta- 
len Ebene  liegt  und  die  gerade  Linie  in  ihrer  Mitte  schnei- 
detr  begränzt.  Die  Curven,  welche  die  Fläche  durchziehen, 
sind  continuirliche  Uebergänge  zwischen  dieser  Begränzungs- 
corve  und  der  geraden  Linie.  Bei  einer  Commutation  der 
Stromrichtung  oder  der  magnetischen  Polarität  tritt  jede  der 
beiden  Hälften  der  Lichtfläche,  die  zu  beiden  Seiten  des 
Blitzes  liegen,  auf  die  entgegengesetzte  Seite  hinüber. 

den  Weg   des  Blitu«.      Dorch   den    folgcodeo  Veriuch   wsrd    diese   An- 
fchaaaog   bestätigt 

Ich  entlud  den  grolsen  Indactions-Apparat  dicht  fiber  einer  PolOiche 
des  erregten  Elektromagnets,  so  dafs  ich  eine  horiaontale,  regelmSisig  be- 
grinsie  Lichtfliche  erhielt,  die  durch  die  Anwendung  eines  kleinen  Cen- 
trifogal  -  Gebisses  noch  erweitert  und  roannigCaltig  verserrt  wurde.  Von 
Zeit  XU  Zeit  traten  hierbei  ira  Innern  der  Scheibe  Blitxe  aul^  die  oft  den 
gansen  Entladungsblitx  ausmachten,  oft  als  abgesweigte  Blitxe  erschienen. 
In  einem  FaIIc  folgte  ein  iSogerer  Blitx  genau  der  gesackten  äufsern  Be- 
gränxung  der  LichtflSche.  Durch  blofses  Blasen,  ohne  magnetische  Mit- 
wirkung, wurde  spater  Aehnlichef  erreicht     (Stehe  erste  Note  245.) 


262 

Wir  haben  ToretebeDd  vorausgesettl,  dab  die  Aiine  des 
Entladers  mit  Aiutnabme  der  fiufsersten  Spitzen  ilolirl  seyeo, 
i$t  dieses  nicbt  der  Fall,  so  geben,  wie  bisber  alle  Curveo 
dnrcb  die  Mitte  des  Funkens,  die  Punkte  der  beiden  Arme 
des  Entladers  aber,  in  welcben  sie  aufstehen,  erstrecken  sich 
von  den  Spitzen  derselben,  bis  zu  einem  gewissen  Ab- 
stände von  denselben. 

Wenn  die  Arme  des  Entladers  in  der  axialen  Elbene 
des  Elektromagnets  verschoben  werden  bis  die  Spitze  des 
einen  in  die  Aequatorial- Ebene  fällt,  während  die  Spitze 
des  andern  oberhalb  eines  Halbankers  liegt,  so  rückt  die 
ganze  Liclitflftche  auf  dieselbe  Seite  des  Funkens  und  nimmt 
hier,  vergröfsert,  nahezu  die  Fonn  der  früheren  halben 
Flfiche  an. 

Wenn  der  Entlader  in  eine  solche  Lage  gebracht  wird, 
dafs  der  Funken  in  der  Nähe  einer  Kante  der  parallel- 
epipädischen  Anker  von  axialer  Richtung  so  überschlägt,  daCs 
seine  Mitte  in  die  Aequatorial- Ebene  fällt,  so  besteht  die 
Begränzungs-Curve  der  Lichtfläche  aus  zwei  symmetrischen 
Hälften,  welche  nicht  mehr  eben  sondern  gewunden  sind. 


233.  Die  in  dem  Vorstehenden  erörterte,  von  den  HH. 
Ruhmkorff  und  du  Moncel  zuerst  beobachtete  Wirkung 
des  Magnets  auf  die  Entladung  des  luductionsapparates, 
ist  absolut  verschieden  von  derjenigen,  die  ich  meinerseits 
zuerst  beobachtet  und  auf  ihre  Gesetze  zurückgeführt  habe 
(219,  22(0*  Es  würde  hierin  ein  unlösbarer  Widerspruch 
liegen,  wenn  nicht  die  Umstände,  unter  welchen  die  beiden 
Klassen  von  Erscheinungen  auftreten,  in  allem  Uebrigen 
zwar  vollkommen  identisch,  in  einem  Punkte  aber,  der  Dich- 
tigkeit des  umgebenden  Mittels,  verscbiedcn  wären.  Hier- 
nach schon  können  wir  das  merkwürdige  Resultat  aus- 
sprechen, dafs  die  magnetische  Wirhmg  auf  die'  elekirische 
Entladungj  ihrer  Art  nach,  eine  ganz  andere  ist  bei  möglich- 
ster Verdünnung  und  bei  gröfserer  Dichtigkeit  des  umgeben- 
den Mediums,  und  diefs  kommt  darauf  hinaus,  dafs  die  Ent- 
ladung selbst  in  den  beiden  Fällen  von  anderer  Art  ist. 


263 

234.  Die  Beobacbtuug  des  ailiDählicheu  Ueberganges 
der  einen  Art  von  magnetischer  Wirkung  zur  andern  gibt 
neue  Aufschlüsse  über  theoretische  Fragen  und  wir  begeg- 
nen hierbei  den  überraschendsten  Erscheinungen.  Unsere 
desfallsige  experimentale  Aufgabe  ist,  indem  allmählig  Gas 
zugeführt  wird,  die  Erscheinung  zu  verfolgen  von  der  einen 
Gränze  an,  wo  die  schönen  aus  magnetischen  Curven  ge* 
bildeten  Flächen  am  negativen  Pole  auftreten,  zu  denen  das 
mehr  diffuse  Licht  von  der  positiven  Electrode  überfluthet, 
ohne  sich  jedoch  damit  zu  verschmelzen,  bis  dahin  wo,  an 
der  andern  Gränze,  ein  Blitz  überschlägt,  der  für  sich  selbst 
der  Kraft  des  Magnets  nicht  gehorcht,  aber  von  einer  Licht- 
bfllle  begleitet  ist,  die  der  Magnet,  unter  starkem  schmet- 
terndem Geräusche,  zu  einer  gleichschönen  Lichtfläche  aus- 
breitet, die  von  Curven  ganz  anderer  Art  (die  z.  B.  wenn 
die  Elektroden  in  der  AequatoriaU Ebene  liegen,  die  mag- 
netischen Curven  unter  rechten  Winkeln  schneiden)  ge- 
bildet und  scharf  begränzt  wird.  In  theoretischer  Hin- 
sicht knüpft  sich  daran  vor  Allem  die  Frage,  was  in.  den 
beiden  extremen  Fällen  und  den  Uebergangsfällen  Träger 
der  elektrischen  Entladung  sej,  ob  von  den  Elektroden  her- 
rührendes Metall,  ob  das  Gas  der  Umgebung,  ob  gleich- 
seitig Beides.  Da  Verschiedenheit  des  Metalles,  aus  wel- 
diem  die  Elektroden  bestehen  und  namentlich  Verschieden- 
heit des  umgebenden  Gases  ganz  wesentlich  andere  Erschei- 
DUDgen  hervorbringt,  so  werden  wir  zunächst  darauf  hin- 
gewiesen verschiedene  Metalle  mit  verschiedenen  Gasen  zu 
combiniren.  Spectral- Beobachtungen  geben  hierbei  die  si- 
chersten Resultate.  Complicirt  werden  die  Beobachtungen 
besonders  aber  auch  noch  dadurch,  daCs  die  Art  des  Induc- 
tionsfunkens  (des  elektrischen  Funkens  überhaupt)  auf  die 
Erscheinung  von  gröfstem  Einflüsse  ist. 

235.  Zum  Behuf  der  hierdurch  angezeigten  Unt^su- 
chungen  licfs  ich  in  der  Werkstatt  des  Hrn.  Gcifsler  hier- 
selbst  einen  Apparat  anfertigen,  der  allen  Anforderungen 
Yollkommen  entsprach. 

Ein  ellipsoldisches  Glasgefäfs,  dessen  gröbter  Quei  durchr 


264 

messer  48"*  betrug,  hatte  an  den  beiden  Enden  seiner  gro- 
fsen  Axe  soviel  von  der  Röhre,  in  deren  Mitte  es  ausge- 
blasen worden  war,  behalten,  als  zur  Aufnahme  von  ein- 
geriebenen Glasstöpseln  erforderlich  war.  In  diese  Glas- 
stöpsel waren  Platindrähte  eingeschmolzen,  die  in  das  Ellip- 
so!d  hineinragten  und  in  demselben  von  einer  Glasröhre 
umgeben  waren.  Stftbe  von  verschiedenen  Metallen  ^  24** 
lang  und  2  bis  3**  dick,  an  einem  Ende  conoYdisch  abge- 
rundet und  an  dem  andern  Ende  mit  einer  nach  der  Axe 
15111m  fjef  eingebohrten  feinen  Oeffnung  versehen,  liefsen 
sich  in  die  Glasröhre  stecken,  in  der  sie  genau  passen  und 
dabei  zugleich  auf  den  feinen  Platindraht  verschieden  tief 
aufschieben,  so  dafs  die  conoldischen  Enden  der  beiden 
Metallstäbe,  in  der  Mitte  des  Ellipsoids,  nach  der  Axe  des- 
selben einander  gegenüber  in  eine  feste  Entfernung  bis  m 
etwa  13**  gebracht  werden  konnten.  Zwischen  diesen  En* 
den  fand  die  Entladung  des  Inductionsapparates  statt, 
wenn  dieser  mit  den  aus  den  beiden  Stöpseln  hervorra> 
genden  Enden  des  eingeschmolzenen  Platindrahtes  verbun- 
den wurde.  Seitwärts  an  einem  der  beiden  gebliebenen 
kleinen  Röhrenslücke,  in  welchen  die  Stöpsel  eingeschliffen 
sind,  ist  eine  Röhre  angeschmolzen  und  durch  eine  Biegung 
in  die  Axe  des  Ellipsoids  zurückgeführt,  wo  sie  mit  einem 
Glashähnchen  (I)  versehen  ist,  sowie  in  einer  Entfernung 
von  einigen  Centimeteru  mit  einem  zweiten  (II).  Jenseits 
dieses  zweiten  Hähnchens  ist  eine  gröfsere  Kugel  ange- 
schmolzen, auf  deren  entgegengesetzter  Seite  eine  der  frohem 
gleiche  Röhre,  wiederum  mit  einem  Hähnchen  (111)  versehen, 
mündet. 

Der  ganze  Apparat  wird,  nachdem  die  beiden  Stöpsel 
eingesteckt  und  die  drei  Hähnchen  geöffnet  worden  sind, 
mit  trockenem  Gase  gefüllt,  dann  möglichst  stark  evacuirt 
und  diese  Operationen  nach  Umständen  wiederholt,  um  in 
dem  ellipsoKdischen  Bebälter  ein  möglichst  vollkommenes 
Vacuum  des  reinen  Gases  herzustellen.  Uann  wird,  nach 
Schliefsung  der  Hähnchen  (1)  und  (II),  dasselbe  Gas  in 
den   gröfsern  Behälter  gebracht   und   dabei   zugleich   seine 


265 

Dichtigkeit  gemessen ,  dann  endlich  auch  das  dritte  Hähn- 
chen (111)  geschlossen.  Hierauf  wird  der  Apparat  mit  dem 
ellipsoTdischen  Behälter  auf  die  genäherten  Halbanker  des 
grofsen  Elektromagnets  gebracht  und  während  der  Induc- 
tionsstrom  durchgeleitet  wird,  zuerst  das  Hähnchen  (U)  ge- 
öffnet und  wieder  geschlossen,  dann  (I)  geöffnet  und  wie- 
der geschlossen.  Diese  zwiefache  Operation  wird  beliebig 
oft  wiederholt  und  dadurch  beliebig  oft  eine  kleine  Quan- 
tität von  neuem  Gase  in  den  ellipsoldischen  Behälter  ein- 
gelassen. Nach  vorhergegangener  Calibrirung  der  verschie- 
denen Räume  des  Apparats  läfst  sich  diese  Quantität  und 
daraus  die  Dichtigkeit  des  Gases  in  dem  ellipsoldischen  Be- 
hälter berechnen. 

Bei  dem  fraglichen  Uebergange  zwischen  den  verschie- 
denen magnetischen  Erscheinungen  handelt  es  sich  um  sehr 
kleine  Gasmengen.  Wir  können  nach  dem  vorstehenden 
Verfahren  verschwindend  kleine  Gasmengeu  zutreten  lassen, 
wenn  wir  dem  Gase  in  dem  gröfseren  Behälter  eine  geringe 
Dichtigkeit  geben. 

Auch  können  wir  in  dem  ellipsoldischen  Bebälter  zu 
einem  gegebenen  Gase  ein  anderes  treten  lassen.  Wenn 
mit  Luft  und  in  Luft  operirt  werden  soll,  so  können  wir, 
bei  den  gewöhnlichen  Versuchen,  den  Apparat  zwischen 
den  beiden  ersten  Hähnchen  durchschneiden  und  nur  den 
Theil  mit  dem  ellipsoldischen  Behälter  beibehalten.  Nach- 
dem derselbe  möglichst  evacuirt  worden,  können  wir  mit 
dem  Finger  die  Oeffnung  der  Röhre  verschliefsen,  dann  das 
Hähnchen  öffnen  und  wieder  schliefsen,  bevor  wir  den  Fin- 
ger fortnehmen.  Auf  diese  Weise  können  wir  ein  leicht 
zu  bestimmendes  Minimum  von  Gas  einführen.  Demselben 
entsprach  in  dem  ellipsoldischen  Behälter  bei  unserer  ersten 
Versuchsreihe,  nach  ungefährer  Bestimmung,  eine  Spann- 
kraft von  4  bis  5"". 

236.  Es  genüge  hier  diese  eine  Versuchsreihe  näher 
zu  beschreiben.  Die  Elektroden  waren  von  käuflichem 
Aluminium,  der  Abstand  ihrer  Spitzen  betrug  10  bis  12*"« 
Sie  ragten  aus  dem  sie  umgebenden  Glase  4  bis  5"*  hervor. 


266 

Ich  bediente  mich  savörderst  dos  kleinen  Rahmkorff- 
schen  Apparates,  der  durch  drei  Grove'sche  Elemente  in 
Th&tigkeit  gesetzt  wurde.     Die  Röhre  lag  ftquatorial  auf. 

Bei  möglichster  Verdünnung  war  das  Licht,  vor  der 
magnetischen  Erregung,  fast  farblos  und  hatte  nur  am  ne- 
gativen Pole  einen  schwachen  Stich  ins  Violette.  Die 
stirkste  Ausstrahlung  ging  von  der  negativen  Elektrode  ans; 
die  hellsten  Strahlen  bildeten  eine  durch  die  Spitze  der- 
selben gehende  senkrechte  Scheibe,  die  bis  zur  Glaswao- 
dung sich  erstreckte,  doch  auch  nach  der  Seite  der  positi- 
ven Elektrode  hin  fand  die  Strahlung  statt,  ohne  dafs  eine 
Vermengung  des  Lichtes  der  beiden  Elektroden  einträte, 
während  auf  der  andern  Seite  der  Scheibe  die  Strahlen  in 
geringer  Entfernung  erloschen.  Um  die  positive  Elektrode 
bildete  sich  zunächst  an  der  Stelle,  wo  sie  aus  der  sie  um- 
gebenden Glasröhre  heraustrat,  ein  intensiv  wcifser  Ring 
und  in  ähnlichem  Lichte  leuchtete  die  Spitze  derselben.  Im 
Uebrigen  war  diese  Elektrode  von  einer  schwachen  Licht- 
hülle rings  umgeben,  deren  unbestimmte  convexe  Begren- 
zung von  der  nicht  weniger  unbestimmten  Begränzung  der 
negativen  Lichtstrahlung  durch  einen  dunkeln  Raum  ge- 
schieden war.  Einzelne  Lichtpunkte  traten  auf  der  Elektrode 
in  der  Lichthülle  hervor. 

!Nach  Erregung  des  Magnets  bildete  sich  die  bekannte 
schöne,  gewölbeförmige,  auf  der  Glaswandung  aufstehende, 
nach  magnetischen  Curven  gekrümmte,  schwach  blau-  violett 
gefärbte  Lichtfläche,  deren  Breite,  dem  aus  der  Glasröhre 
hervorragenden  Theile  der  negativen  Elektrode  entspre- 
chend, 4  bis  5""  betrug.  Diese  Fläche  ist  unabhängig  von 
Stromrichtung  und  magnetischer  Polarität.  Abhängig  hier- 
von zieht  sich  das  >veifse  Licht  der  positiven  Elektrode 
entweder  nach  der  obern  oder  untern  Seite  derselben  und 
fluthet  von  hier  nach  dem  hellsten  Theile  der  negativen 
Lichtfläche  über,  jedoch  wiederum  ohne  sich  mit  derselben 
zu  vermengen. 

Die  erste  Zuströmung  von  Luft  erfolgte,  während  der 
Strom  hindurchging  und  der  Magnet  erregt  war.     Plötzlich 


267 

trat  an  die  Stelle  der  frühern  ErscheinuDg  ein  interniv 
roth  gefärbter  Bogen  von  der  positiven  Elektrode  ausge- 
hend, nach  oben  oder  unten  gezogen  zur  negativen  Elek- 
trode hingewendet,  die  ihrerseits  nun  mit  einer  intensiv 
violett  gefärbten  Lichthülle  rings  umgeben  war,  von  wel- 
cher nach  beiden  Seiten  die  magnetische  Lichtfläcbe  aus- 
ging, sich  aber  nur  auf  einige  Entfernung  erstreckte,  ohne, 
wie  früher,  die  Glaswanduug  zu  erreichen.  Das  Ende  des 
rothen  Bogens  bildeten  zwei  abgesonderte  meniskenförmige 
Wolken  von  gleichem  Lichte,  die  ihre  convexe  Seite  der 
negativen  Elektrode  zuwendeten. 

237.  Nach  einer  zweiten  Luftzuströmung  reducirte  sich 
die  magnetische  Lichtfläche  auf  zwei  blofse  Ansätze  zu  bei- 
den Seiten  der  um  die  negative  Elektrode  enger  zusammen- 
gezogenen, violetten  Lichthülle.  Sie  verschwand  nach  einer 
dritten  Luftströmung  gänzlich.  Der  rothe  Bogen  nahm  an 
Ausdehnung  zu,  indem  die  Lichtschichtung  immer  regelmä- 
fsiger,  die  Anzahl  der  Schichten  gröfser  wurde.  Er  näherte 
sich  dabei  immer  mehr  einer  ebenen  Fläche.  Nach  neun 
Luftzuströmungen  erschien  diese  Fläche  weniger  intensiv 
roth  und  die  Schichtung  war  unbestimmter  geworden.  Sie 
hatte  an  Ausdehnung  gewonnen  und  verbreitete  sich,  indem 
sie  nach  Oben  (oder  Unten)  über  einen  Theil  der  nega- 
tiven Elektrode,  die  eine  intensiv  blau- violette  enge  Licht- 
hülle behalten  hatte,  sich  hinzog,  nach  dieser  Elektrode 
und  nach  Oben  (oder  Unten)  scharf  begränzl  und  mit  einem 
schön  gelben  Rande  eingefafst.  Das  Licht  der  beiden  Elek- 
troden war  immer  durch  einen  dunklen  Raum  scharf  ge- 
schieden. Ohne  magnetische  Erregung  war  die  violette 
Lichthülle  nahe  dieselbe,  das  schön  rothe  Licht  aber  bil- 
dete ein  scharf  begränztes,  fast  regelmäfsigcs ,  verlängertes 
Rotations- Ellipsold,  das  mit  seiner  grofsen  Axe  von  der 
positiven  Elektrode  an  bis  in  die  Nähe  der  negativen  sich 
erstreckte  und  etwa  dreimal  länger  als  dick  war.  (Dieses 
EllipsoKd  entwickelt  sich  bei  allmählicher  Luftzuströmung  — 
was  bei  üTtip/erelektroden  beobachtet  wurde  —  aus  einem 
blofsen  strahlenden  Punkte  am  Ende  der  positiven  Elektrode, 


268 

ans  welcher  der  Magnet  sogleich  die  rothe  Lichtflfiche  her« 
vorruft;  anfönglich  ist  das  Ellipsold  klein,  liegt  ao  der  po- 
sitiven Elektrode  an,  mit  seiner  grofsen  Axe  der  negativen 
Elektrode  zugewandt  und  wächst  allmählich,  seine  relati- 
ven Dimensionen  nahezu  beibehaltend.)  Nach  vierzehn 
Luftzuströmungen  war,  bei  Nichterregung  des  Magnets, 
das  violette  Licht  bis  auf  ein  Minimum  verschwunden,  das 
am  äufsersten  Ende  der  negativen  Elektrode  auftrat.  Die 
rothe  Lichtergiefsung,  die  von  der  Spitze  der  positiven  Elek- 
trode aus,  in  der  Form  eines  dicken  Drahtes  bis  in  die 
Nähe  des  violetten  Lichtes  sich  hinzog,  war  rings  umher 
von  gelbem  Lichte  umgeben.  Nach  der  Erregung  des  Mag- 
nets verschwand  das  violette  Liebt  vollständig.  Es  trat 
ein  geradliniger  Funken  von  gröfster  Feinheit  zwischen  den 
Polen  auf  und  bildete  hier  die  scharfe  Gränze  der  Licbt- 
fläche,  die  nach  Oben  (oder  Unten)  durch  einen  Halbkreis 
begräuzt  wurde.  Das  rothe  Licht  der  Fläche  wurde  mo- 
mentan durch  gelbe  Bogen  durchzogen,  und  von  Zeit  zu 
Zeit  durch  einen  breitern  concentrischen  Ring  von  schön 
gelbem  Lichte  nach  Aufsen  begränzt.  Wir  haben  hier  bei 
schwächeren  Inductionsströmen  im  luftverdünnten  Räume 
ein  getreues  Bild  der  in  der  220.  Nummer  beschriebenen 
Erscheinungen,  wo  unter  dem  gewöhnlichen  Atmosphären- 
druck durch  den  grofsen  Inductions- Apparat  dieselben  Krlkhe 
stärker  und  geräuschvoller  auftreten.  Bei  fernerer  Luft- 
zuströmung  nimmt  der  Funken  auf  Kosten  der  Lichtscheibe 
an  Intensität  zu. 

238.  Schon  nach  den  ersten  Luftzuströmungen  ftrbte 
sich  das  Innere  des  eliipsoKdischen  Behälters  gelblich  roth, 
nach  vierzehn  derselben  schon  sehr  stark  (stärker  bei  Ao-* 
Wendung  von  Kupferelektroden.)  Die  Bestandtheile  der  Luft 
hatten  sich  theilweise  chemisch  zu  Stickoxjd  und  dieses 
wieder  mit  dem  Sauerstoff  der  noch  übrigen  Luft  verbunden. 
Es  ist  wohl  keinem  Zweifel  unterworfen,  dafs  die  auf  diese 
Weise  fortwährend  sich  bildende  salpetrige  Säure  oder  Un- 
tcrsalpetersäure  Träger  des  so  merkwürdig  auftretenden 
gelben  Lichtes  ist.     In  anderen  Gasen  wenigstens;  nament- 


269 

lieh  iD  Wasserstoffgas,  tritt,  bei  denselben  Elektroden,  die- 
ses Licht  nicht  auf. 

239.  An  Schönheit,  Helligkeit  und  Schärfe  lassen  die 
ebenen  beschriebenen,  durch  den  kleinen  Inductions- Ap- 
parat hervorgerufenen  Erscheinungen  nichts  zu  wünschen 
übrig.  Die  Anwendung  des  grofsen  Apparates  (von  den 
sechs  grofsflächigen  Zink-Kohlen  Elementen,  die  Hr.  Ruhm- 
korff  seinem  Apparate  beigiebt  und  die  man  ohne  Ge- 
fahr für  denselben  anwenden  kann,  nahm  ich  nur  vier) 
bietet  aber  Eigenthümlichkeiten  dar,  die  bemerkenswerth 
sind.  Wenn  wir  nämlich  wiederum  von  der  gröCsten  Ver- 
dünnung ausgehen,  so  tritt  bei  einer  Unterbrechung  des 
inducirenden  Stromes  dieselbe  Lichtstrahlung  auf  wie  frü- 
her, ohne  entsprechend  verstärkte  Intensität.  Wenn  man 
dann  den  inducirenden  Strom  wieder  herstellt,  so  tritt  die- 
selbe Erscheinung  mit  fast  gleicher  Intensität  auf;  nur  ver- 
tauschen sich  in  derselben  die  beiden  Elektroden,  dadurch 
bedingt,  dafs  der  inducirte  Strom  seine  Richtung  geändert 
hat.  Wenn,  unter  Anwendung  des  Ruhmkorff 'sehen 
Commutators  die  Unterbrechungen  und  Schliefsungen  so 
rasch  erfolgen,  dafs  f&r  das  Auge  die  Erscheinung  eine  con- 
tinuirliche  wird,  so  sehen  wir  gleich»eitig  die  doppelte  Er- 
scheinung, wie  sie,  bei  Anwendung  des  kleinen  Apparates, 
nach  einander  auftritt,  wenn  wir  die  Richtung  des  induci- 
renden Stromes  commutiren.  Nach  Erregung  des  Magnets 
bilden  sich  zwei  schöne  magnetische  Lichtflächen,  die  durch 
die  aus  der  umgebenden  Glasröhre  hervorragenden  Enden 
der  beiden  Elektroden  gehen  und  auf  der  inneren  Gias- 
wandung  des  ellipsoldischen  Behälters  stehen:  ganz  von 
gleicher  Färbung  und  Gestalt.  Zu  ihnen  fluthet  diffuses 
Licht,  bezüglich  nach  Oben  und  Unten,  von  der  jedesma- 
ligen anderen  Elektrode  über.  Der  Unterschied  in  der  In- 
tensität der  beiden  Lichtflächen  ist  um  so  kleiner,  )e  ra- 
scher der  Commutator  geht. 

240.  Nach  einer  einmaligen  Luftzuströmung  trat  um 
beide  Elektroden  eine  intensiv  blau -violette  Liehthülle  auf, 
die  frühem  magnetischen  Flächen  reichten  nicht  mehr  bis 


270 

zar  Giaswandung  herab.  Von  den  beiden  Elektroden  gin- 
gen zwei  schön  rothe  Bogen,  der  eine  nach  Oben  der  an* 
dere  nach  Unten,  wie  wir  sie  früher  beschrieben  haben. 
Die  magnetische  Lichtfifiche  einer  der  beiden  Elektroden 
und  der  rothe  Bogen  der  andern  hatten  eine  etwas  gerin- 
gere Ausdehnung  als  die  andere  Lichtfläche  mit  ihrem  zu- 
gehörigen rothen  Bogen.  Als  mit  der  Hand  der  induci- 
rende  Strom  geöffnet  wurde,  trat  die  violette  Hülle  und 
der  Anfang  der  magnetischen  Lichtfläche  nur  an  einer  Elek- 
trode auf  und  an  der  andern  der  rothe  Bogen:  beides  mit 
gröfserer  Intensität.  Als  dann  aber,  nach  einigen  Augen- 
blicken, der  inducirende  Strom  wieder  geschlossen  wurde, 
blieb  mit  dem  inducirten  Strome  jede  Lichterscheinung  aus. 
Als  aber  sogleich  nach  dem  Oeffuen  des  Stromes  derselbe 
wieder  geschlossen  wurde,  trat,  mit  vertauschter  Stromrieh- 
tung,  die  Lichterscheinung  wieder  auf  und  zwar  um  so  in- 
tensiver, je  kürzer  das  Zeitintervall  zwischen  Oeffnen  und 
Schliefsen  war.  Es  gilt  dieses  sowohl  unter  als  ohne  Ein- 
wirkung des  Magnets. 

241.  Der  Unterschied  in  der  Intensität  der  den  beiden 
Strömen  von  entgegengesetzter  Richtung  entsprechenden,  fQr 
das  Auge  gleichzeitigen,  Lichterscheinungen  wurde,  bei  wie- 
derholter Luftzuströmung,  immer  gröfser,  bis  der  von  der 
einen  Elektrode  ausgehende  rothe  Bogen  und  die  violette 
Lichtholle  der  andern  Elektrode  ganz  verschwand  ').  Ab 
diefs  aber  eintrat,  bildete  sich  ein  feiner,  zwischen  den 
beiden  Elektroden  überschlagender  Blitz,  auf  der  einen 
Seite    eine    halbkreisförmige    Scheibe    begränzend,    welche 

1)  Auf  diese  Weise  wird  die  bekannte  Tlialsache  dem  Auge  sichtbar, 
dafs  bei  xunehroendem  Widerslande  der  Schliefiungsslrom  gegen  den 
Oeflnungsslrom  immer  mehr  zurücktritt  und  bald  ganz  verschwindet« 
Als  eine  Atmosphäre  von  Wasserstoffgas  genommen  wurde,  geschah 
dieses  langsamer.  Bei  unserer  £vacuirungs>  und  F'ullungs- Methode  hat 
es  keine  Schwierigkeit,  die  Dichtigkeit  eu  bestimmen,  wo,  bei  gegebe- 
ner Slromstüfke,  der  OefTnungsfunken  in  verschiedenen  C^asen  aufhört 
durchzuschlagen.  Lieber  die  physikalische  Bedeutung  der  Constanten, 
die  auf  diese  Weise  sich  ergeben,  gehe  ich  hier  in  keine  weiteren  Er- 
örtenangeo  ein. 


271 

gleichmäfsig  in  dem  früher  schon  erwähnten,  intensiv  gelb- 
orangenem  Lichte  leuchtete.  Bei  fortwährend  zunehmender 
Dichtigkeit  der  umgebenden  Luft  wurde  der  Blitz  stärker  und 
rothes  Licht  mengte  sich  mit  dem  gelben  Lichte  der  Scheibe. 

242.  Meine  früher  mitgetheilten  Beobachtungen  über 
die  magnetischen  Lichterscheinungen  bei  genäherten  Elek- 
troden haben  durch  das  Vorstehende  ihre  Bestätigung,  zu- 
gleich aber,  in  Beziehung  auf  den  verschiedenen  Grad  der 
Verdünnung  des  umgebenden  Mediums,  eine  nähere  Deter- 
mination erhalten.  Die  Gesetze,  die  ich  aus  jenen  Beob- 
achtungen über  die  Einwirkung  des  Magnets  auf  das  Licht 
des  positiven  Poles  abgeleitet  habe,  bestehen  so  lange,  bis» 
bei  hinlänglicher  Dichtigkeit  des  Gases,  eine  vollständige 
Lichtbrücke  zwischen  den  beiden  Polen  sich  gebildet  bat. 
Dann  treten  die  in  den  vorstehenden  Nummern  225  bis  227 
entwickelten  Gesetze  ein. 

Wir  haben  hier  nur  den  einfachsten  Fall,  dafs  die 
Elektroden  ihre  Spitzen  einander  zukehren,  behandelt  und 
diese  Spitzen  in  die  äquatoriale  Lage  gebracht.  Viel  man- 
nigfaltigere Erscheinungen  ergeben  sich,  wenn  wir  die  Ent- 
ladung in  allmählich  an  Dichtigkeit  zunehmenden  Gasat- 
inosphären,  wie  in  der  frühern  Mittheilung,  zwischen  paral- 
lelen oder  gekreuzten  Elektroden  in  verschiedener  Lage 
gegen  den  Elektromagnet  stattfinden  lassen. 

243.  Wir  haben  in  dem  Vorstehenden  überall  den 
gewöhnlichen  Funken  des  Ruhm  kor  ff  sehen  Apparates 
genommen.  Wenn  wir  von  den  beiden  Säulen,  in  wel- 
chen die  Enden  des  inducirten  Drahtes  eingeklemmt  sind, 
nach  Ruhmkorff's  Angabe,  aufser  den  Elektroden,  zwi- 
schen welchen  der  Funke  überspringt,  noch  zwei  Elektro- 
den zu  den  beiden  Belegen  einer  passend  gewählten  Lei- 
dener Flasche  leiten,  so  ist  die  Art  der  Entladung  eine  ganz 
andere.  Ich  führe  in  dieser  Beziehung  nur  ein  schlagendes 
Beispiel  an.  Während  der  gewöhnliche  Funken  bei  der 
bisherigen  Schlagweite  in  Wasserstoffgas  bei  einer  Spann- 
kraft von  etwa  300""  sehr  schwaches  Licht  hat  und  ein 
blasses  Spectnim  giebt,  in  dem  keine  Farbe  vorherrscht, 


272 

erbalten  wir  bei  der  oben  angeführten  Ajustiraog  einen  un- 
gemein intensiv  rothen  Funken,  dessen  Spectrum  ein  voU- 
ständiges  ist,  in  welchem  die  drei  Wasserstoffstreifen  mit 
blendendem  Glänze  hervortreten.  Es  wurde  dabei  der  grofse 
Apparat  durch  vier  grofse  Elemente  erregt. 

244.  Bei  äufserster  Verdünnung  sind  in  verschiedenen 
Gasen,  sowohl  vor  als  unter  der  Einwirkung  des  Magnets, 
die  Erscheinungen  ganz  dieselben  als  in  der  Luft. 

(Wird   fortgeseiKt.) 


Erste  Note. 

Ueber  BUtse,  die  der  Magnet  im  dUAiseD  Liebte  der  elektrisekea 
Entladung  doroh  verdünnte  Gase  hervorrafl. 

245.  Solche  Blitze,  goldgelb  im  blauen  Lichte  des  Ziuo- 
chloriddampfes,  von  anderer  intensiven  Färbung  in  andern 
verdünnten  Dämpfen  und  Gasen,  im  Dampfe  des  Broms,  des 
lods,  der  Schwefelsäure  etc.,  die  ich  vor  längerer  Zeit  schon 
beschrieben  habe,  gehören  zu  den  schönsten  Erscheinungen 
der  elektrischen  Entladung.  Hr.  Geifsler  hat  neuerdingjB 
den  Röhren,  die  zu  solchen  Versuchen  dienen,  eine  geeig- 
nete Form  gegeben.  An  den  beiden  Enden  einer  20  bis  25"" 
weiten ,  200  bis  250"""  langen  Glasröhre  sind  zwei  Capil- 
larröhren  eingeschmolzen,  die  ihrerseits,  nach  Auüsen  hin 
eingeschmolzene,  Platiudrähte  enthalten  und  nach  der  an- 
dern Seite  hin  so  weit  in  die  Röhre  hineinragen,  dab  ihre 
offenen  Enden  in  der  Mitte  der  weitern  Röhre  40  bis  50"" 
von  einander  abstehen.  Bei  der  Entladung  des  (kleinen) 
Ruhmkor  ff 'sehen  Apparates  tritt  der  Inductionsstrom  zu- 
erst in  eine  der  beiden  Capillarröhren,  aus  dieser,  sich  weit 
ausbreitend,  in  die  weite  Röhre,  um  sich  wiederum  in  der 
andern  Capillarröhre  zu  concentriren.  In  dem  Falle  des 
Zinnchloriddampfes  ist  das  Licht  in  den  Capillarröhren 
schön  gelb,  das  diffuse  Licht  in  der  weiten  Röhre  blau. 
Indem  der  Magnet  dieses  blaue  Licht,  bei  aequatorialer 
Lage  herabzieht  oder  nach  Oben  abstöfst,  bei  axialer  Lage, 


273 

von  den  beiden  Oeffnungen  aus  nach  entgegengesetzter 
Seite  horizontal  fortdrängt,  treten»  von  den  Oeffnungen  aus- 
gehend, fortwährend  goldgelbe  Blitze  auf,  von  denen  das 
Auge  gleichzeitig  immer  mehrere  sieht. 

In  manchen  Fällen  erfolgen  solche  Blitze  auch  ohne 
magnetische  Einwirkaog. 

246.  Als  der  erste  Eindruck  dieser  Erscheinungen  noch 
ganz  frisch  in  meiner  Seele  war,  beobachtete  ich,  nach  7  Uhr 
Abends  am  28.  September  1859  (in  einer  Periode  unge- 
wöhnlich starker  elektrischer  Störungen  in  der  Atmosphäre) 
am  offenen  Fenster  stehend,  das  nahe  süd- östlich  gelegen 
ist,  ein  Gewitter  mit  ganz  ungewöhnlichen  Erscheinungen, 
die  fiber  eine  halbe  Stunde  dauerten,  während  welcher  es 
stark  regnete.  Es  waren  keine  gewöhnlichen  Blitze,  son- 
dern vielmehr  gewaltige  Strömungen  diffusen  Lichtes,  an- 
näherungsweise von  Norden  nach  Sfiden,  die  nach  kurzen 
Intervallen  auf  einander  folgten.  Theils  waren  es  blofs 
solche  Strömungen,  theils  traten  in  denselben  Blitze  von 
ungewöhnlichem  Glänze  auf,  die  einen  Zickzackweg  am 
dunkleln  Himmel  von  mehr  als  60"  zurücklegten.  Häufig 
erfolgten  in  derselben  Lichtströmung  zwei  und  drei  Blitze. 
Die  Farbe  der  Blitze  bot  nichts  Besonderes  dar;  nur  bei 
der  stärksten  Entladung,  wo  gleichzeitig  drei  gewaltige  Blitze 
in  der  Lichtströmung  sich  bildeten  —  wovon  die  obigen 
Geifsler'schen  Röhren  das  genaue  Miniaturbild  geben  -^ 
war  derjenige  der  drei  Blitze,  der  seinen  Weg  im  größ- 
ten Zenithabstande  nahm,  schön  grün  gefärbt  *)• 

I)  Während  deMclbcn  Gewitter«  teigte  «ich,  als  ich  mit  Mufse  meine 
gespannte  Aafmerksamkeit  anf  diese  Phänomene  richtete,  in  der  Nähe 
des  Horitontes  ein  merkwürdiger  Blits  anderer  Art.  Es  schienen  twei 
BlitM,  von  entgegengesetster  Seite  kommend,  auf  derselben  UoriaoD- 
lal- Linie  sich  sn  begegnen  und  dann  in  dem  Punkte  des  Zusammen- 
treffens ihre  Ricfatang  plöttlich  m  ändern  und,  unter  rechtem  Win- 
kel umbiegend,  enigegengeseltt,  nach  Oben  und  Unten,  sich  fortxobc- 
wegen,  bis  sie  allmählich  erloschen.  Aber  der  Blits  war  kein  gewdhn- 
licher,  continnirlich  fortschreitender,  sondern  seinen  Weg,  den  er,  wie 
ich  glaube,  langsamer  anrS^legte,  beaeichneten  durch  dunkle  Stellen 
unterbrochene  Lichtaosammlongen.    Von  Hm.  Letsom,  jeuigem  Kdnigl. 

PoggendoHTs  AnnaL  Bd.  CXIU.  l& 


874 

Zweite  Note.  .      ' 

■NC  flMBpeein« . 

247.  Es  scheiut,  dab  den  vor  Uogcrer  Ut*'^pmjmk 
geoiachteo  Speclral-BeobaditnDge'o  vetackiedcMViGMei  nnd 
Dftmpfe  nicht  aligemein  die  Bedeatnng  chcoiiaaker  4||pi|f- 
seu  beigelegt  wird.  Elektriscbea  Licht  ao  Mid  At^^dch, 
ohne  Träger  iat  eineFiodon,  die  oicht  esiatirt  Es  jil  4«ia 
Unterschied  y  ob  eine  Substanz  durch  directe  Wlnao  ver- 
flüchtigt und  nun  GlOhen  gebracht  wird,  oder  ob  m 
eiek frische  StrOme  erwärmt »  glQht:  ob  umd  zob 
Natrium  in  eine  Flamme  bringt  oder  Natriomdampf  in  einer 
Spectralröhre,  wie  ich  es  in  meinen  Dntsrsuchunge«!  fathaa^ 
durch  den  hindurchgehenden  Inductionsstrom  glühend.  machL 
Dieses  Glühen  tritt  um  so  leichter  ein  —  ich  sehe  hier 
von  der  äufsersten  Verdünnung  ab  —  je  verdünnter  Gas 
oder  Dampf  ist.  Aber  auch  Gas  van  der  gewölmkcken 
Dichtigkeit  giebt  in  dem  capiliaren  Theile  einer  meiner 
Spectral- Röhren  daeselbe  chanüiteriitiicke  Spedntmf  wenn 
wir  einen  hinlilnglich  starken,  gewöhnlichen  Inductionaalrom 
hindurchschlageu  lassen.  Nur  wird  in  diesem  Falle  die  Ca- 
pillarröhre  so  stark  erwärmt,  dafs  sie  dem  Zerspringen  aus- 
gesetzt ist.  Zur  Ausführung  chemischer  Analysen  wäre 
wohl  ein  etwas  stärkerer  Inductionsfunken  bei  einer  mä 
fsigen  Verdünnung  am  geeignetsten.  Wenn  die  Dichtigkeit 
des  Gases  zu  grofs  ist,  sieht  man  unter  Anwendung  einer 
Lupe,  da(s  der  innere  Raum  der,  obgleich  engen,  Röhre 
nicht  mehr  mit  Licht  ganz  ausgefüllt  ist  und  der  Weg  der 
Entladung  in  derselben  nicht  mehr  ein  constanter  ist. 

248.  Durch  meine  Spectral- Röhren  erhalten  wir  das 
reine  Crosspectrum.  Es  folgt  dieses  unmittelbar  aus  der  That- 
sache,  dafs  keine  der  Lichtlinien,  aus  welchen  das  Speclrum 
eines  reinen  Gases  besteht,  sich  in  dem  Spectrum  eines  an- 
dern  reinen   Gases  wiederfindet,  wonach  jedes  Gas  durch 

grorsbrittaDiscIiriD  GesrliäfufSlirer  und  Geoertl-CoDsul  id  Monte  Video 
wurde  ich  belvliri,  daOi  solche  ditcontinuirtiche  Bliue  in  Amerika  oft 
vorkonimeo  aud  dort   wKetlenblitxe«  genannl  werden. 


275 

nne  der  Lichllinifiii  «eines  Spectrums  vollkoinmeti  c^arak- 
teristrt  ist.  Nach  Fortiiahine  des  Gaece  und  Beines  Spec- 
truins  bleibt  also  nicbu  Obrig,  was  auf  eia  hjpothelisches 
elekirieches  Licht  oder  auf  UeberfQhrung  einer  von  den 
Elektroden  losgerissenen  leuchtend  gewordenen  Substanz 
kommen  kOnnle.  Bei  t^Iektroden  von  verschiedenen  Me- 
tallen ist  das  Spectrum  des  Lichlfadeu-  in  der  Capillar- 
Röhre  dasseibe,  wenu  auch  das  die  Elektroden  umgebende 
Lidit  durch  die  Metalle  Verfindeningen  erfahren  ma^.  Mehr 
noch,  wir  können  ganz  dieselben  Spectra,  auch  ohne  alle 
Elektroden  erhallen,  ohne  dafs  das  Gas,  dessen  Speclram 
wir  nehmen,  irgend  wie  mit  Metallen  in  BerQhnjng  kommt. 

249.  Zu  diesem  Ende  liefs  ich  vor  Isngerer  Zeil  schon 
Bohren  aus  drei  Stocken  so  zusammensetzen,  dafs  das  mitt- 
lere Stück,  eine  CapiflarrOhre  von  einigen  CeDtiinelern  Län^e, 
die  beiden  äufsern  Stücke  verband,  die  etwa  2  Ceiitimeler 
weit  und  10  Centimeler  lang,  an  ihren  SufBeru  Enden  zu- 
geblasen  und  ringsfaernm  mit  Stanniol  belegt  waren.  Die 
beiden  ZuleitungsdrShte  des  (kleinen)  Rahmkorff'schen 
Apparates  wurden  mit  den  beiden  Stanniol  belegen  verbunden, 
Das,  wie  gewöhnlich,  verdünnte  Gas  wird  durch  die  Induc- 
lionsstrOme,  die,  wie  bekannt,  im  Innern  des  Apparates 
durch  den  ursprünglichen  Inductionsstrom  hervorgerufeu 
werden,  innerhalb  der  Capillarröhre  hell  leuchtend.  Das 
Spectrum,  durch  das  Babinet'sche  Goniometer  angesehen, 
war  dem  auf  dem  frühem  Wege  erhaltenen  ganz  gleich. 
Nur  ist  das  Licht  in  diesem  Falle  weniger  luhig. 

25U.  Unter  andern  Verhsltnisscn  treten  aber  gan»  an- 
dere Spectra  auf.  Die  Specira  des  Hrn.  Massen  sind  ge- 
mischte: Gas  und  Metall  treten  gleichzeitig  als  Triger  der 
elektrischen  Entladung  auf.  In  den  prächtigen  Spectra  des 
Davj'schen  Bogens  ist  dns  jedesmalige  Metall  der  Elek- 
troden durch  blendend  helle  Streifen  charakteriBirt.  Wir 
erhalten  dasselbe  unter  spHter  zu  erörternden  Umständen 
durch  den  Inductionsapparat  zwar  abjifeschwHcht  aber  leichter 
zu  beBlimmeo.  In  den  Spectra  des  Hrn.  AngstrOm  treten 
ron  den,  die  verschiedenen  Metalle  charakterisirenden,  h«VV<n 
Vi» 


276 

Streifen  nur  Anfang  und  Ende  als  farbig  leuchtende  Punkte 
oder  kurze  Linien  auf  den  beiden  Elektroden  auf,  sej  ea» 
dafs  das  verflüchtigte  Metall  nicht  TolktSndig  ObergefiQhrty 
oder,  dafs  es  bei  dieser  Ueberführung  nur  in  der  Nähe  dtr 
Elektroden  hinlttuglich  erhitzt  wird. 

251.  Nicht  nur  einfache  sondern  auch  »usa$mnemg^ 
seilte  Gase  (Kohlenoxydgas,  Kohlenwasserstoff,  Schwefel- 
s&ure  u.  s.  w.)  haben  ihre  eigenthümlichen  Spectra,  die  zu 
den  Spectra  ihrer  einfachen  Bestandtheile,  in  keiner  nacb- 
weisbaren  Beziehung  stehen.  Aber  die  durchströmende  Ent- 
ladung bringt  chemische  Verbindungen  hervor  und  zersetzt 
Gase  und  Dftmpfe  und,  wie  es  scheint,  treten  diese  chemi- 
schen Actionen  leichter  in  verdünntem  Zustande  der  Gase 
hervor,  wobei  diese,  ihrer  ganzen  Masse  nach,  von  der  Ent- 
ladung durchströmt  werden  und  erglühen.  Wir  erhalten 
also  in  den  Gasspectra  nicht  nur  Analysen,  sondern  wir 
können  auch  chemisdie  Wirkungen  mit  dem  Auge  verfol- 
gen, und  mannigfaltige  Fragen  beantworten,  z.  B.  über  Sta- 
bilität chemischer  Verbindungen,  die  gasförmig  sind,  oder, 
sej  es  mit,  sey  es  ohne  Anwendung  von  Wärme,  in  Danpf, 
wenn  auch  nur  von  geringer  Spannkraft,  übergehen. 

Ich  führe  hier  beispielsweise  den  Fall  des  Selenwasaer- 
Stoffgases  und  des  Schwefelsäuredampfes  an,  die  beide  in 
möglichst  verdünntem  Zustande,  in  gewöhnlichen  Spectral- 
Röhren  sich  befanden. 

252.  Wenn  wir  das  Seleuwasserstoff- Spectrum  von 
dem  Momente  an,  wo  der  Strom  hindurchgeht,  beobachten, 
so  erscheint  das  Licht  tu  der  Capillar  -  Röhre  anfänglich 
strohgelb,  nach  zwei  bis  drei  Sekunden  färbt  sich  dasselbe 
an  dem  einen  Ende  der  Röhre  schön  roth  und  dann  ver- 
breitet sich  von  da  die  rothe  Färbung  allmählich  über  die 
ganze  Capillar- Röhre,  die  hernach  in  iher  ganzen  Ausdeh- 
nung so  lange  schön  roth  bleibt,  als  der  Strom  hindurch* 
geht  Wenn  der  Strom  unterbrochen  wird  und  ein  paar 
Minuten  unterbrochen  bleibt,  so  hat  sich  beim  Wiederbin- 
durchgehen  desselben  die  ursprünglich  gelbe  Farbe  volUtändig 
wiederhergestellt.    Diese  gelbe  Farbe  geht  dann  wie  frfiber 


277 

in  die  rotbe  wieder  Ober,  und  wir  können  denselben  Ver- 
such oft  nach  einander  wiederholen.  Bei  Anwendung  des 
B  ab  in  et 'sehen  Goniometers  mit  dem  Prisma  sieht  man  »- 
als  ob  man  dissoleing  eiews  vor  sich  hätte  —  das  Spec- 
trum des  gelben  Lichtes  des  Selenwasserstoffgases  in  das 
Spectrum  des  rothen  Lichtes,  welches  das  reine  Spectrum 
des  Wasserstoffgases  mit  seinen  drei  hellen  Streifen  auf 
dunklem  Hintergrunde  ist,  tibergehen.  Der  Uebergang  er- 
folgt so  rasch,  dafs  es  schwer  ist  die  Lage  der  bellen  Li- 
nien, aus  welchen  das  erste  Spectrum  besteht,  zu  bestim- 
men. Der  rothe  Wasserstoffgasstreifen  i7«  trat  auch  hier 
in  grofser  Helligkeit  auf,  die  beiden  andern  Streifen  waren 
nicht  zu  erkennen.  Nach  dem  Gelben  hin  wechselten  rothe 
und  schwarze  Streifen  mit  einander  ab.  Diese  wurden  aber 
an  Glanz  von  vier  blauen  Streifen  bedeutend  übertroffen, 
die  sich  zu  zwei  Paaren  zusammenordneten.  Diese  Strei- 
fen hatten  einfache  Spaltbreitc  (3'),  das  Licht  jedes  dersel- 
ben war  hiernach  absolut  hoiAogen.  Die  beiden  Streifen 
)edes  Paares  waren  durch  einen  schwarzen  Zwischenraum, 
etwas  breiter  als  die  hellen  Streifen,  getrennt,  die  beiden 
Paare  von  einander  durch  einen  ebenfalls  schwarzen  Zwi- 
schenraum 18'  breit'). 

Aus  dem  Vorstehenden  folgt,  dafs  Selenwas^erstoffgas 
sich  durch  den  elektrischen  Strom  allmfthlich  zersetzt.  Nach 
Ausscheidung  des  Selens  bleibt  das  reine  Wasserstoffgas 

1)  Unmittelbar  gemeMeo  wurde  die  Ableoknng  der  Mitten  der  drei  Wat- 
serstoffgas  -  Streifen ,  die  sich  genau  wie  froher  ergab,  so  wie  der  ia- 
fsem  GrSnsen  der  beiden  Doppeitstreifen,  die  wir  durch  SeH«,  StHß 
beaeichnen  wollen,  w<^ei 


S.H.    j»-«»*«'.* 

f    9  — 


9  SS  60   &3,5 

sich  ergab.     Daraus  folgt,   unter  Beibehaltung   der  Beseichoung  neiiMr 
frühem  Abhandlung  für  die  Mitten  der  rier  einseinen  Streifen 

{  60*45'  1^73974  468,05 

I  60  52  1,74075  455,6 

(  61     3  1,74233  450,6 

{61     9,5  1,74926  447,5 

S.  Annalen  CVII,  S.  407. 


278 

iD  der  Röhre.  Nach  Uuterbrechung  des  Stroms  verbindet 
sich  das  Wasserstoffgas  mit  Selen  langsam  wieder  zu  Se- 
lenwasserstoffgas. 

Der  anhydre  SchwefeUäuredampf  scheint  der  elektri- 
schen Entladung  einen  gröfsern  Widerstand  entgegenzu- 
setzen. Während  der  kleine  Ruhm  kor  ff 'sehe  Apparat 
zur  Darstellung  der  Gasspectra  im  Allgemeinen  am  geeig- 
netsten ist,  zeigte  er  sich  hier  zu  schwach.  Unter  Anwen- 
dung eines  starkem  Inductionsapparates  aber  giebt  der  müg- 
liehst  verdünnte  Dampf  der  anhydien  Schwefelsäure  SO"*  io 
den  gewöhnlichen  Spectra  -  Röhren  eines  der  schönsten  aod 
farbenreichsten,  aus  hellen  Lichtslreifen  auf  meist  schwarzem 
Grunde  bestehenden,  Spectra. 

Dieses  Spectrum  verhielt  sich  anfänglich  fast  unverftn- 
dert,  so  dafs  die  Lage  der  einzelnen  Streifen  mit  Mufse 
bestimmt  werden  konnte.  Dieses  geschah,  aufser  für  einige 
lichtschwächere  Streifen,  für  drei  rothe  a,  ß,  /,  für  einen 
Oraugestreifen  ö,  einen  gelben  Streifen  €,  vier  grüne  Strei 
feu  ^,  ?;,  1^,  £  und  qeun  blaue  und  violette  x,  A,  /u,  v,  |y 
o,  TTf  Qf  a.  Von  diesen  Stieifcn  war  i  durch  zwei  schwarze 
Linien  in  drei  einfache  Streifen  getheilt,  e,  £,  7/  waren  dop« 
pelt,  mit  einer  feinen  schwarzen  Linie  in  der  Mitte»  /3  hatte 
beinah  doppelte  Breite,  breiler  war  der  Streifen  ^  an  der 
violetten  Gränze.  Alle  übrigen  hatten  einfache  Spaltbreite 
(S').  Nach  längerer  Zeit,  dafs  der  Strom  hindurchging,  er- 
blafste  iudefs  allmählich  das  ursprüngliche  Spectrum  und 
ein  neues  Spectrum  trat  auf.  Dasselbe  bestand  aus  einem 
breiteren  Orangestreifen  a  und  sechs  einfachen  Streifen,  von 
welchen  die  beiden  ersten  ß,  y  grün  waren  und  die  übri- 
gen vier  J,  e,  ^,  /;  dem  brechbarem  Tbeile  des  Spectrums 
angehörten.  Ein  schwacher  rother  Streifen,  welcher  mit 
dem  frühern  Sreifen  SOy  genau  zusammenfiel,  ist  offen- 
bar einem  Residuum  der  ursprünglichen  Schwefelsäure  zu- 
zuschreiben und  gehört  demnach  dem  neuen  Spectrum  nicht 
an  Andrerseits  fand  sich  in  dem  ursprünglichen  Spectrum, 
wie  es  vorher  bestimmt  worden,  erstens  ein  blasser  Streifen 
dicht   neben   dem    Doppelstreifen    SO«'    uach  der  violetten 


279 

Seite  hin,  welcher  genau  die  Lage  des  helleu  Streifeos  ß 
des  zweiten  Spectrums  halte  und  zweitens  ein  schwacher 
Streifen,  der  theilweise,  den  Slreifen  SO^"  überlagernd, 
noch  2'  weiter  reichte  und  welcher  genau  mit  dem  hellen 
Streifen  y  des  zweiten  Spectrums  übereinstimmte.  Diese 
Streifen  gehören  offenbar  beide  nicht  der  anhjrdren  Schwe- 
felsäure an,  sondern  dem  Gase,  das  an  seine  Stelle  getreten 
ist.  Bei  einer  Wiederholung  der  eben  beschriebenen  Be- 
obachtung trat  anfänglich  der  Streifen  SO^"*  auch  nach  der 
violetten  Seite  hin  schwarz  begränzt  auf,  erst  allmählich 
legte  sich  ein  2*  breiter  Streifen  an  denselben  an,  der  mit 
der  Zeit  heller  wurde,  während  der  ursprüngliche  Strei- 
fen an  Helligkeit  abnahm  bis  er  zuletzt  ganz  verschwand 
und  der  Streifen  y  des  zweiten  Spectrums  unter  normaler 
einfacher  Breite  allein  übrtg  blieb.  Von  den  übrigen  Streifen 
der  beiden  Spectra  stimmten  keine  überein.  3  des  zweiten 
Spectrums  stand  dem  Rothen  um  2'  näher  als  SO^^,  was 
ich  für  einen  Fehler  des  Ablesens  nicht  halten  kann. 

Das  ursprüngliche  Spectrum  und,  hiennit  parallel  gehend, 
die  durch  den  Strom  zersetzte  Schwefelsäure,  stellte  sich 
auch  hier  nach  längerer  Unterbrechung  des  Stroms  wieder 
her.  Diese  Wiederherstellung  wurde  durch  Coomiutation 
de^  Stroms  beschleunigt. 

Welchem  Gase  gehört  das  zweite  Spectrum  an?  Wohl 
gewifs  schwefliger  Säure,  die  aus  der  Zersetzung  der  Schwe- 
felsäure offenbar  dadurch  entstanden  ist,  dafs  Sauerstoffgaa 
zur  Elektrode  gegangen  ist.  Die  Vergleichung  einer  altern 
Notiz  über  die,  bei  schwächerer  Kraft,  unvollständig  gelun- 
genen directen  Darstellung  des  Spectrums  der  schwefelichen 
Säure  ist  dieser  Annahme  günstig,  aber  nur  eine  Wieder- 
holung mit  dem  grofsen  Inductionsapparate  würde  etwaige 
Zweifel  auch  dann  beseitigen,  wenn,  unter  gewöhnUchen 
Verhältnissen,  die  Zersetzung  der  anhydren  Schwefelsäure 
und  ihrer  Wiederherstellung  vom  chemischen  Standpunkte 
aus  beanstandet  werden  möchte. 

Die  Art  neuer  Analyse,  wie  sie  in  dem  Vorstehenden 
an   zwei   Beispielen  dargelegt  ist,  scheint  mir  eine  weitere 


280 

Bedeutung,  nameDtlidb  auch  fOr  die  orgaDisdie  Chemie  va 
haben. 

Bonn,  d.  15.  Mai  1861. 


IV.     Das  Doppelmeieor  von  Elmira  und 

Long- Island. 


Unter  diesem  Titel  hat  Hr.  Haidinger  kQrzIich  in  den 
Sitzungsberichten  der  Wiener  Akademie  Bd.  XLIII  eine  von 
Hrn.  Siilimau  erhaltene  Nachricht  von  einem  merkwfirdigen 
Fcuermeteor  mitgetheilt,  welches  am  20.  Juli  1860  Abenda 
9\  Uhr  auf  einem  Räume  von  etwa  1000  engl.  Meilen  Lttoge 
und  HOO  Meilen  Breite  beobachtet  wurde.  Es  zog  etwa 
von  N.  62"  W.  gegen  S.  62"  O.  senkrecht  etwa  über  dem 
nördlichen  Theii  des  Michigan  Sees,  über  Godrich  am  Hu- 
ronsee,  Buffalo,  Elmira,  dem  Hudson  und  quer  durch  Long- 
Island  nach  dem  atlantischen  Ocean,  mit  Höhen  von  respective 
12(^  8.5,  .51,  44  und  42  engl.  Meilen,  was  durch  viele  Be- 
obachtungen ermittelt  wurde. 

Das  Meteor  stellte  anfangs  eine,  etwas  verlängerte  Kugel 
dar,  bis  oberhalb  Elmira,  wo  es  sich  theilte  und  nun  ge- 
doppelt fortzog.  Hr.  T.  B.  Beecher,  ein  Geistlicher,  sah 
die  Theilung  explosionsartig  vor  sich  gehen.  Nach  einer 
Zeichnung,  die  ein  Augenzeuge,  Hr.  St.  Walkly  |un.,  in 
Plantsville,  Connecticut.  20  engl.  Meilen  von  New-Haven, 
machte,  bestand  nun  das  Meteor  aus  zwei  hintereinander 
herziehenden,  hellgelben,  birnförmigen  Massen,  die  einen 
kegelförmigen  Schweif  von  ins  Rothe  verlaufenden  Farben 
besafsen,  und  denen  noch  eine  beträchtliche  Anzahl  kleiner 
Lichtpunkte  folgte.  Herabgefallen  scheint  nichts  zu  sejn, 
obwohl  einige  Beobachter  von  einem  Knalle  sprechen. 

Feuermeteore,  bestehend  aus  zwei  oder  mehreren  Kugeln, 
sind  schon  einige  Male  beobachtet  worden,  wie  Chladni's 
Werk  über  Feuermeteore  S.  100,  140,  141,  143,  158,  165 
bezeugt  und  Hr.  Haidinger  durch  einige  neue  Beispiele 
bestätigt.  Allein,  dafs  man  eine  Feuerkugel  sich  theilen  ge< 
sehen  habe,  (ähnlich  dem  Biela 'sehen  Cometen)  scheint 
noch  nicht  vorgekommen  zu  seyn. 


281 

V.     tJeber  die  KrysiaUform  des  Bucklandit's  (^Or- 

thü'sj  vorn  Laacher  See; 

pon  Dr.  G.  vom  Rath  in  Bonn. 


Uoter  dem  NameD  Backlaodil  (ÜlhreD  die  meisteD  Lehr- 
bOcber  der  Mioeralogie,  x.  B.  diefenigefi  tod  Na  am  a  an, 
Dana,  PhiIlip8-MiM«r,  eio  schwarxes  Epidot  Xbaliches 
Mineral  auf,  von  irelchem  drei  FundstStten  —  Arendal, 
Achmatowak  im  Ural,  der  Laacber-See  —  angeführt  werden. 
Unter  diesen  drei  Vorkommnissm  wurde  da«  Mineral  tn 
Kalkapath  eingewaduea  zaeret  von  Areudal  durch  Levy 
aufgefunden'  und  benannt  (Levy,  Atm.  of  Phil.  Febr.  1824 
p.  134).  Doch  cfBl  in  der  Deitription  d'un»  eolteelion  de 
Mmiraux  T.  II,  p.  16  weiat  Levy,  aufmerksam  gemadit 
dui'cb  G.  Boae'a  Entdeckung  dea  Bueklandits  von  Laach 
und  seine  Vergleichnng  mit  dem  Epidot,  auf  die  Form- 
gleicbheit  des  Bueklandits  von  Arendal  und  des  Epidoti 
bin:  'let  deux  nibttaneeä  tont  donc  UomorpkeM  ti  etiea  im 
»0»t  pat  identiques.«  Wir  besitzen  allerdings  noch  keine 
chemische  Analyse  des  Bueklandits  von  Arendal  —  Neskiel* 
Grube  ^ ,  doch  ist  Beine  Aehnlichkeit  in  der  Form  und 
den  physikalischen  Eigenschaften  mit  den  Orthiten,  wel- 
dter  Name  von  Bertelius  1815  dem  Mineral  von  Finbo 
in  Schweden  beigelegt  wurde,  so  grofs,  dafs  es  sich  kaum 
recblfertigl ,  die  Bezeichnung  Bucklandit  fUr  das  Arendaler 
Vorkommen  noch  festzuhalten. 

Der  Bucklandit  von  Achmatowsk  wurde  als  »schwaner 
Sphen*  von  v.  Kokscharoff  nach  Berlin  gebracht  nnd  von 
6.  Böse,  Beise  nach  d.  Ural,  II,  S.  491  als  Epidot  er- 
kannl.  Der  untersuchte  Krjstall,  einen  Zoll  grofs,  hatte 
ein  so  ungewöhnliches  hesagoudodecaedrisches  Ansehen, 
dafs  G.  Rose  erst  nadi  genauer  Untersuchung  die  Epidot- 
Fmm  bestimmte.  Dieselbe  wurde  durch  Hermann  (Erd- 
mann's  Joum.  f.  pr.  Chemie  Bd  43,  S.  96)  bestätigt;  und. 
die  KenutniCs  des  Minerals   durch   eine  chemiadie  Analyse 


282 

gefördert,  welche  mit  nahe  gleichem  Resultate  von  Ram- 
melsberg  (Handb.  d.  Mineralcheroie  S.  759)  wiederholt 
wurde.  Da  diese  Aoaljsen  keinen  Gehalt  an  Ceroxydul 
ergaben,  so  wird  durch  sie  schon  das  Mineral  von  Adi- 
uiatowsk  von  dem  Orthit  entfernt  und  dem  Epidot  an- 
gereiht. Auch  die  Farbe  spricht  dafür;  sie  ist  zwar  dunkel 
schwärzlich  grün,  aber  immer  noch  grün  wie  beim  Epidot. 
Wie  der  Rucklaudit  von  Arendal  mit  dem  Orthit,  so  mafs 
derjenige  von  Achmatowsk  mit  dem  Epidot  vereinigt  wer- 
den. Gegen  die  Verbindung  des  Bnckiandits  von  Achma- 
towsk mit  dem  Orthil  spricht  auch  die  eigenthflmliche  Fis- 
chen-Ausbildung.  Der  Orthit  ist  stets  tafelartig  krystalli- 
sirt,  während  der  Epidot  etwas  mannichfaltiger  in  seinen 
Habitus  ist.  Dem  Mineral  von  Achmatowsk  gebührt  also 
kein  eigenthümlicher  Name 

So  bleibt  als  Repräsentant  des  Bucklandits  nur  das  Mi- 
neral von  Laach  übrig.  G.  Rose  fand  dasselbe  1825  bei 
einer  Durchmusterung  der  Bonner  Sammlung,  wo  es  fBr 
Augit  gehalten  wurde.  An  einem  ihm  vom  Inspector  B ras- 
ser t  geschenkten  Stücke  mafs  G.  Rose  die  Winkel,  und 
erkannte  ihre  Identität  mit  denjenigen  des  Epidots.  Diese 
Entdeckung  wurde  bald  darauf  von  Haidinger  in  dem 
Edinburger  Journal  of  sciences  mitgetheilt,  von  G.  Rose 
selbst  erst  nach  der  russischen  Reise  (Elemente  d.  Kristal- 
lographie 1.  Aufl.  S.  17(1)  Die  Krystalle  von  Laach  wur- 
den auch  von  Breithaupt  1H27  (Schweigger's  Jahrb. 
Bd.  50,  S.  321),  wohl  ohne  Kenntnifs  der  Notiz  Haidin- 
ger's,  als  neu  beschrieben  unter  dem  Namen  Tautolilh, 
welcher  auf  die  eigenthümliche  Entwicklung  des  von  Breit- 
haupt  irrig  als  rhombisch  angesehenen  Krjslallsystems  hin- 
deuten sollte.  In  dem  Handbuch  der  Mineralogie  Bd.  Ul 
S.  595  ist  die  Angabe  über  das  Krjstallsystem  allerdings 
berichtigt,  und  das  Mineral  zum  Epidot  gestellt,  aber  der 
Name  Tautolith  beibehalten;  obgleich  er  einen  Widerspruch 
in  sich  einschliefst.  G.  Rose  in  seinem  krystallo- chemi- 
schen Mineralsystcm  S.  85  sieht  den  Bucklandit  nicht  als 
eine  eJgeutbütnbche  Spccics  des  Gicuu*  Y^^xAoV  va^  sondern 


283 

ihn  zum  Allaiiit  (sjrn.  Orthit),  uud  vergleicht  die  Krj- 
rin  desselbeu  treffend  mit  derjenigen  des  Gering,  d.  i. 
»rthits  von  der  Bastnäs- Grube  bei  Ryddarshjttan  in 
nauland. 

ir  den  Orthit  bietet  sich  ala  naturgemäfs  diejenige 
ng  dar,  welche  v.  Kokscharoff  (Materialien  zur 
alogie  Rufslands  Bd.  111)  nach  Marignac*s  Vorgang 
^pidot  und  den  mit  demselben  isomorphen  Mineralien 
en  hat.  In  dieser  Stellung  wird  die  zur  Tafel  ausge- 
s  Fläche  zur  Querfläche,  und  die  Zwillingsbildung, 
e  diese  Fläche  als  Zwillingsebene  nimmt,  entspricht 
läufigsten  Gesetze  monokliner  Systeme.  Der  Bück- 
von  Laach  läfst  sich  auf  folgende  nabe  rechtwinklige 
zurückführen: 

a  (Längsaxe)  :  b  (Queraxe)  :  c  ( Verticalaxe) 
=  1,40367  :  1 : 0,22086.         1 : 0,71242  :  0,15735 
ie  Axe  a  neig;!  sich  ein  wenig  nach  hinten  hinab,  so 
(ie  mit  c  vorne  oben  den  Winkel 

89°  41'  30" 
iliefst.  —  Es  wurden  beobachtet  an  den  Kristallen 
verticalc  Prismen,  die  Querfläcbe,  drei  vordere  und 
hintere  Schiefendflächen,  zwei  vordere  und  zwei  hin- 
schiefe Prismen.  Auf  jenes  nahe  rechtwinklige  Axen- 
B  bezogen,  erhalten  die  genannten  Flächen  folgende 
en: 

1$  =  (a:i:  ooo) 

ti  =  Qa:  biete) 

T  =  (a :  OD  i :  X  c) 

Jf  =  (^aiCKXib) 

m  =  (I  a :  c :  X  6) 

6  =z  (  /i  a :  0 :  X  fr) 

r  =  Qa' :  c:  x6) 

l  =  (^^TfOt  :e:(X>b) 

o  =  (4fl:^6:c) 

d  Ä  (,',a:  i6:o) 

n  =  (la'i'.bic) 

o?  i=i:  (a' :  ^  fr :  c) 


284 

Die  Fldcheo- Buchstaben   sind   die  von  Hadj  fftr  deo    | 
Epidot  angegebenen  und  ziemlich  allgemein   angenommen. 
Nur  6  und  m  sind  von  Kokscharoff  entliehen. 

Sucht  man  ohne  Rücksicht  auf  die  Axenschiefe  nur  nadi 
einfachen  Flächenzeichen,  so  erhält  man  sie  durch  folgende 
Axen: 

a  :  6  :  c  =  1,55070  :  1  : 1,76838 

1:0,6449:1,14037 
Diese  Axen  a  und  c  schliefsen  nun  vorne  oben  dei^  Winkel 

115"  V 
ein.     Die  Zeichen  der  Flächen  werden: 

»  =:  (a:  6:aDc),     cc  P 
it  =  (^a:6:  xc),     xP2 
T=(a  :qd6:qcc,     gdPx 
Jf=  (c:aDa:x6,     (\P 
m -=  (ar^cixÄ),     — ^Poa 
e  =  (a:c:x6),        — Px 
r  z=z  (a! :c:ct^b),       -hPx 
l  =  (4a':c:x6),    +2Px 
o  =  (6:c:  xo),       Px 
d  =  (a:b:c),      —  P 
n  =  (a':6:c),     +P 
X  =s  (a':6:;c),     +  ^P. 
Diese  Axen,   welche  aus  den   beiden  schiefen  PrisMen  m 
und  d  als   Grundform   abgeleitet  wurden,    sind  dteaelbeB, 
auf  welche   auch  Marignac  und  Kokscharoff  die  Epi- 
dot-Flächen  bezogen  haben.    Will  man  überhaupt  von  nahe 
rechtwinkligen  Axen  abweichen,   so  empfiehlt  es  sich,  xo- 
nächst  den  Krystall  um  die  Verticalaxe  zu  wenden,  so  dafs 
die  hintere  Seite  zur  vordem  wird,   und   aus  den  schiefen 
Prismen  n  und  o  die  Grundform  zu  bilden.    Diese  bestimmt 
die  Axen 

a:b:c  =  1,43302  :  1  : 0,89047 
=  1 : 0,69783  : 0,62139 
a  und  c  bilden  vorne  oben  den  Winkel 

99°  14'. 
Nun  werden  die  Formeln  der  Flächen: 


285 

s  =  (a :  6 :  X  c),     CD  P 
tf  =^  (4a:6:  X  cX     cx>P2 
r  =  (a :  OD  6 :  OD  c),     x  P  cd 

Jf  =    (fl'  ICICD  b)y       +P  X 

m  =2  (^a' :  c :  X  b),    +2  P  x 
e  =  (ia'io:  x6,    +3Px 

r  s=  (a :  c :  X  6X     — i*  od 

/  =  (4a:c:  x6),    — 3Px 

OS  (a':6:c),     +P 

rf=  (4a':6:c),    +3P3 

n  =  (a :  6 :  c),     —  P 

d?  =  (6 :  c :  X  a),  P  x 
Den  Buckkindit  von  Laacb  wie  fiberhaupl  den  Orthit  nach 
einer  andern  Verticalaxe  als  der  oben  gewählten  aufrecht 
xa  stellen,  verbietet  die  stets  tafelförmige  Ausbildung  dieser 
Krystalle.  So  fOhrt  das  Studiuui  der  Orthit -Form  dazu, 
anch  den  Epidot  in  der  Stellung  zu  betrachten,  dafs  T  Quer- 
flache  wird,  also  weder,  sowie  Weifs  ihn  stellte,  mit  r, 
noch  nach  Mobs'  und  Naumann's  Vorgänge  mit  M  als 
Qaerfl&che. 

Die  richtige  Deutung  der  Bück landit  Flächen  kann  nur 
darch  ein  genaues  Messen  geschehen.  Wollte  man  nämlich 
die  Tafelflache  T  als  Querfläche  von  Weifs,  r,  betrachten, 
so  wfirde  weder  ein  ungefähres  Messen  noch  das  Studium 
der  Zonen  das  Irrige  dieser  Auffassung  erkennen  lassen. 
ttr  infolge  wflrde  das  wahre  r  als  T  erscheinen,  M  und  / 
behielten  ihre  Bedeutung,  s  wird  zu  »,  d  zu  o;,  d;  zu  d,  o 
bliebe  o,  i»  würde  zu  Haüy's  Fläche  e  (?).  Diese  inte- 
reannte  Eigenschaft  des  Epidot- Systems  beruht  darauf^  dafs 
die  Kantenwinkel 

-=  und  — ,  —  und  ^ 

T  r      r  M 

nicht  sehr  verschieden  sind.  Auf  letztere  Eigenthümlich- 
keit  haben  bekanntlich  Mobs  und  Naumann  ihre  scharf- 
ainnige  Azenwahl  gegründet. 

Den  Zonenverband  der  Flächen  des  Bucklandits  von 
Laach  lehrt  ein  Blick  auf  die  Horizontalprojektion  Fi^«  2^ 


286 

Taf.  VI  Projektions  Ebene  ist  die  Ebene  der  Axen  ab  der 
nahe  rechtwinkligen  Axen  wähl.  Zur  Berechnung  der  Kry- 
stallfonn  dienten  folgende  drei  Kanten -Winkel: 

»:T=I25'26.     *:?=:.  115«  I.     r :  T=  128"  23'). 
Die  Ausbildung  der  Flüchen   erlaubt  eine  genaue  Be- 
stimmung  ihrer  Neigungen.     Auf  die  Ermittlung  jener  drei 
Winkel  wurde  deshalb  die  gröfste  Sorgfalt  verwandt    Die 
Neigung  von  s :  T  wurde  aus  mehrfacher  Messung  von  40 

Kanten  ^  an  18  Krjstallen  abgeleitet.   Auch  die  Neigungen 

ilf :  T  und  r :  T  wurden  durch  eine  grofse  Zahl  von  Mes- 
sungen, deren  Abweichungen  10  Min.  nicht  überstiegen,  er- 
mittelt So  glaube  ich  die  Grunzen  der  Genauigkeit  in  der 
Bestimmung  der  drei  Fundamental- Winkel  auf  zb  1  ^'  ver- 
bürgen zu  können.  Die  Laacher  Krjstalle  sind  unter  den 
bisher  bekannten  Orchiten  weitaus  am  vollkommensten  aus- 
gebildet, so  dafs  ihre  Neigungen  dem  Krystallsjstem  des 
Orthits  überhaupt  zu  Grunde  gelegt  werden  dürften.  Für 
die  russischen  Orthite  (Uralorthit  und  Bagrationit)  berech- 
nete V.  Kokscharoff  aus  seinen  Messungen  jene  Winkel 

a:T=125«24'.     M:T=  I15°0'.     riT^^  128«  33'. 

Die  Uebereinstimmung  dieser  Winkel  mit  meinen  Mes- 
sungen mufs  als  sehr  befriedigend  angesehen  werden,  in 
Anbetracht,  dafs  Kokscharoff  von  seinen  Axen -Verhält- 
nissen sagt  (Materalien  zur  Mineralogie  Rufslands  Bd.  HI, 
S.  344):  »man  kann  sie  nicht  als  ganz  genaue  sondern  nur 

1)  Die  Schiefe  (a)   naht   rechtwinkliger  Axeo    kq   finden,   wenn   gegeben 

sind:    die  Winkel  f  (Neigung  einer  for- 
dern Schiefendflächc  zur  Querfläche)  und 
K^^^rrs^  ß  (Neigung   einer    hintern   Schiefendfläche 

/^"^^^ S^  t   ^     j/ ä''   »ur    Querfläche),    die    Zahlen    m   und    n 


(wenn  nSmlirh  €0=^  —    und  do  =  —  ), 
»•"  m  fi 

dient  folgende  von  Prof.  Beer  abgeleitete  Formel 

»i-f-ft 

tang  a  »s -— . 

mcoig/9  — Jicotgy 

Für  m  und  n  setil  man  diejenigen  ganzen  Zahlen  ein,   denen  die  Ver- 

hältnifszahlen  zwischen  den  Tangenten  von  y  und  von  ß  sehr  nahe  gleich 

sind. 


887 

als  annähernde  betrachten,  weil  die  gemessenen  Krystalle 
zu  scharfen  Messungen  untauglich  waren«;  und(S.  378)  »es 
ist  zu  bemerken,  dafs  die  Orthit -Krystalle  zu  denjenigen 
Krystallen  gehören,  die  am  wenigsten  geeignet  sind  zu  guten 
Messungen.  Bisweilen  sind  die  Flächen  glänzend^  indessen 
zeigen  die  Individuen  die  von  ein  und  demselben  Stücke 
abgelöst  wurden,  in  ihren  Winkeln  Unterschiede  von  |  Grad, 
oder  sogar  noch  mehr«.  Ich  lasse  nun  folgen,  nebenein- 
ander gestellt,  die  aus  jenen  drei  Fundamentalmessungen 
berechneten  und  die  direct  gemessenen  Kantenwinkel: 


Brreclinet. 

Grniesseo. 

s  :  s'  in  Axe  b   =  lOd"»  8' 

109"  10' 

T:  U 

=r  144  54 

144  52 

u  :   « 

=s  160  34 

160  35 

M:  z 

=  104  114 

104  13 

M:  u 

=  110  14; 

r  :  M 

=116  36 

t  :  ^ 

=  111   6 

111   7 

r  :  fi 

=  120  32 

120  32 

m:  T 

=r  137  37| 

137  38 

m:  M 

=  157  23J 

157  20 

m:  r 

=  93  59|  . 

ffi:  ft 

=  115  21i 

• 

m:  u 

=s  127  11 

e  :  T 

=  149  54 

149  55 

e   :  in 

=  167  43^ 

167  45 

e   :  M 

=  145  7 

e  :  « 

=  120   6 

120   6 

e  :  u 

—  135  3\ 

135   I 

l  :   T 

=  154  0 

153  59 

l  :  r 

=  154  23 

l  :  M 

=  90  59 

l  :e 

=  56  6 

l   :  »' 

=  121  24 

121  24 

{  :  ti' 

=  137  20 

137  18 

d   :  e 

=  138  27 

138  27 

d  :  d  Ober  e 

»  96  54 

4  . 

288 


BcrecbocL 

Gmeiiia. 

di.M 

=  127° 

52* 

d  :  T 

=:  130 

21 

130"  21' 

d  :  ft 

s  156 

191 

156  21 

diu 

SS  155 

40^ 

n  :  r 

s  125 

50 

125  49 

n  :  n'  über  r 

=s  71 

38 

n  :  / 

s  121 

52 

n  :  JT 

=  105 

12 

II  :  T 

=  111 

19 

n  :  »' 

=:  150 

36i 

M  :  1/ 

SS  139 

53 

II  :  d 

=  118 

20 

118  25 

0  :  M 

SS  121 

59 

0  :  o'  Aber  M 

=:  63 

58 

0   :  r 

SS  1U3 

43 

0  :  e 

—  115 

45i 

0  :  r 

s  103 

12 

103  0 

0  :   « 

=:  145 

11 

145  11 

0  :  u 

=  132 

8i 

0  :  n 

=  145 

29 

145  31 

6  :  d          » 

=:  152 

51 

»- 

d?  :  af 

=  97 

49 

iL.  r 

**  * 

=  99 

14 

(C  :  If 

s  128 

32 

128  33 

X  :  r 

=  131 

10 

a?  :  r 

=:  96 

57 

(C  :  n 

ss;  156 

40 

156  40 

^  :  0 

SS  152 

33 

X  :  d 

=r  129 

331 

J,  :  Axe  c 

SS  29 

30} 

"^                  M 

II 
T 

=        » 

-^:  Axe  c 

s  48 

32j 

289 

Berechnet. 

0  :^  am  ZwilliDg  =  153°  36' 
d:jrf        u  _     99    18 

n:n_        n  =  137    22 

Von  der  AusbilduDgsweise  der  Krjstalle  geben  die  Fig.  3, 
4f  4a,  5,  5a,  Taf.  VI  eine  Anschauung.  Die  herrschende 
Form  ist  stets  die  einer  rektangulären  Tafel,  au  zwei  ge- 
genüber liegenden  Seiten  symmetrisch  an  den  beiden  andern 
unsymmetrisch  zugeschärft,  z  herrscht  immer  über  u,  wel- 
ches zuweilen  nur  als  eine  lineare  Abstumpfung  erscheint. 
Von  den  Schiefendflächen  erscheinen  gewöhnlich  Jlf,  e,  r,  l 
zusammen,  entweder  von  nahe  gleichmäfsiger  Ausdehnung 
oder  e  und  /  über  die  beiden  andern  vorherrschend,  m  ist 
selten,  auch  dann  meist  nur  linear;  nur  an  einem  Krystall 
wurde  sie  breit  und  scharf  mefsbar  gefunden.  Die  schiefen 
rhombischen  Prismen  fehlen  wohl  ganz  (Fig.  3,  Taf.  VI). 
Gewöhnlich  sind  diese  Flächen  äufserst  klein,  punktähnlich, 
nur  bei  Lampenlicht  mefsbar.  Nur  selten  werden  sie  so 
grofs,  dafs  man  mit  der  Lupe  die  Form  derselben  und  die 
Kanten -Parallelität  unterscheiden  kann.  Diese  ersieht  man 
besonders  aus  den  beiden  geraden  Projektionen  (Fig.  5, 
Taf.  VI)  auf  die  Horizontal -Ebene,  Fig.  5a  auf  die  Sym- 
metrie-Ebene. 

Hat  man  Gelegenheit,  eine  mit  Bucklandit  ausgekleidete 
Druse  zu  öffnen,  so  erscheinen  die  Krystalle  von  lebhaf- 
testem Glänze,  rein  schwarz.  Kurze  Zeit  dem  Lichte  und 
der  Luft  ausgesetzt,  nehmen  sie  an  einzelnen  Stellen  eine 
irisirende  Oberfläche  an.  Trotz  derselben  ist  aber  der 
Glanz  noch  lebhaft  und  die  Spiegelbilder  vollkommen  rein. 
Alle  Flächen  sind  eben  und  glatt;  nur  die  Fläche  T  fand 
ich  an  zwei  von  demselben  Stücke  herrührenden  Krystallen, 
deren  Mittheilung  ich  der  Güte  G.  Rose's  verdanke,  mit 
einer  feinen  Streifung  geziert  An  dem  einen  ist  die  Strei- 
fung einfach  und  parallel  zur  Axe  6,  an  dem  andern  tritt 
noch  eine  verticale  Streifung  hinzu,  so  dafs  hier  T  feder- 
fönnig  gestreift  ist. 

PoggendorfiTs  Ann.  Bd.  GXlIl.  19 


290 

Aufser  den  einfachen  Krystallen  und  mit  ihnen  in  der- 
selben Druse  finden  sich  auch  Zwillinge,  nach  dem  gewöhn- 
lichen Zwillingsgesetz  des  Epidots  —  Zwilliugsebene  T  — 
gebildet.  Fig.  6  Taf.  VI  ist  die  gerade  Projektion  eines  Buck- 
landit-Zwillings  aiif  die  Sj^uimetrie  Ebene.  Die  Zusammenfü- 
gung; der  Individuen  zum  Zwilling  ist  zum  Theil  so  innig, 
dafs  man  bei  der  Kleinheit  der  Krystalle  die  Gränze  nicht 
wahrnehmen  kann,  und  den  Zwilling  nur  daran  erkennt, 
dafs  die  Tafel  nicht  allein  an  zwei  sondern  auch  au  der 
dritten  freien  Seite  symmetrisch  zugeschärft  ist.  Zuweilen 
findet  sich  eine  schmale  Zwillingslamellc  in  einen  Krystall 
eingeschoben,  welche  leicht  Täuschung  bereiten  kann.  So 
glaubte  ich  einige  Zeit,  dafs  eine  (fast)  gleichgeneigte  Ge- 
genfläche zu  M  auch  auf  der  hintern  Seite  des  Krystalls 
vorkäme;  bis  ich  endeckte,  dafs  diese  Fläche  einer  solc^hen 
Zwillingslamelle  angehöre,  und  also  M  sey. 

Aus  Vorstehendem  erhellt  die  Identität  der  Krystall- 
form  des  Bucklandits  von  Laach  mit  dem  Orthit,  nament- 
lich mit  dem  sogenannten  Ceriu  von  Ryddarshytlan  und  mit 
Kokscharoff*s  Uralorlhit  vom  Ilmensee  bei  Miask.  Tröge 
unser  Mineral  keine  cigenthümliche  Bezeichnung,  so  würde 
es  sich  jetzt  nicht  rechtfertigen,  ihm  eine  solche  zu  geben. 
Es  ist  ein  Orthit  und  zwar  bei  Weitem  das  ausgezeichnetste 
Vorkommen  dieses  Minerals.  Der  Name  Bucklandit  mufs 
aufgegeben  werden,  wenn  die  chemische  Analyse  die  Or- 
thitmischung namentlich  einen  Gehalt  an  Ceroxydul  ergeben. 
Hoffentlich  gelingt  es  mir,  das  für  die  Analyse  nötbige  Ma- 
terial zu  sammeln. 

Der  Orthit  von  Laach  ist  eine  aufserordeutliche  Sel- 
tenheit und  findet  sich  in  aufgewachsenen  Krystallen  bis 
sechs  Millimeter  grofs  in  Drusen  trachytischer  »Auswürf- 
linge des  Laacher  Sees«.  Wie  selten  das  Mineral  ist,  geht 
schon  daraus  hervor,  dafs  Personen,  welche  in  der  Nähe 
von  Laach  wohnend  Jahre  lang  ihre  Aufmerksamkeit  dem 
Sammeln  jener  «» Auswürflinge«  zuwendeten,  dennoch  nie- 
mals einen  Orthit  fanden.  Unsere  Universitäts- Sammlung 
besitzt  auch  nur  zwei  Stücke.     Das  eine,   ein  Prachtstück 


'>91 

sechs  Zoll  ^rofs,  zeigt  an  der  einen  Seite  noch  die  eigen- 
thüinlich  löchrige  Oberilächc  der  Laacher,  dem  Biinstein-Tuff 
angehörigeu  Lesesteioe,  besteht  wesentlich  aus  glasigem  Feld- 
spath  mit  wenig  schwarzem  Glimmer,  Hornblende,  Aagit, 
Magneteisen,  beherbergt  in  kleinen  Drusen:  Haiiyn  (oder  So- 
dalith?)  thcils  grOn,  theils  bläiilichgrtin,  in  wohl  ausgebilde- 
ten, meist  nach  einer  tria|2;onalen  Axe  sehr  verlängerten  Kry- 
stallen,  schwarzen  Magnesiaglimmer,  Zircon,  Orthit  in  Kry- 
stallen,  deren  GrOfse  zwischen  k  und  6"'"'  schwankt.  Als  ich 
von  diesem  Stöcke  einen  Theil  abspaltete,  öffnete  sich  eine 
Druse,  aus  welcher  ich  16  bis  4""°  grofse  Krjstalle  entnehmen 
konnte,  welche  obigen  Messungen  zu  Grunde  liegen.  Bei  dem 
Oeffnen  jener  Druse  nahm  ich  an  den  Zirconen  die  merkwür- 
dige Erscheinung  wahr,  deren  bereits  Fr.  Sandberger  im 
N.  Jahrb.  v.  Leonhard  und  Broun,  1845  S.  143,  Erwäh- 
nung thut.  Frisch  ans  Licht  gebracht  sind  die  Krystalle 
schön  roth,  zwischen  fleisch-  und  rosenroth.  Wenige  Stun- 
den dem  Lichte  ausgesetzt,  verschwindet  diese  Farbe.  Hr. 
Kreisphysicus  Dr.  Tescbemacher  zu  Mayen  bewahrt  in 
seiner  ausgezeichneten  Sammlung  Laacher  Mineralien  seit 
mehr  als  20  Jahren  einigen  Zirconen  ihre  rothe  Farbe,  in- 
dem er  sie  vor  dem  Lichte  schützt.  »  Woher  rührt  diese  Er- 
scheinung, wie  ist  sie  zu  erklären?<'   fragt  Fr.  Sandberger. 

Das  zweite  Stück  unserer  Sammlung  ist  etwas  anderer 
Art  als  jenes,  indem  es  aus  einem  innigen  Gemenge  von 
glasigem  Feldspath  und  graulich weifsem  Nosean  besteht. 
Diese  beiden  Mineralien  sind  auch  in  den  Drusen  auskry- 
stallisirt  nebst  Hornblende,  Zircon,  Apatit  und  Orthit  zum 
Theil  in  sehr  dünnen  kleinen  Platten. 

Die  Krantz'sche  Sammlung  besitzt  eine  Stufe  vom 
Laacher  See,  welche  auf  Orthit  aufgewachsen  einen  Zircon- 
Krystail  zeigt.  Die  Begleitung  des  Zircons  mit  dem  Orthit 
findet  sich  auch  zu  Werchoturie  in  Sibirien.  Herman  sagt 
hierüber  im  Jonrn.  f.  prakt.  Chemie  von  Erdmann  Bd.  43, 
S.  107:  »Die  Orthit-Krystalle  finden  sich  stets  in  Begleitung 
von  kleinen,  netten,  scharf  ausgepi^gten  und  stark  glSn- 

19* 


292 

4 

zenden  Zircooen.      MituDter  findet  man  Orthit  -  Krystalle 
mit  aufgewachsenen  Zirconen. « 

Laach  ist  bisher  das  einzige  Vorkommen  von  Orthit  in 
vulkanischem  Gesteine.  Vielleicht  wird  man  ihn  in  dem- 
selben Gestein  auch  an  andern  Orten  entdecken.  G.  Rose 
Sufscrt  sich  darüber  in  einer  gütigen  brieflichen  Miltbeiluug 
mit  folgenden  Worten:  »Es  ist  mir  gar  nicht  unwahi^chein- 
lieh,  dafs  der  Orthit  auch  in  den  Auswürflingen,  dtli  Blök- 
ken glasigen  Feldspaths,  von  den  Azoren  vorkommt.  Ich 
habe  schwarze  Krystalle  darin  gesehen,  die  grofse  Aebn- 
lichkeit  mit  Orthit  hatten,  aber  doch  noch  zu  undeutiicb 
waren,  um  genau  bestimmt  werden  zu  können.« 


VI.     Leber  die  unierniobsauren  Snize; 
von  Heinn  Hose. 

(Schiurt.) 


D 


'urch  die  Lösung  des  neutralen  unterniobsauren  Natrons 
kann  man  andere  neutrale  unterniobsaure  Salze  darstellen. 
Mit  fast  allen  Basen,  ausgenommen  mit  den  Alkalien,  giebt 
die  Unterniobsaure  unlösliche  neutrale  Verbindungen,  und 
man  erhält  sie  leicht,  wenn  man  zu  der  Lösung  des  neu- 
tralen unterniobsauren  Natrons  das  lösliche  neutrale  Salz 
einer  andern  Base  und  zwar  im  Uebermaafs  hinzufügt. 
Die  Gegenwart  des  Wassers  wirkt  nicht  störend;  das  ge- 
fällte Salz  ist  neutral,  das  heifst,  der  Sauerstoff  der  Base 
ist  ein  Drittel  von  dem  der  Unterniobsaure. 

Die  Lösung  des  unterniobsauren  Natrons  giebt  mit  den 
Lösungen  von  neutralen  Salzen  der  Alkalien  stärkere  Nieder- 
schläge, als   die  des  niobsauren   Natrons.     Es  entsteht  da 
durch  ein  starker  Niederschlag  in  der  Lösung  von  schwe- 
felsaurem Natron,  während  durch  schwefelsaures  Kali  keine 


293 

und  nach  längerer  Zeit  nur  eine  geringe  Fällung  erzeugt 
wird.  Ebenso  giebt  eine  Lösung  von  salpetersaurem  Na- 
tron sogleich  einen  starken  Niederschlag, 'während  eine 
von  salpetersaurem  Kali  nur  nach  längerem  Stehen  eine 
FKlIung  giebt.  Chlorkalium  und  Chlomatrium  geben  aber 
sogleich  Fällungen. 

UnterniolManres  Ammonlamozyd. 

In  der  Lösung  des  unmniobsauren  Natrons  bringen 
Lösungen  von  schwefelsaurem  Ammoniak  und  von  Chlor- 
ammonium anfangs  keine  Fällung  hervor,  wodurch  es  sich 
von  dem  niobsauren,  besonders  aber  von  dem  tantalsau- 
ren Natron  unterscheidet.  Durch  einen  Ueberschufs  der 
ammoniakalischen  Salze  entsteht  indessen  mit  der  Zeit 
.ein  dicker  voluminöser  Niederschlag,  von  welchem  aber 
beim  Auswaschen  mit  Wasser  von  gewöhnlicher  Tempera- 
tur viel  sich  wieder  auflöst.  Das  Auswaschen  wurde  so 
lange  fortgesetzt,  bis  das  Waschwasser  die  Lösungen  des 
Chlorbaryums  und  des  salpetersauren  Silberoxjds  nicht 
mehr  trübte. 

Der  durch  Chlorammonium  erzeugte,  und  bei  100®  ge- 
trocknete Niederschlag  wurde  in  einem  Platinschiff  in  einem 
Glasrohr  in  einem  Strome  von  gut  getrockneter  atmosphä^ 
rischer  Luft  geglüht,  und  das  entwichene  Ammoniak  in 
Chlorwasserstoffsäure  geleitet.  In  der  Lösung  wurde  das- 
selbe in  Ammoniumplatinchlorid  und  dieses  durchs  Glühen 
in  Platin  verwandelt.  Die  geglühte  Unterniobsäure  wurde 
mit  saurem  schwefelsaurem  Ammoniak  geschmolzen,  worin 
sie  sich  zu  einem  klaren  Sjrup  auflöste,  aus  welchem  durchs 
Vermischen  mit  heifsem  Wasser  die  Unterniobsäure  sich 
fftUte.  In  der  filtrirten  Flüssigkeit  wurde  das  Natron  be- 
stimmt. 

Aus  1,534  Grm.  der  Verbindung  wurden  1,365  Grm. 
Unterniobsäure  und  0,033  Grm.  schwefelsaures  Natron  so 
wie  0,213  Grm.  Platin  erhalten.  Die  Zusammensetzung  der 
Verbindung  ist  daher: 


294 

Saaeraloff. 

Unterniobsäure  87,61  17,28 

AiomoDiumoxjd  3,66  1,12 

Natron  0,92  0,24 

Wasser  7,36  6,54 


99,55. 

•  •  • 

Die  Verbindung  kann   als  ?m*0  +  4?fb  mit  5  Atomen 
setzt  ist. 


Wasser  verbunden  betracbte^werden,  wenn  man  annitimt, 
dafs  darin  ein  Theil  des  Ammniumoxyds  durch  Natroa  er- 


Uoteroiobsaure  Magnesia. 

Die  Lösung  des  krystallisirtcn  uuterniobsauren  Natrons 
wurde  durch  eine  Lösung  von  schwefelsaurer  Magnesia  ge-. 
fällt  bis  kein  Niederschlag  sich  mehr  erzeugte.  Derselbe 
war  von  rein  wcifser  Farbe  und  senkte  sich  leicht.  Nach 
dem  Auswaschen  wurde  er  bei  100"  getrocknet. 

2,340  Grra.  der  Verbindung  verloren  durchs  Glühen 
0,399  Grm.  Wasser.  Von  dem  geglühten  Salze  wurden 
1,110  Grm.  mit  zweifach  schwefelsaurem  Kali  geschmolzen; 
die  geschmolzene  Masse  wurde  mit  Wasser  behandelt,  die 
ausgewaschene  und  geglühte  Unterniobsüure  wog  0,966  Grm.; 
aus  der  Lösung  wurden  0,416  Grm.  gegltihte  pyrophos- 
phorsaure  Magnesia  erhalten.  Die  Zusammensetzung  ist 
daher: 

Saurrslo/T. 

Unlerniobsäure      72,188  14,242 

Magnesia                11,126  4,447 

Wasser                  i'zi^^  15,156 

100,365. 

Das  Salz  enthält  etwas  mehr  Wasser  als  die  niobsaure 

•  •  •  * 

Magnesia.  Die  chemische  Formel  ist  Mg  +  ^b,  und  das 
Salz  enthält  fast  3A  At.  Wasser,  von  welchem  vielleich 
durch  längeres  Trocknen  bei  100"  noch  etwas  verflüchtigt 
worden  wäre. 


295 

Ünterniobflaures  Silberozyd. 

Mit  einem  Ueberschufs  von  salpelersaurem  Silberoxyd 
giebt  die  Lösung  des  krystallisirten  unterniobsauren  Natrons 
eineD  weifsen  Niederschlag,  der  einen  Stich  ins  Gelbliche 
hat.  Schon  beim  Trocknen  über  Schwefelsäure  fängt  der- 
selbe an  braun  zu  werden,  durchs  Trocknen  bei  100^  wird 
er  schwarz.  Durchs  Glühen  verlor  er  1,986  Proc  Wasser, 
und.  nimmt  dabei  eine  graue  Farbe  an,  welche  er  auch  beim 
Erkalten  behält.  ^ 

1,116  Grm.  des  bei  100"  getrockneten  Salzes  wurden 
nach  dem  Glühen  mit  zweifach  -  schwefelsaurem  Kali  ge^ 
schmolzen,  und  die  geschmolzene  Masse  so  lange  mit  Was- 
ser behandelt,  bis  das  Waschwasser  durch  Chlorwasserstoff- 
säure nicht  mehr  getrübt  wurde.  Es  wurden  0,563  Grm. 
Unterniobsäure  und  0,652  Grm.  Chlorsiiber  erhalten.  Die 
Zusammensetzung  des  Salzes  ist  daher: 

SauerttofT. 

Unterniobsäure     50,448  9,953 

Silberoxjd            47,312  3,263 

Wasser                   1,986  1,765 

99,746 

Das  unterniobsäure  Silberoxyd  ist  daher  Ag+^b.  Ob 
der  geringe  Wassergehalt  des  Salzes,  der  i  At.  beträgt, 
durch  längeres  Trocknen  sich  verflüchtigt,  und  ob  das  Salz 
wasserfrei  zurückbleibt,  lasse  ich  dahin  gestellt. 

Das  geglühte  Salz  wurde  in  einem^  Strome  von  Wasser- 
stoffgas so  lange  geglüht,  bis  die  Bildung  von  Wasser  nicht 
mehr  bemerkt  werden  konnte  und  kein  Gewichtsverlust  statt 
fand.  Es  dauerte  lange  bis  die  Erzeugung  des  Wassers 
ganz  aufhörte.  1,777  Grm.  des  geglühten  Salzes  wogen 
nach  sechsmaligem  Glühen*  1,716  Grm.;  welches  Gewicht 
sich  durch  ferneres  Glühen  nicht  mehr  verminderte.  Im 
wasserfreien  Zustand  enthält  das  Salz  48,81  Proc.  Silber- 
oxyd, also  3,36  Proc.  Sauerstoff  in  demselben.  Der  Ge- 
wichtsverlust durchs  Glühen  im  Wasserstoffgasstrome  be- 
trug 0,061  Grm«;  diese  Menge  des  Wassers  entspricht  3,43 
Proc.  Säuerst.  Durch  die  Einwirkung  des  Wasserstofigaaes 


296 

war  daher  fast  nur  das  Silberoxjd,  nicht  aber  die  Unter- 
niobsäure  reducirt  worden. 

Uoterniobsaures  Quecksilberoxydal. 

Wird  die  Lösung  des  unterniobsauren  Natrons  mit  einer 
Lösung  von  salpetersaurem  Quecksilberoxjdul  im  lieber- 
schufs  versetzt,  so  entsteht  ein  hellgelber  Niederschlag,  der 
gelbgrün  wird.  Er  senkt  sich  leicht;  nach  dem  Auswaschen 
nimmt  er  eine  mehr  blaugiliR  Farbe  an.  Nach  dem  TiTOck- 
nen  an  der  Luft  bildet  er  Teste  Stücke,  mit  glasgläuzeodem 
Bruche,  deren  Pulver  gelbgrün  ist.  Durchs  Trocknen  bei 
100^  wird  die  Farbe  des  Pulvers  gelbroth,  nicht  unShnlich 
in  der  Farbe  dem  fein  zerriebenen  reinen  Quecksilberoxyde. 

Das  Salz  wurde  nach  dem  Trocknen  bei  100°  durch 
Salpetersäure  zersetzt;  in  der  von  der  UnterniobsAnre  ge- 
trennten Flüssigkeit  wurde  das  Quecksilberoxjd  durch  Schwe- 
felwasserstoffgas gefällt.  Es  wurden  aus  1,584  Grm.  des 
Salzes  0,526  Grm.  Unterniobsäurc  und  1,057  Grm.  Schwe- 
felquecksilber erhalten.  Die  Zusammensetzung  des  Salzes 
ist  daher: 

SauerstofT. 

Unterniobsäurc               33,207  6,552 

Quecksilberoxydul         59,785  2,297 

Wasser  (als  Verlust)       7,008  6,229 

100,00. 

•        •  •  •  * 

Die  Zusammensetzung  des  Salzes  ist  also  HglHb+3H. 

2,205  Grm.  des  bei  100^  getrockneten  Salzes  wurden  in 
einem  Wasserstoffgasstrome  geglüht.  Es  verflüchtigte  sich 
Wasser  und  Quecksilber  und  es  blieben  0,772  Grm.  un- 
terniobsäurc von  grauer  Farbe  oder  34,87  Proc.  zurück. 

In  einer  Lösung  des  unterniobsauren  Natrons  entsieht 
durch  eine  Lösung  von  Quecksilberchlorid  anfangs  keine 
Veränderung;  mit  der  Zeit  aber  bildet  sich  eine  Gallerte, 
die  aber  nicht  so  steif  ist,  wie  die,  welche  durch  niobsaures 
Natron  hervorgebracht  wird.  Nach  längerer  Zeit  scheidet 
sich  in  dieser  Gallerte  etwas  Quecksilberoxyd  oder  Oxy- 
chlorid  ab,   wie  diefs  auch  der  Fall  ist,  wenn  eine  Queck- 


4Mt  A19SGfn.i  1314  GmL  des  Im  180»  tgilrxfc 

fttMrt  ^«itoreD  dordu  Glflken  ^131  (km.Wmm; 

T^T^  jttMiiltr"  Bit  xweibch  uknMtmanm  iMi  wid 
^^g|j|gMvd«r  gegAmoIxenen  Matte  mü  Wmi ^ — ""^ 

aMS  Gi*'^'''^^'^"'^  erhalten,  welche  mit 

^^l^^gilfraüilMiure  md  saletst  mit  Waater  aut,^.-^^.^ 

jj-  Diefillrirte  LOsäDg  gab  durch  Sdwfefel  i'iwilUlng 
I^IM  6r«^  »  WasaeratofigaMtrome  gegiflhteayehftil- 

llei  einer  zweiten  Unterauchong  binterliefteil^iTflft«  Qflik 
Am  hai  1^^^  getrockneten  Salzea  nach  deuGlQbeD  OflMQmm 
HfcA^and,  ans  welchem  0,554  Grm*  Untemiobatare  'imd 
A^iTI  Grm.  Schwefclkupfer  erhalten  wur^n. 

p«s  Resultat  der  beiden  Analysen  ist  daher  folgendea: 


1. 

SaocrstofT. 

II. 

Saocrctofl 

ÜDlerniobsäure 

69,48 

13,708 

69,77 

13.765 

Kupferoxyd 

21,53 

4,344 

21,53 

4,344 

Yfataer 

9,96 
100,97 

8,853 

8,81 
100,11. 

7331 

•  •  •  •  • 

Die  Zusammensetzung  ist  also:  CuM+211. 

Uoterniobsaures  Kisenoxjd. 

Um  das  Verhalten  des  uuterniobsauren  Natrons  gegen 
Salze  von  schwachen  Basen  kennen  zu  lernen,  wurde  die 
liOsung  desselben  mit  einer  Lösung  von  krystallisirtem  Eli- 
genchlorid  im  Ueberschufs  versetzt.  Es  entstand  dadurch 
eine  gelbbraune  trübe  Flüssigkeit,  die  stets  trübe  durchs 
Filtrum  ging,  und  sich  erst  durchs  Stehen  nach  langer  Zeit 
in  einem  verschlossenen  Gefäfse  klärte.  Als  nach  einem 
Zeitraum  von  fast  einem  Jahre  die  geklärte  Flüssigkeit  ab- 
filtrirt,  und  der  Niederschlag  ausgewaschen  wurde,  ging  das 
Waschwasser  wiederum  ganz  trübe  durchs  Filtrum,  und  es 
war  daher  schwer  zu  beurtheilen,  ob  die  Verbindung  aus- 
gewaschen  worden  war. 

Der  Niederschlag  hatte  nach  dem  Trocknen  eine  leber- 
braune  Farbe,  und  bestand  aus  Stücken  mit  glasglänzendem 


299 

Bruche;  im  Pulver  hatte  er  eine  etwas  hellere  Farbe.  Nach 
dem  Glühen  wurde  er  schmutziggrtin. 

Es  wurde  mit  zweifach  schwefelsaurem  Kali  geschmolzeu, 
nud  Dach  Behandluug  mit  Wasser  die  Unterniobsäure  mit 
heifsem  Wasser  ausgewaschen.  Dieselbe  wurde  darauf  mit 
Schwefelammonium  digerirt,  wodurch  sie  dunkelgrün  sich 
fkrbte,  sodann  mit  verdünnter  Cblorwasserstoffsfture  über- 
gössen,  und  endlich  mit  heifsem  Wasser  ausgewaschen. 

1,777  Grm.  des  lufttrocknen  Niederschlags  verloren  durchs 
Trocknen  bei  lOO*"  0,240  Grm.  Die  rückständigen  1,537  Grm. 
wogen  nach  dem  Trocknen  bei  100"  1,336  Grm.  und  gaben 
0,958  Grm.  Unterniobsäure  und  0,407  Grm.  Eisenoxyd.  Hier- 
nach ist  die  Zusammensetzung: 

Sauerstoff. 

Unterniobsäure     62,33  12,298 

Eisenoxjd             26,48  7,935 

Wasser                 11,12  9,884 

99,93. 

•  •  ■  •  •  • 

Die  Verbindung  ist  daher  Fc^Pib^,  also  basisch -unter- 
niobsaures  Eisenoxyd.  Durch  den  Einflufs  des  Wassers  ist 
bei  der  Ausscheidung  des  neutralen  unterniobsauren  Eisen- 
oxyds gemeinschaftlich  mit  demselben  noch  ein  zweites  Atom 
Eisenoxyd  aus  dem  Eisenchlorid  gefällt  worden. 

GaUusgerbsaure  Untemlobsaare. 
In  der  Lösung  des  unterniobsauren  Natrons  entsteht 
durch  eine  frisch  bereitete  Lösung  von  Gallusgerbstoff  in 
Wasser  von  gewöhnlicher  Temperatur  kein  Niederschlag, 
sondern  nur  eine  gelbe  Färbung.  Durch  Zusetzen  von 
Chlorwasserstoffsäure  bis  zur  schwach-sauren  Reaction  er- 
zengt sich  der  bekannte  oranienrothe  Niederschlag  von  volu- 
minöser Beschaffenheit;  er  wurde  so  lange  ausgewaschen  bis 
das  Waschwasser  keine  Reaction  auf  Chlor  mehr  zeigte, 
und  beim  Verdampfen  keinen  Rückstand  mehr  hiuterliefs. 
Im  lufttrocknen  Zustand  bildete  der  Niederschlag  harte 
Stücke  von  dunkelschwarzbrauner  Farbe,  und  von  glasi- 
gem  firuch.    Das   Pulver   zeigte   eine   rothbraune   F^ib%« 


298 

0,917  Grin.  des  lufttrocknen  Pulvers  verloren  bei  100* 
getrocknet  0,123  Grni.,  1,314  Grm.  des  bei  lOO""  getrock- 
neten  Pulvers  verloren  durchs  Glühen  0,131  Gnn.  Wasser; 
durchs  Schmeleen  mit*  zweifach  schwefelsaurem  Kali  uud 
Behandlung  der  geschmolzenen  Masse  mit  Wasser  wurden 
0,913  Grm.  Unlerniobsfiure  erhalten,  welche  mit  verdünnter 
Cblorwasserstoffsäure  und  zuletzt  mit  Wasser  ausgewaschen 
wurden.  Die  fillrirte  Lösung  gab  durch  Schwefelwasserstoff- 
gas  0,283  Grm.  im  Wasserstoffgasstrome  geglühtes  SÜiwefel- 
kupfcr.  i^' 

Bei  einer  zweiten  Untersuchung  hinterliefsen  %19%  Grm. 
des  bei  KM)''  getrockneten  Salzes  nach  dem  Glühen  0,724  Gnn. 
Rückstand,  aus  welchem  0,554  Grm.  Unterniobsfture  uud 
0,171  Gnn.  Schwefelkupfer  erhalten  wur|)en. 

Das  Resultat  der  beiden  Analysen  ist  daher  folgendes: 


1. 

SaucrstofT. 

II. 

Saucrstorr. 

UnterniobsSure 

69,48 

13,708 

69,77 

13,765 

Kiipfproxjd 

21,53 

4,344 

21,53 

4,344 

Wasser 

9,96 
100,97 

8,853 

8,81 
100,11. 

7,831 

•  «  •  •  ■ 

Die  Zusammensetzung  ist  also:  Cu^b-|-2H. 

Uaterniobsaurea  Kiseooxyd. 

Um  das  Verhalten  des  uuterniobsauren  Natrons  gegen 
Salze  von  schwachen  Basen  kennen  zu  lernen,  wurde  die 
Lösung  desselben  mit  einer  Lösung  von  krjstallisirtem  Ei- 
senchlorid im  Ueberschufs  versetzt.  Es  entstand  dadurch 
eine  gelbbraune  trübe  Flüssigkeit,  die  stets  trübe  durchs 
Filtrum  ging,  und  sich  erst  durchs  Stehen  nach  langer  Zeit 
in  einem  verschlossenen  Gefäfse  klärte.  Als  nach  einem 
Zeitraum  von  fast  einem  Jahre  die  geklärte  Flüssigkeit  ab- 
filtrirt,  und  der  Niederschlag  ausgewaschen  wurde,  ging  das 
Waschwasscr  wiederum  ganz  trübe  durchs  Filtrum,  und  es 
war  daher  schwer  zu  beurtheilen,  ob  die  Verbindung  aus- 
gewaschen  worden  war. 

Der  Niederschlag  hatte  nach  dem  Trocknen  eine  leber- 
braune  Farbe,  und  bestand  aus  Stücken  mit  glasglänzendem 


299 

Bruche;  im  Palver  hatte  er  eine  etwas  hellere  Farbe.  Nach 
dein  GlühcD  wurde  er  scbmutziggrün. 

Es  wurde  mit  zweifach  schwefelsaurem  Kali  geschmolzeo, 
uud  Dach  BehandluDg  mit  Wasser  die  Uuterniobsäure  mit 
beifsem  Wasser  ausgewaschen.  Dieselbe  wurde  darauf  mit 
Schwefelammouium  digerirt,  wodurch  sie  dunkeigrfin  sich 
filrbte,  sodauD  mit  verdÜDUter  Cblorwasserstoffsfture  über« 
gössen,  und  endlich  mit  heifsem  Wasser  ausgewaschen. 

1,777  Grm.  des  lufttrocknen  Niederschlags  verloren  durchs 
Trocknen  bei  IW  0,240  Grm.  Die  rückständigen  1,537  Grm. 
wogen  nach  dem  Trocknen  bei  100^  1,336  Grm.  und  gaben 
0,958  Grm.  Unterniobsäure  und  0,407  Grm.  Eisenoxyd.  Hier- 
nach ist  die  Zusammensetzung: 


Sauerstoff. 

Unterniobsäure 

62,33 

12,298 

Eiseuoxjd 

26,48 

7,935 

Wasser 

11,12 

9,884 

99,93. 

•   •    B  ■    •    • 

Die  Verbindung  ist  daher  Fc^Nb',  also  basisch -unter- 
niobsaures  Eisenoxyd.  Durch  den  Einflufs  des  Wassers  ist 
bei  der  Ausscheidung  des  neutralen  unterniobsauren  Eisen- 
oxyds gemeinschaftlich  mit  demselben  noch  ein  zweites  Atom 
Eisenoxyd  aus  dem  Eisenchlorid  gefftUt  worden. 

Galloflgerbsaure  UotemlobsAiure. 
In  der  Lösung  des  unterniobsauren  Natrons  entsteht 
durch  eine  frisch  bereitete  Lösung  von  Gallusgerbstoff  in 
Wasser  von  gewöhnlicher  Temperatur  kein  Niederschlag, 
sondern  nur  eine  gelbe  Färbung.  Durch  Zusetzen  von 
Chlorwasserstoffsäure  bis  zur  schwach-sauren  Reaction  er- 
zeugt sich  der  bekannte  oranienrothe  Niederschlag  von  volu- 
minöser Beschaffenheit;  er  wurde  so  lange  ausgewaschen  bis 
das  Waschwasser  keine  Reaction  auf  Chlor  mehr  zeigte, 
and  beim  Verdampfen  keinen  Rückstand  mehr  hinterliefs. 
Im  lufttrocknen  Zustand  bildete  der  Niederschlag  harte 
Stücke  von  dunkelschwarzbrauner  Farbe,  und  von  glasi- 
gem  Bruch.    Das   Pulver  zeigte   eine  rotbbrauoe  Fache« 


300 

Beim  Trocknen  bei  100^  verlor  die  lufttrockue  Substanz 
12  Proc  an  Gewicht. 

Bei  der  Verbrennung  des  bei  100®  getrockneten  Pulvers 
im  Sauersfoffstrome  mit  Hülfe  von  Kupferoxyd  in  einem 
Platinschiff  wurden  aus  1,719  Grm.  der  Verbindung  1,042 
Grm.  Unterniobsäure,  sowie  0,259  Wasser  und  1,159  Grm. 
Kohlensäure  erhalten.  Bei  einer  Wiederholung  des  Ver- 
suchs gaben  0,899  Grm  der  Verbindung  0,546  Grm.  Unter- 
niobsSure,  0J46  Grm.  Wasser  und  0,613  Grm.  Kohlensäure. 
Da  indessen  das  erhaltene  Wasser  eine  bedeuMtefle  Menge 
von  Chlorwasserstoffsäure  enthielt,  so  haben  di%e  Bestim- 
mungen des  organischen  Theils  der  Verbindung  nur  einen 
sehr  geringen  Werlh. 

Auch  bei  diesen  Verbrennungen  konnte,  wie  bei  den 
der  analogen  niobsauren  Verbindung  die  Erscheinung  sehr 
deutlich  beobachtet  werden,  dafs  eine  plötzliche  starke  Licht- 
erscheinung in  der  Verbindung  erst  dann  statt  fand,  als  die- 
selbe schon  eine  gelblich  weifse  Farbe  angenommen  hatte, 
als  daher  der  organische  Bestandtheil  schon  ganz  oxydirt 
und  verflüchtigt  worden  war.  Mit  dieser  Lichterscheinung 
hörte  die  Erzeugung  des  Wassers  plötzlich  auf  und  mit- 
hin auch  die  der  Kohlensäure,  was  jndessen  wegen  des  zu- 
strömenden Sauerstoffgases  nicht  deutlich  wahrgenommen 
werden  konnte. 

Es  wurde  ferner  die  Lösung  des  unterniobsauren  Na- 
trons mit  einer  Lösung  von  reiner  Gallussäure  versetzt.  Es 
entstand  auch  dadurch  kein  Niederschlag,  aber  die  Flüssig- 
keit wurde  gelb.  Erst  durchs  Zlisetzen  von  Chlorwasser- 
stoffsäure bis  zur  schwach  sauren  Reaction  entstand  ein 
voluminöser  oranienrother  Niederschlag;  die  überstehende 
Flüssigkeit  blieb  schwach  -  gelblich  gefärbt.  Der  Nieder- 
schlag wurde  mit  Wasser  von  gewöhnlicher  Temperatur  so 
lange  ausgewaschen,  bis  das  Waschwasser  keinen  Rück- 
stand beim  Abdampfen  hinterliefs  und  keine  Reaction  auf 
Chlorwasserstoff  mehr  zeigte.  Er  schwand  beim  Trocknen 
sehr  zusammen,  bildete  dann  harte  Stücke  von  kastanien- 
brauner Farbe,  deren  Pulver  hellbraun  war. 


301 

Beim  ErhitzeD  des  lufttrocknen  Pulvers  bis  zu  100^ 
verlor  dasselbe  gegen  20  Proc.  an  Gewicht.  Beim  Ver- 
brennen im  Sauerstoffstrome  mit  Hülfe  von  Kupferoxyd 
wurden  aus  0,929  Grm.  der  Substanz  0,647  Gnu.  Unter- 
niobsäure,  0,129  Grm.  Wasser  und  0,440  Grm.  Kohlensäure 
erhalten.  Da  aber  das  erzeugte  Wasser  Chlorwasserstoff- 
säure enthielt,  so  hat  auch  diese  Bestimmung  des  organi- 
schen Bestandtheils  keinen  bedeutenden  Werth.  Die  starke 
Lichterscheinung  wurde  auch  hier  unter  denselben  Umstän- 
den beobachtet,  wie  bei  der  Verbrennung  der  gallusgerb- 
sanren  Verbindung. 

Trennung  der  Tantalsfture  von  der  Unterniobsftnre. 

Die  drei  Säuren,  die  Tantalsäure,  die  Niobsäure  und 
die  Unterniobsäure  zeigen  in  ihren  Verbindungen  und  in 
ihrem  Verhalten  gegen  Reagentien  eine  solche  Aehnlichkeit, 
dafs  wir  im  ganzen  Gebiete  der  Chemie  keine  gröfsere 
zwischen  den  Verbindungen  anderer  Grundstoffe  anzuwei- 
sen haben.  Die  Trennung  dieser  Säuren  von  einander  ist 
daher  mit  den  gröfsten  Schwierigkeiten  verbunden. 

Am  meisten  weicht  die  Tantalsäure  in  ihren  Eigenschaf- 
ten  von  der  Unterniobsäure  ab;  die  Niobsäure  steht  hin- 
sichtlich der  Aehnlichkeit  zu  den  beiden  anderen  Säuren 
in  der  Mitte. 

Da  nun  die  Niobsäure  bis  jetzt  noch  nicht  mit  Sicher- 
heit in  den  in  der  Natur  vorkonanenden  Verbindungen 
des  Niobs  und  des  Tantals  gefunden,  und  nur  künstlich 
dargestellt  worden  ist,  so  habe  ich  auch  nur  Versuche  über 
die  Trennung  der  Tantalsäure  von  der  Unterniobsäure  an- 
gestellt. 

Von  allen  Verschiedenheiten,  welche  die  Verbindungen 
des  Tantals  und  des  Niobs  zeigen,  schienen  mir  nur  fol- 
gende drei  in  dem  Verhalten  der  Säuren  dieser  Metalle 
von  der  Art  zu  seyn,  dafs  eine  Trennung  darauf  gegrün- 
det werden  könnte. 

1)  Das  ungleiche  Verhalten  der  drei  Säuren  in  ihren 
alkalischen  Salzen   zu  Chlorammonium.     Die  Tantalsäore 


302 

wird  aus  ihren  alkalischen  Lösungen  am  schnellsten,  die 
Untemiobsäure  am  langsamsten  gefällt. 

2)  Das  ungleiche  Verhalten  der  Säuren  in  den  Lösun- 
gen ihrer  alkalischen  Salze  gegen  Kohlensäureg^as.  Die 
Tantalsäure  wird  durch  dasselbe  am  schnellsten  gefällt; 
ungleich  langsamer  die  Niobsäure;  aber  am  langsamsten 
die  Untemiobsäure. 

3)  Die  verschiedene  Löslichkeit  der  Natronsalze  der 
drei  Säuren  in   einer  Lösung   von    kohlensaurem  Natron. 

Das  tantalsaure  Natron  ist  am  schwerlöslichsten^hi  einer 
Lösung  von  Natronhydrat  und  von  kohlensaureoi' Natron, 
das  niobsäure  Natron  fast  eben  so,  aber  das  ifnterniob 
saure  Natron  ist,  namentlich  in  einer  etwas  verdünnten 
Lösung  von  kohlensauren  Natron  das  am  wenigsten  schwer- 
lösliche. Eben  so  ist  die  frisch  gefällte  Untemiobsäure, 
oder  vielmehr  das  durch  Kohlensäure  aus  den  alkalischen 
Lösungen  gefällte  saure  untemiobsäure  Natron  in  einer 
verdünnten  Auflösung  von  kohlensaurem  Natron  auflöslich, 
während  das  tautalsaure  Natron  in  einer  gleich  verdünnten 
Lösung  noch  ganz  unlöslich  ist. 

4)  Das  verschiedene  Verhalten  der  neutralen  Natron- 
salze  der  drei  Säuren  beim  Erhitzen.  Das  tantalsaure  Na- 
tron zerfällt  bei  einer  weit  geringeren  Hitze  in  ein  saures 
Salz  und  in  Natronhjdrat,  als  die  anderen  beiden  Natron- 
salze, namentlich  als  das  untemiobsäure  Natron. 

Es  wurden  gewogene  Quantitäten  von  Tantalsäure  und 
Untemiobsäure  im  Silbertiegel  mit  Natronhydrat  geschmol 
zen,  die  geschmolzene  Masse  wurde  mit  heifsfem  Wasser 
behandelt,  und  nach  dem  Aufweichen  und  Absetzen  wurde 
die  Flüssigkeit  von  den  in  derselben  unlöslichen  Natron- 
salzen  abgegossen,  und  diese  in  heifsem  Wasser  aufgelöst. 
Die  Lösung  wurde  mit  so  viel  von  einer  Auflösung  von 
kohlensaurem  Natron  versetzt,  als  ohne  dafs  sie  sich  trübte 
hinzufügt  werden  konnte  und  darauf  mit  einer  Lösung  von 
Chlorammonium  vermischt.  Es  entstand  sogleich  ein  Nie- 
derschlag, der  sich  aber  schwer  senkte.    Nach  20 stündigem 


303 

Stehen  wurde  er  fiitrirt,  und  mit  Wasser  von  gewöhnlicber 
Temperatur  ausgewaschen.  Es  zeigte  sich  aber,  dafs  ge- 
meinschaftlich mit  dem  sauren  tantalsauren  Ammoniurooxyd 
der  gröfste  Theil  des  unterniobsaureu  Aminoniumoxyds  ge- 
fällt worden  war.  Die  abfiltrirte  Flüssigkeit  gab  nur  auf 
Znsatz  von  niehr  Chlorammonium  noch  einen  Niederschlag. 
Wenn  also  wirklich  eine  Trennung  beider  Säuren  vermit- 
telst Chlorammoniums  möglich  sejn  sollte,  so  hängt  diese 
von  der  Menge  des  Chlorammoniums  ab,  die  zu  der  Lö- 
sung der  Natrousalze  hinzugefügt  wird. 

Es  wurden  von  Neuem  geivogcne  Quantitäten  beider 
Säuren  mit  Natronhjdrat  geschmolzen  und  die  geschmolzene 
Masse  mit  Wjisser  so  behandelt,  dafs  die  in  der  Mutter- 
lauge unlöslichen  Natronsalze  von  derselben  getrennt  und 
in  Wasser  aufgelöst  werden  konnten.  Zur  Lösung  wurde 
so  viel  von  der  Mutterlauge  hinzugefügt,  als  dieselbe  ohne 
sich  zu  trüben  aufnehmen  konnte,  und  darauf  ein  Strom 
von  Kohlensäuregas  durch  die  Lösung  geleitet.  Da  dieselbe 
freies  Natron  enthielt,  so  dauerte  es  wohl  12  Stunden,  ehe 
eine  Fällung  sich  zeigte.  Der  Strom  des  Gases  wurde  dar- 
auf sogleich  unterbrochen.  Nachdem  aber  der  Niederschlag 
sich  abgesetzt  hatte,  erzeugte  sich  in  der  filtrirten  Flüssig- 
keit keine  fernere  Trübung  durch  Kohlensäuregas;  aber 
auch  nicht  mit  Schwefelsäure,  und  es  fand  sich,  dafs  die 
ganze  Menge  der  Unterniobsäure  gemeinschaftlich  mit  der 
TantaL^'äure  sich  abgeschieden  halte,  während  die  Lösung 
des  unterniobsaureu  Natrons  allein  sich  erst  nach  weit  län- 
gerer Zeit  durch  Kohlensäuregas  würde  getrübt  haben. 

Der  feuchte  Niederschlag  der  sauren  Natrousalze  wurde 
mit  dem  übrig  gebliebenen  Theil  der  natronhaltigen  Mut- 
terlauge Übergossen,  und  nachdem  diese  noch  mit  vielem 
Wasser  verdünnt  worden  war,  eine  halbe  Stunde  hindurch 
bis  zum  Kochen  erhitzt.  Nach  dem  Absetzen  des  Unge- 
lösten, wurde  letzteres  nach  der  Trennung  der  Flüssigkeit 
mit  einer  sehr  verdünnten  Lösung  von  kohlensaurem  Natron 
gekocht,  und  diefs  so  oft  wiederholt,   bis  in   der  abfiltrir- 


304 

ten  Flüssigkeit  durch  Schwefelsäare  kein  Niederschlag  mehr 
eutstaod.  Es  war  um  diefs  zu  erreichen,  ein  mehruialiges 
Kochen  mit  einer  Lösung  von  kohlensaurem  Natron  nöthig. 

Die  ungelöste  Tantalsäure  wurde  nach  dem  Auswaschen 
▼ermittekt  beifsen  Wassers  mit  saurem  schwefelsaurem  Kali 
zusammengeschmolzep,  um  die  Tantalsäure  rein  vom  Na* 
tron  zu  erhalten.  —  Die  sämmtlichen  von  der  Tautalsäure 
getrennten  alkalischen  Flüssigkeiten  wurden  mit  Schwefel- 
säure übersättigt,  und  die  Unterniohsäure  durchs  Kochen 
gefällt. 

Es  hatte  beim  Schmelzen  des  Gemenges  der  Säuren  mit 
Natronhydrat  ein  kleiner  Verlust  durch  Stäuben  stattge- 
funden. 

Es  waren  1,076  Grm.  Unterniobsäure  und  0,954  Grm. 
Tantalsäure  angewandt  worden. 

Eis  wurden  wieder  erhalten  1,072  Grm.  Unterniobsäure 
und  0,893  Grm.  Tantalsäure.  Ich  bin  der  Meinung,  dafs 
wenn  die  Behandlung  der  Tantalsäure  mit  kohlensaurem 
Natron  noch  öfterer  wiederholt  worden  wäre,  das  Resultat 
ein  genaues  gewesen  wäre.  Jedenfalls  scheint  auf  diesem 
Wege  eine  Trennung  möglich  zu  sejn. 


323 

hdrcD,  und  entfernt  dann  dieselbe  allmfthlich  so  %?eit^  data 
der  Schlag  nicht  mehr  gehört  wird,  so  wird  man  bemerken, 
daCs  zwischen  den  beiden  Entfernungen  eine  Stelle  inne- 
liegt,  wo  der  Schlag  der  Uhr  nur  intermittirend  gehört 
wird,  was  seinen  Grund  eben  so  wohl  in  einem  geringen 
Wogen  oder  Puleiren  der  Gehörschärfe ^  als  auch  darin  zu 
haben  scheint,  dafs  die  einzelnen  Schläge  der  Uhr  nicht 
gleich  stark  sind.  Der  Anfang  des  kleinen  Zwischenraums, 
innerhalb  dessen  dieses  scheinbare  lutermittiren  des  Uhr* 
Schlags  stattfindet,  läfst  sich  schärfer  bestimmen  als  der  An- 
fang des  Raums,  wo  der  Uhrschlag  ganz  unhörbar  ist,  und 
es  ist  deshalb  die  Entfernung  vom  Ohr  bis  zum  Anfang 
des  ersten  Zwischenraums  von  mir  als  Gehönoeiie  ange- 
nomoaen  worden.  Hat  man  nun  die  Gehörweite  für  das 
rechte  und  linke  Ohr  einer  Person  unter  möglichst  gleichen 
Umständen  gemessen,  so  sind  die  Gehörschärfen  den  Qua- 
dratoi  der  gefundenen  Gehörweiten  proportional  zu  setzen. 
Zop  Messung  der  Gehörweile  bediene  ich  mich  eines  ein- 
fach 3  bis  4  Linien  breiten  Bandes,  sogenannten  Pfennig- 
bandes, dessen  Anfang  zu  einer  kleinen  Oehse  umgenäht 
ist,  und  auf  welchem  mit  Bleistift  pariser  Zolle  aufgezeichnet 
und  die  Zahlen  beigeschrieben  sind;  halbe  Zolle  kann  man 
schätzen,  eine  genauere  Messung  aber  machen  zu  wollen, 
ist  eigentlich  bei  diesem  Gegenstand  überflüssig,  da  die  Me- 
thode selbst  eine  gröfsere  Sicherheit  nicht  gewährt.  Durch 
die  Oehse  am  Anfang  des  Bandes  steckt  man  ein  kleines 
4  bis  5  Zoll  langes  Stäbchen  mit  flachem  Kopf,  welches 
der  zu  Untersuchende  am  besten  vom  an  der  Wurzel  des 
Obrknorpels  leise  anhält,  jeden  Druck  der  etwa  das  Ohr 
irritiren  könnte  dabei  vermeidend.  So  lange  man  sich  noch 
mit  der  Uhr  vom  Ohr  entfernt,  um  die  Gehörweite  zu  fin- 
den, läfst  man  das  Band  leise  durch  die  Finger  laufen 
ohne  es  anzuspannen,  erst  wenn  man  die  Gehörweite  ge- 
fanden hat,  zieht  man  das  Band  an  und  liest  das  entspre- 
chende Maafs  ab.  Hinsichtlich  der  Uhr  glaube  ich  Folgendes 
bemerken  zu  müssen.  Eine  Uhr,  die  einen  sehr  scharfen 
Schlag  bat,  eignet  sich  zur  Bestimmung  der  Gehörweite  des 


niUglichst  vermetden  und  dieselbe  anter  möglichst  gleichen 
Umsländen  vornebmeD  mafs,  verstebt  sich  tod  selbst;  dis 
eine  Ohr  zu  verscblicEsen  irXhrend  man  die  GehOrweite 
des  andern  prüft,  mub  icb   wideirathen.     Die  AusfOhniDg 


325 

der  Unlersuchiing  erfordert  keine  sonderliche  Uebuug,  und 
ist  weniger  umständlich  als  die  Beschreibung. 

Die  oben  angeführten  Zahlen  zeigen  hinlänglich,  dafs, 
wenn  man  die  Gehörschärfe  zweier  verschiedenen  Personen 
mit  einander  vergleichen  will,  es  nicht  hinreichend  ist,  die 
Gehörweiten  eines  der  beiden  Ohren  jeder  Person,  oder  auch 
aller  beiden,  zu  messen;  denn  heben  wir  z.  B.  in  obigen 
Täfelchen  die  unter  IV  und  V  bezeichneten  Personen  her- 
vor, so  würde  sich  durch  beider  rechtes  Ohr  ergeben ,  dafs 
IV.  fast  drei  Mal  besser  höre  als  V.,  während  aus  der  Ge- 
börweite  für  das  linke  Ohr  folgte,  dafs  V.  ungefähr  4  Mal 
besser  höre  als  IV.  Man  wird  also  für  eine  solche  Ver- 
gleichung  auf  die  combinirte  Gehörweite,  d.  h.  auf  diejenige 
hingewiesen,  welche  sich  ergeben  würde,  wenn  man  einen 
bestimmten  Schall  mit  beiden  Ohren  zugleich  wahrnähme. 
Es  scheint  nun,  als  wenn  diese  combinirte  Gehörweite  sich 
im  Allgemeinen  auf  gleiche  Weise  müsse  bestimmen  lassen, 
ab  die  Gehörweite  für  jedes  einzelne  Ohr;  ich  mufs  jedoch 
in  Bezug  hierauf  folgendes  bemerken. 

Um  die  combinirte  Gehörweite  mit  einiger  Sicherheit 
zu  bestimmen,  schien  es  mir  nöthig,  dafs  der  schallgebende 
Körper  in  der  Mittellinie  zwischen  beiden  Ohren,  d.  h.  in 
einer  Linie  sich  befinde,  welche  in  der  Mitte  zwischen  bei- 
den Obren  auf  der  Ohraxe  senkrecht  steht,  und  dafs  der« 
selbe  von  beiden  Obren  hinreichend  entfernt  sey,  damit 
eine  kleine  Abweichung  nach  rechts  oder  links  von  dieser 
Linie  nicht  in  Betracht  kommen  könne.  Ferner  schien  es 
mir  nöthig  zu  vermeiden,  dafs  nicht  eines  der  Ohren  durch 
eine  Reflexion  des  Schalls  von  den  Wänden  des  Zimmers 
etwa  stärker  afficirt  werde  als  das  andere.  Hier  zeigte 
sich  nun  weder  meine  Taschenuhr  noch  das  Taschenchro- 
nometer hinreichend;  der  Schlag  war  zu  schwach.  Ein 
Sekundenzähler,  den  ich  anwenden  wollte,  hatte  wieder 
für  das  Local  einen  viel  zu  starken  Schlag,  und  eine  Tisch- 
ohr  mit  mäisig  starken  Schlag,  die  geeignet  hätte  seyn  kön- 
nen,  war  mir  nicht  zur  Hand.   So  habe  ich  denn  über  die 


durch  die  Hand  stOlzt. 

Ich  mufB  aber  daraof  aufmerlBiiin  machen,  dafa  n 
dieee  Versuche  Dicht  zu  lauge  hiutereioauder  fortselzeD 
darf,  um  die  Resultate  zu  verificiren  und  die  Gehörweiten 
geDauer  zu  erhallen,  deou  bei  mir  stellte  sich  leicht  eiDC 
DervOse  Gereiztheit  des  Ohrs  ein,  die  sich  zuoScAst  durch 
ein  erhöhtes  WErmegeRibl  bemerkbar  machte.  Diese  Ge- 
reiztheit verliert  sich  zwar  von  selbst,  kanu  aber  doch  xu- 
ireileo  eia  Paar  Tage  lang  dauern  und  unangenehm  wer- 
den; anch  übt  sie  wohl  Einflufs  aut  die  Gehfinreite. 

Zum  Schlufs  erlaube  ich  mir  noch  folgende  Bemerkung 
milzulheileu ,  die  sich  inzwischen  lediglich  nur  auf  Versu- 
che au  mir  selbst  grOndel. 

Nimmt  man  zwei  hinlSaglich  lange  und  einige  Zoll  breite 
grrade  Pappstreifen   und   legt  au   jedes  Ohr  einen  dersel- 


327 

beOy  80  daCs  er  das  Ohr  leicht  berührt,  so  werden  sich 
diese  Streifen  vor  dem  Gesicht  treffen.  Merkt  man  sich 
nun  den  vor  dem  Gesicht  zwischen  diesen  Streifen  enthal- 
tenen Raum 9  und  bringt  in  denselben  die  Uhr,  so  wird 
man  nach  Entfernung  der  Streifen  innerhalb  jenes  Raumes 
für  die  Uhr  Stellen  finden ,  in  welchen  der  Schlag  dersel- 
ben anhörbar  ist,  und  erst  wieder  hörbar  wird,  wenn  man 
die  Uhr  dem  einen  oder  dem  andern  Ohr  seitwärts  mehr 
uShert.  Selbst  wenn  man  mit  der  Uhr  die  Stirn  berührt, 
zeigt  sich  eine  solche  indifferente  Stelle. 
Dresden,  im  April  1861. 


XI.     lieber  die  Dauer  des  Funkens,    welcher   die 

Entladung  eines  Leiters  begleitet; 

von  P.  L.  Rjike. 


1.  Wenn  die  Entladung  einer  Lejdener  Flasche  auf 
gewöhnliche  Weise  geschieht,  kann  der  Funke,  den  man 
erhält,  als  instantau  betrachtet  werden ;  wenigstens  ist  seine 
Dauer  so  kurz,  dafs  es  bisher  nicht  möglich  war  sie  zu 
bestimmen,  nicht  einmal  angenähert 

DieCs  ist  nicht  mehr  der  Fall,  wenn  die  Entladung  einen 
Körper  von  bedeutendem  Widerstände  durchlaufen  mufs, 
z.  B.  einen  Kupferdraht  von  der  Länge  einer  halben  eng- 
lichen Meile.  Wirklich  hat  Hr.  Wheatstone  gefunden ^)9 
da(jB  die  Funken,  welche  er  erhielt,  als  er  einen  Kupferdraht 
von  t'^  engl.  Zoll  Durchmesser  und  einer  halben  engl.  Meile 
Länge  anwandte,  eine  Dauer  von  ungefähr  ^^axnr  Sekunde 
hatten. 

2.  Wenn  Hr.  Wheatstone  diefs  Resultat  isolirt  be- 
kannt gemacht  hätte,  würde  es  wahrscheinlich  einfach  durch 

1)  Posf.  Ano.  Bd.  XXXIV,  S.  476. 


336 

mögen  sidh  gegenseitig  zu  crgSnzen  and  aufeerdeni  die  Ver- 
stSrkong  der  Illusion  in  Fig.  14,  so  wie  die  Venninde« 
rung  derselben  in  Fig.  12  nidit  völlig  unbeachtet  bleiben  zu 
dürfen. 


XIII.     Barometerformel  für  kleine  Höhen. 


In  den  Compt.  rend.  T.LII,  p.  221  zeigt  Hr.  Babinef, 
dafs  man  f&r  Höhen,  welche  nicht  1000  oder  1200  Meter 
übersteigen,  statt  der  La  place' sehen  Barometcrfonnel: 

*  =  18393-logf(l  +  2l^) 

ohne  Nachtheil  die  einfachere: 

Ä=  16000»  1=^  (1+2^') 

ß-hb  \  1000/ 

anwenden  könne.    Letztere  ergiebt  sich  aus  ersterer,  wenn 

man  in  der  Entwicklung  des  Logarithmus  nach  -= — ^,  die 

höheren  Potenzen  dieser  Gröfse  vemachlässigt.  Der  Co^f* 
ficient  hätte  eigentlich  den  Werth  16976,  kann  aber  ohne 
Schaden  auf  16000  abgerundet  werden. 


Gedruckt  bei  A.  W.  Schade  in  Berlin,  StallschreiberstraTse  47 


1861.  A  IN  N  A  L  E  N  JTo.  1. 

DER  PHYSIK  UND  CHEMIE. 

BAND  CXm. 


I.   Chemische  /Inalyse  durch  Spectralbeohachtungen; 
von  G.  Kirchhoff  und  R.  Bunsen. 


Zweite  Abhandlung. 

ID  anserer  ersteD  AbhandluDg,  welche  im  110.  Bande  dieaer 
Anualen  erschienen  ist,  haben  wir  gezeigt,  dafs  die  Licht- 
linien  der  Spectren,  welche  von  glühenden  Dämpfen  ver- 
schiedener Metaliverbiudungen  erhalten  werden,  als  die  si- 
chersten und  feinsten  chemischen  Reagentien  benutzt  wer- 
den können.  Die  analytische  Methode,  welche  auf  die  Be- 
obachtung derartiger  Linien  sich  stützt,  gewährt  besonders 
für  solche  Stoffe,  die  nur  tai  verschwindend  kleinen  Mengen 
auftreten  oder  die  in  ihrem  chemischen  Verhalten  einander 
zum  Verwechseln  nahe  stehen,  eine  Reihe  der  schätzbarsten 
Aoffindungsmittel  und  Unterscheidungsmerkmale,  welche  an 
Sicherheit  Alles,  was  bisher  auf  chemisi^em  Wege  erreich- 
bar war,  bei  Weitem  übertreffen.  Wir  konnten  uns  daher 
der  Ueberzeugung  nicht  verschliefsen,  dafs  diese  Methode, 
welche  die  Gränze  der  chemischen  Reactionen  in  so  unge- 
wöhnlicher Weise  hinausgerückt  hat,  ganz  besonders  ge* 
eignet  seyn  müsse  zur  Ausspürung  noch  unbekannt  geblie- 
bener Elemente,  die  zu  spärlich  verbreitet  vorkommen  oder 
anderen  Stoffen  gegenüber  zu  wenig  charakterisirt  sind,  um 
durch  unsere  bisherigen  unvollkommneren  Mittel  wahrnehm- 
bar zu  sejm.  Diese  Voraussicht  hat  sich  gleich  bei  den 
ersten  in  dieser  Richtung  gethanen  Schritten  bewährt,  indem 
es  uns  auf  dem  angedeuteten  Wege  gelungen  ist,  neben 

Pogseodorift  Amul.  Bd.  CXIll.  22 


nach  mOgiichst  voltMSndiger  EntfernuDg  des  Litbions  durch 
kohleneaures  Ammoniak,  eine  Mutterlauge,  die  im  Spectral- 
«pparat  die  Linien  des  Natrons,  Kali's  und  Lilhions  und 
aufser  diesen  noch  zwei  auBgezeichnetc,  einander  sehr  nahe 
liegende  blaue  Linien  zeigt,  tod  denen  die  eine  fast  mil 
der  Linie  StS  zusaminenffiilt.  Da  kein  einziger  der  bisher 
bekannten  einfachen  Stoffe  an  der  bezeichneten  Stelle  des 
Spectniois  zwei  solche  Linien  hervorbringt,  so  konnte  die 
Existenz  eines  bisher  unbekannt  gebliebenen,  der  Mka 
lignippe  angehörigeo,  Elementes  »la  erwiesen  belraditet 
werden. 

Die  Leichtigkeit,  mit  welcher  der  nur  einige  Tnusendslel 
eines  Milligramms  betragende,  noch  dazu  mit  Litbion-,  Kati- 
und  Natron -Verbindungen  gemischte  Stoff  an  dem  blauen 
Liebte  seines  glühenden  Dampfes  als  ein  neuer  und  einfacher 
erkannt  werden  konnte,  wird  es  wohl  gerecbtigt  erscheinen 
lassen,  wenn  wir  fOr  denselben  den  Namen  Caesium  mit 
dem  Symbol  Ci  rorschlagen,  von  oaetiiu,  welches  bei  den 
Allen  Tom  Blau  des  heiteren  Himmek  gebraucht  wird  '). 

1)  Bei  yiul.  GeU.  NocUt  AllUat  II,  W.  nach  Nigidiu,  Figului:  Noi- 
Irii  aultm  eeleribut  catiia  ditla  ttt,  guat  a  Gratcit  ykaminif ,  ul 
N^idiut  ait,  dt  Colon  cotli  quiut  eotlia. 


341 

kalten  der  FlÖMigkeit  rasch  zd  und  wurde,  als  die  Tem- 
peratur oogeftthr  auf  40**  C.  gesunken  war,  filtrirt,  reducirt, 
and  aus  der  rediicirten  Masse  die  Chlorverbindung  B  er- 
halten. 

0^9022  GmL  dieser  Salzmasse  B  gab  1,0712  Gnu.  Chlor- 
siBier. 

Dieselbe  Scheidung  wurde  abermals  mit  der  Salzmasse  B 
wiederholt,  wobei  als  Product  die  Salzmasse  C  erhalten 
warde« 
•'  1,3540  Grm.  derselben  gaben  1,6076  Grm.  Chlorsilber. 
'  Bei  nochmaliger  Anwendung  derselben  Scheidungsme- 
tiiode  auf  das  Product  C  wurde  eine  Salzmasse  erhalten, 
die  wir  mit  D  bezeichnen. 

1,9486  Grm.  dieser  Masse  D  gab  2,3091  Grm.  Chlor- 


Die  Cblorsilbermengen,  welche  aus  1  Gewich'tstheil  Chlor- 
mbiditam  nach  jeder  dieser  Scheidungen  erhalten  wurden,  be- 
trugen daher  für 

A     1,2308 

B     1,1873 

C    1,1873 

D    1,1850 
Diese  Zahlen  zeigen,    dafs  die  Producte  der  drei  letzten 
Darstellungen  schon  eine  constante   Zusammensetzung  be- 
sitzen. 

Da  die  Spectrallinien  des  Caesiums  und  Lithiums  in  dem 
letiten  Product  (D)  schon  fast  ganz  fehlten,  die  Linie  Ufa a 
(Tai  V,  Fig.  4)  aber  nur  noch  so  schwach  hervortrat,  dafs 
OB  in  unserem  weniger  lichtstarken  Spectralapparate  gar  nicht 
mehr  wahrgenommen  werden  konnte,  so  wird  man  die  Pro- 
dqcte  der  letzten  drei  Darstellungen  als  reines  Chlorrubi- 
dinn  betrachten  dürfen. 

Um  einen  weiteren  Beweis  für  die  Reinheit  des  auf  die 
angegebene  Weise  dargestellten  Chlormetalls  zu  erhalten, 
worde  noch  eine  andere  Scheidungsmethode  Tersucht,  von 
welcher  zur  Trennung  des  Cne^^iums  vom  Kalium  und  Ru- 
bidium  weiter  unten  Gebrauch  gemacht  ist.    Dieselbe  be- 


344 


Kieselerde 

60^ 

Thonerde  .     . 

28,54 

Eiseuoxyd  •    . 

0J3 

Kalkerde    .     • 

1,01 

Magnesia    .    . 

0,51 

RubidiuiDOxyd 

0,24 

Caesiumoxyd  . 

Spur 

Litbion  .     .     . 

0,70 

Fluorlithium   . 

0,99 

Fluoroatriuin  . 

1,77 

Fluorkalium   . 

12,06 

Wasser      .     . 

3,12 

99.99 
Eine  Reihe  spectralanaljtischer  Prüfungen  Yon  SpoI- 
mutterlaugen,  die  wir  hier  übergehen  zu  können  glauben, 
da  wir  bei  der  Betrachtung  des  Caesiuuis  darauf  zurück- 
kommen werden,  hat  gezeigt,  dafs  in  den  kochsalzhaltigen 
Quellen  nur  selten  Spuren  von  Rubidiumverbinduugeo  ne- 
ben Kali,  Natron,  Lithion  und  Caesiumoxyd  fehlen,  und 
dafs  mithin  das  Rubidium  ein  der  Menge  nach  zwar  immer 
noch  sehr  spärlich  aber  der  Verbreitung  nach  keineswegs 
sehr  selten  vorkommender  Körper  ist. 


2.    Metallisches  Rubidium  uod  einige  seiner  Verbindungen. 

Das   Metall. 


a. 


Da  das  uns  zu  Gebote  stehende,  im  Ganzen  kaum  eine 
Unze  betragende,  Material  zu  einer  Reduction  des  kohlen- 
sauren Salzes  in  hoher  Temperatur  nicht  verschwendet  wer- 
den konnte,  so  haben  wir  uns  für  den  Augenblick  nur  auf 
den  Versuch  beschränkt,  das  Rubidium  elektroljtisch  ab* 
zuscheiden.  Leitet  man  durch  geschmolzenes  Cblorrubidium 
einen  Strom,  der  von  einer  Graphitstange  als  der  positiven 
Elektrode  zu  einem  Eisendraht  als  dem  negativen  Pole  geht, 
so  sieht  man  an  dem  letzteren  das  abgeschiedene  Rubidium 
zur  Oberfläche  aufsteigen  und  mit  röthlichem  Lichte  ver> 
brennen.  Unigiebt  man  den  Eisenpol  mit  einem  (Tiasglöck- 
eben,  durch  welches  man  während  des  Versuches  trocknes 


348 

Berechnet.  Gefunden. 

KbO     93,36        80,93  81.22 

CO»      22,00        19,W  18,78 


115,36      100,00      100,00. 

d.     Zweifach  kohlensaures  Rabidiurooxjd. 

Die  wässerige  Lösung  des  neutralen  Salzes  geht,  mit 
einer  Atuiospbäre  von  Kohlensäure  in  Berührung^,  leicht  in 
das  saure  Salz  über«.  Labt  man  die  Lösung  bei  gewöhnli- 
cher Temperatur  über  Schwefelsäure  verdunsten,  so  schiefst 
ein  Salz  in  glasglänzenden,  luftbeständiglen  Krystallen  an, 
die  einen  prismatischen  Habitus  zeigen,  von  denen  indessen 
keine  zor  Messung  geeigneten  Individuen  erhalten  werden 
konnten.  Die  Krjstalle  reagiren  nur  äufsert  schwach  alka- 
lisch, besitzen  einen  salpeterartigen,  kühlenden,  nicht  kau* 
stischen  Geschmack.  Beim  Erhitzen  verlieren  sie  leicht  das 
zweite  Atom  Kohlensäure.  Im  Wasser  sind  sie  leicht  lös- 
lich. Die  Lösung  giebt  behn  Kochen  Kohlensäure  aus, 
wahrscheinlich  unter  Bildung  von  anderthalbfach  kohlen- 
saurem Rubidiumoxyd. 

0,5416  Grm.  einfach  kohlensaures  Rabidiumoxyd  wurden 
in  einem  gewogenen  Platin tiegel  in  Wasser  gelöst  und  14 
Tage  in  einer  langsam  erneuerten  Atmosphäre  von  Kohlen- 
säure  sich  selbst  überlassen.  Nachdem  die  Lösung  über 
Schwefelsäure  bei  gewöhnlicher  Temperatur  verdunstet  war, 
wurde  die  Salzmasse  noch  einmal  mit  Kohlensäurewasser 
befeuchtet  und  abermals  auf  dieselbe  Weise  so  lange  ge- 
trocknet, bis  keine  Gewichtsabnahme  mehr  stattfand.  Das 
Salz  wog  nun  0,6878  Gnu.  Es  ist  daher  dem  zweifach 
kohlensauren  Kali  analog  zusammengesetzt  und  besteht  aus 

Berechnet.      Gefunden. 

63,72 


RbO 

93,36 

63,79 

2CO, 

44,00 

30,06 

HO 

9,00 

6,15 

146,36       100,00. 


849 

«•     5al(iciersaurei   Rubidiunioxyd. 

Das  Salz  krystaliisirt  aus  seinen  wässerigen  Lösungen 
leicht  beim  raseben  Abkühlen  in  langen  undeutlich  ausge- 
bildeten Nadeln.  Bei  langsamer  Krystallisation  entstehen 
mefsbare  dihexagouale  Prismen  mit  weniger  deutlich  ausge- 
bildeten dihexagonalen  Pyramiden.  Die  Krystalle  zeigen 
stets  einen  vorwiegend  prismatischen  Habitus.  Dem  hexa- 
goualen  System,  welchem  dieselben  angehören,  entspricht 
das  Achsenverh&ltnifs 

l:as=:  1:0,7097 
dem  ein  stumpfes  Hcxagonaldodekaeder  mit  Polkanten  von 
IS"*  4ff  und  Mittelkanten  von  US""  0'  zukommt.  Die  Py- 
ramideuflächen  zeigten  sich  sehr  unvollkommen  ausgebildet, 
80  dafs  die  Winkelmessungen  keine  sehr  grofse  Schärfe  zu- 
liefsen.  Es  konnten  nur  die  Flächen  P .  od  P .  P2 .  oo  P2 
Taf.  V,  Fig.  1  beobachtet  werden. 

Gefanden.  Berechnet. 

p  —pt     149"  49'         150«  0' 
p,  —  p       149«  53         150«  0' 
r  —p')  129«  20' 
Das  salpetersaure  Salz  des  Kali's  krystaliisirt  bekannt- 
lich rhombisch,  besitzt  aber  nach  Frankenheim  noch  eine 
zweite  hexagonale  Grundform,   deren  hemiedrische  Ausbil- 
dung ein   Rhomboeder  mit  Polkanten  von  106'*  40'  giebt. 
Dieser  Form  entspricht  ein  Hcxagonaldodekaeder  anderer 
Ordnung   beim  salpetersauren  Rubidiumoxyd,   auf  dafs  ich 
bei  dem  salpetersauren  Caesiumoxyd  zurückkommen  werde. 
Das  salpetersaure  Rubidiumsalz  ist  wasserfrei,  hält  aber 
wie  Salpeter  Decrepitationswasser  in  den  Höhlungen  seiner 
Krystalle  eingeschlossen;  beim  Erhitzen  zerknistert  es  daher 
stark;   bei  angehender  Glühhitze  schmilzt  es  ohne  Zersez- 
ung  zu  einer  wasserhellen  Flüssigkeit,  die  strahlig  krystal- 
linisch  erstarrt,  bei  stärkerem  Erhitzen  verliert  es  Sauerstoff 
und  geht  in  salpetrigsaures   Salz   über,   das   mit  ätzend^ 
Rubidiumoxyd  gemengt  ist  und  daher  das  Platin  stark  an- 
greift.   In  der  Flamme  am  Platindraht  verflüchtigt  es  sich 

1 )  Dkacr  Winlbd  ditnu  aU  Btrecbnnas  dtt  AseavorliSltiiiMes. 


352 

sie  in  eben  beginnender  GIfihhitze;  in  der  Flamme  am  PU- 
tindraht  verdampfen  sie  rasch  und  vollständig.  100  Tbeile 
Wasser  lösen  bei  +  l''  C.  76,38  Tbeile,  bei  +  1^  C.  82,89 
Tbeile  des  Salzes.  Von  Cblorkalium  werden  unter  den- 
selben Verhaltnissen  29,47  und  31,12  Tbeile  gelöst. 

0,9740  Grm.  gaben  1,1541  Grm.  Chiorsilber.  Das  Salz 
besteht  daher  aus 

Berechnet.      GefuDcIcn. 

Rb  =  85,36    70,65    7U,30 

Cl  ==  35,46    29,35    29,70 

120,82   100,00   100,00 

f.     CkloqpUtinnibidium. 

Rubidiumlösungen  werden  durch  Platinchlorid  gefUlt. 
Der  Niederschlag  ist  hellgelb,  setzt  sich  beim  Kochen  leicht 
als  feines  schweres  Pulver  ab,  welches  unter  dem  Mikro- 
skop betrachtet  aus  kjeinen,  glänzenden,  honiggelben  durch- 
sichtigen regulären  Octaedern  besteht.  Die  Verbindung  ist 
in  Alkohol  gar  nicht,  und  in  Wasser  viel  schwieriger  lös- 
lich als  Chlorplatinkalium.  Von  100  Theilen  Wasser  wer- 
den gelöst 


bei    0°,0C. 

0,193  Tbeile 

«     13  ,5 

0,135 

»     48  ,0 

0,195 

-     60  ,0 

0,263 

•   100  ,0 

0,641. 

Diese  Bestimmungen  sind  Mittelzahleu  aus  mehreren 
Versuchen  von  solcher  Uebereinstimmung,  dafs  man  das 
bei  den  mitgetheilten  Zahlen  in  der  Nähe  von  14^  C.  sich 
ergebende  Löslichkeitsminimum  als  sicher  betrachten  kann. 
Dasselbe  spricht  dafür,  dafs  das  Salz  bei  niederen  Tem- 
peratoren mit  einem  Wassergehalt  krjstallisirt.  Das  Chlor- 
platin in  dem  Salze  verliert  in  einem  Strome  Wasserstoff 
theilweise  schon  in  der  Kälte,  beim  Erhitzen  aber  leicht 
und  vollständig  sein  Chlor  unter  Zurticklassung  von  Platin 
und  Chlorrubidium.  Um  die  Anaijse  auszuführen,  wurden 
1^398  Grm.  des  mit  reinem  Platinchlorid  bereiteien»  bei 


3ö3 

150°  getrockDeten  Salzes  io  einein  Strome  Wa^-seratoff  er- 
hitzt» wobei  eine  GefrichtaabDahme  von  0,1850  Grmi  statt- 
fand. Das  durch  Wasser  aus  dem  Rückstand  eitrahirit 
Chlorrubidium  wog  0,7891  Grm.  und  gab  0,9252  Grm.  Chlor«- 
Silber.  Das  abgeschiedene  Platin  wog  0,6620  Grm.  Die 
Zusammensetzung  des  Salzes  ist  daher: 

Dercchoet.      Gefiindcn. 

^. ,      ...  l  Pt    91,10        34,08        34,13 

Chlorplatin  j  ^^^  ^^^        ^4,39        26,00 

/-ui        uj-  5  Rb  ^»3«        29,35        28^ 

Chlorrubidium     1^,0,^4^         ,„,n         ,, -« 

(  Cl    35,46         12,19         11,79 

290,84  100,00  "lÖO,ÖeL 
Die  etwas  erhebliche  Abweichung  der  gefundenen  Zah- 
len ¥on  den  berechneten  hat  ihren  Grund  in  dem  Umstände^ 
daCs  die  Wasserstoffreduction  in  einem  Tiegel  mit  durch- 
bohrten Deckel  vorgenommen  und  dabei  eine  kleine  Menge 
Cblorrubidium  mit  verflfichtigt  wurde. 

^    VerkreltaBg)  Darstellaag  and  Atonge wicht  4er  Caealiua- 

▼erbladODceD. 

Wir  haben  dieses  Metall  bisher  nie  anders  als  gemein- 
schaftlich mit  Natrium,  Kalium,  Lithium  und  Rubidium  in 
der  Natur  angetroffen.  In  reichlichster  Menge  findet  es 
sich  in  der  Mutterlauge  der  DQrkbeimer  Soolquellen,  welche 
zur  Gewinnung  des  Materials  gedient  haben,  mit  dem  die 
nachstehende  Untersuchung  ausgeführt  ist 

Um  einen  Weg  zur  Abscheidnng  der  reinen  Caesium- 
▼erbindungen  aufzufinden,  .boten  folgende  Beobachtungen 
den  ersten  Anhaltspunkt  dar: 

Entfernt  man  nach  den  üblichen  Methoden  die  alkali- 
schen Erden  aus  der  Mutterlauge  des  Dürkheimer  Sool- 
Wassers,  so  daCs  in  der  tou  Ammoniaksalzen  durch  Glü* 
ben  befreiten  Salzmasse  nur  noch  die  der  Alkaliengruppe 
angehörenden  Basen  Torhanden  sind,  und  flllt  man  die 
Lösung  der  so  erhaltenen  Salzmasse  durch  Platinchlorid,  so 
eihäU  man  einen  gelben,  krystallinischen  Niederschlag,  der  im 
Spectralappamt  die  intensivste  Reactiott  auf  Kali,  aber  noch 

PoneodorfiPt  Aimal.  Bd.  CXIIl.  2ä 


965 

genden  Rfickstand,  dessen  weitere  Behftodlnng  anter  der 
Bezeichnang  Rückstand  I.  anten  angegeben  werden  wird. 

Die  alkohoKsehe  Lösung  wurde  mit  einer  concentrirten 
wisserfgen  LOsnng  von  kohlensaurem  Ammoniak  vom  gr5fii* 
ten  Tiieile  ihres  Lithiongehaltes  befireit,  nach  Eotfemiing 
des  Lithionniedersehlags  in  einem  eisernen  GeftCi  einge- 
dampft und  bis  cur  völligen  Vertreibung  der  Ammoniak- 
salze erhitzt.  Die  ammoniakfreie,  mit  viel  Eisenoxyd  ge- 
mengte, braune  Masse  gab  eine  wSsserige  Lösung,  die  zu 
einer  trockenen  Salzmasse  abgedampft  wurde.  Diese  Salz- 
messe  hinterliefs  beim  Extrahiren  einen  Rückstand  II,  anf 
dessen 'Weitere  Behandlung  wir  gleich  zurückkommen  werden. 

Der  Alkoholextract  gab  mit  Platinchlorid  versetzt  einen 
gdben  Niederschlag,  welcher  nach  dem  Answascheu  mit 
Wasser  8,5134  Grm.  wog.  Dieser  Niederschlag,  welcher 
beim  Auskochen  mit  Wasser  seine  Zusammensetzung  schon 
nicht  mehr  änderte,  zeigte  im  Spectralapparat  die  Caesium- 
und  Rubidium  -  Linien  auf  das  Intensivste.  Er  bestand  da- 
her fast  nur  noch  ans  einem  Gemenge  von  Chlorplatinrubi- 
dium und  Cblorplatincaesium. 

Bei  der  Rediiction  in  einem  Strome  Wasserstoff  verlo- 
ren obige  8,5134  Grm.  =r  A  1,8719  Grm.  =  B  an  Gewicht. 
Der  Rückstand  enthielt  reines  Platin  und  neutral  reagiren- 
des  Chlorcaesium  und  Chlorrubidium.  Bezeichnet  man  die 
Menge  des  Chlorplatinrubidiums  mit  x^  die  des  Chlorpla- 
tincaestums  *)  mit  y,  so  ist 

Pt-l-Rb-4-da      ■*"  PH-Ct-f-8Cl  ^  ' 

woraus  sich  ergiebt 

«r=  35,4975  B   —   7,66588  il 
y=    8,6559  A    —35,4975   B. 
SubstHuirt  man  die  Werthe  von  A  und  B  in  die  Formel, 
ao    ergiebt    sich  *  folgende    Zusammensetzung    des   Nieder- 
schlags: 

I)  Das   Atomgewiclit   des  Cs  Sit   hier  nacb  weiter  onteD   mitsatheilenden 
Vgfgttclie«  m  m,a5  tiifeiHNniiieB. 


«57 

liebe  dardi  Auskochen  gereinigte  Fällungen  nach  der  Re- 
duction  idurch  Wasserstoff  mit  Wasser  extrahirt.  Die  wüfs- 
rige  Lösung  enthält  dann  ein  Gemenge  von  Chlorrubidium 
mit  CKIorcaesium. 

Auf  diese  Weise  behandelt  gab  ein  Kilogramm  des 
Rückstandes  1,0348  Grm.  eines  solchen  Gemenges  von  Chlor- 
caesium  und  Chlornibidium ,  aus  welchem  durch  Fällen  mit 
salpetersaurem  Silberoxjd  1,1404  Grm.  Chlorsilber  erhalten 
wurden. 

Bezeichnet  mau  mit  Ä^  das  Gemenge  von  o?!  Chlorru- 
bidium und  y^  Chlorcaesium,  mit  B^  das  Gewicht  des  aus 
A^  erhaltenen  Chlorsilbers,  so  ergiebt  sich  o?,  und  y,  aus 
den  Gleichungen 

ip,  =  3,50963  B,  —  3,16906  A^ 
y,  =  4,16906  A .  —  3,50963  Ä, 
Mit  Hälfe  derselben  und  der  Werthe  von  A^  und  B^  fin- 
det man,  dafs  in  dem  gesammten,  6,5  Kilogramm  wiegenden 
Rückstand  I  enthalten  sind: 

Chlorcaesium        2,0267  Grm. 
Chlorrubidium      4,6995     » 

~  lS,7262  Grm. 

Diefs  entspricht  in  100  Theilen  der  Zusammensetzung 

Chlorcaesium        30,13 
Chlornibidium      69,87 

100,00 

Fafst  man  alle  diese  Versuche  zusammen,  so  ergiebt  sich, 
daÜB  ans  der  Mutterlauge  von  44200  Kilogramm  Dürkheimer 
Soolwasser  im  Ganzen  erhalten  wurden 

9,237  Grm.  Chlorrubidium 
7,272    »       Chlorcaesium. 

Diese  Bestimmungen  können  natürlich  nicht  auf  Genauig- 
keit Anspruch  machen.  Die  gefundenen  Zahlen  sind  aber 
immerhin  genau  genug,  um  den  approximativen  Werfh  der 
Rubiditttn-  und  Caesium- Mengen  auszudrücken,  die  im* 
Dürkheimer  Soolwasser  enthalten  sind.  Mit  Zugrundele- 
gung derselben  ergiebt  sich  nach  einer  im  hiesigen  Labo- 


856 

ratoriam  auBgefübrten  Analyse  folgeiMle  Zosamaieiisetsiiiig 
dieses  merkwürdigen  Mineraiwassen  in  tautend  Theiteo: 
Zweiiach  kohlensaurer  Kalk    ....    0,28330 
Zweifach  kohlensaure  Magnesia    .     .     .    0,01460 
Zweifach  kohlensaures  Eisenoxjdul  .     .    0,00940 
Zweifach  kohlensaures*  Manganoxydnl  .       Spur 

Chlorcaldani 8,03100 

ChlonBagneflinm 0,39870 

Chlorstrontium 0,00810 

Schwefelsaurer  Strontian 0,01950 

Cblornatrium 12,71000 

Chlorkaliom 0,09860 

Bromkalium 0,02220 

Chlorlithium 0,03910 

Chlorrubidium 0,00021 

Chlorcaesium 0,00017 

Thonerde       0,00020 

Kieselerde 0,(NM)40 

Freie  Kohlensäure .     1,64300 

Stickstoff 0,00460 

Schwefelwasserstoff Spur 

Spuren  von  phosphorsauren  Salzen  •  .  0,0000 
Spuren  von  Ammoniaksalzen  ....  0,0000 
Spuren  von  unbestimmbaren  organischen 

Stoffen 0,0000 

18,28028. 
Die  bei  dem  Salinenbetrieb  in  Dürkheim  erhaltene,  von 
uns  benutzte  Mutterlauge,  welche  als  Material  zu  Soolbi- 
deru  in  den  Handel  kommt,  enthält  die  neuen  Chlorme- 
talle schon  in  einer  concentrirteren  Form.  Dieselbe  ent- 
hält in  1000  Theilen: 

Chlorcaicium 296,90 

Chlormagiiesium 41,34 

Chlorstrontium 8,00 

Schwefelsaure  Strontian^rde       ....        0,20 
Chlomatrium 20,98 


399 

.  CbtorkaU« 16,13 

BranAalinm 2,17      .. 

GUorlilhiom' 11,09 

Cälorcaesium 41^08 

GUorrabidium 0,04 

D»  Motterlaugen  der  Soolquellen  von  Kremoadi,  Kis- 
singea  Qod  Naabeim  geigten  ebeofalls  bedeutesde  Sparen 
▼ou  Robidiom-  und  Caesiumyerbindungen,  wie  ditf'nacb- 
stehettden -im  hiesigen  Laboratorium  ausgeführten  Analysen 
zeigen. 

Soobnatlerlange  von  Kisaingen  in  1000  Tbeilen: 

ChloniiagDesiam 189,59 

Sdiwefekaure  Blagneaia 36^01 

Cblornatrimn 41,37 

Chlorkaliom 18^73 

Brmriialiam 10,62 

CUorlithiom 133& 

Chlorcaesium Spur 

Gblormbidium Spur 

309^16. 
Soolnutterlaoge   von   Tbaodorsball   bei   Kreuuiach   in 
1000  Tbeilen:. 

CUorcaIcium 332^39 

CblonnagneaioiB    •    •    .  ^ 32^ 

Chlorstrontiaui -    %86 

GUarnatrium •    •    •    •  3,44 

Cblorkaliaiii ',    17,12 

Bromkalium 6^9 

lodkalinm 0,08 

Chlorlithium 14,53 

CU#rcaesium bedeutende  Sfm 

Cblorrubidiuni Spar 

409,76. 
Daa  Salz,  welches  aus  dieser  Mutterlauge  auskrjstalli- 
sirt,  acbeint  von  Caesium  und  Rubidium  frei  sui  sayo.  Das- 


3«0 

selbe  bt  seines  grofsen  Chlorstrontiamgehaltes  wegM  faierk- 
würdig.  Hr.  Sieb  er,  der  es  im  hiesigeo  Laboratörioin 
analjslrt  hat,  fand  folgende  ZasammensetzuBg  in  1600  Tb. 

Oilorcalcium 64>36 

Chlormagnesium %^^ 

Ghlorstrontiam 11,19 

Chlomatrium 2,01 

Chlorkaliiun 7,96 

Wasser .    •    .    ■      21,78 

100,tlO. 
Es  scheint  nach  diesen  Analysen,  als  ob  das  Caeaiani 
und  Rubidium  ein  in  den  Soolquellen  tiemlieh  allgemein 
verbreiteter  Körper  sey.  Aber  auch  rn  Quellen,  welche 
dem  nicht  alkalischen  salzarmen  Balinischen  Thermlilwasseni 
zuzuiShlen  sind,  findet  es  sich  in  nachweisbaren  Mengen. 
Namentlich  haben  wir  es  in  der  Thermalquelle  Ungemach 
in  Baden -Baden  und  in  der  Höllenquelle  daselbst  in  ver- 
hältnifsmSfsig  nicht  unerheblicher  Menge  nachweisen  kOnnen. 
Die  Ungemachquelle  enthält  nach  einer  im  hiesigen 
Laboratorium  ausgeführten  Analyse  in  10000  Theilen 
Wasser: 

Zweifach  kohlensauren  Kalk  .  .  •  .  1,475 
Zweifach  kohlensaure  Magnesia  .  .  .  0,712 
Zweifach  kohlensaures  Elisenoxydul  .  .  0,010 
Zweifach  kohlensaures  Manganoxydul  .         Spur 

Schwefelsauren  Kalk 2,20S 

Schwefelsauren  Strontian 0,028 

Schwefelsauren  Baryt      ....      geringe  Spur 

Chlorcaicium 0,463 

Chlormagnesium 0,126 

Chlornatrium 20,834 

Chlorkalium       1,518 

Bromkalium Spur 

Chlorlithium       0,451 

Chlorrubidium 0,013 

Chlorcaesium Spur 


361 

Kieselerde 1,230 

Thonerde (MN)I 

Salpetereftore  aD  Basen  gebunden     .     .  0,030 

Annnoiiiak  an  Basen  gebunden     .     •     .  0,008 

Aneniksinre  ati  Basen  gebunden      .     .  Spnr 

Pbospborsfture  an  Basen  gebunden  .     .  Spnr 
Kupferoxyd  an  Sfturen  gebunden       geringe  Spur 

Unbestimmbare  organische  Substanzen  .  Spur 

Kohlensäure 0,466 


29,552. 

Audi  in  dem  Wasser  des  Kochbrunnens  zu  Wiesbaden 
und  des  neuerbohrten  Sprudels  zu  Soden  bei  Frankfurt 
linden  sich  neben  Lithion  -  und  Strontiansalzen  sowohl  Cae- 
BimH'-  ab  Rubidiumverbindungen,  die  sich  schon  in  der 
Matterhuge  Ton  6  bis  8  Litre  Wasser  leicht  durch  Spec^ 
tralanaljse  im  Platinniederschlag  nach  dem  Auskochen  des- 
selben mit  Wasser  nachweisen  lassen.  In  der  Asche  von 
Land-  und  Seepflanzen,  im  Chilisalpeter  und  anderen  im 
Handel  torkommenden  Alkaliverbindungeu  haben  wir  bei 
UbterBUchung  kleinerer  Mengen  weder  Caesium  noch  Ru- 
bidium auffinden  können. 

Nadi  diesen  Betrachtungen  flber  das  Vorkommen  und 
die  Verbreitung  des  Caesiums  wenden  wir  uns  zu  der  Tren- 
nungsdiethode,  durch  welche  die  Verbindungen  desselben 
rein  erhalten  werden  können.  Wenn,  wie  fast  immer,  Ka- 
lium»  Rubidium  und  Caesium  neben  Natrium  und  Lithium 
▼orhanden  sind,  so  lassen  sich  zunSchst  die  drei  ersteren 
leicht  von  den  beiden  letzteren  durch  Platinchlorid  trennen. 
Aas  den  gefüllten  drei  Platindoppelchloriden  entfernt  man, 
wie  Bcbon  oben  erörtert  ist,  das  Chlorplatinkalium  leicht 
dadurcb,  dafs  man  die  Doppekalze  gegen  zwanzigmal  hin- 
tereinander jedesmal  mit  wenig  Wasser  auskocht,  wobei 
das  teichtlösliche  Kalisalz  schon  zum  gröfsten  Theile  aus- 
gezogen wird.  Die  jetzt  nur  noch  wenig  Kali  cnthalteuden 
Platinverbindongen  werden  in  einem  Wasserstoffstronie  in 
kaom  beginnender  GlOhhitze,  bei  welcher  das  Chlorcaesium 


8«2 

imd  Chlorrabidiain  noch  Dicht  Mhmilzt,  redudrt.  Mair  laugt 
die  CUormetalle  aus  und  löst  dieselben  in  ungefilhr  der 
70  fadien  Menge  Wasser  auf.  Von  dem  rfiokstiiidigenf 
wieder  in  Platinchlorid  verwandelten  Platin  bereilel  man 
eine  Lösung  von  ungefthr  gleicher  Verdünnniig,  arhitxt 
beide  xum  Kochen  und  vermischt  sie.  Hat  sich  der  nach 
einigen  Augenblicken  entstehende  Niederschlag  beim  Ab- 
kühlen  der  Flüssigkeit  hinlfinglicb  vermehrt,  so  wird  er 
abfiltrirt,  getrocknet  und  so  lange  in  der  eben  beachrie- 
benen  Weise  von  neuem  behandelt,  bis  eine  Probe  davon 
im  Spectralapparate  die  Linie  Xaa  nicht  oder  kaom  mehr 
zeigt.  Der  Niederschlag  besteht  jetzt  nnr  noch  aus  Chloi^ 
rubidium  und  Chlorpaesium  Zur  Entfernung  dee  ersterea 
benutzt  man  die  Löslichkeit  des  kohlensauren  Caesiumozjds 
in  absolutem  Alkohol,  welche  dem  kohlensauren  Rubidium- 
oxyd abgeht. 

Die  Trennung  des  Caesiums  gelingt  indesssen  durch 
wiederholte  Extraction  der  kohlensauren  Salze  mit  absolu- 
tem Alkohol  nur  schwierig,  da  beide  ein  in  Alkohol  nicht 
ganz  unlösliches  Doppelsalz  zu  bilden  scheinen.  Wir  ha- 
ben es  daher  vorgezogen,  die  schwefelsauren  Basen  mit 
Barytwasser  ätzend  zu  machen  und  nur  ungeftthr  den  fünf- 
ten Theil  derselben  durch  Eindampfen  mit  kohleusaorem 
Ammoniak  in  einer  Silberschaale  in  kohlensaures  Salz  zu 
verwandeln.  Alkohol  zieht  dann  aus  einem  solchen  Ge- 
roenge das  fttzende  Caesiumoxyd  unter  Zurückla^sung  von 
caesiumhaltigem  kohlensauren  Rubidiumoxyd  aus.  Wieder- 
holt man  diese  Trennung  fünf-  bis  sechsmal,  indem  man 
jedesmal  zur  Lösung  möglichst  wenig  Alkohol  anwendet, 
so  erhält  man  das  Caesiumoxydhydrat  frei  von  Rubidium- 
oxydhydrat, wie  man  sich  leicht  durch  Beobachtungen  ioi 
Spectralapparat  überzengen  kann.  Es  braucht  kaum  er- 
wähnt zu  werden,  dafs  die  zahlreichen  Rückstände,  trelche 
man  im  Verlaufe  der  Darstellung  erhält,  gleich  den  ur- 
sprünglichen Substanzen  verarbeitet  werden  müssen  und 
dafs  das  bei  der  Darstellung  benutzte  Platin  ohne  erhebli- 
eben  Verlust  leicht  wiedei^ewoniiea  werden  kann. 


363 

Zor  vorllnfig«!    BettimniiBUDg   de«   Alomgewichti    des 
acMuna  dienlen  folgende  VersuGbe:  Aas  dem  durch  Aus- 
ocben  möglichst  von  Kali  befreiten  Gemenge  von  Chlor- 
btinrobidiiiin  and  Cblorplatincaesium  wurde  nach  der  eben 
■■ohriebeBen  Sdieidangsniethode  das  Chlorcaesium  getrcimt 
nd  das  Chlor  darin  als  Chlorsilber  bestimnil. 
0,5219  Grm.  gaben  0,4995  6nn.  Chlorsilber. 
Die  geschiedene  Snbstanz  wurde  xam  «weilen  Male  der- 
Jben  Scheidung  nnterworfen. 
1,7690  Grm.  gaben  jetxl  1,6548  Grm.  Chlorsilber. 
Bei  der  xum  dritten  Male  wiederholten  Scheidung  wurde 
ine'  Sabstanx  erhalten,  too  welcher  0,3727  Grm^  0^3402 
rnn.  Chlorsilber  gaben. 

'  Nach  der  zom  Tterten  Male  wiederholten  Scheidung  ga- 
eo  1,3860  Gna  der  Chlorrerbindung  1,2618  Grm.  Chlor 
Über. 

14)124  Grm.  der  cum  ffinften  Male  geschiedenen  Sub- 
\mm  gaben  O99144  Grm.  Chlorsilber. 

Nach  der  sechsten  Scheidung  endlich  wurden  aus  0,4572 
lfm.  Sabstanx  0,4 126  Grm.  Chlorsilber  erbalten. 
*   100  Theile  der  untersuchten  Substanz  gaben  daher: 
Dach  der  ersten  Reinigong  95,708  Chlorsilber, 
»       •    «weiten       »         93,486  • 

»       m    dritten         »         91,280  » 

»       »     vierten         »         90,318  » 

»     f&nften        »         90,320 
»       »     sechsten      »         90,245  » 

Man  sieht  aus  diesen  Zahlen,  dais  nach  viermaliger  Be- 
•ndking  der  Salzmasse  mit  Alkohol  ein  Sals  erhalten  wird, 
rekhes  bei  fortgesetzter  gleicher  Behandlung  constante  Zu- 
inroensetznng  zeigt.  Berechnet  man  daher  aus  den  letzten 
rei  Versuchen  das  Atomgewicht  des  Caesiams,  so  erhält 
ian  fUr  dasselbe 

123,31 
123,31 
123,44 
MflteJ  183^; 


Siroin  erlialteu  werden.  Dasselbe  ist  in  dieser  Form  sit 
bcrweifs  uod  kOroig  krjslallinisch.  Es  oxydirt  sich  an  der' 
Luft  viel  rascher  als  Rnbidiumamalgam  und  tenettt  drt 
Wasser  sehr  leicbt.  Gegen  Natrium-,  Katium-  und  Rnbr- 
bidiiimamalgam  ntil  ChlorknliamlttBung  als  ErregerflflssJgkeit 
verhält  es  sich  positiv  elektrisch.  Mai)  wird  daher  das  Cae- 
sium  als  den  elektropösitivsten  der  jetzt  bekannten  einfa- 
che» KOrper  betrachten  kOniien. 

b       Ca«i'iimoi}ilhjdrai. 

Das  Verhalten  des  geschmoltehen  Chlorcaesiunn  im  Kreise 
der  SSiile  lifst  kaum  einen  Zweifel,  dafs  das  Metall  wifc 
das  Kalium  ein  Suboxjd  bildet.  Ob  es  sich  mit  Sane^off 
tu  einem  Superoxid  verbindet,  was  bei  seiner  ^ofseo  Ana-  ' 
logie  mit  dem  Kalium  sehr  wahracheinlich  ist,  haben  wir 
noch  nicht  unlersuchl.  Das  Oxydbjdrat,  welches  wie  die 
entsprechende  Rnhidiumverbindung  dargestellt  war,  gleicht  ' 
der  letzteren  in  allen  SlUcken.  Es  enthält  ein  Atom  Wasser, 
welches  nicht  durch  Ei^ilten  aasgetrieben  werden  kann, 
ist  in  hohtm   Gerade  leT&Vd^lix^s  «Aiim  üch  mit  Wasser 


3S6 

laf  du  ÜAftigite,  luid  ist  miiKlesieoe  so  kaastiacb  wie.  Aetz- 
lali  oder  Rubidiumoxydbjdrat.  lu  Alkohol  löst  es  sich 
eicht  »1  einer  syrapdickea  Flüssigkeit. 

r.    -£infacb  kobknsaarea  Cattiamoxj^. 

Es  wird  wie  das  Robidiuinsab  am  einfachsten  dadurch 
erhalten,  dafs  man  eine  kochende  Lösung  von  schwefelsau- 
em  Caesiumojyd  mit  Barjtwasser  zersetzt,  die  ätzende 
rUitsigkeii  mit.  kohlensaurem  =  Ammoniak  zur  Trockenheit 
kbdä«|ift  und  den  etwa:  ausgetchiedeuien  kohlemauren  Ba- 
yt  durch  Fikration  trennt  Die  sjrropdicke  Lösung  des 
L^hlensMireu  Salzes  «ehiefat  in  undeutlichen  wasserhaltigen 
(rjatalleo  au,  die  an  der  Luft  sehr  schnell  zerfliefsen.  Die 
^tystalle  schmelzen  beim.  Erhitzen  leicht  in  ihrem^Krystall- 
vaaser  und  hinterlassen  das  wasserfreie  Salz  als  eine  san- 
lige,  zerreibliche,  weifse  Mas^e,  die  mit  grofser  Begierde 
Wiaaaer  aus  der  Luft  anzieht  und  dabei  zerfliefst.  Schon 
i^ .  deit  Aothglühhitie  schmilzt  das  wasserfreie  Salz,  ohne  in 
bü  Weifsgltthhitze,  wo  es  zu  verdampfen  auffingt,  seine 
EJoUeoslure  zu  .verlieren.  In  der  Flamme  am  Platindraht 
«rflllebtigt,  es  sich  leicht  and  vollständig.  Die  wässerige 
JieuQg  reagirt  und  schmeckt  stark  alkalisch,  fühlt  sich  sei- 
saartig  zwischen  den  Fingern  an  und  corrodirt  die  Haut, 
renn  sie  Ifingere  Zeit  damit  in  Berührung  bleibt.  Wasser, 
reiches  nur  *fv^,r0  des  Salzes  enthält,  reagirt.  noch  deutlich 
Ikalisch  auf  geröthetea  Lackmuspapier.  .Das  kohlensaure 
>aesiumoxjd  besitzt  die  für  ein  kohlensaures.  Alkali  merk- 
rfirdige  Eigensoheft,  sich  In  absolutem  Alkohol  zu  lösen. 
00  Theile  Alkohol  nehmen  bei  19*' C.  11,1  und  bei  dem 
kOcbpunkt  des  Alkohols  20,1  Theile  auf.  Das  Salz  krj- 
lallimt  aus  der  alkoholischen  Lösung  bei  schneller  Abküh- 
ing  in.  kleinen  körnigen,  undeutlichen  Krjrstalien«  Bei 
MHg^amer  Abkühlung  und  Temperaturen  unter  0*'  C.  sieht 
lan-  bisweilen  in  einer  alkoholischen  Lösung,  welche  neben 
mtn  kohlensauren  noch  viel  ätzendes  Caesiumoxyd  enthält, 
olllange  blätterige  Nadeln  entstehen.  0,7021  6rm.  des  ^e- 
cfanKrizenett  Salzee .  verWen  bei  Aehan^Aiii^  iinitL  vetdii^Ttiiwi 


966 

SchwefekSure  0^1190  KoMemiare.    Dm  Sali  bestall 
her  aus: 

CsO     131,35        85,65        85,86 

CO,      22,00        14,35         I4,i4 

lft3,35       100,00       100,4N). 

Eine  Lösnog   tod    einfach  kohlenaaurem  Caeaioii 
geht  in  einer  Aimosphftre  too  Kohlensäure  schon  um 
nigen  Tagen  in  dieses  Salt  fiber.    Die  Lösung  bildet, 
sie  in  der  Luft  fiber  Schwefelsiure  bei  gewöhnlicher 
peratur  verdampft  wttre,  groCM,  undeutlich  ausgebildet« 
streifte,  luftbestindige  Krjstalle,  die  einen  prismatische! 
bitus  zeigen,  nur  schwach  alkalisch  reagiren,  beim  Ki 
in  w&sseriger  Lösung  Kohlensiure  ausgeben  und  im 
(sern  von  dem  entsprechenden  Rubidiumsalze  nicht  si 
terscheiden  sind.    0,8155  Grm.  geschmolzenes  einfich 
lensaures  Caesiumoxjd  nahmen  nach  längerem  Verv 
in  einer  KohlensXoreatmosphSre  und  nathherigem  TitM 
(ibcr   Schwefelsäure   bei    gewöhnlicher  Lufttemperet« 
0,1606  Grm.   an  Gewicht  zu.     Die  Zusammensetzuoi 
Salzes  ist  daher: 


Berechnet. 

c»o 

131,35 

71,25 

71,56 

2CO, 

44,00 

23,87 

28,44 

HO 

9,00 

4,88 

184,35      100,00       100,00 

€,     Salpctcrvaurea  Gaesiuinoxyd« 

Das  Salz  enthält  kein  Krjstallwasser,  ist  luftbesl 
und  schiefst  aus  seiner  wässerigen  Lösung  in  kleinen 
glänzenden  Krystallen  an,  die  einen  prismatischen  Hi 
zeigen  und  an  den  Prismentlächen  besser  als  an  den  I 
ausgebildet  zu  sejn  pflegen.  Die  Krystaile,  welcb 
14^  C  durch  langsame  Verdunstung  erhalten  waren 
boren  dem  hexagonalen  Sy%V«m«  «a  und  sind  mit  aal] 


867 

mran  Robidhiiii^iyd  isomorph.  Die  Groiidlbnii  ist  ein 
iimpfes  HezagonaldodekaSder  uiit  Polkanten  von  142^  56' 
nd  Mittelkanten  von  78^  58',  dem  das  Atomverbftltnifs 

1:0=1:0,71348 
ntspricht. 

Die  Flttchen,  welche  beobachtet  nerden  konnten,  Taf.  V 
'Ig.  ly  sind  folgende: 

P.<x>P.P2.<£>P2.0P.\P 


r         P 

'i         fi 

•      » 

GcfiindeiK 

HCffCCDIICt* 

P  — Pi 

149"  69' 

15«»   0' 

Pt  —  P 

149   58 

150     0 

r  -p') 

129   29 

r,—p, 

125   28 

125   30 

r  — r, 

161    41 

161    28 

r  —q 

172     0 

172    14 

r,^o 

144    39 

144   30. 

Betrachtet  man  die  angenommene  Grundform  als  ein 
lexagonaldodeka^der  der  zweiten  Ordnung,  so  giebt  das 
le^selben  entsprechende  Hexagonaldodeka^der  erster  Ord- 
Hing  bei  hemedriacber  Ausbildung  ein  Rbombo^der  mit 
^olkauten  von  106^  AO.  Durch  diese  Form  würde  das 
alpetersaure  Caesiumoxyd  und  also  auch  das  Salpetersäure 
lubidionioipyd  mit  Kali-*  und  Natron  -  Salpeter  isomorph 
eyn;  man  bat  nSiblich 

Salpetersaurea  Caesiomoxyd     106®  iff 

Salpetersaures  Kali     •    .    •     106   30 

Salpetersaurea  Natron     •    .     106   36. 

Bei  Bchneller  Krjstallisation  scheidet  sich  das  Salz  in 

»Igen,  spiefsigen,  durch  vide  longitudinale  Höhlungen  ge- 

treiften  Prismen   aus.     Es  schmeckt  genau  eben  so  salzig 

litterlich  ktihlend  wie  Salpeter,  so  dafs  man  beide  durch 

Ion  Gesebmack  nicht  unterseheiden  kann. 

Erhitzt  schmilzt  das  Salz  schon  fast  unter  der  Gifihhitze 
»1  einem  dünnflüssigen  Liquidum,  das  stark  erhitzt  Sauer- 
loff ausgiebt  und  dabei  zuerst  in  salpetrigsaures  Caesiu^- 

1)  Dieter  Winkel  diesie  sor  Beredman^  der  Gnmdfoicm. 


368 

oxyd  und  dano  anter  Aiifnabme  von  Waaser  aiu  .das  -Luft 
in  ätzendes  Caeiianioxydbydrat  flbergehl,  welches  PUiUq  iumI 
Glas  angreiß. 

In  absolutem  Alkohol  ist  das  Sab  nur  sehr  wenig  Ids- 
licb*). 

Im  Wasser  ist  das  salpetersaure  Caesiumoxjd  etwas 
schwieriger  löslich  als  das  entsprechende  Kalisals;  w&brend 
100  Theile  Wasser  bei  +  3^,2  C.  tooi  letsteren  16,1  Theile 
lösen,  werden  vom  Caesiumsalz  unter  denselben  Unist&ndefl 
10,58  Theile  aufgenommen. 

3,0567  reines  salpetersanres  Caesiumoxyd  gab  mit  Schwe- 
felsäure zersetzt  und  heftig  gegifiht  2,8233  echwefelaaurei 
Salz.     Daraus  ergiebt  sich: 


Berechnet. 

Gdiioden. 

CsO 

131,35 

70,87 

70,80 

NO, 

54,00 

29,13 

29,20 

185,35      100.00      100,00. 

y,     Saaret   schwefelsaure«  Caesiumoxjd. 

Versetzt  man  kohlensaures  Caesiumoxyd  mit  einem  Ue- 
berschufs  von  Schwefelsäure  und  erhitzt  man  allaiihiich 
so  entweicht  so  lange  Schwefelsäure,  bis  die  TempenitBr 
nahe  zur  Glühhitze  gestiegen  ist  Die  Masae.  bildet  dsM 
eine  wasserhelle  Flüssigkeit,  die  bei  dem  Erkalten  ni  eiiMr 
krystallinischen  Masse  erstarrt.  Im  Wasser  aufgelöst  sdiiiCii 
das  so  erhaltene  saure  Salz  beim  langsamen  Verdunsten  ia 
kleineu,  kurzen,  rhombischen  Prismen  an,  mit  rechtwinkli* 
eher  Abstumpfung  au  den  Enden  und  gleichwinklichen  Ab- 
stumpfungen an  den  schärferen  Seitenkanten.  Die  KiTitaUe 
gehören  einem  rhombischen  System  an.  Das  Verhiltmb 
der  Horizontalachsen  ist  annähernd 

a:b=\  :1,38. 

Die  Krystalle  sind  zu  schlecht  ausgebildet  and  an  der 

1)  Salpeter  isl  keineswegs,  wie  BerEelius  angiebl,  in  Alkohol  gant  hb- 
löblich.  Die  geringe  I<osIiclikeit  dbs  Caesiunisaltes  in  Alkohol  kann  daher 
nirlit  all  Unlersclieidiingsmerkmal  beider,  wie  Einer  von  uns  Aofauf  gc* 
glaubt  und  angegitbrn   lial,  gellen. 


369 

Oberfläche  xa  wenig  glänzend ,  uui  eiue  genauere  Messung 
lil  dem  Reflexionsgoniometer  zuzulassen. 

Aach  das  Verhältnifs  der  Hauptaxe  zu  den  Horizontal- 
xen  liefs  sich  nicht  ennitteln,  da  keine  deutlichen  Flä- 
ben  an  den  Endkanten  der  Prismen  auftraten.  Die  Kry- 
talle  sind  Fig.  3  dargestellt. 

Gefanden.         Berechnet. 

p—pma    107«»  37'        lOS*» 

p  —  b  126^ 

Das  Salz  reagirt  und  schmeckt  sehr  stark  sauer,  ist  aber 
n  der  Luft  beständig.  Bei  schwächerem  Erhitzen  schmilzt 
8  schon  unter  der  Glühhitze  ruhig;  bei  gesteigerter  Tqm- 
eratur  entweicht  wasserfreie  Schwefelsäure  unter  heftigem 
Lofechäumen,  indem  festes  neutrales  schwefelsaures  Caesium- 
xyd  zurückbleibt,  welches  erst  bei  beginnender  Gelbglüh- 
itze  wieder  flüssig  wird. 

ff.     Neatralef  schwefelsaures  Gaesiamoiyd. 

Die  wässerige  LOsung  des  Salzes  besitzt  einen  faden, 
intoinach  bitteren  Geschmack.  Die  Löslichkeit  im  Wasser 
it  viel  grö&er  als  die  des  entsprechenden  Kalisalzes.  100 
rheile  nehmen  bei  — 2"  C.  vom  schwefelsauren  Caesium- 
»zjd  nicht  weqiger  als  158,7  Theile,  vom  schwefelsauren 
[all  aber  nur  8,0  Theile  auf.  Aus  der  wässerigen  Lösung 
cfaiefsen  beim  langsamen  Verdunsten  über  Schwefelsäure 
leine,  undeutlich  ausgebildete,  harte  Krjstalle  an,  die  den 
hbitos  plattgedrückter,  kurzer  Prismen  zeigen  und  zu  bündel- 
Drmigen  Gruppirungen  zusammengewachsen  zu  sejn  pfle- 
;€n.  Diese  Krjstalle  sind  wasserfrei,  Töllig  luftbeständig 
ind  in  Alkohol  nicht  löslich.  Mefsbare  Individuen  zu  er- 
lalten,  ist  uns  nicht  gelungen. 

Die  Analyse  wurde  durch  Umwandlung  des  kohlensau- 
en Salzes  in  schwefelsaures  ausgeführt.  0,7921  Grm.  ge- 
chmolzenes  kohlensaures  Caesinmoxyd  gaben  0,8828  Grm. 
;e8chmolzenes  schwefelsaures  Salz.     Daraus  folgt: 

PoggendorfTs  AdmI    Bd.  CXlIl.  24 


370 

Berccbaet.     Gdandcii. 

CsO     131,35        76,66        76,85 

SO.,       40.00        23.34^       23,15 

171,35       100,00       100,00 

Mit  den  schwefelsauren  Salzen  des  Kobaltoxyduls,  Nik- 
keloxjduls,  der  Ma^^nesia  etc.  giebt  das  schwefelsaure  Cae- 
siuinoxjd  eine  Reihe  sehr  leicht  und  schön  krjstallisirender 
Doppelsalze,  welche  6  Atome  Krjstallwasser  enthalten  und 
mit  den  analog  zusammengesetzten  Salzen  des  Kalis  und 
Rubidiumoxjds  isomorph  sind.  Die  Krjstalle  zeigten  fol- 
gende Flächen: 

OP.  GD  P. -I- P. [Pod]  . -I- 2PaD .  OD  P2. 

Mit  schwefelsaurer  Tbbnerde  giebt  das  schwefelsaure 
Cacsiuiiioxyd  ein  vierundzwauzig  Atome  Krjstallwasser  ent- 
haltendes Doppclsalz,  welches  wie  der  entsprechende  Kali- 
alaun  und  Rubidiumoxjdalaun  regulär  krjstallisirt. 

h»     Chlorcactiam. 

Ncutralisirt  man  kohlensaures  Caesiumoxyd  mit  Salzsäure 
und  dampft  man  die  Lösung  ein,  so  krjstallisirt  das  Chlor- 
caesium  in  kleinen,  wasserfreien,  undeutlich  ausgebildeten 
Würfeln  aus.  Bei  schneller  Krjstallisation  giebt  das  Salz 
wie  Salmiak  und  Chlorkalium  ein  Haufwerk  federförmig 
gruppirter  Krjstalle.  Das  Chlorcaesium  schmilzt  schon  in 
der  angehenden  Rothglühhitze  und  verflüchtigt  sich  bei  hö- 
herer Temperatur  viel  leichter  noch  als  Chlorkalium  in  wei- 
fsen  Dämpfen.  Das  geschmolzene  Salz  erstarrt  beim  Ab* 
kühlen  zu  einer  weifsen  undurchsichtigen  Masse,  die  an  der 
Luft  begierig  Feuchtigkeit  anzieht  und  zerfliefst  Bei  län- 
gerem Glühen  an  der  Luft  wird  es  etwas  basisch. 

Nach  den  oben  zur  Bestimmung  des  Atomgewichts  mit- 
gethcilten  Versuchen  gaben  1,0124  Grm.  Chlorcaesium,  des- 
sen Lösung  völlig  neutral  reagirte,  0,9133  Grm.  Chlorsilber 
und  0,0009  Grm.  metallisches  Silber  aus  der  Filterasche. 
Diefs  entspricht: 


371 

Berechnet«     Gefunden. 

C«  123,35    77,67    77,67 

Cl   35,46    22,33^  .  22,33 

15831   100,00   100,00. 

#.     ChlorpUtmcaesium. 

Versetzt  man  eine  wässerige  Lösung;  von  Chlorcaesium 
ii  Platinchlorid,  so  entsteht  ein  gelber  Niederschlag.  Die 
arbe  desselben  ist  etwas  heller  als  die  des  Chlorplatinka- 
ams,  weil  er  schwerer  löslich  ist  als  dieses  und  daher  in 
ineni  Zustande  feinerer  Vertheilung  niederfällt.  Der  Nie- 
erschlag ist  wasserfrei  und  besteht  aus  mikroskopischen, 
oniggelbenr,  durchsichtigen,  regulären  Octa^Sdern.  1(N)  Theile 
Vasser  lösen  von  der  Verbindung 

bei     0'»  C.     0,021  Theile 
»     11     •      0,072 
»    40    »      0,118 
»    68     »      0,234       » 
»  100    ^     0,382       » 

Auch  diese  Bestimmungen  sind  Mittel  ans  mehreren  mit 
roCser  Sorgfalt  ausgeführten  Versuchen,  welche  unter  ein- 
nder  eine  befriedigende  Uebereinstimmung  zeigten.  Da  fast 
tfes  im  Handel  vorkommende  Platin  sehr  unrein  ist  und 
wbi  seften  ein  6  bis  8  Procent  zu  niedriges  Atomgewicht 
ei^y  so  haben  wir  das  Platin,  mit  welchem  diese  Vcrbin- 
bbg  sowohl  wie  das  oben  zur  Analyse  benutzte  Rubidium- 
öppelchlorid*  dargestellt  wurde,  zuvor  gereinigt.  Es  ge- 
^ah  diefs  durch  Schmelzen  von  Chlorplatiukalium  mit  ei- 
ein  leichtQüssigen  Gemisch  von  kohlensaurem  Kali  und 
latron  in  einer  Platinschaale,  Ausziehen  der  Masse  mit 
/Nasser  und  Auflösen  des  Rückstandes  in  verdünntem  Kö- 
igswasser.  Erst  nach  fünfmaliger  Wiederholung  dieser 
Operationen  zeigte  das  Platin  ein  von  99,1  nur  wenig  ab- 
reicbendes  Atomgewicht. 

Die  Analyse  des  Platindoppelsalzes  wurde  auf  folgende 
¥ei6e  sfOsgefQhrt: 

^4* 


8T2 

Das  10  einer  schwer  scbmelzbareu  U-förmig  gebogenen 
Glasröhre  abgewogene  Salz  wurde  bei  160"  C.  bis  170"  C 
im  Chlorzinkbade  getrocknet  und  gewogen,  durch  die  in 
Magnesia  eingebettete,  schwach  gltibend  erhaltene  Röhre 
ein  Strom  trockues  Wasserstoffgas  geleitet  und  der  dadurch 
bewirkte  Gewichtsverlust  bestimmt,  das  Chlorcaesium  vom 
Platin  durch  Auskochen  getrennt,  beide  für  sich  gewogen 
und  endlich  noch  der  Chlorgehalt  des  Chlorcaesiams  durch 
Silberlösung  bestimmt.    Der  Versuch  gab: 

Angewandtes  Chlorplatincaesiom  6^6412  Grm. 

Verlust  bei  der  Redkidion  mit  H  1,8725 

Abgeschiedenes  Platin  •    .    .    .  2,6138 

Abgeschiedenes  Chlorcaesium  4,1644 

Erhaltenes  Chorsiibar  ....  3,7506 

Daraus  folgt: 


Chlorplafin 


Chlorcaesium 


Pt 

CL 
jCs 
(Cl 


99,10 

70,92 

123,35 

35,46 


Bereclinct. 

30,14 
21,57 
37,51 
10,78 


Gefonden. 

30,25 
21,67 
37,35 
10,53 


328,83       100,00      100,00 

Es  ist  nicht  ohne  Interesse,  die  Löslichkeit  des  Chlor- 
platincaesiums  und  Chlorplatinrubidiums  mit  der  des  Chlor- 
platinkaliums  zu  vergleichen.  Die  Löslichkeit  des  letzteren 
ergiebt  sich  aus  folgenden  Versuchen,  die  mit  besonderer 
Sorgfalt  ausgeführt  worden  und  deren  Zahlen  Mittel  aus 
mehreren  gut  fibereinstimmenden  Beobachtungen  sind.  100 
Theile  Wasser  lösen 

bei    0^0  C    0,724  Theile  Chlorplatinkalium 


6  ,8 

0,873 

13  ,8 

0,927 

46  ,5 

1,776 

71  ,0 

3,018 

100  ,0 

5,199 

Interpolirt  man  aus  diesen  und  den  ffir  Chlorplatinrubidium 
und  ChJorplatincaesium  angegebenen  Zahlen  die  Löslichkeit 


zugewendeten  Ende  durch  eine  Saminelliuse,  an  dein  andem 
durch  eine  Plalte  verschlossen  ist,  die  mit  einem  Tertik^M 
Spalt  versehen  ist.  An  dem  FuCse  sind  weiter  swci  Anm 
so  befesligt,  dafs  sie  um  eine  \\e  drehbar  sind,  voD  deoM 
der  eine  das  Fernrohr  B  von  achlfacher  Vergröfseruiig,  da 
audere  das  Rohr  C  ball;  in  dem  dem  Prisma  ziigekehrl«ii 
Ende  dieses  Rohre  beüodet  sieb  eine  Sammellinse,  iudem  an- 
deren eine  Skale,  die  durch  Reäexion  an  der  vorderen  Piw- 
mcnflSche  sich  dem  durch  das  Fernrohr  blickenden  Beob- 
achter zeigt.  Diese  Skale  ist  eine  photographische  Abbil- 
dung einer  Miliimeterskalc,  die  auf  einer  Glasplatte  in  der 
Camera  obscura  in  dem  Maafsetabe  von  etwa  Vt  hergestelll 
ist').     Sie   ist  mit  Stanniol  so  weit  gedeckt,   dafs  nur  der 

1)  Diese  Milllmclerikilc  war  tut  tmtm  GliiXrelreD  geEeichael,  der  idIi 
ebeiD  dünnen  Utbcnuge  fon  Kot,  mi  In  GljccnD  gelÜiUm  Wacht  ter- 
uhen  wir.  Die  TheiliLi-lcI»  and  Zil.ten,  die  im  durchgehenden  Lichic 
lieh  hell  auf  dunklem  Grnnde  leigten,  bildeten  lich  jn  der  PhMofraphic 
daakel  anf  hellen    Grund«  ah.    Vodt  meckcÄ&icec  wän  ci,    bei  dco 


375 

liinale  Streifen,  auf  dem  die  Theilstriche  und  die  Zahlen 
ch  befinden,  sichtbar  ist. 

Von  dem  Spalt,  der  in  Fig.  8,  Taf.  III  in  gröfserem 
laafsatabe  dargestellt  ist,  ist  nur  die  obere  Hälfte  frei ;  die 
itere  ist  gedeckt  darch  ein  kleines,  gleichseitiges  Glas- 
isma,  das  durch  totale  Reflexion  die  Strahlen  der  Licht- 
lelle  D  durch  den  Spalt  sendet,  während  die  Strahlen  der 
Iditqnelle  E  frei  durch  die  obere  Hälfte  desselben  treten. 
in  kleiner  Schirm  S  über  dem  Prisma  hält  das  Licht  von 
▼on  der  oberen  Hälfte  des  Spaltes  ab.  Bei  dieser  An- 
rduang  erblickt  der  Beobachter  Ton  den  Spectren  der  bei- 
m  Lichtquellen  das  eine  unmittelbar  über  dem  anderen 
nd  urtheilt  mit  Leichtigkeit  über  die  Uebereinstiuimung 
der  Verschiedenheit  ihrer  Linien  '). 

Wir  beschreiben  die  Zusammensetzung  und  Einstellung 
es  Apparates: 

Das  Femrohr  B  wird  aufserhalb  des  Apparates  so  weit 
ligezogen,  dafs  man  einen  sehr  weit  entfernten  Gegenstand 
Botlich  sieht,  und  dann  in  den  Ring,  der  dazu  bestimmt 
ty  es  zn  tragen,  eingeschraubt,  wozu  es  nöthig  ist  vorher 
ie  Schrauben  a.  und  ß  zu  lösen.  Darauf  wird  das  Rohr  A 
n  seinen  Ort  gebracht,  die  Axe  von  B  mit  der  Axe 
Ml  Ä  ungefähr  gleichgerichtet,  der  Spalt  so  weit  ausge- 
igen,  dafe  er  dem  durch  das  Fernrohr  Blickenden  deut- 
ch  erscheint,  und  dieses  durch  die  Schrauben  a  und  /9,  von 
aoen  die  eine  Druckschraidbe,  die  andere  eine  Zugschraube 
%  gegen  seinen  Träger  so  fest  gestellt,  dafs  die  Mitte  des 
palts  nngefthr  in  der  Mitte  des  Gesichtsfeldes  sich  zeigt. 
[an  wird  das  Prisma  eingesetzt,  nachdem  man  die  Feder, 
eren  oberer  Theil  in  der  Zeichnung  bei  y  sichtbar  ist,  ent- 
smt  bat.  Hat  das  Prisma  seine  auf  dem  Messingtischchen 
ezeichnete  Stellung  erhalten,  bei  der  seine  brechende  Kante 

SpectraUpparate  eine  Skale  aniuwenden,  die  helle  Theibtricke  aaf  dun- 
lern    GruDde    darbietet.      Solche  werdeo   in    Paris   von  Salleron   ond 
Ferricr  in  sehener  Vollendung  angefertigt. 
L)  Der  Apparat  ist  aas  der  berühmten  nptisrhen  und  asirononiiscKen  W«tk- 
al«lt  von  C.  A.  Steiaheil  ia  Mfinchcn  berTor^e^aii%en. 


376 

in  dem  durch  zwei  kleine  Leisten  gebildeten  Winkel  «h 
befindet,  so  wird  jene  Feder  wieder  angeschraubt ,  welche 
dazu  dient  dem  Prisma  eine  feste  Lage  zu  sichern.  Riditet 
man  nun  die  Achse  des  Rohrs  A  nach  einer  hellen  Fliehe^ 
z.  B.  nach  einer  Kerzenflamme ,  so  sieht  man  das  Spednim 
dieser  in  der  unteren  Hälfte  des  Femrohrs  B,  wenn  nuin 
dieses  um  einen  geeigneten  Winkel  um  die  Aze  dee  Fn- 
fses  ¥  gedreht  hat.  Hat  man  dem  Fernrohr  diese  Stellung 
gegeben,  so  befestigt  man  das  Rohr  C  an  dem  Arme»  der 
es  zu  tragen  bestimmt  ist;  dreht  man  dasselbe  um  einen 
passenden  Winkel  um  die  Axe  des  Fulses  ¥  und  ISbt 
auf  die  Skale,  die  in  ihm  befestigt  ist,  Licht  fallen,  so  er- 
blickt man  in  dem  Femrohr  B  das  Spiegelbild  dieser  Skale, 
das  von  der  vorderen  Flftche  des  Prisma's  P  herrflhrt  Dieses 
Spiegelbild  bringt  man  zur  voUkommnen  Deutlichkeit,  in- 
dem man  die  Skale  in  der  Richtung  des  Rohrs  0  ein-  oder 
ausschiebt;  durch  Drehung  um  did  Axe  dieses  Rohrs 
macht  man  die  Linie,  in  der  die  einen  Enden  der  Theil- 
striche  liegen,  parallel  mit  der  GrSnzlinie  des  Spectrums,  * 
und  durch  die  Schraube  S  bringt  man  diese  beiden  Linien 
zum  Zusammenfallen. 

Um  die  beiden  Lichtquellen  D  und  £  richtig  einzustellen, 
kann  man  zwei  Methoden  benutzen.  Die  eine  beraht  auf 
den  hellen  Linien,  die  in  dem  Spectrum  des  inneren  Kegek 
der  nicht  leuchtenden  Gasflamme  vorkommen,  und  die  so 
sorgfältig  von  Swan  untersucht  sind.  Schiebt  man  die 
Lampe  £  bei  dem  Spalt  vorbei,  so  findet  man  leidit  eine 
Stellung,  bei  der  diese  Linien  sichtbar  sind;  aus  dieser 
Stellung  verschiebe  man  die  Lampe  langsam  nacJi  links  so 
weit,  bis  diese  Linien  ganz  oder  fast  ganz  verschwunden 
sind;  dann  befindet  sich  der  rechte  Saum  der  Flamme  vor 
dem  Späh,  und  in  diesem  ist  die  Perle  des  zu  untersuchen- 
den Salzes  zu  bringen.  Auf  entsprechende  Weise  ist  die 
Lichtquelle  D  einzustellen.  — 

Die  zweite  Methode  ist  diese:  Man  stellt  das  Fernrohr 

B  so,  dafs  der  hellste  Theil  des  Spectrums  einer  Kerzen- 

üamme  sich  ungefähr  in  der  Mitte  seines  Gesichtsfeldes  be- 


379 

ordentlicher  Intensität  und  daher  zur  Erkennung  des  Me- 
talls am  geeignetsten.  Weniger  intensiv,  aber  immer  noch 
höchst  charakteristisch  zeigen  sich  die  Linien  1Kb  8  und  Rb/» 
Sie  sind  ihrer  Lage  nach  höchst  merkwürdig,  da  beide  jen- 
seits der  Fraunhofer'schen  Linie  A  fallen  und  die  fiu- 
laerste  derselben  schon  in  einem  Theile  des  Sonnenspec- 
trums  liegt,  der  nur  noch  bei  Anwendung  besonderer  HülCs- 
mittel  dem  Auge  sichtbar  ist.  Die  übrigen  Linien,  welche 
ohnehin  auf  den  continuirlichen  l'heil  des  Spectrums  fallen, 
sind  wenig  als  Erkennungsmittel  brauchbar,  und  erscheinen 
erst,  wenn  die  Substanz  sehr  rein  und  die  Lichtstftrke  eine 
erbebliche  ist.  Salpelersaures  Bubidiumoxjd,  Chlorrubidium, 
cfalorsaures  und  überchlorsaures  Rubidiumoxyd  zeigen  ihrer 
grofsen  Flüchtigkeit  wegen  die  Linien  am  intensivsten.  Auch 
schwefelsaures  Rubidiumoxyd  und  ähnliche  «Salze  geben  e\n 
sehr  schönes  Spectrum.  Sogar  bei  dem  kieselsauren  und 
pbosphorsauren  Salze  erkennt  man  dasselbe  noch  in  allen 
seinen  Tbeilen  auf  das  Deutlichste. 

Das  Caesiumspectruro  ist  besonders  durch  die  beiden 
blauen  Linien  Cso  und  Csß  charakterisirt,  die  ganz  in  der 
Nähe  der  Linie  CsS  liegen  und  die  sich  durch  eine  aufser- 
ordentliche  Intensität  und  Schärfe  der  Begränzung  auszeich- 
nen. Nächst  ihnen  ist  noch  die  weniger  brauchbare  Linie 
Cs/  zu  erwähnen.  Die  auf  der  Tafel  verzeichneten  gelben 
und  grünen  Linien,  welche  erst  bei  grofser  Lichtintensität 
zum  Vorschein  kommen,  sind  zur  Auffindung  kleiner  Mengen 
von  Caesiumverbindungen  nicht  geeignet;  sie  können  aber 
sehr  zweckmäfsig  als  Anhaltpunkte  für  die  Reinheit  sol- 
cher Verbindungen  benutzt  werden.  Sie  treten  viel  stärker 
und  schärfer  hervor,  als  die  gelben  und  grünen  Linien  des 
Kalispectrums,  welche  wir  aus  diesem  Grunde  in  der  Figur 
gar  nicht  mit  angezeigt  haben.  In  Beziehung  auf  Deutlich- 
AeU  der  Reactionen  verhalten  sich  die  verschiedenen  Cae- 
siumverbindungen den  entsprechenden  Rubidiumverbindun- 
gen ganz  analog;  das  chlorsaure,  phosphorsaure  und  kiesel- 
saure Salz  gaben  die  Linien  noch  vollkommen  deutUcli,  U\^ 
Empfindliehkeii  der  Reactionen  ist  bei  deu  daL^v^^ov^iASi 


381 

BeobachtuDgen  gegenüber ,  könnte  man  sich  daher  leicht 
zu  der  Annahme  Teraocht  fühlen ,  dafs  in  allen'  Fällen 
die  Lichtlinien  eines  Stoffes  ganz  unabhängig  von  den 
Übrigep  mit  demselben  chemisch  verbundenen  Elementen 
auftreten  und  das  mithin  das  Verhalten  der  Elemente  in 
Bexiehung  auf  das  Spectrum  ihrer  Dämpfe  im  chemisch  ge- 
bundenen wie  im  chemisch  ungebundenen  Zustande  stcis 
dasselbe  sey.  Und  doch  ist  diese  Annahme  keineswegs  ge- 
rechtfertigt: Wir  haben  mehrfach  hervorgehoben,  dafs  die 
hellen  Linien  im  Spectrum  eines  glühenden  Gases  über- 
einstimmen müssen  mit  den  Absorptionslinien,  die  dieses 
Gas  in  einem  continuirlichen  Spectrum  von  hinreichender 
Helligkeit  hervorruft  Es  ist  bekannt,  dafs  die  Absorptions- 
linieo  des  loddampfs  durch  lodwasserstoffsäure  nicht  her*^ 
▼orgebracht  werden  und  dafe  auf  der  andern  Seite  die  Ab- 
mrptionslinien  von  salpetriger  Säure  sich  nicht  bei  einem 
mechanischen  Gemenge  von  Stickstoff  und  Sauerstoff  wie- 
derfinden. Nichts  spricht  gegen  die  Möglichkeit,  dafs  ein 
ähnlicher  Einflufs  der  chemischen  Verbindung  auf  die  Ab- 
aorptionslinien,  wie  es  in  diesen  Beispielen  sich  bei  niede- 
ren Temperaturen  bemerkbar  macht,  auch  in  der  Glühhitze 
staltfinden  könne;  ändert  aber  die  chemische  Verbindung  in 
einem  glühenden  Gase  die  Absorptionslinien,  so  mti/f  sie 
auch  die  hellen  Linien  seines  Spectrums  ändern. 

Aus  dieser  Erwägung  scheint  zwar  zu  folgen,  dafs  bei 
gewissen  Verbindungen  die  Spectrallinien  der  Elemente, 
bei  andern  Verbindungen  an  deren  Stelle  neue  Linien  auf- 
treten; allein  es  ist  immerhin  möglich,  dafs  die  von  uns 
▼erflücfatigten  Salze  bei  der  Temperatur  der  Flamme  nicht 
bestehen  blieben,  sondern  zerfielen,  so  dafs  es  immer  die 
Dämpfe  des  freien  Metalls  waren,  welche  die  Linien  des- 
selben erzeugten;  und  dann  erscheint  es  eben  so  denkbar, 
dafs  eine  chemische  Verbindung  stets  andere  Linien  zeigt 
als  die  Elemente  aus  welchen  sie  besteht. 
Heidelberg,  im  Juni  1861. 


382 


II.     Veber  das  Dichiigkeitsmammum  des 

MeervoasstTs. 


1d  seiner  Inaagural- Abhandlung  (München  1861)  hat  kflr«- 
lieh  Hr.  C.  V.  Neumann,  aus  Curland,  die  Bestimmung 
dieses  Dichtigkeitsmaximum  zum  Gegenstand  einer  aber- 
maligen Untersuchung  gemacht.  Er  bediente  sich  dabei, 
l|.hnlich  wie  Kopp  und  einige  andere  Physiker  vor  ihm 
bei  reinem  Wasser,  der  Volumenmessung  in  einem  ther- 
mometerfthnlichen  Instrument  aus  Glas,  dessen  Ausdehnungs- 
cöefficient  sorgfältig  bestimmt  ward.  Diese,  fiir  Flüssigkei- 
ten, deren  Dichtigkeitsmaximum  unterhalb  des  Gefrierpunkts 
liegt,  besonders  geeignete  Methode  führte  für  ein  Meerwasser, 
'das  bei  0"  C.  das  specifische  Gewicht  1,0281,  bezogen  auf 
Wasser  von  -H  4^  C.  hatte,  zu  der  Gleichung'): 
F,=  1  —  0,00001841900^  +  0,00000400310  t' 

+  0,000000837 12  <», 
welche  das  Dichtigkeitsmaximum  auf  — 4^,7364  C.  verlegt. 
Das   angewandte  Meerwasser   war  in   Triest,    Genua   und 
Helgoland  geschöpft  und  mit.  einander  vennischt.  Sein  Ge- 
frierpunkt war  — 2°,6C. 

Das  gefundene  Resultat  ist  gröfser  als  das  von  Des- 
pretz')  ( — 3",67C.,  bei  Meerwasser  von  1,0273  specifi- 
schem  Gewicht)  und  Erman^)  ( — 3^,75  C.)  erhaltene, 
würde  aber  wahrscheinlich  mit  dem  von  Marcct  ( — 5*^,25) 
und  Homer  ( — 5'S56)  berechneten  übereinstimmen,  wenn 
dabei  die  Glasausdehnung  corrigirt  wSre. 

1)  Worin  Ft  das  Volum  bei  /  Grad. 

2)  Compt,  rend,   IF,  p,  124  el  135. 

3)  Diese  Auo.  XLI,  S.  72. 


383 


IIL     Veber  die  Reibung  der  Flüssigkeiten; 
9on  Oskar  Emil  Meyer  aus  Varel  a.  d.  Jahde. 

(Schlafs   Ton   S.  238.) 


IV. 

Beokaehtnogen   snr  BestinnBUBg   der  RelbUBgacoDataDten 

verschiedener  Flüssigkeiten. 

§.  5. 

1.    AtmosphArische  Luft  und  desdllirtes  Wasser. 

KJie  zaietzt  mitgetheilten  Beobachtungen  genfigen  zur  Be- 
rechnung der  Reibungscoefficienten  sovvohl  der  ahnosphS- 
riachen  Luft  wie  des  destillirten  Wassers.  Dieselben  erga- 
ben für  atmosphärische  Luft  Ton  18^,0  C. 

V^^=0,000684 

Hieraus  erhalte  ich,  indem  ich  für  die  Dichtigkeit  der  Luft 
den  von  Biot  und  Arago  beobachteten  Werth 

_    1 

Po  —  77Ö 

annehme,  für  die  Reibungsconstante  der  Luft  von  18^  C. 

17^=0,000360. 

Dieser  Werth  ist,  wie  alle  im  folgenden  angegebenen,  bezo- 
gen auf  Centimeter  und  Sekunden  als  Einheiten.  Andere 
Beobachter  haben  Gewichte  und  Flächen  als  Einheiten 
der  Reibungsconstanten  gewählt,  und  dieselbe  als  Druck 
auf  die  Flächeneinheit  angesehen.  Diefs  ist  nicht  streng 
richtig,  da  die  Reibungsconstante  nur  eine  Zeiteinheit,  der 
Druck  deren  zwei  enthält,  so  dafs  die  Reibungsconstante 
sich  zu  einem  Druck  verhält,  wie  eine  Geschwindigkeit  zu 
einer  beschleunigenden  Kraft.  Will  man  aber  mit  der  Rei- 
bungsconstante dennoch  die  Vorstellung  einer  Druckkraft 
verbinden,  so  geben  die  von  mir  berechneten  Zahlen  den 


385 

Die  VargleichuDg  dieser  Zahl  mit  der  auB  denselbeo  Ver- 
socheii  für  die  Luft  abgeleiteten 

i7„sO,0(NI360 
zeigt,  dafs  die  Reibung  der  Luft  bei  IS'^  nur  37  mal  klei- 
ner ist  als  die  des  Wassers  bei  15"* ß  C,  obwohl  die  Luft 
770iDal  dünner  ist  als  das  Wasser. 

Dieselben  Versuche  geben  zugleich  ein  Mittel,  die  Kei- 
bangsconstante  eines  festen  Körpers  zu  bestimmen.  Der 
Widerstandscoefficient  a  des  Messiugdrahts  hat  nach  Glei- 
chung (22)  §.  1  (S.  82)  die  Bedeutung 

nHr* 

wo  r  und  /  Radius  und  Länge   des  Drahts,  H  den  Rei- 
bangscoeffidenten  des  Messingg  bezeichnet.     E^  ist  also 

Setze  ich  hierin  die  beobachteten  Werthe 

r  =:  0,02  Cm.  l  =  2',5  par.  M. 

und  a  =  0,967 

ein,  so  finde  ich 

ff=  300  Millionen. 

Um  rieh  eine  Anschauung  von  dem  ungeheuren  Werthe 
dieser  Gröfse  zu  machen,  kann  man  die  etwas  ungenaue 
Vorstellung,  die  Reibungsconstante  als  einen  Druck  anzu- 
sehen» benutzen.  Man  findet  dann  den  kolossalen  Druck 
von  70  Centner  si|f  die  FISche  eines  QuadratmilUmeters. 
Auf  dem  Querschnitte  eines  t</rdirten  Messingdrahts  findet 
also  eine  Reibung  statt,  die  von  derselben  Ordnung  ist, 
wie  die  zweier  Messingplatten  gegen  einander,  die  durch 
den  Druck  von  70  Centner  auf  die  Fliiche  eines  Quadrat- 
miUimeters  auf  einander  geprefst  werden.  Es  ist  nicht  ohne 
Interesse^  diesen  grofsen  Druck  mit  demjenigen  zu  verglei- 
chen, den  der  ElasticitHtscoefficient  des  Messingg  reprSsen- 
tirt.  Dieser  ist  nach  Savart's  Beobachtung  über  die  Aus- 
dehnung von  Messingdrähten  gleich  einem  Drucke  von 
1050  Centner  auf  die  Fläche  eines  Quadratmillimeters,  also 
noch  weit  gröfser  als  der  ReibungscoeffiiGient« 

Po$geadorir$  Adim/.  Bd.  CXUl  ^ 


886 

Dieser  ReibuBgs-  oder,  wenn  man  diesen  Amdmck  n 
gewagt  finden  sollte,  elastische  Widerstand  der  festen 
Körper  ist  nach  dieser  Bestimmung  als  oneodlich  grob 
gegenober  der  Reibung  des  Wassers  anzusehen.  Um  so 
mehr  mufs  es  Überraschen,  dafs  die  Reibung  des  Wassers 
und  der  Luft  nicht  bedeutender  von  einander  Terschieden 
sind.  Es  möchte  schwer  seyn,  diese  Thatsache  aus  der  ge- 
wöhnlichen Hypothese  über  die  Molecolar- Constitution  der 
Körper  %u  erklären,  nach  der  die  Moleefile  in  festen  Po- 
sitionen liegen  und  diese  nur  durch  äuCsere  KriAe  ver- 
tassen.  Denn  da  nach  dieser  Vorstellung  alle  die  Erscheinun- 
gen, welche  man  als  Molecular- Vorgänge  zusammenzufas- 
sen pflegt,  also  auch  die  Reibung,  eine  Folge  von  Kräften 
sind,  die  zwischen  den  einzelnen  kleinsten  Theilcben  thä- 
tig  sind:  so  müfsle  man  nach  den  mitgetheilten  Erfahrun- 
gen über  die  Reibung  annehmen,  dafs  die  Kräfte,  welche 
die  Molecüle  der  Luft  auf  einander  ausüben^  bei  weitem 
gröfser  seycn  als  die  zwischen  den  Theilcben  des  Wassers 
wirksamen.  Diese  Annahme  ist  aber  mindestens  unwahr- 
scheinlich. 

Dagegen  erscheint  die  beobachtete  Thatsache  nicht  im 
geringsten  auffallend,  wenn  man  sich  der  Bernoulli- 
Clausius'schen  Ansicht  über  die  Constitution  der  Gase 
anschliefst,  nach  welcher  das  Wesen  des  gasförmigen  Zu- 
standes  in  einer  sehr  raschen  geradlinigen  Bewegung  der 
einzelnen  Molecüle,  auch  eines  anscheinend  in  Ruhe  be- 
findlichen Gases  besteht.  'Besitzt  auberdem  das  Gas  im 
ganzen  oder  einzelne  Schichten  desselben  eine  Bewegung, 
so  besteht  diese  neben  jener  molecularen,  ohne  dals  eine 
etwa  vorhandene  schichtweise  Vertheilung  der  Geschwin- 
digkeit sofort  durch  dieselbe  gestört  würde.  Denn  wie  Clau- 
sius  ')  ans  sehr  plausibelen  Annahmen  entwickelt  hat,  ist  der 
mittlere  Weg,  den  ein  Molecül  zurücklegt,  bis  es  die  Rich- 
tung seiner  Bewegung  ändert,  von  nur  kleiner  absoluter 
Länge,  wenn  er  auch  weit  gröfser  ist  als  der  mittlere 
Abstand  zweier  Molecüle.  Indefs  hat  doch  diese  Molecü- 
le Diese  Anoalcn  Bd.  105.    t^cVcr  ^«  m\uVt,t«  L&a^e  der  Wege  etc. 


S 


S8T 

(•r-Bewegnog  den  Effect,  dafs  mit  der  Zeit  die  Geschwin- 
digkeh  der  Schichten  sich  in  gewisser  Weise  aangleicht,  in- 
dem durch  die  Bewegnnff  einzelner  Moledlle  von  den  ra- 
scher bewegten  Schichten  Geschwindigkeit  an  die  lang- 
sanieren  tibertragen  wird.  In  einer  solchen  TTeberlragung 
aber  besieht  gerade  die  Reibung.  Die  zwischen  zwei  Schich- 
ten eines  Gases  durch  Reibung  übertragene  Geschwindig- 
keit ist  demnach  die  Differenz  der  Geschwindigkeiten  der 
Gasmolecfile,  welche  in  Folge  der  Molecular  -  Bewegung 
ans  dner  Schicht  in  die  andere  Obertreten.  Die  Menge 
der  (Ibertretenden  GasmulecQle  ist  um  so  grOfser,  je  ra- 
scher sich  die  Gastheilchen  in  Folge  ihrer  Molecular -Ge- 
sdiwfndigkeit  bewegen.  Die  Reibung  ist  also  ebenfalls  um 
so  bedeutender,  je  grOfscr  die  Molecular- Geschwindigkeit 
ist.  Diese  Geschwindigkeit  ist  bei  den  Gasen  nach  C lau- 
sios  sehr  bedentend.  Es  wird  daher  wahrscheinlich,  dafs 
auch  die  Reibung  der  Gase  verhaltnifsmifsig  bedeutend  sejn 
wird.  Bildet  man  die  wahrscheinliche  Masse  der  durch  die 
Einheit  einer  im  Gase  gedaditen  Ebene  in  der  Zeiteinheit 
dorchtretenden  MolecQle,  nach  fihnlichen  Methoden,  wie 
sie  Clausius  benutzt'),  multiplicirt  mit  der  durch  sie  Ober- 
tragenen  Geschwindigkeit,  so  findet  man  diesen  Ausdruck 
der  Reibung  proportional  der  mittleren  Molecular-Ge- 
schwindigkeit.  Aufserdem  ergiebt  sich  die  der  Theorie  zu 
Grunde  gelegte  Newton'sche  Hypothese,  dafs  die  Rei- 
bung dem  Unterschiede  der  Geschwindigkeiten  der  benach- 
barten Schichten  proportional  sey,  von  selbst. 

Die  Bestimmung  der  inneren  Reibung  des  Messings  kann 
indefs  keinen  Anspruch  auf  grofse  Genauigkeit  machen,  wie 
folgende  6  Monate  früher  mit  demselben  Drahte  angestellte 
Beobachtungen  zeigen.  Es  wurden  die  Schwingungen  des 
mit  dem  Bleiringe  belasteten  Apparats  mit  der  Weifsblech- 
scheibe  und  ohne  Scheibe  in  Wasser  und  in  der  Luft  beob- 
achtet. Die  Temperatur  der  Luft  wie  des  Wassers  blieb 
wahrend  der  ganzen  Zeit  der  Beobachtung  constant  12^,4  C. 

1)  Diese  AoD.  Bd.  100. 


388 


7.5405 
7,5356 
9,4383 


Legar.  Dccr. 
0,(10403 

0,419» 
0,00387 
0,00145 
0,00390. 


Die  »ugegebenen  logarillunischen  D«eremente  beu«lMit 
auf  natfirlicbe  LogarithmeD.  Alle  Zahlen  siad  naeb  der 
Methode  der  kleinsteo  Quadrate  aas  einer  Reibe  too  Beob- 
achtun(;eu  berechnet 

SrhwiDgnnfwrit 

Weifsblechscheibe  in  der  Luft      9',4301 

»  im  Wasser     11  ,13 

Ohne  Scheibe  »         » 

•  » .  in  der  Luft 

Weifsblechscheibe   »     »       » 

Diese  Beobachtungen  lassen  sich  auf  zweifadie  Weise 
dazu  verwenden,  das  Verhftlüiifs  der  beiden  Reibnngaooi- 
stauten  direct  zu  bestimmen.  Der  Theil  des  logarithni- 
sehen  Decrements,  der  von  der  Reibung  der  Weibbledb- 
scheibe  herrührt,  ist  mit  genügender  Annäherung  gleich  dem 
Unterschiede  des  für  den  Apparat  mit  der  Weifsblechscheibe 
und  des  für  den  Apparat  ohne  Scheibe  gefundenen  Deere- 
ments  zu  setzen.  So  finde  ich  für  diesen  Theil  des  De- 
crements  bei  den  Schwingungen 

in  der  Luft    0,1)0396  —  0,00145  s  0,00251 
im  Wasser     0,4190     —  0,0039    =s  0,4151 

Also  verhalt  sich  mit  Vernachlässigung  der  Glieder  hö- 
herer Ordnung 

yvTTo  '  Wq  =  0,00251 : 0,4151  =  1 :  166 

und  daraus 

i7o  :  17  =  1 :  36. 

Diefs  ist  in  vollständiger  Uebereinstimmung  mit  dem  obigen. 
Zweitens  kann  ich,,  nur  mit  weit  geringerer  Genauig- 
keit, das  Verhältnifs  beider  Constanten  aps  dem  Unter- 
schiede der  Schwingungszeiten  berechnen,  die  der  Apparat 
mit  Reibung  an  der  Weifsblechscheibe  hatte,  und  der,  die 
er  gehabt  haben  würde,  wenn  an  derselben  keine  Reibung 
stattgefunden  hätte.  Diese  letztern  berechne  ich  aus  der 
Schwingungsdauer  des  Apparats  ohne  Scheibe,  indem  ich 
dieselbe  mit  der  Quadratwurzel   aus  dem  Verhältnisse  der 


989 

rrigheitamoineute  multipUcire.  So  erhalte  icb  die  berecb- 
leten  SdiwiDgungraeiteii 

iD  der  Laft    «",1172, 
im  Wasser     9  ,4234. 

Vko  finde  ich  das  VerhSltniÜB 

V^Tpi^ :  V  v7=  (9^,4387  —  9",41 72) :  ( 1 1", 1 3  -  9",4234) 

=  I  :  78. 

Diese  Zahl  ist  iwar  in  sehr  geringer  Uebereinstimmung  mit 
ler  aus  der  Differenz  der  Eipoueuten  gefundenen;  aber 
iie  verdient  wegen  der  Unsicherheit  der  Berechnung  auch 
miig  Zatraaeo. 

t  Berechne  ich  aus  den  Beobachtungen  nach  derselben 
Ikdiode,  wie  bei  der  zulefil  besprochenen  Reibe,  die  Con- 
«anteii,  so  finde  icb  für  12%4  C. 

17  =  0,01435;  ^„  =:  0,000400;  a  =  0,466. 
EUe  Eetbiingseonstante  des  Wassers  w&chst  also  mit  ab- 
lekneoder  Temperatur,  möglicher  Weise  auch  die  der  Luft, 
voran  indeb  die  Abweichungen  der  Beobachtungen  zwei- 
ein lassen.  Die  Reibnngsconstante  des  Messings  ist  nach 
lieser  Beobachtung  nur  etwas  mehr  als  halb  so  grofs,  wie 
weh  der  zuerst  angegebenen.  Nadi  weiter  unten  mitge- 
hoillen  Beobachtungen  wSchst  diese  Constante  mit  der 
Mty  weil  der  Draht  durch  die  Schwingungen  immer  härter 
vird.  Dodi  mag  hier  die  Differenz  auf  Beobachtungsfeb- 
inm  beruhen. 

Einen  von  den  beiden  angeführten  abweichenden  Werth 
roo  ifo  bat  eine  Beobachtung  an  dem  bifilar  aufgehängten 
Apparat  gegeben.  Die  Aufhänguil|^  war  dieselbe,  welche 
»ei  der  Bestimmung  des  Trägheitsmoments  mit  Hülfe  des 
■eirings  benutzt  wurde;  doch  lag  der  Bleiring  nicht  auf 
lo^  Scheibe.  Die  Temperatur  der  Luft  war  24<',0  C.  Die 
lacUblgenden  Zahlen  sind  alle  nach  der  Methode  der  klein- 
ten  Quadrate  ans  einer  Reihe  von  Beobachtungen  be- 
'•ebnet  Die  logarithmischen  Decremente  beziehen  rieb 
mf  natürliche  Logarithmen. 


880 

Scbwincnof»-  Ti 

teil.  Logar.  Dccr.      jadet  Drabu. 

Weibblechscheibe     WJ9UI  0^008115      23202^ 


Oboe  Scheibe  13VI421      0,003633      23,133  j^ 

Ich  erhalte,  wenn  ich  diese  Beobachtungen,  wie  die 
andern  berechne,  für  a  einen  kleinen  negativen  Werth.  Idi 
setze  daher  a  =  0  und  erhalte  so  aus  der 

ersten  Beobachtung    17 o  =  0,000458 
zweiten         »  0,000445. 

Ich  mufs  unentschieden  lassen,  ob  die  Abweichung  dieser 
Werthe  in  der  andern  AufbSnguog  des  Apparats  oder  in 
Beobachtungsfehlern  ihren  Grund  6ndet.  Dafs  Beoba^ 
tungen  bei  bifilarer  Auf hXngung  gröbere  Werthe  fiir  die 
Reibung  liefern,  ist  nicht  unwahrscheinlich,  da  bei  der  Gröfse 
der  beobachteten  Amplituden  (70"  bis  10^)  die  Hebung  und 
Senkung  des  Apparats  vielleicht  nicht  ganz  zu  vernachiissi- 
gen  ist. 

Dafs  der  Wassergehalt  der  Luft  von  nicht  bedeuten- 
dem Ejuflufs  auf  die  Gröfse  ihrer  Reibung  ist,  beweiseo 
folgende  directe  Versuche.  Nachdem  die  Luft  des  Zimmers 
durch  kfinstliche  Mittel  (Verdunsten  von  Wasser  vom  feuch- 
ten Fubboden)  feucht  gemacht  worden  war,  beobachtete 
ich  die  Schwingungen  des  Apparats  ohne  Scheibe  und  mit 
der  Weifsblechscheibe.  Zugleich  bestimmte  ich  den  Feoch- 
tigkeitsgrad  der  Luft  durch  das  August 'sehe  Psychrometer 
aus  der  Differenz  der  Angaben  eines  trocknen  und  eines 
befeuchteten  Thermometers,  und  entnahm  hiernach  den 
Werth  des  Feuchtigkeitsgrades  aus  der  von  August  be- 
rechneten Tabelle.  Die  angegebenen  Zahlen  geben  das 
Gewicht  des  in  einem  Cubikmeter  Luft  enthaltenen  Was- 
serdampfs in  Grammen  an.  Die  nachfolgenden  logarithmi- 
schen Decremente  beziehen  sich  auf  Briggs' sehe  Logarith- 
men. Die  Werthe  derselben,  sowie  die  der  Schwinguogs- 
zeiteu  sind  nach  der  Methode  der  kleinsten  Quadrate  aus 
einer  Reibe  von  Beobachtuu^j^u  berechnet 


19'*^  C. 

i9",47  a 

15»,24  C. 

14  ",94  C. 

10,5 

10,0 

0,000619 

0,001595 

7",5348 

9",4375. 

Sftl 

Ohoe  Scheibe.    Wcifsblechsckeibc. 

Temperatur  der  LuA     .     .  WM  C.  19^43  C. 

Stand  des  feuchten  Therm.  16<',62C.  16%90C. 

FeuchtigkeitBgrad  ....  13,5  12,8 

Logarithmisdies  Decrement  0,000575  0,001475 

Schwingungraeit    ....  7^5359  9^4373. 

Nachdem  am  folgenden  Tage  die  Luft  trocken  geworden 
war,  wiederholte  ich  die  Beobachtungen  und  fand: 

Ohne  Scheibe.    Wei&blechMheibc. 

Temperatur  der  Luft     .    . 

Stand  des  feuchten  Therm. 

F^ochtigkeitsgrad       .     .     . 

Logarithmisches  Decrement 

Schwingungszeit  .... 
Die  Reibung  der  trockneren  Luft  ist  demnach  grOfser  als 
die  der  feuchteren.  Ich  finde  aus  den  Beobachtungen  bei 
feuchterer  Luft 

K"^7^=  0,000601 ;         fio  =  0,000279;         a  =  0,799; 
dagegen  bei  trocknerer  Luft 

Vv^=  0,000652;        17«  =  0,000327 ;         a  ^  0,83L 
Die  Reibung  der  trocknen  Luft  ist  also  nach  diesen  Beob- 
achtungen gröfser  als  die  der  feuchten. 

Durch  diefs  Resultat  bewogen,  unternahm  ich,  die  Ab- 
hingi^eit  der  Reibung  der  Luft  von  ihrem  Wassergehalte 
in  möglichst  weiten  GrSnzen  des  letzteren  zu  untersuchen. 
El  wurde  zu  dem  Ende  der  Apparat,  den  ich  bisher  in 
ibeier  Luft  hatte  schwingen  lassen,  in  einen  würfelförmigen 
G4ask  asten  gebracht,  der  Ctberall  mit  Wachs  verklebt  wurde, 
MifiBer  an  einem  kleinen  Loche  im  Deckel,  durch  das  der 
Dnhl  ging,  an  dem  der  Apparat  aufgehängt  war.  AuCser- 
defli  wären  noch  drei  Löcher  durch  den  Deckel  des  Kastens 
i;ebolirt,  von  denen  zwei  bestimmt  waren,  die  beiden  Thei^ 
asomeler  des  August 'sehen  Psychrometers  aufzunehmen. 
Durch  das  dritte  konnte  aus  einer  mit  Wasser  gefüllten 
Retorte  Wasserdampf  in  den  Glaskasten  eingeleitet  werden. 
Auf  dem  Boden  des  Kastens  stand  eine  Schrie  ^  ä\<^  insosL 


M2 

TrockneD  der  Luft  mit  engliscber  Schwefelsftare  gefdllt  wer- 
den konnte. 

Von  der  ersten  Beobachtungsreihe,  welche  ich  mit  die- 
sem Glaskasten  anzustellen  gedachte,  konnte  ich  leider  nur 
die  Bestimmung  der  Reibung  mit  Wasserdampf  gesättigter 
Luft  ausfahren,  da  nach  Vollendung  derselben  der  Auf- 
hängungsdraht  durch  eine  Erschfitterung  sich  aus  der  Kleimne 
löste  und  verbogen  wurde.  Ich  beobachtete  bei  Anwendaii|; 
des  Apparats  mit  der  Weifsblechscheibe  und  aufgelegtem 
Bleiring  eine  Reihe  yon  Schwingungen,  ans  der  ich  (hirch 
die  Methode  der  kleinsten  Quadrate  berechnete 

logarithmisches   Decrement    0,001486  in  Brigg.  Log. 
Schwingungszeit  9",42 1 7 ; 

dabei  zeigte  das 

trockne  Thermometer  20»,20  C. 

feuchte  »  I9<»,>^9  C. 

Ferner  ebenso  bei  dem  Apparat  ohne  Scheibe: 

logarithmisches    Decrement  0,000519  in  Brigg.  Log. 

Scb  wingungszeit  7'',5 1 42 

trocknes  Thermometer  20<',47  C. 

feuchtes  »  20^31  C. 

Daraus  berechne  ich  wie  oben 


V'i7o(>o  =  0,000620:         i?o  =  0,000296;     a  =  0,486; 

bei  einer  mittleren  Temperatur  von  20*^  C.  und  einem  V^as- 
sergehalt  von  17  6rm.  Wasser  in  einem  Cubikmeter  Luft. 
Ich  stellte  darauf  eine  Beobachtungsreihe  mit  einem  neuen 
Drahte  an,  aber  leider  ohne  Erfolg,  da  die  Widerstands- 
constante  des  durch  die  Schwingungen  noch  nicht  hintang- 
lich gehorteten  Drahts  während  der  Beobachtung  sehr  stark 
zunahm.  Ich  theile  indefs  diese  Bcobachtungsreihe  mit,  um 
ein  Beispiel  von  der  Veränderlichkeit  der  Drähte  zu  geben, 
die  der  Ausführung  der  Beobachtungen  Snfserst  hinderlich 
ist.     Der  Bleiring  lag  auf  dem  Apparate. 


V0t§mek  1.    Wats#fda«pf 

Apparat  ohae 
Wrifsblechicheib«.       Scheibe^ 

Logftr.  Decr.  io  Brigg.  Log.    0,001731  0,000630 

Schwingungsdauer  10^8622  8'',6752 

Trockne«  Thennometer  1 7  '',59  C.  1 7  '',54  C. 

Feuchtes        »         »  17^40C.  17^37C. 
daraus  berechnet 

Vi7^=  0,000678;        ly«  =  0,000353;         a  =  0,393. 
Veriueh  2.    Gewöhnliche  Luft. 

Apparat  ahnt 

Scheibe.  Weilsblecbscheibe. 

Logar.  Decr.  in  Brigg.  Log.  0,0(M)633  0,0001700 

Schwiugungsdauer  8^6768  10^,8643 

Trocknes  Thermometer  18^56  C.  19'',96  C. 

Feuchtes  »  16'',51  C.  16^55  C. 

daraus  berechnet 

V^T^;,  =  0,000660;         i^^s  0,000335;         a  =  0,513. 

Versuch  3.     Ueber  Schwefelsäure. 

Apparat  olme 
Weifablcchscbeibe.      Scbtibr.    - 

Logar.  Decr.  in  Brigg.  Logar.  0,(H)1652  0,0i)0643 

Sdiwingungsdauer  10",8546  8*,6716 

Trocknes  Thermometer  19'» ,27  C.  18<',95  C. 

Feuchtes            »  10' ,75  C.  10^34  C. 
daraus  berechnet 

y^^7pi=ö»*00629;         J7„  =  0,000304;         «  =  0,781.     . 

Nach  diesen  Beobachtungen  scheint  allerdings  die  Rei- 
bmig  der  Luft  mit  wachsendem  Wassergehalte  zuzunehmen. 
Doch  verdienen  sie  wegen  der  bedeutenden  Aenderung  von  a 
MUidieinend  kein  Vertrauen. 

Um  mich  von  dieser  Aenderung  des  Widerstandes  im 
Drahte  möglichst  unabhängig  zu  machen,  verfuhr  ich  bei 
€taer  darauf  angestellten  Beobachtnngsreihe  so,  da&  ich  erst 
den  Apparat  ohne  Scheibe  schwingen  liefs,  daüii  mV  4%x 
yVeitBhleths€beib€  und  endlich  wieder  oVme  Sdie^dL^e  \nA 


9M 


aus  der  ersten  und  dritteD  BadNMhlmil  das'  MHiel  Dahin. 
Der  Bleiring  lag  auch  bei  dieseq  Versuchen  auf  der  ge- 
theilten  Scheibe.  Die  nach  der  Methode  der  kleinsten 
Quadrate  berechneten  Versnchsresnltate  sind  folgende: 


Brigg., 
log.  Decr. 


SHiwio- 
gsng«- 
daoer. 


1  iMmoiiid^ 


trockeo. 


feucht. 


Difle- 
rcas. 


Zimnicr- 
tcnip. 


1«     Ueker  Sckwefebiui«« 


App.  ohne  Seh. 
Weiftblechsch. 
App.  ohoe  Seh. 
Mitlel 


App.  oluMSck. 
Weiribleehtch. 
App.  ohoe  Seh. 
Mittel 


App.  ohne  Seh. 
Weirsblechsch. 
App  ohne  Seh. 
Mittel 


0,000626 

8".6687 

15*,94C. 

8%35C. 

7».50C 

0,001630 

10  ,8656 

16,56 

8  ,54 

8jn 

0,000644 

8  ,6687 

16  ,54 

8  ,41 

8  ,13 

0,000635 

8,6687 

16  ,14 

8^ 

7  ,86 

I7*,5C. 

18 

18 


%.     Gew5holicbe  Loft. 


0,00060CM 

8",6733 

15»,73 

12*31 

2\92 

0.001615 

10  .8687 

16  ,83 

14  ,59 

2  .24 

0,000648 

8  .6712 

16  ,72 

14  ,06 

2  ,66 

0.000624 

8  .6722 

16  ,22 

13  ,43 

2  ,79 

18%5 

19  ,5 
19  ,5 


3.     Wasserdampf  eingeleitet. 


0,000637 

8'',6697 

i7V59 

I7»,27 

0»,32 

0,001588 

10  ,8558 

17  ,86 

17  ,36 

0  ,50 

0,000649 

8  ,6645 

18  ,01 

18  ,06 

-0  ,05 

0,000643 

8  ,6671 

17  .80 

17  ,66 

0,14 

18V5 
20 
19  ,5 


Hieraus  berechne  idi 


1 )  Wassergehalt:  4,5  Grm.  in  1  Cubilimeter  Luft, 

V  rio(^o  =  «,000620 ;         t; „  =  0,000296. 

a  =  0,762. 

2)  Wassergehalt:  11  Gmi.  in  1  Cubikmeter  Luft, 

V  tj„  Q^  =  0,000616:        1^0  =  0,000292. 

a  =  0,708. 

3)  Wassergehalt:  15  Gnn.  in  1  Cubikmeter  Lnft, 

V  ^7^  =  0,000593 ;         i?  „  —  0,00027 1 . 

a  =  0,807. 

Diese  Zahlen  zeigen  eine  deutliche  Abnahme  der  Reibung 
mit  zunehmendem  Wassergehalt. 


305 

Wann  auch  darcb  diese  Versacbe  als  oonstatirt  aozusehen 
iaty  dafa  die  Reibang  der  Luft  durch  Wassergebalt  verrin 
gert  wird,  so  kann  ich  doch  nicht  verhehlen,  dafs  der  ab- 
sohittf'Werth  des  Reibungscoefficienten  der  Luft  durch  meine 
Beobachtungen  nur  sehr  ungenau  bestimmt  ist.  Diefs  folgt 
sehbo'iius  den  oben  mitgetheihen  Beobachtungen,  welche 
keiiie  groCse  Uebereinslimmung  zeigen;  noch  deutlicher  aber 
aus  folgender  Reihe  von  Beobachtungen,  welche  unternom- 
men wurde,  das  Gesetz  der  Abhängigkeit  des  Widerstands- 
coefficienten  eines  Drahtes  von  seinem  Radius  und  seiner 
Länge  eiperimentell  nachzuweisen.  Diese  Absicht  wurde 
freilich  nicht  erreicht,  weil  die  Fehler  der  Beobachtungen 
zu  bedeutend  sind»  als  dafs  man  mit  genügender  Sicherheit 
aoa  diesen  zwei  verschiedene  Coustanteu  berechnen  könnte. 
Dc(csh  glaube  ich  die  Beobachtungen  mittheilen  zu  mfisseu, 
um  so  verhüteu,  dab  man  in  den  ausgeführten  Bestimmun- 
gen der  Luftreibuug  mehr  suche,  als  sie  enthalten.  Die- 
selben können,  bei  dem  gegenwärtigen  Stande  unsrer  Rennt- 
oib  der  Elasticität  von  Drähten,  nicht  Anspruch  auf  grobe 
Qenajaigkeit  machen;  aber  sie  dienen  immerhin  dazu  zu 
beweisen,  dafs  die  Reibung  der  Luft  im  Verbältuifs  zu 
der  der  tropfbaren  Flüssigkeiten  nicht  so  gering  ist,  wie 
man  nach  dem  Verhältnifs  ihrer  Dichtigkeit  zu  glauben  ge- 
neigt ist. 

Die  ersten  der  mitzutheilenden  Versuche  wurden  mit 
denitelbeo  Auf  häuguugsdrahte,  Messingdraht  No.3,  angestellt, 
mit  dem  die  zuletzt  angegebenen  zwei  Beobachtungsreihen 
ausgeführt  worden  waren.  Die  Drahtlänge  wurde  mit  ei- 
nem angelegten  Maafsstabe  bei  Belastung  durch  den  Apparat 
sowohl  mit  als  auch  ohne  Weifsblechscheibe,  immer  aber 
mit  dein  Bleiiinge  gemessen;  beide  Male  wurde  durch  )e  drei 
höchstens  if'\l  von  einander  abweichende  Messungen  dieselbe 

I  =:  376'*,7  par.  M.  =  849«,8 

gefunden.    Ich  beobachtete  dann,  wie  bisher,  logarithmi- 
sches Decrement  und  Schwingungsdauer  und  (and 


2r=t)— ,447. 
Mit  dem  eo  auf  die  Lffnge  von 

/  ^  2II"',9  par.  M.  s=478— ,0 
▼erkOntea  Draht«  wurden  ^bdii  AaMlbM  I 
ftiederfaolf. 

Log  Dm. In  ScbwiDgnogt-  Tempi«     TUh'^'taAai 
Briig.LaC-  <>"<'•         GImUMA.      *M»ri*IW 

1)  ApparaLobue  Li'--'. 

Scheibe.     .     0,000637     e'',^»?!     17«^C    ISM  C 

2)  Weifcblech-  .     ' 

Scheibe  .     .     0,OUI579     8,1353     18  ,3  18  ,2 

3)  Apparat  ohne 

Scheibe.     .     0,000760     6  ,&061     18,2         18^1 
Aus  1  und  3 
_       daaMiUel.     0,00069«    6  JÄM. 


897 

Hieraiu  findet  man 

a  =  2,023 

V^^T^  =  0,(«0651 ;        i7o  =  0,000327. 

Nach  BeeDdiguDg  des  Versuchs  wurde  die  Messung  der 
Drahtdicke  wiederholt  und  gefunden,  dafs  bei  Belastung 
durch  den  Apparat  ohne  Scheibe,  aber  mit  Bleiring  21 
Drahtwindungen  9*^,475  breit  waren,  dafs  also  die  Draht- 
dicke 

2r  =  0— ,451 
war. 

Endlich  wurden  dieselben  Beobachtungen  angestellt,  als 
der  Apparat  an  einem  weit  dünneren  Drahte,  Messingdraht 
Mo.  8,  hing,  der  schon  etwa  8  Tage  dieselbe  Belastung  ge- 
tragen hatte  und  häufig  tordirt  worden  war,  um  ihm  die 
därch  das  Ausglühen  genommene  Härte  wiederzugeben.  Die 
Dieke  des  Drahts  wurde  durch  Messung  von  16  Windun- 
g^  bei  beiden  Belastungen  bestimmt,  beide  Male  betrug 
dfeae  Breite  von  16  Windungen  4"*  5,  also  war  die  Dicke 
des  Drahts 

2r  =  0— ,281. 

Idi  beobachtete  bei  einer  Länge  des  Drahts  von 

/  Ä  373"',8  par.  M.  =  843~,2. 

Log  Decr.  lo    Schwingaofs-  Temperatur 

Brigg.  Log         dauer.  im  Kasten.       n.  d  Drahte. 

I)  Apparat  ohne 

•'    SehelKe  .    .    0,00129    25",810    16»,7  C.     I7«,5C. 
3)  WeHbMech- 

Scheibe     .    .    0,00363    32,334     17,9         17,8 
3>  Apparat  ohne 

Scheibe   .    .    0,00137    25 ,814     17  ,9         18  ,6 
Miltel    aus    I 
und  3      .    .    0,00133    25 ,812. 

Hierans  berechnete  ich 

a  sss  0,542 

Vi?,(»o  =  0,000819;        i7„  =  0,0005 16. 

Ferner  beobaehtete  ich  bei  einer  L&n^e  ^««  I^t^v» 

/=  IP7%5  par.  M.  =  44V"^. 


399 


dkttr  feriBgn  Genauif^keit  der  BestiiiiiDaiif;  habe  idi  nn- 
terlaaeD;  die  lo(;aritbini8cheii  Decremente  aus  der  beobacb- 
teleD  Reihe  von  Amplituden  nach  der  Methode  der  klein* 
alen  Qnadrate  su  berechneii.  Ich  habe  aas  mehreren  von 
einander  entfernt  liegenden  Beobachtnngen  einer  Reihe  das 
Decrement  berechnet.  Diese  Art  der  Berechnung  mufste 
als  vollkommen  genflgeud  erscheinen,  da  ich  dabei  in  der 
Regel  Zahlenwerthe  erhielt,  weldie  anter  einander  in  den 
ersten  drei  Ziffern  übereinstimmten. 

Ich  werde  die  Resultate  der  Beobachtungen  in  tabella- 
riecher  Form  angeben  and  dabei  bezeichnen  durch 

s    das  logarithmische  Decrement  der  Amplituden  in  der 
Flfissigkeity 

Mq  dasselbe  ffir  Schwingungen  in  der  Luft,  beide  bezo- 
gen auf  Briggs'sche  Logarithmen, 
femery  wie  früher,  durch 
.  T  die  Sobwingungsdauer  in  der  Flüssigkeit, 

Tg  dieselbe  in  der  Luft, 

M  das  Trftgheilsmoment  des  Apparats, 

JR.  and  8  Radius  und  Dicke  der  Scheibe, 

Q   die  Dichtigkeit  der  Flüssigkeit, 

ond  endlich  durch  rj  den  nach  der  Formel 

BHP  T/.       .  N  2,3025 


n^ 


ngT.iR'-h^l^d) 


♦-((«  — «o) 


n 
2,3025\' 


; 


•  •  •  •  1 


berechneten  Reibuugscoefficienteu  der  Flüssigkeit,  bezogen 
amf- Ciontimeter  und  Sekunden  als  Einheiten. 

%    DeaUlHrtes  Wasser. 

M  mm  76aO;         2  ü  «i  W'\12  p»r  ;         <r  »  0  ",60  par. 


•  — f# 


T. 


8%7C. 

12  fi 
15  ,5 
17  S 
17  .9 

SS, 7 


I 


0,0427 

•,0415 

0,0406 

0.0391 

0,03075 

0,0382 

0,0368 

0,03^ 

0,0345 

0,0S31 


0,0380 

0,0350 

0.OU4 

0,02977 

0,0335 

0,0321 

0,0312 

0,0298 

0,0284 


6".3I 


5^568 
6  ,43 


\ 


5".463 

6  ,n 

M 


0,01689 
0,01575 
0,01497 
0,01371 
0,01259 
0,01299 
O^OU^ 


400 


Die  Dichtigkeit  p  durfte  für  das  gpme  TtfmperaliiriiittrtiH, 
auf  dee  ridb  die  BeobacbtuDgen  beuebeii,  «z  1  gesetol 
werdien. 

Nach  dea  früher  erwtthnteD  genanereD  BeoliacbtiiiigeB 
ist  bei 

I5^5a        17  =  0,0131 
12  ,4  17  =  0,01435. 

Fig.  1  Taf.  IV  stellt  diese  Resultate  graphisch  dar.  Die 
Ordinate  ist  dem  Reibungscoefficieuten ,  die  Abscisse  der 
Temperatur  proportional. 

Die  Constante  nimmt  mit  wachsender  Temperatur  in 
beträchtlichem  Grade  ab. 

3.    BmiiDenwasser. 


M* 

SS  12390; 

2  A«  69^,79  par.; 

a«0^56  ptr. 

Temperatar 

e 

«  — «• 

T 

T. 

n9 

7*.4  C. 

0,1130 

0,1115 

10",54 

0,01662 

10  ,5 

0,1061 

0,1046 

• 

» 

0,01453 

II  ,0 

0,1031 

0,1016 

» 

0,01366 

11  ,4 

0,1037 

0,1022 

» 

•,01380 

13  ,4 

>0,1025 

0,1010 

» 

0,01350 

13  .5 

0,1106 

0,1093 

12",374 

0,01367 

14  ,75 

0,1070 

0,1057 

» 

0,01273 

16  ,1 

0,0987 

0,0972 

I0",54 

0,01245 

17  .4 

0,1041 

0,1028 

12",374 

0,01 197 

18  ,5 

0,0956 

0.0941 

10",54 

0,01163 

üf 

14«,25  C 
15  ,5 
15  ,9 
19  ,0 


7620;        2  A  =  50"',  12  par.        d  »r  0"\60  par. 


0,0437 

0,0424 

9",73 

0,0426 

0,0113 

» 

0,0405 

0,0390 

8",51 

0,0412 

0,0399 

10^00 

9^73 

0,01331 
0,01257 
0,01280 
0,01172 


Diese  Beobachtangen  sind  gröfstentheils  schon  §.  4  erwähnt. 
Ihre  geringe  Uebereinstimmung  darf  nicht  Wunder  nehmen, 
da  das  Wasser  nicht  immer  gleichen  Gehalt  an  gelösten 
Salzen  und  absorbirter  Luft  besitzt. 

Die  Beobachtungen  zeigen ,  dafs  die  Reibung  des  Brun- 
nenwassers geringer  ist  als  die  des  destillirten. 

4.     Ealialsaa  -  Losung. 
Die  Lösung  des  Kalialauns  zeigt  das  eigenthOmliche  Ver- 
halten, dafs  ihr  Reibungscoefficient  eine  lineare  Function 
des  Salzgehalts  der  Lösung  ist. 


401 

Ein«  bei  11°  C.  concenttirle  LOsiuig  tod  Alaon  in  FluGi. 
*  (Pregelwasser)  wurde  nach  und  nach  verdQsat  und 
Dach  jeder  Verdanonng  die  Reibung  bestimmt.  Bei  den 
nachfolgenden  Angabeo  des  Salsgebatts  ist  dag  VerbHltnib 
des  Salzes  xum  Wasser   in  der  ursprünglichen  Lösung  als 


«»76,20;         2fiBtM"',12  fr.; 


Diese  Beobachtangen  zeigen  deutlich,  dafs  ^p  der  Con- 
centration  proportinal  sich  ändert. 

Die  letzte  Zahl  i]()^  0,01 44  bezieht  sich  auf  Flufswasser 
von  13°,6;  fQr  diese  Temperatur  ist  nach  dem  obigen  der 
Reibangscoffficient  von  destillirtem  Wasser  (1,0146,  von 
Brunnenwasser  0,0138.  Das  Flufswasser  verhalt  sich  also 
fall  wie  desliUirtes  Wasser. 

Anfaer  den  angeführten  Beobachtungen,  die  nicht  auf 
■baobiles  Maab  reducirt  werden  kOnnen,  habe  ich  einige 
Yenuche  inoit  einer  Lösung  von  Alaun  in  destillirtem  Was- 
■er  gemadil,  deren  Salzgehalt  durch  Abwägung  bestimmt 
war,  und  aus  ihrem  ßeibungscoefficienten  nebst  dem  des 
deatillirten  Wassers  die  lineare  Function  berechnet,  die  die 
Abhfingigkeit  des  ReibuogscoefBcienten  von  der  Conceutra- 
tion   bestimmt.     Die  Lösung  enthielt  in 

100  Theilen  Wasser  3,650  Theile  wasserfreien  Alauns, 
100      -        Lösnng   3,521      " 

•.  Bd.  CJtJII.  1^ 


m 

sie  war  ako  nahezu  conceotrirt    Die  BeobacfatmigeD  mit 
dieser  L(touug  ergaben: 

Äf  =  7620 ;         2  R  =  50'",12  par. ;         6  =  0"',60  par. 


Temperatur 

U 

c 

«  — «d 

To 

^ 

10^4  C. 
12  ,15 
22  ,3 

1,0339 
1,033« 
1,0313 

0,0475 
0,0461 
0,0415 

0.0407 
0,0393 
0,0347 

6",345 

» 

1» 

0,01927 
0,01796 
0,01408 

Die  so  gefundenen  Werthe  von  i;,  verbunden  mit  den  für 
destillirtes  Wasser  beobachteten,  geben  für  den  Gehalt  von 
a  Theileu  wasserfreien  Alauns  in  ItIO  Theilcn  Wasser 


bei  I0^  4  C.     i?  :==  0,01565  -h  0,000991 


12  ,15 
22  ,  3 


r;  ==  0,01505  +  0,000797 
/;  =  0,01 170  H-0,000(>52 


100' 


100 


UH)' 


Die  Reibungsconstante  der  Al<'iunlö>ui)<j;  nimmt  tniso  um  so 
weniger  mit  wachsendem  Snlzj^ehnlte  zu,  je  höher  die  Tem- 
peratur steigt. 


5.    Löfliing  von  schwefelsaurein  Natron. 


W  =  7 

620;   2Ä--50",I2  par.; 

6  =  0'" 

,60  par. ; 

To  = 

:6''.31 

Lösung. 

1 
Sal7.get1.1lt.    1  Temp. 

Q 

€     «-*. 

«7 

I 

10.125 

9,4415 

10^4C.  1,082 

0,0505  0,0459 

0,02293 

12  ,6   1,082 

0,0485 

0,0439 

0,02092 

17  .9 

1,082   0,0451 

0,0404 

0,01763 

2 

7,7795 

7,2176 

12,4 

1,058  0,0459 

0,0413 

0.01886 

13  ,4 

1,058 

0,0455 

0.0409 

0,01849 

18  ,1 

1,058 

0,04265 

0.0380 

0,01589 

3 

5.1600 

4.9068 

9,9 

1,0400  0,0455 

0,0409 

0.01887 

13  ,75 

1,0391  0,0435  !  0,0389 

0.01711 

18  ,1 

1,0387;  0,041 15|  0,0365 

0,01488 

4 

2,5670 

2,5028 

10,2    1,0180  10,0435   0,0389 

0.01737 

12  ,75  j  1,0180  0,0421   0,0375 

0,01611 

18  ,0 

1,0175 

0,03945 

0,0348 

0,01380 

F'ig.  1 ,  Taf.  I V    enthält   die  Beobachtungen   für   Lösung    1 
i'a  graphischer  Darstellung. 


403 

Die  angegebflDCD  Weribe,  dea  Salzgebalts,  die  durch 
\bwBgDng  des  Salzes  beatimmt  sind,  beziehen  sich  auf  was- 
lerfreiea  Salz,  and  zwar  bezeichnet  die  erate  Ziff'er  den 
Sefaalt  an  Salz  in- 100  Thdlen  Wasser,  die  zireite  densel- 
ben in  100  Theilen  LOsuog. 


6.    Uau 


acbweCelMuireM  Kali. 


ir«?6»»i      2A 

=  4V-,b 

pr.i 

j  =  0"',60p>r.i 

To  =  5 

'.7780. 

La.»«- 

5il>«ek*lt. 

T™p. 

9 

' 

1 

1 

13,298 

11,737 

17°, SC 

1,0878 

0,0359 

0,0349 

0,01547 

30,3 

i,imi 

».0316 

0,0306 

0,01212 

2 

8.88!» 

8,143 

10  ,95 

1.0640 

«,0.171 

ü,ft36l 

0,01695 

17  ,9 

1,0625 

0,1)3445 

0,03343 

OfiUhO 

35.0 

1.0584 

0.W97 

0,0287 

0,01066 

3 

4,432 

4,244 

H  ,» 

1,0318 

0.03595 

0,03493 

0,01634 

18,0 

1.0311 

0,0330 

0,0320 

0,01456 

34  ,4 

IJ)2T4 

0,0281 

0.0271 

0,00977 

Me  an  LOsnn^  1  ansgefiihrten  Beobachlnnf^en  sind  eben- 
EsUb  Fig.  I ,  Taf.  IV  graphisch  dargeslellt.  Die  Reibung; 
aimml  nach  den  angegebenen  Zahlen  mit  wacbsendein  Salz- 
gehalte zu;  die  Abweichung  hiervon  in  den  mittleren  der 
«if  Lfisnng  2  und  3  bezflglicheu  Beobachtungen  kann  nur 
in  Beobachlnngsfehlern  ihren  Grand  haben.  Ucber  die  An- 
pibe'des  Salzgehalts  gilt  das  oben  bemerkte. 

7.    hümag  von  aalpeteriaaretB  Natron. 
»  =  7620;        2A=-50'",12  pir.;         J:-0"',60  ptr. 


Die  graphische  Darstellung  in  Fig.  1,  Taf.  IV.  D«t  &v\x- 
gdiak  ist  wie  oben  «ugegeben. 


406 

die  Form  des  Gesetzes,  nach  welchem  der  Reibungscoeffi- 
cieut  eioer  L<touDg  von  der  Conceutration  a  der  Lösung 
abhängt.  Indessen  ist  zu  bemerken,  dafs  diese  angenäherte 
Form  für  solche  Salzlösungen  nicht  gültig  sejn  kann,  die, 
wie  die  des  Kalisalpeters,  eine  geringere  Reibung  besitzen 
als  das  Wasser;  sonst  müfste  man  die  der  Vernunft  wider- 
streitende Annahme  negativer  Reibuugscoefficienten  machen. 
Ich  habe  aus  den  in  der  letzten  Tabelle  zusammenge- 
stellten Beobachtungen  die  Coefficienten  tj,^,  und  tj,  für  die 
vier  Salze  für  11", 9  C.  nach  der  Methode  der  kleinsten 
Quadrate  berechnet,  indem  ich  den  Reibungscoefficienten 
des  Wassers  als  zu  0,01299  fest  bestimmt  annahm,  und 
so  gefunden,  da(s  die  an  den  Natronsalzen  angestellten  Be- 
obachtungen sich  durch  eine  Formel  von  der  angegebenen 
Gestalt  mit  nur  positiven  CoefBcienten  aufserordentlich  gut 
darstelleu  lassen.  Für  schwefelsaures  Natron  erbalte  ich 
die  Formel 

fj  ^  [0,01299  +  2  .  0,01902  .  +  0,1262  .  a'-]  (,^J:  J'. 

Setze  ich  in  diese  Formel  die  Werthe  von  (T  und  q  aus 
der  Tabelle  ein,  so  erhalte  ich  folgende  berechnete  Werthe 
von  ?;,  die  ich  mit  den  beobachteten  zusammenstelle. 


LÖ4UDf 


lOü.cr 


bercrhnet   1  beobachtet 


1 

2 
4 
3 


10,425 
7,7795 
5,1600 
2,.'>670 


1,082 
1.058 
1.0387 
1,0175 


0,01760 
0,01610 
0,01492 
0,01383 


0,01763 
0,01600 
0,01500 
0,01384 


Die    Abweichungen     der     berechneten    und    beobachteten 
Werthe  sind  von  der  Ordnung  der  Beobachtungsfehler. 
Für  salpetersaures  Natron  erhalte  ich  die  Formel 

t]  =  [0,01299+2  . 0,00671 .  <y+0,057I8  .  a^  f.  ^-V, 

deren  Coefficienten  weit  kleiner  sind.     Indem  ich  aus  die- 
ser Formel  die  einzelnen  den  Beobachtungen  entsprechen- 
deu  Weribc   von  i)  zutücVYieTediiie,  «xU^lIu  ^ch  folgende 


407 

Tabelle,    welche   denselben  Grad    von    UebereiuBtimmimg 
wischen  Rechnung  und  Beobachtuuf^  zeigt. 


Lösung 

100.  <r 

'   V 

berechnet 

brobaclilet 

1 

2 
3 
4 

82,62 
57,11 
35,26 

16,31 

1,3625     i 
1,280 
1,192       ' 
1,0954 

0,(^i513 
0,02609 
0,019^28 
0,01481 

0,03.^15 
0,02613 
0,01926 
0,01467 

Beim  schwefelsauren  Kali  erlialle  ich  aus  den  drei  an- 
;egebenen  Beobachtungen  einen  negativen  Werth  von  f},. 
ch  gelange  iudefs  zu  einer  ziemlichen  UebereinsCiuimung, 
renn  ich  diesen  Coefficienten  gleich  Null  setze  und  allein 
'^  aus  den  Beobachtungen  bestiujnie.  So  erhalte  ich  für 
liefs  Salz 

ti  =  [0,01299+2 . 0,01413  .  a]  ^  _^^)' 
Lod  rückwärts  folgende  beobachtete  und  berechnete  Werthe 


Lösung 

100.  <r 

ii 

1 
bereclinet 

/ 
beobarbtet 

1 

2 
3 

13,2» 

8,865 
4,432 

1,0878 
1,0625 
1,0311 

0,01544 
0,01476 
0,01389 

0,01537 
0,01450 
0,01459 

Ebenso  wird  17.  beim  salpetersauren  Kali  negativ.     In- 
lem  ich  es  =:0  setze,  erhalte  ich  die  Formel 

n  =  [0,01299  +  2 . 0,00369  .  a\  (,  .J^)* 

ind  aus  dieser  Werthe  von  ti^  welcher  mit  den  Bcobach- 
iiDgen  genügend  übereinstimmen. 


LösuDg 

100.  <r 

^ 

berechnet 

7 
beobachtet 

1 

2 
3 
4 

16,760 
11,812 

7,698 
4,795 

1,0958 
1,0683 
1,0456 
1,0280 

0,01253 
0.01266 
0,01278 
0,01289 

0,01243 
0,01283 
0,01288 
0,01297 

Id  ähnlicher  Weise  werden  sieh   auch  BeobaudiUMX^^Vi 
cb  Formeln  darstellen  lassen,  welche  uÄl  \j!bwui%«a  wo 


409 


10.     Mifciiiuig  von  schwefBlaanreBi  and  talpetananreiD  NairoB. 

Jir«=7620;     2JI=s49"',57par.;     a«0^',60par;     T.=r6*',627. 

Saligehalt  in  100  Theilen  Wasser:    5,856  trocknes  schwefelsaures  Natron 

5,706         1»        salpetersaures         » 


Temp. 

Q 

f 

<  — <• 

V 

15*,8  C. 

1,0863 

0,0394 

0,0383 

0,01638 

11.    Mlschiiog  TOD  schnrefelmiareiii  und  ealpetersaurem  Kall. 
Mt=7620;    2Ä  =  49'",57par.;    a=s0"',60  par.;     T.=-6",627. 


SalHeh^HtnlOOThlo 
Wasser. 


•cliwefel- 

saures 

Kali 


salpeter- 
saures 
Kali 


Tempe- 
ratur 


«  —  «I 


6,655 
7,340 


4,179 

2,884 


18»,0  C 


1,0732 
1,0718 


0,0363 
0.0366 


0,0352 
0,0355 


0,01395 
0,01421 


n.    Mifcloag  TOB  Mlpelenaarem  Kali  und  aobwefBlsaarem  NaIroB« 
Är  =  7620;     2ll=r:49'",57par.;     ir«=0'",60  par;     T.  =  6",627. 


Salsgehalt  i 
Ws 

salpeter- 

•avres 

Kali 

nlOOThlo 
sser. 

schwefel- 
saures 
Natron 

Tempe- 
ratur 

Q 

e 

c  -  *» 

V 

13,868 

1M91 

7,583 

M18 

1,799 
3,279 
5,709 
7,305 

I6»,0C 
15  ,6 

15  ,5 

16  ,0 

1,0958 
1,0952 
1,0936 
1,0926 

0,0363 
0,0373 
0,0390 
0,0398 

0,0352 
0,0362 
0,0379 
0,0387 

0,01367 
0,01446 
0,01592 
0,01665 

18w    Mlscbaag  vob  «chwefelMuren  Kall  and  salpetenaurem  Natroa. 

]f»7620;    2llB49'",57par.;     d  a  0'",60  par ;     T«  =  6",627. 
SalifchallinlOOTblo. 


Wasser. 


schwefel- 
saures 
KaK 


salpeter- 
saures 
Natron 


Tempe- 
ratur 


«  —  «, 


4,076 
7,519 
10,475   j 


9,024 
6,008 

Q  üüit 


I 


14%5C. 

14  ,8 

15  ,J 


1,0841  0,0389 
1,0863  0,Q3!dV 
1,0879    l   0,Oa!db 


0,0378    I  0,01599 


Tempenliir 

« 

■ 

T 

1 

0»C 

0,9292 

0,707 

0.706 

69,3 

ti  .5 

0,9254 

0,434 

0,4S3 

10",3 

U.9 

12  .4 

0.92  H 

0.360 

0.3S9 

10  ,3 

7.52 

13  ,9 

0,9-im 

0.317 

0.346 

10,0 

b,79 

18  .1 

0.9168 

0.268 

«,267 

9  ,* 

3,44 

24  ,S 

0,9 13^ 

0,223 

0,222 

8,8 

2,19 

29  ,ff 

0,9102 

0,198 

0.197 

8,8 

1,65 

31  ,6 

0,9ü»7 

0,190 

0,18» 

8,8 

1,50 

Die  Reibung  des  Oels  ist  also  für  mittlere  Temperalur  etwa 
&00iiial  gröfser  als  die  des  Wassers.  Auffallend  ist  bei 
den  gefundeneu  Werlhcn  noch  die  aufserordenllicb  rasdie 
Abnahme  derselben   mit   steigender  Tciniieratur. 


4t1 

Ueber  die  Btcobachtong  bei  0®  ist  tu  bemerken,  dafe 
in  dem  Oele  eiozeloe  kleine  Blttttcben  von  geronnenem 
Feite  schwammen. 

Mit  demselben  Oele  und  destiilirtem  Wasser  bestimmte 
ich  nach  den  am  Schlosse  des  §.  1  mitgetheilten  Formeln 
endlich 


15.    Die  gegenseitige  Reibaog  swischen  Gel  nad  Wasser. 

Bei  diesen  Versuchen  hatte  ich  mit  mancherlei  Schtrie» 
figkeiten  zu  kämpfen,  welche  durch  die  an  der  gemein- 
scbaflUchen  Gränzfläche  der  beiden  Flüssigkeiten  thätigen 
Capillarkräfte  hervorgerufen  wurden.  Soll  die  Theorie  mit 
Vortheil  auf  das  Experiment  angewandt  werden,  so  mufs  die 
FlAehe  der  Scheibe  der  Grttnzflädie  so  nahe  seyn^  dafs  von 
der  zwischen  beiden  liegenden  Flüssigkeit  angenommen  wer- 
den dar^  sie  bewege  sich  mit  der  Scheibe  ohne  innere  Ver- 
adiiebungen  der  Theilchen  gegen  einander.  Diese  Voraus- 
setzung der  Theorie  ist  mit  jeder  beliebigen  Genauigkeit 
zu  erfüllen,  wenn  sich  die  Scheibe  im  Oele  befindet  In 
diesem  Falle  ist  aber  der  Ejuflufs  der  Reibung  zwischen 
beiden  Medien  auf  die  Bewegung  der  Scheibe  so  klein  ge- 
gee  den  der  inneren  Reibung  des  Oels,  dafs  er  nicht  zur 
Berechnung  des  gegenseitigen  Reibungscoefficienten  benutzt 
werden  kann*  Befindet  sich  aber  die  Scheibe  im  Wasser 
und  zwar  dicht  unter  der  Oberfläche,  ausreicht  eine  sehr 
geringe  Erschütterung  hin,  den  Rand  der  Scheibe  mit  Oel 
im  benetzen.  Ja  selbst  der  Messingstab,  durch  den  die 
Scheibe  mit  dem  übrigen  Theile  des  Apparats  verbunden 
isti  .bewirkt  häufig,  dafs  von  der  Mitte  aus  die  ganze  Scheibe 
ndt  Gel  überzogen  wird.  Besteht  die  Scheibe  aus  Metall, 
so.  tritt  diefs  fast  mit  Sicherheit  ein,  sobald  dieselbe  der 
Grttezfläche  bis  auf  etwa  eine  halbe  Linie  Entfernung  ge- 
nibcrl  worden  ist.  Die  zum  Versuche  nOthige  Entfernung 
ist  aber,  wegen  der  geringen  Reibung  des  Wassers,  weit 
kleiner.     Leichter  gelingt  das  beabsichti^le  E\!pt.fvoft«;a\.  \k«v 


kleinem.  .   ■   .■> 

Zweiteng  worde' die  Einrichtang  getrofT«!,  «lab  «In 
Stück  Holz,  an  welchem  der  obere  Tbeil  doB  Appank 
befestigt  war,  aubar  durch  VenchiebuDg  auf  deD  <lMUaa 
SkuIeD,  no^  darch  UmdrehuDg  einer  eiBenien  Sobaat« 
gehoben  werden  konnte.  Dadurch  wurde  et  nOglidlv'A 
Scheibe  n&her  und  mit  geringeren  Schwankungen  ao  iiÜt 
GrHazflScbe  der  Flfluigkeiten  faeranzufohren.  -  •    :i 

Die  Entf^nuDg  der  Scheibe  von  dieser  GvlBdbkla 
wurde  durch  eine  kleine,  neben  dem  Getafse,  daa  die^M»- 
sif;keilen  enthielt,  angestellte  Vorricbtung  gemeweD.  Die- 
selbe bestand  aus  einem  in  Millimeter  Mogetheütea  Bleeb^ 
das  in  einer  HQlse  Tcrlical  auf  und  ab  geschoben  werden 
konnte.  Ad  dem  getheillen .  Bleche  befand  sich  eine  Spitze, 
die  auf  die  GrttnzflSche  der  Fitlssigkeit  und  die  Scheibe 
eingeglelJt  wurde.  Die  Differenz  der  Ablesungen  an  der 
Tfaeiluug  gab  die  gesuchte  Entfernung.     Befand  sieh  die 


413 

Scheibe  im  Oele,  also  Über  der  Grunze,  so  war  die  Spitze 
amgebogen. 

Bevor  ich  zur  Angabe  der  Beobachtungsresultale  Ober- 
;ehe,  erlaube  ich  mir  ein  CapillaritfttsphSnomen  za  erwäh- 
nen, dessen  genauere  Untersachung  vielleicht  zur  Bestim- 
aoQDg  der  Capillarattraction  zweier  Flüssigkeiten  auf  einan- 
ier  dienen  kann.  Nshert  man  nSmIich  die  Scheibe  der 
&rXnze  der  Flüssigkeiten,  bis  sie  dieselbe  berührt^  und  be- 
»regt  sie  dann  in  demselben  Sinne  weiter,  so  tritt  sie  nicht 
in  die  andre  Flüssigkeit  ein,  sondern  die  erste  baucht  sich 
mi  die  Scheibe  so  ans,  dafs  in  den  Kanten  der  Scheibe 
iie  Flüssigkeiten  znsammenstofsen.  Die  Gränzflftche  bildet 
Pormen,  wie  sie  auf  Taf.  III,  Fig.  4  bis  6  dargestellt  sind. 
Dieselben  zeigen  das  Charakteristische,  dafs  die  Entfernung 
1er  ausgebauchten  Fläche  von  der  Scheibe  immer  gleich 
bleibt  Namentlich  gelingt  dieser  Versuch  leicht,  wenn  die 
Scheibe  sich  im  Oele  befindet.  Beim  Wasser  zeigt  sich  die- 
idbe  Ausbauchung,  aber  weit  geringer,  bei  Anwendung  ei- 
ner Grlasscheibe.  Eine  solche,  wenn  sie  einmal  vom  Wasser 
benetzt  ist,  bleibt  selbst  dann  vom  Oele  frei,  wenn  man 
ne  schwingen  llfst.  Hierauf  beziehen  sich  einige  der  unten 
mitgetheilten  Versuche. 

Von  den  angestellten  Versuchsreihen  sind  mir  nur  zwei 
jelüigen.  Die  erste  wurde  mit  der  kleineren  Messing- 
icheibe  bei  Belastung  durch  den  Bleiring  ausgeführt.  Die 
Scheibe  machte  ihre  Schwingungen  im  Oele.  Beim  Beginn 
]er  Versuche  war  die  Temperatur  des  Wassers  I4**,7  C«, 
iei  Gels  I5",9  C,  am  Schlüsse  die  des  Wassers  15'',5  C, 
iet  Gels  l6^4  C. 


Yertnch 

Habe  übrr 

Lofirithm.  Dccr. 

Mo. 

der  Grinw. 

(Brigg.  Log.) 

1 

—  0,9— 

0,178 

2 

0 

0,191 

3 

0,7 

0,201 

4 

2,0 

0,209 

5 

3,3 

0,1V% 

6 

7,1 

OAäi» 

415 

Ferner  wurde  die  SchwiDgungszeit  und  das  logarithmiBche 
Decremeut  der  Amplituden  in  der  Luft  (in  Brigg.  Log.) 
beobachtet  und  gefunden 

To=7",893;         «0  =  0,00071. 
Die   Temperatur  der  Luft   war  während  des  ganzen  Ver- 
suchs 20",2C^  die  des  Wassers  19^0C.  und  die  des  Oels 
20«,4  C. 

Bevor  das  Oel  auf  das  Wasser  gegossen  war,  liefs  ich 
die  Scheibe  im  Wasser  schwingen  und  beobachtete  Schwin- 
gungsdauer und  logarithraisehes  Decrement. 


Vrraorh 

Tiefe  unter 

Schwingungs- 

Log.  Decr. 

No. 

der  Granse. 

daaer. 

in  Brigg.  Log 

1 

2— ,25 

8",048 

0,02075 

2 

1     .5 

8,039 

0,01765 

3 

0    ,5 

7,987 

0,01430 

4 

0    ,25 

7,967 

0,01380. 

Die  logarithmischen  Decremente  nehmen  nahezu  propor- 
tional der  Tiefe  unter  der  Oberfläche  ab.  Ich  berechne 
desludb  durch  lineare  Interpolation  den  Werth  des  Decre- 
ments,  der  stattgefunden  haben  würde,  wenn  die  Scheibe 
unendlich  nahe  unter  der  Oberfläche  geschwungen  hätte, 
aus  den  beiden  letzten  Beobachtungen  und  finde  dafür 

0,01330. 
Ich  gob  darauf  Oel  auf  das  Wasser  und  beobachtete: 

SchwinguDgs-  Log.  Decr.  - 

dauer.  in  Brigg.  Log. 

8,00  0,02515 

8 ,00  0,03485 

7  ,978  0,0572. 

A.IM  den  beiden  letzten  Beobachtungen  berechne  ich  auf 
dieselbe  Weise  den  für  die  Gränze  geltenden  Werth  des 
iogarithmischen  Decrements 

0,0822. 
Als  ich  die  Scheibe  der  Gränze  noch  mehr  zu  nähern 
versuchte^  kam  sie  derselben,  so  nahe,  dafs  ihr  Spiegelbild, 
welches  die  Gränzfläche  von  ihr  bildete,  sie  bctü.U\\.^«  V^ 
l)eobacbtete  Mgeüde  Amplituden, 


Versuch 

Tiefe  unter 

No. 

/der  Gränse. 

5 

2--,l 

6 

0    ,9 

7 

0    ,5 

74°,3  I,87n4  0,0882 

m  ,55  1,7822  <l,0<)25 

48  ,95  1,6897  0,1031 

38  ,6  1,5866  0,0938 

31  ,1  1,4923  0,0931 

29  ,1  1,3997  0,11965 

20  ,1  1,31132  0,0991 

16  ,0  1,2041  0,1003 

12  ,7  1,1038 

Die  zu  Anfang  und  Ende  beobachtete  Zeit  eines  Dura 

gangs  durch  die  Gleichgewichtslage  ergab  für  die  Scfawi 

gungsdauer 

r=8',oo. 

Es  wurde  darauf  die  Scheibe  gesenkt;  es  zeigte  A 
keine  Spur  von  BenetzuDg  durch  das  Oel.  Nichte  de« 
weniger  scheint  die  starke  Zunahme  des  logarithmischi 
i>ecremeDt8  zu  beweisen,  Aab  \to  \au\«  äer  ^dtk^nva^jm^ 


417 

eine  gerioge  Adb&sion  des  Oeis  au  der  Kante  der  Scheibe 
eingetreten  sejn  mufs.  Darnach  erscheint  als  wahrschein- 
lichster Werth  des  logarithuiischeu  Decrements  für  die 
Gränze  nicht  der  interpolirte  0,0822,  sondern  der  zuerst 
beobachtete 

0,0680. 

Ich  berechne  E  aus  den  beiden  Werthen  nach  den  For- 
meln des  §.  1 

aus  der  DifTerenz  0,0822—0,0133  =  0,0689  £  =  0'-,292 
»      »  »         0,0680—0,0133  =  0,0547  E  =  0«-,232. 

Die  Constante  der  Reibung  zwischen  Oel  und  Wasser  ent- 
spricht also  einer  Geschwindigkeit  von  \  Centimeter  in  der 
Sekunde. 

Ich  setzte  die  Beobachtungen  fort,  indem  ich  die  Scheibe 
Ober  die  GrSnze  hinaus  hob.  Nach  jedem  Versuche  wurde 
sie  wieder  gesenkt,  um  zu  entscheiden,  ob  sie  vom  Oele 
benetzt  sej.  Ich  fand  sie,  mit  Ausnahme  des  letzten  Ver- 
suchs, immer  vollkommen  frei  von  Oel.  Die  Amplituden 
bildeten  mit  grofser  Annäherung  wieder  geometrische  Reihen. 

Höhe  der  oberen     Schwiognngs-  Log.  Decr. 

Flache  über  d.  Grinse.         daoer.  in  Brigg.  Log. 

0,2—  S'ßl             0,0995 

0,8  0,1035 

1,55  0,117 

2,35  0.150» 

3,1  8",20      0,1672 

3,9  0,1860 

4,7  0,1955 

§.  6. 
VergleiohUDg  der  Resultate  mit  andera  BeobachtuDgea. 

In  derselben  Weise,  wie  die  von  mir  angestellten,  habe 
ich  die  von  Coulomb  ')  nach  derselben  Methode  ausge- 
führten Beobachtungen  berechnet  und  aus  denselben  das 
Prodoct  des  Reibungscoefficienten  in  die  Dichtigkeit  abge- 
leitet 

1)  Mimoirts  de  Vinsiitut  national.    Tome  3.  An,  IX,  pog.M^   Kx- 
piriemees  dßstinies  etc» 
PotteadortP»  AddmL  Bd.  CXUL  ^1 


das  VerhSitDifs  beider  ist  ako  1 : 1,20  Die  AbweichuDg 
meiner  Zahlen  vod  den  ADgaben  dieser  Beobachter  ist 
also  iniDier  von  derselben  OrdotiDg.  Diefs  hat  darin  seinen 
<inind,  dais  alle  angewandten  Röhren  nahezu  denselben 
(.Querschnitt  hatten. 

G.  Hageu  ' }  hat  eine  grofse  Reihe  von  Beobachtungen 

1)  du  Boi)  und  Reichen'.  Archi*  1860. 

2)  AbbindlungCD  der  KSaigl.  Akademie  id  Berlin,  16M.  Ucber  dicK 
Beobachlungfn  !it  eine  nicht  uDiolereuiDte  BemerkaDg  lu  machio. 
Higen  Hellte  die  Druckhöhe  A  ili  FaociioD  der  niilllerea  Gesdiwi»- 
digkeil  e  durch  die  Inlerpotationirormel 

A=r4-ie-f-*c' 
dar,  ID  der  r,  i,  I  CoDiunlto  bedeaten.  Die  GrGfie  r  ii(  oicb  Ha' 
tta  der  capilUre  Gecendruck  des  frei  atuflieriendea  Slrahli.  lligen 
•eu(  dieien  Capillardruck  unabhängig  von  der  Geschwindigkeili  eint 
VorauAsctzqng ,  die  wegen  der  von  der  GeschwiDdigkeit  abhSngeDdea 
Figar  des  Strihli  all  un gerecht ferli gl  ericheini,  Nimml  nan  dagegen 
an,  d>r>  der  Capillardruck  tich  nach  Potenten  von  c  entwickeln  läCil. 

k,=T  +  *,C-hl,C>, 

M    wird    nach    der   lon    Neumaoo   cntwickellen    und    von    Jaeobton 
publicineo  Theorie 


das  Verbältnifs  beider  ist  also  1 :  1,20  Die  Abweid 
meiner  Kahlen  tod  den  Angaben  dieser  Beobacbta 
also  iniDier  von  derselben  Ordnung.  Diefs  hat  darin  se 
Grund,  dafs  alle  angevrandten  Röhren  nahezu  dense 
Querschnitt  hatten. 

G.  Hagen  ^ }  hat  eine  grofse  Reihe  von  Beobachtui 

I)  du  Boi.  und   RcicLcrl'.  Archl*   1860. 

3)  AbhaiidluDgcD  der  Kümgl.  Akidcoile  lu  Btrlb,  1854.  Ueber 
BeobaclilUDgen  iit  eine  aichl  uDlalcrsUADle  Bemcrluag  lu  nu 
Hagen  itellle  die  DruckhStie  A  all  PuDclion  der  niilllerea  Getd 
digkelt  e  durch  die  Interpolaiioniformel 

dar,  in  d«r  r,  (,  l  CoDiiaDteD  bedcuirn.  Die  Gröfie  r  iil  nacb 
g«D  der  opillare  Gegendruck  des  frei  auifliefiendeo  Slrabli.  Hi 
icut  dieien  Capülardruck  unabhängig  von  der  Geichwlndlgkcil; 
VorauiittiuDg,  die  wegen  der  von  der  GeschwiDdiglell  abhlnge 
Figur  dei  Strahli  al«  nnge rech iferi igt  encheini.  Nimml  mo  d«( 
an,  d.r.  der  CapÜlardruck  .ich  naeh  PolenMn   vou  c  ernwickel»  V 


lo    wird    nach   der   i 
Ipablidrten   Theorie 


— (j^,-)-(f-"-'.).- 


425 

parals  mit  HOlfe  angebSngter  Genichte  zu  bestimmen,  ein 
fehlerhaftes  Resultat  liefern  kann,  weil  die  von  den  Ge- 
wichten mitgeführte  Luft  die  Schwingungsdauer  bedeutend 
▼ergröfsem  kann.  Wassergehalt  scheint  die  Reibung  der 
Luft  zu  verringern. 

Von  Constanten  8u(serer  Reibung  habe  ich  diejenige 
bestimmt y  von  welcher  die  Reibung  zwischen  Oel  und 
Wasser  abhängt 


IV.     Mineralogische  Mittheilungen; 
von    Dr.    G.    vom    Rath    in   Bonn. 


1.    Nene  Flftcheo  am  Adolar. 

Jim  vorigen  Jahre  erwarb  ich  zu  RuMras  im  Tavetscher 
Thal  einen  Adular- Vierlinge  welcher  nach  des  Finders  An- 
ffbe  vom  Berge  Cavradi  (2617"  hoch)  herrührte.  An  die- 
sem von  den  Quellbächen  des  Vorderrheins  umflossenen 
Berge  finden  sich  auch  die  bekannten  Rutil -bedeckten  'Si- 
senrosen.  Jener  Adular-Krjstall  zeigte  zwei  bisher  nicht 
erwähnte  Flächen,  nämlich  eine  hintere  schiefe  Endfläche  / 
und  ein  hinteres  schiefes  rhombisches  Prisma  f  aus  der  Dia- 
gonal-Zone  von  L  Beide  Flächen  konnten  durch  Messun- 
gen am  Reflections  -  Goniometer  bestimmt  werden,  und  er- 
halten denselben  zufolge  die  Zeichen 

ls=(^a!:c:Cf>b) 
f={\a'iibic) 

nadi  der  Flächenbezeichnung  und  der  Axenwahl  von  Weifs, 
nach  welcher  die  vordere  Schiefendfläche  P  das  Zeichen 
(a :  c :  OD  b)  erhält.  Nach  der  Naumann'  sehen  Bei^evdi- 
nung  und  bezogen  auf  die  von  diesem  l&Ty&V^Wo^v^e^w^'K 


430 


nähernden  Meaemigen,  dab  die  ^aeheBe  FlldbAtda^  Bi|te 
Krjstalle  mit  P  eine  etompfere  Kante  bOdes  ab  •&•:) 
Neigung  beträgt  xwiadien  134«  and  19Sr*.  Bei  der 
kommnen  Anabildong^  jener  Flide  tat^  dne  riehei» 
mnng  nicht  mOglich.  Vielleicht  iat  ^  eine.  Flidhe  fA«4: 
o:aD6).  Diese  würde  gegen  die  Ase  «  afeh^n^ipA  iriMr 
dem  Wiokel  ftlM',  die  Kante  mit  F=3 1S4«(M^J-Mfi,  hi/ 
Schlieisiidi  eracheint  ea  der  Erwlhnnnf  warth^  dtfatdb 
neue  Fläche  4  obgleich  sie  durch  Zonen  nUil-bealiBHAlr 
ist,  erscheint,  während  man  a  priori  faitle  gpaabeiii«Bllsi^ 
dafs  von  Endflächen  zwischen  m  und  r  die  grOiaere  WÜlr* 
scheinlichlLeit  eine  andere  gehabt  liätte^  wdehe  danktamii 
sich  in  ihr  krensende  Zonen  t:o:e^  und  HttfiP 
wäre.  Diese  Fläche,  deren  Zeidien  (4  o'  s  o :  oo  6)  wflrde 
neigen  zur  Axe  c  &1^2ff,  zur  Fläche  F=  1210  23'. 


2.    lieber  eioe  Fläche  mit  nicht  einfachem  Ausdrucke  am  nrookit, 

und  über  den  Brookit  von  Ellenville. 

Das  Krjstallsystem  des  Brookits  ist  unter  den  rhombi- 
sehen  Systemen  eines  der  formenreichsten.  Schon  Miller 
führt  aufser  den  drei  Eiuzelflächen  vier  vertikale  rhomhi- 
sche  Prismen,  zwei  Längs-  und  zwei  Querprismen,  dreizehn 
Oktaeder  auf.  Kokscharoff,  dem  wir  die  genauesten 
Messungen  des  Brookits  verdanken,  (Jlfa^eria/ten  a.  Jlfja. 
Russl.  B.  II,  S.  274)  fügte  nachträglich  noch  ein  Oktaeder 
hinzu.  Unter  den  Oktaedern  findet  sich  eines ,  welches 
Miller  bezeichnet  mit  6  =  145  18,  d.  i.  nach  Weifs  = 
(3\a:  \^b:c)  oder   la:ib:^c),   nach  Naumann's   Be- 

zeichnungsweise  =i^P  '/.  Miller  fügt  hinzu:  The  faces 
B  are  so  eery  uneven  that  the  symbol  of  ihe  form  cannot 
be  detertnined  tcith  certainiy;  it  niay  be  11  5  14,  d.  i.  nach 

Weifs  =  (2  J  a :  1/r  6  :  c)  oder  (]  ai^\b :  Vt  c),  =\\P  \\ 

An  den  russischen  Brookiten  aus  der  Goldseife  Atliansk 

bei  Miask  hat  Kokscharoff  die  Fläche  B  nicht  gefunden, 

'he    auch    im   ersleu  liÄivde  aelues  Werkes  nicht   er- 


433 

d:e  s=169''29'36''  172^    5' 24"       162^  55' 31" 
Ö:if=123    47   15  117    13     9 

0:t?  =157    34     5  159    38  10         156    21  18 
die  =141    24  45 

I>ie  an  dem  Krysfall  Fig.  8  Ti»f.  VI  auRgeführten  Me88un> 
gen  ergaben  folgende  Werthe: 

O.e  =  169«  30' 
d:Jr^  123    36 
ö:c  =157    45 
die  =141    34 

Es  unterliegt  also  keinem  Zweifel,  dafs  6  in  der  That 
die  Formel  Haiifhi  ^c)  erhalten  mufs. 

In  Betreff  der  Oktaeder  (6a:  \b:c)  und  [a:  1^6:  ^\c) 
mag  noch  erwAhnt  werden,  dafs  das  erstere  auch  in  die 
Zone  M :  e  fallen  würde,  eine  Bedingung  der  das  letztere 
nicht  genügt. 

Die  Flüchen  B  erscheinen  sehr  gewöhnlich  an  den  Broo- 
kit-Krystallen  von  Tremaddoc,  wenn  auch  selten  so  ausge* 
dehnt  wie  die  Fig.  8  und  9  Taf.  VI  es  andeuten.  Diese 
Figuren  stellen  die  beiden  verschiedenen  Ausbildungsweisen 
dar,  in  welchen  die  in  Begleitung  von  Albit  und  Quarz 
auf  Klüften  eines  grünen  Schiefers  aufgewachsenen  Broo- 
kite  TOn  Tremaddoc  erscheinen.  Die  Krjstalle  Fig.  8  zeich- 
nen sich  neben  ihrem  gröfseren  Flächenreichthum  *)  noch 
dadurch  aus,  dafs  sie  mit  blutrothem  Lichte  durchscheinen. 
An  den  Krjstallen  Fig.  9  fehlen  meist  die  Querprismen  und 
die  Endfläche  oder  diese  sind  aufserordentlich  schmal  und 
klein;    auch  sind   diese  Krjstalle  undurchsichtig  und  von 

1 )  Aufser  deo  oben  angeführten  Flächen  beobachtet  man  an  denselben 
noch  die  Längtfläche  6^(6:ooa:cDc),  die  Grundform  o^(a  :  6  :  c) 
and  ftwei  andere  Oktaeder  n  =:  (4a  :  6  :  c),  ir  =  (Ja  :  §6  :  c).  k  wird  * 
bestimmt  durch  die  beiden  Zonen  B\  €  :ki  M  und  t:  n  :  Ar :  a ,  wurde 
an  englischen  Krjstallen  noch  nicht  angeführt,  wohl  aber  an  russischen 
Ton  Kolcjcharoff  bestimmt  (s.  Mat.  a.  Min.  Ruisl.  Bd.  IT,  $  273). 

PoggendorfTs  Annal.  Bd.  CXIII.  "^^ 


([);  darauf  folgen  Cilrine  von  ziemlich  normaler  Angbä- 
diing,  begranit  von  den  Prisineii-  und  DibexaederflXcfacO, 
selten  eine  Rborobenflädie  (II);  auf  den  CHrinen  Üe^  eise 
neue  GangbiMung  (III),  deren  Krystalle  Trasseriiell,  *oi 
abne lebender  Bildung.  Sie  liegen  meist  mittelst  eioer  Prii- 
mennsche  oder  -kante  auf  den  Citrinen,  gekrümmt,  io  ge- 
wundenen Reihen  aneinauderschlteraeod,  tafelfflimig.  In  der 
L»ge  (I),  sowie  in  dem  Nebengestein  selbst,  in  der  Nike 
des  Gangs  entdeckt  man,  doch  kaum  dem  blofaea  Auge  be- 
merkbar, sehr  kleine  Aoatase.    Auf  den  Bildungen  I  uod  O 


finden  sich  TJrookile,  deren  ßildun^  also  während  länge- 
rer Zeil  ninfs  fortgedauert  haben.  Die  dünnen  tafelför- 
iiiigeu  Krystalle  sind  meist  zur  llälfle  iu  die  Quarze  und 
Citrine  eiugeseukt.  Auch  auf  den  Lagen  II  und  III  finden 
«icb,  wenn  aach  sehr  selten,  ganz  kleine  Anatas-Oktaeder. 

Auf  andern  Handstücken  sieht  man  den  Brookit  beglei- 
tet nicht  von  Albit  sondern  von  Adular.  Diese  mOgen 
▼OB  einem  etwas  verschiedenen  Fundorte  herrühren.  Wäh- 
rend die  Brookite  aus  dem  Maderaner  Thal  als  dünne 
rechteckige  Tafeln  erscheinen,  indem  in  der  Endigung  die 
Endfläche  sehr  vorherrscht,  Läugsprismen  und  Oktaeder 
zarücktreten,  so  finden  sich  von  Quarz  begleitet  »am  St 
Gotthardtff  auch  Krjstalle  von  etwas  verschiedenem  Anse- 
heD.  Es  sind  rhombische  Tafeln  (deren  Winkel  93""  16}' 
and  86°  434)i  zugeschärft  durch  die  Flächen  des  Oktaeders 
e=s(2a:6:c).  Diese  Krjstalle,  an  denen  die  Flächen  des 
Prismas  M  meist  nur  untergeordnet  erscheinen,  sind  zuwei- 
len an  ihren  Endecken  zugespitzt  durch  die  Flächen  d. 

Büt  den  Brooktten  aus  dem  Maderaner  Thale  haben  in 
EUnsicht  der  Flächenausbilduug  eine  grofse  Aehnlichkeit 
die  Krjstalle  von  Elilenville,  Ulster  C.  New  York,  deren 
andi  Dana  in  der  4.  Aufl.  des  System  of  Mineralogy  er- 
wähnt. Wie  die  Fig.  10  lehrt  sind  die  Ellen  viller  Brookite 
tafelförmig  durch  Ausdehnung  der  vertical  getreiften  Quer- 
BJAiAke  mit  welcher  folgende  Formen  in  Combination  treten : 

Jf  =  (a :  b  :  GD  o)  c  =  (c :  cc  a :  OD  6) 

I  =(a:2&:aDc)  y  =  (4a:c:aD&) 

6  =  (b :  OD a :  QO  c)  x=z  (2a:  c :  x  b) 

«  =(2a:2b:c)  n=^(ia:b:c) 

e  =(2a:'b:c)  t  =(46:o:Qoa) 
0  z=z(a:b:c) 

Diese  Brookite  erreichen  meist  nur  die  Gröfse  von  einer 
Linie,  doch  zuweilen  auch  mehrerer  Linien.  Der  Glanz 
ilurer   Flächen    erlaubt   genaue   Messungen.     An   mehxex^OL 


437 


V.     IJeher  die  elektrische  Flaschenentiadung; 
von  W.   Feddersen  in  Leipzig, 


I. 

I^ie  VoratellungeD ,  welche  man  sich  bisher  Über  die  Be- 
wegiiug  der  Clektricität  zu  machen  gewohnt  war,  scheinen 
zam  Theil  einer  wesentlichen  Umgestaltung  zu  bedürfen. 
Eine  längere  von  mir  angestellte  Untersuchung,  von  welcher 
ein  Theil  bereits  in  meiner  Doctordissertatiou,  (Kiel,  1H57y 
Scbwers'sche  Buchhandlung)  ein  andrer,  wenn  auch  nur 
in  TorUufigen  Umrissen  in  den  Berichten  der  königl.  sächs. 
Gesellschaft  der  Wissenschaften  (Bd  II,  S.  171  und  Bd.  13, 
S.  13)  veröffentlicht  worden  ist,  hat  mir  gezeigt,  dafs  da, 
wo  sich  zwei  geschiedene  endliche  Elektricitätsmengen  plötz- 
lich mit  einander  vereinigen,  die  Art  und  Weise,  wie  man 
sich  bisher  den  Vorgang  der  Vereinigung  gedacht  hat,  in 
den  meisten  Fällen  eine  in  der  Natur  nicht  begründete 
ist.  Man  war  gewohnt,  die  elektrische  Entlandung  ent- 
weder als  eine  gleichmäfsig  vom  Maximum  der  Stromstärke 
bis  zum  völligen  Verschwinden  des  Stromes  verlaufende 
Erscheinung  aufzufassen,  oder  aber  anzunehmen,  dafs  an 
der  Uebergangsstelle  der  Elektricität  in  der  Luft  ein  stofs- 
weiser  Uebergang  in  sogenannten  Partialentladungen  statt- 
finde. Die  nähere  Untersuchung  zeigt,  dafs  diese  Entla- 
dnngsartcn  zwar  beide  vorkommen,  dafs  sie  aber  in  fast 
allen  Fällen,  wo  man  einen  metallischen  Schliefsungsbogen 
hat,  einer  anderen  Entladungsart  der  »oscillatorischenn 
Platz  machen,  bei  welcher  die  Elektricitätt;n  nicht  nur  in 
einer  Richtung,  sonderh  abwechselnd  hin-  und  Aerfliefsen. 

Man  war  ferner  allgemein  der  Ansicht,  dafs  die  elek- 
trische Entladung  durch  einen  Leiter  von  geringem  Wider- 
stände eine  nnmefsbar  kleine  Zeit  in  Anspruch  nehme. 
Meine  Untersuchung  bestätigt  diese  Annahme  nichts  \uvd 
fahrt  zu  dem  Sehlasse,  dafs  die  so  vieVfacVi  aw^enA^vcicii 


439 

die  elektrische  Flasche  eine  disponible  Ladung  von  nega- 
tiTer  ElektridtSt  bekommt.  Ist  diese  Ladung  soweit  vorge- 
schritten, dafs  die  lebendige  Kraft  der  bewegten  Elektricitllt 
durch  das  Wachsen  der  Spannkräfte  von  auf's  Neue  ge- 
schiedenen elektrischen  Massen  verzehrt  ist,  so  wird  ein 
momentaner  Ruhezustand  eintreteji,  und  dann  in  derselben 
Weise  eine  Entladung  der  Flasche  in  enlgegengesetztem 
Sinne  von  vorher  stattfinden.  Dann  folgt  ganz  ebenso  wie- 
der eine  positive  Entladung ,  darauf  eine  negative  u.  s.  f. 
Wir  haben  die  Erscheinung,  dafs  die  Elektricitfil  in  wellen- 
artigen hin-  und  hergehenden  Strömen  den  Draht  durch- 
läuft« Könnten  wir  uns  einen  widerstandslosen  Leiter  den- 
ken»  80  würden  diese  Oscillationen  niemals  aufhören;  da 
aber  jeder  Leiter  einen  gewissen  Wiederstand  bietet  und 
derselbe  bo  wirkt,  als  wenn  die  Eleklricität  eine  Art  Rei- 
bung in  denselben  erführe,  wobei  beständig  ein  Theil  der 
lebendigen  Kraft  verbraucht  (in  Wärme  verwandelt)  wird, 
BO  mufs  die  elektrische  Bewegung  nach  einer  gröfseren 
oder  kleineren  Anzahl  von  Oscillationen  bald  unmerklich 
werden.  DieÜB  ist  unter  verschiedenen  Umständen  bei  30, 
20,  10  oder  noch  weniger  Oscillationen  der  Fall.  Hat 
man  eine  bestimmte  Anzahl  von  Oscillationen  beobachtet 
und  vergröfsert  den  Widerstand  des  Leiters,  so  zeigt  sich 
diese  Anzahl  geringer.  Bei  jeder  elektrischen  Oberfläche  giebt 
es  einen  gewissen  Widerstand,  bei  welchem  in  dem  Schlie- 
fsaiigsbogen  von  gegebener  Form  nur  eine  Oscillation  übrig 
bleibt  Dieb  ist  der  Punkt,  wo  die  oscillatorische  Entladung 
aufhört  und  einer  anderen  Entladungsweise  Platz  macht. 
Von  da  an  beobachtet  mau  mit  wachsendem  Widerstände 
die  »eantinuirlicke^  Entladung.  Mit  dem  Durchbruch  der 
EJektricität  in  dem  Funken  stellt  sich  der  elektrische  Strom 
im  Leitungsdraht  her,  erreicht  bald  ein  Maximum,  um  fer- 
nerhin gleichförmig  und  allmählich  mit  dem  Verschwinden 
der  Elektricität  aua  dem  Reservoir  abzunehmen:  wenn  von 
der  disponiblen  Ladung  die  halbe  positive  Elektricität  auf 
der  äuberen,  die  halbe  negative  Elektricität  auf  der  ioueie^x 
Belegung  aagekomineü  iat,  hat  jede  EleVUitSäLUbde^gsii^  vA- 


V  Vii^ithe  Biikt,  Po,t.  \m.  «i.m.S.tVix 


4IS 

grofsen   Laftwiderataiidi   «af  tBfaMD'  kMiMD   Spkfii   bv^ 
sdiriDkt,   welcher  wiederm  ein  Ueiiiee  GeMMrfeliliv 
Folge  bitte.  Diese  Unutiigiklikelläi  lilin  liil  !■  Mjm 
den  Apparate  beseitigt  \U\y 

Botalleawiipanii.    (TaLlfll»V4  VIg.  iX' 

Id  der  Ecke  eines  kleinen  Ztomeni-aB  dflr-'dietaa«^!«^ 
fseninauer  befestigt  befindet  sich  in  sibweiem 
Rahmen  (AB)  ein  einfaches  Uhrwerk  aas  >RHittt' 
ans  einer  Scbranbe  ohne  Ende  taf  einer  vertlkaln 

axe  (a)  bestehend.  ■  »4.-.h«dfr 

Eine  Scbnnr  (b)  an  der  bis  1^  Centn*  flflhHgl  WiiMett' 
können»  «eht  an  der  Welle  (e)  und  Termag  der  8|iiiigJ 
axe  eine  Uindrehnngsgeschwindigkeit  bis  zu  100  RofatioMB 
in  einer  Sekunde  zu  ertheilen. 

Mit  einer  IThr,  welche  auf  FQnftel- Sekunden  za  arre- 
tiren  ist,  läfst  sich  nach  den  Umdrehungen  eines  der  Rader 
die  Rotationsgeschwindig^keit  recht  genau  bestimmen.  An 
der  Conslanz  des  Tones,  die  der  Apparat  giebt,  kann  man 
aufserdem  controliren,  ob  die  Rotationsgeschwindigkeit  gleidh 
uiäfsig  bleibt. 

Bei  geringer  Rotationsge^chwindigkeit  sorgen  2  Wind- 
fltigel  und  ein  horizontales  Schwungrad  (d)  an  der  Spiegel- 
axe für  die  GleichmSfsigkeit  der  Bewegung.  Dadurch  wird 
bei  geringer  Geschwindigkeit  der  Fehler,  welcher  ans  der 
uiigleichmäfsigen  Bewegung  hervortreten  könnte,  ein  tct- 
haltnifsmäfsig  kleinerer,  als  bei  den  gröfseren  Geschwindig- 
keiten. 

An  der  Spiegelaxe  befinden  sich  zwei  schneidenfOrmige 
Arme  (e)  von  Messing,  welche  mit  ihren  2  Millimeter  brei- 
ten scharfen  Enden  bei  einer  bestimmten  Stellung  der  Axe  2 
an  dein  Rahmen  isolirt  befestigten  Drähten  (jg)  gegenüber- 
stehen.  Die  LSnge  jedes  der  Anne  beträgt,  von  der  Dre« 
hungsaxe  gerechnet,  etwa  lOtr*.  Die  beiden  isolirten  Drahte 
werden  durch  Funkenapparat  und  Widerstand  mit  den  Be- 
leguttgen  der  Leidener  FVascVie  x-^TbuüdeQ^  so  daCs  bei  be- 
sfimaiter  Stellung  der  Axe  eiÄe¥ÄV\^4xi\i^ÄÄ\^\»w^^^MÄ. 


443 

die  Anne  ennOglicht  ist.  Das  Schwungrad  sammt  den  Ar- 
men ist  nur  durch  eine  Fassung  aus  trocknem  Holze  von 
den  Metalimassen  des  Rotationsapparates  isolirt.  In  fast  allen 
Fällen  genügt  indefs  diese  Isolation. 

FiiBkeaapparaft.     (CD  Tat.  VII,  Fig.  I). 

In  gleicher  Höhe  mit  der  Rotationsaxe  ungeßihr  500** 
von  derselben  entfernt  steht  auf  einem  massiven  Posta- 
mente der  Funkenapparat  (CD),  ein  aus  isolireuder  Sub- 
stanz gebildetes  Gehäuse,  in  welchem  sich  neben  einander 
2  Paare  von  Polkugeln  (pp')  befinden.  Beide  Paare  sind 
80  mit  der  Leitung  in  Verbindung  gebracht,  dafs  bei  Ent- 
ladung der  Flasche  die  Elcktricität  die  beiden  eingeschal- 
teten Lnfistrecken  nach  einander  durchläuft  und  in  dem 
GehSuse  2  verticale  Funken  neben  einander,  etwa  60"" 
TOD  einander  entfernt,  auftreten.  Durch  eine  kleine  OcfT- 
nang  im  Gehäuse  werfen  die  Funken  ihr  Licht  in  horizon- 
taler Richtung  auf  die  Rotationsaxe. 

Die  doppelte  Erzeugung  eines  Funkens  dient  erstens 
dazu,  am,  wenn  die  Entladung  bei  richtiger  Stellung  des 
Spiegels  geschieht,  durch  Vergleichung  beider  Bilder  ent- 
scheiden zu  können,  was  in  der  Erscheinung  von  der  allge- 
meinen Bewegung  der  Elektricilät  am  Leitungsdrahte  und 
was  von  den  zufälligen  Umslftnden  abhängig  ist,  die  mit  der 
Natur  der  Pole  und  der  Explosion  zusammenhängen ;  zwei- 
tens dazu,  um  die  Beobachtung  zu  erleichtern').  Die  Kugeln 
lassen  sich  zu  beliebiger  Schlagweite  zwischen  1  und  10"" 
einstellen. 

Die  Kugeln,  zwischen  denen  der  Funken  überspringt, 
waren  für  gewöhnlich  aus  Kupfer,  doch  habe  ich  auch  da- 
für Piatina,  Zink,   Eisen  anzuwenden  versucht,  indefs  ge- 

1 )  D«  DSnolieh  der  Funke  nicht  gans  genau  bei  einer  beslimrotcn  Stel- 
Inog  dt»  Spiegel«  ubcrsehlSgt,  und  dai  Bild  bald  mehr  auf  die  rechte, 
liald  mehr  auf  die  linke  Seite  des  Gesichtsfeldes  geworfen  wird ,  so  si- 
chern iwei  60"*™  von  einander  entfernte  Funken  dem  Beobachter  weit 
eher  ein  scharfes  Bild,  wie  ein  cinuger  Fankcn*,  und  oVv  %;avä^  ^\% 
Btoh»ehtang  eiaes  e/nx/gen  Bildes. 


funden,  di( 
tAlltheildien 
kena  im-  AI 
nnngCD,  we 
rOhreo,  nie 
die  GrOfse 
Kugeln  von 
zanioiinl,  n 

An  den 
diing  darcb 
eine  «nden 
etiler  soldii 
Punkt,  TOD 
rere  PddKk 
Metall  durc 
rer  eiusrhci 
zelneii  auf 
solut  genau  dieselbe  Bahn  eioscMugen,  herrObrle. 

Will  man,  wie  ja  stets  der  Spiegel rolatioiiMppa rat  es 
zum  Zweck  hat,  eine  Funkenrerbreilnng  beobachten,  so  ist 
rs  wUnschenswerth,  die  Fuokenbahn,  wie  man  sie  bei  ru- 
hendem Spiegel  sieht,  auf  einen  möglichst  engen  Raum  su 
beschränken,  vor  allen  darf  die  ElekiricitBt  nicht  auf  m^ 
rerci)  Wegeii  zninchen  je  zwei  Polen  flbergehen,  weil  m»m 
sonst  in  Gefahr  kHme,  in  Folge  der  Spiegelrotalion  ila  uil- 
lich  gelrennt  anzusehen,  nas  im  Funken  selbst  rSumlich  ge- 
schieden, aber  gleichzeilig  rel.  Man  darf  nSmlich  niemak 
vergossen,  dafs  alle  Veränderungen,  welche  man  in  der  KIdi' 
tnng  der  Rotationsbewegung  wahrnimmt,  als  zeitliche  Ver- 
änderungen  aufzufasBeo  sind.  Unterschiede  dagegen ,  di« 
man  in  vcrticaler  Richtung,  z.  B.  zwischen  den  beiden  Polen, 
wahrnimmt,  sind  durchaus  räumlicher  Natur  und  sollen,  wenn 
sie  in  derselben  Verlicaten  liegen,  für  einen  und  denaelbeo 
Moment  gellen.  Jene  Gefahr  der  zeitlichen  Deutung  einer 
räumlichen  GrOfse  habe  ich  einfach  dadurch  beseitigt,  dafi 
die  Polkugeln  bis  au{  einen  klciueu  frei  gelassenen  Pnukt 
mit  Sriiellack  libetzogpu  watÄ«n.  \>ct  Vew  V>m\.v,  >ä  &»». 
der   üfbergaog  der  EVeVtriciV^l  ^ft\i>Äien  ■«-w ,  XäV»  «s»» 


•iiT) 


Durrhinesscr  von  etwa  \  iMilliinclfi.  Von  /oit  zu  Zeil  iiiuls 
die  OberÜHche  dieses  isolirenden  Sciiellackiiberziiges  wieder 
erneuert  werdeu,  %%eil  sich  nach  einer  Anzahl  von  Entla- 
dungen rings  inn  den  freien  Punkt  ein  dünner  Metallspie- 
gel oder  eine  Oxydschicht  abgelagert  hat,  wodurch  die  ISe- 
schrAnkuug  des  elektrischen  Stromes  auf  eine  ganz  bestimmte 
Bahn  wieder  aufgehoben  werden  kaini. 

e>tpiei;el  iiDd  Spiegelbild 

Auf  der  Rotationsaxe  sind  mit  dem  Kücken  gegen  ein- 
ander zwei  Hohlspiegel  (s)  befestigt.  Bei  einem  Theile 
der  Beobachtung  dienten  als  Hohlspiegel  zwei  ConcavglAser, 
welche  ich  aus  einer  Partie  Pariser  Brillengläser  No.  19  als 
brauchbar  herausgefunden*)  und  nach  der  Stein  hei  Tscheu 
Methode  versilbert  hatte;  sie  waren  kreisförmig  und  hatten 
einen  Radius  von  18""".  Der  Krümmungsradius  ihrer  Fläche 
betrug  527"*".  Bei  einem  anderen  Theile  der  Beobachtung 
dienten  zwei  in  der  Steinheil'schen  Fabrik  geschliffene 
viereckige  Gläsor,  welche  100"*"  hoch,  30"*'"  breit  einen 
Krümmungsradius  von  500""'  hatten.  Sie  waren  ebenfalls 
nach  jener  Methode  versilbert.  Die  Reflexion  geschah,  wie 
ich  wohl  kaum  zu  erwähnen  brauche,  an  der  vorderen  Sil- 
berschicht 

Hatte  das  Spiegelpaar  jene  Stellung,  bei  welcher  ver- 
mittekt  der  Arme  an  der  Ratationsaxe  überhaupt  nur  eine 
Entladung  zu  Stande  kommen  konnte,  so  war  das  Licht, 
welches  aus  dem  Funkenapparate  auf  den  einen  der  Spiegel 
fiel/  von  diesem  gegen  eine  aufrechtgestellte  matte  Glas- 
platte (P)  reflectirt,  die  sich  dicht  unter  dem  Fuukenapparate 
befand.  Hier  kam  in  natürlicher  Gröfse  ein  Bild  des  Fun- 
kens tu  Stande,  und  zwar  waren  Funkenapparat  und  Glas- 

I)  Unter  40  Fliehen  icigten  sich  bei  der  Prüfung  nur  wenige  sphäriAch, 
vnd  QDtcr  dieaen  nnr  zwei  gleiche.  Die  Prüfung  ist  hinreichend  leicht 
and  scharf,  wenn  nao  seitlich  nahe  am  Kugclmitielpunkte  der  spbari- 
achen  Flasche  ein  mit  einer  Nadel  in  Papier  fein  punktirtes  Kreai  auf- 
«4cllt  und  von  hinten  beleuchtet.  Am  geeigneten  Orte  fan^t  ein«  rck«\Vb 
GUiplatte  das  Bild  auf.  K'me  richtige  EinsieUung  mu^&  iio<\\  V^t  ^\« 
I^jfe  eine  scharfe  Zeicbnuag  geben. 


446 

platte  so  angeordnet,  dafs  sowohl  der  Funke,  als  auch  sein 
Bild  sich  möglichst  nahe  dem  Kugelmittelpunkt  des  Spiegels 
befanden. 

Stand  der  Spiegel  so,  dafs  sich  das  Funkenbild  senk- 
recht unter  dem  Funken  erzeugte,  dann  war  jeder  Funke 
um  ungefähr  30"™  nach  oben,  das  Bild  auf  der  matten  Glas- 
platte um  ebensoviel  nach  unten  vom  Kugelmittelpunkte  ver- 
schoben. Hieraus  entsteht  eine  sphärische  Abweichung, 
welche  die  Schärfe  des  Bildes  beeinträchtigt,  und  nicht  xu 
beseitigen  ist.  Denn  die  Platte  läfst  sich  nicht  so  einstellen, 
dafs  die  Abweichung  (h)  nach  der  Höhe  und  die  Abwei- 
chung (b)  nach  der  Breite  ziemlich  verschwinden,  doch  man 
kann  der  Platte  eine  Stellung  geben,  dafs  b  =-  h  wird.  In 
dieser  Stellung  ist  für  die  runden  Spiegel 

6  =  *  =  0— ,04 
für  die  Steiuheirschen  Spiegel 

6  =  A  =  0"»'-,06 
Gröfsen,  die  durchaus  zu  vernachlässigen  sind. 

Hatte  der  Spiegel  jedoch  nicht  genau  die  vorher  er- 
wähnte Stellung,  sondern  trat  die  Entladung  bei  einer,  wenn 
auch  nur  wenig  anderen  Stellung  der  Arme  ein,  so  war 
eine  dadurch  bedingte  Vergröfserung  der  sphärischen  Ab- 
weichung zu  berücksichtigen.  Ein  solcher  Mangel  an  Präci- 
sion  des  Eintritts  der  Entladung  war  bei  Rotation  des  Ap- 
parates etwas  sehr  Gewöhnliches.  Allein,  wenn  die  dadurch 
hervorgebrachte  Verschiebung  des  Bildes  nicht  mehr  betrug, 
als  circa  60*"""  nach  jeder  Seite,  so  berechnet  sich  für  die 
runden  Spiegel 

eine  Maximalabweichung  von  circa  4"^", 
eine  Gröfse,  welche  das  mit  dem  Auge  an  dem  aufblitzen- 
den Funkenbilde  Unterscheidbare  noch  lange  nicht  erreicht. 
Für  die  Stein heiTschen  Spiegel  findet  man 

6  =  0»-,05         h  =  0»»,24, 
bei  diesen  Beobachtungen  für  das  Auge  gleichfalls  verschwin- 
dende Gröfsen. 

Aus  demselben  Umstände,  dafs  das  Auge  bei  der  mo- 
meütan  wirkenden  Lichterscheinung  Veränderungen,  die  auf 


447 

einen  allzu  kleinen  Raum  (etwa  von  Millimeterbreite)  be- 
schränkt sind,  nicht  wahrnehmen  kann,  folgt  auch,  dafs  zur 
deutlichen  Wahrnehmung  stattfindender  Veränderungen  der 
Spiegel  sich  noch  rascher  drehen  raufs,  als  nur  einfach  er- 
fordert wird,  damit  sich  2  verschiedene  auf  einander  fol- 
gende Bilder  des  Funkens  —  der  ja  immerhin  eine  gewisse 
Breite  besitzt  ^  nicht  durch  Uebereiuanderlagerung  verwi- 
schen. Dann  aber  wird  das  Bild  auf  der  Glasplatte,  gegen 
welche  man  das  Auge  in  beliebiger  Sehweite  stellen  kann, 
vollkommen  geeignet,  die  zeitlichen  Veränderungen,  welche 
an  Parbe  und  Lichtintensität  in  der  Funkenlinie  statlüudcn, 
räumlich  getrennt  dem  Auge  vorzuführen. 

Elektrische  Batterie. 

Das  elektrische  Reservoir,  welches  entladen  wurde,  be- 
stand aus  1  —  16  nahe  gleichen  Flaschen,  die  im  Durch- 
schnitt jede  2,2  Q'  (oder  genauer  0,201)6  QMetcr)  innere  Be- 
legung und  eine  Glasdicke  von  4"""  —  5"*"  hatten.  Durch  be- 
sondere Versuche  möchte  ich  noch  den  genaueren  Werlh 
für  die  Kapacität  der  Flaschen  ermitteln;  ich  mufs  dlefs  je- 
doch einer  spätem  Zeit  vorbehalten. 

LeltuogawlderslaDde. 

Der  kleinste  Widerstand,  durch  den  die  Batterie  ge- 
schlossen werden  konnte,  wurde  durch  die  nöthigen  Ver- 
bindungsdrähte gebildet,  welche  aus  Messing  oder  Kupfer 
und  fast  überall  über  2*""  dick  waren.  Die  absolute  Länge 
dieser  Verbindungsstücke  betrug  gerade  5  Meter. 

Es  kam  mir  darauf  an,  den  Wiederstaud  des  Schlie- 
fsungsbogen  beträchtlich  vermehren  zu  können,  ohne  seine 
Länge  wesentlich  zu  vergröCsern.  Ich  bildete  zu  diesem 
Zwecke  Widerstände  aus  Fäden  verdünnter  Schwefelsäure 
von  verschiedener  Dicke,  eingeschlossen  in  Glasröhren'). 

1)  Man  thnt  wohl,  die  Glasröhren  tod  einer  ionern  Weite  zu  wählen, 
welche  nicht  geringer  i«t  als  1  Linie,  weil  andernfalls  bei  einer  starken 
osciliatoi lachen  Entladung  die  Flüssigkeit  leicht  herausgeschlenderl  oder 
gar  die  Röhre  gesprengt  wird. 


Die 

wo  nach  fj 
LeituDgsbhi 
geringere  C 
tern  keine 
dflanler  Set 
gegen  eine 
eine  gering« 
die  Leitung 
hlafig  dare 
die  Widenl 
!■"  dicke  i 
Linge.  Zui 
zelnen  TülU 
drahtes  von 

von  Horsford  (und  Becker)  in  raader  Zahl  aiigeaomnwB 
ist,  daTa  I  Meter  eines  ('"dicken  Fadens  verdOouter  Schwefel- 
saure vom  spec  Gewicht  1,25  denselben  galvaniechw  Wi- 
derstand besitzt,  wie  7<IU(MI0  Meter  eines  1""  dicken  Silber- 
drabtcs').  Gebe  ich  die  Widerstände  durch  die  Llnge  eiiMi 
solchen  Silberdrahles  an,  so  kano  bei  meinen  Versachai 
diese  Länge  stets  nur  eine  gedockte  seya,  weil  sich  «pHter 
ergebeil  wird,  dafs  die  Leilerlänge,  als  solche,  eioen  w*- 
senlljcben  Eiuflufs  auf  die  Enlladungserscheinung  eiuQbL 

Um  den  Eiuflufs  der  Natur  des  SchUefBungsbogens  sad 
die  Existenz  eiuer  etwaigen  Polarisationswirkung  io  dtn 
Flüssigkeiten  zu  ermitteln,  benuttte  ich  ferner  dr«  je  50 
Meter  lange  Stücke  Neusilberdraht  von  respective  (("".afifit 
O-'.iil  und  0",260  Dicke.  Eine  Vergleichung  mit  eines 
dünnen  Silberdrafat  ergab  den  spec,  Widerstand  dieies  Ne^ 
Silbers  13,2  Mal  so  grofs,  als  den  des  Silbers.  HieniMA 
würden  also  jene  150  Meter  einen  galvanischen  Widenteod 
bieten,  der  0,04&  Meter  eines  1""  dicken  Fadens  verdOnBtar 
Schwefelsäure  vom   spec.  Gewicht   1,25  gleich  käme,   v<u^ 

1)  D>  Dich  Arndtteil  du  rtinc  Kupfer  elaea  Tom  SUber  aar  ynoif*- 
weicbenden  Widentand  bictei,  )ii1k  icli  in  der  frühem  Tarlinf^MTo* 
öffcalliehaog  dieselbe  KeducüoiuuViV  tut  1La^b>&tAa  ^gaiOiiL. 


449 

ansgeietxt,  dal»  keine  wesentliche  Polarisationswirknng  m 
berflcksiGhtigen  sej,  darch  welche  der  Widerstand  der  Ftfl»- 
sigkeh  ein  scheinbar  gröfserer  werden  könnte. 

BeobacMoiigeo  bei  hartem  SchliefiiuDgabogeB. 

Hat  man  die  Batterie  durch  den  Funken-  und  Rotations- 
apparaty  aofserdem  aber  nnr  durch  di«  nothwendigsten  Ver- 
bindungMtücke  ((eschlossen,  und  stellt  die  Rotationsaxe  so, 
dafa  auf  der  matten  Glasscheibe  ein  deutliches  Bild  you 
Fonken  entsteht ,  so  sieht  man  letzteren  ak  eine  1  —  2"" 
dicke  Lnie-  von  schwachen  mehr  oder  weniger  schmalen 
Lichtsfiumen  eingefefst.  Die  immerhin  nichl  unbetrttchtliche 
Breite  der  Fankenbahn  nimmt  mit  wachsendem  Widerstände 
ab  «od  beschränkt  sich  bei  Einschaltung  einer  passenden 
FlAsaigkeitssftule  auf  eine  feine  Lichllinie. 

Lftfst  man  unter  den  verschiedensten  Bedingungen  den 
Rotationsapparat  sich  mit  mfifsiger  Geschwindigkeit  bewegen, 
so  aieht  man  das  Funkenbild  nach  seiner  Breite  xa  einem 
Bande  ausgezogen,  oder  wenigstens  nach  der  Seite  der  Be- 
wegung gleichsam  verwischt. 

BüM  ein  Leiter  ereter  Kktsee  den  Widereiand  im  kurzen 
Schliefsungsbogen,  so  zeift  bei  passender  Drehungsgeschwin- 
digkeit -^  bei  meinen  Versuchen  waren  etwa  50  Rotatio- 
nen des  Spiegels  in  der  Sekunde  nötbig  —  die  leuchtende 
Fonkenbabn  im  Bilde  auf  der  matten  Glasplatte  nach  der 
Seite  der  Bewegung  nicht  allein  keine  scharfe  Gränze  mehr, 
sondern  die  breite  Funkenlinie,  die  man  bei  ruhiger  Stel- 
lung des  Spiegels  auf  der  Platte  abgebildet  sieht,  wird  aa- 
Iserdem  noch  bedeutend  nach  einer  Seite  in  die  Breite  ge* 
zogen,  man  sieht  den  Funken  zn  einem  Lichtschweife  ver- 
breitet, gleich  einem  schmalen  leuchtenden,  sich  keilförmig 
eodeadem Bande.  Dieser  farbige  Lichtstreifen  (Fig.2  Taf.Yll) 
welcher  aus  dunklem  Grunde  aufblitzt,  beginnt  in  einem 
blendenden  G^lbweifo  und  in  dem  Maximum  seiner  Inten- 
sitit  Weiter  gegen  das  Ende  wird  die  Nuance  mehr 
briimlich''  oder  grfinlichweifs^  doch  ist  die  Lichtintensittt 

PossendorfPi  Annal.  Bd.  CXW.  ^ 


4fi0 

80  grofia»  dafii  di«  FarbminOaneea  nar  idiwaolt  heirorlntca. 
HAi^g  endet  hiermit  die  Uchtenoheiiuingy  »leitleiMi  schlieirt 
sich  indefs  eine  lang  ausgeiogene  Spitze  in  einem  pcachl- 
vollen  Kupferroth  daran.  Das  Ende  dieses  mit  dem  An- 
fange verglichen,  nar  liditsch wachen  Rothes,  löst  sich  io 
Dankelheit  auf.  Eine  scharfe  Bestimmung  des  AnfhArens 
ist  daher  nicht  möglich.  Man  ist  sugleich  so  sehr  von  der 
Stellung  des  Angea  gegen  die  matte  Glaqilatte  und  tim 
dem  Grade  der  AufuMrksamkeit  abhftngig,  dafs  mm  aich 
nicht  wundem  dürfte,  wenn  der  rothe,  iicbtschwache  Theil 
des  Bildes  sich  aus  diesen  GrOnden  der  Wahrnehmung  i»- 
weileu  gani  entiöge,  selbst  wenn  er  exiatirte. 

Aufinerksame  Beobachtung,  und  vor  Allem  die  Beacb* 
tung  der  beiden  gleichseitig  neben  einander  sich  abbilden« 
den  Funken  zeigt  indels,  dafs  ein  nicht  seltenes  Fehle»  des 
rothen  Schweifes  keineswegs  in  der  mangelhaften  Wahr- 
nehmung begründet  ist.  Es  Iftfst  sich  hinreichend  oft  beob- 
achten, dafs  derselbe  bei  dem  einen  Fuukenbilde  fehlt,  wenn 
er  bei  dem  anderen  gleichzeitig  sehr  schön  auftritt,  oder 
umgekehrt.  Der  weifse  lichtstarke  Theil  ist  dagegen  bei 
beiden  verbreiterten  Funken  von  keiner  merklichen  Ver- 
schiedenheit der  Linge,  selbst  dann  nicht,  wenn  beide  Fun- 
ken eine  sehr  verschiedene  Scblagweite  haben.  Im  letzteren 
Falle  zeigt  das  dunklere  kupferrothe  Ende  dagegen-  eine 
wesentliche  Verschiedenheit:  bei  den  kleineren  Funben  ist 
der  rothe  Theil  stets  weniger  entwickelt.  Die  beiden  Ku- 
gelpaare, zwischen  denen  sich  die  beiden  Funken  bilden, 
sind  nur  durch  ganz  dicke  Drtthte  getrennt,  sodafs  daran 
nicht  zu  denken  wäre,  dafs  sich  die  Elektricititsbewegnng 
an  eiiMM  Funken  noch  fortsetzen  könnte,  wenn  sie  am  <hi- 
deren  schon  geendet  hatte.  Aus  den  Beobachtungen  kann 
man  daher  den  SchluCs  ziehen,  dafs  nur  der  lichtstarke 
weifsliche  Theil  des  Funkenbandee  unmittelbar  durch  die 
EJektricitätsbewegung  erzeugt  seyn  kann,  dafs  dagegen  der 
höchst  verinderliche  kupferrothe  Schweif  allein  von  den 
Folgen  der  Explosion  und  Temperaturerhöhung  herrflbreo 
mufß. 


451 

kb  nddbte  aDnebmen»  dafs  die  Lafttheilchen  und  die 
ttbergerissenen  fein  zertheilteu  Metallpartikelchen,  welche 
wibrend  der  Elektricitfttsbewegung^  zu  einer  sehr  hohen 
Temperatur  erhitzt  sind,  erst  ailmfthlich  ihre  Anfangsfein- 
peratur  wieder  erlangen.  Je  mehr  sie  abgekühlt  sind,  desto 
langsamer  erfolgt  die  weitere  Abkflhlung,  und  daraus  suche 
ich  ZD  erklären,  dafs  die  Theilchen  ▼erhSllnifsmäfsig  so  lanj^e 
in  der  Rothglühbitze' verharren.  Dafs  diese  Abkühlung  bei 
zw«i  Funken  derselben  Entladung  auf  verschiedene  Weise 
stattfinden  kann,  wird  nicht  Wunder  nehmen,  wenn  man 
bedenkt,  dafs  durch  die  UnregelmSfsigkeit  der  Explosion 
bald  mehrere  bald  wenigere,  bald  gröfsere  bald  kleinere 
Partikeleben  übergeführt  werden,  dafs  die  Luft  eine  bald 
grOfsere,  bald  geringere  Ausdehnung  erleidet.  Diese  Er- 
kUlnng  macht  es  zugleich  begreiflich,  warum  ich  dasselbe 
rotbe  Schweifende  wahrnahm,  wenn  ich  statt  der  Kugel 
a«a  Kupfer  deren  ans  Zink,  ^isen,  oder  Platin  anwendete, 
da  alle  Metalle  auf  gleiche  Weise  zuletzt  durch  die  Roth- 
gliitb  hindurchgehen  müssen.  Auch  die  Beobachtungen,  dafs 
bei  Einschaltung  einer  grofsen  Leiterlänge  oder  eines  gro- 
ben Widerstandes  die  Entwicklung  des  rothen  Schweifes 
beeiDtrichtigt  oder  ganz  unterdrückt  wird,  scheinen  hiermit 
im  Einklänge  zu  stehen,  denn  auf  beide  Weisen  wird  die 
mittlere  StrominteusitSt  der  Entladung  und  damit  natürlich 
aadi  die  Heftigkeit  der  Explosion  geschwächt.  Es  können 
daher  nicht  mehr  so  grofse  Metallpartikelchen  abgerissen 
werden  und  in's  Glühen  gcrathen. 

Man  könnte  allenfalls  noch  die  Frage  aufwerfen,  warum 
nidit  jeder  gewöhnliche  Funke  bei  directer  Betrachtung  von 
emeni  soleheo  Lichte  eiugesSumt  erscheint;  die  Luft-  und 
Metalltheilchen  werden  mit  einer  grofsen  Geschwindigkeit 
zur  Seite  geschleudert;  sie  büfsen  ihre  Lichtkraft  erst  ein, 
wtihn  sie  schon  aus  der  elektrischen  Bahn  herausgetreten 
nnd«  Dafs  ein  direct  gesehener  Funke  dennoch  keine  ku- 
pferroth  gefllrbten  SSume  zeigt,  wird  wahrscheinlich  nur  in 
der  Unfähigkeit  unseres  Auges  liegen,  neben  der  h(SclL^l  vgl- 
temiv  leuehtendeii  Fuukenlinie  eine  so  acViif^Ldie  ¥«t\^e;w- 

^9* 


452 

uflancp  noch  wahnuuehmeD.  Es  wftre  6iA£M9h  die  nacktbeilige 
Folge  einer  Irradiation. 

Soviel  glaube  ich  ufeuigstens  jetzt  schon  als  aicher  hin- 
stellen zu  können:  Der  dunklere  rothe  Schweif,  weicher  bei 
Entladung  durch  einen  längeren  SchlieCiungsbogen  und  grd- 
fsere  Widei-stände  bei  Anwendung  kleinerer  Elektricitäts- 
mengen  regclinSIlsig  xu  fehlen  scheint,  ist  für  die  Bewegung 
der  ElektricitAt  etwas  durchaus  Accidentelles.  In  dem  helle- 
ren Theile  darf  man  dagegen  erwarten,  ein  Bild  der 
elektrischen  Vorgänge  während  der  Ejitladuug  zu  fiudeo. 
Dieser  Thcil  ist,  wie  oben  bemerkt,  blendend  weifa  mit 
schwachen  Farbennnancen.  Wegen  des  Uebergewichta  von 
weifsem  Lichte  läfst  sich  die  Farbeunüance  schwierig  be- 
stimmen. Dazu  kommt,  dafs  wie  bei  dem  rothen  Theile  auch 
hier  die  Farbe  etwas  ist,  was  mit  der  elektrischen  Bewe- 
gung in  keinem  unmittelbaren  Zusammenhange  zu  stehen 
scheint  Das  Bestimmeudo  für  die  Färbung  möchte  wohl 
allein  der  Zustand  der  erhitzten  Luft  und  Metallpartikel- 
chen sevu,  denn  sie  ist  wesentlich  durch  das  Material  der 
Polkugeln  bestimmt,  doch,  da  das  reine  WeiCs  namentlich 
am  Anfange  der  Entladung  so  aufserordentlich  überwiegt, 
nicht  in  dem  Grade,  ak  mau  vielleicht  erwarten  könnte. 
Wo  die  Lichtintensität  geschwächt  ist,  wie  bei  Einschaltung 
eines  sehr  langen  Leiters  und  gröfserer  Widerstände,  tritt 
die  Farbeuverschiedenbeit  stärker  hervor.  Ich  habe  in  dieser 
Hinsicht  Beobachtungen  mit  Kugeln  von  Kupfer,  Platin, 
Zink  und  Eisen  gemacht;  beim  Zink  war  z.  B.  eine  mehr 
grünliche  Färbung  vorherrschend,  während  im  Gegensatze 
dazu  der  lichtstarke  Theil  bei  Kupfer  und  Platin  einen 
Stich  in's  Gelbviolette  zu  haben  schien.  Der  Gegenstand 
lag  mir  jedoch  nicht  so  nahe,  um  ihn  eingehender  zu  atu- 
diren,  bevor  diejenigen  Einzelheiten  der  Erscheinung  an's 
Licht  gezogen  waren,  welche  mit  gröCserer  Constanz  auf- 
treten. 

Dauer  der  TotalentUdang. 

Wenn  der  helle  Theil  des  Bildes  in  seiner  Länge  wirk* 
lieb   der  Dauer  der  ElekUidtätsbewegung  entspricht  oder 


453 

audi  nur  ihr  pitiportional  ist,  so  konnte  man  dorh  noch 
«weifelhaft  seyn,  ob  derselbe  auch  diejenige  Dauer  anzeigt, 
wcfcha  bei  gewöhnlicher  Flaschenentlandang  ohne  Rota- 
tionsapparat' stattfinden  wOrde.  Mau  könnte  glauben,  der 
schnelle  Vorflbergang  der  an  der  Rotationsaxe  befestigten 
SchKefsnogsarme  bei  den  VerbindnngsdrShten  (g)  mürae  von 
wesentlichem  EinSafs  seyn  auf  die  Dauer,  doch  schon  im 
▼oraas  kann  man  diefs  als  unwahrscheinlich  bezeichnen. 
Da  man  die  Rotationsgeschwindigkeit  so  regulirt,  dafs  die 
Faokenschweife  nicht  Ifinger  erscheinen,  als  4  bis  1  Deci- 
ideter,  so  ist  die  OrtsverSndening  eines  Punktes  an  der  Ue- 
bergangsstelle  bei  beiden  Schliefsungsarmen  sehr  gering, 
drca  3*"  im  Maximum,  und  da  die  Schliefsungsarme  schnei- 
denfOrmig  in  circa  2""  breite  Enden  auslaufen,  so  bleibt 
die  GrOfse  des  Lnftzwischenranms  während  der  Entladung 
fast  ungeftndert.  Mitunter  kann  es  jedoch  vorkommen, 
daCs  die  Entladung  eintritt,  bevor  die  diametrale  Stellung 
erreicht  oder  auch  nachdem  sie  schon  überschritten  ist. 
Allein  da  selbst  in  diesen  Füllen  die  Erscheinung  des  Fun- 
kens auf  der  matten  Glasplatte  in  keiner  Weise  eine  an- 
dere scheint,  als  in  allen  übrigen  Fällen,  so  bestätigt  das 
Experiment  im  weitesten  Sinne,  dafs  die  Dauer  nicht  we- 
sentlich von  der  Bewegung  des  Rotationsapparates  beeiu- 
Üafsl  seyn  kann. 

Wenn  also  hier  auch  keine  Fehlerquelle  liegt,  so  sind 
die  Fehler,  welche  aus  der  Schwierigkeit  der  Beobachtung, 
aus  der  Unsicherheit  der  Entscheidung,  wo  man  die  Gränze 
des  bellen  Theiles  tu  setzen  hat,  entspringen,  doch  so  grofs, 
dafa  die  Angaben  über  die  Dauer,  selbst  wenn  sie  schon 
daa  Mittel  sind  aus  einer  Anzahl  von  Beobachtungen,  stets 
mit  einer  gewissen  Unsicherheit  behaftet  bleiben  werden. 
Amiabmen  indefs,  wie  man  sie  irrthümlich  aus  den  Wheat- 
stone'schen  Versuchen  hergeleitet  hat,  und  womit  mau 
Gefahr  läuft,  um  das  Hundertfache  fehl  zu  greifen,  dürften 
nach  meinen  Messungen  wohl  nicht  mehr  statthaft  seyn. 
Man  wird  bei  optischen  und  physiologischen  Versuchen 
nicht   mehr  annehmeo  kdoneO|   dafs  cUie  Eial\%^UQ%  €vK^est 


Leidener  Flasche  durch  einen  kaneo-iaetalltfcbe»  Selüie- 
Csungsbogeu  eine  momentane  aey»  cugleich  wird  niMi  «bar 
durch  die  Bestimmang  des  Gränxwideratandea  in  die  Lage 
gesetzt,  die  Entladung  auf  ihre  kleinatmögliche  Ikavervbe- 
schrtoken  zu  können. 

Die  Bestimmungen  der  SchweilMnge  wurden  entweder 
mit  Abschätzung  durch  nachherige  Vergleichung  mit  ainan 
Maafsatabe,  oder  in  der  Weise  gemacht,  dafa  an  die 
matte  Glasplatte  Papierstreifen  von  bekannter  Breite  be- 
festigt wurden.  Mit  dieser  Breite  konnten  die  Dimensionco 
des  dicht  über  den  Streifen  sich  abbildenden  Lichtachweifes 
verglichen  werden.  Das  Mittel  aus  einer  Anzahl  von  Beob- 
achtungen liefert  dann  einen  angenäherten  Werth  für  die 
zu  messende  Zeit. 

Ein  Beispiel  möge  es  erläutern.  Bei  Anwendung  einer 
Flasche  von  2,2  Q'  innerer  Belegung,  bei  l^""  Schlagweite 
und  einer  Geschwindigkeit  von  52  Rotationen  ^)  des  Spie- 
gels in  einer  Sekunde  erhielt  ich  für  die  Länge  des  licht- 
starken Theiles  im  Funkenschweif  folgende  Zahlen  in  Milli- 
meter angegeben: 

30    25    25     35    25    22^     27^^    25    30    274     30 

hierzu  ist  das  Mittel 

271"», 

woraus    sich    eine   Dauer    von  0,00009  Sekunden  für  die 
Dauer  der  intensiven  Lichtentwicklung  berechnet. 

In  dieser  Weise  ist  die  angegebene  Dauer  stets  das 
Resultat  aus  einer  Reihe  von  Beobachtungen. 

Als  sich  dieselbe  Flasche  bei  derselben  Schlagweite  und 
bei  90  Spiegelrotationen  entlud,  war  die  Dauer  der  verschie- 
denen Farben  im  Fuukeubaude,  (durch  je  10  einzelne  Beob- 
achtungen bestimmt),  folgende: 

Dauer  des  gelblichen  Weifs    0",00(K)3  |  Dauer  des  weiCsen 
Dauer  des  grünlichen  Weifs    O",00iK)l  i    Uchtes  0^00007. 
Dauer  des  röthlicben  Endes  0V)0O06 

U",000i3^ 

1)  Die  angegebene  Zahl  4er  Rotationen  bexielit  sich  immer  auf  eine  Sekunde, 
aowie  auch  die  Angabe  der  Z^vlca  «li«U  anf  iicM  Einbeit  bcMgca  ist. 


455 


Die  Farben  sowie  die  relative  Dauer  derselben  im  Funken- 
biide  stellt  aJch,  wie  schon  oben  erwähnt,  keineswegs  im- 
ner  in  f;leicher  Weise,  jedoch  ist  obiges  Beispiel  für  Ent- 
ladangen  darch  einen  kurzen,  gut  leitenden  Schliersungs- 
draht  bexeicbnend. 

Vergröfgenrng  von  SchlagweUe  %md  elektrUcher  Ober^ 
ßäeke  yerlSngern  jede  die  Dauer  der  Entladung.  Folgende 
Zahlen  mögen  lum  Beweise  dienen; 


Eabl  der 

Bolationrn 

io  1" 

1 
1 

1      ZM  dfr 
BcobacliiuDgeD 

ScIiUgweii«  in 
Millimclern 

Dauer  des  weils- 

liclieo  Lichtes  in 

Sekunden 

S5 

11 

'4 

0,00004 

55 

19 

0,00f)07 

21 

24 

^ 

0,00008 

1 

12i 

19 

6J 

0,00010 

12* 

21 

10 

0,00018 

21 

12 

10 

0,00013 

36i 

7 

10 

0,00013 

55 

8 

•4 

0,00006 

4 

21 

i;i 

0,00013 

121 

14 

0,00015 

VergrOfienmg  des  Widerstandes  kann  die  Dauer  der 
Entladung  auf  ein  Minimum  beschrSnken. 

Ohne  die  Lange')  des  Schliefsungsbogens  wesentlich  zu 
vergrOfsem,  schaltete  ich  Widerstände  von  verdünnter 
Scfawefelsfture  ein.  Dabei  nahm  die  Dauer  der  elektri- 
schen Bewegung  mehr  und  mehr  ab.  Die  Figuren  3  und 
folgende,  welche  eine  Anschauung  von  den  auf  der  Platte 
wahrgenommenen  Erscheinungen  geben  sollen,  sid^n^lder 
Weise  umgekehrt  gezeichnet,  dafs  der  Schatten  auf  der  Zeich- 
nang  dem  Lichte  in  der  Erscheinung  entspricht.  Von  Fig.  3 
bj8Fig.13Taf.VII  nimmt  man  mit  beständig  zunehmendem  Wi- 
dentiinde  eine  best&ndige  Abnahme  der  Funkendauer  wahr. 

Bei  Entladung  zweier  Flaschen  und  einem  S  =  Widerstände 
von  0^,006  red.  LSnge  traten  nur  Erscheinungen  auf,   wie 

sie  Fig.  12  und  13  zeigen.   Bei  0-,a09  red.  S= Länge  blieb 

1)  Dk  Ui^  hmrm§  6  bis  7  Akiw. 


4S7 

»  EDtladuag  sweier  Flasdien  doreh  einen  Widenland 

iron  0",(W9  red.  S  =sL8iige  haben  wir  offenbar  einen  Wen- 
depunkt rOr  die  Entladüngsweise.  Den  zngehörigen  Wider- 
stand habe  ich  »»Gränzfoider stände*  genannt. 

Die  Dauer  der  Entladung  hat  hier  ein  Minimum  erreicht. 
Die  bis  zu  diesem  Punkte  stattfindende  Entladung  habe  ich 
die  »otciUatorUchev  genannt ')  und  die  Hauptgesetze  der 
Osdllationen  angegeben*).  Sieht  man  auch  bei  den  eben 
angefahrten  Versuchen  mit  blofscm  Auge  keine  Andeutung 
der  Osdllationsstreifen,  so  werde  ich  doch  ihre  Existenz 
■pfiter  durch  die  schlagendsten  Versuche  auch  hierfür  nach- 
i¥eisen,  und  obige  Benennung  dadurch  rechtfertigen. 

Der  Uebergang  der  oscUlatoriscken  in  die  continuirHche 
Entladung  ist  keineswegs  so  scharf  und  bestimmt  ausgedrückt, 
wie  man  für  dieses  wichtige  Element  wünschen  könnte.  Da 
hier  der  Widerstand  das  Maf^gebende  ist,  so  könnten  die 
vielen  lockeren  Verbindungsstellen,  welche  sich  bei  der 
lieidener  Flasche  gar  nicht  Tcrmeiden  lassen,  und  wo  jede 
neue  Entladung  eine  Verfinderung  hervorbringt,  Ursache 
der  Inconstanz  seyn.  Ich  habe  daher  bei  späterer  Einrieb- 
tang  der  Versuche  die  Verbindungsstellen  geMlhet,  wo  es 
nur  irgend  thunlich  war. 

Die  Unsicherheit  der  bisher  beschriebenen  Art  zu  beob- 
achten hielt  mich  ab,  eine  \.\  -  /  «Micimale  anzugeben,  da 
schon  die  Einheit  der  dritten  Stelle  nicht  sicher  ist.  Diese 
Unsicherheit,  die  bei  Anwendung  gröfserer  Electricitttts- 
nlSengen,  wo  die  Totalentladuogcn  bei  gleichmSfsigem  Drehen 
i€r  Elektrisirmaschine  langsamer  auf  einander  folgen  noch 
wSchsC,  ist  der  Grund,  weihalb  ich  hier  nicht  habe  unter- 

mitlenKfiinlen  übergeht.  Bei  meinen  (ruberen  Versuchen  war  durch  »mal  ■ 
gamirtc  auf  einer  amalgamirten  ÜDlcrlage  schleifende  Federn  wlhrend 
der  Enlladtuigserscheinuns  im'  Spiegel  eine  nnterbrochene  Verbindung 
•n  den  beiden  v«4lnderlichen  Pimklea  hergeslelli.  Die  Annahme,  die 
ich  a.  a.  O.  S.  72  gemacht:  dafs  die  coiitinuirliche  Entladung  ent  mit 
stark  sunehmendcm  Widerslande  mehr  und  mehr  in  die  intermiiiirrnde 
fibcrgehti  fand  aicb  hier  also  wieder  vollkommen  bestätigt. 

1 )  DieM  AmuilcD  CXII.  S.  462. 

2)  Diese  ADaalen  CYni,  S.  497.  .   ^v^\V^^- 


49B 

sudien  kMneii,  inftielera  der  Oiibmimiderwiimd  hit  Vertp- 
derang  vou  Schlagweite  und  elektrwcher  ObeHlicbe  ein 
anderer  wird,  oder  nicht. 

Beobaobtungen  bei  langem  SchlieüNincabogep. 
Hier  stellt  sich  die  Sache  günstiger.   Durch  die  Einschal- 
tung  eines  langen  gut  leitenden  Drahtes')  wird  nämUcb 
die  Dauer  der  Entladung  in  beträchtlicher  Weise  vergrö 
fsert.     Wahreqd  durch  .  Einschaltung  eines  Schwefelatture- 

•  •  • 

Widerstandes  von  (MMII  red.  S=5  Länge  in  den  kunen 
Schliefsungsbogen  die  Dauer  schon. merklich  TarkOrst  wird, 
ist  die  Entladungsdauer  bei  Einschaltung  eines  über  1300 
Meter  langen  für  ni^lichst  geringe  Inductionen  aufgeopann- 
ten  Kupferdrahtes  von  demselben  galvanischen  Widerstände 
um  etwa  das  Drei-  bis  Vierfache  verlängert.  Dabei  sdgt 
sich  eine  ganz  eigenthümliche  Erscheinung:  Wenn  man  eine 
hinreichend  grofse  Rotationsgeschwindigkeit  anwendet,  so  lAst 
sich  der  helle  Theil  des  Funkenschweifes,  wie  man  ihn  auf 
der  matten  Glasplatte  wahrnahm,  in  lauter  Streifen  auf,  die 
parallel  sind  mit  der  einfachen  Funkenrichtung,  und  durch 
dunkle  Zwischenräume  von  einander  getrennt  werden.  Fig.20, 
Taf.  Vil  stellt  tu  den  Grundzügen  ein  umgekehrtes,  (d.  h. 
negatives  Bild  der  Erscheinung  dar;  im  Einzelnen  zeigen 
die  Funkenbilder  freilich  manche  Abweichungen  von  dieser 
schematischen  Zeichnung. 

Wie  wichtig  diese  Wahrnehmung  für  die  gesammte 
Elektricitätslehre  immerhin  seyn  mag,  so  will  ich  doch  zu- 
erst nur  einen  untergeordneten  Gebrauch  davon  machen. 
Die  Beobachtung  ist  nämlich  geeignet,  einem  Einwurfe  zu 
begegnen,  den  man  gegen  die  Deutung  der  Erscheiming  bei 
kunem  Schliefsungsbogen  vorbringen  konnte.  Dort  nahm 
ich  an ,  dafs  die  Dauer  des  intensiv  weifsen  Lichtes  einen 
Schlufs  auf  die  Dauer  der  Elektricitätsbewegung  erlaubte. 
Ich   mufste  auf  den  Einwurf  gefafst  sejn,   dafs  ich  zu  der 

1 )  Die  lange  L.eiluDg  kaDO  su  dieiem  Zwecke  «uch  durch  cidcb  köncrcn 
jpiralfuriiiig  gewickelten  Draht  erseltt  werdrn,  voraosgetelxt,  dafs  die 
W%duug0  TollstäDdig  ▼on  cmindcr  umVin  »md. 


'4se 

Aoüilinie  Dicht  berechtigt  sey/  weil  die  ganxe  Erscbeiuuug 
ebeiMO  gut  DfM:h  eiuer  mooientaneii  Aiugleichting  der  Elek- 
tridtäteD,  wobei  die  Laft  und  Melallpartikelchen  auf  eiue 
auberordeutlich  hohe  Temperatur  gebracht  würden ,  durch 
eioeo  eiotachen  Abkühlungsprocefa  der  erhitzten  Theile  be- 
dingt werden  könne,  dafe  man  also  in  dem  Funkenschweife 
nachts  weiter  zu  haben  brauche,  als  ein  Abklingen  (tit  venia 
verbo)  dea  glühenden  Funkenkanala.  Die  Beobachtung  der 
Slreifoi  beseitigt  einen  solchen  Elinwurf,  sie  zeigt,  dafs  die 
eiMEtea  Tbeilchen  unter  Umständen  sehr  rasch  abkühlen. 
Dafis  dazu  freilich  immerhin  eine  kleine  Zeit  erforderlich  ist, 
hum  ich  nicht  leugnen,  es  beweist  dieCs  schon  der  Umstand, 
daCs  aich  an  den  letzten  der  Streifen  häufig  noch  ein  län- 
gerer lichtschwacher  Schweif  anschliefst;  es  beweist  diefs 
fimer  die  Beobachtung,  dafs  die  dunkeln  Zwischenräume 
oft  noch  mit  Licht,  wenn  auch  schwächerer  Intensität  an- 
gafOlk  sind.  Allein  von  der  bedeutenden  Höhe  der  Tem 
peratur,  wie  sie  während  des  Ströroens  der  Elektricität 
ataltfiBdet,  sinken  die  Theilchen  im  Allgemeinen  sehr  rasch 
herooter* 

€^e|[;en  Ende  der  Entladung  werden  die  Streifen  an  In- 
teaaität  schwächer,  behalten  aber  unverändert  ihre  Breite 
biftrauf  den  letzten  Streifen,  an  den  sich  bei  nicht  allza- 
geringer  Elektridtätsmenge  ein  meistens  matt  leuchtender 
zugespitzter  Lichtschweif  anschliefst.  Die  Farbe  dieses  licbt- 
acbwachen  Endes  pflegt  aus  einem  oft  gelblichen,  oft  bläu- 
UcheU  Grün  in  das  Knpferrotbe  überzugehen,  in  ähnlicher 
Weise,  wie  Fig.  2  Taf.  VII  es  veranschaulichen  soll.  In 
dcM  kupferrothen  Theile  läfst  sich  nun  niemals  eiue  Spur 
von  Querstreifen  beobachten. 

Das  menschliche  Auge  ist  für  lutensitätsbestimmungen 
Bwr  wenig  geeignet;  ich  würde  daher  auf  die  weitere  Ver- 
tbeilong  dea  Lichtes  iu  den  einzelnen  Querstreifeu,  wie  sie 
das  Auge  zu  sehen  glaubt,  wenig  Werth  legen,  wenn  nicht 
die  weit  schärfere  Methode  des  Photographireus  die  mit  dem 
Auge  fenachten  Beobachtungen  in  den  Hauptpunkten  er- 
gänzte»  Sind  die  Streittü  breit,  so  scheiul  uadi  d«i  ^i^\\ft3Gi- 


aosdehnuDg  in  )edein  derselben  dem  Beobachter  hioftg  ein 
AnsehwelIeD  der  LiGhfiutensitftt  bh  zur  Mitte  bin  and  ein  Ab- 
sehwellen Ober  die  Mitte  hinaus  stattzufinden.  Oftmals  jedoch 
vennag  das  Auge  dergleichen  Ntianceu  bei  dem  einmaligen 
Aofblitzeii  der  Erscheinung  nicht  zu  unterscheiden,  and  dann 
glaubt  man  wohl,  die  ganze  Entladungserscheinung  als  ein 
helles  Band  gesehen  zu  haben,  weiches  einfach  mit  schmalen 
gleichweit  von  einander  abstehenden  dunklen  Linien  darch- 
setzt  ist.  Nur  bei  grOfseren  Schlagweiten  bemerkt  das  Auge 
eine  gröfsere  LichtintensitSt  der  Streifen  an  ihren  den  Polen 
entsprechenden  Enden.  Diefs  Ueberwiegen  der  Polendell 
kann  so  grofs  werden,  dafs  die  Mitte  des  Fonkenbandas 
fast  lichtlos  erscheint. 

Charakteristisch  ist  vor  allen  Dingen  der  auf  photogra- 
phischem  Wege  noch  weiter  festgestellte  Umstand,  dafs  die 
Breite  der  einzelnen  Streifen  in  allen  Theilen  des  Funken- 
bildes dieselbe  ist,  und  unter  sonst  gleichen  Umstanden 
sich  unabhängig  tou  der  Höhe  der  Ladung  zeigt. 

Dafs  davon  keine  Bede  sejn  kann,  an  dem  Bilde,  wel- 
ches mit  seiner  Eotstehung  auf  der  Netzhaut  auch  schon 
wieder  geschwunden  ist,  die  Zahl  einer  Menge  von  Strei- 
fen bestimmt  anzugeben,  versteht  sich  wohl  von  selbst. 
Nur  wenn  sich  dieselbe  um  ein  Bedeutendes  verringert  oder 
vermehrt,  kann  man  diefs  erkennen,  und  zwar  findet  man 
dann: 

JftI  iDachsendem  Widerstände  in  einem  Schliefsungsbo- 
gen,  dessen  LSnge  ungeändert  bleibt,  nimmt  die  Zahl  der 
Streifen  ab,  jedoch  ohne  dafs  letztere  sich  in  ihrer  Breite 
irgendwie  änderten.  Schaltete  ich  in  die  Leitung  Wider- 
stände von  verdünnter  Schwefelsäure  ein,  so  kam  ich  bald 
an  einen  Punkt,  wo  nur  3  Streifen  übrig  geblieben  waren, 
die  sich  dann  vortrefflich  übersehen  liefsen.  Ein  grOfserer 
Widerstand  reducirte  die  Zahl  auf  2:  eine  weitere  Ein- 
schaltung von  verdünnter  Schwefelsäure  nahm  dem  zweiten 
Streifen  von  seiner  Lichtintensität  bis  er  schliefslich  ganz 
aufhörte  sich  zu  zeigen.  Es  war  nihimehr  der  erste  Strei- 
fen au  beiden  Enden  ziemWcYi  «d^tl  V^^^^iil  übrig  ge- 


461 

bliebe».  Hier  war'  die  Dauer  der  sichtbaren  Entladanf;  eia 
Minimam  geworden.  Mit  weiterer  Vergröfserung  des  Wi- 
derstandes dehnte  sich  die  Breite  des  Streifens  rasch  wei- 
ter aus.  Das  Licht  nahm  besonders  gegen  das  Ende  an 
Intensitit  ab,  und  von  einer  scharfen  GrSnze  war  keine 
Rede  läehr.  Es  trat  die  Erscheinung  ein,  wie  ich  sie  schon 
früher  wiederholt  beobachtet:  die  continuirliche  Entladung, 
wie  Fig.  I4bis'19  Taf.  VII  sie  veranschaulicht«  Der  Punkt, 
wo  nur  ein  Streifen  übrig  geblieben  ist,  und  dieser  an 
Breite  noch  nicht  wesentlich  zugenommen  hat,  ist  derselbe 
Wedde^tankt,  den  ich  schon  bei  kurzem  Leitungsdraht  als 
einen  Wendepunkt  ffir  die  Dauer  der  Totalentladung  ge- 
funden habe.  Den  zugehörigen  Widerstand  —  der  hier 
freilich  bei  derselben  Flaschenzahl  weged  des  veränderten 
Sdliefsungsbogens  von  dem  früheren  verschieden  ist  — 
nannte  ich  den  Gräwitoiderstand  für  die  oscillatorische  Ent- 
ladung. *  Derselbe  ISfst  sich  hier  weit  schärfer  bestimmen, 
als  früher,  weil  das  Aufhören  des  zweiten  Streifens  einen 
besseren  Anhalt  der  Bestimmung  bietet,  als  die  abzu- 
schätzende Länge  allein.  Ich  darf  hier  nicht  verschweigen^ 
dais  doch  noch  kleine  Schwankungen  unter  denselben  Bedin- 
gungen des  Experimentes  zu  beobachten  waren.  Dieselben 
waren  aber  nicht  so  grofs,  um  eine  ziemlich  sichere  Bestim- 
rnuDg  des  Gräm9wider9tand&$  zu  verhindern.  Aus  der  Einsidit 
folgender  Beobachtungszahlen,  die  sich  auf  verschiedene 
FlascheD  beziehen,  wird  man  übrigens  auch  die  nicht  ganz 
beseitigte  Unsicherheit  ihrer  Gröfse  nach  beurtheilen  können. 

1.  Flasche. 
GssamiDiwider- 
lUnd  der 
Lcitqng'). 

0,007  circa  6  Streifen  je  3"»  bis  4"»  breit 

0^009  drca  5  Streifen 

0,012  4  Streifen 

0,019  3  Streifen 

1)  lo   Meter  «ines   !■■*   dickea   Fadcas    verddaaier  SckwcfeUS^xa«    iak!|2t- 


48S 

G«Mfiiiiitwi(iflr^ 
•fand  d.  Lcituof . 

0,026  2  Streifen,  zuweilen  3  Streifen 

0,035  2  Streifen  (wenigstens) 

0,045  2  Streifen 

0^049  1  Streifen  von  gegen  4""  Breite  meist  An- 

'  deatung  des  zweiten. 

0,058  1  Streifen,  3  bis  4™  breit ,  mit  einem  scharf 

begränzten  Ende 

0,063  l  Streifen,  mit  meist  scharf  begränztem  Ende 

0,068  l  Streifen,  das  Ende  wesentlich  lichtschwft- 

cber.  Breite  scheint  gröber 

0,072  1  Streifen,  schon  4""  bis  5"*  breit 

0,077    .        1  Streifen,  5—  bis  6—  breit 

0,091  1  Streifen,  5"  bis  7"  breit  mit  matt  ver- 

laufendem Ende 

0,105  Die  continuirliche  Entladung  ist  zu  6  bis  10"" 

ausgedehnt 

1  (ungefähr)  Die  continuirliche  Entladung  ist  zu  30  bis  50"" 

ausgedehnt. 

II  Flascheo. 

0,014  3  Streifen 

0,025  2  Streifen,  der  letzte  schon  bedeutend  licht- 

schwächer 
0,036  1   Streifen,    zuweilen   eine   Andeutung    des 

zweiten 
0,041  1  Streifen,  stets  allein,  circa  3""  breit.  Dauer 

0",00002 ') 
0,04S  1  Streifen,  scheint  schon  etwas  breiter,  als 

vorher 
0,071  I  Streifen,  5  bis  6""  breit. 

VI  Flaschen. 

0,014  2  Streifen 

0,018  2  Streifen,  noch  vollständig 

1)  Die  AoUtioDigeschwiDdi^Wt  d«i  S^Vcf^^  ^^  ^v«^«t  wA  d«A  lolfen- 
dea  Fiascheocombinalionen  ^m  em  uaA  ^\tM^^ 


4» 

Gcftaimtwider- 

stanil  d.  LeiiuDf. 

0,021  2  Streifen,  der  zweite  bedeutend  lichtschwtt- 

eher 

0,025  l  Streifeu,  gegen  5-"  breit.    Dauer  0",00(M)3 

0,031  I  Streifen,  scheint  schon  breiter 

0,036  1  Streifen,  schon  um  das  1  \  bis  2  fache  breiter 

0,048  I  Streifen,  circa  10"  breit 

0,071  I  Streifen,  circa  13*"  breit. 

VIII  PlaacfaeD. 
0,011  a  Streifen 

0,014  2  Streifen,    der   zweite    licbtschwieher,    als 

vorher 
0,016  1  Streifen,  der  zweite  kaum  angedeutet 

0,018  1  Streifen,   nicht  breiter  geworden.     Dauer 

0",00004 
0,021  1  Streifen,   eine  entschiedene  Verbreiterung 

noch  nicht  bemerkt 
0,025  1  Streifen,  mit  geringer  Verbreiterung. 

XVI  FJascben. 

0^004  2  Streifen  (zuweilen  3),  der  erste  scheint  oft 

I^Mal  so  breit  ak  jeder  der  anderen,  der 
letzte  läuft  oft  in  einen  Schweif  aus 

0,007  2  Streifen 

0,011  2  Streifen 

0,014  1  Streifen.    Dauer  0",00006 

0,018  1  Streifen,  scheint  schon  breiter,  als  zuvor. 

0,021  1  Streifen,  entschieden  breiter 

0,025  1  Streifen,  etwa  14  bis  2  Mal  so  breit,  als  bei 

0,014  Meter  Widerstand. 

Ich  denke,  man  wird  aus  vorstehenden  Beobachtungen 
deatlidi  erkennen,  dafis  der  Wendepunkt  för  die  Daner 
der  Entladung  zugleich  derjenige  Punkt  ist,  wo  die  Thei- 
lung  des  verbreiterten  Funkenbildes  in  Partialstreifen  auf- 
hört. Die  Beweise,  dafs  jene  Streifen  mit  Recht  den  K«^> 
men  vom  OsoUatJonastreifen  fflhren  k&nneii,  d^t»  \«d«f  «^\i- 
Mdae    OßdHaüoDsatreifen    durch    einen    eiiV|^e%e\i%e«^ViX-^^ 


4M 

Strom  gebildet  wird,  wie  der  ▼orhergehende  und  nachfol- 
geode,  und  dafs  daher  die  erste  Art  der  Eotladong  mit 
Recht  ant  den  Namen  der  oscittatoriieken  Entladung  An- 
spruch machen  kann  '),  behalte  ich  spftteren  Mittheilopgen 
vor.  Dort  werde  ich  auch  nach  vortrefflich  gelungenen 
Photographien  zahlreiche  Abbildungen  von  der  osdllatori- 
schen  Entladung  geben,  wie  ich  sie  durch  den  Spiegelap- 
parat erhalten  habe.  Nehmen  wir  aus  vorstehenden  Beob- 
achtungen den  Grän%fD%der$tand  für  verschiedene  Flaschen- 
zahl,  80  erhalten  wir  die  Tabelle,  welche  schon  in  diesen 
Annalen  Bd.  CXII,  S.  453  zu  finden  ist,  die  ich  aber  hier 
des  Zosammenhanges  wegen  wieder  folgen  lassen  nmiisi 

GrSDswiderftand 

ber.  Di(r. 

0,056  +  0,002 

0,040  +  0,001 

0,028  —  0,003 

0,020  —  0,002 
0,014  0 

Aus  diesen  Zahlen  sieht  man  nicht  allein,  dafs  der 
Grän%u>%dersiand  mit  zunehmender  elektrischer  Oberfläche 
abnimmt,  sondern  man  erkennt  auch  ein  Gesetz  dieser  Ab- 
nahme; dann  berechnet  man  die  Werthe  nach  der  Formel 

1)  In  den  kürzlich  ▼eröfTenllichtcn  Untersuchungen  des  Dr.  Paalsow  fin- 
det derselbe  durch  die  Geifsler' sehen  Hdhreo  eine  Flaschenenüedimg, 
in  welcher  entgegengeselste  Ströme  auftreten.  £r  nennt  diese  EotUdnng 
die  »aiternirende^.  Nach  wenigen  yergl eichenden  Versuchen  mit  dem 
Rotationsapparat  scheint  sie  nicht  ganz  dasselbe  eu  bezeichnen,  als  die 
oscitiatorische  Entladung,  denn  die  eingeschaltete  Röhre  deutete  in 
keinerlei  Weise  jenen  Wendepunkt  der  Entladung  an.  Wenn  dob  die 
Geifsler'schen  Röhren  in  der  That  nicht  geeignet  seyn  sollten,  den 
Granzwidcrstand  zu  bestimnifn,  so  dürfte  man  auch  das  später  von  mir 
angeführte  Resultat,  dafs  keine  wesentliche  VerSnderung  des  GrSntwi- 
derslandes  mit  der  Schiagweile  stAltfindet ,  nicht  mit  den  Resulcäteo  des 
Dr.  Paalzow  vergleichen.  Aus  obigen  GrQnden  würde  ferner  meine 
ncontinuiriiche'^  Entladung  nicht  überall  dasselbe  sejn  können,  \n^  die 
»normale«  Art  der  Entladung  des  Dr.  Paalzow,  auch  abgesehen  davon, 
dafj  in  letzlerer  wahrscheinlich  aolserdem  noch  die  von  mir  schon  früher 
Dac&^wieseoe  ^initrmittirende''  YM^^!Ax0b\  tiAv  vcAM^edfen  seyn  würde. 


FlwcbenuU 

iMok. 

1 

0,058 

2 

0,041 

4 

0,025 

8 

0,018 

16 

0,014 

465 

WO  10  der  GräDzwidentaod,  a  eine  Constante  und  $  die 
elektrische  Oberfläche  —  die  Capacitftt  der  angewendeten 
Flaschen  —  bezeichnet,  so  erhält  man  Diflferenzen,  welche 
durchaus  innerhalb  der  Gränzen  der  Beobachtuugefehler 
liegen. 

Erinnert  man  sich  an  das  Minimum  der  Entladongflh 
dauer,  wie  ich  es  bei  kurzem  Schliefsungsbogen  (von  6  bis 
7  Meter  Länge)  an  zwei  Flaschen  gefunden  habe  *),  und 
bedenkt  man,  dab  bei  den  zuletzt  angeführten  Versuchen 
ein  Leiter  von  gegen  1400  Meter  Länge  eingeschaltet  war, 
so  ersieht  man  zugleich,  dafs  der  Grämmderttand  mit  zu- 
nehmender Lauge  eines  mit  möglichster  Vermeidung  der. 
Indaction  aufgespannten  Leiters  ebenfalls  langsam  zunimmt. 

Dm  Emfmft  der  Schlagweite  auf  die  Gröfse  des  Oräna- 
wideretamdee  suchte  ich  auf  dieselbe  Weise  zu  ermitteln, 
und  fand ,  indem  ich  die  Schlagweite  von  l }  bis  6*^,  spä- 
ter bis  8""  rariirte,  keine  merkliche  Veränderung  in  der 
Gränze  für  die  oscillatorische  Enlladung.  Mit  derjenigen 
Sicherheit,  welche  diesen  Beobachtungen  entspricht,  habe 
ich  daraus  geschlossen:  dafs  die  Gränze  der  oscillatorischen 
Entladung  überhaupt  unabhängig  ist  eon  der  Höhe  der 
Ladung. 

Die  Abhängigkeit  jener  Gränze  von  der  Gröfse  der  elek- 
trischen Oberfläche^),  sowie  von  der  Länge  (oder  richti- 
ger gesagt,  von  den  säuiiDtlicben  luductionswirkungen)  des 
Leiters  betrachte  ich  hiermit  als  erwiesen,  ebenso  nehme  ich 
die  Unabhängigkeit  von  der  Schlagweite  an;  allein  die  Un- 
abbingigkeit  von  der  Natur  des  Leiters,  welche  ich  bisher 

1)  Dm    MiDimam   trat   bei   einem   Schwefelsaare-WiderfUnde   von   etwa 

0,009  Meter  red.  S  =s  LSnge  ein ,  welcher  letztere  aho  in  jenem  Falle 
alleip  den  Gränzmdersiand  bildete,  and  dem  eine  Entladangsdaaer 
▼on  0^\000001   entsprach. 

2)  Diiff  der  GrSnawiderstand  auch  von  der  Dicke  und  BeschafTcnheit  der 
itolircnden  Schicht  abhängig  sejrn  wird,  leidet  wohl  keinen  Zw«(C«l^ 
wenn  icb  auch  darüber  keine  ipeciellen  Vcrtuche  a^n^f^xcWv  WVk«. 

Psfgmdorß's  Aanal.  Bd.  CXm.  i^^ 


11  PlUChOB'). 

0,U15  Meter 

2  Streifen,  zuweileu  3  Streifen,  wovooll^w 

letzte  sehr  lichtscbwach 

0,029 

2  Streifen ,   wovon    der    letzte  sehr   Jic^- 

echwach;  zuweilen  nar  1  Streifen 

0,037 

1   Streifen 

0^045 

1  Streifen,   Kbi«n    schon  w  Bmte  ctiru 

zazanehmen. 

dieielbc.    wie 

rÜher   b«    ADWcnduDg    einer    Klliclic,    toD  der   bü  dn 

ithiedcii,   M   dtt.  ticb   dU   bei   S  Fl>- 
[  niclii   mit  lUn   ftähcrcD   irW|Wi<hBi 


4ev 

Vni  FiMOheo. 
Widcnund. 

0,010  Meter    2  Streiken ,  selten  einer  allein 

0^015  1  Streifen,  ohne  Andeutung   des   zweiten, 

etwa  H*"  breit 
0,022  1  Streifen,  scheint  wenig  verlängert  (etwa 

li«  breit) 
(^045  I  Streifen,  mehr  als  doppelt  so  breit,  wie 

bei  0,015  Widerstand. 

Man  sieht  hierans,  dafs  die  verdünnte  Schwefelstare 
dorch  einen  Neusilberdraht  vollkommen  ersetzt  werden  kann 
nd  dafk  hei  den  Entladungen  der  Leidner  Flasche  durch 
nüeeigkeiien  (in  denen  natürlich  kein  Funke  auftreten  darf), 
hrnne  PolarisaHonserMcheinung  in  denselben  eine  merkliche 
Wirhmg  äufsert;  denn  dann  müfste  bei  Anwendung  des 
Kensllberdrahtes  ein  gröfserer  Widerstand  für  die  GrSnze 
Ic^  ascUlaiorischen  Entladung  gefunden  werden,  wie  bei 
Sfaiachaltiing  von  flüssigen  Widerständen,  während  aus  den 
Beobachtungen  eher  hervorgehen  würde,  dafs  der  fifräiistot- 
terstand  mit  dem  Neusilberdrahte  umgekehrt  ein  etwas  klei- 
lerer  ist.  Diese  geringe  Abweichung,  die  übrigens  schon 
^st  innerhalb  der  Gränze  der  Beobachtungsfehler  liegt, 
Hlrfte  wohl  als  eine  unwesentliche  zu  betrachten  seyn,  her- 
rorgebracht  vielleicht  durch  mangelhafte  KenntniCs  der  Wi- 
lerstflnde.  Es  ist  ja  hinreichend  bekannt,  wie  grofse  Ab- 
areiclHnigen  die  Angaben  verschiedener  Beobachter  an  me- 
alliscben,  besonders  aber  an  flüssigen  Widerständen  zeigen. 


30* 


4» 

legt  Ich  erhielt  bei  dieser  Analyse  0,8342  Gnn.  Kiesel- 
sSure  oder  654^  Proc  Nachdem  darauf  die  Thonerde  durch 
Ammoniak  abgeschieden  worden,  erzeugte  sich  in  der  fii- 
trirlen  Flüssigkeit  durch  ozalsaures  Ammoniak  eine  geringe 
Trabung.  Durch  starkem  Glühen  der  Oxalsäuren  Kalkerde 
erhielt  ich  0,0023  Grm.  Kalk  erde  oder  0,18  Proc. 

Der  geschmolsene  Feldspath  wurde  einer  gleichen  Un- 

^    (ersachung  unterworfen.     Aus  1,4894  Grm.  desselben  er- 

l  hielt  ich  0,9626  Grm.  Kieselsäure  oder  64,63  Proc.  and 
ebenfalls  eine  geringe  Menge  Kalkerde,  deren  Gewicht  in- 
deasen  nicht  bestimmt  wurde. 

Da  in  neuerer  Zeit  von  AL  Mitscherlich  in  manchen 

I  Fddapithen  Bar jterde  aufgefunden  worden  ist ' ),  so  wurde 
auch  der  Fekkpatb  von  Lomniti  darauf  untersucht.  In  der 
▼on  der  oxalaaoren  Kalkerde  abfiltrirten  Flüssigkeit  wurde 
iudeasen  durch  verdünnte  Schwefelsäure  keine  Trübung  er- 

^  sengt  Auch  YaL  Rose  hatte  bei  seiner  Untersuchung  keine 
Baryterde  so  wie  auch  keine  Strontiauerde  im  Lomnitaer 
Fcddspath  auffinden  können. 

Aus  sMinmi  Untersuchungen  ergjebt  sich  wohl  unzwei- 
deutig, da(s  der  Feldspath  beim  Schmelzen  keine  wesent- 
liche Verinderung  in  seiner  Zusammensetzung  erleidet. 

1)  Pof  g.  AnD.  Bd.  in,  S.  351. 


r. 


RedadioD  der  telhirkbteD  Siure  dordi  fHiospltomlhle 
Sie  Xann  jeäveh  ganz  ^ollalAndlg;  erf^M) 
so  wie  bei  dieser  verf^ihrt ' ). 

AbacheldDog  dM  Scieni  aiu  LSBOpg«n  tod  SelencjamkaBum 
Man  kann  das  Selen  io  seinen  Verbindungen,  wie  dieli 
schon  Oppenbeim  gezeigtHint - ) ,  auf  die  Weise  beslin- 
inen,  dafs  man  dieselben  mit  CyankaliutD  Bcbmekt,  die  f^ 
Bchmolzene  Masse  in  Wasser  auflöst  und  die  LOeaug  darck 
verdünnte  ChlonvasscrsloffsSure  QbersStligt,  wodurch  du 
Selen  vollsttiudig  geßtllt  wird.  Wenn  mau  reine  selenjdile 
Sütire  mit  C^ankalium  schmelzt,  so  ist  oft  ein  kleiner  Ver- 
lust von  Seien  nicht  zu  Termeirlen,  selbst  wenn  man  i> 
einem  Kolben  mit  langem  Halse  beides  zusammenBcbmelit, 
da  sich  etwas  selenicbte  Saure  verflachtigt,  ehe  das  Cyao- 

1)  Pogg.  kau.  Bd  m,  &.30-. 

2)  Joum.  (.  prakl.  Onrnw  ß&.IX 


473 

kaKom  anf  dieselbe  einwirkt  Es  ist  daher  nothweildig, 
wenn  man  das  Selen  der  selenicfaten  Säure  oder  der  Se- 
lensSure  vermittelst  Schmelzen  mit  Cyankalium  erhalten 
will,  dafs  man  die  Säure  mit  einem  kleinen  Ueberschufs 
von  kohlensaurem  Alkali  versetzt,  und  das  Ganze  bis  zur 
Trocknifs  abdampft.  Will  man  aus  neutralen  Salzen  das 
Selen  abscheiden,  so  ist  diefs  nicht  nothwendig. 

Die  abgedampfte  Masse  wird  mit  der  sieben-  bis  acht- 
fachen Menge  von  Cyankalium,  so  viel  es  sich  thun  lä&t, 
gefliengt;  ein  inniges  Mengen  ist  nicht  noth wendig.  Das 
Schmelzen  kann  entweder  in  einem  Kolben  mit  langem 
Halse  oder  audi  in  einem  Porcellantiegel  vor  sich  gehen, 
aber  immer  ist  es  nothwendig,  dasselbe  in  einer  Atmo- 
sphäre von  Wasserstoffgas  zu  bewerkstelligen.  Man  be- 
dient sich  dazu  der  Apparate,  welche  bei  der  Rednction 
des  Tellurs  durch  Cyankalium  beschrieben  worden  sind'). 
Obgleich  das  Selen  nicht  so  empfindlich  gegen  kleine  Men- 
g«  von  atmosphärischer  Luft  wie  das  Tellur  ist,  so  haben 
doch  vielfältige  Versuche  gezeigt,  dafs  man  nur  dann  ge- 
naue Resultate  erhält,  wenn  das  Schmelzen  im  Wasserstoff- 
strome vor  sich  geht.  Man  mufs  besonders  darauf  sehen, 
da(s  während  des  Erkaltens  nicht  kleine  Mengen  von  at- 
mosphärischer Luft  zu  der  geschmolzenen  Masse  dringen. 
Das  Schmelzen  geschieht  schon  bei  einer  Temperatur,  bei 
welcher  weder  der  Porcellantiegel  noch  der  Glaskolben 
durch  das  Cyankalium  angegriffen  wird. 

Die  geschmolzene  Masse  ist  von  brauner  Farbe;  sie 
lOst  sich  Todetändig  in  Wasser  zu  einer  farblosen  Lttoung 
auf.  Man  verdünnt  dieselbe  mit  nicht  zu  vielem  Wasser, 
and  erhitzt  sie  längere  Zeit  bis  zum  Kochen,  darauf  läfst 
man  sie  erkalten,  tibersättigt  sie  mit  Chlorwasserstoffsäure 
und  erhitzt  einige  Zeit  hindurch  wieder.  Nach  12  oder  21 
Stunden  hat  sich  alles  Selen  vollständig  ausgeschieden,  wor- 
auf man  es  filtrirt.  Das  ausgewaschene  Selen  trocknet  man 
bei  100"  und  bestimmt  sein  Gewicht. 

i;  Pogg.  Ana.  Bd.  112,  ^.308. 


474 

Es  ist  durchaus  iiothwcndig,  dafs  man  genau  so  verfährt, 
wie  es  so  eben  angegeben  worden  ist.  Verdünnt  man  mit 
vielem  Wasser,  so  scheidet  sich  das  Selen  schwerer  und 
weit  langsamer  ab. 

Die  Auflösung  der  getehmolzenen  Masse  enthftlt  Selen- 
Gjankalium,  aber  neben  demselben  noch  etwas  Selenkalium. 
Wird  daher  die  L(toung  sogleich  mit  verdünnter  Cblorwaa- 
serstoffsäure  übersättigt,  so  entweicht  Selen wasserstofTgas 
und  ein  über  der  Oberfläche  gehaltenes  Papier,  das  mit, 
einer  Blciozjdlösung  getränkt  worden  ist,  wird  gebräunt; 
auch  wird  da&  Deckglas  mit  einem  rothen  Ueberzug  von 
Selen  überzogen,  das  sich  aus  dem  Selenwasserstoffgas  abge- 
schieden hat.  Diefs  ist  nicht  der  Fall,  wenn  die  wässerige 
Lösung  der  geschmolzenen  Masse  vor  der  Uebersättigung 
mit  ChlorwasserstofCsäure  erhitzt  wird;  das  Selenkalium  in 
derselben  wird  dann  durch  das  überschüssige  Cjankalium  in 
Selencjankalium  verwandelt. 

Ob  die  geschmolzene  Masse  in  allen  Fällen  schon  Se- 
lencjankalium oder  nur  Selenkalium  enthält,  das  sich  erat 
bei  der  Auflösung  in  A/V  asser  in  Selencjankalium  verwan- 
delt, lasse  ich  dahin  gestellt. 

Mau  erhält  nach  dieser  Methode  sehr  genaue  Resultate. 
In  der  vom  Selen  abfiltrirten  Flüssigkeit  ist  gewöhnlich  kein 
Selen,  oder  es  sind  nur  äufserst  geringe  Spuren  davon  zu  ent- 
decken, die  als  selenichte  Säure  dann  enthalten,  und  durch 
schweflichte  Säure  abzuscheiden  sind'). 

Als  Hr.  Fi n kener  0,586  Grm.  selenichte  Säure  (welche 
0,417  Grm.  Selen  enthalten)  mit  Cjankalium  in  einem  be- 
deckten Porcellantiegel  geschmolzen,  und  die  Lösung,  welche 
auch  vorher  nicht  erhitzt  worden  war,  mit  Chlorwasser- 
stofCsäure übersättigt  hatte,  erhielt  er  nur  0,279  Grm.  Selen, 

I )  Aus  einer  sehr  verdünnten  Lösung  dt»  Selencjankaliums,  aus  welcher 
sich  durch  UebersSitigung  mit  verdünnter  Chlorwasserstofisaure'  das  Selen 
sehr  langsam  absetzt,  scheidet  sich,  wenn  des  Selen  abfiltrirt  worden  ist, 
noch  eine  Spur  von  Selen  durch  langes  Stehen  ab.  Dasselbe  ist  merk- 
würdiger Weise,  che  es  sich  abgcsctat  hat,  von  blauer  Farbe  und  hat 
i»ci  4 '"/'^ "^einendem  Lichie  einen  rothen  Schimmer. 


475 

oder  nur  66,9  Proc.  tod  der  Menge»  die  er  hatte  erhalten 
Büflssen. 

Als  auf  ähnliche  Weise  1,950  Gnn.  selensaure  Barjterde 
(welche  0,551  Grm.  Selen  enthalten)  mit  ungeC&hr  12  Grm. 
Cjankaliuin  auf  ähnliche  Weise  bebandelt  wurden,  erhielt  Hr. 
Fink  euer,  da  sich  hierbei  keine  selenichte  Säure  verilttch- 
tigen  konnte,  eine  gröfeere  Menge  von  Selen,  und  zwar 
0,510  Grm.,  ako  92,56  Proc.  Als  die  geschmolzene  Masse 
in  Chlorwasserstoflsäure  bei  gewöhnlicher  Temperatur  ge- 
lAst  wurde,  konnte  eine  schwache  Entwicklung  von  Selen- 
wasserstoffgas bemerkt  werden. 

Es  wurden  darauf  0,520  Grm.  selenichte  Säure  (in  wel- 
chen 0,370  Grm.  Selen  enthalten  sind)  mit  der  zehnfachen 
Menge  von  Cjankalium  in  einem  Kolben  mit  langem  Halse 
durch  Umschütteln  gemengt,  das  Gemenge  mit  einer  Schicht 
von  Cjankalium  bedeckt  und  in  einer  Atmosphäre  von 
Wasserstoffgas  geschmelzt.  Vor  dem  Schmelzen  trat  einige 
Male  eine  kleine  Verpuffung  ein,  wodurch  etwas  Selen  aus 
dem  Kolben  entwich,  dessen  Hals  dadurch  auch  mit  Selen 
überzogen  wurde.  Die  Lösung  der  geschmolzenen  Masse 
wurde  gekocht,  dann  mit  Wasser  stark  verdünnt,  und  durch 
Chlorwasserstoffsäure  übersättigt.  Es  wurden  nur  0,334 
Grm.  Selen  oder  90,27  Proc  von  dem  Selen  erhalten,  das 
in  der  angewandten  selenichten  Säure  enthalten  war.  Aus 
der  vom  Selen  getrennten  Flüssigkeit  konnten  durch  schwef- 
lichte Säure  noch  0,005  Grm.  oder  1,35  Proc  Selen  abge- 
schieden werden.  ^ 

Als  endlich  aber  0,354  Grm.  selenichter  Säure  (die 
0,252  Grm.  Selen  enthalten)  mit  einer  Lösung  von  kohlen- 
saurem Natron  übersättigt  bis  zur  Trocknifs  abgedampft, 
unter  den  beschriebenen  Vorsichtsmafsregeln  mit  Cjan- 
kalium in  eJnem  Kolben  mit  langem  Halse  in  einer  Atmo- 
sphäre von  Wasserstoffgas  geschmolzen  wurden,  erhielt 
Hr.  Fin kener  0,2525  Grm.  Selen,  also  die  richtige  Menge 
oder  vielmehr  100,2  Proc  von  der  Menge  des  Selens,  die 
in  der  angewandten  Säure  enthalten  war.  In  der  vom 
Selen  abfiltrirten  Flüssigkeit  konnte  noch  ein<^,Sv^^T  ^^vl 


477 

eben  Gewidite  von  Chlorkalium  oder  von  Chlornatriam. 
Dieser  Ziuatz  ist  DOthwendig,  weil  dadurch  das  Gemenge 
leichter  schmilzt,  and  der  Tiegel  weniger  angegriffen  wird. 
Man  bedeckt  das  Ganze  noch  mit  einer  Schicht  des  alka- 
lischen Chlormetalls  und  schmelzt  es  in  einer  Atmosphäre 
TOD  W^sserstoflgas.  Das  Schmelzen  geschieht  bei  einer 
nidit  zu.  niedrigen  Temperatur;  man  Ififst  es  eine  Viertel- 
stunde dauern,  und  sieht  sorgfältig  darauf,  dafs  die  Erkal- 
toDg  in  einem  raschen  Strome  von  Wasserstoffgas  geschieht. 
Die  geschmolzene  röthlichbraune  Masse  wird  in  Wasser 
aaijgelöst.  Die  mit  nicht  zu  wenigem  Wasser  verdünnte 
LAsung  ist  anfangs  schwach  gefärbt.  Man  leitet  durch  die- 
selbe einen  langsamen  Strom  von  atmosphärischer  Luft, 
wodurch  die  Farbe  der  FiQssigkeit  dunkelbraun  wird  und 
endlich  alles  Selen  sich  vollständig  ausscheidet,  das  nach 
18  bis  20  Stunden  filtrirt  werden  kann.  Nach  dem  Aus- 
waschen wird  es  bei  100 '  getrocknet. 

Durch  das  Schmelzen  der  Masse  im  Porcellantiegel  ist 
die  Glasur  desselben  gewöhnlich  stark  angegriffen  worden, 
and  es  haben  sich  Stücke  derselben  abgelöst..  Man  mufs 
deshalb  den  Porcellantiegel  vor  dem  Versuche  und  nach 
demselben  wägen.  Den  Gewichtsunterschied,  der  in  abge- 
lösten Porcellanstücken  besteht,  zieht  man  von  dem  Ge- 
wichte des  erhaltenen  Selens  ab.  Man  kann  auch  das  Se- 
len in  Salpetersäure  auflösen  und  die  ungelösten  Porcellan- 
atficke  ihrem  Gewichte  nach  bestimmen.  Das  Gewicht  der- 
selben stimmt  immer  mit  dem  Verluste  des  Porcellantiegels 
flberein ,  wie  diefs  auch  bei  dem  Schmelzen  der  Tellurver- 
bindnngen  mit  kohlensauren  Alkalien  der  Fall  ist. 

Da  diese  Versuche  nicht  in  einem  Glaskolben  mit  lan*  . 
gern  Halse  angestellt  werden  können,  so  erhält  man  nicht 
ein  so  genaues  Resultat  wie  durchs  Schmelzen  mit  Cyan* 
kalinDi. 

Hr.  Finken  er  erhielt  durchs  Schmelzen  von  (M637Grm. 
selenichter  Säure  ,( welche  0,3303  Grm.  Selen  enthalten)  mit 
kohlensaurem  Natron -Kali,  nachdem  die  Säure  durch  koK- 
lensanres  Natron  gesättigt  worden  war,  in  eVa^T  kVcEkOv^Vsto^ 


479 

IMS  Flasdie  mit  concentrirtem  AmmoDiak  behandelt  Der 
Vereach  middang,  doch  war  das  erhaltene  Resultat  nicht 
uointeressaDt.  Da  bei  der  Lösung  des  Schwefelarsenik's  in 
Ammoniak  sich  Schwefelammonium  bildet,  so  löste  dieses 
deo  Schwefel  des  Schwefelselens  auf,  fast  die  ganze  Menge 
das  Selens  blieb  als  ein  schwärzliches  Pulver  zurück  und 
nur  sehr  wenig  davon  wurde  von  dem  gebildeten  höheren 
Schwefelammonium  aufgenommen.  Das  schwärzliche  Pulver 
des  Selens  in  Salpetersäure  gelöst,  gab  vermittelst  schwef- 
lichter Säure  0,545  Grm.  Selen  oder  93,91  Proc.  von  der 
angewandten  Menge,  es  hatten  sich  daher  nur  6,09  Proc.  von 
demselben  im  Schwefelammonium  aufgelöst. 

Ebenso  mifslangen  die  Versuche,  auf  eine  ähnliche  Weise 
selenichte  und  tellurichte  Säure  von  einander  zu  scheiden. 
Sie  mifslangen,  weil  das  Schwefelteilur  in  Ammoniak  zwar 
nicht  wie  das  Schwefelselen  unlöslich,  aber  doch  fast  un- 
lödich  ist.  Es  wurden  0,682  Grm.  Selen  und  0,627  Grm. 
Tellur  in  Salpetersäure  gelöst,  und  durch  die  stark  ver- 
dünnte Lösung  Schwefelwasserstoffgas  geleitet.  Das  Schwe- 
feltellur wurde  dadurch  früher  als  das  Schwefelselen  ge- 
füllt. Die  Mengung  beider  Schwefelverbindungen  von 
schwarzer  Farbe  wog  nach  dem  Trocknen  2,163  Grm.;  was 
der  berechneten  Menge  2,175  Grm.  (1,2345  Grm.  Schwefel- 
selen, SeS^y  und  0,9405  Gnn.  Schwefeltellur,  TeS"")  nahe 
kommt.  Die  Schwefelverbindungen  wurden  durch  das 
Ammoniak  »nfangs  fast  gar  nicht  benetzt;  und  es  wurde 
nur  sehr  wenig  Schwefelteilur  aufgelöst. 

Wenn  man  nicht  überzeugt  seyn  kann,  dafs  das  erhal- 
tene Schwefelselen  rein  sey,  und  wenn  man  eine  Einmen- 
gnng  von  Schwefel  darin  vermuthet,  so  mufs  die  Menge 
des  Sdens  in  ihm  durch  einen  Versuch  gefunden  werden. 
Man  ozydirt  es  noch  im  feuchten  Zustande  mit  dem  Fil- 
tmn  mit  Königswasser  oder  besser  mit  Chlorwasserstoff- 
säartt  mit  einem  Zusätze  von  chlorsaurem  Kali.  Auch  durch 
rancheude  Salpetersäure  kann  bei  gehöriger  Behandlung  eine 
voUftSndige  Ijöenng  des  Schwefelselens  erfolgen.  L^vdbl 
und  schnell  indessen  kann  das  Schwefelseleü  oxydÄtX.  ^«c- 


48f 

• 

oijds  g)Qht|  verwandelt  sich  zwar  der  gröCste  Theil  der 
selenichten  Säure  in  SelensSure,  aber  es  entweicht,  auch 
wenn  man  die  Temperatur,  welche  zur  Zerstörung  des  Sal- 
petersäuren Bleioiyds  noth wendig  ist,  nicht  überschreitet, 
selenichte  Stture,  welche  zum  Theil  an  den  concaven  Pla- 
tindeckel sich  sublimirt,  mit  welchem  man  den  Porcellan- 
tiegel  bedeckt  hat,  in  welchem  das  Erhitzen  geschieht. 

Als  0^745  Grm.  Selen  in  Salpetersäure  gelöst  und  mit 
einer  gewogenen  Menge  von  Bleioxjd  abgedampft  und  er- 
hitzt wurden,  wurden  nur  1,194  Grm.  Selenstture  erhalten 
statt  1,6666  Grm.,  also  nur  76,22  Proc.  von  der,  die  hätte 
erhalten  werden  müssen. 

Bei  Wiederholung  des  Versuchs  wurde  kein  grofser 
UeberschufiB«  von  Salpetersäure  und  etwas  mehr  Bleiozjd 
angewandt,  als  zur  Sättigung  der  Säuren  hinreichte.  Aus 
0,6935  Grm.  Selen,  welche  1,115  Grm.  Selensäure  eutspre- 
cheOi  wurden  nur  1,006  Grm.  von  derselben,  also  90,22 
Proc;  erhalten. 

Beslimmiiog  der  Selensäure. 

Allgemein  pflegt  man  die  Selensäure  aus  neutralen  oder 
aus  sanren  Lösungen  als  selensaure  Barjrterde  zu  fällen, 
und  aus  dem'  Gewichte  derselben  das  der  Selensäure  zo 
berechnen.  Man  nimmt  an,  dafs  die  selensaure  Barjterde 
in  Wasser  und  in  verdünnten  Säuren  fast  eben  so  unlös- 

.   lieh  sej,  als  die  schwefelsaure  Barjterde. 

Diese  Methode  der  Bestimmung  der  Selensäure  ist  aber 

>  ganz  za  verwerfen,  und  zwar  vorzüglich  aus  zwei  Ursa- 
chen. Die  selensaure  Baryterde  hat  in  einem  weit  gröfse- 
ren  Grade  als  diefs  bei  der  schwefelsauren  Barjterde 
der  Fall  ist,    die   Neigung  sich  mit  anderen  Salzen    und 

'   zwar  nicht  nur  mit  etwas   schwerlöslichen,  sondern  auch 

.  mit  leicht  löslichen  so  innig  zu  yerbinden,  dafs  diese 
nicht  durch  Behandlung  mit  heifsem  Wasser  zu  trennen  sind. 
Wenn  man  so  lange  ausgewaschen  hat,  dafs  im  Waschwas- 
ser  keine  Spuren  von  Baryterde  vermittelst  vetdiiw^VAx 
Schwefelsäure  zu  entdecken  sind,  so  könneii  m-Aet  «o»%%- 

PofgeodorifB  Ann,  Bd.  CXUl.  ^^- 


482 

wascbenen  selensauren  Barjrterde  nidit  onbedeateiide  Men- 
gen von  Cblorbarjum,  vou  salpetersaurer  Barjterde,  ron 
cblorsaurer  Barjterde  und  Ton  anderen  Barjterdesahen 
enthalten  seju. 

Dann  ist  ferner  die  selensaure  Barjterde  durcbaoa  nicht 
so  unauflöslich  wie  die  schwefelsaure  Barjterde,  nament- 
lich nicht  in  verdünnten  Sfturen. 

Hat  man  durch  ein  Barjterdesalz  aus  einer  LOsung  die 
Selensfiure  gefhllt  und  fügt  man  darauf  Alkohol  hinui,  unge- 
fähr ein  Sechstel  vom  Volumen  der  Flüssigkeit  oder  so  viel, 
dafs  durch  denselben  die  vorhandenen  Barjterdesalze,  wie 
salpetersaure  Barjterde,  Chlorbarjum  u.  s.  w.  nicht  ge- 
fällt werden  können,  so  erhält  man  wiederum  einen  nicht 
unbedeutenden  Niederschlag  von  selensanrer  Barjterde,  aber 
wiederum  gemengt  mit  den  Salzen  von  allen  Säuren,  welche 
in  der  Auflösung  enthalten  sind. 

Aber  dennoch  ist  die  Seleusäure  nicht  vollständig  ge- 
fällt worden.  Wird  nämlich  aus  der  Flüssigkeit,  welche 
von  diesem  Niederschlage  abfiltrirt  worden  ist,  die  Barjt- 
erde durch  verdünnte  Schwefelsäure  entfernt,  verjagt  mao 
von  der  von  der  schwefelsauren  Barjterde  getrennten  Lö- 
sung den  Alkohol  durch  gelindes  Erhitzen,  so  können  in 
derselben  nicht  unbedeutende  Mengen  von  Selensäure  nach- 
gewiesen werden,  wenn  man  dieselbe  durch  Chlorwasser- 
stoffsäure in  seleuichte  Säure  verwandelt,  und  aus  dieser 
durch  schweflichle  Säure  das  Selen  abscheidet. 

Es  ist  nun  leicht  möglich,  dafs  man  bei  der  Fällung  der 
Selensäure  durch  ein  Barjterdesalz  ohne  Anwendung  von 
Alkohol  ein  scheinbar  richtiges  Resultat  erhält.  Denn  die 
selensaure  Barjterde  kann  verbunden  mit  so  viel  von  an- 
deren Salzen  gefällt  werden,  dafs  deren  Menge  gerade  so 
viel  beträgt,  als  von  der  selensauren  Barjterde  wegen  ihrer 
Löslichkeit  der  Fällung  entgeht.  Nur  auf  diese  Weise  läCst 
es  sich  erklären,  wie  in  neuerer  Zeit  Chemiker  bei  ihreo 
Untersuchungen  durch  die  Fällung  der  Selensäure  als  se- 
Jensaure  Barjterde  richtige  und  zufriedenstellende  Resul- 
tate erhalten  haben  V6nueu. 


483 

Eine  Reihe  voo  Versuchen  liann  diese  Angaben  bestä- 
tigen. 

Hr.  Finken  er  verwandelte  0,482  Grm.  gepulyertes  Se- 
len (welche  1,7084  Grm.  seleosaurer  Barjterde  entspre- 
chen) durch  Uebergiefsen  mit  einer  Lösung  von  Kalihj- 
drat  and  Hineinleiten  von  Cblorgas  vollständig  in  selen- 
saares  Kali.  Die  sehr  verdünnte  Lösung,  durch  Chlor- 
waaserstoffsäure  sauer  gemacht,  wurde  mit  Chlorbaryum 
g^fkllt.  Es  wurden  1,717  Grm.  selensaure  Barjterde  er- 
halten» die  aber  nach  dem  Glühen  und  der  Behandlung 
mit  verdünnter  ChlorwasserstofCsäure  nur  1,683  Grm.  wo- 
gen. Aus  der  filtrirten  Flüssigkeit  fällte  Alkohol  noch 
0,189  Grm.  selensaure  Baryterde,  deren  Grewicht  sich  aber 
nach  dem  Glühen  durch  die  Behandlung  mit  verdünnter 
Cblorwasserstoffsfiure  bis  auf  0,161  Grm.  verminderte.  Es 
waren  also  von  der  Menge  der  selensauren  Baryterde, 
welche  sich  hätte  bilden  sollen,  durch  die  erste  Fällung 
100^  Proc  erhalten,  die  sich  durch  Behandlung  mit  ver- 
dünnter Chlorwasserstoffsfiure  bis  auf  98,15  Proc  verrin- 
gerten. Durch  die  Fällung  vermittelst  Alkohols  wurden 
noch  11,06  Proc.  gewonnen,  die  sich  durch  Chlorwasser- 
stofÜBtture  bis  auf  9,38  Grm.  verminderten.  Im  Ganzen 
worden  also  111,56  Proc  selensaurer  Baryterde  im  unge- 
reinigten und  107,53  Proc  im  gereinigten  Zustand  erhalten. 

Bei  einem  anderen  Versuche  wurden  1,0435  Grm.  Selen 
in  Stücken  mit  etwas  Wasser  übergössen,  so  dafs  es 
fast  davon  bedeckt  wurde,  und  sodann  Chlorgas  hin- 
darchgeleitet.  Die  Lösung  des  Selens  geht  auf  diese  Weise, 
wenn  dasselbe  nicht  vom  Wasser  bedeckt  ist,  schneller 
vor  sich,  als  in  einer  Lösung  von  Kalihydrat.  Das  fort- 
gehende Chlor  wurde  durch  Wasser  geleitet.  Die  verei- 
nigten Flüssigkeiten  wurden  sehr  verdünnt,  mit  Chlorgas 
nochmals  übersättigt,  und  darauf  durch  Chlorbaryum  mit 
einem  Zusatz  von  Alkohol  gefällt.  Die  selensaure  Baryt- 
erde wog  nach  dem  Auswaschen  und  schwachem  Glühen 
3l842  Grm.  (die  angewandte  Menge  des  Selens  entspricht 
3^6985  Grm.   selensaurer   Baryterde).      I^adi   ^«la  Q\^- 


485 

sie  nach  mehreren  Tagen  noch  vollkommen  klar,  obgleich 
sie  während  dieser  Zeit  öfters  erwärmt,  und  obgleich  bis- 
weilen, schweflichte  Säure  hinzugefügt  wurde.  Erst  als  sie, 
am  die  Salpetersäure  ganz  zu  entfernen  und  um  die  Selen- 
säure XU  zersetzen,  durch  Abdampfen  unter  öfterem  Zusetzen 
▼on  Cblorwaasersloffsäure  stark  concentrirt  wurde,  konnte 
durch  Zusetzen  von  schweflichter  Säure  Selen  abgeschie» 
den  werden.  Es  waren  0,851  Grm.  Selen  zum  Versuch 
angewandt  worden :  es  wurden  auf  diese  Weise  noch  0,046 
Grm.  oder  5,4  Proc.  erhalten ,  welche  als  Selensäure,  nicht 
durch  das  Barjtcrdesalz  gefällt  worden  waren. 

Es  wurde  dieser  Versuch  modiOcirt  von  Hm.  Oesten 
wiederholt.  Nachdem  ans  der  verdünnten  Lösung  die  durch 
Cblorgas  erzeugte  Selensäure  durch  salpetersaure  Barjrterde 
gefällt  und  ausgewaschen  worden  war,  wurde  zu  der  fil- 
trirten  Flüssigkeit  ^  vom  Volum  Alkohol  hinzugefügt,  wo- 
durch wiederum  ein  Niederschlag  entstand,  der  mit  ver- 
dünntem Alhohol  ausgewaschen  wurde.  In  der  getrennten 
Flttsaigkeit  war  aber  noch  viel  Selen  enthalten,  das  aber 
nur  auf  die  oben  angegebene  Weise  abgeschieden  werden 
konnte. 

£a  waren  aus  0,912  Grm.  Selen  (welchen  3,226  Grm. 
selensanre  Baryterde  entsprechen)  zuerst  3,148  Grm.  und 
darauf  durch  Alkohol  0,164  Grm.,  zusammen  3,302  Grm. 
selensanre  Barjterde  erhalten,  also  97,58  und  5,08,  zusam» 
men  102,66  Proc.  von  der  berechneten  Menge.  Beide  er- 
haltene Mengen  waren  diefsmal  nicht  schwach  geglüht,  son- 
dern bei  100"  getrocknet  worden.  Sie  wurden  darauf 
schwach  geglüht,  wodurch  sie  sich  bis  auf  3,074  Grm.  und 
0^44  Grm.  verminderten,  also  bis  auf  95,29  und  4,46  oder 
zusammen  bis  auf  99,75  Proc.  verminderten.  Nach  dem 
Glühen  wurden  sie  dann  vereinigt  mit  verdünnter  Essig- 
säure behandelt;  nach  dem  Auswaschen  und  schwachen 
GlUhen  wogen  sie  nur  2,758  Grm.  und  entsprachen  nur 
86^9  Proc  von  der  Menge,  welche  hätte  erhalten  werden 
sollen. 

Alle  diese  Versuche  waren  mit  raket  Sc^eiustox^  vi^!%!^. 


487 

Mao  ersieht  aas  diesem  Versuche,  dafs  i'd  einer  Flüssig- 
keit» welche  freie  Salpetersfiure  enlhült,  so  yiel  selensaare 
Baryterde  aufgelöst  bleibt^  dafs  dieselbe  durch  Schwefel- 
sfture  sogleich  getrübt  wird. 

Wenn  man  die  Lösungen,  aus  welchen  die  Selensäure 
durch  ein  Barjtsals  geCulU  worden  ist,  nicht  sehr  lange 
stehen  läfst;  und  wenn  die  gröfste  Menge  der  freien  Säare 
der  Flüssigkeit  nicht  durch  ein  Alkali  ganz  abgestumpft  ist, 
ao  erhält  man  oft  noch  weit  weniger  selensaure  Baryterde. 
Bei  einem  anderen  Versuche  erhielt  Hr.  Finkener  nur 
83,32  Proc  von  der  berechneten  Menge  an  selensaurer  Ba- 
ryterde»  obgleich  hierbei  die  nach  der  Fällung  aufgelöst 
gebliebene  durch  Alkohol  niedergeschlagen  wurde.  Dabei 
wirdt  wie  schon  bemerkt  wurde,  die  selensaure  Baryterde 
nie  rein»  sondern  mit  bedeutenden  Mengen  von  anderen 
Salien  gemengt  erhalten.  Als  bei  diesem  Versuche  aus 
0^1  Grro.  der  erhalteuen  selensauren  Baryterde  durch 
Cyankalium  mit  aller  Vorsicht  das  Selen  geschieden  wurde, 
wurden  nur  0,103  Grm,  (statt  0,1103  Grm.)  erhalten. 

Es  ergiebt  sich  aus  allen  diesen  Versuchen,  dafs  die 
Selenaäure  nicht  auf  die  Weise  quantitativ  bestimmt  wer- 
den kann»  dafe  man  sie  als  selensaure  Baryterde  fällt.  Man 
iat  genöthigt  sie  durch  Behandlung  mit  Chlorwasserstoff- 
■tture  in  selenichte  Säure  zu  verwandeln,  und  aus  dieser 
das  Selen  vermittelst  schweflichter  Säure  zu  fällen. 

In  schwer-  und  in  unlöslichen  Verbindungen,  wie  in 
der  aelensauren  Baryterde  geht  indessen,  wie  weiter  unten 
geseigt  wird,  die  Verwandlung  der  Selensäure  in  selenichte 
Säure  vermittelst  Chlorwasserstoffsäure  sehr  schwer  vor  sich. 

(Schlaft  folgt) 


486 


VIIL     Veber  die  durch  Ferieitung  eines  Krysialles 
entstehenden  Kry stall  flächen;  von  Franken  heim. 


L/ie  Berichte  der  Wiener  Akademie  XXXiX,  620  ond  XL| 
539  and  &89  enthalten  Beobachtungen  des  Hrn.  K.  ▼. 
Haaer  über  Krystalle,  die  sich  in  einer  Aoflösang  ver- 
grOfserten,  nachdem  ihre  Gestalt  durch  die  Feile  oder  Säge 
▼erändert  war.  Indem  er  Flachen  anschnitt,  tu  deren  Aof- 
nähme  der  Krjstall  ohne  diefs  geneigt  war,  konnte  er  diesen 
eine  RegelmXfsigkeit  geben,  die  man  sonst  nur  an  Mo- 
dellen findet.  Er  suchte  jedoch  nicht  blofs  diese  Kabinet»* 
Stücke  zu  erlatigen,  sondern  durch  Anfeilen  auch  solche 
Fischen  hervorzubringen,  welche  ohne  dieses  Hilfsmittel 
nicht  entstanden  wären.  Seine  Erwartung  wurde  jedodi 
nicht  befriedigt.  Bei  Krjstallen,  die  in  eine  ihnen  gleich- 
artige gesStligte  Auflösung  gebracht  wurden,  fand  die  Ver- 
wandlung der  künstlichen  in  eine  Kryslall- Fläche  entweder 
gar  nicht  statt  oder  nur  ausnahmsweise  in  sehr  untergeord- 
neter Art,  indem  zuweilen  kleine  Flfichen  entstanden,  die 
den  am  häufigsten  »von  selbst  vorkommenden  Comhinationen 
angehören«.  Mit  andern  Worten:  das  Anschleifen  brachte 
keine  Fläche  hervor,  die  nicht  auch  ohnediefs  entstanden 
seyn  konnte. 

Nur  dann  gelang  der  Versuch,  wenn  der  Kryslall  in 
die  Lösung  eines  isomorphen  Salzes  kam;  und  auch  dieses 
eigentlich  nur  in  dem  einzelnen  Falle,  wenn  ein  angefeilter 
Alaun 'Kry stall,  in  der  Regel  ein  Chrom- Alaun,  in  die  ge- 
sättigte Lösung  eines  Eisenoxyd -Alauns  gebracht  wurde; 
und  auch  dann  blofs  bei  den  Würfel-  und  Granat  ■  Dode- 
Aro^der  -  Flächen,  lüO  und  110.  Aehnliche  Angaben,  wie 
diese,  über  den  Einflufs  des  Anfeilcns  auf  die  Ausbildung 
der  Krystalle,  sind  mehrmals  gemacht  worden,  obgleich  im 
Verhältnifs  zu  der  Anzahl  der  Beobachtungen  in  diesem 
Gebiete  nur  für  sehr  wenige  Körper.  Und  auch  von  die- 
sen  rührt   ein  Theil  offenba^r  vou  der  Verwechslung  einer 


488 

fvirklichen  Krjstallfläche  mit  einer  dem  Au;:e  glatt  erachei- 
Deoden  Fliehe  her,  die  sich  bei  einiger  Vergröfseran^ 
ab  ein  Aggregat  kleiner  gegen  einander  geneigter  Facetten 
erwiesen  hfitte.  Hr.  v.  Hauer  spricht  selbst  von  ange- 
feilten Flttchen,  die  durch  Fort  wachsen  nicht  blofs  dann 
glatt  wurden,  wenn  sie  einer  100  oder  110  Fläche  parallel 
waren,  sondern  auch,  wenn  sie  ihrer  Lage  nach  gar  keine 
Krjstallflächen  werden  konnten. 

Nur  in  zwei  oder  drei  Beispielen  traten  KrystallflSchen 
auf,  die  man  sonst  nicht  wahrnahm.  Aber  auch  hier  kann 
mn  die  Frage  aufwerfen,  ob  die  neuen  Flächen  eine  Wir- 
knng  des  Anfeilens  sind,  oder  ob  dieses  nur  Nebenuinstttnde 
hervorrief  oder  begünstigte,  welche  auch  ohne  Verletzung 
des  Krjrstalls  die  neuen  Flächen  hervorbringen  mufsten. 

In  meiner  fast  gleichzeitig  mit  v.  Hauer 's  Arbeit  in 
diesem  Annalen  Bd.  CXI  erschienenen  Abhandlung  habe  ich 
Dach  dem  Resultate  vieler  über  das  Fortwachsen  verletzter 
Krjstalle  angestellter  Beobachtungen  mich  gegen  den  un- 
mittelbaren Einflufs  des  Anfeilens  erklären  müssen.  Da 
Hr.'v.  Häuser  die  entgegengesetzte  Ansicht  verficht,  so 
habe  ich  seine  Versuche  und  zwar  ganz  nach  der  von  ihm 
befolgten  Methode  wiederholt,  nur  dafs  ich  keine  Rück* 
sicfat  auf  die  Eleganz  und  Symmetrie  der  Formen  zu  ueh- 
Den  hatte.  Hr.  Stud.  Jacobsen  bat  mich  dabei  freund* 
liehst  unterstützt. 

W^ie  zu  erwarten  war,  konnte  ich  Hauer 's  Beobach- 
taogen  in  allen  wesentlichen  Punkten  nur  bestätigen.  Ein 
odaedrischer  Chrom* Alaun,  der  sich  in  der  gesättigten  Lö- 
sung des  reinen  Salzes  wieder  zu  einem  Octaeder  ergänzt, 
wie  er  auch  angeschnitten  sejrn  mag,  verhält  sich  ganz  an- 
ders, wenn  er  in  eine  Eisen -Alaunlösung  gebracht  wird, 
nachdem  seine  Würfel-  oder  Granat- Dodekaeder- Flächen 
angefeilt  oder  angeschnitten  waren.  Alsdann  verwandelt  sich 
die  künstliche  Fläche,  die  weder  eben  noch  genau  in  der  rich- 
tigen Lage  zo  sejn  braucht,  in  eine  wahre  Krystallfläche, 
die  aber,  wenn  der  Krjstall  fortwachsen  kann,  zuletzt  vet- 
schwindot,  die  110  Fläche  sehr  bald,  die  lO^YV^cVie  ««^Xct, 


490 

80  dafs  aach  hier  die  den  Kern  von  Chrom -Alaun  amge- 
bende  Schale  von  Eisen- Alaun  zuletzt  nor  von  OclaCdem 
begrenzt  wird. 

Daf<  aber  das  Abfeilen  nicht  die  Ursache  dieser  Bil- 
dung seyn  kann,  gehl  schon  aus  den  Versuchen  von  v, 
Hauer  selbst  hervor.  Er  fand  nämlich  die  neuen  100 
und  l  I  0  Fischen  keinesweges  blofs  an  den  angefeilten 
Karten  und  Ecken  des  Octa^ders,  sondern,  wenn  auch  in 
geringerer  Ausdehnung  au  den  übrigen.  Eb  mOfste  sich 
also  die  Kraft,  die  an  einer  Ecke  des  Krjrstalls  hervor- 
gebracht war,  auch  nach  den  übrigen  hin  fortgepflanzt 
haben.  In  den  zahlreichen  Versuchen,  die  ich  an  mikro- 
skopischen Krjstallen  angestellt  habe,  ging  die  Wirkung, 
welcher  Art  sie  sejrn  mochte,  niemals  über  die  unmittelbar 
berührte  Stelle  hinaus  und  pflanzte  sie  sich  fort,  so  geschab 
dieses,  dem  Charakter  aller  Cohäsions- Erscheinungen,  zu 
denen  auch  die  Krystallisation  gehört,  gemSfs  nur  dadurch, 
dafs  die  Veränderung  sichtbar  von  Theilchen  zu  Theilchen 
fortschritt. 

E^  war  auch  keincsweges  nothwendig  eine  V^ürfelflSche 
anzufeilen,  wenn  man  diese  als  KrjstallflAche  hervorbrin- 
gen wollte;  man  konnte  auch  l  10  anfeilen;  es  bedurfte 
sofEsr  dieses  nicht  einmal,  es  reichte  hin  eine  Fläche  be 
liebig  anzuschneiden,  um  wenn  auch  nicht  so  ausgedehnte, 
)edoch  deutliche  10  0  und  1  1  0  Flächen  zu  erlangen. 

Nur  in  einem  untergeordneten,  auch  bei  Hrn.  v.  Hau  er' s 
Standpunkte  nicht  wesentlichen  Falle  fand  ich  seine  Anga- 
ben nicht  bestätigt.  Er  sagt  nämlich  a.  a.  O.  XL,  591, 
dafs,  wenn  an  einem  Octaeder  zwei  parallele  Würfelflächen 
angeschnitten  werden,  die  übrigen  sechs  Würfelflächen  in 
der  Eisen- Alaunlösung  hervortreten,  dagegen  wenn  vier  in 
emer  Zone  liegende  Würfelflächen  tief  angeschnitten  wer- 
den, die  zwei  fehlenden  nicht  entstehen.  Ich  fand,  dafs 
wenn  einige  der  Würfelflächen  zuweilen  fehlten,  dieses 
nach  keinem  festen  Gesetze  geschah.  Auch  sagt  Hr.  v. 
Hauer  an  einem  andern  Orte,  dafs,  jemehr  Würfelflächen 


491 

kflDStlicb  gebildet  wireo,  desto  vollständiger  auch  die  noch 
fehlenden  auftreten.  Vielleicht  waren  sie  in  jenen  Versuchen 
sehr  klein  oder  schon  wieder  zerstört. 

'  Man  kann  also  v.  Hauer's  Beobachtungen  so  zusanunen- 
fassen:  Wenn  ein  Chrom  -  Alaun  •  Octaeder  irgendwo  an- 
gefeilt und  dann  in  eine  gesättigte  Lösung  von  Eisen- Alaun 
gebracht  wird,  so  bilden  sich  an  allen  oder  fast  allen  Kanten 
und  Ecken  1  00* und  110  Flächen  aus,  nur  diejenigen  au 
gfOlsten,  bei  /denen  eine  ihnen  nahestehende  künstliche 
Fliche  am  ausgedehntesten  war. 

Hr.  ▼.  Hauer,  hat  aber  eine  Frage  nicht  beantwortet» 
allerdings  eine  för  die  Erklärung;  unentbehrliche:  wie  sich 
nlmlich  ein  unverletzter  Alaunkrjstall  verbalte? 

Ich  habe  diese  Beobachtung  gemacht,  obgleich  ich  nicht 
den  geringsten  Zweifel  an  ihrem  Erfolge  haben  konnte. 
Und  in  der  That  treten  auch  in  diesem  Falle  die  Würfel, 
ttad  kleiner  und  seltener  auch  die  Granat- Uodekaeder-Flä- 
chen  hervor,  zwar  nicht  so  ausgedehnt,  als  an  den  an- 
geschnittenen Stelleu,  aber  doch  mit  vollkommner  Deut- 
lichkeit. 

Die  neuen  Flächen  sind  also  nicht  die  Folge  eines  An* 
feileni  oder  Anschueidens;  sie  entstehen  ohne  Zweifel  durch 
die  Veränderung,  welche  die  Flüssigkeit  in  der  Nähe  des 
heterogenen  Krjrstalls  erleidet.  Von  diesem  wird  nämlich, 
trotzdem  dafs  der  Eisen -Alaun  sich  leichter  im  Wasser 
löst  als  der  Chrom -Alaun,  etwas  aufgelöst,  und  nicht  nur 
nimmt  die  Eisen-Alaunschicht  davon  eine  gewisse  Färbung 
an ;  mau  findet  auch  kleine  Chrom  •  Alaun  Oclaeder  in  dem 
Uhrglase  in  dem  die  Krystallisation  vorgenommen  wurde. 
Späterhin,  wenn  das  Chromsalz  so  eingehüllt  ist,  dafs  sich 
fast  nichts  mehr  davon  löst,  nimmt  die  Kristallisation  wie- 
der ihren  gewöhnlichen  Verlauf  und  das  Eisensalz  begränzt 
sich  wieder  mit  den  Oclaeder -Flächen.  E^  ist  jedoch  mög- 
lich, dafs  durch  das  Anfeilen  die  Oberfläche  rauher,  lockerer, 
daher  löslicher  wird  und  jene  Veränderung  der  Flüssigkeit« 
von  welcher  hier  wie  in  allen  anderen  mir  bekannten  Fäl- 


492 

len  die  Ablnderang  der  Nebenformen  herrührt,  dadurch  er- 
leichtert wird. 

Dafs  die  neuen  Flfichen  an  den  angefeilten  Stellen  eine 
gröfaere  Ausdehnung  als  an  den  Obrigen  erlangen,  rQhrt 
▼on  der  Art  her,  in  der  fiberhaupf  neue  Flöchen  entstehen. 
Diese  gehen,  wenn  der  neue  Stoff  sich  regelmfifsig  anlegen 
kann,  immer  von  den  Kanten  oder  Ecken  aus  und  ver- 
breiten  sich  allmSblich  Über  die  vorhandenen  alteren  Fli- 
ehen hin  Je  grOfser  die  Anzahl  der  Ausgangspunkte  ist, 
desto  rascher  wachst  die  neue  Fläche.  Aber  eine  ange- 
feilte Fische  ist  nichts  als  ein  Aggregat  kleiner  gegeneinander 
geneigter  Flachen  mit  unzahligen  einspringenden  Winkein 
und  Kanten.  An  diese  legt  sich  der  krystallisirende  Stoff 
in  grOfster  Menge  an  und  nimmt  natflriich  diejenigen  Neben- 
forinen  an,  die  der  Beschaffenheit  der  Flüssigkeit  ange- 
messen sind,  also  bei  dem  Chrom -Alaun  in  der  Eisen -Alaun- 
Lösung  die  Flachen  des  10  0  und  110.  Je  mehr  also  die 
angefeilte  Flache  mit  der  KrystalFflache  parallel  war,  desto 
schneller  werden  die  unzähligen  kleinen  WQrfelflachen  sich 
zu  einer  regclmafsigen  Flache  vereinigen. 

Durch  Anfeilen,  wird  daher  weder  hier  noch  in  andern 
Fallen  eine  Krystallflache  erzeugt,  wenn  nicht  Ursachen 
vorhanden  sind,  welche  sie  auch  ganz  ohne  Anfeilen  her 
vorbringen  würden.  Die  Wirkung  kann  dadurch  blofs  aus- 
gedehnter und  deutlicher  werden. 


498 


IX.     Veber  die  pon  Pasteur  beobachtete  AnomtjJie 

am  ameisensauren  Strontian; 
9on  £mii  Jacobsen  in  Breslau. 


tjekanntlich  krystalliBirt  ameisensaurer  Strontian  in  hemie- 
driscben,  sich  nicht  deckenden  Formen,  unterscheidet  sich 
M^er  von  den  meisten  ähnlichen  Krystallen  dadurch,  dab 
seine  wässerige  Lösung  keinen  Einflufs  auf  die  Lage  der 
Polarisations-Axe  des  durchgehenden  Lichtes  übt  Nach 
(kmpt.  read.  1850^  T.  31,  p.  482  soll  sich  dieses  Salz  auch 
Doeh  in  der  wichtigen  Eigenschaft  unterscheiden,  dafs  rechts 
^oder  links)  hemiedrische  Krjstalle,  für  sich  aufgelöst  und 
abgedampft,  nicht,  wie  die  weinsauren  und  andere  hemie- 
driacbe  Salze,  wiederum  in  derselben  hemiedrischen  Art, 
sondern  tu  beiden  sti^McA  krystallisiren.  Um  diese  Ano- 
malie tu  erklären,  beruft  sich  Pasteur  auf  einen  Unter- 
schied zwischen  einer  Hemiedrie,  welche  die  Folge  einer 
figenthümlichen  Anordnung  der  chemischen  Atome  eines 
Molecfils  sey,  und  einer,  blofe  von  der  physikalischen  An- 
ordnung der  Molecüle  herrührenden  Hemiedrie.  Die  letzte 
beschränke  sich  also  auf  die  Krjstalle,  höre  mithin  auf, 
sobald  diese  in  Lösung  gebracht  werden,  bewirke  daher  in 
letzter  keine  Veränderung  der  Polarisations-Axe.  Pasteur 
findet  nun  natürlich  in  der  oben  angeführten  Erscheinung 
am  ameisensauren  Strontian  eine  Bekräftigung  dieser  An- 
sicht Pasteur  hat  sich  bei  dieser  Bemerkung  vermuthlich 
der  ebenfalls  geneigt  hemiedrischen  Krjrstalle  der  schwefel- 
sauren Magnesia  u.  a.  nicht  erinnert,  deren  Lösungen  eben- 
Ealls  indifferent  gegen  das  polarisirte  Licht  sind,  wo  aber 
dennoch  aus  der  Lösung  rechts  oder  links  gewendeter  Kry- 
Btalle  stets  wieder  die  gleichartige  Form  hervorgebracht  wird. 
Idi  habe  über  diesen,  für  die  Theorie  nicht  unwichtigen 
Gegenstand,  auf  Anregung  des  Hrn.  Prof«  Frankenheim, 
eine  Reihe  von  Versuchen  angestellt,  deren  Resultate  ich 
mir  hier  vorzulegen  erlaube. 


494 

Die  Krystallform  des  ameisetisaureti  StroDtians  (SrOFo 
-|-2aq.)  ist,  nach  den  übereinstiminenden  Beobachtungen 
von  Heusser  und  Grailich,  von  denen  auch  die  yoo 
Pasteur  wenig  abweichen,  orthoklinisch  oder  iweigliedrig 
und  enthttit  die  Flächen: 

1 00     110     101     111     211 

b  p  §  •  •i 

(Die  Bochiiaben  aind  die  von  RaiDiiieltberf  eogcwendelcB.) 

Aufser  diesen  habe  ich  oft  201  (92)  beobachtet.  Von 
diesen  treten  10  0,  110,  101,  20  1  Tollattadig,  111, 
211  fast  nur  hemiedrisch  auf,  und  zwar  so,  dab  vier  Tor- 
kommende  FlSchen  ein  Tetraeder  bilden  würden.  Das 
Prisma  110  herrscht  gewöhnlich  vor,  und  seine  scharfe  Kante 
wird  von  100  stark  abgestumpft  Die  ZuschSrfung  be- 
steht aus  dem  horizontalen  Prisma  (Doma)  101  and  an- 
dern kleinern  Flächen  (Fig.  21  und  22,  Taf.  Vil).  Die  Kry- 
stalle  legten  sich  bei  den  Versuchen  gewöhnlich  mit  der 
FISche  1  0  0  an  den  Boden  des  Uhrglases,  in  dem  sich  die 
Lösung  befand,  an,  und  sie  war  anfangs  so  grofs,  dafs  der 
Kryslall  wie  eine  quadratische  Tafel  erschien,  deren  Haupt- 
fläche 1  0  0  war,  die  Bänder  durch  I  1  0  und  101  zoge- 
schärft  (Fig.  23,  Taf.  VH).  Beim  Anwachsen  der  Krystalie 
wurde  1 00  gewöhnlich  zu  einer  schmalen,  1 1 0  abstumpfen- 
den Fläche  (Fig.  21  und  22,  Taf.  VII);  jedoch  dehnten  sich 
zuweilen,  obwohl  seltener,  und  namentlich  bei  wenig  Linien 
langen  Kry8(nllen,  1  I  0  und  10  1  so  gleichmäfsig  aus,  dafs 
10  0  wie  eine  kleine  basische  Abstumpfung  einer  aus  I  1  0 
und  101  gebildeten  Pyramide  erschien  (Fig.  24).  Sowohl 
in  Fig.  23  als  24  sind  die  Prismen  I  1  0  und  101,  deren 
Neigung  zu  10  0  nur  um  32'  abweichen ,  sehr  schwer  zu 
unterscheiden  und  oft  verwechselt  worden. 

Stellt  man  das  Prisma  110  senkrecht,  die  stumpfe  Kante 
dem  Auge  zugekehrt,  so  dafs  I  0  0  und  die  scharfen  Kanten 
rechts  und  links  abstumpfen,  und  101  (zuweilen  auch  201) 
auf  1  0  0  gerade  aufgesetzt  ist :  so  findet  sich  am  obera 
Prisma  111  entweder  blofs  rechts  (Fig.  22)  von  der  stum- 
pfen  Kaute,   oder  biet«  links  (,¥\%.21V    211,  durch  den 


485 

Parallelitmafi  seiner  Kanten  mit  110  und  10  1  leicht  von 
1 1 1  SU  unterscheiden,  steht  gewöhnlich  rechts,  wenn  111 
links  steht,  und  umgekehrt.  Ich  will  Individuen,  in  denen 
111  rechts  steht,  mit  ^,  die  andern  mit  k  bezeichnen. 
Fig.  25,  Taf.  Vil  enthält  alle  vorkommenden  Fl&chen  in 
rechts  gewendeter  demiedrie. 

Meine  aus  Stttrke  bereitete  Ameisensfiure  vrurde  mit 
kohlensaurem  Strontiau,  welcher  etwas  Maugan  und  Spuren 
▼on  Eisen  enthielt,  gesättigt.  Da  sie  ziemlich  concentrirt 
war  (von  1,040  spec.  Gew.),  schied  sich,  bevor  sie  gäns- 
lich neutralisirt,  ameisensaurer  Strontian  aus  der  übersät- 
tigten Lösung  aus. 

Von  der  überstehenden  Flüssigkeit  gesondert,  im  Trichter 
gesammdt  und  gewaschen,  wurde  er  nochmals  gelöst  und 
bei  mäfsiger  Temperatur  zum  Verdampfen  und  Krjstalli- 
•ireo  hingestellt.  Die  Krystalle  zeigten  die  oben  angegebene 
Form,  doch  waren  nicht  an  allen  die  heroiedrischen  Flä- 
chen sichtbar.  Unter  derjenigen,  an  welchen  die  Hemiedrie 
nit  Bestimmtheit  erkannt  werden  konnte  (und  nur  solche 
Krystalle  wurden  zu  weiteren  Untersuchungen  gesammelt) 
fanden  sich,  bedeutend  in  der  ÄMohl  überwiegend j  links 
haniSdrische,  in  denen  also  2  1  1  rechts  bg.  Die  nicht 
bestimmbaren  Krjstalle  wurden  wieder  aufgelöst  und  noch- 
■lals  krjatallisirt  Diese  sowie  alle  folgenden  Krystallisa- 
üonen  zeigten,  wie  die  erste,  das  überwiegende  Auftreten 
links  hemiedrischer  Krjstalle,  nur  traten  bei  wiederholten 
Umkrjstallisirungen  die  Flächen  1 1 1  und  2 1 1  immermehr 
zurück.  Andererseits  fehlten,  als  die  Lösung  des  ameisen- 
anoren  Strontians  mit  der  Mutterlauge  ahgedampft  wurde, 
die  octaedrischen  Flächen  111  und  2  11  fast  niemals,  oft 
trat  auch  noch  201  hinzu. 

In  den  letzten,  aus  der  Mutterlauge  entstandenen  Krj- 
atallen  fanden  sich  nicht  nur  1  1 1 A  und  21  \q  und  häufig 
2  01,  sondern  2  I  1  trat  sogar  auf  beiden  Seiten  auf,  so 
dals  die  Combination  aufser  100  110  101  201  noch 
lllA  211p  21i;i  oder  lll(>  21i;i  21 1^  enthielt; 
jedoch  blieb  die  auf  derselben  Seite  mit  1  \  Wie^eudi^^Vh«^^ 


497 

in  der  Regel  weit  leichter  lu  erkennendeD  2  1  I  zu  richten, 
weil  diese  Form»  wenigstens  bei  unreinen  FlOssigkeiteUi 
niidit  selten  doppelt  als  2  1 1  ()  und  k  Torkommt.  Leichter 
6ndet  noch  eine  Täuschung  in  Krjstallen  von  der  Gestalt 
der  Fig.  23  und  24,  Taf.  VII  statt,  wo  die  fast  gleich  gegen 
10  0  geneigten  Fliehen  110  und  10  1  sehr  leicht  Ter- 
wechselt  werden  können.  Denn  es  scheinen  in  diesen 
Fällen  rechts  liegende  1  I  I  und  211  links  zu  liegen,  und 
umgekehrt,  und  der  Krystall  eine,  der  wirklichen  entgegen- 
gesetzte Heiniedrie  zu  haben.  Dieser  Irrthum  kann  freilich 
bei  Anwesenheit  der  Fläche  2  01  niemals  vorkommen,  aber 
diese  Fläche  tritt,  wie  gesagt,  nicht  constant  auf. 

Die  bisher  beschriebenen  Versuche  waren  sämmtlich  mit 
der  aus  Stärke  bereiteten  Ameisensäure  angestellt.  Wenn 
derselbe  kohlensaure  Sirontian  mit  einer  aus  Gljcerin  und 
Oxalsäure  bereiteten  Ameisensäure  behandelt  wurde,  so 
zeigte  das  Salz  in  Allem,  was  die  Krystallform  anbetrifft, 
ganz  dieselben  Erscheinungen.  Die  Flüchen  traten  unter  den- 
selben Bedingungen  auf,  wie  dort,  und  die  beiden  hemiS- 
drtsch  verschiedenen  Arten  konnten  ebenfalls  vollständig  iso- 
lirt  werden  und  krystalli«irten,  aufgelöst,  von  Neuem  in  den- 
selben Formen.  Sie  unterschieden  sich  aber  von  dem  Salze 
der  durch  Stärke  bereiteten  Ameisensäure  dadurch,  dafs 
dre  Krjstalle,  statt  wie  dort  überwiegend  links  hemiSdrisch 
m  werden,  hier  in  gleichein  Maafse  rechts  hemicdrisch 
werden.  Die  auf  verschiedene  Weise  entstandenen  Amei- 
sensäuren, ohgleich  sie,  soviel  wir  wissen,  chemisch  voll- 
kommen übereinstimmen,  ^ind  also  dennoch  nicht  als  iden- 
tisch anzusehen  und  könnten  auch,  wie  die  rechts  und  links 
gewendete  Weinsäure  nach  Pasteur,  unter  gewissen  Um- 
ständen verschiedene  chemische  Reactionen  zeigen.  Nach 
dieser  Untersuchung  macht  also  der  ameisensaure  Strontian 
keine  Ausnahme  von  der  Regel,  und  wir  dürfen  daher, 
wenn  nicht  etwa  eine  Ausnahme  an  einem  anderen  Körper 
gefanden  werden  sollte,  wohl  annehmen,  dafs  hemifidrisch 
venchiedene  Körper   durch   blofse  Auflösung,   und  da^^t 

f ofgeBaortr«  A00«l  Bd.  CXtll  %^ 


498 

aacfa  woiil  durch  blofee  Aenderung  des  Aggregatmttandei^ 
niemals  in  einander  übergeführt  werden  können.  Die  Ei 
genschaft,  welche  die  nicht  deckende  Hemiedrie  hervor- 
bringt, bleibt  also  dem  Körper,  auch  wenn  er,  wie  Amei- 
sensäure und  ameisensaorer  Strontian,  im  flüssigen  Zustande 
keine  Wirkung  auf  die  optische  Polarisations-Aie  übt. 


X.     Die  Bildung  der  hemiedrischen  Flächen  am 
Chlorsäuren  Natron;  von  Emil  Jacobsen. 


D 


em  vom  Prof.  H.  Marbach  entdeckten  interessanten 
Zusammenhange  der  Drehung  der  Polarisations  -  Axe  mit 
der  Hemiedrie  beim  chlorsauren  Natron,  folgte  eine  Mit- 
theilung an  Biot  {Compt.  rend.  1856,  T.  43,  pag.  Tt).). 
Pogg.  Ann.  Bd.  99,  S.  450),  welche  dem  Inhalte  nach  hier 
stehen  möge. 

Einem  Krystall  von  chlorsaurem  Natron,  welcher  keine 
hemiedrischen  Flächen  zeigt,  kann  man  diese  geben,  weno 
man  mit  einem  Messer  Ecken  und  Kanten,  ungefähr  in  der 
Richtung  jener  Flächen,  abschneidet  und  den  so  behandel- 
ten Krjstall  in  eine  concentrirte  Lösung  des  Salzes  bringt. 
Der  Krystall  zeigt  in  seiner,  durch  Wachsthjum  vergröfserteu 
Form  neue  hemiedrische  Flächen,  welche  seiner  optischen 
Wirkung  entsprechen. 

In  einer  Arbeit  über  das  Entstehen  und  Wachsen  der 
Krjstalle  nach  mikroskopischen  Beobachtungen  (Pogg.  Ann. 
1860,  Bd.  CXI,  S.  54  bis  56)  macht  Prof.  Frankenheim 
diese  Thatsache  nicht  vom  Abschaben,  sondern  von  der 
Gegenwart  fremder,  bei  der  Manipulation  hinzugetretener 
Körper  abhängig.  Da  dessen  Beobachtungen  am  chlor- 
sauren Natron  |edoch  nur  mikroskopische  waren,  so  erschien 
es  zweckmäfsig,   die  R\chl\^Weit  dieser   Erklärung  auch  an 


489 

Krjstallen  xu  prüfen,  welche  auf  dieselbe  Weise  behandelt 
waren,  wie  die  des  Hrn.  Prof.  Marbach. 

Das  Chlorsäure  Natron  krjstallisirt  gewöhnlich  in  Wür- 
feln, die  hSufig  tafelförmig  abgeplattet  und  an  den  Kanten 
oft  durch  die  Flächen  des  Granaloeders  abgestumpft  sind. 
Zu  diesen  treten,  namentlich  bei  grofeen  Krystallen,  in  der 
Regel  die  Flächen  des  Tetraeders  und  des  Pyritoeders,  aus 
denen,  wenn  sie  gemeinschaftlich  vorkommen,  sich  die  Art 
der  Hemiedrie,  oder  Tielmehr  Tetartoedrie,  nach  rechts  und 
links  unterscheiden  läfst.  Bei  kleinen  Krystallen  sollen  sie 
nach  Biot  selten  seyn,  indessen  hat  Prof.  Frankenheim 
das  Tetraeder  auch  bei  Krystallen  gefunden,  die  nur  bei 
dreihundertfeicher  Vergröfserung  sichtbar  wurden,  und  2war 
▼erbältnifsmäCsig  so  grofs  wie  bei  liniengrofsen  Krystallen. 

Ich  habe  nun  den  Marbach'schen  Versuch,  und  zwar 
in  folgender  Weise  wiederholt: 

Es  wurde  eine  Anzahl  Krystalle  ohne  hemiedrische  Flä- 
chen, Ton  ziemlich  gleicher  Gröfse  in  angegebener  Weise, 
mit  einem  scharfen  Messer  angeschnitten.  Die  eine  Hälfte 
derselben  wusch  ich  zuerst  mit  Aether,  dann  mit  einer  fast 
Goncentrischen  wässerigen  Lösung  desselben  Salzes,  und 
endlich  nochmals  mit  Aether.  Die  also  gereinigten  wurden, 
unter  Vermeidung  )eglicher  Berührung  mit  den  Fingern, 
Hl  eine  kaltgesättigte  Lösung;  desselben  Salzes  gebracht,  und 
diese  neben  Schwefelsäure  zum  Verdampfen  hingestellt. 
Eine  gleiche  Behandlung  erfuhr  die  andere  Hälfte  der  an- 
geschnittenen, aber  nicht  gewaschenen  Krystalle.  Zwei  der 
grdfseren  von  letzteren  Krystallen  waren  absichtlich  viel 
init  tlen  Händen  in  Berührung  gebracht  worden.  Ab  nach 
einigen  Tagen  die  gewachsenen  Krystalle  gleichzeitig  her- 
ausgenommen wurden,  zeigte  es  sich,  dafs  an  den  ange- 
schnittenen und  gewaschenen  Krystallen  die  Schnittflächen 
zugewachsen  waren,  ohne  eine  hemiedrische  Fläche  hervor« 
lobringen,  während  bei  den  an^^cschnittenen .  maiiipulirten 
Krystallen  Pyritoeder*  und  Tetraeder  Flächen  sehr  schön 
autgebildet  waren.  An  den  absichtlich  viel  manipulirten 
beiden  Krystallen,  an  welchen   nur  die  ¥<ebeuQL^fti!cXi^w  xxm 


500 

eine  Würfelfl&che  angeBchDitteD  waren,  fanden  rieh  die  ent* 
sprechenden  hemiedrischen  Flächen  nicht  blofs  an  der  Schnitt- 
fläche, sondern  auch  um  die  andern  Würfelflächeu  auage- 
bildet,  und  noch  Granatoeder-Flächen.  Zu  den  neu  ent- 
standenen, vorher  nicht  angeschnittenen  Flächen  konnte 
also  wohl  nur  ein  fremder,  durch  die  Manipulation  hinza- 
getretener  Körper  Veranlassung  gegeben  haben. 

Nochmals  wurden  Krystalle  ohne  hemiedrische  Flächen 
▼iel  mit  den  Händen  in  Bertlhrung  gebracht  und  tmange' 
schnitten  in  die  concentrirte  Lösung  zum  Wachsen  hinge- 
stellt. Die  hemiädrischen  Nebenflächen  »eigten  sich  auch  unrk- 
lieh  sehr  bald.  Hiernach  ist  es  also  keine  Frage,  daCs  die 
Bildung  dieser  Flächen  an  den  verletzten  Krystallen  nur  von 
der,  durch  die  Manipulation  verursachten  Verunreinigung 
derselben  herrühren  kann;  es  blieb  aber  auch  noch  unent- 
schieden, tcelcher  von  den  im  Schweifse  der  Hand  befind- 
lichen Stoffen  dabei  thätig  gewesen  sej.  Da  sich  nun  im 
Schweifse  immer  Fett  vorfindet,  und  selbst  die  scheinbar 
reinste  Hand  eine  spiegelnde  Mctallfläche  erblinden  macht, 
so  lag  es  nahe,  zu  untersuchen,  ob  vielleicht  eine  dünne 
Fettschicht  in  dieser  Weise  einwirke.  Namentlich  führte 
auch  der  Versuch  darauf,  dafs  in  angeschnittenen  Krystallen, 
die  nur  mit  der  wässerigen  Lösung  des  Salzes,  nicht  mit  Aether 
abgewaschen  wurden,  nach  dem  Wachsen  die  hemiedrischen 
Flächen  weiter  ausgebildet  waren.  Es  war  hiernach  also  sehr 
wahrscheinlich  die  Gegenwart  eines  in  Wasser. unlöslichen 
Körpers  Ursache.  Es  wurde  nun  eine  Lösung  von  einer 
Spur  Schweinefett  in  Aether  gemacht,  einige  Kryslaile  ohne 
hemiedrische  Flächen  mit  einer  Pincette  in  diese  Lösung 
getaucht  und  nach  dem  Herausnehmen  und  Verdampfen 
des  Aethers,  wodurch  sie  also  mit  einer  äufserst  schwachen 
Fettschicht  umgeben  wurden,  wieder  in  eine  gesättigte  Lö- 
sung zum  Wachsen  hingestellt. 

Einige  dieser  Krystalle  waren  unverletzt,  andere  waren 
an  den  Ecken  oder  Kanten  angeschnitten,  aber,  wie  natür- 
lich, Tor  Verunreinigung  sorgfältig  geschützt  und  in  geson* 
dertea  Schalen   in   gesMi^le  Lösungen   gebracht   worden. 


501 

Diese  Krystalle  zeigten,  nachdem  sie  gewachsen,  eftnimtlich 
deutlich  hemiedrische  Flächen,  die  nur  bei  den  vorher  an- 
geschnittenen Krjstallen  gröCser  waren,  als  bei  den  unver- 
letst  gebliebenen.  Bei  Krjstallen,  an  welchen  die  hemifi- 
drischen  Flftchen,  aliein  durch  eine  Fettschicht,  hervorge- 
rufen waren,  zeigten  sich  anfangs  nur  Pjritoeder:  wenn 
jedoch  die  Elcken  etwas  abgestofsen  und  dann  mit  Fett 
fiberzogen  waren,  so  trat  auch  das  Tetraeder  beim  Wachsen 
siditbar  anf.  Ganz  dasselbe,  was  für  das  Fett  gilt,  gilt 
auch  für  Wachs.  Nicht  hemiedrische  Krjstalle,  deren  Kanten 
leicht  durch  Wachs  gezogen  waren,  zeigten  nach  kurzem 
Wachsthum  Hemiedrie,  und  es  reichte  hin,  die  Ecken  zu 
betupfen,  um  Tetraeder- Flftchen  entstehen  zu  lassen.  Kry- 
stalle, statt  in  eine  ätheriche  Fettlösung,  in  eine  ebensolche 
aus  fettem  Oel  (Baumöl)  gebracht,  zeigten,  in  Folge  gerin- 
gerer Adhaesion  des  Oels,  erst  nach  wiederholter  Opera- 
tion hemiedrische  Flftchen.  Von  vielen  Versuchen,  die  ich 
mit  in  Wasser  löslichen  Körpern  angestellt  habe,  will  ich 
ebenfalls  einige  anführen.  Zu  einer  gleichen  Menge  der 
gesftttigten  Lösung  von  chlorsaurem  Natron  brachte  ich  in 
nehrere  Uhrglftser  kleine  Krystalle  ohne  hemiedrische  Flft- 
chen^ und  dann  in  die  einzelnen  Lösungen  entweder  einen 
Tropfen  concentrirter  Ameisensäure  oder  einen  Tropfen 
AonnoDiakflüssigkeit,  einen  Tropfen  Gljcerin,  endlich  etwa 
eioen  Gran  Harnstoff  und  liefs  neben  Schwefebftnre  ab- 
dampfen. 

Ameisensäure  und  Ammoniack  brachten,  in  dieser  Qnan- 
tiUlt  hinzugesetzt,  keine  neuen  Flftchen  hervor,  dagegen 
bildeten  sich  in  der  Gljcerin  haltigen  Flüssigkeit,  nicht  nur 
an  den  wachsenden  Krystallen,  sondern  auch  bei  den  neu  ent- 
standeiien  die  Nebenflftchen  aus ;  ebenso  beim  Harnstoff,  der 
die  Entstehung  des  Tetraeders,  selbst  bei  noch  sehr  kleinen 
Krjstallen,  bedeutend  begünstigte.  Da  bei  der  Bereitung 
des  chlorsauren  Natrons  eine  Verunreinigung  mit  Weinstein 
nklit  unmöglich  war,  so  brachte  ich  zu  einer  gesftttigten, 
kleine  Krvstalle  haltenden  Lösung  des  reinen  Chlorsäuren 
Natrons  einen  Tropfen  Weiosteinlösuug.      Kuf^  d^Aixa^ 


902 

wurde  die  EDtstehung  henii^drischer  Flüchen  begOnsHgt. 
Aus  alieo  diesen  Versuchen  geht  also  wohl  zur  Genüge 
herror,  dafs  nicht  das  Anschneiden  von  Flächen  an  Krj- 
stallen,  wohl  aber  die  Anwesenheit  eines  fremden  Körpers 
auf  die  Bildung  neuer  Fl&chen  von  Einflufs  ist. 

Schliefslich  erlaube  ich  mir  noch  Prof.  Franken  heim 
fOr  die  freundliche  Unterstützung,  die  derselbe  mir  bei  diesen 
Versuchen  durch  Rath  und  That  angedeihen  lieCs,  meinen 
ergebenen  Dank  auszusprechen. 


XI.    IJeber  eine  neue  Methode,  die  sphärische  Aber- 
ration mit  Hülfe  der  Interferenz  zu  untersuchen; 

von   H.  Schröder, 

Optiker  in  Hamburg. 


\j\e  bisher  gebräuchlichste  Art  zur  Untersuchung  der  sphä- 
rischen Aberration  der  Fernr(>hrob)ective  war  die  von 
Fraunhofer,  welche  in  dem  wechselweisen  Abblenden 
der  Mitte  und  des  Randes  vom  Objectiv  bestand;  nachdem 
das  Ocular  in  beiden  Fällen  auf  ein  entferntes  Object  ein- 
gestellt war,  so  ergab  sich  aus  der  Gröfse  der  Verschie- 
bung des  Oculars  die  sphärische  Läugenabweichung.  Da 
aber  bei  dieser  Untersuchung  die  Sehweite  des  Auges  als 
constant  vorausgesetzt  wird,  welches  bekanntlich  keines- 
wegs der  Fall  ist,  aufserdem  durch  das  Abblendeu  das 
Bild  sehr  leicht  schwach  wird  und  endlich  das  genaue  Elio- 
stellen  auf  die  C(*ntralen  Strahlen,  welche  sich  unter  sehr 
spitzen  Winkeln  schneiden,  gänzlich  unsicher  ist;  so  köD- 
nen  durch  dieses  Mittel  nur  Fehler  sehr  grober  Art  mit 
Sicherheit  nachgewiesen  werden. 

Bei  weitem  schärfer,  jedoch  noch  viel  unsicherer,  ist  die 
Methode,  welche  C.  Kellner  in  seiner  Abhandlung  über 
das  orfhoskopische  OcuW  «kV\^\eV)\..   M^xi  «oU  das  Fernrohr 


903 

m  diflMm  Zweck  auf  einen  gut  beleuchteten  Gegenstand, 
X.  B.  eine  Mauer  richten,  dann  müfstc  das  Objectiv,  wofern 
es  vollkommen  frei  von  sphärischer  Abweichung  sey,  das 
Object  frei  von  parasitischem  Lichte  zeigen;  dieser  feine 
Dunst  aber,  der  sich  in  dem  fehlerhaften  Fall  zeigt,  kann 
noch  sehr  viele  andere  Ursachen  haben,  z.  B.  das  Glas  der 
Obfective  ist  nicht  vollkommen  homogen,  oder  die  Flächen 
besitzen  keine  vollkommene  Sphäricilät  und  noch  viele  an- 
dere Ursachen.  Daher  erwähnt  auch  C.  Kellner  darüber 
au  einer  anderen  Stelle,  dafs  es  aufserordentlich  schwer  sey, 
bei  einem  Ob|ective,  welches  seinen  Dienst  nicht  ordent- 
lich thun  wolle,  die  Fehler  desselben  nachzuweisen. 

SchlieCslich  sind  alle  diese  Methoden  darin  einseitig,  dafs 
dieselben  nur  auf  Fernrohrobjective  anwendbar  sind. 

Es  war  daher  längst  mein  Wunsch  gewesen,  ein  Mittel 
XU  besitzen,  die  Untersuchung  in  aller  Schärfe  und  mög- 
lichst unabhängig  von  allen  Nebenumständen  vorzunehmen. 

Ich  theile  im  Nachstehenden  ein  solches  Mittel  mit,  des> 
sen  Brauchbarkeit  ich  schon  seit  einigen  Jahren  Gelegen- 
heil hatte,  in  jeder  Richtung  praktisch  anzuwenden. 

Betrachtet  man  nämlich  durch  ein  möglichst  apianatisches 
Objectiv  einen  intensiv  leuchtenden  Körper  von  möglichst 
kleiner  scheinbarer  Gröfee  mit  Hülfe  eines  sehr  starken 
Oculars;  z.  B.  den  Sirius,  so  erscheint  derselbe  bei  genauer 
EiastelluDg  als  scharf  begränzte  planetarische  Scheibe,  um- 
geben von  einem  feinen  Ringe,  welcher  von  der  Beugung 
der  Strahlen  am  Rande  der  Objectivfassung  herrührt.  Nä- 
hert man  jetzt  das  Ocular  dem  Objecliv  oder  entfernt  das- 
selbe, so  besteht  die  ganze  kreisförmige  Fläche  aus  lauter 
•cbarf  getrennten  concentrisch  liegenden,  kreisförmigen,  ab- 
wediselnd  hellen  und  dunklen  Ringen.  Diese  feineu  Ringe 
sind  natürlich  mit  den  Farben  des  secundären  Spectrum 
gesäomt. 

Diese  Ringe  entstehen  durch  die  Diffraction  der  Rück- 
stände der  sphärischen  Aberation  des  Objectivs,  welche  in 
irorliegendem  Falle  möglich  gleich  zwischen  Mitte  und  Rand 
des  Objectha  veribeHi  ist. 


605 

diese  Kegelmäntel  gegenseitig  und  am  Schnittpunkt  entsteht, 
ihnlich  wie  beim  Fr esneT sehen  Versuch,  durch  das  abwech- 
selnde Zusammentreffen  der  LichtweUen  eine  helle  und  eine 
dnokle  Linie,  die  sich  hier  natürlich  in  Form  concentrischer 
Kreise  darstellen,  wie  Fig.  28  zeigt. 

Bei  der  Uebercorrection  hingegen,  welche  durch  Fig.  27 
Taf.  VII  dargestellt  ist,  zeigen  sich  die  Ringe  derselben, 
welche  die  Figur  29  zeigt,  von  den  Ringen  der  Fig.  27 
dadurch  verschieden,  dafs  die  Ringe  des  Randes  breiter  sind 
wie  die  der  Mitte,  wShrend  bei  den  Ringsystemen  der  Un- 
tercorrection  die  Mitte  die  breiteren  Ringe  besitzt.  Dieser 
Umstand  erklärt  sich  einfach  aus  dem  Interferiren  der  be- 
treffenden Strahlen,  welche  bei  der  Untercorrection  in  der 
Axe  sich  unter  den  kleinsten  Winkeln  schneiden,  während 
bei  der  Uebercorrection  in  Folge  der  hier  sehr  eigenthüm- 
licben  Form  der  diakaustischen  Curve  die  am  weitesten  von 
der  Axe  entlegenen  Strahlen  unter  den  kleinsten  Winkeln 
rieh  schneiden. 

Um  dieses  Experiment  im  kleinen  leicht  zu  jederzeit 
anslelleinu  können,  legt  man  unter  das  Mikroskop  einen 
bOc^t  feinen  Quecksilbertropfeu,  setzt  ein  starkes  Ocular 
fttf  and  beobachtet  am  besten  das  kleine  Sonneubild  im 
Qneekolbertropfen  oder  in  Ermangelung  dessen  das  Flam- 
OMobild  einer  intensiv  leuchtenden  etwas  entfernten  Ar- 
gpodlampe. 

Wenn  man  bei  Beobachtung  dieser  Ringsjsteme  das 
Ol^ectiv  noch  mit  Blenden  verschiedener  Form  versieht, 
so  eutstahen  höchst  brillante  aber  sehr  zusammengesetzte 
Erscheinungen,  welche  schon  Herschel  in  seiner  Optik 
beschreibt,  aber  deren  genaue  Erklärung  er  damals  noch 
nicht  geben  konnte. 

Bei  genau  geschliffenen  Metallspiegeln  lassen  sich  diese 
ErsdMiniiDgen  ebenfalls  beobachten  jedoch  sind  dieselben 
OBgieidi  schwieriger  zu  sehen. 


506 


XII.     Einfaches  Gesetz  für.  die  Vertheüung  der 

Elektricitäi  auf  einem  Ellipsoid; 

von  C.  Neumann  in  Halle. 


i^nd  o,  fr,  c  Constanten,  und  /u,  ju,,  ^,  Yerftoderliche  Pa- 
rameter, welche  za  einander  in  der  Beziehung 

ji*  >  Ä  >  f*  I  >  fr  >  ft»  >  c 
stehen;  so  stellen  bekanntlich  die  Gleichungen 


*'.«».      «» 


••*  M*  «^ 

^2— o        fit  —  b        fi^^c 

drei  orthogonale  Flächen  vor;  nämlich  {A)  ein  Ellipsoid, 
(ilt)  ein  einflächiges,  und  (A^)  ein  zweiflächiges  Hyperboloid. 
Die  von  Lam^  eingeführte,  von  (i  abhängende,  Function 


(5)  6  = 


/» du 


repräsentirt,  wie  sich  leicht  nachweisen  läfst,  das  Potential 
derjenigen  Wirkung,  welche  ein  beliebiger  Punkt  auf  der 
Ellipsoldfläche  {A)  von  einer  gewissen,  innerhalb  des  Ellip- 
solds  befindlichen,  Masse  empfängt.  (Diese  Masse  ist  auf 
der  Brennebene,  nämlich  auf  der  Fläche  einer  Ellipse  aus- 
gebreitet, welche  in  der  yis  Ebene  liegt,  und  durch  die 
Gleichung 

v^  ff* 

a  —  6  a^  c 

dargestellt  wird.)  Daraus  ergiebt  sich  nach  einem  bekann- 
ten Satze  sofort,  dafs  eine,  auf  der  Ellipsoldfläche  vorhan- 
dene, Vertheüung  von  elektrischem  Fluidum,  unter  der  ge- 
genseitigen Einwirkung  ihrer  Theilchen  auf  einander,  im 
Gleichgewicht  sejn  wird,  sobald  ihre  Dichtiji^keit  au  jeder 
Stelle  p  proportional  \&V  ia\\.  d^m  Werthe,    welchen   der 


507 

(nach  der  Normale  n  des  EUipsoIdes  gebildete)  Differen- 
tialqaotient  -^  ^^  Punkte  p  besitzt.  Bezeichnet  fi  den  Pa- 
rameter des  betrachteten  Ellipsoldes,  and  bezeichnen  ^i, 
fi,  die  Parameter  der  beiden ,  durch  p  gehenden,  Hyper- 
boloide; so  ergiebt  sich  für  diesen  Werth  von  ^  folgende 
Formel : 

ein .  Ausdruck ,  welcher  einer  einfachen  geometrischen  In- 
terpretation fähig  ist.  Construirt  man  nämlich  den,  nach  p 
hinlaufenden,  yom  Centrum  ausgehenden,  Radiusvector  des 
ElIipsoTdes,  und  den  mit  diesem  Radius  conjugirten  Dia- 
metralschnitt; oder  —  mit  andern  Worten  —  führt  man 
durch  das  Ellipsold  einen  ebenen  Schnitt,  welcher  das  Cen- 
trum trifft,  und  zur  Tangentialebene  in  p  parallel  läuft; 
so  ist  die  Randcurve  dieser  Schnittfläche  eine  Ellipse,  und 
ihr  Flächeninhalt  Si  von  folgendem  Werth: 

— yo.-..(,-»(,-.).((;^)'+  (^S+  (;ri7)T 

WO  rr,  y,  z  die  Coordinaten  des  Punktes  p  vorstellen.  Sub- 
stituirt  man  hier  für  x^  y,  %  die  Wertbe,  welche  sich  durch 
Auflösungen  der  Gleichungen  (il),  (ilj),  (il,)  ergeben,  so 
erhält  man 

mitbin : 

dj  2n 

am  ~  Jl' 

Daraus  ergiebt  sich  folgender  Satz: 

Auf  einem  EUipsoid  vertheilt  sich  die  Elektricität  der 
Artf  daf$  ihre  Dichtigkeit  in  jedem  Element  der  Oberfläche 
umgekehrt  proportional  ist  mit  dem  Flächeninhalt  desjenigen 
Diametralschnittes,  welcher  zu  jenem  Elemente  parallel  läuft. 
Halle,  Mai  1861. 


506 


XIII.     NotiL  über  den  Meteoritenfall  zu  Killeter 

in  Irland. 
Briefliche  Mittheilung  von  Dr.  O.  Buchner. 


DGiefsen,  9.  Mai  1861. 
urch  gütige  Vermittelung  des  Hrn.  R.  P.  Grey  in  Man- 
chester erhielt  ich  einen  kurzen  Bericht  fiber  den  Meteori- 
tenfall von  Killeter,  in  Irland,  und  eine  chemische  Analyse 
des  Steins.  Da  diese  Localität  bis  jetzt  nur  dem  Namen 
nach  bekannt  war  (Phil.  Mag.  Ser.  IV,  T.  VIII,  460.  Po  gg. 
Ann.  CVII,  1859,  161.  Herri's  Dissertation  91),  so  ist 
es  *  vielleicht  von  Interesse,  wenn  auch  wenig  Genaueres 
darüber  zu  erfahren.  Bericht  und  Analyse  sind  von  Hrn. 
Professor  Ha ughton  am  Trinity  College,  Dublin.  Dieser 
schreibt: 

Am  29.  April  1844  fiel  angesichts  verschiedener  Leute 
ein  Schauer  von  Meteoriten  zu  Killeter  bei  Castledery 
in  der  Grafschaft  Tyrone;  die  Steine  zerbrachen  bei  dem 
Fall  in  kleine  Steine,  nur  ein  Stück  wurde  ganz  gefun- 
den. Es  war  nach  der  Aussage  eines  dort  Einheimischen, 
»etwa  so  grofs  wie  ein  Glied  des  kleinsten  Fingers.«  Die 
Steine  waren  heifs  als  sie  gefunden  wurden.  Drei  Herren, 
die  den  Steinfall  selbst  nicht  sahen,  hörten,  als  sie  in  der 
Entfernung  von  3  bis  4  engl.  Meilen  auf  den  benachbarten 
Hügeln  gingen,  gegen  Killeter  zu  »Musik-,  (was  wohl  nicht 
als  eine  Explosionserscheinung  ausgelegt  werden  kann!); 
doch  bemerkten  sie  auch  gegen  Killeter  hin,  trotz  des  schö- 
nen sonnigen  Abends,  Wolken.  Als  sie  nach  Killeter  selbst 
kamen,  hörten  sie  von  dem  wunderbaren  Steinfall,  der  sich 
über  verschiedene  Felder  ausgebreitet  hatte. 

Prof.  Haughton  erhielt  Steinfragmente  durch  den  Revd. 
Dr.  M'  Ivor,  Ex-Fellow  vom  Trinity -College,  Dublin, 
und  Rector  von  Ardstraw,  welcher  dabei  schrieb,  dafs  es 
jetzt  ebenso  schwer  sey,  Proben  dieser  Masse  zu  erhalten, 
als  bestimmte  Mittheilungen  über  dieselbe.  Selbst  das 
Gerücht    über    dieselbe   «ey   (^«X   ^u«^estorben    und    man 


509 

könne  selbst  einsichtsvolle  Männer  mittleren  Alters  in  der 
Nachbarschaft  deshalb  fragen :  sie  hätten  nie  etwas  darüber 
gehörl.  Er  fügt  hinzu,  die  Lente  dieser  Gegend  seyen  sehr 
gleichgültig  und  dafs,  »wäre  ein  wirklich  brennender  Busch 
nahebei,  doch  nur  Wenige  darnach  sehen  würden.« 

Das  gröfste  von  Prof.  Haughton  gegebene  Stück  wog 
22,23  Grs.  und  hatte  ein  specifisches  Gewicht  von  3,761. 
Dieses  und  die  kleineren  Bruchstücke  zeigten  die  gewöhn- 
liche schwarze  Kruste  und  im  Innern  eine  grauweifse  Farbe 
und  kristallinische  Structur  mit  Flecken  von  Metallglanz 
durch  die  Legierungen  von  Eisen  und  Nickel  darin. 

Dr.  Haughton  analysirte  andere  Bruchstücke  auf  die 
gewöhnliche  Weise,  konnte  aber  durch  einen  Zufall  den 
in  Salzsäure  löslichen  Theil  nicht  näher  bestimmen. 

Die  Analyse  ergab  : 

1)  Hornblendegestein  (in  Salzsäure  unlöslich)       34,18 

2)  Erdiges  Mineral  (in  Säure  löslich)    .     .     .      30,42 

3)  Eisen , 25,14 

4)  Nickel 1,42 

6)  Chromozyd 2,70 

6)  Kobalt  Spur 

7)  Magnetkies 6,14 

100,(K) 
Der  in  Salzsäure  unlösliche  Theil  hatte  folgende  Zur- 
sammensetxung: 

Atome. 

Kieselsäure      55,01  1,22 

Thonerde  5,35  0,10 

Eisenoxjdul     12,18  0,34 ) 

Kalk  3,41  0,12    1,66 

Magnesia  24,03  1,20 ) 

99,98 
Mit  Weglassung  der  Thonerde  giebt  die  Analyse  die 
ratiooelle  Formel  der  Gesteine  der  Hornblendefamilie 

4RO,3Si03 
and  ak  Ganzes  betrachtet  stimmt  sie  mit  der  Analyse  man- 
cher Horableoden,  am  besten  mit  der  de&  Ku\\iOi^V^>X\^^i&« 


510 


XIV.     Zcpci  neuere  MeteorsteinfäUe.     Briefliche 
Mittheilung  von  Hrn.  Dr.  O.  Buchner. 


HGiefteD ,  12.  Juni  1861. 
eute  kann  ich  wieder  zwei  Meteoritenlälle  namhaft  ma- 
chen,  über  welche  aber  allerdings  bis  jetzt  gar  wenig  be- 
kannt ist.  Der  erste  ereignete  sich  zu  Canellas  bei  Villa 
Naeva  in  Catalonien,  7  Meilen  südwestlich  von  Barcelona 
am  14.  Mai  1861  um  1}  Uhr  Nachmittags.  Es  fiel  unter 
grofsem  Lärm  ein  ansehnlicher  Meteorstein,  der  in  30  Bruch- 
stücke zerbarst  Der  zweite  scheint  etwas  zweifelhafterer 
Natur  zu  sejn.  Nach  dem  Deny  Sentinel  Newspaper  vom 
15.  Juni  1860  war  am  9.  Juni  ▼.  J.  in  der  Gegend  von 
Raphoe,  Countj  Donegal,  Irland,  ein  heftiges  Hagelwetter. 
Hr.  M*"  Clintock  von  Raphoe  schreibt  nun:  »Ich  glaube, 
es  war  im  Juni  1860,  wo  wir  Donner  und  Blitz  und  hef- 
tigen Hagelschlag  hatten.  Nachher  händigte  mir  ein  Arbei- 
ter auf  meiner  Farm  Maghryhee  (Green  Hill)  2  (engl.)  Mei- 
len von  Raphoe  vier  oder  fünf  Steinfragmente  ein,  welche 
zusammen  etwa  die  Gröfse  eines  kleinen  Hühnereies  hatten. 
Er  stand  unter  der  Thür  seiner  Hütte  und  beobachtete  die 
grofsen  Klumpen  Eis,  welche  niederfielen,  als  er  einen 
dunklen  Körper  fallen  sah,  der  auf  dem  Boden  zerbarst. 
Er  sammelte  die  Bruchstücke  und  brachte  sie  mir  —  ich 
war  gerade  auf  dem  Gut.  Sie  waren  sehr  porös  und  bis 
zur  Mitte  nafs  wie  ein  Schwamm.  Ein  Eck  konnte  mit 
dem  Finger  abgebrochen  werden  und  ein  leichter  Hammer- 
schlag würde  ein  Stück  in  Sand  verwandelt  haben.  Die 
Masse  schien  dieselbe  Art  Stein  zu  sejn,  wovon  die  Häu- 
ser in  Edinburg  gebnut  sind  (Kohlensandstein?)  und  der 
von  Schottland  nach  Irland  für  Denkmäler  auf  Kirchhöfe 
u.  dergl.  gebracht  wird.  In  Derry  Sentinel  erschien  damals 
eine  Noliz  darüber.  »Wenn  die  betreffende  Masse  sich 
wirklich  als  Meteorit  erweisen  sollte,  woran  ich  aber  vor- 
erst noch  zweifeln  mufs,  so  wäre  der  9.  Juni  unzweifelhaft 
der  FalJtag.ff 


511 

Schliefslich  erlaube  ich  mir  auf  Cosmos  Apr.  26,  1861 
zu  Yerweisen,  wo  über  einen  Meteoritenfall  zu  Tocane- 
St.  Apre,  Dordogne,  Frankreich,  vom,  14.  Febr.  1861  be- 
richtet ist.     Er  ist  jetzt  im  Museum  des  Dep.  Dordogne. 


XV.    JJeber  eine  durch  Photographie  her  (vorgetretene 

ilirect  nicht  wahrgenommene  Lichterscheinung  und 

über  photographische  Darstellung  des  geschichteten 

elektrischen  Lichtes;   von  H.  W.  Dove. 

(KvA  d.  MoDaub.  d.  Akad.     Mai  1861.) 


LIer  durch  seine  schönen  photographischen  Aufnahmen  der 
Berliner  Monumente  für  das  Stereoskop  bekannte  Photo- 
graph Hr.  Günther  theilte  mir  mit,  dafs  bei  der  Aufnahme 
einer  Amazone,  die  mit  senkrecht  erhobener  Lanze  nach 
eioem  unter  dem  Pferde  liegenden  Löwen  stöfst,  in  der 
Verlängerung  der  Lanze  ein  Lichtstreifen  sich  dargestellt 
habe,  welcher  bei  der  Aufnahme  selbst  nicht  wahrgenom- 
men worden  sey,  und  wohl  elektrischen  Ursprungs  seyn 
möge.  Hr.  Günther  hat  die  Güte  gehabt,  das  negative 
Bild  zu  iixiren,  welches  ich  im  Stereoskop  aufgestellt  habe, 
und  wo  sich  dieser  Lichtstreif  als  ein  sehr  kenntlicher 
schwarzer  Streifen  zeigt.  Auch  unter  dem  rechten  Pferde- 
bnf  und  dem  linken  Arm  der  Amazone  ist  eine  Andeutung 
der  Verdunklung.  Leider  endigt  das  Bild  mit  der  Spitze 
der  Lanze,  es  ist  also  nicht  zu  entscheiden,  ob  an  dem 
nach  oben  gekehrten  unterm  Ende  der  senkrechten  Lanze 
ein  analoger  dunkler  Streifen  sich  zeigt.  Die  Aufnahme 
erfolgte  im  Hofe  des  Giefshauses  am  4.  Mai  gegen  10  4Jhr 
Morgens. 

Es  ist  eine  durch  vielfache  Beobachtungen  festgestellte 
Tbataache,  dafs  die  im  Frühjahr  eintretenden  Graupelwetter 
oft  ^o  stark  elektrisch  sind,  dafs  sie  zu  dem  unter  dem  Na- 
men Elmsfeuer  bekannten  Leuchten  der  Spitzen  Veranlas- 
sung geben.  Es  ist  also  nicht  unmöglich,  dafs  hier  ein  sol- 
ches Leuchten  stattgefunden  hat,  welches  bei  der  Tagesbe- 
lenchtung   sich   wegen  zu  geringer  HeUi^Ve\l  duecX  ta^^ 


512 

wahroebmeD  liefs,  f&r  die  photographische  Aufnahme  aber 
▼OD  ausreichender  Helligkeit  war.  Am  2.  Mai  war  hier 
Graupel,  Schnee  und  Regen,  am  3.  Morgens  Schnee,  am  4. 
stieg  bei  bewölktem  Himmel  von  Morgens  6  Uhr  die  Wttrme 
von  1^,8  R.  bis  7^  auf  3^,5  und  erreichte  das  Maximum  7*',4 
um  2  Uhr;  die  relative  Feuchtif^keit  betrug  80  Proc  um  6\ 
55Proc.  um  2^,  während  das  Barometer,  indem  der  Wind 
von  W.  nach  NW.  ging,  von  332"M5  Morgens  6^  auf  33l';i8 
Abends  10^  stieg.  Am  7.  wieder  Graupelwetter,  also  ein 
entschiedenes  Phänomen  der  Westseite,  zu  welchem  die 
Graupelschauer  gehören.  Läfst  sich  über  die  elektrische 
Natur  des  Leuchtens  daher  nichts  Bestimmtes  sagen,  so  ist 
doch  keine  der  begleitenden  Erscheinungen  der  Annahme 
einer  solchen  entgegen. 

Die  vorhergehende  Erscheinung  machte  es  natürlich  wfin- 
schenswerth,  darüber  zu  entscheiden,  ob  schwache  elektri* 
sehe  Lirhterscheinungen  überhaupt  sich  pholographiren  las- 
sen.   Hr.  (vünther  war  zu  diesen  Versuchen  gern  bereit. 

Die  Grifsler'sche  Röhre,  welche  in  den  cjlindrischen 
an  die  linsenförmige  Mitte  sich  anschliefsenden  Röhren  die 
Schichtung  vortrerilicli  zeigte,  gab  in  5  auf  einander  fol- 
genden photo^raphischen  Aufnahmen  von  3^  bis  6  Minuten 
Daner,  deren  Platten  in  der  Sitznng  vom  27.  Mai  vorgelegt 
wurden,  die  Schichtung  als  eine  Reihe  perlenarti^  an  ein- 
ander sich  reihender  Kugeln,  das  blaue  Licht  von  gerin- 
gerer Intensität  in  einem  grofseu  Räume  verbreitet,  den 
Draht  umhüllend. 

Die  unterbrochene  Bewegung  der  scheibenartigen  Schich- 
tung kann  man  sich  also  als  eine  Rotation  um  feste  Mittel- 
punkte denken,  die  dadurch  auf  dem  Bilde  eine  Kugelform 
erzengt. 

Neben  der  Röhre  war  ein  Würfel  und  ein  Lineal  von 
Uranglas  aufgestellt  und  unmittelbar  neben  dem  cjrlindri- 
sehen  Theil  derselben  stand  eine  Platte,  auf  welcher  die 
Worte:  Stokes,  Baryum  Platin  Cyanür  geschrieben  waren. 
Beide  fluorescirten  intensiv,  aber  die  photographische  Platte 
verrieth  nicht  die  Spur  davon.  Es  war  gerade  keine  an- 
dere fluorescirende  Substanz  als  jene  beiden  zur  Hand, 
eine  Lücke,  welche  später  ergänzt  werden  kann. 


Gedruckt  bei  A.  W.  &c^tkd%  V&  ^to^,  Stülidireibentr.  47. 


JTo.  8.  ANNALEN  1861. 

DER  PHYSIK  UND  CHEMIE. 

BAND  CXIU. 


I.     Veber  die  Fortfuhrung  materieller  Theilchen 

durch  strömende  Elektricität; 

pon  G.  Quincke. 


1. 

lAeass^)  in  Moskau  beobachtete  zaeral,  im  Jahre  1807 
dafs  ein  galvaniscber  Strom  FlQnigkeiten  in  der  Richtung 
des  positiyen  Stromes  mit  sich  fortfbhrte,  wenn  die  FlQssig- 
keit  an  einer  Stelle  durch  eine  poröse  Scheidewand  unter- 
brochen war.  Seine  Beobachtungen  scheinen  jedoch  bis  in 
die  neuste  Zeit  hinein  wenig  bekannt  geworden  zu  seyn, 
so  dais  oft  Porret*),  der  1816  ganz  ähnliche  Versuche 
beschrieben  hat,  als  der  Entdecker  dieser  spttter  auch  wohl 
mit  dem  Namen  »elektrische  Endosmose«  bezeichneten  Er- 
scheiniingen  angesehen  wird.  Dieselben  sind  dann  tou  de 
la  RiTc'),  BecquereP),  DanielM),  Napier*),  und 
besonders  tou  Wiedemann^)  untersucht  worden,  welcher 
in  einer  grOfteren  Arbeit  die  Gesetze  dieser  Fortführung 
festzustellen  bemfiht  war,  und  dabei  zu  dem  Schlüsse  ge- 
langte, dafs  dem  galyanischen  Strom  als  solchem  eine  fort- 

1)  Mimoirt*  de  ia  *oc,  impir,  des  naiuralistes  de  Moseov.     T.  ii^ 
/».  827-337.    1808. 

2)  Thomson,  annais  of  phil  FlU^  p.  74.  Juij  18ia 

3)  de  la  Rtpe^  traiU  de  tiUctr,  ii^  p,  379.     j4nn.  de  ehim.  ei  de 
phys.    XXnU,  p.  125.    1825. 

4)  Beequeret,  traiii  de  tilecir,  Ili^  p,  102. 

5)  Pogf.  Aoo.  ErgiDftoDgtbd.  I,  p.  569.   1835. 

6)  PhiL  Mag.  Juiy,  1846. 

7)  Wi«d«iDann,  GaUraiiiiiiit  I,  S.  377  imd  Fof«.   Aon.  UUIXSXV 
S.  321.  1852.    Ib.  XCa,  5. 177,  1856. 

PotgeadorfTs  AmmdmI.  Bd.  CXUh  ^ 


515 

keit88äule  in  beiden  vertikalen  Schenkeln  des  Rohres 
Platindrähte.  Verbindet  man  dann  den  einen  Platindraht 
t  der  innern,  den  anderen  mit  der  äufseren  Belegung  einer 
jdener  Flasche,  während  man  die  Flüssigkeitsoberfläche 
Bau  beobachtet,  am  besten  mit  einem  Mikroskope  von 
va  zehnfacher  VergröCserung,  so  bemerkt  man  ein  Sinken 
r  Flüssigkeit  in  dem  Schenkel,  der  mit  der  positiven,  ein 
eigen  in  demjenigen  Schenkel,  der  mit  der  negativen  Be- 
;Biig  der  Leidener  Flasche  in  Verbindung  war.  Nach 
liger  Zeit  kehrt  die  Flüssigkeit'  wieder  in  ihre  Ruhelage 
pOck. 

Dasselbe  findet  statt,  wenn  die  Platindrähte  nicht  die 
)^fläcbe  der  Flüssigkeit  beriUiren,  sondern  etwas  unter- 
Ib  der  Oberfläche  durch  die  Glaswand  de«(  Thermometer- 
lures  hindurch  mit  der  Flüssigkeit  in  Verbindung  stehen. 

Die  Flüssigkeit  sinkt  dabei  in  dem  einen  Schenkel  um 
enaoviel,  als  sie  in  dem  anderen  steigt.  Wurde,  der  in- 
ren  Belegung  einer  Leidener  Flasche,  die  durch  eine 
ine'sche  Maafsflasche  gemessene  Elektricitätsmenge  q  zw 
Eührf,  so  beobachtete  ich  bei  folgenden  Elektricitätsmen- 
D  die  darunter  angegebenen  Steighöhen  Jh  der  Flüssig- 
it,  ausgedrückt  in  willkührlichen  Scalentheilen  des  Glas- 
krometers,  das  im  Ocular  des  horizontalen  Mikroskops 
gebracht  war,  mit  welchem  die  Flüssigkeitsoberfläche  beob* 
htet  wurde: 

Elektricitätsmenge  9        5  10         15         20 

.  Steighöhe  Jh       4,6        9,5       16         19,9 

Elektricitätsmenge  q     —b     —10     —15     —20 

Steighöhe  Jh  —5,5  —10,3  —15,5  —20 

Dabei  ist  die  Steighöhe,  —  der  höchste  oder  tiefste 
and  des  Flüssigkeitsmeniskus  über  oder  unter  seiner  Rube- 
le — ,  positiv  oder  negativ  gerechnet,-  je  nachdem  die 
üssigkeit  in  dem  mit  der  äufseren  Belegung  der  Leidener 
asche  in  Verbindung  stehenden  Schenkel  stieg  oder  sank. 
in  sieht  aus  diesen  Versuchen  zu  gleicher  Zeit,  dafs  die 
)he,  biß  tu  welcher  die  Flüssigkeit  &n%le\%V)  ^xo'^q^x^a^w^ 


517 

Blaseu  an  dem  Kaulschuckschlauchc  die  Flüssigkeil  bewe- 
gen, den  Flüssigkeitsineniskus  an  eine  beliebige  Stelle  des 
Steigerohres  bringen  und  dieses  benetzt  halten  kann. 

Bei  einigen  Apparaten  war  der  Platindraht  p,  nicht  in 
daa  Ueberfilhningsrohr  eingeschmolzen,  sondern  reichte  zwi- 
schen dem  Korke  B  und  der  Wandung  von  A  hindurch 
in  die  Flüssigkeit 

Das  Ueberfahrungsrohr  wurde  von  2  auf  der  Glasplatte 
0  befestigten  Siegellacksäulchen  L^  und  Ir,  getragen.  Die 
Glasplatte  G  ruhte  auf  einem  mit  Stellschrauben  versehenen 
festen  Holzstlnder,  so  dafs  man  dem  Steigerohr  eine  belie- 
bige Neigung  gegen  den  Horizont  geben  konnte,  und  dabei 
der  ganze  Apparat  isolirt  und  fest  aufgestellt  war. 

Der  Stand  des  Fltissigkeitsmeniskus  im  Steigerohr  D 
wurde  an  einer  daran  befestigten  Millimeterscala  S  oder  mit 
einem  horizontalen  Mikroskope  Q  bestimmt,  in  dessen  Ocih 
lar  sich  ein  GlasmikrQmeter  befand.  Das  Glasmikrometer 
war  so  eingerichtet,  dafs  noch  0,1  Scaleatheil  geschätzt 
werden  konnte,  und  es  entsprachen  bei  der  gewöhnlich  an- 
gewandten 32  fachen  Linear- Vergröfserung  22,9  Scalentheile 
einem  Millimeter.  In  den  Fällen,  wo  ein  anderes  Objectiv 
von  schwächerer  Vergröfserung  angewandt  wurde,  ist  dieis 
besonders  bemerkt. 

Das  Mikroskop  Q,  war  an  dem  schon  früher  ^)  von 
mir  benutzten  Kathetometer  angebracht,  und  konnte  sowohl 
horizontal  als  vertikal  mefsbar  verschoben  werden.  Die 
Verschiebung  fand  parallel  einer  durch  das  Steigerohr  D 
des  Ueberführungsapparates  gelegten  Vertikalebne  statt,  so 
dafs  man  durch  Messung  der  horizontalen  und  vertikalen 
Ordinaten  a  b  und  ai  &|  zweier  verschiedener  Punkte  des 
oberen  Randes  des  Steigerohres  die  Neigung  (p  desselben 
gegen  den  Horizont  bestimmen  konnte  aus  der  Gleichung 

bi  —  b 

tang<)p  =  ^^^ 

Es  wurde  dann  der  obere  Rand  und  die  Axe  des  Steige- 
rohres als  parallel  angenommen« 

1)  Pogg.  Add.  GV,  S.  12  und  Taf.  I,  Fig.  II  und  U. 


natQrlicb  länger  se;D  mub,  ab  die  zu  reiuigeode  GlasrOhr^ 
damit  diese  ganz  von  der  Sdiwefelsäare  bedeckt  ist.  Dw 
Probierrohr  nird  darauf  in  eiDem  Dampfbad  eine  halb« 
Stunde  oder  länger  auf  100°  erwSnnl.  Die  SchwefelsioR 
verdrXngl  das  leichlere  Wasser  aus  der  capillarea  Glas- 
röhre, und  lOet  alle  Uoreinigkeiteu  auf,  besonders  wcdb 
mau  derselben  etiras  Salpetersäure  lugesetzt  hat.  Nadi 
dem  Erkalten  fvird  die  Röhre  mit  destillirtem  Wasser  ab- 
gespült und  so  lange  heifses  destillirtes  Wasser  mit  HOlfe 
der  Luftpumpe  hindurchgetrieben,  bis  man  sicher  seyn  VanD, 
da{s  die  SSure  entfernt  ist.  Die  Röhren  vrerden  dann  unter 
destillirtem  Wasser  in  langen  Probierröhren  aufgehoben,  so 
dafs  sie  Überall  benetzt  bleiben.  Zugleich  werden  dadarch 
die  lelzlen  Spuren  Säure,  die  noch  an  den  Wänden  haften, 
enlfernl. 

In  den  so  gereinigten  Röhren  bewegt  sich  das  Wassw 
mit  grofser  Leichtigkeit.     Will  man  andere  FItissigkeiten  ab 


519 

Wasser  unterandieD,  so  werden  die  Röhren  mit  Hülfe  der 
Luftpumpe  durch  Dnrchsaugen  warmer  Luft  getrocknet  uud 
mit  der  betreffenden  Flüssigkeit  gefüllt,  die  dann  gewöhn- 
lich die  Röhrenwand  tiberall  gleichförmig  benetzt,  beson- 
ders wenn  sie  einige  Zeit  in  den  Röhren  gestanden  hat. 

Sollte  der  Meniskus  der  Flüssigkeit  nicht  gleichmäfsig 
scharf  erscheinen,  wenn  man  ihn  in  der  Glasröhre  bewegt, 
so  ist  dieselbe  noch  nicht  ordentlich  benetst,  und  man  muüs 
das  eben  beschriebene  Reinigung^sverfahren  wiederholen. 

Ein  Uebelstand,  auf  den  ich  weiter  unten  noch  zurück- 
kommen werde,  ist  ferner,  dafs  selbst  kaltes  destillirtes 
Wasser  das  Glas  auflöst,  wenigstens  die  Sorten,  die  mir 
zu  Gebote  standen,  und  die  ich,  da  das  Glas  gut  isoliren 
muÜBte,  zu  den  vorliegenden  Versuchen  anwenden  konnte. 
Ueberhaupt  sind  jetzt  Glasröhren,  besonders  Thermometer- 
röhren, aus  gut  isolirendem  Glase  sehr  schwer  im  Handel 
za  bekommen,  und  ich  verdanke  die  von  mir  benutzten 
allein  der  Güte  des  Hm.  Dr.  W.  Brix,  der  sie  zufälÜg 
von  früherer  Zeit  her^besafs,  wo  man  noch  Thermometer- 
röhren aus  isolirendem  Glase  anfertigte. 

Dabei  scheinen  verschiedene  Stellen  des  Glases  ver- 
schieden leicht  angegriffen  zu  werden,  denn  das  Wasser 
der  benetzten  Röhrenwandung  hat  stets  die  Neigung  sich 
an  bestimmten  Stellen  anzusammeln,  ohne  dafs  man  diefs 
einer  zufälligen  Verengerung  der  Röhren  an  diesen  Stellen 
zuschreiben  könnte.  Zeigt  die  Röhre  nach  längerem  Ge- 
brauche diese  unregelmäCsige  Benetzung,  so  mufs  sie  mit 
heilBem  destillirtem  Wasser  oder  selbst  mit  Säure  frisch 
gereinigt  werden. 

5. 

Um  die  Abhängigkeit  der  Ueberführung  von  dem  Ent- 
ladongsstrome  der  Leidener  Batterie  zu  untersuchen  wur- 
den Leidener  Flaschen  von  130  Quadratzoll  Belegung  an- 
gewandt.' Eine  La ne' sehe  Maafsflasche  von  50  Quadrat- 
zoU  Belegung,  deren  Kugeln  0,5  Linien  von  einander  ab- 
standen, maCs  die  in  der  Batterie  angehäufte  Elektricitäts- 
menge.    Die  äufsere  Belegung  der  Batterie  ^utd«  V^ia  4l^\ 


521 

res.  In  den  mit  /  überschrirbenen  Coluinnen  slehl  die  Zeil 
in  Sekunden,  während  welcher  der  Flüssigkeitsmeniskus  sich 
▼or-  oder  zurückbewegte,  d.  h.  also  die  »Dauer  des  Stei- 
gMs«.  9  iat  die  Neigung  des  Steigerohres  gegen  den  Ho- 
rnont,  Tm^i.  die  Temperatur  des  Apparates  in  Centesimal- 
graden,  $  die  Anzahl  der  Leidener  Flaschen,  q  die  Anzahl 
der  Funken  der  Maafsflasche.  Bei  den  negativ  gerechneten 
Steighöhen  war  die  Batterie  mit  negativer  ElektricitSt  gela- 
den und  es  stand  die  innere  Belegung  derselben,  ebenso 
wie  bei  allen  folgenden  Versuchen,  mit  der  dem  constanten 
Niveau  nSher  gelegenen  Platinelektrode  des  Ueberführungs- 
rohrea  in  Verbindung. 

ar»0-",9        L=3200—        9  =  5*43',5 
tsaS        Temp.  =16»,8 


9 

Jh 

i 

Jh 

t 

Miitd 
Jk 

60 

48,77 

2",60 

—  47,0 

2",73 

47,885 

40 

34,52 

2  ,65 

—  32,15 

2  ,67 

33^335 

30 

23,95 

2  ,63 

-22.23 

2  ,51 

23,090 

M  ' 

14,29 

2  ,63 

"  14,82 

2  ,40 

14,555 

10 

7,48 

2  ,42 

—   7,32 

2  ,47 

7,400 

5 

4,13 

2  ,37 

—   3,50 

2  ,10 

3,815 

In  der  Batterie  war  nach  der  Entladung  kein  Rückstand 
zu  bemerken.  Die  angegebenen  Werthe  von  Jh  und  I 
sind  das  Mittel  aus  6  Bestimmungen.  Man  sieht  aus  ihnen, 
daCi  bei  derselben  Oberfläche  der  Batterie  die  Steighöhe 
proportional  der  in  der  Batterie  angehäuften  Elektricitäts^ 
menge  i$t^  und  dafs  die  Dauer  des  Steigern  trotsi  der  sehr 
verschiedenen  Steighöhe  seikr  nahe  dieselbe  bleibt. 

7. 

Die  Steighöhe  hatte  übrigens  in  den  24^  bedeutend  ab- 
genommen, während  deren  der  Apparat  ruhig  mit  destillir- 
tem  Wasser  gestanden  hatte.  Gleich  nach  dem  Füllen  des 
Apparates  erreichte  das  Wasser  bei  der  ElektricitStsmenge 
9sssdb20  in  6"  eine  Steighöhe  von  etwa  91  Scalentheilen 
statt  14  Scalentheilen  in  2",  5,  so  dafs  also  auch  gleichzeitig 
die  Geschwindigkeit,  mit  der  die  Flüssigkeit  stieg,  abgenom- 
men hatte.      Andere  Elektricitätsmengen  ex^^Y^ew  'äoxKv^^ 


eiDen  Multipltcator  von  12000  Wiudungeti  mit  einem  mag- 
netischen Stahlspiegel  uud  dSinprender  KupferfallUe  nadi 
der  EinrichtuDg  von  Wledemann  ')>  so  >8t  die  mit  Fern- 
rohr und  Scala  in  der  von  Poggendorff '')  angegebeaeo 
Weise  beobachtete  Ablenkung  proportional  der  Strominten- 
sität  oder  auch  umgekehrt  proportional  dem  Widerstände 
der  Flüesigkeit,  da  gegen  diesen  der  Widerstand  des  ine- 
tallischen  Tbeiles  des  Schliefsungsbogens  TemacblaBsigt  ner- 
den  kann.  Dabei  zeigt  sich  dann,  dafs  besonders  der  Wi- 
dersland solcher  Apparate  abnimmt,  die  viel  benutzt  wor- 
den und  bei  denen  bedeutende  Quantitäten  Etektricitit 
durch  die  Flüssigkeit  geflosseu  sind. 

So  beobachtete  ich  bei  einem  Ueberführungsrohre  von 
0°>*,9  Durchmesser,  wenn  dieses  mit  frischem  destillirten 
Wasser  gefüllt  und  eine  Strecke  von  lOO""  Länge  in  der 
eben  crfräbnlen  Weise  eingeschaltet  wurde,  die  StromiDten- 
sitäl  J  =  15;  nachdem  dasselbe  24^  gestanden  halte  und 
benutzt  worden,  war  J^  95.  Eine  andere  Strecke  des  Ue-  j 
berführungsrohres  desselben  UcbcrflibrungEapparates,  durch  I 
welche  mehr  Elekiricitfit  geflossen  war,  die  aber  sonst  die-  | 

l>  Po||.   Ann.  1.XXX1X.  S  Mt, 

2)  Pott-  Aon.  Vit,  S.Ul.  "^ 


;V23 

bclbeu  Diineuäioueii,  wie  die  vorige  hatte,  ergab  die  Slroiii- 
intensitäl  J  =^  134,  während  kurz  nach  dem  EiofüIIen  J  =  18 
gewesen  war.     Andere  Versuche  ergaben  ähnliche  Resultate. 

LSbt  man  die  Apparate  3  Tage  und  länger  stehen,  so 
wird  der  Widerstand  auch  nicht  constant  und  es  tritt  die 
oben  (§•  4}  erwähnte  unregelmäfsige  Beuetzuug  des  Steige- 
rohres ein. 

Die  Veränderung  des  Wassers  zeigt  sich  aufser  der  Er- 
höhung der  Leitungsfähigkeit  auch  daran,  dafs  das  Wasser 
schwerer  beweglich  ist.  Wenn  man  den  Meniskus  durch 
Blasen  oder  Saugen  an  dem  Kautschuckschlaüch  aus  seiner 
Ruhelage  um  eine  bestimmte  Gröfse  entfernt,  so  kehrt  er 
kurz  nach  dem  Fflllen  des  Apparates  viel  schneller  in  seine 
Rahelage  zurück,  als  wenn  das  Wasser  längere  Zeit  in  dem 
Apparate  gestanden  hat. 

Als  destillirtes  Wasser,  nachdem  es  etwa  36^  in  einem 
UeberfÜhmngsapparate  gestanden  hatte  und  durch  dasselbe 
eine  bedeutende  Quantität  Elektricität  (700  der  oben  er- 
wähnten MaaMaschen)  hindurchgeleitet  worden  war,  in  ei- 
ner Platinschale  im  Wasserbade  eingedampft  wurde,  so  zeigte 
^ch  ein  Rückstand,  der  beim  Glühen  der  Platinschale  nicht 
verschwand.  Ursprünglich  hatte  sich  beim  Verdampfen  des 
destillirten  Wassers  kein  Rückstand  gezeigt,  so  dafs  also 
auch  dieser  Versuch  für  die  Auflösung  des  Glases  durch 
kaltes  destillirtes  Wasser  spricht. 

Ich  bin  deshalb  trotz  der  gröfsten  Mühe  nicht  im  Stande 
gewesen  mit  frisch  eingefülltem  destillirten  Wasser  in  grölse- 
ren  Versuchsreihen  constante  Zahlenwerthe  zu  erhalten,  und 
auch  die  mitzutheilenden  Messungen  können  aus  den  eben- 
erwähnten Gründen  auf  keine  grofse  Genauigkeit  Anspruch 
machen,  obwohl  die  Gesetze  der  Ueberführung  für  frisches 
Wasser  und  solches,  das  längere  Zeit  gestanden  hat,  diesel- 
ben sind.  Nur  ist  bei  ersterem  der  Widerstand  und  die 
fortführende  Kraft  unter  sonst  gleichen  Verhältnissen  gröüser. 

Wenn  auch  bei  den  folgenden  Messungen  der  Bequem- 
lichkeit der  Beobachtung  wegen  die  Steighöhe  selten  2"^ 
überschritten  hat,  so  zeigten  sich  die  eTw)A\\A«tk  \^w\^^<i\- 


Id  dem  Folgeoden  soll  gezeigt  werden,  dafs  diese  Fort- 
führung Ton  Flüssigkeiten  durch  strömende  ElektricilSt  dta 
galvauischeo  Strome  der  H/droketlen  uicbt  allein  zakomel, 
dafs  sie  ohne  Diaphragma  nachgewiesen,  und  bei  den  ret- 
schiedensten  Stoffen  unabhängig  vom  Aggregatzuslande,  bald 
im  Sinne  des  positiven,  bald  im  Sinne  des  negaliren  Stro- 
mes staltfinden  kann.  Schiiefelich  werde  ich  Tersuchen,  eine 
Erklärung  dieser  Erscheinungen  zu  geben. 
2. 

Man   nehme   ein  U-fOrmiges  Thcrmomelerrohr,   falle  et 
mit  destillirtem  Wasser,  und  tauche  in  die  Enden  der  Flff»- 

1  >  PM.  mag.   rill,  p.  151.  1854. 

2)  V.   Qi>iniD>-lcHiui,    Lehtbucl.    dtr   EiperimenUl-PhTiSh,    S.  N3. 
IS55. 

3)  Po«g    Ann.  C,  S.  Wä.    1857. 

4)  Pogg.  Ado.  LXXXVII,  S.327. 

5)  Compt.  rtnd.  LI,  p.  814.     Dtc.W.  Vftßlft.    N«o»o  Cim™n.  VM!, 


525 

tioD  zwischen  diesen  Gröfsen  angeben  iiefse.  Andere  Ver- 
suche mit  Röhren  von  anderen  Dimensionen  ergaben  fthn- 
liche  Resultate. 

9. 

Zur  Entscheidung  der  Frage,  in  welcher  Weise  die 
Steighöhe  Ton  der  Lttnge  der  von  der  Elektricität  durch- 
flossenen  FItlssigkeitsstrecke  abhinge,  benutzte  ich  Apparate, 
bei  denen  das  Ueberführungsrohr  gleich  weit  und  in  glei- 
chen Abständen  mit  Platinelektroden  versehen  war.  Der 
Entladungsstrom  der  Leidener  Batterie  dnrchflofs  die  Flfls- 
sigkeitsstrecke  zwischen  der  ersten  und  zweiten,  zwischen 
der  zweiten  und  dritten  oder  zwischen  der  ersten  und  drit- 
ten Platinelektrode.  Die  beobachteten  Steighöhen  sind  in 
dem  Folgenden  entsprechend  mit  ^^i,,  Jh^^  oder  Jh^^ 
bezeidinet,  wie  denn  alle  Bezeichnungen,  die  sich  auf  die 
Strecke  zvrischen  den  Elektroden  1  und  2  beziehen,  mit  dem 
unteren  Index  12  versehen  sind;  entsprechend  sind  die  an- 
deren Bezeichnungen. 

Ging  die  Elektricität  nicht  durch  die  ganze  Flüssigkeits- 
strecke, so  wurde  in  dem  Schliefsungsbogen  der  Leidener 
Batterie  auCserhalb  des  Ueberführungsapparates  ein  Glas- 
rohr eingeschaltet,  von'  denselben  Dimensionen,  wie  die 
nicht  von  Elektricität  durchflossene  Strecke  des  UeberfOb- 
rungsrohres,  das  auch  mit  diesem  gleichzeitig  mit  destillirtem 
Wasser  gefüllt  worden  war.  Auf  diese  Weise  bUeb  der 
Sdiliefsnngsbogen  der  Leidener  Batterie  ungeändert,  und 
man  konnte  annehmen,  dafs  die  Entladung  in  derselben 
Weise  stattfand,  wenn  auch  das  Wasser  im  Ueberführungs- 
röhre  schneller  seine  Leitungsfkhigkeit  änderte,  als  in  der 
aufserhalb  des  Ueberführungsapparates  als  Widerstand  ein- 
geschalteten Wasserstrecke.  Diese  Methode  erlaubte  also 
die  Ueberführung  bei  verschiedener  Länge  der  durchflösse* 
nen  Flflssigkeitsstrecke  zu  vergleichen,  während  die  bewegte 
Wassermasse  dieselbe  war  und  auch  der  Meniskus  im  Steige- 
rohr dieselbe  Beschaffenheit  hatte. 

Die  angegebenen  Zahlen  der  folgenden  Tafel  sind  das 
Mittel  aus  S  Versuchen.    Die  in  einer  HoraoiAiVi«^^  «!^.- 


526 


baltencn  Bestimmangen  gehören  unmittelbar  nach  einander 
angestellten  Versuchen  an,  um  den  Einflufs  der  Aendening 
der  Ueberftihrnng  durch  Erhöhung  der  Leitungsfihigkeit  des 
Wassers  möglichst  zu  beseitigen.  Die  Bezeichnungen  sind 
dieselben  wie  frflher  (§.  .6). 

2r„  =  l"»,9d0        2raa  =  l""»,888        tp  =  60',3 
L„=»230—  L„=:230»-        Temp.  =  16«,4 


Jh 


it 


^it 


Jk 


u 


^SJ 


I    Jhii         #,a      I  Jkir+-Jl^ 


f  =  3. 


eo 

24^ 

6",30 

44,00 

6",45 

73.67 

7",73 

68,88 

60 

-28,23 

4  ,08 

-31,72 

4  ,25 

—  60,58 

7  ,90 

—  59,95 

40 

13,00 

4  ,07 

27,70 

6  ,00 

44,74 

7  ,44 

40.70 

40 

— 17,98 

4  ,33 

—  24,57 

4  ,93 

—  40,80 

5  ,93 

—  42.5S 

20 

6,08 

4  ,24 

8,6 

4,4 

13,47 

6  ,37 

15,68 

20 

-  10.5 

4  ,27 

—  11,27 

4  ,13 

20,09 

5  ,93 

-21,77 

20 

6,53 

2",53 

10,45    2",33  1 

21,10     4".l3  1 

^  16,98 

20 

-  12,02 

2  ,60 

-  14,28 

2,60| 

-  24,30 

3,67  1 

—  26,30 

Die  letzte  Columue  enthält  die  Summe  der  in  der  ent- 
sprechenden Horizoutalreihe  enthaltenen  Werthe  von  //A,, 
und  //A^a*  Man  sieht,  dafs  diese  sehr  nahe  z=ijh^^  sind. 
Die  Werthe  von  dh^^  sind  etwas  kleiner,  die  von  ^/*,., 
etwas  gröfser  als  ^  JA,^,  da  der  dem  Steigerohr  näher  ge- 
legene Theil  des  Ucberführungsrohres  etwas  enger  war,  und 
in  engeren  Röhren,  wie  ich  später  (§.  10)  zeigen  werde, 
die  Ueberführung  bedeutend  gröfser  ist. 

Die  Flüssigkeit  steigt  aber  mit  gröfserer  Geschwindig- 
keit, wenn  die  ganze  Fliissigkeitsstrerke,  als  wenn  nur  die 
halbe  Flüssigkeitsstrecke  von  der  Elektricität  durchflössen 
wird,    denn   man   sieht,    dafs   für  dieselbe   Horizontalreihe 


1 1 


+  t 


3  3 


«,3  ist. 


Versuche  mit  Röhren  von  anderen  Dimensionen  ergaben 
ähnliche  Resultate. 

Daraus  geht  hervor,  dafs  die  Steighöhe  unier  sonst  glei- 
chen Umständen  proportional  der  Länge  der  von  der  Elek- 
Mcitäi  durchfiossenen  Flüszigkeitsstrecke  ist. 


527 

10. 

Um  zu  seheu,  wie  die  UeberführuDg  mit  dem  Radios 
des  Ueberfübrungsrobres  sich  ändert,  darf  man  nidit  ver- 
scbiedene  Apparate  mit  verscbiedenem  Durchmesser  des 
UeberfObrungsrobres  anwenden,  denn  abgesehen  davon,  dafs 
dann  die  bewegte  Wassermasse  eine  andere  gewesen  w&re 
und  das  Wasser  leicht  verschiedene  Leitungsfähigkeit  in 
verschiedenen  Apparaten  gehabt  hätte ,  würde  auch  der 
Durchmesser  des  Meniskus  im  Steigerohr  von  grofsem  Ein- 
flufs  auf  die  Bewegb'chkeit  der  Flüssigkeit  in  letzterem  ge- 
wesen seyn. 

Folgender  Versuch  zeigt  diefs  sehr  deutlich.  Ein  Glas- 
stäbchen,  das  sorgflältig  gereinigt  und  benetzt  war,  wurde 
in  das  Steigerohr  eines  Ueberführungsapparales  geschoben, 
so  dafs  der  Querschnitt  desselben  (2r  =  0""",9)  etwa  um 
den  sechsten  Theil  verengert  wurde  an  der  Stelle,  wo  sich 
der  Meniskus  befand.  Das  Ueberführungsrohr  war  unge- 
ändert  geblieben,  und  dennoch  beobachtete  ich  nur  die 
halbe  Steighöhe  wie  ohne  Stäbchen,  obwohl  man  eigentlich 
eine  grö&ere  Steighöhe  hätte  erwarten  sollen,  wegen  des 
kleineren  Querschnitts  des  Steigerohres. 

leb  habe  deshalb  Apparate  angewandt^  bei  denen  das 
UeberfOhrnngsrohr  aus  2  Theilen  von  gleicher  Länge  und 
verschiedenem  Durchmesser  bestand,  während  das  Steigerohr 
denselben  Durchmesser  wie  der  engere  Theil  des  Ueber- 
f&hrungsrohres  hatte.  Es  wurden  dabei  immer  2  gleichzei- 
tig gereinigte  und  gefüllte  Apparate  von  denselben  Dimen- 
sionen benutzt.  Der  eine  derselben  diente  als  Widerstand, 
indem  abwechselnd  der  engere  oder  weitere  Theil  des 
Ueberfbhrungsrohres  desselben  eingeschaltet  wurde,  so  dafs 
der  Scbliefsungsbogen  der  Leidener  Batterie  ungeändert 
blieb,  mochte  die  Elektricität  den  weiteren  oder  engeren 
Theil  des  Ueberfübrungsrohres  des  anderen  durchfliessen. 

Die  folgende  Tafel  giebt  die  Beobachtungen  an  einem  Ap- 
parate» der  frisch  mit  destillirtem  Wasser  gefüllt  worden  war. 
Die  ZMen  einer  Horizontalreihe  wurden  bei  derselben 
Oberfläche    der  Batterie   durch   unmilteVbaT  sluI    ^vd^vcA«^ 


Deiaen  ineiie  aes  ueoenunniDgaronres  m  aein  erwnmaa 
Apparate  wie  2,765  Terhalteo,  verhalten  Bich  die  beobach- 
teten Steighöhen  im  Mittel  umgekehrt  wie  16,17. 

Dabei  scheint  diefs  letztere  VerhSltnifa  anabhangig  von 
der  Quantität  und  Dichtigkeit  der  in  der  Batterie  aogehlnf- 
ten  ElektricitBt,  sowie  von  der  Leitungsfthigkeit  des  Wu- 
sers, denn  ich  erhielt,  nachdem  der  Apparat  48^  geatandcD 
halte,  nahe  dasselbe  Verhältnifs,  nSmlich 

^=15,407. 

Beobachtungen  an   anderen  Apparaten   mit  Ueberfährnngt-  j 
röhren  von  anderen  Dimensionen  ergaben  ahnliche  Resultate. 

II. 

Um  den  Eiuflufs  der  Gröfse  der  inneren  Kohrenober- 
fläche  auf  die  Ueberftihrung  zu  bestimmen  wurden  in  des 
weiteren  Theil  der  UeberfÜhningsrOhren  der  beiden  eben 
erwähnten  Apparate  2  Glasotäbchen  geschoben,  so  dafa  bi« 
eine  Röhre  mit  ringförmigem  Qu«t*t.\i'&\U  (Fi^-  *  Tat  VIII) 
entstand. 


i 


529 

Die  Glasröhren  waren  aus  demselben  Glase ,  wie  die 
UeberfQhrungsröhren,  vor  der  Glasbläserlampe  gezogen  und 
nahe  cylindrisch,  wie  die  directe  Messung  verschiedener 
Stellen  ergab,  indem  sie  mit  einem  Schraubenmikrometer 
unter  einem  Schieck 'sehen  Mikroskop  auf  einem  daran 
befestigten  Mefstische  meCsbar  verschoben  wurden. 

Der  mittlere  Durchmesser  der  Glasstäbchen  wurde  aus 
ihrem  Gewichte,  dem  specifischen  Gewichte  des  Glases*) 
und  der  gemessenen  Länge  derselben  abgeleitet.  Die  nach 
beiden  Methoden  gefundenen  Werthe  der  Durchmesser  stimm« 
ten  genügend  tiberein. 

Der  Entladungsstrom  der  Leidener  Batterie  wurde  gleich- 
zeitig durch  den  ringförmigen  Theil  des  Ueberftihrungsroh- 
res  des  einen  Apparates  und  durch  den  cjlindrischen  Theil 
des  Ueberführungsrohres  des  anderen  Apparates  geleitet, 
um  den  Schliefsungsbogen  ungeändert  zu  lassen.  Der  eine 
Apparat  wurde  nur  als  Widerstand  benutzt. 

Die  folgende  Tafel  giebt  die  Beobachtungen  für  destil- 
lirtes  Wasser,  das  frisch  eingefüllt  worden  war.  Die  Steig- 
höhen sind  in  Scalentheilen  des  Glasmikrometers  ausgedrückt, 
von  denen  8,78  einem  Millimeter  entsprechen,  da  bei  die- 
sen Versuchen  eine  schwächere  YergröCserung,  als  gewöhn- 
lich, angewendet  wurde.  2^  ist  der  Durchmesser  des  Glas- 
stSbchens.  Die  übrigen  Bezeichnungen  sind  dieselben  wie 
früher  (§.  6).  Die  angegebenen  Zahlen  sind  das  Mittel  aus 
5  Beobachtungen  und  gehören  die  Werthe  einer  Horizon- 
talreihe unmittelbar  auf  einanderfolgenden  Versuchen  an. 


1)  Dm  specifische  Gewicht  des  Glases  der  Ueberfuhrongsröhren  war  2,521. 
I  Zof  man  aus  diesem  Glase  Glassiabcheo ,  so  xeigten  diese  ein  gröfseres 

ipcdfischea  Gewicht.  Die  Zaoahme  war  um  ao  grAfser,  je  dünner  die 
Stibchen  waren.  Vielleicht  ist  der  Grund  einfach  darin  an  suchen,  daCi 
Alkali  sich  in  der  Flamme  der  Glasbläscrlampe  verflüchtigt  hatte.  Das 
^eeifisdie  Gewicht  des  GlasstSbchens,  auf  das  sich  die  folgenden  Beob- 
achtnagen besiehen,  war  2,558;  bei  einem  anderen  von  OylT^'^Diirch- 
•of  ar  2,685. 


a 


Pafgcadorrfs  Aanal.  Bd.  CXIII.  ^4 


530 


0-»^772        2  r«  cor  0-Hi,5274        tpwoV  Vl\l 


0— ,7272 


L,3«101> 


Temp.«=  16*^9 


Jk 


49 


20 
—20 

10 
-10 

20 
—20 


48,62 
—50,00 

21.34 
—23,32 

46,48 

-48,84 


«  =  3. 

20",64 
18  ,00 
17  /)5 
17  ,76 

1=1. 

8".92 
8  ,16 


1.72 

—  1.92 
0.64 

—  0,80 

1,76 
-1,86 


18",64 
18  ,48 
17  ,36 
16 


9" 
8  ,72 


Bezeichnet  man  mit  9,,  und  9,3  den  Querschnitt  de 
UeberfQhrungsrohres  z^vischen  den  Elektroden  I  und  2  uim 
den   Elektroden  2  und  3,    so    folgt   aus    obigen   Angabo 

^*  =  0,865,   so   dafs   also   beide   Röhrenlhcile  bei   gleiche 

Län^e  nicht  bedeulcnd  verschiedenen  Querschnitt  besafsei] 
Die  Ueberführung  in  dem  Rohr  mit  ringförmigem  Quer 
schnitt  ist  jedoch  30  Mal  gröfser  als  die  in  dem  änderet 
Rohr.  Die  Dauer  des  Steigens  für  die  Ueberftibrang  11 
die4»em  letzteren  läfst  sich  jedoch  wegen  der  geringen  Steig 
höhe  nicht  genau  bestimmen. 

Andere  Versuchsreihen  ergaben  ähnliche  Resultate.  Mai 
sieht  daraus,  dafs  mit  der  Gröfse  der  Oberfläche  der  Röh 
rentcandung  die  Ueberführung  bedeutend  zunimmt. 

12. 

Schaltet  man  aufser  dem  Ueberführungsapparate  uod 
andere  Widerstände  in  den  Schliefsungsbogen  der  Leidenei 
Batterie  ein,  so  wird  dadurch  die  Eutladungszeit  vergröfser 
und  die  Steighöhe  verkleinert,  indem  jetzt  ein  gröfserei 
Theil  der  fortgeführten  Wassermasse  durch  die  Schwerkraf 
wieder  zurückgeführt  wird. 

Die  folgenden  Beobachtungen  wurden  an  einem  mit  de 
stillirtem  Wasser  gefüllten  Apparate  angestellt,  wenn  in  dei 
Schliefsungsbogen  der  Leidener  Batterie  nach  und  nach  mi 
destillirtem  Wasser  gefüllte  Röhren  von  denselben  Dirnen 
siouen,   wie   das  Ucberführungsrohr,   eingeschaltet  wurdeo 


631 

die  Elektricitftt  also,  wenn  man  den  metallischen  Theil 
(ehiiebungsbogens  vernachläfsigt,  entweder  den  noth- 
ligen  Widerstand  oder  das  doppelte,  dreifache,  vierfa- 
lasselben  zu  tiberwinden  hatte. 

Vegen  der  Veränderlichkeit  der  Leitungsffihigkeit  des 
Mn  wurden  aber  aufserdem  mit  einem  Spiegelmultipli- 
und  einem  constanten  Strom  in  der  oben  (§.  7)  er- 
ten  Weise  die  Widerstände  TF,  W^  W,  der  einge- 
teten  FIfissigkcitsstrecken  bestimmt  und  mit  dem  Wi- 
anda  W  der  Wassersäule  im  Ueberffihrungsrohre  ver- 


1  der  folgenden  Tabelle  sind  Über  den  die  Steighöhe 
iden  Columnen  die  Widerstände  angegeben,  welche 
Sotiadungsstrom  der  Leidener  Batterie  aufser  dem  me- 
4ien  Theile  der  Leitung  zu  überwinden  hatte.  Die 
Itelbar  darunter  stehenden  Zahlen  geben  den  Wider- 
der  sämmtlichen  in  den  Schliefsungsbogen  eingeschal- 
Wassersäulen,  den  der  Wassersäule  im  Ueberführungs- 
i  ^  1  gesetzt. 

lie  Steighöhen  Jh  sind  wieder  in  Scaleutheilen  des 
nikrometers  ausgedrückt,  von  denen  22,9  einem  Milli- 
r  entsprechen,  die  Zeit  des  Steigens  t  in  Sekunden.  Die 
[[ebenen  Werthe  sind  das  Mittel  aus  6  Beobachtungen. 
Angaben  einer  Horizontaircihe  gehören  Versuchen  an, 
inmittelbar  auf  einander  folgten.  Die  übrigen  Bezeich- 
en  sind  dieselben  wie  früher  (§.  6). 

j,  __  looaa         9^5*  43',5  Temp.  =  16', 5 


W 
=  1 


Jh 


=  2,435 

Jk    I       i 


=  5,263 


=  1»,263 


«  =  3. 


3",6 

14,87;    4",8 

11,87 

2  ,93 

-14,80      5  ,0 

-11,83 

2  ,43 

4,28     4  ,40 

2,68 

2  ,25 

-  3,75      4  ,47 

-  2,55 

4,30 
^1» 


r',io 

0.8 


4,72 
4,67 


2  ",07 
1  ,00 


=  1 


4,20 
4,32 


2M7  I 
I  ,43  \ 


7  ",67 
7  ,33 
9  ,47 

7  ,87 


3,68  l    V\<R 


532 

Man  sieht  aus  diesen  Versucben,  dafs  die  Steighöhe  m 
die  GeschtoindigkeU  des  SieigeM  mit  waeksendem  Widerstan 
des  Schliefsungsbogens  abnehmen,  besonders  bei  geringer 
Dichtigkeit  der  Elektridtfit  auf  der  innem  Belegang  d 
Leidener  Batterie.  Die  Abnahme  der  Steighöhe  ist  jedoi 
bei  geringen  Widerständen  ')  nur  unbedeutend,  wlbhrei 
die  Dauer  des  Steigens  schon  beträditlich  vergröfsert  wir 

13. 

Bei  allen  bisher  erwähnten  Versuchen  war  die  Battai 
entweder  vollstftndig  entladen  nach  Ablauf  der  Zeit,  wi 
rend  welcher  die  Flüssigkeit  gestiegen  war,  oder  es  bi 
sich  nur  noch  eine  unbedeutende  Elektricitätsmenge  auf  d 
inneren  Belegung  derselben. 

Vergröfsert  man  aber  den  Widerstand  des  Schliefsung 
bogeus  durch  Einschaltung  noch  gröfserer  Widerstände»  t 
wird  die  Entladungszeit  so  vergröfsert,  dafs  sich  nach  de 
Aufhören  des  Steigens  noch  Elektricität  auf  der  innen 
Belegung  der  Leidener  Batterie  vorfindet,  und  dieser  ROd 
stand  kann  unter  Umständen  sehr  beträchtlich  seyn.    Natfl 

I )  In  eioer  früheren  Miitheilung  über  deo  vorliegenden  Gegenstand  (M 
natsberirhte  der  ßerl.  Acad.  1861,  S.  8)  habe  ich  bei  Ableirung  i 
GeAetses,  dafs  die  Ueberfubrung  mit  der  Länge  des  UeberfübrnDgmi 
res  sunimmt,  angenommen,  dafs  das  Einschalten  einer  Wassersäule  n 
den  erwähnten  Dimensionen  die  Ceberfuhrung  nicht  änderte,  indem  i 
durch  Mangel  an  passenden  isulirenden  Glasröhren  verhindert  war,  i 
oben  ($  9)  erwähnte  strengere  Methode  anzuwenden.  Ich  war  dami 
noch  nicht  mit  der  Aenderung  der  Ueberfubrung  durch  Auflösung  d 
Glases  bekannt f  und  hatte,  um  constanic  Resultate  tu  erhallen,  imm 
Wasser  angewandt,  das  längere  Zeit  gestanden  hatte.  Bei  TorUafig« 
Versuclien  hatte  sich  die  Steighöhe  so  wenig  geändert,  wenn  noch  m 
dere  Wassersäulen  aufser  derjenigen  des  Ueberführungsapparates  in  d« 
Schliefsungsbogeo  der  Leidener  Batterie  eingeschaltet  wurden,  daCi  i« 
diese  Aenderungen  auf  Beobachtungsfehler  schieben  roufste,  und  at. 
wohl  berechtigt  war  den  Einflufs  des  veränderten  Widerstandes  d 
Schliefsungsbogens  au  vernachlässigen.  Die  Resultate  jener  Versuche  au 
auch  genau  dieselben,  wie  die  nadi  der  strengeren  Methode  erhaltene! 
Ueberhaupt  mufsle  die  Auffassung  der  in  jener  Mittheilung  enthalteiu 
Versuche  naturgemäfs  modificirt  werden ,  sobald  dabei  Erscheinung« 
mitberucksichtigt  werden  mufsten,  die  mir  damals  tbcilweise  noch  nid 
beikaont  warco. 


533 

iicb  xeigt  mch  dann  eine  noch  gröfsere  Abnahme  der  Steig- 
höhe nod  der  Geschwindigkeit  des  Steigens. 

Alkohol  hat  eine  Leitungsfdhigkeit,  die  kleiner  als  die 
des  destillirten  Wassers  ist  und  sich  auch  weniger  durch 
Stehen  der  FlQssigkeit  in  den  Glasröhren  findert  Deshalb 
nod  mit  Alkohol  gefflilte  Therroometerröhren  sehr  geeignet 
ffir  grufise  Widerslände.  Als  ein  Thermometerrohr  von 
0^",5I  Durchmesser  und  400""  oder  800""  Länge  in  den 
Sdiliefsongsbogen  der  Leidener  Batterie  eingeschaltet  wurde, 
sank  die  Steighöhe  an  einem  Ueberführungsapparate  von 
Mibe  denselben  Dimensionen,  wie  der  im  vorigen  Paragra- 
phen erwihnte,  von  41,3  auf  6  oder  3,4  Scalentheile  und 
es  dauerte  mehrere  Minuten,  ehe  die  Batterie  entladen  war. 

Daniua  folgt,  dafs  wenn  man  die  Flüssigkeitsstrecke  ver- 
ilngert,  welche  die  Elektricitttt  in  dem  Ueberführungsrohre 
lo  darchlaafen  hat,  und  ihr  einen  kleineren  Querschnitt 
giobt,  die  Entladungszeit  vergröCsert  wird  und  dadurch  die 
Steighöhe  verkleinert  werden  kann.  Diefs  tritt  um  so  deut- 
licher hervor,  je  schlechter  das  angewandte  Wasser  die  Elek- 
tridtAt  leitet,  je  reiner  es  also  ist. 

Man  kann  daher  durch  Verlängern  und  Verengem  des 
Ueberfahrungsrohres  die  Steighöhe  nicht  beliebig  vergröfsem. 
Die  Eotladungszeit  ist  kfirzer,  wenn  die  Dichtigkeit  der  Elek- 
tricitflt  auf  der  Batterie  gröfser  ist,  und  es  wird  also  die 
Dichtigkeit  von  grofsem  Einflnfs  auf  die  Steighöhe  seyn, 
wenn  sich  im  Schliefsungsbogen  grofse  Widerstände  befin- 
den.   Die  Versuche  bestätigen  diefs  vollständig. 

Et  verhält  sieh  mit  der  Fortführung  des  Wassers  ahn- 

Bdi,   wie  mit  der  Ablenkung  der  Magnetnadel  durch  den 

'  EnthdaDgBstrom  der  Leidener  Batterie' ),    wo  die  Ablen- 

l  kimg  aach  bei  mäCBigen  Widerständen  unabhängig  von  der 

EntladongSKeit  bleibt,  so  bald  diese  sehr  klein  gegen  die 

Sdiwingungsdauer  der  Nadel  ist,  und   die  Nadel  während 

I  der  ganxen  Entladnngszeit  sich  also  sehr  wenig  aus  ihrer 

Ruhelage  entfernt  hat. 

Auch  bei  der  Ueberführung  durch  den  Entladungsstrom 

1)  IfV.  W«ber«  EMtrodTs.  MMfibestimmiiiiscii  \H4A,  S.%. 


ElektricilAt  auf  der  Oberfläche  der  Leidener  Baltsri*  Jk 
Stei^liühe  abiiionnt  statt  zuzuDcfameD.  Ich  icfaahele  in  im 
Schliersuiigsbofeu  der  Leidener  Batterie  auCierdiMAi  A|if» 
rate,  dessen  mit  destillirlem  Wasser  per^ltee  UebnrWt- 
nmgsruhr  von  IOI>"  Länge  und  IP>*9  DurcfaiMsser  uhm 
lungere  Zeit  benutzt  worden  war,  noeh  eine  Luftatrecke 
von  (t*"',ö  Länf^e  zwischen  2  NibaadebpiUen  «id.  Dit 
Slei^bUhe  betruf  bei  der  Elektricitatsmcnge  10  to  3  Fb- 
schen  7,4  Scaientheile,  und  bei  derselben  'ElektriciUtaHieap 
und  I  Flasche  nur  i,lac.  Ohne  einf^eschaltele  Laibtraikc 
war  kein  so  bedeutender  Unterschied  zu  benerkea,  ebtroU 
auch  hier  bei  3  Leidener  Flaschen  JA  =  Bsc  und  bci"l 
Leidener  Flasche  ^h  =  6,7sc  gefunden  ward&  Di»  Ver 
suche  worden  mehrfach  mit  demselben  Erfolg  "wietlerhM( 
und  es  rfihrten  diese  Verschiedenheiten  in  der  Stol| 
auch  nicht  von  einer  Aendening  der  Leitmiplhhighnt  4» 
Wassers  her,  da  ich  abwechselnd  3  und  I  Lviden«-  Fb- 
sehe  anwandte. 

Der  Grund  dieser  Erscheinung  scheint  mir  v)ehn«hr 
zu  liegen,  dafs  sich  mit  der  Dichtigkeit  der  ElektricitU 'i4 
der  inneren  Belegung  der  Leidener  Batterie  aucb  die  Nat« 
des  EutladungastTOinea  %«&nden  V%VV«,  >xa&^»K.-^«niät&!iA!Bi. 


535 

Ansehen  dea  Funkens  au  der  kleinen  0""y5  Ian(;eu  Laft* 
strecke  besUügte  diese  Vermuthung. 

Auch  schien  es  mir,  nach  dein  Funken  zwischen  den 
Ku(;eln  des  Fallapparats  zu  urlheilen,  durch  welchen  die 
Leidener  Batterie  entladen  wurde,  als  ob  öfter  Entladungen 
aufgetreten  wären,  die  Paalzow')  mit  dem  Namen  alter- 
nirende  bezeichnet,  selbst  wenn  der  Schliefsungsbogen  nur 
aus  den  nothwendigen  Metalldrähten  und  dem  UeberfÜh- 
ruog«  röhre  bestand. 

Ea  ist  leicht  möglich,  dafs  ein  Theil  der  Unregelmäfsig- 
keiten,  die  ich  in  der  Ueberführuiig  unter  scheinbar  den- 
selben Verhältnissen  beobachtet  habe,  seinen  Grund  in  den 
eben  erwähnten  verschiedenen  Arten  des  Entladungsstroms 
der  Leidener  Batterie  findet. 

Man  würde  darüber  mit  der  von  Paalzow^)  angege» 
benen  Methode  entscheiden  können,  wenn  man  auber  dem 
Ueberführungsapparate  noch  eine  mit  verdünnten  Gasen  ge- 
füllte Bohre  in  den  Schliefsungskreis  der  Leidener  Batterie 
einacbaltete,  jedoch  tritt  dann  wieder  die  Schwierigkeit  auf 
solche  Bohren  von  constantem  Widerstand  herzustelleui  so 
dafs  es  immer  fraglich  bleibt,  ob  dieser  Weg  zu  befriedi- 
genden Besultaten  führen  v^ird. 

14. 

Reiner  Alkohol  (No«  I)  war  aus  käuflichem  absoluten 
Alkohol  dnrch  Destillation  über  gebranntem  Kalk  dargestellt 
worden,  und  hatte  bei  19"  C.  ein  specifischcs  Gewicht  von 
0^795  verglichen  mit  Wasser  von  derselben  Temperatur. 
Dieser  Alkohol  (No.  1),  den  ich  der  Güte  des  Hrn.  Dr. 
Stahlschmidt  verdankte,  wurde  durch  den  Eniladungs- 
atroB  der  Leidener  Batterie  in  derselben  Richtung  wie 
Wasser  fortgeführt.  Eb^'  .so  verhielt  sich  Alkohol  (No.  2) 
von  specif.  Gewicht  fy63,  wie  man  ihn  zur  Darstellung 
wohlriechender  Wasser  benutzt,  der  also  auch  keine  frem- 
den Bestandtheile  aufser  Wasser  enthalten  haben  wird. 
Ueberführung  findet  bei  diesen  Flüssigkeiten  also  eben- 


1)  Posf.  ADD.  Bd.  112,  S.  585. 

2)  Poss-  ADD.  Bd.  Ui,  S.  572. 


536 

falls  im  Sinoe  der  positiven  ElektricitfttwtrtaiiiDg  statt ,  je- 
doch sind  wegen  des  gröfseren  LeitUDgswiderstandes  die 
Steighöhe  and  die  Dauer  des  Steigens  meist  gröfser  anter 
sonst  gleichen  Verhältnissen.  Die  G«setxe,  nach  denen  diefs 
geschieht 9  sind  dieselben  wie  bei  deslillirtem  Wasser,  wie 
ich  mich  durch  mehrfache  Versuchsreihen  überzeugt  habe. 

Die  erhaltenen  Zahlen  mög^en  der  Raumersparnifs  we- 
gen unangefOhrt  bleiben.  Sie  ergeben  jedoch  auch  Aende- 
derungen  in  der  Ueberführung,  wenn  die  Flüssigkeit  längere 
Zeit  in  den  Röhren  gestanden  hat,  obwohl  diese  Aenderuo- 
gen  nicht  so  grofs  und  schnell  sind,  wie  bei  Wasser.  Zum 
Theil  liegen  sie  wohl  in  der  Anziehung,  die  der  Alkohol 
auf  den  Wasserdampf  der  Luft  ausübt,  vielleicht  aber  auch 
in  einer  Auflösung  des  Glases  oder  darin,  dafs  der  Alkohol 
in  der  Nähe  der  Röhrenwandung  eine  andere  Coucentra- 
tion  hat,  als  in  der  Mitte  der  Röhre.  Die  letztere  Ansicht 
würde  durch  die  von  Wagen  mann  ')  und  mir')  beobach- 
tete Erscheinung  eine  Stütze  finden,  dafs,  wenn  man  Alko- 
hol durch  Sand  oder  gebrannten  Thon  gehen  läfst,  der  ab- 
fliefsende  Alkohol  einen  geringeren  Wassergehalt,  wie  der 
ursprüngliche,  zeigt. 

IS. 

Durch  Zusatz  von  Säuren  oder  Salzen  zym  destillirten 
Wasser  wird  die  Steighöhe  bedeutend  vermindert,  und  da- 
bei steigt  die  Flüssigkeit  meist  so  schnell,  dafs  man  die 
Dauer  des  Steigens  nicht  mehr  bestimmen  kann. 

Folgende  Tafel  giebt  die  Beobachtungen  an  einem  Ap- 
parate, der  nach  und  nach  mit  Kochsalzlösung  von  steigen- 
der Concentration  gefüllt  wurde.  Ueber  den  einzelnen  Co- 
lumnen  steht  die  Menge  tn  reines  Kochsalz,  die  in  1(K)^  der 
Flüssigkeit  enthalten  war,  sowie  die  Leitungsfähigkeit  k 
der  Flüssigkeit,  wenn  die  des  destillirten  Wassers  =  I  ge- 
setzt wird.  Die  letzteren  Zahlen  wurden  in  der  oben  (§.  7) 
angegebeneu  Weise  bestimmt  mit  einer  SOgliedrigen  Gro- 
versehen  Säule   und  einem  Multiplicator  von  10080  Win- 

1)  Pogg.  Ann.  Bd.  24,  $.600. 
2)  Pogg,  Aoo.  Bd.  110,  S.  00. 


987 

doogen  und  astatiscber  Nadel  mit  Spiegelablesung ').     Die 
Bezeichnungen  sind  dieselben  wie  früher  (§.  6). 


2r 

=a  O—,  9 

9  = 

i5«5' 

L 

—  200>" 

Temp.  = 

:|5* 

ta.2 

m»0 

m»0«Vil 

ffi=s09',02 

t=l 

k  =  6.76 

ib=  10,21 

^ 

Ak 

Ak 

Jk 

40 

(70) 

3,4 

1,15 

—40 

-3,4 

-1,0 

20 

(35) 

1,6 

0,45 

—20 

-1,4 

—0,55 

Die  eingeklammerten  Steighöhen  für  reines  Wasser  sind 
aas  der  Steighöhe  für  9  =  =tlO  abgeleitet.  Bei  einem 
Gebalte  von  0,1  Proc  Kochsalz  und  A  =  58,7  war  keine 
UeberfOhrung  mehr  zu  beobachten. 

Mit  demselben  Apparate  und  Lösungen  von  Kupfervitriol 
erhielt  ich  folgende  Resultate,  wo  m  wieder  die  in  100^ 
der  Flüssigkeit  enthaltene  Menge  wasserfreien  Salzes  be- 
zeidinet 


«»2 

«iss0r,005 
ib«2,3 

msbOsv.OI 
ib=3,7 

y 

Ak 

Ak 

40 

7 

1,7 

—40 

-6.3 

-2,6 

20 

2,9 

M 

20 

-2,8 

-1,3 

Bei  einem  Gebalte  von  0,1  Proc  wasserfreien  Kupfer- 
▼itfjob  aud  ik  =  39J  war  keine  Ueberführung  mehr  zu  beob- 
achten. 

Ea  mögen  hier  auch  noch  die  Beobachtungen  an  dem- 
selben Apparate  für  verdünnte  Schwefelsäure  folgen,  wo  m 
den  Procentgehalt  der  Flüssigkeit  an  wasserfreier  Säure  be- 
laidiDet. 


1)  Pofs.  Ann.  Bd.  107,  S.  19. 


938 


•  «2 

m  =0.002 

m  «0,004 

m»  0,016 

k^S 

kmilA 

ib«a8,6 

9 

Jh 

Jh 

Jk 

40 

29,25 

15,4 

2,3 

-40 

-30,2 

-15,3 

-2.2 

20 

12,6 

8 

1 

-20 

—  15,3 

^  8 

-M 

JO 

5 

3,6 

0,6 

-10 

-  5,6 

-  3.7 

-0.5 

Bei  einem  Gehalte  von  0,04  Proc.  wasserfreier  Sttare 
und  Ar  =  146  war  keine  Ueberführung  mehr  zu  bemerken. 

Alle  diese  Zahlen  können  auf  keine  grofse  Genauigkeit 
Anspruch  machen,  weil  man  die  Reibung  und  die  Beschaf- 
fenheit des  angewandten  destillirten  Wassers  nicht  als  die- 
selbe in  allen  Versuchen  annehmen  kann. 

Man  sieht  jedoch,  wie  mit  der  Zunahme  des  SahgehcU" 
tes  die  Steighöhen  und  der  specifische  Leitungswiderstand 
der  Flüssigkeit  abnehmen. 

Wenn  keine  Ueberführung  mehr  stattfindet,  so  beob- 
achtet man  ein  Steigen  oder  besser  Zucken  des  Fltissigkeits- 
meuiskus  um  0,2  Scalentheile,  die  Leidener  Batterie  mag 
mit  positiver  oder  negativer  Elektricität  geladen  sejn. 

Durch  Zusatz  von  Kalihjdrat  zu  reinem  Alkohol  wird 
ebenfalls  die  Ueberführung  schwächer  und  bei  noch  gröfse- 
rem  Zusatz  hört  sie  ganz  auf,  während  die  Leitungsfähigkeit 


der  Flüssigkeit  zunimmt. 


16. 


Mit  einem  empfindlichen  Multiplicator  untersucht  zeigten 
die  in  das  destillirte  Wasser  tauchenden  Platiudrähte  einen 
schwachen  Polarisationsstrom,  ohne  dafs  man  aber  im  Staude 
wäre,  selbst  nach  längerem  Gebrauche  des  Apparates,  Gas- 
blasen zu  entdecken.  Die  Quantitäten  Elektricität,  die  im 
Laufe  verschiedener  Versuchsreihen  durch  einen  Apparat 
gehen,  sind  aber  so  grofs,  dafs  man  wohl  sichtbare  Gasbla- 
sen hätte  erwarten  dürfen.  Ich  bin  deshalb  zu  glauben  ge- 
neigt, dafs  ein  Theil  der  Elektricität  zur  Elektrolyse  des 
\yat>8€i's  verwandt  wird,  wie  es  der  Polarisatiouss(roui  an- 


539 

deutet»  ein  anderer  Tbeil  dagegen  von  der  FlOuigkeitsaänle^ 
wie  von  einem  Metaildrahte,  geleitet  wird. 

Im  Dunkleu  war  au  deu  Platiudrähten  keiue  Lichter* 
scheinung  bemerkbar.  Bei  kürzeren  Flüssigkeitstttrecken  er- 
scheinen Gasblaaen  an  deu  Platiuelektroden.  Sind  die  durch- 
laufenen Flüssigkeitsstreck eu  sehr  kurz  und  dünn,  so  schei- 
den sich  in  dem  Wasserfaden  selbst  Gasblasen  ab,  die  wohl 
▼on  absorbirter  Luft  herrühren,  da  sie  bei  längerem  Stehen 
oft  verschwinden. 

Wasser  und  Alkohol  bewegen  sich  übrigens  auch  im 
Sinne  der  positiven  Elektricitätsströmung,  wenn  man  statt 
den  Strom  der  Leidener  Batterie  hindurchgehen  zu  lassen, 
den  Conductor  und  das  Reibzeug  der  EUektrisirmaschine 
mit  den  Platinelektroden  des  Ueberfübrungsrohres  in  Ver- 
bindung setzt  und  die  Scheibe  der  Maschine  dreht.  Man 
kann  mit  diesem  »Strom  der  Elektrisirmaschine «,  wie  er  in 
der  Folge  heifsen  mag,  leicht  eine  Verschiebung  von  meh- 
reren Millimetern  hervorbringen,  die  also  dem  unbewaffne- 
ten Auge  leicht  sichtbar  ist. 

Die  Steighöhe  blieb  dieselbe,  mochte  die  Flüssigkeit  in 
dem  Gefäfse  mit  constantem  Niveau  bei  einem  Ueberfüh* 
rungsrohre  von  0"'',9  Durchmesser  und  ICK)""  oder  2(N)"™ 
LSnge  nur  eben  mit  der  Spitze  eines  dünnen  Platindrahtes 
in  Berührung  stehen,  oder  in  die  Flüssigkeit  eine  Spirale 
aus  Platinblech  so  tief,  wie  möglich,  eingetaucht  werden. 
Auch  war  kein  bemerkenswerther  Unterschied  vorhanden, 
mochte  die  Leidener  Batterie  positiv  oder  negativ  geladen 
seyn.  Im  allgemeinen  giebt  die  sinkende  Flüssigkeit  leicht 
etwas  gröfsere  Werthe  für  Jh,  da  das  Sleigerohr  schwer 
benetzt  zu  erhalten  ist. 

17. 

Man  kann  nun  die  Ueberführung  des  Wassers  und  Al- 
kohols in  den  oben  (§.  3)  beschriebenen  Ueberfiühruogs- 
apparaten  anch  mit  constanten  galvanischen  Strömen  zeigen^ 
wenn  man  hinreichend  grofse  elektromotorische  Kräfte  an- 
wendet Ich  war  durch  die  Güte  des  Hrn.  Prof.  E.  du 
Bois-fteymond  in  den   Stand  geselzl«  ^\  Qiton^'^  v^^ 


541 


Pa  f}^69  o^®'  durch   die  halbe  FlüssigkeitMttule  zwischen 
den  Elektroden  p,  und  p^. 


2r  =  0»«897 

Ir^BsOO"» 


Ln  =>  100< 


<p  ==  5»  26',5 

Temp.  ss:  1 4* 


Angewandte 
Kette 

^IS 

^Ai, 

Ju 

^A» 

80  Grove*s 
40  Grore*! 

58,65 
27,07 

5.60 
2,85 

139,87 
64,53 

5,875 
2,875 

Die  angegebeueii  Zahlen  sind  das  Mittel  aus  12  Beob- 
achtungen, 6  positiven  und  6  negativen  Werthen  von  Jk, 

Man  sieht  daraus,  dafs  die  Steighöhe  proportional  der 
Stromintemität  ist  unter  sonst  gleichen  Verhältnissen,  ganx 
wie  es  Wiedemann')  bei  Diaphragmen  und  constauten 
galvanischen  Strömen  gefunden  hat  Aehnliche  Versuchs- 
reiben ergaben  dasselbe  Resultat. 

Man  sieht  ferner,  dafs  bei  verschiedener  Länge  der  vom 
elektrischen  Strome  durchflossenen  Flüssigkeitsstrecke  die 
Steighöhe  proportional  der  elektromotorischen  Kraft  der  at^ 
gewandten  Kette  ist^  unter  sonst  gleichen  Verhältnissen '). 

18. 

Eis  wurde  ferner  der  elektrische  Strom  der  Grove'- 
schen  SSule  durch  Apparate  geleitet,  bei  denen  das  Ueber- 
föbrungsrohr  aus  2  Tbeilen  von  verschiedenem  Durchmesser 
bestand,  wie  sie  oben  (§.  10)  schon  beschrieben  worden 
sind.  Die  Länge  dieser  beiden  Theile  war  jedoch  nicht 
gleich,  da  ja,  wie  eben  gezeigt  wurde,  die  Ueberführung 
durch  den  constanten  Strom  bei  derselben  elektromotori- 
schen Kraft  unabhängig  von  dieser  Länge  ist. 

1)  Pogg.  Ann.  Bd.  87,  S.  342. 

2 )  In  der  angef&hrten  Tabelle  Ist  Jhi^  ein  wenig  kleiner  als  Jhi^^  weil 
die  Platinelekirode  |l|  sich  io  der  kngrl  N  des  Geßfses  mit  cbnttantem 
Niveau,  statt  an  dem  Korke  B  des  Uebertuhruogsrohrcs  (Fig  2  Taf.  YJII) 
befand.  Die  hintere  Strecke  des  Ueberfulirungsrolires  bestand  also  ei- 
gentlich aus  einem  kursen  'weiteren  und  einem  längeren  engeren  Theile. 
In  ^nreiteren  Röhren  wird  aber  von  derselben  elektromotorischen  Kraft 
weniger  fibergoföhrt,  anter  tonst  gleichen  Verhfil missen,  wie  spiter  (§.  18) 
gcMigt  werden  wird« 


542 


Die  folgende  Tafel  giebt  die  Beobaditongen  an  ver- 
8chiedeiien  UeberführangsrOhren  und  destillirtem  "Wasser. 
Die  erste  Colamne  enthält  die  Nummer  der  Beobachtung, 
die  zweite  unter  L  die  Länge  der  von  der  Eiektricität 
durchflossenen  Flüssigkeitsstrecke,  die  dritte  und  vierte  un- 
ter 2r  und  2R  den  Durchmesser  des  Ueberföhrungs*  und 
Steigerohres,  (p  ist  die  Neigung  des  Steigerohres  gegen 
den  Horizont,  Temp.  die  Temperatur  des  Apparates  in  Cen- 
tesimalgraden,  n  die  Anzahl  der  angewandten  Grove'scheu 
Elemente,  J  die  am  Multiplicator  mit  astatischer  Nadel  und 
Spiegelablesung  gemessene  Stromintensität  in  Scalentheilen 
und  Jh  die  beobachtete  Steighöhe  in  Scalentheilen  des  Glas- 
mikrometers, von  denen  22,9  einem  Millimeter  entsprechen. 

Die  angegebenen  Werthc  von  Jh  sind  das  Mittel  aus 
wenigstens  12  Versuchen,  6  positiven  und  6  negativen  Wer- 
then  von  Jh.  Die  Beobachtungen  No.  3  und  7,  sowie 
No.  8  und  9  wurden  an  denselben  Apparaten  angestellt. 
Das  Glas  der  Ucberföhrungsröhren  war  bei  den  Beobach- 
tungen No.  7,  8  und  9  etwas  anders  und  schwerer  schmelz- 
bar, als  bei  den  übrigen. 


No. 

L 

2r 

212 

9 

Temp 

ft 

J 

Jh 

b 

mm 

1 
mm          mm 

! 

1 

sc                 mm 

1 

96 

0,376 

0,376 

9«    6,5 

17*,9 

81 

4.54 

20,15  !0,00O06066 

2 

» 

M 

» 

8    52,8 

16  ,3 

78 

2,5 

19,i>08  0,00005947 

3 

n 

» 

n 

8    49,7    15 

78     10,65 

18,075  0,00005546 

4 

100 

0,897 

0,897 

4   26.5    15  ,8 

78 

15,4 

7,335  0,000(»6398 

& 

» 

w 

w 

5    14 

16  ,5 

78 

19,4 

5,850,0,00006011 

6 

1» 

» 

w 

5    26,5 

14  ,1 

80 

20.6 

5,875  0,00005969 

7 

305 

1,775 

0,376 

8   49,7 

15 

78 

47,1 

0,940  0,00006443 

8 

230 

1,888 

1,888 

2    38,5 

16 

78 

37,7 

2,385;0,0000>I86 

9 

•230 

1.990 

1,888 

2    38,5 

16 

78 

32,9 

2,310 

0,00005901 

Mittel  0,00005974 

Nimmt  man  an,  dafs  die  Steighöhe  umgekehrt  propor- 
tional mit  dem  Quadrat  des  Radius  der  Ucbcrführungsrüh- 
ren  ist  bei  derselben  elektromotorischen  Kraft,  so  hat  man 
also  die  vertikale  Höhe  6^  um  welche  die  elektromotori- 
sche Kraft  eines  Gro versehen  Elementes  io  Röhren  von 
|mjn  |l3(fiu8   das   WasscT   bebt,  wenn  man   die  erwähnten 


543 

Beceichnun^eD  beibehftle,  gegeben  in  Millimetern  durch  den 
Ausdruck 

22,9     n  ^ 

Die  so  aus  den  Beobachtungen  berechneten  Werthe  von 
b  finden  sich  in  der  letzten  Columne  obiger  Tabelle  xu- 
samnien^estellt,  und  man  sieht,  dafs  sie  nahe  denselben 
Werth  haben,  also  wirklich  die  Steighöhe  nahe  proportiO' 
nal  dem  Quadrate  des  Röhrenradius  ist  bei  derselben  elek* 
tramotariscken  Kraft, 

Ich  bemerke  dabei,  dafs  möglicher  Weise  diefs  Gesetz 
nicht  mehr  gültig  ist  bei  weiteren  Köhren  und  unter  ande- 
ren Verhältnissen,  als  diejenigen  waren,  unter  welchen  vor- 
liegende  Versuche  angestellt  wurden,  da  es  eigentlich  nichts 
weiter  ausdrückt,  als  dafs  die  elektromotorische  Kraft  eines 
Grove* sehen  Elementes  durch  eine  Glasröhre  von  1"" 
Rsdias  in  der  Zeiteinheit  ebensoviel  destillirtes  Wasser 
hindnrchführt,  wie  eine  Wassersäule  von  der  Höhe  fr  ver- 
möge  der  Schwerkraft.  Diese  letzlere  Wassermenge  hängt 
jedoch  wie  die  Untersuchungen  vonHagen'),  Poiseuille'), 
Hage n b ach ^)  u.  A.  gezeigt  haben,  von  sehr  vielen  Um- 
ständen, besonders  aber  von  der  Temperatur,  ab,  so  dafs 
man  es  bei  diesen  Ueberführungen  durch  strömende  Elek- 
tricität  mit  sehr  complicirten  Erscheinungen  zu  thun  hat. 

Bleibt  das  Wasser  längere  Zeit  in  den  Röhren,  so  dafs 
es  also  Glas  auflöst,  so  wird  wegen  der  gröfseren  Leitungs- 
fkhigkeit  die  Stromstärke  gröfser,  die  Steighöhe  selbst  klei- 
ner anter  sonst  gleichen  Verbältnissen  (vergl.  weiter  unten 
§•  25),  und  man  findet  zugleich  die  Flüssigkeit  schwerer 
beweglich.  Die  angegebenen  Beobachtungen  wurden  des- 
halb alle  an  frisch  gefüllten  Apparaten  oder  solchen  ange- 
stellt, in  denen  das  Wasser  höchstens  30'*  gestanden  hatte. 
Die  gröfseren  Werthe  für  fr  kommen  dem  reineren  Wasser 

1)  Pogg.  Ann.  Bd.  46,  S.  423.    1839.    Abhandl.    d     Berl.  Akad.  1854. 

2)  ^nn.  d£  Mm.  S.  Hi,   T.  FII,  p,  50.     1843.     Pogg.  Ann.  Bd.  58, 
S.  424. 

8)  Pofg.  Ado.  Bd.  109,  S.  885.    1860. 


545 

Man  rieht  daraaü,  dafs  die  Ueberfbhrang  in  den  Röhren 
mit  ringförmigem  Querschnitte  viel  gröfser  ist,  und  dafs  bei 
demieWen  Querschniite  des  Ueberführungsrohres  die  Steig- 
höhe nUi  der  Oröfse  der  inneren  Röhrenoberfläche  iunimmi^ 
analog  den  Erscheinungen  bei  der  Fortführung  durch  den 
Entladonggstrom  der  Leidener  Batterie  (§.  16). 

20. 

Um  XU  sehen,  in  welcher  Weise  die  Ueberführung  von 
der  Substanz  der  Röhre  abhinge,  überzog  ich  das  Ueber- 
ffihrungisrohr  innen  mit  einer  äufserst  dünnen  Schellack- 
schichti  indem  mit  Hülfe  einer  Luftpumpe  sehr  verdünnte 
alkoholische  Schellacklösung  durch  dieselbe  getrieben  wurde. 
Erschien  die  Röhrenwaud  gleichförmig  benetzt,  so  wurde 
kalte  und  spiter  warme  Luft  hindurchgesogen,  so  dafs  der 
Alkohol  verdampfte  und  der  Schellack  an  der  OberflSche 
weich  wurde.  Darauf  wurde  nach  dem  Erkalten  des  Roh- 
res noch  einmal  verdünnte  Schellacklösung  hindurchgesogen 
und  die  ganze  Operation  wiederholt.  Zwei  in  dieser  Weise 
prSparirte  Ueberführungsröhren  wurden  zu  den  folgenden 
Versuchen  benutzt,  nachdem  sie  mit  Wasser  gefüllt  worden 
und  die  Entladung  einer  sehr  stark  geladenen  Leidener 
Flasche  hindurchgeleitet  war,  um  die  etwa  auf  den  Platin- 
elektroden  haftende  Schellackschicht  zu  zersprengen. 

Nach  der  Bestimmung  der  Steighöhe,  wurde  der  Durch- 
messer der  engeren  Röhre  mit  einem  Quecksilberfaden  be- 
stimmt. Bei  der  weiteren  Röhre,  wo  die  Schellackschicht 
sehr  dünn  und  auch  wohl  die  Glasoberfläche  nicht  überall 
davon  bedeckt  war,  wurde  der  Durchmesser  der  Glasröhre 
als  Durchmesser  des  innen  mit  Schellack  überzogenen  Roh- 
res angenommen. 

Als  Steigerohr  wurde  bei  diesen  Apparaten  eine  Glas- 
röhre von  etwa  Qr^y9  Durchmesser  benutzt,  die  auf  die 
gewöhnliche  Weise  gereinigt  und  benetzt  war,  und  mittelst 
eines  durchbohrten  Korkes  auf  das  vordere  Ende  des  Ueber- 
führungsrohres aufgeschoben  wurde,  wie  es  Fig.  5  Taf.  VIII 
zeigt. 

PoggendoriTa  Aaaal    Bd.  CAilJ.  *^^ 


sondere  gern  angewandt  halle,  hat  den  UebelstaDd,  dafs  der 
Schwefel  sich  beim  Verdampfen  des  LttuiiifjaiiiiUsU  immer 
in  kleinen  Kristallen  au  die  Glnswand  aoselxt.. 

Es  mag  deshalb  oocb  folgeiider  Versuch  hier  eine  Sldk 
liudeu,  wiewohl  ich  g;eElehe,  dah  er  nicht  «o  bevrciaeod 
wie  der  eben  angeführte  ist. 

Ich  tiberzog  ein  Ueberführungsrobr  iuwentlig.ail.  eiMr 
sehr  dünnen  SilbcrBchichl  uacb  dem  Pelil  jean'«cbeD''Vcr- 
fabreu 'J,  indem  das  surgffillig  gereinigte  tilasrohr  ntit  dv 
kalten  VersilberungsHüssigkeit  gefüllt  und  mebrere  Tage 
hindurch  in  horizuntaler  Lage  sich  selbst  Überlassen  wurtfe 
Die  Silberschichl  war  nicht  au  allen  Stelleu  gleich  dun# 
scheinend,  so  dafs  aUo  der  Ueberzug  nicht  ganz  gidcbialliil| 
war.  Die  an  ihm  haftende  Flüssigkeit  wurde  durch  Durct 
saugen  von  deslillirtem  Wasser  durch  das  Ueberfiibroiip- 
rohr  mit  Hülfe  der  Luftpumpe  und  längeres  Verweilen  d*< 
Beiben  in  destillirtem  Wasser  möglichst  entfernt  VerbiaJ 
man  die  Platinelektroden  diese»  versilberten  und  getrock- 
neten Ueberfübrungsrohres  mit  den  Polen  einer  HOgliedlii 
g-en  (rrove'schen  Säule  und  schaltete  gleichzeitig  eiaw 
IJ  Pogg.   Ann    Bd.  101,  S. SVl. 


MfrivAMiefi  Mfriüplfeator  fn'iIeD  StromkMs  ein,  so  war 
Mie'Ableiikirag  «o  di^etn  zu  liemerken,  wohl  weil  das 
über  In  einzelnen  getrennten  Partikelclien  an  der  Glas- 
end haftete. 

Mit  diesem  UeberfBhrungsrohre  wurde  dann  ein  Apparat 
>ii  der  in  §.  3  besdiriebenen  Einrichtung  zusammengestellt, 
ichdem  dasselbe  in  derselben  Weise,  vtie  die  Schellack- 
Are,  mit  eiuem  benetzten  Steigerohr  von  Glas  von  etwa 
■•,8  Durchmesser  versehen  worden  war. 

Die   folgende  Tafel  giebt   die   Beobachtungen   an   dem 
H-  destillirlem  Wasser  gefüllten  Apparate.     Die  Bezeich 
rmgen  sind  dieselben  wie  oben. 


No. 

L 

2t   ,        tp 

n 

J 

jk 

b 

1 
2 

67 
67 

0M9     8»  45' 
0,466 

81 

18 
31 

12,61 
8,60 

0.0000.S453 
0,00003837 

Als  Darchinesser  des  Rohres  wurde  der  Durchmesser 
BT  onverailberlen  Glasröhre  angenommen.  Die  erhaltenen 
i^erthe  wod  h  sind  also  zu  grofs  gefunden. 

Man  sieht  aus  den  Zahlen,  die  freilich  nicht  gut  mit  ein- 
ider  übereinstimmen,  dafs  in  einer  Silberröhre  das  Was* 
»r-  weniger  fortgeführt  wird  in  der  Richtung  des  positiven 
:reme8  als  in  einer  Glasröhre  unter  sonst  gleichen  Ver- 
lltuissen. 

•  Uebrigena  fbhrt  in  Schellack  und  Silberröhren  auch  der 
Btladungsatrom  der  Leidener  Batterie  oder  der  Strom  der 
lektrisinnascUue  destillirtes  Wasser  von  der  positiven  zur 
igative»  Elektrode  des  UeberfÜhrungsrohres. 

21. 

Man  kann  nun  die  Abhängigkeit  der  Gröfse  der  Ueber- 
brang  von  der  Natur  des  Stoffes,  mit  welchem  das  Was- 
r  in  Berührung  ist,  auch  bei  Diaphragmen  nachweisen. 

Ich  nahm  2  Cylindc^r  ans  gebranntem  Thon  von  42**" 
öhe,  2<*"  Durdinesser,  2""  Wanddicke  und  möglichst 
•icher  Beschaffenheit,  trSnkte  den  einen  mit  einer  alko- 
»lischeu   Lösung   von   Aetherinchlorplalm  unA  %eVLVA  ^^^a^^ 


549 

ab  dereelbe  Strom  beide  Apparate  bintereinaDder  in  glei- 
her  Weise  darchflofs,  so  beobachtete  ich  eine  Fortffihrang 
CS  Wassers  durch  beide  Tboncylinder  in  der  Richtung  der 
ositiven  ElektridtStsströinoDg,  jedoch  war  die  übergeführte 
lOssigkeitsiDenge  halb  so  grofs  bei  dem  platinirten  Thon- 
jrlinder,  wie  bei  dem  anderen^  und  die  Flüssigkeit  stieg 
der  sank  in  jenem  halb  so  schnell  als  in  diesem,  je  nach- 
en  der  Strom  von  Aufsen  nach  dem  Innern  der  Thon- 
jrlinder  ging  oder  umgekehrt. 

Man  wird  diesen  grofsen  Unterschied  in  der  Ueberfüh- 
nng  wohl  nicht  darauf  schieben  können,  dafs  nur  ein  Theil 
es  elektrischen  Stromes  durch  die  Flüssigkeit,  ein  anderer 
ordi  das  Platin  des  Diaphragma's  geflossen  sej.  Der  Wi- 
erstand  des  trockenen  platinirten  Thoncjlinders  war  sehr 
iei  grOfser,  als  derjenige,  welchen  die  in  seinen  Poren  ent- 
altene  Wassermasse  zeigte,  und  es  kann  also  nur  ein  ver- 
Rhwindend  kleiner  Theil  des  Stromes,  wenn  es  überhaupt 
iner  war,  durch  das  Platin  geflossen  sejn.  Man  wird  also 
ie  Verschiedenheit  der  Ueberführung  auf  die  verschiedene 
teschaffenbeit  der  OberflSche  schieben  müssen. 

22. 

Alkohol  in  Ueberfübrungsröhren  aus  Glas  wurde  durch 
en  oonstanten  Strom  der  Hjdrokette  in  der  Richtung  des 
oativen  Stromes  fortgeführt,  jedoch  war  die  Steighöhe 
Mner  als  bei  destillirtem  Wasser  unter  fast  gleichen  Ver- 
Sltnissen. 

Die  folgende  Tafel  giebt  die  Beobachtungen  flir  Alko- 
ol  No.  2  dessen  spec  Gew.  0,835  bei  15^,5  C.  war,  wie 
r  cor  Darstellung  wohlriechender  Wasser  im  Handel  be- 
atzt  wird. 

Die  Bezeichnungen  sind  dieselben  wie  in  §.  18.  Die 
Dgegebenen  Werthe  Jh  sind  das  Mittel  aus  12  Beobach- 
ingeUy  6  positiven  und  6  negativen  Werthen  von  Jh. 


xwar 
pM^ 

AtU 

nigui 
i 
die  l 
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gleicl 
acbtt 


I 
port 

( 
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terst 


551 

Der  Apparat,  desseii  Benutzung  ich  der  Güte  des  Hru. 
?TuLE  du  BoisRejmoud  verdanke,  ist  in  Fig.  6  Taf.  Vlli 
n  4  natürlicher  Gröfse  dargestclh,  und  hatte  folgende  Ein- 
-ichtuug. 

Eil»  Cjlinder  C  aus  starkem  Gla.^e  war  unten  kugelför- 
(uig  ansgeschliffen  und  ruhte  mit  einer  2'"*fi  breiten  plan- 
jeschlifTenen  und  polirten  Flache  F  auf  einer  ebenfalls  plan- 
geschliffenen  und  polirten  Glasplatte  D.  Der  innere  Durch- 
messer dieser  ringförmigen  Berührungsiläche  war  43""",7. 
.\uf  der  oberen  Fläche  des  (ü^lindois  C,  die  der  unteren 
Fläche  parallel  geschliffen  war,  ruhten  ein  abgedrehter 
Ring  A  und  ein  Bogen  B  ans  dickem  Messing,  mittelst  de- 
ren die  Schraube  S  den  Cjlinder  mit  seiner  unteren  Basis 
gegen  die  Glasplatte  D  fest  andrückte. 

Durch  Anziehen  der  Schraube  S,  deren  Mutlergewinde 
in  einem  eisernen  Querstücke  lag,  das  die  eiserneu  Streben 
E  und  £'  fest  verband,  konnte  man  also  den  ringförmigen 
i&wischenraum  oder  Spalt  zwischen  Cvlinder  C  und  Glas- 
platte D  enger  machen,  und  es  zeigte  dann  die  in  demt^el- 
ben  enthaltene  Luftschicht  die  Farben  dünner  BlSttchen. 
Die  eisernen  Streben  E  und  £'  waren  in  das  hölzerne 
Fufsbrett  G  des  ganzen  Apparates  fest  eingeschraubt,  und 
so  weit  von  einander  entfernt,  dafs  gerade  Raum  genug  für 
den  aus  gehärtetem  Kautschuck  bestehenden  Boden  H  eines 
viereckigen  Kästchens  K  blieb,  dessen  Seitenwände  aus 
Spiegelglasplatten  zusammengesetzt  waren.  Dicfs  Kästchen, 
welches  die  Glasplatte  D  und  den  Cj^linder  C  aufnahm, 
wurde  wie  dieser  mit  destillirtem  Wasser  gefüllt,  und  es 
standen  also  die  in  beiden  enthaltenen  Was^ermassen  nur 
durch  den  ringförmigen  Spalt  mit  einander  in  Verbindung. 

Der  Cylinder  C  trug  eine  vertikale  (in  der  Zeichnung 
fortgelassene)  Millimeterscala  und  war  calibrirt,  so  dafs  man 
aus  dem  Stande  des  Niveau's  die  Menge  der  in  ihm  ent- 
haltenen Flüssigkeit  berechnen  konnte. 

Bei  einigen  Versuchen  wurden  auch  3  Wachsstückeben 
zwischen  Cylinder  C  und  Glasplatte  D  gebracht,  wodurch 
diese   fest   an  einander  klebten  und  dann  die  im  Cylinder 


552 

enthaltene  Wassemienge  direct  durch  Wigung  bestimmt 
werden  konnte,  da  durch  den  engen  Spalt  bat  gar  kein 
Wasser  hindurchdrang. 

Der  ganze  Apparat  war  ttbrigena,  wie  hier  beiläufig  be- 
merkt werden  mag,  nach  der  Angabe  des  Hrn.  Prof.  E.  du 
Bois-Reymond  ausgeführt  worden,  umzusehen,  ob  eine 
dünne  Flüssigkeitsschicht  wirklich  metallische  Leitung  zeigt, 
wie  es  v.  Grotthufs*)  angiebt. 

Ich  füllte  nun  den  Apparat  mit  destillirtem  Wasser, 
leitete  den  Strom  einer  Grove'schen  Sftule  mit  2  Platin- 
dr&hten  zu  der  innerhalb  und  aufserhalb  des  Glascylinders 
befindlichen  Flüssigkeit  und  beobachtete  dann  immer  eine 
Ueberführung  im  Sinne  des  positiven  Stromes  durch  den 
ringförmigen  Spalt  bei  F, 

Dabei  wurde  entweder  der  ganze  ringförmige  Spalt  be- 
nutzt, oder  ein  Theil  desselben  verstopft  durch  Zwischen- 
bringeu  einer  dünnen  Wachsschicht  und  Anpressen  des  Cj- 
Ijnders  C  gegen  die  Glasplatte  D. 

Die  folgende  Tafel  giebt  in  Graden  unter  0  die  Breite 
des  Spaltes  bei  F,  auf  welcher  die  Ueberführung  stattfand, 
so  dafs  also  360"  dem  ganzen  Spalt  entsprechen  würde. 
Unter  n  steht  die  Anzahl  der  angewandten  Grove'schen 
Elemente,  unter  J  die  Strorointensität  gemessen  an  einem 
Mulliplicator  mit  astatischer  Nadel  und  Spiegelablesung, 
unter  m  endlich  die  Flüssigkeitsmenge,  welche  in  der  Minute 
dem  Innern  des  Cylinders  durch  den  elektrischen  Strom 
zugeführt  wurde. 

Der  Spalt  war  so  eng,  dals  die  Flüssigkeit  in  7^  nur 
um  1"^  sank,  wenn  ihr  Niveau  innerhalb  des  Cylinders 
10"""  höher  als  aufserhalb  desselben  stand.  Man  kann  also 
die  von  der  Schwere  durch  den  ringförmigen  Spalt  hin- 
durchgeführte Wassermenge  vollständig  vernachlässigen. 

I)  Th.  ▼.  Grotthufs,  physisch  rhemisrhe  Forschungen.    Nürnberg  1820 
S.  70. 


558 


No. 

0 

II 

1 

J 

m 

1 

140* 

79 

56,8 

0,0260 

9 

140 

40 

22,7 

0,0114 

8 

360 

40 

S2,9 

0,0164 

4» 

360 

40 

108.0 

0,0101« 

5 

820 

70 

36,8 

0,0204 

In  der  mit  einem  '^  verseheneD  Beobachtung  No.  4  war 
der  Cylinder  C  nur  lose  auf  die  Glasplatte  D  aufgesetzt, 
bei  den  übrigen  Versuchen  war  die  Schraube  S  fest  an- 
gezogen. 

Man  sieht,  dafs  die  übergeführte  Flüssigkeitsmenge  auch 
hier  proportional  der  angewandten  elektromotorischen  Kraft 
ist  Zugleich  scheint  sie  bei  einem  engeren  Spalt  gröfser, 
als  bei  einem  weiteren,  und  unabhängig  von  der  Breite  des 
Spaltes  zu  seyn. 

Ich  erhielt  fedoch  nicht  constante  Zahlen  fOr  die  Ueber- 
IBhmng  und  es  scheint,  als  ob  sich  trotz  des  grofsen  Druckes, 
mit  welchem  der  Cylinder  gegen  die  Glasplatte  gedrückt 
wurde,  die  Weite  des  ringfftrmigen  Spaltes  veränderte.  Das 
Wasser  schien  auch  leichter  in  den  Cylinder  hinein-  als 
herausgeführt  zu  werden,  indem  ich  bei  einer  Breite  des 
Spaltes  von  320"  und  einer  79gliedrigen  Grove' sehen 
Sinie  «•  =  —  Of^filbl  J  =  —  42,8  fand.  Auch  waren, 
selbst  bei  derselben  Stromesrichtung,  Schwankungen  in  der 
Stromstärke  bis  zu  10  Scalentheilen  bemerkbar. 


24. 

Es  mOgen  hier  noch  die  Versuche  an  einem  kleinen 
Becberglase  angeführt  werden,  in  dessen  2""  dicken  Boden 
zufkllig  ein  kleiner  Sprung 'von  etwa  10*"  Länge  entstan- 
den war.  Der  Sprung  war  so  eng,  dafs  Wasser  Tage  lang 
in  dem  Becherglase  stehen  konnte,  ohne  durch  den  Sprung 
hindurchzudringen.  Man  konnte  also  sehr  leicht  das  Be- 
cherglas mit  der  in  ihm  enthaltenen  Flüssigkeit  wSgen. 

Dasselbe  wurde  in  eine  grOfsere  Glasschale  gesetzt, 
beide  bis  zu  derselben  Höhe  mit  destillirtem  Wasser  ge- 
füllt und  nun  der  Strom  einer  79gUedT\^eiiQtio^ei'*%^^'^ 


5ö4 

Säule  durch  2  PlatiudrAhte  dem  Wasser  i^uCBerhalb  und  in- 
nerhalb  des  Becberglases  zugeführt.  Das  Becherglas  wurde, 
um  N'erdampfuiig  zu  vermeiden,  mit  einem  Uhrgiase  bedeckt 

Die  an  einem  gleichzeitig  eingeschalteten  Multiplicator 
gemessene  Stromini ensität  war  sehr  variabel  und  schwankte 
zwischen  35  und  60  Scalentheilen.  Der  Strom  führte  jetzt 
Wasser  durch  den  Sprung  in  der  Richtung  der  positiven 
Elektridtätsströmung  hindurch.  Ging  der  Strom  von  aufseii 
nach  innen,  also  von  der  convezeu  Seite  zur  concaveo,  so 
wurden  in  der  Minute  tM^,005251  oder  (M^,004677  durch 
den  Sprung  hindurchgeführt,  ging  der  Strom  in  umgekehr- 
ter Kichtung,  so  war  die  Menge  weit  gröfser,  nämlich 
—  O^.inmei  oder  —  0«^',0(IG982  in  der  Minute. 

Der  Grund  dieser  Verschiedenheit  scheint  mir  darin  zu 
liegen,  dafs  der  Sprung  einen  Spalt  mit  elastischen  Glas- 
wänden bildete,  und  dafs  das  Wasser,  wenn  es  von  der 
concaven  zur  convexen  Seite  des  Spaltes  strömte,  densel- 
ben öffnete,  dagegen  wenn  es  in  umgekehrter  Richtung 
strömte,  denselben  schlofis,  so  dafs  also  der  Spalt  gleichsam 
vHJe  ein  Ventil  wirkte. 

Die  Ungleichmäfsigkeiteu  in  der  Ueberführung  bei  dem 
in  §.  23  erwähnten  Apparate  rührten  vielleicht  ebenfalls 
von  der  Elasticität  der  Ränder  des  ringförmigen  Spaltes 
her,  durch  welchen  die  Ueberführung  stattfand. 

25. 

Bei  Zusatz  von  Säuren  oder  Salzlösungen  zum  destillir- 
ten  Wasser  beobachtet  man  dieselben  Aenderuiigen  der 
Ueberführung  bei  Anwendung  einer  constanten  Kette,  wie 
bei  Anwendung  des  Entladungsstromes  der  Leidener  Bat- 
terie (§.   15). 

Mit  80  Grove 'sehen  Elementen  und  einem  Ueberfüh- 
rungsrohre  von  0'"",9  Durchmesser  war  ebensowenig  eine 
Ueberführung  zu  beobachten,  wie  mit  dem  Entladuugsstrome 
der  Leidener  Batterie,  wenn  das  Wasser  0,1  Proc.  Kochsalz 
oder  Kupfervitriol   oder  0,04  Proc.  Schwefelsäure  enthielt. 

Die  Messungen  ergaben  keine  sehr  constanten  Resultate, 
eiueslbcils,   weil  dev  Meniskus  im  Sleigerohr   unbeweglich 


SM 

«rnrde  darck  Verdampfen  der  FlQuigkeit  und  Ablagerung 
von  Salzy  luid  danu  audereutbeils  wohl,  weil  die  Flüssigkeit 
an  verschiedenen  Stelleu  des  Rohres  verschiedene  Concen* 
tration  hatte. 

Möglich  ist  es  auch,  dafs  man  mit  engeren  UeberfQh- 
ruugsrMiren,  als  der  von  mir  angewandten,  constantere  Re- 
sultate «rhlllt. 

26. 

-Zahkeiche  Messungen,  die  ich  mit  destillirtem  Wasser  an* 
gesItoUt  habe,  ergaben  übrigens  wenig  verschiedene  Werthe 
für  die  Ueberfühnnigsconstante  fr,  selbst  wenn  die  Leitungs- 
fkhigkeit  des  Wauers  durch  Auflösen  des  Glases  um  das 
20 fache  zugenommen  hatte.  Die  Werthe  schwankten  zwi- 
schen fr  =  0-- (MMM>55  und  (l*",00()067,  so  dafs  also  bei 
kiejn^  Verunreinigungen  viel  weniger  ein  EinUufs  auf  die 
Ueberführung  durch  constante  galvanische  Ströme  zu  be- 
merken ist,  wie  bei  der  Ueberführung  durch  den  Entla- 
dungsstrom der  Leidener  iiatterie. 

£•  ist'  diese  scheinbare  Unabhängigkeit  der  Steighöhe 
▼OD  der  Leitungsffthigkeit,  ebenso  wie  die  Unabhängigkeit 
von  der  Lingt  der  von  dem  constanten  Strome  durchflosse- 
B<Ki  Flfisaigkettsstrecke  ;§.  17)  in  voller  Uebereinslimmung 
uait  den  ^60  Wiedemann ')  für  die  Uebcrfflhrung  durch 
Dni|d)ffftgmeD  aufgeslellten  Gesetzen,  wonach  die  Dnickhö- 
hen,  bis  zu  welchen  verschiedene  Flüssigkeiten  unter  sonst 
gMchen  BecRngungen  durch  den  galvanischen  Strom  anstei- 
gt, mnerbalb  gewisser  Grenzen  den  specifisrhen  Wider- 
stäideB' derselben  direct  proportional  sind. 

Bezeichnet  mau  nttmlich  den  Widerstand  des  metalli< 
aoben  Theiles  des  SehlieCsnngsbogens  mit  W,  den  der  Flfls- 
sigkeifssXale  mit  10  und  den  eines  der  angewandten  Grove'- 
sehen  Elentenle  mit  y^  während  G  die  elektromotorische 
Kraft  und  n  die  Anzahl  der  angewandten  Elemente  sejn 
»•gl- so  hat  man  nach  dem  Ohm' sehen  Gesetze 

"    '     '     •  j nO 

i)  P6gg.  Aaw  Är.«7,  S.  348;  Wli:deni»an  GA\^^m«mM%  VS.^V 


556 

Da  aber  der  Widerstand  w  der  FUlMigkettatlole  aehr  grafe 
gegen  den  übrigen  Tbeil  des  SchliefiniDgsbogeDa  M,  eo  kann 
man  dafür  auch  achreiben: 

•/=- (1) 

Die  Steighöhe  ist  nun  bei  hinltfnglicher  Dauer  des  Stromes 
proportional  der  Stromintensitftt  and  dem  Widerstände  der 
von  der  Elektricität  durchflosseneu  Flüssigkeitssüule  (den 
Durchmesser  des  Ueberführongsrohres  coustant  angenoni- 
menX  und  man  hat  also  wenn  Ä  eine  Coostante  bezeichnet 

/lh:=  AJ  .w. 
oder  für  J  seinen  Werth  aus  Gl.  I  gesettt; 

jk  —  4!^^  =  AnG (2) 

d.  h.  die  Steighöhe  proportional  der  Antahl  der  angewand- 
ten Elemente,  wie  es  auch  der  Versuch  ergiebt. 

27. 

Man  kann  nun  auch  statt  einer  galvanischen  Kette  oder 
Leidener  Flasche  einen  luductionsstrom  anwenden,  um  die 
Flüssigkeit  in  dem  Ueberführungsrohre  fortzutreiben,  wenn 
man  dafür  sorgt,  dafs  nur  der  Oeffnungsstrom  durch  die 
Flüssigkeit  (liefst,  wenn  man  also  an  einer  Stelle  den  In- 
ductionsstrom  durch  eine  Luftstrecke  gehen  läfst.  Die  Flüs- 
sigkeit nimmt  dann  auch  eine  feste  Stellung  in  dem  Steige- 
rohr ein,  jedoch  kann  man  wegen  der  Ungleichheit  der 
einzelnen  Ströme  sehr  schwer  mit  dem  Multiplicator  die 
Stromintensität  bestimmen,  so  dafs  ich  keine  genauen  Mes- 
sungen in  dieser  Beziehung  habe  anstellen  können.  Jeden- 
falls ergab  sich  aus  meinen  Versuchen,  dafs  derselben  Strom- 
intensität  am  Multiplicator  dieselbe  Steighöhe  im  UeberfOh- 
rungsapparat  entspricht,  mag  der  Strom  von  Inductionsströ- 
men  oder  von  einer  constanten  Kette  herrühren.  Man  kann 
mit  Hülfe  eines  Inductionsapparates  natürlich  mit  wenigen 
Grove 'sehen  Elementen  dieselbe  Wirkung  erreichen,  wie 
mit  dem  directen  Strome  vieler  Elemente.  Ohne  Einschal- 
tun^  einer  Luftstrecke  in  den  Schliefsungsbogen  des  Induc- 


»57 

konnte  ich  keine  Ueberffibrang  des  Wassers 
beobacbten« 

leb  babe  micb  ferner  durch  andere  Versuche  überzeugt, 
data  man  in  Apparaten  mit  porösen  Diaphragmen,  nach  der 
acboD  oben  (§.21)  erwähnten  Construction  von  Wiede- 
tt*iin,  FlQaaigkeiten  auch  mit  Inductionsströraen,  statt  mit 
ronatanfn  Strömen  überfahren  kann« 

2a 

Bisher  bexog  sich  alles  auf  Flüssigkeiten,  die  in  der 
Bichtong  der  poeitiven  Elektricitätsströmung  fortgeführt  wer- 
den. E»  giebt  jedoch  auch  Flflssigkeiten ,  welche  sowohl 
in  Röhren,  wie  durch  Diaphragmen,  umgekehrt  wie  Wasser 
fortgefilhrt  werden^  nttmlich  in  der  entgegengesetzten  Rich- 
tung der  positiven  Elektricitätsströmung  d.  h.  zur  positiven 
Elektrode«  Bei  einigen  läfst  sich  zwar  mit  constanten  Strö- 
men keine  Ueberführung  zeigen,  weil  diese  Flüssigkeiten  zu 
schlechte  Leiter  der  Elektricität  sind,  und  kein  galvanischer 
Strom  hindurchgeht,  wohl  aber  ist  diefs  mit  dem  Entladuugg- 
Strome  der  Leidener  Batterie  oder  dem  Strome  der  Elek- 
triairmaschine  möglich. 

Die  einzige  Flüssigkeit,  bei  der  ich  bis  jetzt  eine  solche 
UeberflUurung  im  entgegengesetzten  Sinne  der  positiven  Elek- 
tricitätsströmung mit  constanten  galvanischen  Strömen  habe 
beobaehlen  können,  ist  eine  Sorte  Alkohol  (No.  3),  den  ich 
ala  reinen  absoluten  Alkohol  im  Handel  gekauft  habe,  und 
der  durch  2 malige  Destillation  über  Chlorcaicium  etwa  ein 
hnlbea  Jahr  vor  dem  Gebrauche  dargestellt  %vorden  sejn 
solL  Er  roch  jedoch  nicht  so  rein,  wie  die  oben  (§.  14 
u.  99)  erwähnten  Alkoholsorten,  8o  dab  er  irgend  eine  Ver- 
unreinigung enthalten  haben  wird,  und  zwar  eine  Verun- 
reinignng  organischer  Natur,  da  sich  beim  Abdampfen  einer 
Qaantität  deseelben  in  einer  Platinschale  kein  Rückstand 
CaadL  Terpeothin  war  diese  Verunreinigung  wohl  nicht,  da 
eine  900"*  hohe  Säule  dieses  Alkohols  mit  einer  doppelten 
QiNinplatte  (ieitUe  sensible)  untersucht,  keine  Drehung  der 
Poinriaationaebene  zeigte.  Das  spec  Gewicht  dieses  Alko- 
bob  Mo.  3  wor  anfilnglicb  0,797,   jedodk  aV\e%  e%  «^^V«l 


S58 

darch  Anziehen  Ton  Wasserdampf  ans  der  Laft  aoMI^Mii 
Die  specifische  Leilungsfähigkeit  dieses  Alkoholawar  etwa 
dieselbe,  wie  die  des  destillirteu  Wassers,  obwohl  doch 
sonst  Alkohol  die  Elektricilftt  schlechter  als  Wasser  leitet; 

Bei  der  Fortfführuug  dieses  Alkohols  (No.  3)  in  Gias- 
röhren  durch  konstante  galvanische  Ströme  habe  ich  mi  ver- 
schiedenen Zeiten  verschiedene  Zahlenwerthe  erhalten,  wahr- 
schenilich,  weil  die  Beimengungen,  die  seine  anormale  Ue- 
berföhrung  bedingten,  in  verschiedener  Menge  dario  vor- 
handen* waren.  Es  ceigte  sich  jedoch  auch  hier,  dafs  in 
engeren  Röhren  die  Steighöhe  bedeutend  gröfser,  als  in 
weiteren  war,  unter  sonst  gleichen  Verhaltnissen,  oiid  in 
Röhren  mit  ringförmigem  Querschnitte  gröfser  als  in  solchen 
mit  kreisförmigem  Querschnitte  von  gleicher  Gröfse.  Der 
Werth  der  Ueberführungsconstante  6,  also  die  vertikale 
Slcighöho,  die  der  elektromotorischen  Kraft  eines  Gro ver- 
sehen Elementes  für  ein  Ueberführungsrohr  aus  Glas  mit  kreis- 
förmigem Querschnitte  von  1™"*  Radius  entspricht,  schwankte 
zwischen  —0,(10001188  und  —  0,0(K)016. 

29. 

Derselbe  Alkohol  (No  3)  wurde  auch  durch  einen 
Wiedemann' sehen  Ueberführungsapparat  mit  Thoncy lin- 
der, wie  er  oben  (§.  21)  beschrieben  worden  ist,  in  der 
entgegengesetzten  Richtung  des  positiven  Stromes,  umge- 
kehrt wie  Wasser,  fortgeführt. 

Da  der  Alkohol  die  Siegellackkittung  binnen  einer  Vier- 
telstunde autlöste,  so  beschränkte  ich  mich  darauf  mit  einem 
Chronometer  die  Zeit  zu  messen,  welche  der  Meniskus  ge- 
brauchte um  in  dem  auf  die  Thonzelle  gekitteten  vertika- 
len Glasrohr  dieselbe  Strecke  zu  steigen  oder  zu  sinken, 
wenn  die  Anzahl  der  Grove' sehen  Elemente,  aus  denen 
die  constante  Säule  bestand,  verändert  wurde. 

Die  folgende  Zusammenätellung  giebt  in  der  ersten  Ho- 
rizontalreihe die  Anzahl  n  der  angewandten  Grove'schen 
Elemente,   in  der  zweiten  die  Zeit  t  in  Sekunden,  die  nö 
thig  war,   damit   der  Flüssigkeitsmeniskus  am  10""^  in  dem 
vertikalen  Glasrohr  von  H**  Durchmesser  stieg  oder  sank, 


S09 

ye  oacbdem  der  Strom  vom  Innern  des  Thoncylinders  nach 
Aufsen  ging  oder  amgckohrt.  Das  Sinken  des  Mentskns, 
welches  die  Schwerkraft  allein  hervorbrachte,  war  im  Ver- 
bSitnifs  zu  der  durch  den  elektrischen  Strom  hervorgebrach- 
ten Bewegung  so  gering,  dafs  es  gegen  diese  vernachlässigt 
werden  konnte. 

n.         m)  60  4t^  20  10. 

I.      ir',60     14",25     22 ',81     46'',60    91",80 

Da  der  Widerstand  des  metallischen  Theiles  des  Schlie- 
fsuügsbogeus  gegen  den  des  Alkohols  verschwindend  klein  ist, 
so  kann  mau  die  Stromintcusität  proportional  der  angewand- 
ten elektromotorischen  Kraft,  oder  proportional  mit  n  au- 
anuehmen,  und  es  geht  also  aus  vorhergehenden  Zahlen 
hervor,  dafs  die  Geschwindigkeit  des  Sleip^ens  oder  die  in 
gleichen  Zeiten  durch  den  porösen  Thoncylinder  hindurch- 
geführte  Flüieigkeitsmenge  proportional  der  Stromintensi- 
iäi  iit. 

Dieses  von  Wiedemann  für  Wasser  und  wäfsrige 
Losungen  aufgestellte  Gesetz  ist  also  auch  für  eine  Flüisig* 
keU  gültig^  die  umgekehrt  wie  Wasser  in  der  Richtung  der 
oegarlivei»  Elektricit8tsslrömung  durch  ein  Thondiaphragma 
f^ngefMrt  teird. ' ) 

30. 

Ich  habe  ferner  die  Fortführung  dieses  Alkohols  (No.  3) 
durch  den  Entladungsstrom  der  Leidener  Batterie  unter- 
sacht. Die  folgende  Tafel  giebt  die  Beobachtungen  au 
einem  Usberführungsapparate  von  der  oben  i,§.  3)  beschrie- 
beneu EiDrichtung.  Die  Bezeichnungen  sind  dieselben,  wie 
in  §«  6,  jedoch  ist  die  Steighöhe  negativ  gerechnet,  wenn 
die  mit  dem  constanten  Niveau  verbundene  innere  Belegung 
der  Leidener  Batterie  positiv  elektrisch  war,  da  dann  der 

I.)  Dtr  erwihoie  Alkoiiol  hat  auch  die  merkwürdige  Eigenschaft  beioi 
DarrhpresMD  durch  den  Thoorjflioder  elektriach«  Diaphragma- Sic öroe 
lo  der  umgekehrten  l^ichlutig  der  Flüssigkcilsströmung  xu  gehen,  wäh- 
rend die  bisher  untersuchten  FlQs»igkcilen,  worunter  auch  Wasser  und 
Alkohol,  immer  elektrische  Strome  im  Sinne  der  Flüssigkeitsstr6cniiu% 
enMglco-    Vergl.  Pogy.  Ann  Bd.  107,  S.  4  and  ikA.\\%^  S.^ 


560 


FlQMigieitomeDbkus  im  Steigerohr  sank.    Die  aogegebenea 
Zahlen  sind  das  Mittel  aus  3  BeobachtuDgen. 

2r  s=  0-",5492        L  »  100        9  »  5*  22',3 

Temp.  as  I7*,3 


f  = 

-3 

<s 

»2 

f  B 

b1 

9 

Jk 

t 

Jk 

i 

Jk 

i 

5 

—  6,03 

13",33 

—  6,28 

12" 

-  6,23 

7",47 

—  5 

5,87 

12 

6,03 

10  ,01 

6.13 

6  ,40 

10 

-10,60 

11  ,87 

—  10,93 

9,47 

—11,67 

6,27 

—10 

10,53 

10  ,93 

11,27 

9  ,07 

12.37 

6  ,27 

20 

-21,40 

11  ,60 

-21,53 

9  ,60 

—20,65 

7  ,00 

—20 

21,09 

12 

22,57 

9  ,20 

23,37 

6,60 

30 

33,23 

11  ,2 

—33,33 

10  ,40 

-30 

33,00 

11  ,73 

32,58 

9  ,28 

40 

-44,13 

11  ,73 

-40 

42,50 

11  ,60 

Mao  sieht  daraus,  dafs  die  Steighöhe  proportional  der 
auf  der  Batterie  augehäuften  Elektricitätsmenge,  und  die 
Dauer  des  Steigens  nahe  dieselbe  ist  bei  derselben  Ober- 
fläche der  Batterie  und  verschiedenen  Elektricitätsmengen. 
Dagegen  niwmt  bei  derselben  Elektricitätsuienge  die  Dauer 
des  Steigens  mit  der  Oberfläche  der  Batterie  ab.  Die  Steig- 
höhe ist  auch  hier  wieder  nahe,  unabhängig  von  der  Dich- 
tigkeit der  Elektricität  auf  der  Batterie. 

31. 

Es  mag  noch  eine  Beobachtungsreihe  an  demselben  Ue- 
berführungsapparate  folgen,  wo,  ähnlich  wie  in  §.  12  bei 
destillirtem  Wasser,  noch  andere  Widerstände  in  den  Schlie- 
fsuugsbogen  der  Leidener  Batterie  eingeschaltet  worden 
waren.  Ueber  den  Columnen  der  folgenden  Tafel  steht 
der  Gcsammtwiderstand  des  Schliefsungsbogens ,  der  also 
entweder  der  nothwendige  Widerstand  W  des  UeberfÜh- 
rungsrohres  selbst  war,  oder  das  doppelte,  dreifache  u.  s.  w. 
desselben,  indem  mit  demselben  Alkohol  No.  3  gefällte 
Röhren  von  denselben  Dimensionen,  wie  das  Ueberführungs- 
rohr,  in  den  Seh  lief sungsbogen  der  Batterie  eingeschaltet, 
uocf  die  Widerstände  dieser  Röhren  als  gleich  angenommen 


561 


wordin.  Die  angegebenen  Zahlen  sind  das  Mittel  auB  3  Ver- 
Sachen. 


W 


Temp.  ^  16^,4. 


Ah 


2IF 

Jh   I     t 


ZW 

Jh   l    f 


iW 

Jk   i     i 


5IF 

Jh   I     I 


20 


-18,65  13^6 
19^112 


-15,33 
22,17 


17",73 
22  ,17 


14,93=24" 
1 1,37  23  ,7 


-13,80'35",52 
ie,02i26 


14,37 
14,93 


38",93 
31  ,20 


Man  sieht  wieder,  wie  bei  destillirtem  Wasser,  dafs  die 
Steighohe  mit  zanehinendem  Widerstände  des  SchlieCsungs- 
bogene  langsam  abnimmt,  und  die  Daner  des  Steigens  wächst. 

Alle  diese  Ge8et%e  sind  also  dieselben^  wie  bei  Flüssig- 
keiien,  die  in  der  Richtung  der  positiven  Elektricitätsströ' 
mung  fortgeführt  werden. 

Uebrigens  will  ich  hier  noch  bemerken,  dafs  durch  Zu- 
satx  Von  destillirtem  Wasser  zu  diesem  Alkohol  No.  3  eine 
Flilasigkeit  entstand,  die  durch  den  Strom  der  Elektrisir- 
maachine  sowohl,  wie  durch  den  Entladungsslrom  der  Lei- 
dener Batterie  in  der  Richtung  der  positiven  Elektricitäts- 
itrOmong  in  Glasröhren  furtgeführt  wurde. 

Diese  Flüssigkeit  hatte  etwa  dasselbe  specifische  Gewicht 
wie.  der  Alkohol  No«  2,  zeigte  aber  unter  denselben  Ver- 
hältnissen, wie  dieser,  eine  viel  kleinere  Steighöhe. 

32. 

LftCit  man  den  Strom  der  Elektrisirmaschine  oder  den 
Entladnnggstrom  der  Leidener  Batterie  durch  Terpenthinöl 
gehen y  das  sich  in  einem  Ueberführungsapparate  befindet 
wie  er  §.  3  beschrieben  worden  ist,  so  wird  dasselbe  in 
der  Richtung  der  negativen  Elektridtätsströmung,  also  zum 
positiven  Pole,  fortgeführt,  umgekehrt  wie  Wasser.  Dasselbe 
findet  statt,  wenn  die  innere  Oberfläche  der  Glasröhre  mit 
Schellack  überzogen  ist.  Befindet  sich  aber  das  Terpen-* 
diiMl  in  einer  innen  mit  geschmolzenem  Schwefel  überzo- 
geaeii'  Glasröhre,  die  mit  einer  benetzten  Steigröhre  ans 
Glas  versehen  ist,  so  wird  es  wie  Wasser  in  der  Richtung 
dcv  ponliven  Elektricftätsströmung  fortgeführt. 


•  AnaL  Bd.  CXm. 


%« 


trisinnaschiue  und  der  Leideuer  Batterie  iiachzuweiseo  ver- 
sucht, obwohl  ich  selbst  Köbren  von  (t'°°',l)2  Durchinetcer 
und  5IHI""°  Länge  angewandt  habe.  Die  Reibung  des  Queck* 
Silbers  in  diesen  Röhren  war  aber  dann  auch  so  grofs,  dab 
sogar  Almosphäreudruek  uicbt  mehr  ausreichle,  das  Queck- 
silber hindurch  tu  treiben,  und  insofern  bat  das  negali*« 
Ergebiiils  des  Versuclies  nichts  überraschen  des. 

Bei  Steinöl,  Aclhcr  und  kalleiii  oder  vrarmeui  Kuocfaeiifil 
konnte  ebenfalls  eine  Ueberführuug  in  Glasräbreu  aidil 
mit  äicheilieit  beubacblet  werdeu. 

Bei  <Ien  Flüssigkeiten  übrigens,  die  sebr  schlechte  Leiter 
der  Elektricitäl  sind,  tritt  öfter  eine  Erscheinung  auf,  dit 
schwache  Ueberfübruugen  leicht  verdecken  kann,  iadem  dit 
Flüssigkeilslbcilclien  von  der  freien  Elektricüät  des  CoB- 
duclors  oder  der  innereu  Belegung  der  Leidener  Baltem 
.cleklrisiit  und  dann  abgeatofseu  vrerden,  mag  diese  posiltv 
oder  negativ  geladeu  seyu.  Es  tritt  diefs  besonders  bei  grofia 
Dichtigkeit  der  Elektricüät  eiu  und  doch  kaon  man  oichl 
Leidener  Batieiieu  mit  geringer  Dichtigkeit  der  Elekiricilll 
anwenden,  weil  sonst  wegen  des  ^ofsen  Leituugswidef^ 
Standes  der  Flüssigkeit  im  Ueberführungsrobre  die  loteusi- 


563 

tu  im  dietdb«  durchflieiBenden  elektrischen  Stromes  za 
sdiwacb  ist,  und  gar  keine  Ueberffihmiig  erfolgt. 

Leitet  man  den  Platindraht  p,  des  §.  3  beschriebenen 
Ueberfilhningsapparatea  von  oben  in  das  constante  Niveau 
d«r  Flüssigkeit,  statt  durch  die  ROhrenwand  des  Ueberfüh- 
mngsrohres,  so  springen  Flüssigkeitstheilchen  bei  der  Ver* 
bitodmig  mit  der  inneren  Belegung  der  Batterie  an  dem 
▼erlikalen  Platindraht  in  die  Höhe;  dadurch  erfilhrt  dann 
die  Flfissigkeit  im  Ueberführung9rohre  einen  gröfseren  hj- 
droslatischen  Druck ,  und  man  beobachtet  ein  Steigen  des 
MeniAas  im  Steigerohr ,  mag  die  Leidener  Batterie  positiir 
oder  negativ  geladoi  seyn. 

leb  habe  aus  diesen  Gründen  keine  Messungen  über 
die  UeberfÜhrung  der  erwähnten  Flüssigkeiten  durch  den 
Entladoogistrom  der  Leidener  Batterie  an  Ueberführungs- 
apparaten  mit  Glasröhren  anstellen  können. 

33. 

Füllt  man  einen  Wiedemann 'sehen  Apparat  mit  Thon- 
cjÜnder  von  der  §.  21  beschriebenen  Einrichtung  mit  Ter- 
pentUttöl  und  libt  den  Strom  der  Elektrisinnaschine  von 
der  aufserhalb  des  Thoncjlinders  befindlichen  Platinplatte 
so  der  innerhalb  befindlichen  gehen ,  so  beobachtet  man 
ein  Sinken  des  Flüssigkeitsmeniskus  in  dem  auf  den  Thon- 
ejlinder  gekitteten  vertikalen  Glasrohr,  geht  der  Strom  in 
tmigekehrter  Richtung,  ein  Steigen. 

Auch  mit  dem  Entladungsstrome  der  Leidener  Batterie 
beobachtete  ich  eine  Forlführoug  im  Sinne  der  negativen 
Elekiricititsströmung.  Die  folgende  Tafel  giebt  in  Scalen- 
thcsleo  des  Glasmikrometers,  von  denen  22,9  einem  Millime- 
ter entsprechen,  die  Steighöhe  JA,  um  welche  der  Flüssig- 
kdtemeniskns  stieg  oder  fiel,  wenn  die  aus  3  Flaschen  be- 
stahende  Leidener  Batterie  mit  der  Elektridtätsmenge  dbq 
gdnden  war. 

Elektricititsmenge    9  60        40  20 

Steighöhe  Jh     —15    —10,2     —4,8 

Elektricititsmenge    q      —60    —40      —20 
Steighöhe  Jh        15        \^^         k^ 


664 

Das  Steigen  oder  Sinken  dea  FlflatigkeitmeBiskns  ge- 
schah fast  momentani  so  dafs  die  Dauer  des  Steigens  nock  1 
keine  halbe  Sekunde  betrug. 

Die  Wirkung  war  dieselbe,  uiocbie  die  Platinplatte  in- 
nerhalb oder  außerhalb  des  Thoncylinders  mit  der  innerca 
Belegung  der  Batterie  verbunden  sejn. 

Die  übergeführte  FlüesigkeUemenge  war  also  praportio- 
nal  der  auf  der  Leidener  Baiterie  angehäuftem  JSMUrioJIdff- 
menge. 

Um  nun  auch  Terpenthin  durch  ein  Schwefeldiaphragns 
überführen  zu  können,  construirte  ich  den  in  Fig.  5  Tat  VIll 
dargestellten  Apparat  Ein  Glasröhrchen  Ä  von  30"^  Lftngc 
und  3"",5  Durchmesser  wurde  an  einer  Seite  dardi  eine 
Lage  Seidewaiid  geschlossen,  die  Ränder  der  Seide  mit 
Siegellack  an  der  äufseren  Glaswand  festgeklebt,  und  dann 
das  ganze  Rohr  mit  Schwefclpulver  so  fest  als  möglich  voll- 
gestampft,  wobei  die  Seideuplatte  auf  einer  horizontalen 
reinen  Glasplatte  ruhte.  Nachdem  das  Röhrchen  mit  Schwe- 
fel angefüllt  war,  wurde  das  obere  Ende  in  derselben 
Weise  wie  das  untere  mit  einer  Seidenplatte  verschlossen 
und  diese  mit  Siegellack  befestigt. 

Das  so  erhaltene  Schwefeldiaphragma  kittete  ich  dann 
zwischen  2  andern  Glasröhren  B  und  C,  wobei  bei  p,  und 
p,  2  Platindrähte  durch  die  Siegellackkittung  in  das  Innere 
der  Röhren  geführt  wurden.  Auf  C  war  ein  Kork  be- 
festigt, der  zur  Aufnahme  des  mit  Terpenthin  benotztcu 
Steigerohres  D  diente  in  der  Weise,  wie  es  Fig.  5  Taf.  VIU  ab- 
gebildet isL  Man  hatte  also  einen  Apparat  von  ähnlicher 
Construction  wie  in  Fig.  2,  wo  jedoch  das  UeberfÜhrnngs- 
rohr  durch  das  Schwefeldiaphragma  Ä  ersetzt  war.  B  war 
das  constante  Niveau  des  neuen  Ueberführungsapparates, 
der  mit  Terpenthin  gefüllt  wurde,  indem  von  B  nach  C  mit 
der  Luftpumpe  die  Flüssigkeit  durch  das  Diaphragma  geso- 
gen wurde,  was  wegen  der  grofsen  Reibung  ziemlich  laug- 
sam von  Statten  ging. 

Wurden  dann  die  Platindräbte  p,  und  p,  mit  den  Be- 
legUDgen  der  Leidener  Batterie  oder  dem  Conductor  und 


565 

Reibietfge  der  Elektrisimiischnie  in  YerbindaDg  fiesetct, 
ao  ktelMehtete  ich  itnoier  eine  Bewegung  der  Flüssigkeit 
im  Sinne  der  positiven  Elektricitätsströmang.  Schon  bei  der 
Elektricitütinenge  da  10  in  3  Flaschen  betrag  die  Steighöhe 
■Mhr  als  ein  MHlRneter,  and  es  war  leicht  eine  viel  gröfsere 
Vertchiebang  des  Meniskns  hervorzubringen.  Wegen  des 
gnahen  Widerstandes  der  Flüssigkeit  zwischen  den  Platin- 
ciektroden  p,  und  p,  entlad  sich  aber  die  Batterie  sehr  lang- 
sam,  nnd  ebenso  geschah  das  Steigen  oder  Sinken  des  Me- 
■tiikoft  sehr  langsam. 

Man  sieht  also,  dafs  Terpenthinöl  durch  ein  Thondia- 
pbragma  und  ein  Schwefeldiaphragma  in  verschiedener  Rieh- 
toikg  fortgeführt  wird,  analog  wie  bei  der  Fortführung  in 
Glaa  oder  Schwefelröhren  (§.  32). 

Id  einem  Wie  de  mann 'sehen  UeberfÖhrungsapparate 
mit  ThonzellCy  der  mit  Schwefelkohlenstoff  oder  Steinöl 
gef&llt  war,  konnte  ich  bisher  keine  UeberfÜhrtnig  mit  Hülfe 
dki  Stromes  der  Eiektrisirmaschine  oder  der  Leidener  Bat- 
terie beobachten. 

34. 

Ich  wende  mich  )etzt  zo  einer  anderen  Klasse  von  Er- 
acheiDongto,  nSmlich  za  den  Bewegungen,  die  ein  eine  Flüs- 
ägkeit  dmtshfliefsender  elektrischer  Strom  materiellen  Theil- 
dmi  mittfaeilty  welche  in  der  Flüssigkeit  snspendirt  sind, 
wobei  diejenigen  secundären  Erscheinungen  unberücksich- 
tigt Meiben  sollen,  die  in  den  durch  den  elektrischen  Strom 
anageschiedenen  Stoffen  ihren  Grund  haben,  wie  z.  B.  die 
Bewagangen  eines  Quecksilbertropfens  in  Wasser  oder  eines 
Wasaertropfens  auf  Quecksilber*). 

Die  traten  hierher  gehörigen  Erscheinungen  beobachtete 
Hotlfa^)  im  Jahre  1807.  Derselbe  hatte  zwei  vertikale  Glas- 
Wthren  in  ein  horizontales  Prisma  von  feuchtem  Thon  ein- 
gelaaaen  nnd  mit  Wasser  gefüllt.  Auf  dem  Boden  der  Glas- 
röhren befand  sich  eine  Lage  gewaschener  Sand,   und  in 

1)  Hellwig,  Gilb.  Ann.  Bd.  32,  $.289.  1809.  PaaUow,  Pos§.  Ann. 

Bd.  104,  S.  413. 
%)  MJm»  d»  L  soe.  impir.  d.  naiurai,  dt  Moicou  t.  11^  p.^Q^ 


das  Wasser  tauch ten   die    Poldrlfate  ein^   ▼olta'wsbci 

Säule  von  74  Plattenpaareiiy  die  aos  Silberrabeb  aodl  Zint 
platten  aafgebaut  war. 

Das  Wasser,  welches  den  positiTen  Poldraht  enlUelt, 
wurde  dann  von  Thontheilchen  milchig  gefilrbt,  indem  im 
feiue  Thonechlamni  durch  den  Saud  hindurch  in  die  Hohe 
geführt  wurde^  und  denselben  einige  Linien  hoch  bedeckte 

Das  Wasser  in  der  Röhre,  die  den  negativen  Poldrak 
enthielt,  blieb  klar  und  vermehrte  sich  durch  die  Fortfitt- 
rung  des  Wassers  von  der  positiven  snr  negativen  Elek- 
trode. Die  Erklärung,  die  Beufs  von  dieser  Ersidieinuof 
giebt,  ist  freilich  durchaus  ungenügend. 

Femer  hat  derselbe  Beobachter  bei  anderen  Yerancbeo  I 
Bewegungen  fester,  in  Wasser  suspendirter,  Thetkhen  war  i 
negativen  Elektrode  gesehen,  die  dadurch  erkISrt  werden,  ' 
dafs  das  zur  negativen  Elektrode  fortgeführte  Wasser  diese  ] 
Theilcben  mitgerissen  hätte. 

Im  Jahre  1838  stellte  Faraday*)  folgende  Versuche 
an.  Er  brachte  2  Platindrühte,  die  die  Elektroden  einer 
kräftigen  galvanischen  Säule  bildeten,  nahe  nebeneinander  , 
in  eine  mit  destillirtem  Wasser  gefüllte  dickwandige  Glas- 
röhre, und  verschlofs  diese  hermetisch.  In  dem  Wasser  be- 
fanden sich  einige  vegetabilische  Fasern.  Durch  das  ent  t 
wickelte  Gas  wurde  der  Druck  vermehrt  und  die  Gasbla- 
sen, die  sich  an  den  Poldrähten  entwickelten,  so  klein,  daCs 
sie  keine  merkliche  Bewegung  der  Flüssigkeit  hervor- 
brachten. Faradaj  beobachtete  dann,  dafs  die  im  Was- 
ser suspendirten  Fasern  zwischen  den  Platindrihten  hin- 
und  herliefen.  Er  beobachtete  also  gleichzeitig  eine  dop- 
pelte Bewegung  der  festen  Theilchen,  in  der  Bichtung  des 
positiven  Stromes  und  in  der  entgegengesetzten  Bichtung 
desselben,  scheint  aber  den  Grund  dieser  Erscheinungen  in 
einer  Elektrisirung  der  festen  Theilchen,  und  einer  Absto- 
fsung  und  Anziehung  derselben  durch  die  freie  Elektridtät 
der  Poldrähte  zu  suchen^). 

1)  Faradaj,  ejtper,  res.  1605. 
2)  FMiatdMjy  exper    res.  WS^  utvA  \^11. 


1167 

SpMmf  bat  Armstrong*)  einen  Yersudi  beschrieben, 
r  BÜ  der  Ton  ibm  conalruirten  Dampfelektrisirinaschine 
letlellt  wurde,,  and  bieher  lu  gehören  scheint.  Arin- 
roog  Terband  2  mit  destiUirtem  Wasser  gefüllte  Gläser 
reh  einen  Seidenfaden,  und  setste  das  eine  Glas  mit. dem 
lathr  elektriscben  Dampfkessel,  das  andere  mit  dem  Erd- 
den  in  leitende  Verbindung.  Er  beobachtete  dann,  dafs 
r  Seidenfaden  in  das  mit  dem  Erdboden  verbundene 
aa  berfibergefäbrt  wurde.  Da  jedoch  der  Versuch  nicht 
A  in  umgekehrter  Weise  angestellt  worden  ist,  indem 
I  Wasser  an  der  positiven  Elektrode  isolirt,  und  das  an 
r  negaÜTen  Elektrode  zur  Erde  abgeleitet  wurde,  so 
nute  man  immer  noch  die  erwähnte  Erscheinung  einer 
aktriairung  des  Wassers  in  den  Poreu  des  Seidenfadens 
dl  einer  Abatofsung  desselben  durch  das  gleichnamig  elek- 
rirte  Wasser  io  dem  Glasgefiifse  zuschreiben,  in  derselben 
'eise  wie  Wasser,  das  aus  einem  elektrisirton  Gefilbe 
ttdal  eines  Hebers  ausfliebt,  fortgeschleudert  wird. 
Viel  wichtiger  scheint  mir  ein  anderer  Versuch,  wo  Arm- 
rong  Staubtheilcben  auf  die  Oberfläche  des  Wassers 
ifiltete,  den  Seidenfaden  an  dem  negativ  elektrisirten  Glase 
Ceaügte,  und  zwischen  den  Gläsern  zwei  entgegengesetzte 
rOoM  gewahrte,  einen  inneren  vom  negativen  zum  positiven 
■ae  und  einen  äufseren,  den  anderen  einschliefsend,  vom 
aitiven  zum  negativen. 

In  gMUL  neuester  Zeit  beobachtete  Heidenhain  in  den 
llen  von  Vallisneria  eine  Fortführung  der  ChorophjU- 
gelcken  zur  positiven  Elektrode,  wenn  der  Strom  von 

Grove'achen  Elementen  durch  diese  Zellen  geleitet 
tfde. 

DieCi  gab  die  Veranlassung  zn  einer  von  Jürgeosen^) 
igefilhrten  Untersuchung^  derzufolge  in  Wasser  und  wäb 
;en  Lösungen  suspendirte  feste  Theilchen   immer  in  der 
Ifegengeaetzten  Richtung  des  positiven  Stromes  fortgeführt 

)  Pkü.  Mag,  iii,  vol.  23,  p.  194.  Pogg.  Add.  ttd.OO,  S.354.  1843. 
^  R«icb<rt  «od  d«  Boia-RejinoBd,  Archiv  ffir  Anatoinie  und  PKy 
1869.  &ä73«qq. 


968 

werden  ^ollen,  sobald  ein  constanter  (;rivaiia8cber  Strom 
durch  die  Flüssigkeit  fliefst.  Die  Erscheinung  wurde  bei 
Tbeilchen  von  Kohle,  Platin,  Kupfer,  Eisenoxyd,  Gaiuiin, 
Ljcopodium  und  einigen  anderen  organischen  Subetamen 
beobachtet,  sowie  gefunden,  dafs  durch  Zusatz  leitender 
Substanzen,  wie  Säuren  oder  SalzUVsungen,  cum  destillirten 
Wasser  die  Bewegung  verringert  wurde  oder  ganz  rer- 
schwand. 

Ich  habe  die  Angaben  von  Jürgensen  unter  Umstan- 
den bestätigt  gefunden,  jedoch  lassen  sich  im  allgemeinen 
2  Bewegungen  der  festen  Theilchen  beobachten,  die  eine 
im  Sinne,  die  andere  im  entgegengesetzten  Sinne  der  po- 
sitiven ElektricitätsstrOmung. 

35. 

Folgende  Versuche  werden  die  Bedingungen  darthun, 
unter  denen  eine  oder  zwei  Bewegungen  auftreten.  Man 
fülle  einen  Ueberführungsapparat  von  der  §.  3  beschriebe- 
nen Form  und  einem  üeberführungsrohr  von  etwa  O""  4 
Durchmesser  und  100"""  Länge,  mit  destillirtem  Wasser, 
bringe  einige  Stärkekörnchen  in  das  Gefklfs  mit  constantem 
Niveau,  und  sauge  an  dem  Kautschuckschlauche  des  Appa- 
rates, 80  dafs  Luftblasen  durch  das  Üeberführungsrohr  in 
das  Gefäfs  mit  constantem  Niveau  gelangen;  und  die  Flüssig- 
keit aufrühren.  Sind  auf  diese  Weise  die  Stärkekörnchen 
suspendirt,  so  bringt  man  dieselben  nebst  der  Flüssigkeit 
wieder  in  das  horizontal  gestellte  Üeberführungsrohr,  indem 
man  in  den  Kautschuckschlauch  hiueinbläst.  Nachdem  das 
Üeberführungsrohr  und  auch  das  Steigerohr  vollständig  mit 
Flüssigkeit  gefüllt  sind,  verschliefst  mau  das  offene  Ende 
des  letzteren  durch  einen  Stöpsel  aus  Kork  oder  Wachs. 
Man  kann  dann  durch  Wiederholung  dieser  Operation  in 
jedem  Augenblicke  die  Stärk etheilcben  leicht  wieder  suspen- 
dircn,  da  sie  nach  einiger  Zeit  zu  Roden  sinken. 

Die  Stärkekörnchen  beobachtet  man  mit  einem  horizon- 
talen Mikroskope  von  etwa  30facher  Vergröfserung,   wäh- 
rend sie   dabei  mit  Sonnenlicht  oder  einer  Lampenflamme, 
des  leicbieren  Erkennens  we^'feu,  %o  >öA««kÄÄÄV  H^^^deu^  dafs 


569 

sie  weifs  aaf  diinkeleni  Grunde  erscheinen.  Die  Theilchen 
ersdleinen  sogleich  in  Tertikaler  Richtung  etwas  verlängert 
wqi;en  der  dicken  VTandung  der  Thennometerröhre,  die 
wie  eine  Cylinderlope  wirkt. 

Man  leitet  nun  den  Strom  der  Elektrisirmaschine  durch 
das  Ueberftthmngsrohr.  Bei  langsamem  Drehen  der  Ma- 
schine, also  schwacher  Intensität  der  Elektricitätsströmung, 
beobachtet  man  alsdann  eine  Bewegung  der  Stärkekörnchen 
an  der  Wandung  im  Sinne  der  positiven,  in  der  Mitte  der 
Rdhre  im  Sinne  der  negativen  Elektricitätsströmung.  Die 
Theilchen  in  der  Nähe  der  Röhrenaie  bewegen  sich  schnel- 
ler bei  schnellerem  Drehen  der  Maschine  ohne  die  Rich- 
tung der  Bewegung  zu  ändern. 

Nicht  so  die  Theilchen  an  der  Röhrenwandung.  Hier 
wandern  bei  einer  bestimmten  Geschwindigkeit  des  Drehens 
oder  also  einer  bestimmten  Stromintensität,  die  kleineu 
StSrkekügelchen  in  der  Richtung  der  positiven  Elektricität, 
die  gröfseren  in  der  Richtung  der  negativen  Elektricität. 
Yergröfsert  man  die  Stromintensität  noch  mehr,  so  gehen 
alle  Stärk ekQgelchen  zur  positiven  Elektrode,  mögen  sie 
grofs  oder  klein  sejn,  in  der  Mitte  oder  an  der  Wandung 
Sit  Röhre  sich  befinden. 

Wie  der  Strom  der  Elektrisirmaschine  wirken  auch  der 
einer'  constanten  Kette,  der  Entladungsstrom  der  Leidener 
Batterie,  oder  Inductionsströme,  wenn  man  durch  Einschal- 
ten einer  Luftstrecke  in  den  Scbliefsungsbogen  dafür  Sorge 
ttUgt,  dafs  nur  der  Oeffuungsstrom  durch  den  Ueberfüh- 
-rbngisapparat  geht. 

*  Bei  dem  Entladungsstrorae  der  Leidener  Batterie  gehen 
die  'fttärkekörnchen  gewöhnlich  ein  kleines  Stück  in  der 
Ri^tong  der  positiven  Elektricitätsströmung,  und  dann  keh- 
ren aie  plötzlich  um,  und  gehen  in  der  Richtung  der  nega- 
Üren  Elektridtätsströmung  fehr  schnell  aus  dem  Gesichts- 
ffetde,  so  dafs  sie  einen  hakenförmigen  Weg  beschreiben. 
Id  wdteren  Röhren,  etwa  von  2""  Durchmesser,  habe  ich 
mit  den  mir  zu  Gebote  stehenden  Milteln  d\^  S\xo\!^\\iVftVi- 
Mtif'irM/'ao  steigern  können,  data  die  TVieWdi^tL  ^^  ^^^ 


570 

Wandung  alle  xur  poeitif^en  Elektrode  gewamfeii  wireii. 
Ich  bemerke  kier  beiliufig,  dab  die  tod  mir  beD«tsle  Elek- 
trisirmaschine  eine  Scheibe  von  725"^  Durchmeater  halt% 
und  zu  der  Zeit,  wo  sie  zu  TorliegendeB  Vertodieii  bonutal 
wurde,  sehr  gut  wirkte. 

Bei  Zusatz  leitender  Substansen  zum  destiUirten  Waaaer 
beobachtet  man  beide  Bewegungen  der  SUIrkekOmcheoiy 
oder  gar  keine  Bewegung. 

In  sehr  engen  Röhren  wandern  schon  bei  geringer  Strom- 
intensitftt  alle  festen  Thoilchen  zur  positiveii  Elektrode,  and 
es  kann  dann  eintreten,  dafs  man  in  denselben  die  beidem  Be- 
wegungen nicht  beobachten  kann,  sondern  nur  die  eine  im 
entgegengesetzten  Sinne  der  positiven  Elektridlitsstrdmong« 

Die  Bewegung  beginnt  und  verschwindet  sofort  mH  Be- 
ginnen und  Aufhören  des  elektrischen  Stromes  unabhängig 
von  ihrer  Geschwindigkeit  und  Richtung. 

36. 
Bei  der  Untersuchung  des  Verhaltens  anderer  in  destil- 
lirteiT)  Wasser  suspendirten  Stoffe  gegen  strömende  Elek- 
tricität  habe  ich   aufser  dem  erwähnten  Apparate  noch  2 
andere  von  sehr  ähnlicher  Construction  benutzt. 

Der  eine  derselben,  der  in  Fig.  8  Taf.  VIII  dargestellt 
ist,  unterscheidet  sich  von  dem  ersten  Fig.  2  nur  durch 
das  Ueberführungsrohr,  welches  durch  ein  Glasrohr  F  von 
60  bis  70""  Länge  und  4*"  Durchmesser  ersetzt  ist.  DieCs 
Glasröhrchen  ist  in  seiner  Mitte  auf  einer  Strecke  von  10 
bis  20""  Länge  verengert,  so  dafs  der  Durchmesser  hier 
nur  noch  \  bis  7  Millimeter  beträgt.  Die  Elektricität  wird 
der  Flüssigkeit  durch  die  Platinelektroden  p,  und  p,  zu- 
geführt, von  denen  die  letztere  in  dem  Korke  E  befestigt 
ist,  den  das  offene  Ende  des  eingeschnürten  Ueberführoogs- 
rohres  F  trägt.  Man  beobachtet  die  suspendirten  Tbeil- 
chen  in  der  Einschnürung  mit  einem  horizontalen  Mikroskop 
in  der  oben  beschriebenen  Weise.  Dieser  Apparat  hat  den 
Vortheil,  dafs  der  Widerstand  der  Flüssigkeitssäule,  den 
die  Elektricität  zu  überwinden  hat,  möglichst  klein  ist,  und 
die  Th eilchen  an  einer  SXeWe  Yie\.x%äEkVf\  iR«i4«Dk^  «n  der 


571 

SlraaicKchtigkdt  sehr  grots  ist.  Ich  werde  spater  (§.  43) 
Migen,  dab  mii  letzterer  die  Geschwindigkeit  der  Fortftih- 
roDf;  xunnnait.  Gleichzeitig  läfst  sich,  da  der  enge  Theil 
daa  Deberffthrangsrohres  Dor  kurz  ist,  die  Flüssigkeit  schDell 
wieder  aufrübren  and  in  das  Ueberführungsrohr  bringen, 
che  die  aospendirten  Theilchen  zu  Boden  gesunken  sind. 

Dar  dritte  Apparat,  den  ich  benutzt  habe,  ist  in  Fig.  10 
Taf.  VIII  in  lialber  natürlicher  Gröfse  dargestellt,  und  besteht 
mm  einem  horizontalen  Glasrohr  AB  von  9"^  Durchmesser 
mmi  100**  Linge,  das  in  der  Mitte  ebenfalls  auf  einer 
Strecke  tod  10"*  LSnge  eingeschnürt  ist,  so  dafs  sein 
IKnrcbneaMr  hier  etwa  0<**,4  betrigt.  Die  Röhre  AB  itlt 
■D  ihren  Enden  durch  2  Korke  verschlossen,  an  denen  vor- 
bei 2  PktindrShte  j»,  und  p,  zu  2  grOfseren  Piat inplatten 
ia  das  hmere  der  Rohren  führen.  2  vertikale  an  die  Röh- 
reostOcke  A  und  B  angelOtbete  SeitenrOhren  von  100"* 
Hohe  und  4"*,6  Durchmesser  gestatteten  den  Apparat  mit 
FMüigkeit  zn  füllen,  und  waren  oben  durch  2  Korke  ver- 
•ddoffsen,  imi  Schwankungen  der  Flüssigkeit  zu  vermeiden, 
die  ein  StrOmen  derselben  an  der  eingeschnürten  Stelle, 
and  also  auch  eine  Bewegung  der  suspendirten  Theilchen 
mr  Folge  gehabt  hxtten. 

Die  aospendirten  Theilchen  wurden  auch  hier  an  der 
olngeachnürten  Stelle  des  Ueberfühningsrohres  beobachtet. 
I>er  Widerstand  der  FlüssigkeitssHule  war  in  diesem  Appa- 
rate noch  geringer  als  in  den  beiden  anderen,  jedoch  konn- 
IM  die  Theilchen  nicht  so  leicht  wieder  in  der  Flüssigkeit 
▼wtkaiil  werden,  wenn  sie  zu  Boden  gesunken  waren. 

Bei  diesen  Apparaten  beobachtete  man  nun  bei  hinrei- 
draadcr  Stronintensität  immer  nur  eine  Bewegung  der  in 
den  deaüllirten  Wasser  suspendirten  Theilchen,  und  zwar 
im  der  entgegengesetzten  Richtung  der  positiven  Elektrici- 
tltaatrOmnng. 

Der  zulelzt  beschriebene  Apparat  (Fig.  10  Taf.  VIII)  ist 
aabr  ihnlich,  wie  derjenige,  den  Hr.  Jürgensen  angewandt 
und  im  der  erwShnten  Abhandlung  p.  683  bescbn^V^cü  Wv^ 
aar  #ar  hei  dteeem  das  Glaarohr  AB  mi  eVaex  ^v^^  IL 


572 

durch  eioe  mit  Gjrps  befestigte  tbierisehe  Membno  ooter- 
brochen,  uro  die  Schwankangen  der  FlflMigkeit  za  ver- 
meiden. 

Obgleich  also  Hr.  Jürgen sen  ftlr  gewöbolieb  in  Gypa- 
Iö8iiDg  statt  in  destillirtem  Wasser  die  UeberfQhning  beob- 
achtet haben  wird,  so  ist  es  dennoch  möglich^  dafs  bei  die- 
sem Apparate  und  einer  32gliedrigen  Grove' sehen  SSuIe 
nur  etite  Bewegung  der  festen  Theilchen,  nämlich  die  xor 
positiven  Elektrode  stattfand.  Wie  aber  Hr.  Jflrgeosen 
auch  bei  Apparaten  anderer  Constructiony  wie  z.  B.  einem 
kleinen  kreisförmigen  Bassin  von  40"**  Durchmesser  (p.  682 
der  angeführten  Abhandlung)»  dem  durch  feuchte  HoUonder- 
markkeile  die  Elektricität  zugeführt  wurde,  immer  nur  diese 
eine  Bewegung  beobachtet  hat,  ist  mir  unerklärlich,  da  es 
mir  trotz  vieler  Versuche,  die  ich  in  dieser  Beziehung  an- 
gestellt habe,  nicht  bat  gelingen  wollen,  die  eine  Bewegung 
ohne  die  andere  herzustellen.  Ich  habe  dabei  dem  Wasser, 
in  welchem  Carmintheilchen  suspendirt  waren,  Gummi  zu- 
gesetzt um  in  der  von  Hrn.  Jürgensen  angegebenen  Weise 
die  durch  Verdunstung  hervorgebrachten  Strömungen  zu  ver- 
meiden, habe  die  Höbe  der  Flüssigkeitsschicht  in  dem  kleinen 
Bassin  so  klein  wie  möglich  oder  mehrere  Millimeter  hoch 
gemacht,  habe  die  Verdunstung  durch  übergelegte  Glasplatten 
zu  vermeiden  gesucht,  oder  die  Flüssigkeit  zwischen  ein  Deck- 
gläschen und  einen  gewöhnlichen  gläsernen  Ob)ectträger  ge- 
bracht, immer  fand  ich  zwei  Bewegungen  der  festen  Theilchen, 
die  bei  diesen  Versuchen  natürlich  mit  einem  vertikalen 
Mikroskope  beobachtet  wurden.  Fanden  beide  Bewegun- 
gen, im  Sinne  und  im  entgegengesetzten  Sinne  der  positiven 
Elektricitätsströmung,  auch  nicht  immer  an  derselben  Stelle 
übereinander  slatt,  so  konnte  man  sie  doch  immer  wahr- 
nehmen, wenn  man  nebeneinander  liegende  Theile  der  Flüs- 
sigkeitsschicht untersuchte. 

37. 

In  derselben  Weise  wie  Stärke  (§.  35)  verhalten  sich 
nun  noch  viele  andere  Stoffe,  die  also  alle  bei  hinreichen- 
der Sfromiotensität  zw  poaiVWcu  l£\<i^k\xo4ft  NivoLdem*  d.  h. 


573 

der  Riehtung  der  negativeu  Elektriciiatsströmung,  wenn 

in  destillirteoi  Wasser  fein  yertheilt  und  suspendirt  sind. 

I    beobachtete    diese  Ueberführung   bei    folgenden  Sab- 


Platin 

Schwefel 

Gold 

Schellack 

Kupfer 

Seide 

* 

Eisen 

Baumwolle 

Graphit 

Stttrke 

Quarz 

Lycopodium 

Feldspath 

Carmin 

Braunstein 

Papier 

Asbest 

Federkiel 

Schmirgel 

Elfenbein 

Gebrannter  Thon 

Terpenthinöl 

Porzellanerde 

Schwefelkohlenstoff 

Sauerstoff 

Kohlensäure 

Wasserstoff 

Elayl 

Atmosphärische  Luft 

Das  Platin  war  durch  Glühen  von  Platinsahniak  darge- 
dk,  das  Gold  durch  Schütteln  von  Blatt^^old  mit  Wasser 
Id  yertheilt.  Kupfer  und  Eisen  waren  durch  Reduction 
rer  Oxjde  mit  Wasserstoff  und  starkes  Glühen  in  dem 
^atserstofüstrome  erhalten  worden.  Quarz,  Feldspath  und 
»roellanerde  wandte  ich  in  geschlämmtem  Zustande  an, 
ie  sie  in  den  Porcellanfabriken  benutzt  werden.  Schwe- 
I,  Schellack,  Seide,  Elfenbein,  Asbest  und  gebrannter 
100  waren  dieselben,  welche  ich  bei  einer  früheren  Un- 
rsnchnng  Ober  elektrische  DiaphragmastrOme')  angewandt 
tte.  Die  Stärke  wurde  aus  rohen  geschabten  Kartoffeln 
irch  Abschlämmen  mit  destillirtem  Wasser  dargestellt. 

TerpenthinOl  und  Schwefelkohlenstoff  wurden  durch 
liQltein  mit  destillirtem  Wasser  fein  vertheilt,  und  so 
bneU  wie  möglich  mit  diesem  in  einen  TJcberführungs- 
|Hinit  gefüllt 

)  Ppfi   Aas.  Bi.  110^  S.  45  a.  ff. 


5T4 

Um  atmofiphftritebe  Luft  xa  oDterauchw  iMraoebt  mm 
Dur  durch  einen  UeberRlhrungsapparat  ton  der  Fig.  8  od.  10 
Taf.  VIII.  dari^estellteu  Form  InduclionsstrOme  oder  des 
Entladuugsfitrom  einer  stark  geladenen  Leidener  Fiaadie 
zu  leiten.  Die  Erwärmung  scheidet  dann  Gasblasen  aas, 
die  wohl  von  absorbirter  Luft  herrühren.  Dafs  wirklich  eine 
grofse  Erwärmung  an  der  eingeschnürten  Stelle  des  lieber- 
führungsapparates  Fig.  10  stattfindet,  läfst  sich  sehr  gut  an 
den  ausgeschiedenen  Luftblasen  sehen,  die,  so  lange  Induc- 
tionsströme  durch  den  Apparat  fliefsen,  eine  fortwährende, 
wenn  auch  geringe,  Aenderung  ihres  Volumens  zeigen,  we- 
gen der  Schwankungen  der  Stromintensität  und  der  Tem- 
peratur. Unterbricht  man  dann  plötzlich  den  Strom,  so 
verkleinern  sich  die  Luftbbsen  schnell  und  nehmen  nach 
dem  Erkalten  oft  nur  den  dritten  Theil  des  Volumens  ein, 
das  sie  bei  ihrer  Entstehung  zeigten.  Von  einer  Absorption 
durch  die  Flüssigkeit  kann  diese  Verkleinerung  des  Volu- 
mens nicht  herrühren,  da  sich  die  ganze  Erscheinung  in 
dem  kurzen  Zeitraum  einer  viertel  oder  halben  Minute  beob- 
achten läfst. 

Wenn  man  den  Entladungsstrom  der  Leidener  Batterie 
durch  den  Apparat  gehen  liefs,  während  sich  Tbeilchen 
Blattgold  in  dem  engen  Theile  des  Ueberfühmngsrohres 
befanden,  so  schieden  sich  zahlreiche  Luftbl&scheu  ab,  die 
an  der  Oberfläche  des  Goldes  gehaftet  hatten.  An  diesen 
ausgeschiedenen  Luftbläschen  lieCs  sich  die  Ueberführung 
durch  den  elektrischen  Strom  zur  positiven  Ellektrode  sehr 
gut  beobachten.  War  die  Stromintensität  gering,  so  wor- 
den dieselben  in  einigen  Fällen  in  der  Richtung  des  posi- 
tiven Stromes  zur  negativen  Elektrode  fortgeführt. 

Um  jedoch  mit  reinen  Gasarten  operiren  zu  können 
leitete  ich  das  gereinigte  und  getrocknete  Gas  durch  Glaa- 
fäden  von  500*-"  bis  1000*"  Länge,  und  0^,1  bis  0"»,2 
Durchmesser.  Diese  Glasfäden  wurden,  nachdem  man  sicher 
seyu  konnte,  dafs  sie  ganz  mit  reinem  Gase  gefüllt  waren, 
mit  dem  offenen  Ende  in  Wasser  getaucht  um  das  Gas 
auszusperren  und  dann  m\l  ein^i  «i^vttiea  Löthrohrflamme  ab- 


gotduBolMD.  Man  hatte  so  einen  langen  mit  Gas  gefällten 
Glasfikleny  Ton  welchem  Tor  einer  spitzen  Lötbrohrllamme 
90^*^  bis  40""  lange  Stücke  abgeschmolzen  wurden. 

Ein  solches  Stück  HS  wurde  nun  an  einem  Ende  R 
mit  einem  Feilstrich  P  versehen  ond  in  das  offene  Ende 
des  Ueberfübrungsrohrcs  (.Fig.  8  Taf.  VIII)  gebracht,  wie  es 
Fig.  9  dargestellt  ist.  Das  Ueberffibrungsrohr  war  so  eng, 
dafs  die  Flüssigkeit  durch  Capiliarattraction  am  Ausfliefsen 
▼erhindert  war,  selbst  wenn  das  Rohr  vertikal  gestellt  wurde. 
Dttdorcbi  dafs  man  das  Ende  R  des  Glasfadens  gegen  die 
obere  Wandung  und  die  Mitte  des  Glasfadens  gegen  die 
matere  Wandung  des  Ueberführungsrohres  drückte,  liefs 
sich  der  Glasfaden  an  der  Stelle  P  abbrechen,  ein  Theil 
fiel  wa  Bodeo,  ond  durch  Erwärmen  des  Endes  5  des  län- 
geren Theiles  liels  sich  eine  kleine  Gasblase  bei  P  heraus- 
treiben, die  durch  Neigen  an  die  enge  Steile  des  Ueber- 
fllhnuigsrohres  gebracht  wurde.  Durch  vorsichtiges  Blasen 
ID  dem  Kaatschuckschlauche  des  constanten  Niveaus  wurde 
dann  das  Ueberführuugsrohr  wieder  ganz  mit  Flüssigkeit 
g0f&llt,  da  bei  der  Entfernung  des  Glasfadens  gewöhnlich 
der  Tropfen  an  der  Oeffnung  abgefallen  war,  nnd  der 
Kork  E  mit  der  Platinelektrode  p,  (Fig  8)  aufgesetzt. 
Darcb  Drücken  an  dem  Korke  E  konnte  man  dann  noch 
kleine  Aenderungen  in  der  Lage  der  Gasblase  herbeiführen. 

Haben  die  Gasblaseu  einen  gröfseren  Durchmesser  als 
der  enge  Theil  des  Ueberführungsrohres  und  ist  die  Strom- 
intensitit  groCBy  so  kann  man  oft  sehen,  wie  sie  sich  müh- 
saa  durch  das  enge  Rohr  durchquetschen  und  dabei  länger 
werden.  Sind  die  Blasen  zu  grois,  so  bleiben  sie  an  einer 
eogen  Stelle  des  Rohres  sitzen  und  ändern  nur  ihre  Ge- 
stalt, ans  der  man  aber  auch  schon  den  Sinn  der  Ueber- 
fitfuroDg  erkennen  kann. 

Sauerstoff  und  Wasserstoff,  durch  Elektrolyse  von  destil- 
lirtem  Wasser  dargestellt,  verhielten  sich  ebenso,  wie  die- 
selben Gasarteo,  welche  aus  überchlorsaurem  Kali  oder  aus 
reinem  Zink  nnd  Schwefelsäure  dargestellt  waren.  Das 
aa§awandle  Elajrl  wurde  auf  die  gewöbnliiche  NV  euM  ^^x^ 


576 

Einwirkung  von  Schwefekäure  auf  Alkohol  dargestellt»  mit- 
hielt jedoch  wegen  der  unvollkomuieuen  WaschTorrichtong 
noch  fremde  Gasarten  beigemengt.  Die  Kohlensfture  wurde 
au8  Kreide  mit  reiner  concentrirter  Schwefekdure  entwickelt 
Sämmtliche  Gase  waren  mit  concentrirter  Schwefela&ure  ge- 
trocknet worden. 

Die  verschiedenen  in  dem  destillirten  Wasser  suspen- 
dirten  Substanzen  werden  verschieden  leicht  von  dem  elek- 
trischen Strome  fortgefiührt,  und  namentlich  modificirt  die 
Gestalt  der  Theilchen  die  Ueberführung.  Von  den  Gas- 
arten schien  Sauerstoff  leichter  ab  Wasserstoff  übergefQhrt 
zu  werden  zur  positiven  Elektrode,  doch  möchte  ich  mir 
kein  bestimmtes  Urtheil  in  dieser  Beziehung  erlauben. 

Im  Allgemeinen  waren  die  suspendirten  Theilchen  kurz 
vor  der  Einwirkung  des  elektrischen  Stromes  mit  der  be- 
wegten und  aufgerührten  Flüssigkeit  in  Berührung  gewesen, 
da  sie  sonst  eben  nicht  in  der  Flüssigkeit  schwebten. 

Ich  habe  aber  bei  den  Substanzen  die  länger  suspendirt 
blieben,  dieselbe  Ueberführung  beobachtet,  mochte  die  Flüs- 
sigkeit lange  ruhig  gestanden  haben  oder  kurz  vorher  be- 
wegt worden  seyn. 

Bei  einem  Versuche  beobachtete  ich  die  Fortführung  voo 
Carmintheilcbeu,  die  3  Wochen  lang  so  ruhig  wie  mOglich 
in  destillirteui  Wasser  suspendirt  gestanden  hatten,  und 
konute  keinen  Unterschied  in  der  Fortführung  bemerken, 
nachdem  das  Wasser  stark  bewegt  worden  war. 

38. 

In  Terpenthinöl  geheii  die  meisten  Substanzen  umge- 
kehrt wie  in  Wasser,  nämlich  in  der  Richtung  des  positi- 
ven Stromes.  Diese  Ueberführung  läfst  sich  natürlich  nur 
mit  dem  Strome  der  Elektrisirmaschinc  und  der  Leidener 
Batterie,  unter  besonders  günstigen  Verhältnissen  auch  mit 
InducHonsströmen  beobachten. 

Die  einzige  Substanz,  die  in  Terpenthinöl  wie  in  Was- 
ser in  der  Richtung  der  negativen  Elektricitätsströmung  fort- 
getühvt  wird,  ist  Schwefel. 

lü  der  Richtung  des  i^oeiÜNeu  elektrischen  Stromes  beob- 


577 

achtele  ich  die  Fortführung  in  Terpeutbiuöl  bei  folgenden 
Substanzen : 


Platin 

Schellack 

Gold 

Seide 

Kupfer 

Baumwolle 

Eisen 

Stftrke 

Quarz 

Ljcopodium 

Feldspath 

Carmin 

Braunstein 

Papier 

Gebrannter  Thon 

Alkohol 

Wasser 

Sauerstoff 

Kohlensäure 

Wasserstoff 

Atmosphärische  Luft. 

Die  festen,  flüssigen  und  gasförmigen  Substanzen  wur- 
den in  derselben  Weise,  wie  es  bei  dem  Wasser  beschrie- 
ben ist,  in  der  Flüssigkeit  suspendirt  Mit  clektroljtisch 
dargestelltem  Wasserstoff  und  Sauerstoff  habe  ich  die  Ue- 
berfühning  in  Terpenthinül  nicht  untersucht 

Die  Fortführung  der  Gasarten  liefs  sich  in  Terpenthinöl 
besser  mit  dem  Strome  der  Elektrisirmaschine  als  mit  dem 
Entladungsstrome  der  Leidener  Batterie  beobachten,  wohl 
weil  in  ersterem  Falle  die  Stromintensität  gröfser  war. 

40. 

Ich  beobachtete  ferner,  dafs  Terpenthiutropfen  in  Al- 
kohol No.  2  (vergl.  §.  22)  fortgeführt  wurden  zur  positi- 
ven Elektrode,  also  im  entgegengesetzten  Sinne  der  positi- 
ven Elektridlätsströmung,  mit  dem  Strome  der  Elektrisir- 
mMchine. 

Ebenso  verhielten  sicli  in  dem  absoluten  Alkohol  No.  1 
(vergl.  §.  22)  Theilchen  von  atmosphärischer  Luft,  Sauer- 
stoff, Wasserstoff,  Kohlensäure  und  Elayl.  Die  Wirkung 
auf  letztere  Gasart  schien  am  schwächsten.  Diese  Luft- 
theilchen  wurden  alle  zur  positiven  Elektrode  fortgeführt, 
sowohl  mit  dem  Strome  der  Elektrisirmaschine,  als  auch  mit 
dem  Entladungsstrome  der  Leidener  Batterie,  Inductionsströ- 
men  und  dem  constauten  Strome  von  80  Grove' sehen  Ele- 

Po«|Cii4oHr«  Aoii»L  Bd.  CXIIJ.  ^"l 


568 

werden  ^llen,  sobald  eiD  coDstanter  galvaaischer-  Strom 
durch  die  FlOssigkeit  flieCit  Die  Elraeheinang  wurde  bei 
Theilchen  von  Kohle,  Platin,  Kupfer,  Eisenoxyd,  Guuiin, 
Lycopodium  und  einigen  anderen  organischen  Subetamen 
beobachtet,  sowie  gefunden,  dafs  durch  Zusatx  leitender 
Substanzen,  wie  SAuren  oder  Salzlösungen,  zum  destillirten 
Wasser  die  Bewegung  verringert  wurde  oder  ganz  ver- 
schwand. 

Ich  habe  die  Angaben  von  Jürgensen  unter  Umstan- 
den bestätigt  gefunden,  jedoch  lassen  sich  im  allgemmen 
2  Bewegungen  der  festen  Theilchen  beobachten,  die  eine 
im  Sinne,  die  andere  im  entgegengesetzten  Sinne  der  po- 
sitiven Elektricitätsströmung. 

35. 

Folgende  Versuche  werden  die  Bedingungen  darthun, 
unter  denen  eine  oder  zwei  Bewegungen  auftreten.  Man 
fülle  einen  Ueberführungsapparat  von  der  §.  3  beschriebe- 
nen Form  und  einem  ücberführungsrohr  von  etwa  O""  4 
Durchmesser  und  lOO""  Länge,  mit  destillirtem  Wasser, 
bringe  einige  St&rkekörnchen  in  das  Gefäfs  mit  constantem 
Niveau,  und  sauge  an  dem  Kantschuckschlauche  des  Appa- 
rates, so  dafs  Luftblasen  durch  das  Ueberftihrungsrohr  in 
das  Gefäfs  mit  constantem  Niveau  gelangen;  und  die  FlQssig- 
keit  aufrühren.  Sind  auf  diese  Weise  die  Stärkekörnchen 
suspeudirt,  so  bringt  mau  dieselben  nebst  der  Flüssigkeit 
wieder  in  das  horizontal  gestellte  Ueberführungsrohr,  indem 
man  in  den  Kautschuckschlauch  hiueinbläst.  Nachdem  das 
Ueberführungsrohr  und  auch  das  Steigerohr  vollständig  mit 
Flüssigkeit  gefüllt  sind,  verschliefst  mau  das  offene  Ende 
des  letzteren  durch  einen  Stöpsel  aus  Kork  oder  Wachs. 
Man  kann  dann  durch  Wiederholung  dieser  Operation  in 
)edem  Augenblicke  die  Stärketheilchen  leicht  wieder  suspen- 
dircn,  da  sie  nach  einiger  Zeit  zu  Boden  sinken. 

Die  Stärkekörnchen  beobachtet  man  mit  einem  horizon- 
talen Mikroskope  von  etwa  30facher  Vcrgröfserung,  wäh- 
rend sie  dabei  mit  Sonnenlicht  oder  einer  Lampenflanune, 
des  leicbieren  Erkennens  wc^'ftn^  %o  V^^Vcwclvl^l  werden,  dafs 


569 

sie  weifs  auf  dunkclem  Grunde  erscheinen.  Die  Tbeilchen 
erscileinen  zogleicb  in  vertikaler  Richtung  etwas  verlängert 
wegen  der  dicken  Wandung  der  Thennometerröhre,  die 
wie  eine  Cylinderlope  wirkt. 

Man  leitet  nun  den  Strom  der  Elektrisirmaschine  durch 
das  Ueborfbhmngsrohr.  Bei  langsamem  Drehen  der  Ma- 
schine, also  schwacher  Intensität  der  Elektricitätsströmung, 
beobachtet  man  alsdann  eine  Bewegung  der  Stärk ekörnchen 
an  der  Wandung  im  Sinne  der  positiven,  in  der  Mitte  der 
RiVhre  im  Sinne  der  negativen  Elektricitfitsströroung.  Die 
Tbeilchen  in  der  Nähe  der  Röhrenaxe  bewegen  sich  schnel- 
ler bei  schnellerem  Drehen  der  Maschine  ohne  die  Rich- 
tung der  Bewegung  zu  ändern. 

Nicht  so  die  Tbeilchen  an  der  Röhrenwandung.  Hier 
wandern  bei  einer  bestimmten  Geschwindigkeit  des  Drehens 
oder  also  einer  bestimmten  Stromintensität,  die  kleineu 
StärkekOgelchen  in  der  Richtung  der  positiven  Elektricität, 
die  grOfseren  in  der  Richtung  der  negativen  Elektricität. 
VergrOfsert  man  die  Stromintensität  noch  mehr,  so  gehen 
alle  Stärk ekflgelchen  zur  positiven  Elektrode,  mögen  sie 
grofs  oder  klein  sejn,  in  der  Mitte  oder  an  der  Wandung 
der  Röhre  sich  befinden. 

Wie  der  Strom  der  Elektrisirmaschine  wirken  auch  der 
einer  consfanten  Kette,  der  Entladungsstrom  der  Leidener 
Batterie,  oder  Inductionsströme,  wenn  man  durch  Einschal- 
ten einer  Luftslrecke  in  den  Schliefsungsbogen  dafür  Sorge 
trägt,  dafs  nur  der  Oeffuungsstrom  durch  den  Ueberfüh- 
rungsapparat  geht. 

Bei  dem  Entladungsstroroe  der  Leidener  Batterie  gehen 
die  Stärkekörnchen  gewöhnlich  ein  kleines  Stück  in  der 
Richtung  der  positiven  Elektricitätsströmung,  und  dann  keh- 
ren sie  plötzlich  um,  und  gehen  in  der  Richtung  der  nega- 
tiven Elektricitätsströmung  pehr  schnell  aus  dem  Gesichts- 
felde, so  dafs  sie  einen  hakenförmigen  Weg  beschreiben. 
In  weiteren  Röhren ,  etwa  von  2"*  Durchmesser,  habe  ich 
mit  den  mir  zu  Gebote  stehenden  Mitteln  die  StrotniulAw- 
sität  nicht  so  steigern  können,   data  die  TVveiV^^ii  ^isl  ^lva 


570 

Wandung  alie  mr  potiti^en  Elektrode  gewandert  wireB. 
Ich  bemerke  kier  beiUkifig,  dab  die  Ton  nir  beimtite  Elakr 
trisirmascbine  eine  Scheibe  von  725"*  Durcbuieiier  baHei 
und  zu  der  Zeit,  wo  aie  zu  Torliegendmi  Vermcben  bonuttl 
wurde,  sehr  gut  wirkte. 

Bei  Zusatz  leitender  Substansen  zun  destiliirten  Waaaer 
beobachtet  man  beide  Bewegungen  der  StirkekOrachen, 
oder  gar  keine  Bewegung. 

In  sehr  engen  Röhren  wandern  schon  bei  geringer  Stron- 
intensitftt  alle  fetten  Theilchen  zur  pontivea  Elektrode»  and 
es  kann  dann  eintreten,  dafa  man  in  denselben  die  beidem  Be- 
wegungen nicht  beobachten  kann,  sondern  nur  die  eine  im 
entgegengesetzten  Sinne  der  positiven  ElektridtitssIrOnHiDg. 

Die  Bewegung  beginnt  und  verschwindet  sofort  nit  Be- 
ginnen und  Aufhören  des  elektrischen  Stromes  onabhftngig 
von  ihrer  Geschwindigkeit  und  Richtung. 

36. 
Bei  der  Untersuchung  des  Verhaltens  anderer  in  destil- 
lirtem  Wasser  suspendirten  Stoffe  gegen   strömende  Elek- 
tricität   habe   ich   aufser  dem  erwähnten  Apparate   noch  2 
andere  von  sehr  ähnlicher  Construction  benutzt. 

Der  eine  derselben,  der  in  Fig.  8  Taf.  VIII  dargestellt 
ist,  unterscheidet  sich  von  dem  ersten  Fig.  2  nur  durch 
das  Ueberftihrungsrohr,  welches  durch  ein  Glasrohr  F  von 
60  bis  70""  Länge  und  4""  Durchmesser  ersetzt  ist.  Dieb 
Glasröhrchen  ist  in  seiner  Mitte  auf  einer  Strecke  von  10 
bis  20""  Länge  verengert,  so  dafs  der  Durchmesser  hier 
nur  noch  \  bis  7  Millimeter  beträgt.  Die  Eiektricitit  wird 
der  Flüssigkeit  durch  die  Platinelektroden  p,  und  p,  zu- 
geführt, von  denen  die  letztere  in  dem  Korke  £  befestigt 
ist,  den  das  offene  Ende  des  eingeschnürten  UeberfÜhrongs- 
rohres  F  trägt.  Man  beobachtet  die  suspendirten  Tbdl- 
chen  in  der  Einschnürung  mit  einem  horizontalen  Mikroskop 
in  der  oben  beschriebenen  Weise.  Dieser  Apparat  hat  den 
Vortheil,  dafs  der  Widerstand  der  Flüssigkeitssftule,  den 
d!re  Eiektricität  zu  überwinden  hat,  möglichst  klein  ist,  und 
die  Theilchen  an  einer  S\e\\e  Yielx%äkvV«V  ^nvt^taDi^  %iider  die 


Wl 

Slroai<Hebtigkeit  sehr  groCs  ist.  Idi  werde  spater  (§.  43) 
Migen,  difii  nit  letzterer  die  Geschwindiglieit  der  Fortfflh- 
niDg  zunimmt.  Gleichzeitig  läfst  sich,  da  der  enge  Theil 
^es  DeberfBhroDgsrobres  nur  kurz  ist,  die  Flüssigkeit  schnell 
wieder  aafrfibreD  und  in  das  Ueberfflbrungsrohr  bringen, 
ake  die  sospendirten  Theilchen  zu  Boden  gesunken  sind. 

Der  dritte  Apparat,  den  ich  benutzt  habe,  ist  in  Fig.  10 
Taf.  VUI  in  halber  natürlicher  Grdfse  dargestellt,  und  besteht 
ans  einen  horizontalen  Glasrohr  AB  von  9""  Durchmesser 
mni  100"^  Ling^»  das  in  der  Mitte  ebenfalls  auf  einer 
Stred^e  von  10"*  Linge  einj^^eschnürt  ist,  so  dafs  sein 
DwrcfcmeBBer  hier  etwa  0*",4  betrSgt.  Die  Röhre  AB  iait 
Ml  ihren  Enden  durch  2  Korke  verschlossen,  an  denen  vor- 
bei 3  Platindrflhte  p,  und  p,  zu  2  grOfseren  Platinplatten 
iD  das  Innere  der  Röhren  führen.  2  vertikale  an  die  Röh- 
renstücke  A  und  B  angelöthete  Seitenröhren  von  100"* 
HOiie  und  4"*,5  Durchmesser  gestatteten  den  Apparat  mit 
FlQtsigkett  za  füllen,  und  waren  oben  durch  2  Korke  ver- 
•cUossen,  mn  Schwankungen  der  Flüssigkeit  zu  vermeiden, 
die  ein  Strömen  derselben  an  der  eingeschnürten  Stelle, 
and  also  auch  eine  Bewegung  der  suspendirten  Theilchen 
mr  Folge  gehabt  hxtten. 

Die  suspendirten  Theilchen  wurden  auch  hier  an  der 
eingeschnürten  Stelle  des  Ueberführungsrohres  beobachtet. 
Der  Wideretand  der  FlüssigkeitssSuie  war  in  diesem  Appa- 
rate noch  geringer  als  in  den  beiden  anderen,  )edoch  konn- 
ten die  Theilchen  nicht  so  leicht  wieder  in  der  Flüssigkeit 
▼cttheilt  werden,  wenn  sie  zu  Boden  gesunken  waren. 

Bei  diesen  Apparaten  beobachtete  man  nun  bei  hinrei- 
dbender  Stromintensität  immer  nur  eifie  Bewegung  der  in 
ihm  destillirten  Wasser  suspendirten  Theilchen,  und  zwar 
in  der  entgegengesetzten  Richtung  der  positiven  Elektrici- 
titaströmnng. 

Der  zuletzt  beschriebene  Apparat  (Fig.  10  Taf.  VIII)  ist 
sehr  Minlich,  wie  derjenige,  den  Hr.  Jürgensen  angewandt 
nnd  in  der  erwähnten  Abhandlung  p.  663  beschrieb«^  ^^v^ 
nnr  trwT  hm  Se§em  das  Glaarohr  AB  «u  «\iket  Sv^^  ü^ 


6T2 

durch  eioe  mit  Gyps  befestigte  tliierifldie  Membran  oDter- 
brocheD,  am  die  Schwankungen  der  FlQseigkeit  za  ver- 
meiden. 

Obgleich  also  Hr.  Jürgensen  für  gewöhnlich  in  Gyps- 
löfiung  statt  in  destillirtem  Wasser  die  UeberfÜhrung  beob- 
achtet haben  wird,  so  ist  es  dennoch  möglich»  dafs  bei  die- 
sem  Apparate  und  einer  32gliedrigen  Grove'schen  SAule 
nur  eine  Bewegung  der  festen  Theilchen,  nämlich  die  xor 
positiven  Elektrode  stattfand.  Wie  aber  Hr,  Jfirgensen 
auch  bei  Apparaten  anderer  Construction,  wie  z.  B.  einem 
kleinen  kreisförmigen  Bassin  von  40"*"  Durchmesser  (p.  682 
der  angeführten  Abhandlung),  dem  durch  feuchte  Holländer- 
markkeile  die  ElektricitAt  zugeführt  wurde,  immer  nur  diese 
eine  Bewegung  beobachtet  hat,  ist  mir  unerklärlich,  da  es 
mir  trotz  vieler  Versuche,  die  ich  in  dieser  Beziehung  an- 
gestellt habe,  nicht  bat  gelingen  wollen,  die  eine  Bewegung 
ohne  die  andere  herzustellen.  Ich  habe  dabei  dem  Wasser, 
in  welchem  Carmintheilchen  suspendirt  waren,  Gummi  zu- 
gesetzt um  in  der  von  Hrn.  Jürgensen  angegebenen  Weise 
die  durch  Verdunstung  hervorgebrachten  Strömungen  zu  ver- 
meiden, habe  die  Höhe  der  Flüssigkeitsschicht  in  dem  kleinen 
Bassin  so  klein  wie  möglich  oder  mehrere  Millimeter  hoch 
gemacht,  habe  die  Verdunstung  durch  übergelegte  Glasplatten 
zu  vermeiden  gesucht,  oder  die  Flüssigkeit  zwischen  ein  Deck- 
gläschen und  einen  gewöhnlichen  gläsernen  Objectträger  ge- 
bracht, immer  fand  ich  zwei  Bewegungen  der  festen  Theilchen, 
die  bei  diesen  Versuchen  natürlich  mit  einem  vertikalen 
Mikroskope  beobachtet  wurden.  Fanden  beide  Bewegun- 
gen, im  Sinne  und  im  entgegengesetzten  Sinne  der  positiven 
Elektricitätsströmuug,  auch  nicht  immer  an  derselben  Stelle 
übereinander  slatt,  so  konnte  man  sie  doch  immer  wahr- 
nehmen, wenn  man  nebeneinander  liegende  Theile  der  Flüs- 
sigkeitsschicht untersuchte. 

37. 

In  derselben  Weise  wie  Stärke  (§.  35)  verhalten  sich 
DUD  noch  viele  andere  Stoffe,  die  also  alle  bei  hinreichen- 
1er  Sfroinioteusiiäl  zur  poaWWcii  ISX'jJiAt^^  ^%\ideni;  d.  h. 


573 

in  der  Richtung  der  uegativeu  ElektriciiatsstrdmuDg,  wenn 
sie  in  destillirtem  Wasser  fein  vertheilt  und  Buspendirt  sind. 
Ich  beobachtete  diese  Ueberführung  bei  folgenden  Sub- 
ttanten: 


Platin 

Schwefel 

Gold 

Schellack 

Kupfer 

Seide 

Ejsen 

Baumwolle 

Graphit 

Stärke 

Quarz 

Lycopodiom 

Feldspath 

Carmin 

Braunstein 

Papier 

Asbest 

Federkiel 

Schmirgel 

Elfenbein 

Gebrannter  Thon 

Terpenihinöl 

Porzellanerde 

Schwefelkohlenstoff 

Sauerstoff 

Kohlensäure 

Wasserstoff 

Elajl 

Atmosphärische  Luft 

Das  Platin  war  durch  GlQhen  von  Platinsalmiak  darge- 
stellt, das  Gold  durch  Schütteln  von  Blattgold  mit  Wasser 
fein  vertheilt  Kupfer  und  Eisen  waren  durch  Reduction 
ihrer  Oijde  mit  Wasserstoff  und  starkes  Glühen  in  dem 
WasserstoECBtrome  erhalten  worden.  Quarz,  Feldspath  und 
Porcellanerde  wandte  ich  iu  geschlämmtem  Zustande  an, 
wie  sie  in  den  Porcellanfabriken  benutzt  werden.  Schwe- 
fel, SdieUack,  Seide,  Elfenbein,  Asbest  und  gebrannter 
Thon  waren  dieselben,  welche  ich  bei  einer  früheren  Un- 
tersuchuDg  über  elektrische  DiaphragmastrOme  * )  angewandt 
hatte.  Die  Stärke  wurde  aus  rohen  geschabten  Kartoffeln 
durch  Abschlämmen  mit  destillirtem  Wasser  dargestellt. 

TerpenthinOl  und  Schwefelkohlenstoff  wurden  durch 
SdiQtteln  mit  destillirtem  Wasser  fein  vertheilt,  und  so 
schnell  wie  mi^ich  mit  diesem  in  einen  Ucbcrführungs- 
apparat  gefüllt 

i)  Pßgg  Aon.  Bd.  iia,  S.  45  u.  ff. 


574 

Um  atmosphlrisehe  Luft  xu  miteniieheD  braodit  naa 
Dur  durch  einen  Ueberf&hnuigsapfMirat  ton  der  Fig.  8  od.  10 
Taf.  VIU.  dar(^e8tellteD  Form  Inductioiisströme  odor  dem 
Entladungsstrom  einer  stark  geladenen  Leidener  Flaacbo 
zu  leiten.  Die  Erwärmung  scheidet  dann  Gasblasen  aos, 
die  wohl  von  absorbirter  Luft  herrühren.  Dafs  wirklidi  eine 
grofse  Erwärmung  an  der  eingeschnfirten  Stelle  des  lieber- 
führungsapparates  Fig.  10  stattfindet,  läfst  sich  sehr  gut  an 
den  ausgeschiedenen  Luftblasen  sehen,  die,  so  lange  Induc- 
tionsströme  durch  den  Apparat  fliefsen,  eine  fortwährende^ 
wenn  auch  geringe,  Aeuderung  ihres  Volumeos  zeigen,  we- 
gen der  Schwankungen  der  Stromintensität  und  der  Tem- 
peratur. Unterbricht  man  dann  plötzlich  den  Strom,  so 
verkleinern  sich  die  Luftblasen  schnell  und  nehmen  nach 
dem  Erkalten  oft  nur  den  dritten  Theil  des  Volumens  ein, 
das  sie  bei  ihrer  Entstehung  zeigten.  Von  einer  Absorption 
durch  die  Fitissigkeit  kann  diese  Verkleinerung  des  Volu- 
mens nicht  herrühren,  da  sich  die  ganze  Erscheinung  in 
dein  kurzen  Zeitraum  einer  viertel  oder  halben  Minute  beob- 
achten läfst. 

Wenn  man  den  Entladungsstrom  der  Leidener  Batterie 
durch  den  Apparat  gehen  liefs,  während  sich  Theilcheo 
Blattgold  in  dem  engen  Theile  des  Ueberführangsrohres 
befanden,  so  schieden  sich  zahlreiche  Luftbläscbeu  ab,  die 
an  der  Oberfläche  des  Goldes  gehaftet  hatten.  An  diesen 
ausgeschiedenen  Luftbläschen  lieCs  sich  die  UeberfÜhrung 
durch  den  elektrischen  Strom  zur  positiven  Elektrode  sehr 
gut  beobachten.  War  die  Stromintensität  gering,  so  wur> 
den  dieselben  in  einigen  Fällen  in  der  Bichtung  des  posi- 
tiven Stromes  zur  negativen  Elektrode  fortgeführt. 

Um  jedoch  mit  reinen  Gasarten  operiren  zu  können 
leitete  ich  das  gereinigte  und  getrocknete  Gas  durch  Glaa- 
fäden  von  500"  bis  I000-»  Länge,  und  0»",l  bis  0~2 
Durchmesser.  Diese  Glasfäden  wurden,  nachdem  man  sicher 
seyu  konnte,  dafs  sie  ganz  mit  reinem  Gase  gefüllt  waren, 
mit  dem  offenen  Ende  in  Wasser  getaucht  um  das  Gas 
abzusperren  und  dann  m\l  eiiker  siy itzen  Löthrohrflamme  ab- 


»75 

gMduDolmk  Man  hatte  so  einen  langen  mit  Gas  gefüllten 
GlaaMen,  wen  welchem  vor  einer  spitzen  Löthrohrflamme 
30*^  bis  40*^  lange  Stücke  abgeschmolzen  wurden. 

Ein  solches  Stück  RS  wurde  nun  an  einem  Ende  R 
mit  einem  Feilstrich  P  versehen  and  in  das  offene  Ende 
des  Ueberführungsrohres  (,Fig.  8  Taf.  VIII)  gebracht»  wie  es 
Fig.  9  dargestellt  ist  Das  UeberfOhrongsrohr  war  so  eng, 
dals  die  Flüssigkeit  durch  Capiilarattraction  am  Ausfliefsen 
Terhindert  war,  selbst  wenn  das  Rohr  yerlikal  gestellt  wurde. 
Dadorchy  daCs  man  das  Ende  R  des  Glasfadens  gegen  die 
obere  Wandnng  und  die  Mitte  des  Glasfadens  gegen  die 
VBlere  Wandnng  des  Ueberführungsrohres  drückte,  liefs 
sidi  der  Glasfaden  an  der  Stelle  P  abbrechen,  ein  Theil 
fiel  SU  Boden,  und  durch  Erwärmen  des  Endes  S  des  län- 
geren Theiies  lieb  sich  eine  kleine  Gasblase  bei  P  heraus* 
treiben,  die  durch  Neigen  an  die  enge  Stelle  des  Ueber- 
fbbrangsrohres  gebracht  wurde.  Durch  vorsichtiges  Blasen 
an  dem  Kaotschuckschlauche  des  constanten  Niveaus  wurde 
dnnn  das  Ueberführungsrohr  wieder  ganz  mit  Flüssigkeit 
gefüllt,  da  bei  der  Entfernung  des  Glasfadens  gewöhnlich 
der  Tropfen  au  der  Oeffnung  abgefallen  war,  und  der 
Kork  E  mit  der  Platinelektrode  p,  (Fig  8)  aufgesetzt. 
Dwdi  Drücken  an  dem  Korke  E  konnte  man  dann  noch 
kleine  Aenderungen  in  der  Lage  der  Gasblase  herbeiführen. 

Haben  die  Gasblasen  einen  gröfseren  Durchmesser  als 
der  enge  Theil  des  Ueberführungsrohres  und  ist  die  Strom- 
inlensitit  grofs,  so  kann  man  oft  sehen,  wie  sie  sich  müh- 
saai  dareh  das  enge  Rohr  durchquetschen  und  dabei  langer 
werden»  Sind  die  Blasen  zu  grofis,  so  bleiben  sie  an  einer 
engen  Stelle  des  Rohres  sitzen  und  ftndem  nur  ihre  Ge- 
staltf  ans  der  man  aber  auch  schon  den  Sinn  der  Ueber- 
fllimnig  erkennen  kann. 

Sauerstoff  und  Wasserstoff^  durch  Elektrolyse  von  destil- 
liriem  Wasser  dargestellt,  verhielten  sich  ebenso,  wie  die- 
selben Gnsarteo,  welche  ans  überchlorsaurem  Kali  oder  aus 
reinem  Zink   und  Schwefelsäure   dargestellt   waren.     Das 

Klajrl  wurde  auf  die  gewikbnVuJUe  MV  caa%  ^^x^ 


576 

Einwirkung  von  SchwefekSure  auf  Alkohol  dargesteUl,  ent- 
hielt jedoch  wegen  der  unvoUkomuienen  Watchvorrichtung 
noch  fremde  Gaearten  beigemengt.  Die  Kohlensäure  wurde 
aus  Kreide  mit  reiner  concentrirter  Schwefelsäure  entwickelL 
SSmmtliche  Gase  waren  mit  concentrirter  Schwefelsäure  ge- 
trocknet worden. 

Die  verschiedenen  in  dem  desCillirten  Wasser  auspen- 
dirten  Substanzen  werden  verschieden  leicht  von  dem  elek- 
trischen Strome  fortgeführt ,  und  namentlich  modificirt  die 
Gestalt  der  Theilchen  die  Ueberführung.  Von  den  Gas- 
arten schien  Sauerstoff  leichter  als  Wasserstoff  ttbergeführt 
zu  werden  zur  positiven  Elektrode,  doch  möchte  ich  mir 
kein  bestimmtes  Urtheil  in  dieser  Beziehung  erlauben. 

Im  Allgemeinen  waren  die  suspeudirten  Theilchen  kurz 
vor  der  Einwirkung  des  elektrischen  Stromes  mit  der  be- 
wegten und  aufgerührten  Flüssigkeit  in  Berührung  gewesen, 
da  sie  sonst  eben  nicht  in  der  Flüssigkeit  schwebten. 

Ich  habe  aber  bei  den  Substanzen  die  länger  suspendirt 
blieben,  dieselbe  Ueberführung  beobachtet,  mochte  die  Flüs- 
sigkeit lange  ruhig  gestanden  haben  oder  kurz  vorher  be- 
wegt worden  sejn. 

Bei  einem  Versuche  beobachtete  ich  die  Fortführung  von 
Carmintheilcheu,  die  3  Wochen  lang  so  ruhig  wie  u)(Vglich 
in  destillirteui  Wasser  suspendirt  gestanden  hatten ,  und 
konnte  keinen  Unterschied  in  der  Fortführung  bemerken, 
nachdem  das  Wasser  stark  bewegt  worden  war. 

38. 

In  Terpenthinöl  gehen  die  meisten  Substanzen  umge- 
kehrt wie  in  Wasser,  nämlich  in  der  Richtung  des  positi- 
ven Stromes.  Diese  Ueberführung  läfst  sich  natürlich  nur 
mit  dem  Strome  der  Elektrisirmaschine  und  der  Leidener 
Batterie,  unter  besonders  günstigen  Verhältnissen  auch  mit 
Induclionsslrömen  beobachten. 

Die  einzige  Substanz,  die  in  Terpenthinöl  wie  in  Was- 
ser in  der  Richtung  der  negativen  Elektricitätsströmung  fort- 
geführt wird,  ist  Schwefel. 

in  der  Richtung  des  po&iüven  elektrischen  Stromes  beob- 


577 

achtete  ich  die  Fortffihrunc;  in  TerpentbiDöl  bei  folgendeo 
SabstanzcD : 


Platin 

Schellack 

Gold 

Seide 

Kupfer 

Baumwolle 

Eisen 

Stärke 

Qaan 

Lycopodium 

Feldspath 

Carmin 

Braunstein 

Papier 

Gebrannter  Thon 

Alkohol 

Wasser 

Sauerstoff 

Kohlensäure 

Wasserstoff 

Atmosphärische  Luft. 

Die  festen,  flüssigen  und  gasförmigen  Substanzen  wur- 
den in  derselben  Weise,  wie  es  bei  dem  Wasser  beschrie- 
ben ist,  in  der  Flüssigkeit  suspendirt  Mit  clektroly tisch 
dargestelltem  Wasserstoff  und  Sauerstoff  habe  ich  die  Ue- 
berffihrung  in  Terpenthinöl  nicht  untersucht. 

Die  Fortführung  der  Gasarten  liefs  sich  in  Terpenthinöl 
besser  mit  dem  Strome  der  Elektrisirmaschine  als  mit  dem 
Entladungsstrome  der  Leidener  Batterie  beobachten,  wohl 
weil  in  ersterem  Falle  die  Stromintensität  gröfser  war. 

40. 

Ich  beobachtete  ferner,  dafs  Terpenthiutropfen  in  Al- 
kohol No.  2  (vergl.  §.  22)  fortgeführt  wurden  zur  positi- 
ven Elektrode,  also  im  entgegengesetzten  Sinne  der  positi- 
ven Elektridtätsströmung,  mit  dem  Strome  der  Elektrisir- 
maachine. 

Ebenso  verhielten  sicli  in  dem  absoluten  Alkohol  No.  1 
(vergl.  §.  22)  Theilchen  von  atmosphärischer  Luft,  Sauer- 
atoff,  Wasserstoff,  Kohlensäure  und  Elayl.  Die  Wirkung 
•of  letztere  Gasart  schien  am  schwächsten.  Diese  Luft- 
theilchen  wurden  alle  zur  positiven  Elektrode  fortgeführt, 
iowohl  mit  dem  Strome  der  Elektrisirmaschine,  als  auch  mit 
dem  Entladungsstrome  der  Leidener  Batterie,  Inductionsströ- 
men  und  dem  constanten  Strome  von  80  Grove' sehen  Ele- 

Po|9Cii4orfr«  AonaL  Bd.  CXlIl.  %*l 


678 

meiiteB,  jedoch  trat  die  Wirkvng  bei  letztereo  nicht  te 

hervor,  wie  bei  dem  ersten. 

Luftblä8chen  oder  TerpeDtbin  werden  also  io  Alkohol 
umgekehrt  wie  die  Flüssigkeit  selbst  fortgeführt,  in  welcher 
sie  suspendirt  sind. 

In  dem  Alkohol  No.  3  (vergl.  §.  28),  der  in  Glasröhren 
in  der  entgegengesetzten  Richtung  des  positiven  Stromes 
fortgeführt  wurde,  wurden  auch  Bläschen  von  atmosphäri- 
scher Luft,  Sauerstoff,  Wasserstoff  und  Kohlensäure  in  uin- 
gekebrter  Richtung  wie  in  reinem  Alkohol  fortgeführt,  näm- 
licb  zur  negativen  Elektrode.  Hier  konnte  ich  aber  mit 
Constanten  Strömen  wegen  der  schwachen  Stromintensität 
keine  Ueberf&hrong  beobacbten,  mit  dem  Entladungsstrome 
der  Leidener  Batterie  nur  in  einigen  Fällen,  ganz  sicher 
aber  mit  dem  Strome  der  Elektrisinnaschine. 

Suspendirte  ich  Quarz  in  Schwefelkohlenstoff,  der  sich 
in  einer  solchen  Glasröhre  befand,  dafs  er  in  der  Richtung 
der  positiven  Elektricitätsströmiing  wie  Wasser  fortgeführt 
wurde  (vergl.  §.  32) ,  so  wurden  die  Quarzlheilchen  vom 
Strome  der  Elektrisirmaschine  in  der  Mitte  und  an  der  Wan- 
dung der  Röhre  in  demselben  Sinne,  also  ebenfalls  zur 
negativen  Elektrode,  fortgeführt.  Ebenso  verhielten  sirh 
Theilchen  von  aluiosphärischer  Luft  oder  Wasser,  doch  ist 
bei  letzterem  die  Wirkung  schwach,  da  die  Theilchen  mit 
grofser  Kraft  an  der  Glaswandung  haften,  wenn  sie  von 
Schwefelkohlenstoff  umgeben  sind. 

Aus  allen  diesen  Versuchen  folgt  also,  dafs  die  Richtung 
der  Fortführung  durch  elektrische  Ströme  durchaus  nicht 
an  den  Aggregatzustand  der  Körper  gebunden  ist. 

4L 

Der  Untersuchung  der  Gesetze  der  Fortführung  von 
Substalizen,  die  in  Flüssigkeiten  suspendirt  sind,  stellt  sich 
die  Schwierigkeit  entgegen,  dafs  es  sehr  schwer  ist  Körper 
zu  erhallen,  die  eine  gleichmäTsige  Form,  also  Kugelgestalt 
haben,  und  dabei  doch  hinreichend  lange  in  der  Flüssigkeit 
suspendirt  bleiben,  um  daran  Messungen  anstellen  zu  können. 
Die  folgende  Methode  Wl  ^\ctv  uoch  am  besten  bewährt. 


579 

Kocht  man  Dimlich  Ljrcopodiumsaainen  kurze  Zeit  mit  Was- 
ser, so  daCs  ein  Theil  der  daran  haftenden  Luft  entweicht, 
so  finden  sich  Theilchen,  die  fast  genau  das  specifische  Ge- 
wicht des  Wassers  haben  und  längere  Zeit  an  derselben 
Stelle  schweben  bleiben.  Ich  brachte  nun  solche  suspen- 
dirte  Theilchen  mit  destillirtem  Wasser  in  einen  Ueberfüh- 
rungsapparat  von  der  Form  Fig.  2  Taf.  VIII,  dessen  Ueber- 
fQhrongsrohr  1*",89  Durchmesser  hatte.  Die  drei  Platinelek- 
troden des  fast  horizontal  gestellten  UeberfQhrungsrohres 
hatten  230*"  Abstand  von  einander,  so  dafs  man  die  Elek- 
tricitltsströmung  durch  eine  FlGssigkeitssfiule  von  230*"  oder 
460""  Länge  leiten  konnte.  Die  Oeffnung  des  Steigeroh- 
res wurde,  nachdem  dasselbe  voilstäudig  mit  Flüssigkeit  ge- 
füllt war,  durch  einen  kleinen  Kork  verschlossen. 

Es  wurde  dann  ein  Ljcopodiumktigelchen,  das  sich  nahe 
der  ROhrenaxe  befand,  mit  dem  horizontalen  Mikroskope 
beobachtet,  in  dessen  Ocular  wie  gewöhnlich  das  Glasmi- 
krometer angebracht  war,  so  dafs  22,9  sc.  des  letzteren 
einem  Millimeter  entsprachen. 

Mit  einem  Chronometer,  das  (r,4  schlug,  wurde  die 
Zeit  bestimmt,  die  das  Lycopodiumkügelchen  gebrauchtCi 
um  5  oder  10  Scaleutheile  des  Glasmikrometers  zu  durch- 
laufen unter  dem  Einflüsse  eines  constantcn  Stromes,  dessen 
Intensität  von  einem  Multiplicator  mit  astatischer  Nadel  und 
Spiegelablesung  gemessen  wurde.  Die  folgende  Tabelle 
giebt  unter  t**  die  Zeit  in  Sekunden,  die  das  Theilchen  ge- 
brauchte um  5  Scalentheile  zurückzulegen;  das  negative  oder 
positive  Vorzeichen  bedeutet  nur,  dafs  das  Theilchen,  wel- 
ches sich  immer  in  der  entgegengesetzten  Richtung  des  po- 
sitiven Stromes  bewegte^  nach  dem  vorderen  oder  hinteren 
Ende  des  UeberflJhrungsrohres  ging.  Unter  T  steht  das 
Mittel  der  Zahlen  der  ersten  Columne,  unter  L  die  Llnge 
der  von  der  Elektricilät  durchflossenen  FlQssigkeitsstrecke 
in  Millimetern;  die  mit  J  und  n  Oberschriebenen  Columnen 
geben  die  am  Multiplicator  abgelesenen  Stromintensitäten  in 
Scalentheilen  der  Spiegelabicsung  und  d\«  KwxoXsX  ^^t  ^^^- 


580 


wandten  6 ro versehen  Elemente,   welche  den  conatanten 

JT 

Strom  erzeugten.  Die  letzte  Columne  enthält  das  Prodact  j^. 

Teinp.  «  17»  C 


No. 

1 

T 

L 

J 

n 

JT 
100 

1 
2 
3 

4 

-  54",70 
51  ,90 

-23  ,40 
23  ,63 

-  21  ,08 
20  ,00 

-  H  ,13 
8  ,i9 

53".32 

23  ,52 

20  ,54 

8  ,21 

460» 
230 
460 
230 

40,41 

99,77 

115,72 

298,10 

32 
32 

11 
11 

21,56 
23,47 
23,77 
24,46 

Ua  die  Zeit  T  umgekehrt  proportional  der  Geschwin- 
digkeit des  Theilchens,  und  JT,  wie  aus  der  letzten  Co- 
lumne folgt,  coustant  ist,  so  ist  also  die  Geschwindigkeit 
des  Theilchens  proportional  der  Stromintensität,  unabhängig 
t>on  der  Entfernung  desselben  von  den  Elektroden  und  un- 
abhängig von  der  angewandten  elektromotorischen  Kraft. 

42. 

Es  wurde  ferner  der  Weg  beobachtet,  den  dasselbe  Lj- 
copodiumtbeilchen  zurücklegte,  wenu  der  Eutladungsstroin 
der  Leidener  Batterie  durch  die  Flüssigkeitssäule  geleitet 
wurde.  Die  folgende  Tafel  giebt  unter  q  die  der  inneren 
Belegung  der  Leidener  Batterie  zugeführten  Elektricitäts- 
mengen,  unter  tr^*  und  w.^  die  entsprechenden  Wege  in 
Scalentheilen  des  Glasmikrometers,  welche  das  Lycopodium- 
kügelcheu  zurücklegte,  wenn  die  von  der  Elektricitätsströ- 
mung  durchlaufene  Flüssigkeitsstrecke  460""  oder  230"" 
Länge  hatte.  Der  Weg  ist  positiv  gierechnet,  wenn  die 
Leidener  Batterie  mit  negativer  Elektricität  geladen  war. 
Die  mit  *•  Mittel«  überschriebenen  Columnen  enthalten  die 
Mittel  aus  je  2  zusammengehörigen  Werthen  der  vorange- 
henden Columnen.  s  ist  die  Anzahl  der  Leidener  Flaschen, 
aus  denen  die  Batterie  bestand. 


581 


N. 


1 

2 
3 

4 
5 
6 


30 

-30 

25 

-25 

20 

-20 

15 

-15 

10 

-10 

5 

-  5 


IT, 


Midel     i        tTa 


Mittel 


«=l 
tl^i         I     Mittel 


12,15 
12,00 
9,85 
9,50 
7,53 
8.05 
5,40 
»,60 
3,75 
3,90 
2,02 
2,40 


12,375 
9,675 
7.790 
5,500 
3,825 
2,210 

1  emp. 


-12,00 

13,35 

-10,00 

9,55 

-  7,76 
8,02 

-  6,03 
6,17 

-  3,76 
3,90 

-  2,20 
2,40 

=  17*C. 


12,675 
9,775 
7390 
6,100 
3,785 
2,300 


7,55 
7,85 
5,82 
5,92 
4,20 
4,13 
1,70 
2,43 


7,70 
5.87 
4,165 
2,065 


Aus  diesen  Zahlen  folgt,  dafs  die  von  dem  Theilchen 
uurtkckgelegien  Wege  proportional  der  Quantität  Elektricität 
iimdf  die  durch  die  Fhissigieitssäuk  strömt^  unabhängig 
van  der  Länge  dieser  Flüseigkeitssäule  und  der  Oberfläche 
der  Batterie. 

Die  Zeit,  in  welcher  das  Theilcheo  den  Weg  zurück- 
legt» war  so  kurz,  dafs  sie  nicht  gemessen  werden  konnte, 
und  kleiner  als  eine  halbe  Sekunde. 

Das  Ljrcopodiumtheilchcn,  an  welchem  die  vorstehenden 
Beobachtungen  angestellt  wurden,  hatte  0,8  sc.  Durchmesser 
(22,9  sc  =  1*")  und  sank  in  3  Stunden  etwa  4  sc.  in  dem 
deatillirten  Wasser. 

Der  zurückgelegte  Weg  wurde  wenig  kleiner,  wenn  die 
Dauer  der  Entladungszeit  durch  Einschaltung  einer  Röhre 
mit  Alkohol  in  den  Schliefsungskreis  der  Batterie  bedeutend 
▼ergrOfsert  wurde.  Nur  bewegte  sich  das  Theilchen  natür- 
lich langsamer,  da  die  Entladung  bisweilen  2  Minuten 
dauerte. 

43. 

Sehr  schwer  sind  diese  Beobachtungen  mit  denen  in 
engeren  Röhren  vergleichbar,  oder  mit  der  Bewegung  der 
Ljcopodiumtheilchen  an  der  Röhrenwandung,  da  diese  Beob- 
achtungen nicht  an  demselben  Theilchen  angestellt  werden 
können»  die  Theilchen  ako  verschiedene  OVietQ;!kf3&A  \x\Al 


»71 

Strandiditigkrit  sehr  grofs  ist.  Idi  werde  spater  (§.  43) 
Migen,  dtb  nil  ieliterer  die  Greechwindigkeit  der  Fortfüh- 
mng  xanimiBt.  Gleichzeitig  läfst  sich,  da  der  enge  Theil 
4m  DeberMrongsrohres  oor  kurz  ist,  die  Flüssigkeit  schnell 
wieder  aufHlbren  and  in  das  UeberfQhrungsrohr  bringen, 
ehe  die  taspendirlen  Theilchen  zu  Boden  gesunken  sind. 

Der  dritte  Apparat,  den  ich  benutzt  habe,  ist  in  Fig.  10 
Taf.  Vm  in  lialber  natürlicher  Gröfse  dargestellt,  und  besteht 
am  eineoi  horizontalen  Glasrohr  AB  von  9*"  Durchmesser 
vmi  lOlh*  Llnge,  das  in  der  Mitte  ebenfalls  auf  einer 
Stredie  ron  10""  LSnge  eingeschnürt  ist,  so  dafs  sein 
Durehneaaer  hier  etwa  0"",4  betrigt.  Die  Röhre  AB  iti 
Ml  ihren  Enden  durch  2  Korke  Terschlossen,  an  denen  vor- 
bei 2  Platindrahte  p,  und  p,  zu  2  gröfseren  Platinplatten 
in  daa  Innere  der  Rühren  führen.  2  vertikale  an  die  Rüh- 
renatflcke  A  und  B  angelüthete  Seitenrühren  von  100^"* 
Höhe  und  4**,5  Durchmesser  gestatteten  den  Apparat  mit 
FNliaigkeit  m  ftlHen,  und  waren  oben  durch  2  Korke  ver- 
eehloMen,  am  Schwankungen  der  Flüssigkeit  zu  vermeiden, 
die  ein  SfrOnen  derselben  an  der  eingeschnürten  Steile, 
und  also  auch  eine  Bewegung  der  suspendirten  Theilchen 
nu*  Folge  gehabt  hMtten. 

Die  anspendirten  Theilchen  wurden  auch  hier  an  der 
eingesduiürten  Stelle  des  Ueberfühmngsrohres  beobachtet. 
Der  Widerstand  der  FlüssigkeitssSule  war  in  diesem  Appa- 
rate nodi  geringer  als  in  den  beiden  anderen,  jedoch  konn- 
ten die  Theilchen  nicht  so  leicht  wieder  in  der  Flüssigkeit 
▼eitheilt  werden,  wenn  sie  zu  Boden  gesunken  waren. 

Bei  diesen  Apparaten  beobachtete  man  nun  bei  hinrei- 
ehender  StroasintensitHt  immer  nur  eine  Bewegung  der  in 
dam  destiliirten  Wasser  suspendirten  Theilchen,  und  zwar 
in  der  entgegengesetzten  Richtung  der  positiven  Elektrici- 
titaatrümung. 

Der  zuletzt  beschriebene  Apparat  (Fig.  10  Taf.  VIII)  ist 
sehr  Ähnlich,  ftie  derjenige,  den  Hr.  Jürgensen  angewandt 
oiid  in  der  erwähnten  Abhandlung  p.  ft^  \)^«^\\^^\i  \a^^ 
mar  tm  hei  dieeem  das  Glaarohr  AB  «kH  e\\i^\  ^Vf^^  ^ 


584 

Flflsfigkelt  mit  der  Röhrenwand  and  den  sotpendirten 
chen  erkiHren  zu  kOnnen. 

Ich  werde  midi  bei  der  Erkllrung  auf  die  Wirkung 
constanter  galvanischer  Ströme  beschränken,  auf  welche  die 
Wirkungen  inconstanler  Ströme  zurQckgeffihrt  werden  kön- 
nen, da  man  dieselben  als  eine  Reihe  eoustanter  Ströme 
von  knrzer  und  verschiedener  intensitftt  ansehen  kann. 

Fast  man  der  Einfachheit  halber  fürs  Erste  den  Fall  ins 
Auge,  wo  Wasser  in  einer  Glasröhre  in  der  Richtung  der 
positiven  ElektricitStsströmung  fortgefDhrt  wird,  so  spielt 
das  Wasser  hierbei  eine  doppelte  Rolle,  einmal  als  Leiter 
der  Elektricität,  und  dann  als  Isolator.  Als  Leiter  insofern^ 
als  fiberhaupt  ein  elektrischer  Strom  zu  Stande  kommt  und 
sich  also  auf  der  ganzen  Oberfliche  des  Wasserfadens  freie 
ElektricitSt  finden  wird,  deren  Dichtigkeit  von  Querschnitt 
zu  Querschnitt  variirt').  Andererseits  wird  aber  ein  auf 
irgend  eine  Weise  elektrisch  gewordenes  Wassertheilchen 
nicht  augenblicklich  seine  ElektricitHt  an  das  zunächst  he- 
izende Wassertheilchen  abgeben,  sondern  es  wird  eine  ge* 
wisse  Zeit  verfliefsen,  ehe  diefs  geschieht. 

Ein  Wassertheilchen  an  der  Röhrenwand  wird  nun 
durch  Contact  mit  derselben  positiv  elektrisch  und  die  freie 
positive  Elektricität  E  desselben  wird  von  derselben  Kraft, 
die  den  constanten  Strom  erzeugt^  nSmlich  von  der  freien 
Elektricitftt  auf  der  Oberfläche  des  Wasserfadens,  fortge- 
trieben in  der  Richtung  des  positiven  Stromes.  Da  aber 
das  Wassertheilchen  von  dieser  Elektricitätsmenge  E  nicht 
augenblicklich  sich  trennen  kann,  so  wird  es  mit  fortgezo- 
gen in  der  Richtung  des  positiven  Stromes.  Die  Fortfüh- 
rung von  Flüssigkeitsthcilchen  durch  den  elektrischen  Strom 
tritt  daher  nur  bei  schlecht  leitenden  Flüssigkeiten  anf,  wo 
die  einzelnen  Theilchen  ihre  ElektricitSt  nicht  schnell  ab- 
geben können,  und  ist  unter  sonst  gleichen  Verhältnissen 
um  so  gröfser^  je  schwerer  die  Elektricität  von  einem  Flüs- 
sigkeitsthcilchen zum  anderen  übergeht,  je  gröfser  der  spe- 
cifische  Leitungswiderstand  der  Flüssigkeit  ist. 

I)  Vergl   Kirchhoff,  ?ug|.  \iin.  l^d.  7B,  S.  506. 


585 

Die  Kraft  oder  die  Geschwindigkeit,  mit  welcher  ein 
Wassertheilchen  fortgeführt  wird,  wird  proportional  der 
Kraft  seyn,  mit  welcher  die  Elektricitätsmenge  E  fortgeführt 
wird,  ako  proportional  mit  der  Gröfse  E  selbst  und  pro- 
portional der  treibenden  Kraft,  die  den  constanten  Strom 
erzeugt,  also  auch  proportional  der  Stromintensität,  da  diese 
letztere  proportional  der  treibenden  Kraft  ist. 

Da  mit  der  Natur  der  Röhrenwand  sich  die  elektromo- 
torische Kraft  zwischen  Wasser  und  Röhrenwand,  also  auch 
die  Elektricitätsmenge  E  ändert,  so  wird  die  Geschwindig- 
keit, mit  der  die  Wassertheilchen  an  der  Röhrenwand  fort- 
geführt werden  unter  sonst  gleichen  Bedingungen  gröfser 
seyn,  je  gröfser  die  elektromotorische  Kraft  zwischen  Was- 
ser und  der  Substanz  der  Röhrenwand  ist. 

Hat  man  ein  in  Wasser  suspendirtes  Theilchen,  z.  B. 
ein  Stftrkekörnchen,  so  wird  auf  diesem  durch  Coutact  mit 
dem  Wasser  die  negative  Elektricitätsmenge  — -  £^  sich  an- 
sammeln, und  da  diese  von  der  Kraft,  die  den  constanten 
Strom  erzeugt,  in  der  Richtung  des  negativen  Stromes  fort- 
getrieben wird,  so  zieht  sie  das  Stärkekörncheii  mit  fort. 
Die  Geschwindigkeit  der  Fortführung  ist  proportional  mit 
—  £,,  also  proportional  mit  der  elektromotorischen  Kraft 
zwischen  Wasser  und  StSrkekörnchen ,  und  proportional 
mit  der  Stromintensitftt,  ganz  entsprechend  der  Fortführung 
der  durch  Contact  mit  der  Röhrenwand  elektrisch  gewor- 
denen Wassertheilchen. 

46. 

Es  sey  mir  gestattet  der  Uebersichtlichkeit  wegen  der 
ganzen  Betrachtung  eine  mathematische  Gestall  zu  geben. 

Nennt  man  V  das  Potential  der  freien  Elektricität  auf 
der  Oberfläche  eines  linearen  Leiters,  also  hier  des  Flüssig- 
keitsfadens in  der  Röhre,  J  die  Stromintensität,  ^  die  spe- 
cißsche  Leitungsffthigkeit  der  Flüssigkeit  und  q  den  Quer- 
schnitt des  linearen  Leiters,  so  hat  mau,  mit  x  die  parallel 
der  Röhrenaxe  gerechnete  Entfernung  eines  Querschnitts 
▼om  Anfangspunkte  der  Coordinaten  bezeichnet*), 

I)  Rirchbofr,  9oig.  Aoa.  £d.  75,  S   191. 


586 

oder  also 

:Nennt  man  ferner  17  die  ElektricitätsmeDge,  die  sich  auf 
der  Einheit  der  Oberfläche  ansammelt  in  Folge  der  elek- 
tromotorischen Kraft  bei  dem  Contact  der  Flüssigkeit  und 
der  Röhrenwand,  so  hat  man  die  in  einem  Röhrenstflcke 
von  der  L&nge  dx  in  der  Zeiteinheit  übergeführte  Menge 
Flüssigkeitstheilchen 

"=-<^¥/> (2) 

wo  0  die  innere  Oberfläche  eines  Röhrenstücks  tod  der 
LHnge  1  und  C  eine  Constante  ist,  die  von  der  Reibung 
der  Flüssigkeitstheilchen  gegeneinander  und  gegen  die  Röh- 
renwand abhängt  Setzt  man  für  -j-  seinen  Werth  aus  der 
Gl.  (1)  ein,  so  wird 

mss  C ,  7^  dx CS). 

Nimmt   man    —  oder  J  auf  der  ganzen  von  der  Elek- 

tricität  durchflossenen  Flüssigkeitsstrecke  constant  an,  so  hat 
mau  für  die  Flüssigkeitsmenge  Jlf,  welche  auf  einer  Röhren- 
strecke von  der  Länge  /  in  der  Zeiteinheit  überführt  wird 

M  =  C.^j!-J (4). 

k   kg 
Nach  den  Beobachtungen  von  Wiedemann*)  und  mir 
ist  M  unter  sonst  gleichen   Verhältnissen   proportional   der 

Stromintensitfit   und  proportional  dem  Widerstände  -r-  der 

von   der  Elektricität   durchflossenen  Flüssigkeitsstrecke   (da 

ja  «/  r-  ^  der  elektromotorischen  Kraft   der  angewandten 

Kette  ist),  wenn  man  die  der  Fortführung  durch  die  EIek 
tricität   entgegengesetzte  Wirkung  der  Schwere  vernachläs- 
sigen  kann   (vergl.  §.  17,  26,  29).     Soll   mit  diesen   Ver- 

1)  Pogg.  Aoo.  Bd.  87,  S%348.  Wicdemann  Galvanlsmus  I,  S.378s^q. 


587 

flochen  der  durch  die  Theorie  gefundene  Ausdruck  4.  über- 

eiustinmien,  so  mufs  man  annehmen,   dafs  der  Factor  — ^ 

einen  constanten  Werth  behalt,  wenn  die  Natur  der  Flüs- 
sigkeit sich  Ändert.  Da  sich  aber  mit  k  gleichzeitig  auch  17, 
die  elektromotorische  Kraft  zwischen  Flüssigkeit  und  Röh- 
renwand und  ebenso  die  Constante  C,  die  von  der  Reibung 
der  Flüssigkeitstheilchen  gegeneinander  und  gegen  die  Röh- 
renwand abhängt,  ändert,  so  kann  man  erst  bei  genauer 
KenntniÜB  dieser  Gröfsen  ein  sicheres  Urlheil  über  die 
üebereinstimmung  der  Gl.  (4)  mit  der  Erscheinung  fällen. 

Setzt  man  Säuren  oder  Salzlösungen  dem  destillirten 
Wasser  zu,  so  wird  dadurch  eiumal  k  vergröfsert,  und  dann 
auch  1^  geändert  (vergl.  §.  49). 

Die  durch  diesen  Zusatz  herbeigeführfe  Verminderung 
des  specifischen  Leituogswiderstandes  und  der  elektromoto- 
rischen Kraft  bedingen  beide  eine  Verminderung  der  fort- 
geführten Wassermenge. 

Alkohol  zeigt  in  Glasröhren  eine  geringere  Ueberfüh- 
rung  als  Wasser  (§.  22)  und  diefs  erklärt  sich  dadurch,  dafs 
die  elektromotorische  Kraft  zwischen  Glas  und  Alkohol  ge- 
ringer ist,  als  zwischen  Glas  und  Wasser.  Wechselt  die 
elektromotorische  Kraft  durch  Zusatz  fremder  Substanzen 
ihr  Vorzeichen,  wie  bei  Alkohol  No.  3  (§.  28,  29),  so  fin* 
det  eine  Ueberführung  im  entgegengesetzten  Sinne  statt,  da 
ja  die  Gl.  (4)  sofort  ergiebt,  dafs  mit  dem  Vorzeichen  von 
17  oder  J  auch  die  Richtung  der  Ueberführung  sich  ändern 
mufs. 

Hat  man  Flüssigkeiten,  die  wie  Terpenthinöl  in  einigen 
Röhren  (Schwefel)  in  der  Richtung  des  positiven  Stromes, 
in  anderen  (Glas,  Schellack)  in  der  Richtung  des  negativen 
Stromes  fortgeführt  werden  (§.  32),  so  würden  sie  in  Con- 
tact  mit  der  Substanz  der  ersten  Röhre  positiv,  durch  Con- 
tact  mit  der  Substanz  der  anderen  Röhren  negativ  elektrisch 
werden  müssen. 

Da  es  bekannt  ist,  wie  geringe  Unterschiede  der  Beschaf- 
fenheit der  Substanzen   eine  Verschiedenheit   in   der  &\«- 


589 

ist  aber  selbst  Id  den  allereinfachsten  F&Ilen,  wo  die  Rub- 
ren kreisfdmiigeD  Querschnitt  haben,  die  FlOssigkeit  Was- 
ser und  der  Druck  constant  ist,  weder  theoretisch  noch 
ezpmmeDtell  genügend  bekannt.  Die  einfachsten  Theorien 
nehmen  an,  dafs  in  gleichen  Abst&nden  von  der  Röhrenaxe  die 
Wassertheilchen  gleiche  Geschwindigkeit  haben,  und  dafs  die 
Geschwindigkeit  in  der  Nähe  der  Röhrenwandung  am  klein- 
sten ist.  Bei  den  vorliegenden  Versuchen  |edoch,  wo  die 
EUektricitftt  die  Flfissigkeitstheilchen  an  der  Röhren wandung 
fortführt,  befinden  sich  die  Theilchcn  mit  der  kleinsten  Ge- 
schwindigkeit auf  einer  Cylinderflftche  zwischen  Röhrenaxe 
und  Röhrenwandung.  Innerhalb  dieser  Cjliuderfläche  ha- 
ben die  Theilchen  eine  entgegengesetzte  Bewegung  wie 
aaberhalb.  Die  Gesetze  also,  nach  denen  das  Strömen  der 
Flüssigkeiten  in  Capillarröhren  stattfindet,  werden  ganz  an- 
dere scfyn,  wie  hier,  wo  ein  elektrischer  Strom  durch  die 
Flüssigkeit  geht.  Dabei  siud  andere  Verhältnisse,  wie  die 
Veränderung  der  Reibung  der  Flüssigkeitstheilchen  gegen- 
einander und  gegen  die  Röhrcuwand  durch  den  elektri- 
schen Strom,  durch  Auflösung  der  Glaswand  u.  s.  f.  noch 
gar  nicht  berücksichtigt,  so  dafs  es  einer  viel  tiefer  einge- 
henden Betrachtung  bedarf,  um  alle  diese  Verhältnisse  mit 
in  Rechnung  bringen  zu  können. 

Für  den  vorliegenden  Zweck  mag  der  Nachweis  genü- 
gen,  daCs  die  für  die  Ueberführung  gefundenen  Gesetze  und 
Erscheinungen  der  aufgestellten  Theorie  nicht  widerspre- 
chen, und  sogar  theilweise  aus  derselben  vorhergesagt  wer- 
den können. 

47. 

Die  Geschwindigkeit  f?,  mit  der  ein  suspendirtes  Theil- 
chen, also  ein  Stärkekörnchen  fortgeführt  wird,  ergiebt  sich 
durch  eine  ganz  analoge  Betrachtung,  wie  diejenige  zu  An- 
fang des  §.  46 

c  =  C,  o,i?,|^ (5) 

wo  o,  die  Oberfliche  des  Starkekörnchen,  17,  die  in  Folge 
der  elektromotorischen  Kraft  zwischen  SVkiV«  uik^  V^%MKi 


Uarmmttieilclieu,  die  a  wocneu  laug  so  rutug  wie  niogliea 
in  deslillirteiti  Waeser  suspeudirt  gestaudeu  kaltco,  und 
kouute  keioeD  Uoterscbied  in  der  Forlfüfaruiig  bamerkeo, 
Dachdein  das  Wasser  slark  bewegl  worden  war, 

38.  ......... 

Id  Terpentbioöl  geben  die  ineiateD  Subslanieo  amga- 
kebrt  wie  io  Wasser,  Dämlich  in  der  Richtimg  desi-postli- 
vea  Stromes.  Diese  Ueberführung  Übt  eich  natürtick  nnr 
mit  dem  Strome  der  Eleklrisirmascbioe  asd  der  L«id«Ber 
Bnlterie,  unter  besonders  günstigen  Verhältnissen 'auch 'BÜl 
InductionsEtrömeu  beobachten.  .' 

Die  einzige  Substanz,  die  in  Terpenlbioöl  wie- in  Wal- 
ser io  der  Richtung  der  negaliven  ElektrieitätsstrSBolig  tait-  j 
geführt  wird,  ut  ScbweleV.  i--  .'>    j 

la  der  RichiuuK  des  yoätiv  ea  AA.toi^Kik  ^ita.wiwfc'^ndfc  { 


591 

triciUlt  abhSngt,  die  dnrch  die  Einheit  des  Querschnitts 
fliefst.  Die  Geschwindigkeit  der  Bewegung  jedoch  hängt 
von  der  in  jedem  Augenblicke  vorhandenen  Stromintensitftt 
ab  (§.  42). 

Vertheik  sich  die  Termöge  der  Schwere  zurückfliefsende 
Wassermasse  über  einen  gröfsereu  Querschnitt,  wie  es  bei 
den  oben  erwähnten  Versuchen  der  Fall  war»  so  wird  die 
Geschwindigkeit  der  einzelnen  Wassertheilchen  nur  gering 
seyn,  und  die  Bewegung  der  suspendirten  Theilchen  wird 
dadurch  nur  unbedeutend  modiGcirt  werden. 

Die  Richtung  der  Bewegung  mufs  ebenso  wie  bei  der 
FortfObrnng  der  Flüssigkeitstbeilchen  au  der  Röhrenwand 
mil  dem  Vorzeichen  von  J  oder  17,  sich  ändern. 

Damit  ist  es  dann  ganz  in  CJebereinstiuimungy  dafs  ana- 
log der  FortfQhrung  des  Terpenthinöls  in  Schwefel-  oder 
ScbellackrOhren  und  Thondiaphragmen,  suspendiric  Schwe- 
feltheilchen  in  Terpenthinöl  zur  positiven,  Schellack  und 
Thontheilchen  zur  negativen  Elektrode  fortgeführt  werden, 
dafs  Terpenthintropfen  in  ^Vasser  in  umgekehrter  Richtung 
fortgeführt  werden,  wie  Wapsertropfen  in  Terpenthinöl  u.  s.  f. 

Da  Lufttheilchen  in  Wasser  in  der  Richtung  der  nega- 
tiven, und  in  Terpenthinöl  in  der  Richtung  der  positiven 
Elektricitätsströmung  fortgeführt  werden,  so  uiüfste  man 
annehmen,  diifs  sie  durch  Contact  mit  Wasser  negativ, 
durch  Contact   mit  Terpenthinöl  positiv  elektrisch  werden. 

Mit  der  Richtung  der  Ueberführung  von  Luftbläseben 
in  Wasser  ist  dann  auch  die  von  Armstrong  beobachtete 
Ersrheinung  in  Uebereinstimmuiig  (§.  34),  wonach  Staub- 
theilchen  auf  der  Aufseiiseite  des  überall  mit  Luft  umgebe- 
nen Wassercylinders  in  der  Richtung  des  positiven  Stro- 
mes fortgeführt  wurden,  indem  sie  hier,  analog  den  Stärke^ 
körnchen  (§.  35,  44)  von  den  an  der  Gräiize  von  Luft  und 
Wasser  fortgeführten  Wassert heilclien  mit$;erisseu  wurden. 
In  der  Mitte  des  Wassercjlinders  zeigten  jedoch  die  Staub- 
theilchen  ihre  eigene  normale  Bewegung  in  der  Richtung 
der  negativen  Elektricitätsströmung. 


593 

mal  durch  Versuche  von  Faraday')  bewiesen,  daCs  das 
Wasser  der  positivste  aller  Körper  ist,  also  durch  Reibung 
mit  allen  anderen  Substanzen  positiv  wird.  Gleichzeitig 
fand  Faraday  durch  Zusatz  leitender  Substanzen  zum  de- 
atillirten  Wasser  die  Elektricitätserregung  bedeutend  ver- 
kleinert 

Ueber  die  Erregung  von  Elektricität  durch  Contact  von 
Metallen  und  leitenden  Substanzen  mit  destillirtem  Wasser 
hat  P^clet^)  Versuche  angestellt,  und  gefunden,  dafs  alle 
Substanzen  durch  dasselbe  negativ  elektrisch  erregt  werden, 
mit  Ausnahme  von  Braunstein,  der  positiv  elektrisch  wer- 
den soll.  Peclet  giebt  jedoch  nicht  genau  an,  aufweiche 
Weise  die  in  der  angeführten  Abhandlung  gegebenen  Zah- 
len gefunden  worden  sind  und  scheint  die  Elektricitätserre- 
gung durch  die  Feuchtigkeit  der  Hand  ganz  aufser  Acht 
gelaasen  zu  haben. 

Ich  habe  defshalb  Condensatoren  construirt,  die  aus  auf 
Glasplatten  ausgebreitetem  Braunsteinpulver  und  einem  mit 
destillirtem  Wasser  getränkten  Stücke  Fliefspapier  bestanden. 
Als  isolirende  Substanz  des  Condensators  wandte  ich  Glas 
oder  Luft  an,  indem  in  letzterem  Falle  die  beiden  Conden- 
satorplatten  durch  3  kleine  Glaskugeln  von  einander  getrennt 
waren.  Die  Condensatorplatten  wurden  durch  ein  mit  de- 
stillirtem Wasser  getränktes  Stück  Fliefspapier  mit  einander 
verbunden.  Die  Wasserplatte  des  Condensators,  um  diesen 
Anadruck  zu  gebrauchen,  fand  sich  dann»  an  einem  Säulen- 
elektroskope  mit  nasser  Säule  nach  der  Construction  von 
HankeP)  untersucht,  stets  positiv  elektrisch,  so  dafs  in 
dieser  Beziehung  die  Wanderung  des  Braunsteins  zur  po- 
sitiven Elektrode  in  destillirtem  Wasser  vollständig  mit  der 
Elektricitätserregung  durch  Contact  von  Braunstein  und 
Wasser  übereinstimmt 

1)  Faraday,  experim.  research,  //,  2107. 

2)  j4nn.  d.  chim,  et  d,  phjrs,  [3]  /.  11,  p,  239.    Wiedemann,  Gal- 
▼anitmas  I,  S.  10. 

3)  Pogg.  AoD.  Bd.  103,  S.  212. 

PofgeododPj  Annäl  Bd.  CXI II.  "S^ 


594 

Dafs  die  Ueberffihrung  tod  Alkohol  in  Glasröhren  klei. 
ner  ist,  als  die  von  Waliser,  ist  ebenfalls  in  Uebereinstim- 
inung  mit  den  Versuchen  von  F.iraday'),  wo  die  festen 
Körper  durch  Reibung  mit  Alkohol  weniger  elektrisch  er- 
regt werden,  als  durch  Reibung  mit  Wasser.  Ebenso  wird 
nach  Faradaj's  Versuchen  Terpcnthinöl  durch  Reibung 
mit  festen  Körpern  negativ  elektrisch,  mufs  sich  also  in  der 
Richtung  der  negativen  ElekfricitStsströmung;  bewegen,  wäh- 
rend die  positiv  elektrischen  suspendirten  Theilchen  in  der 
Richtung  des  positiven  Stromes  fortgeführt  werden,  ganz 
in  Ucbereinstimmung  mit  den  von  mir  gefundenen  Tbat- 
sachen. 

50. 

Ich  habe  nun  versucht,  materielle  Theilchen  kQnstlich 
zu  elektrisiren,  indem  ich  ihnen  von  aufsen  EIcktricität  zu- 
führte, und  dann  beobachtete,  ob  und  wie  sie  unter  dem 
Einflüsse  eines  elektrischen  Stromes  fortgeführt  wurden. 

Bekleidet  man  das  Ueberführungsrohr  eines  Apparates 
von  der  Form  Fig.  2  Taf.  Vlll.  mit  Stanniol,  ohne  dafs 
dieser  mit  den  Plalinelektroden  in  leitende  Verbindung 
kommt,  und  füllt  den  ganzen  Apparat  in  gewöhnlicher 
Weise  mit  desüllirtem  Wasser,  so  entsteht  eine  Leidener 
Flasche,  deren  liufsere  Belegung  von  der  Stanniolbeklei 
düng,  deren  innere  von  dem  Wasser  an  der  Röhren  Wan- 
dung gebildet  wird.  Wenn  man  nun  die  Stanniolbeklei- 
düng  mit  der  inneren  Belegung  einer  positiv  oder  negativ 
geladenen  Leidener  Flasche  in  Verbindung  setzt,  deren  äu- 
Iserc  Belegung  zur  Erde  abgeleitet  ist,  so  werden  die  Was- 
seritiolecüle  an  der  Röhrenwandung  durch  Vertheilung  ne- 
gativ oder  positiv  elektrisch,  und  man  sollte  also  erwarten, 
dafs  sie  von  einem  elektrischen  Strome,  der  in  gewohnter 
Weise  durch  die  Plalinelektroden  und  das  Ueberführungs- 
rohr geleitet  wird,  in  der  Richtung  der  negativen  oder  po- 
sitiven Elektricitätsströmung   fortgetrieben    werden  müfsten 

Der  Versuch    zeigt    aber   keinen    Einflufs   der  Elektrisi- 
rung   der  Stanniolhckleidung  des  Ueberführungsrohres   auf 

J)   Faraday,    Kxprrinu   rvscarch.   II,  *l\\^. 


595 

die  Steighöhe,  und  eine  nähere  Ueberlegung  ergiebt,  dafs 
dieCs  auch  nicht  der  Fall  seyn  kann. 

Durch  Eiekirisirung  der  Stanniol  Bekleidung  wird  zwar 
der  Werth  des  Potentials  der  freien  Elektricität  auf  der 
äufseren  Fläche  des  Wasserfadens  geändert,  aber  der  Diffe- 
rentialquotient des  Potentials  bleibt  ungeändert,  und  also 
auch  die  Kraft,  welche  die  Elektricitätstheilchen  im  Innern 
des  linearen  Leiters  in  Bewegung  setzt. 

Es  könnte  also  eine  Aenderung  der  Fortführung  nur 
▼OD  der  Verschiedenheit  der  Elektricitätswenge  erwartet 
werden,  die  in  den  einzelnen  die  Röhrenwand  berührenden 
Wasserthcilchen  angehäuft  ist.  Die  Elektricitätsmenge  E 
(§.  45),  die  jedes  dieser  Wassertheilchen  vermöge  der  elek- 
tromotorischen Kraft  zwischen  Wasser  und  Röhrenwand  ent- 
hält, wird  durch  dieElektrisiruug  derStanuiolbekleidung  eben- 
falls nicht  geändert  und  man  müfste  also  eine  neue  Elektri- 
citätsmenge dze  annehmen,  die  jedem  Wassertheilchen  zu- 
geführt wird,  um  eine  Aenderung  der  Ueberführung  zu  erwar- 
ten. Diese  Elektricitätsmeng^e  =iz  e  wird  sich  aber  nicht  auf 
der  äufseren  Oberfläche  des  Wasserfadens,  sondern  auf  der 
inneren  Oberfläche  des  gläsernen  Ueberführungsrobres  an- 
häufen. Es  verhält  sich  damit  ganz  ähnlich  wie  mit  einer  Lei- 
dener Flasche  mit  beweglichen  Belegungen,  die  nicht  entladen 
wird,  wenn  man  ihre  Belegungen  einzeln  ableitend  berührt, 
weil  die  Molecüle  der  inneren  und  äufseren  Glasoberfläche 
die  Träger  der  roitgetheilten  Elektricität  sind. 

Man  sieht  also,  dafs  in  diesem  Falle  gar  nicht  die  Was- 
sertheilchen an  der  inneren  Röhrenoberfläche,  sondern  nur 
die  Glastheilchen  elektrisirt  werden,  dafs  sonst  alle  Gröfsen, 
die  auf  die  Fortführung  der  Wassertheilchen  von  EinfluCs 
sind,  ungeändert  bleiben,  und  dafs  man  also  auch  keine 
Aenderung  der  Ueberführung  bei  diesem  Versuch  erwar- 
ten kann. 

Es  ist  diefs  analog  dem  Versuche,  wo  die  Stromstärke 
in  einem  von  einem  constanten  Strome  durchflossenen  und 
znr  Erde  abgeleiteten  Metalldrahte  auch  nicht  geändert  wird, 


596 

wenn  man  in  seiner  Nahe  befindliche  und  von  ihm  isolirte 
Metalln)<issen  eleklrisirt.  Hier  müfste  auch,  da  bei  dersel- 
ben Kraft,  demselben  Differentialquotienten  des  Potentials, 
mehr  Elektricität  auf  der  Peripherie  jedes  Querschnittes  des 
Metalldrahtes  angehäuft  ist,  mit  der  Menge  der  in  jedem 
Querschnitte  vorhandenen  Elektricität  die  Menge  der  durch 
jeden  Querschnitt  hindurchgetriebenen  Elektricität  oder 
die  Stromintensität  zunehmen,  wenn  nicht  eben  die  Elek- 
tricität sich  auf  der  inneren  Oberfläche  der  den  Metalldraht 
umgebenden  isolirenden  Massen  statt  auf  der  äufseren  Ober- 
fläche des  Metalldrahtes  ansammelte. 

51. 

Ein  anderer  Versuch,  die  Forlführung  elektrischer  Kör- 
per unter  dem  Einflufs  eines  elektrischen  Stromes  zu  zei- 
gen, hatte  besseren  Erfolg. 

Aus  Glasplatten  wurde  ein  länglicher  Trog  T  von  ISO"" 
Länge,  So""  Höhe  und  20"""  Breite  zusammengesetzt,  (Fig.  II 
Taf.  VI»)  mit  destillirtem  Wasser  gefüllt  und  durch  2  Pla- 
tindrähte p^  und  p.j  mit  angenieteten  Platinplatten  der  Strom 
einer  SOgliedrigen  Grovc'schen  Säule  hindurchgeleitet. 
In  dem  Wasser  zwischen  den  beiden  Platinplatten  schwebte 
eine  kleine  Metallkugel  C,  die  durch  den  gläsernen  Wage- 
balken ABC  von  etwa  200"""  Länge  getragen  wurde.  Der 
vertikale  Theil  BC  des  Wagebalkens  war  90"""  lang,  und 
einen  halben  Millimeter  dick,  so  dafs  auf  den  capillaren 
Meniskus,  den  er  bei  dem  Durchbrechen  der  horizontalen 
Wasserschicht  in  dem  Glaskasten  bildete,  nur  eine  ganz 
schwache  Wirkung  von  den  capillaren  Wasserschichten  an 
den  Wänden  des  Glaskastens  ausgeübt  wurde.  Die  Platin- 
platten waren  aus  demselben  Grunde  ganz  von  Wasser 
bedeckt. 

Die  Kugel  C  befand  sich  an  einem  Platindrahte,  der  im 
Innern  des  Theiles  CBD  des  Wagebalkens  bis  zu  einem 
Quecksilbernäpfchen  bei  D  führte.  Die  Kugel  und  der 
Platindraht,  so  weit  er  aus  der  Glasröhre  des  Wagebal- 
kens hervorragte,  waren  mit  geschmolzenem  Schellack  über- 
zogen.     Der  Wagebalkeu  wat  bei  D  mittelst  eines  kleinen 


597 

Schelhckeylinders  an  einem  sehr  dünnen  langen  Glasfaden 
befestigt,  und  äufserst  leicht  beweglich.  E  war  ein  ver- 
schiebbares Gewicht,  uin  den  Theil  AB  des  Wagebalkens 
horizontal  stellen  zu  können. 

An  der  hinteren  Seite  des  Glaskastens  war  eine  in  der 
Zeichnung  fortgelassene  Millimeterscala  angebracht,  um  die 
Bewegung  der  Kugel  C  besser  beobachten  zu  können. 

Der  ganze  Apparat  war  von  einem  gröfseren  Glaskasten 
umschlossen  um  störende  Luftströmungen  abzuhalten. 

Man  beobachtete  nun,  wenn  der  Metallkugel  C  positive 
Elektricität  durch  das  Quecksilbernäpfchen  D  zugeführt 
wurde,  eine  Bewegung  derselben  zur  negativen  Platinelek- 
trode, wenn  ihr  negalive  Elektricität  zugeführt  wurde  eine 
Bewegung  zur  positiven  Platinelektrode. 

Zum  Elektrisiren  der  Mctallkugel  C  benutzte  ich  ent- 
weder den  isolirten  Pol  einer  SOgliedrigen  Grove'schen 
Säule,  deren  anderer  Pol  zur  Erde  abgeleitet  war,  oder  ich 
theilte  ihr  auch  direct  mit  einem  Probescheibcheu  kleine 
Mengen  Reibungselektricität  mit.  Unwesentlich  war  ^  wohl, 
dafs  dieselbe  SOgliedrige  Grove'sche  Säule  zu  gleicher 
Zeit  mit  den  Platindrähten  Pi  und  p,  in  Verbindung  stand, 
wenn  die  freie  Elektricität  ihrer  Pole  zur  Elektrisirung  der 
Metallkugel  C  benutzt  wurde. 

Die  Gasentwicklung  an  den  Platinplatten  in  dem  destil- 
lirten  Wasser  war  höchst  unbedeutend.  Wurde  jedoch 
dem  Wasser  Schwefelsäure  zugesetzt,  so  war  die  Gasent- 
wicklung so  stark,  dafs  dadurch  die  Bewegung  des  Wage- 
balkens gestört  wurde  und  nicht  mehr  beobachtet  werden 
konnte. 

Man  sieht,  dieser  Versuch  mit  der  Drehwage  ist  eigent- 
lich weiter  nichts,  als  ein  gewöhnliches  Saulenelektroskop, 
wo  das  Goldblatt  in  Luft  durch  eine  isolirte  Metallkugel 
in  Wasser  ersetzt  ist.  Ob  die  Wirkung  von  der  freien 
Elektricität  auf  der  Oberfläche  der  Platinplatten  herrührt 
oder  von  der  Elektricität,  die  durch  das  destillirte  Wasser 
strömt,  ist  durch  den  Versuch  nicht  festzustellen,  da  das 
eine    ohne    das   andere  nicht  möglicVi  V&l.    ^Ui  cA\A\»fiX^x 


598 

Strom  ist  ja  in  einem  Leiter  nicht  ohne  freie  Elektricitit 
auf  der  Oberfläche  desselben  möglich,  und  das  Potential 
der  freien  ElektricitSt  kann  sich  nicht  von  Querschnitt  zu 
Querschnitt  ändern,  ohne  dafs  ein  elektrischer  Strom  durch 
den  Leiter  fliefst. 

Der  Versuch  mit  einem  suspendirten  LycopodiumkQgel- 
chen  in  destillirtem  Wasser  ist  ganz  entsprechend  mit  dem 
der  elektrisirten  Metallkugel  C.  Dort  wurde  das  l^ycopo- 
diumtheilchen  durch  sein  specifisches  Gewicht  in  der  Schwebe 
erhalten,  hier  die  Metallkugel  durch  die  Drehwage,  dort 
wurde  das  Lycopodiumtheilchen  durch  Contact  mit  dem 
Wasser  elektrisch,  und  die  elektromotorische  Kraft  verhin- 
derte gleichzeitig,  dafs  die  negative  Elektricität  des  Ljco- 
podiumtheilchens  wieder  auf  die  Wassermolecüle  fiberging, 
hier  wurde  der  Metallkugel  von  aufsen  Elektricität  zuge- 
führt, und  die  Schellackschicbt  verhinderte  das  Uebergehen 
derselben  auf  das  Wasser. 


Mir  ist  keine  Thatsache  bekannt,  die  der  Erklärung  der 
Fortführung  materieller  Theilchen,  wie  ich  sie  in  vorliegen- 
dem gegeben  habe,  widerspräche.  Wie  dem  auch  sey, 
jedenfalls  folgt  aus  den  beschriebenen  Versuchen,^  dafs  die 
Bewegung  materieller  Theilchen  unter  dem  Einflüsse  der 
strömenden  Elektricität  ihrer  Gröfse  und  Richtung  nach 
nicht  abhängt  vom  A^gregatzustande  derselben,  sondern  von 
der  Natur  der  Theilchen  und  der  Natur  der  Stoffe,  mit 
welchen  dieselben  in  Berührung  stehen. 

Berlin  im  Juni  1861. 


599 


II.     l Jeher  die  Zusammensetzung  des  Stuuroliths; 

von   C,  Hammels  he  rg. 


\jtr  durch  seine  Zwillinge  ausgezeichnete  Staurolitb  er- 
regte die  Aufmerksamkeit  der  Mineralogen,  insbesondere 
seitdem  Weifs,  die  Messungen  Hauy's  zum  Grunde  le- 
gend, die  rhombischen  Formen  des  Minerals  auf  das  regu- 
läre System  zurückführte,  und  demgemäfs  das  Gesetz  der 
recht-  und  der  schiefwinkligen  Verwachsung  erklärte').  In- 
dessen haben  genauere  Messungen  später  gezeigt,  dafs  die 
Winkel  des  Stauroliths  nur  Annäherungen  an  gewisse  im 
regulären  System  bekannte  Neigungen  darstellen,  wie  na- 
mentlich Phillips,  Naumann  und  Kenngott  diefs  ge- 
fuuden  haben. 

Die  Zusammensetzung  des  Stauroliths  von  verschiedenen 
Fundorten  ist  von  Vauquelin,  Klaproth,  Collet-Des- 
cotils,  Thomson,  Marignac,  Rosaics,  Lohmeyer, 
besonders  aber  von  Jacobson  untersucht  worden;  seine 
und  der  beiden  Vorhergenannten  Arbeiten  sind  in  den  Jah- 
ren 1844  und  46  in  H.  Rose's  Laboratorio  ausgeführt 
worden. 

Ueberblickt  man  die  Resultate  aller  bisherigen  Stauro- 
litbanalysen,  so  stöfst  man  einerseits  auf  die  gröfsten  Diffe- 
renzen, andererseits  auf  eine  bemerkenswerthe  Gleichheit. 
Als  Bestandtheile  des  Minerals  werden  stets  wiederkehrend 
Kieselsäure,  Thonerde,  Eisenoxyd,  und  oft  etwas  Mangan- 
oxyd und  Magnesia  aufgeführt.  Nun  ist  der  Gehalt  an 
Kieselsäure  von  27  bis  50  Proc,^  der  Gehalt  an  Thonerde 
von  55  bis  36  Proc,  gefunden,  so  dafs  je  gröfser  die  Menge 
der  Kieselsäure,  um  so  kleiner  die  der  Thonerde  ist.  Da- 
gegen fällt  es  auf,  dafs  die  Menge  des  Eisenoxyds  nur  von 
13  bis  18  Proc,  schwankt,  in  den  meisten  Fällen  aber  15 
bis  16  Proc.  beträgt.     Diese  grofsen  Gehaltsschwankungen 

1)  Abb.  der  Akad.  d.  WIss.  su  Berlio  1831. 


600 

der  beiden  Haoptbeslandtheile  können  schon  bei  den  filte- 
ren Analysen  kaum  von  Versachsfeblem  hergeleitet  werden, 
auch  wenn  man  sich  erinnert,  dafs  Shniiche  Thonerdmli- 
kate,  wie  der  Cyanit  und  Andalusit,  früher  unrichtig  ana- 
Ijsirt  waren.  Ganz  und  gar  aber  mufste  diese  Vennulbung 
fallen,  als  Jacobson,  welcher  auf  die  Scheidung  der  Kie- 
selsäure und  der  Thonerde  die  gröfste  Aufmerksamkeit  ver- 
wandte, zwar  nicht  jenes  Maximum  von  50  Proc.  Kiesel- 
säure, wohl  aber  eine  Differenz  von  27  bis  40  Proc.  fand. 
Da  kein  Grund  zu  der  Annahme  vorliegt,  dafs  die  Ur- 
sache der  verschiedenen  Zusammensetzung  der  Staurolithe 
in  einer  Zersetzung  (Verwitterung)  zu  suchen  sey,  so  mufste 
man  annehmen,  dafs  drei  oder  vier  verschiedene  Verbin- 
dungen als  Staurolith  auftreten.  Es  ist  nSmlich,  den  Ana- 
lysen Jacobson' s  zufolge,  das  Sauerstoffverhaltnifs  der 
Basen  und  der  Säure,  sowie  die  daraus  sich  ergebende 
Formel  für  den  Staurolith  von 


•  •  •       •  • 


Il:Si 
Gotlhardt  =2      :  I  =R*   Si' 

Airolo       =1,6   :l=»'°Si»  (H:l) 
Ural  =1,3    : 1  =««    Si»  (H:  I) 

Bretagne  =  1,24  : 1  =  R»   Si«  (1^:1) 

K  ist  fast  immer  =  I^Al  +  ^Fe. 

Jacobson  hat  zugleich  gefunden,  dafs  das  specif.  Ge- 
wicht des  Stauroliths  mit  Zunahme  der  Kieselsäure  sich 
vermindert. 

Jede  Erklärung  einer  so  manchfaltigen  und  in  keinem 
Falle  einfachen  Zusammensetzung  des  Stauroliths  blieb  rein 
hypothetisch,  mochte  man  nun  eine  Isomorphie  der  Silikate 

•  •  •       •  • 

R"*  Si°  voraussetzen,  oder  ganz  willkürlich  annehmen,  jene 
verschiedenen  Verbindungen  seyen  auf  Vereinigungen  ein- 
facher Silikate  zurückzuführen,  wie  etwa 

'     ft'Si  =  a  ftSi  =  &  ftSi'=c, 

um  demgemftfs  die  vier  ¥otme\\\  ^U 


601 

0  +  26 

a  +  8fr 
c+lb 
c  +  4b 
zu  betrachten. 

Ich  hatte  schon  vor  langer  Zeit,  durch  das  beständige 
Vorkommen  von  Magnesia  im  Staurolith  aufmerksam  ge- 
Diacht,  die  Vermulhung  genährt,  das  Mineral  enthalte  nicht 
blofs  Eisenoxyd^  sondern  auch  Eisenoxydul,  vielleicht  die- 
ses ausseht iefslichy  und  einige  vorläufige  Versuche  bestätig- 
ten diese  Idee').  Es  ist  klar,  dafs  dadurch  die  Zusammen- 
setzung der  Staurolithe  in  einem  ganz  anderen  Lichte  er- 
scheinen mufs,  und  wenigstens  ihre  empirische  Zusammen- 
setzung eine  Sicherheit  gewinnt,  welche  mit  grOfserem  Recht 
als  bisher  zu  Schlüssen  auf  die  Ursache  der  wechselnden 
Constitution  leiten  könnte. 

In  dieser  Absicht  habe  ich,  unterstützt  durch  mehrfache 
bereitwillige  Mittheilung  des  Materials,  namentlich  Seitens 
der  Hrn.  G.  Rose  und  Tamnau,  zehn  verschiedene  Stau- 
rolithe der  Analyse  unterworfen,  und  bei  allen  das  Resul- 
tat gewonnen,  dafs  sie  theils  sehr  wenig,  theils  gar  kein 
Eisenoxjd  enthalten,  so  dafs  die  bis  jetzt  angenommenen 
Ausdrticke  für  die  Zusammensetzung  des  Minerals  keine 
Bedeutung  mehr  haben. 

Ueber  die  analytische  Methode  dürfte  wenig  zu  bemer- 
ken seyn.  Die  durch  Aufschliefsen  mit  kohlensaurem  Na- 
tron erhaltene  Kieselsäure  wurde  mit  Fluorwasserst  o  ffsäur 
auf  ihre  Reinheit  geprüft;  sie  ergab  immer  geringe  Mengen 
von  Basen,  die  dem  gröfseren  Theile  derselben  hinzugefügt 
wurden.  Die  Auflösung  würde  mit  Ammoniak  gefällt,  der 
Niederschlag  geglüht,  gewogen,  hierauf  ein  Theil  mit  saurem 
schwefelsaurem  Kali  geschmolzen,  um  die  kleine  Menge 
Kieselsäure  zu  bestimmen,  ein  anderer  aber  mit  kohlensau- 
rem Natron  und  Kalihydrat  im  Silbertiegel  in  glühenden 
FluCs  gebracht,  die  Masse  mit  Wasser  ausgezogen,  der  Rest 
in  Chlorwasserstoffsäure  aufgelöst  und  das  E\c»e\\  dw\dv  V^V.- 

1)  S.  meia  Handbuch  dtr  Mineralchcroie  1\,  WO, 


602 

lensaares  und  essigsaures  Natron  geftllt,  im  Filtrat  aber 
Mangan  und  Magnesia  bestimmt.  Das  Eisenoxyd  wurde 
immer  nochmals  aufgelöst  uud  mit  Ammoniak  niederge- 
schlagen. 

Die  Bestimmung  des  Eisenoxyduls  geschah  volumetriscb 
durch  übermangansaures  Kali»  nachdem  das  Mineral  bei 
Luftabschlufs  mit  Borax  geschmolzen,  und  die  Masse  in 
gleicher  Art  in  verdünnter  Chlorwasserstoffsäure  aufgel(Vst 
worden. 

Auf  sorgft^ltiges  Aussuchen  des  Materials  wurde  alle 
Mühe  verwandt,  das  grobe  Pulver  auch  immer  mit  Hülfe 
des  Magnets  auf  beigemengtes  Magneteisen  geprüft. 

1.  Staurolith  aus  Massachiisets. 

Der  Fundort  ist  nicht  näher  bezeichnet ' ).  Ziemlich 
grofse  schwarze  und  braunschwarze  Krystalle,  rhombische 
Prismen  von  129'^  44',  mit  Abstumpfung  der  scharfen  Kau- 
ten, und  einer  auf  die  stumpfen  aufgesetzten  Zuschärfung.  . 
Von  Zwillingsverwachsung  habe  ich  nichts  bemerkt.  Die 
Begleiter  sind  weifscr  und  schwarzer  Glimmer  und  Albit. 
Der  Magnet  zog  aus  dem  Pulver  eine  geringe  Menge  Mag 
neteisen  aus. 

Krystallfiagmente  sind  braun  durchscheinend,  und  das 
Pulver  ist  gelbbraun. 

Das  spec.  Gewicht  ist    --^  3,772. 

*11.     staurolith  vom  St.  Gotthardt. 

Es    ist    diefs    die    allbekannte   Abänderung,    welche   in 
durchsichtigen   brauneu   Krystallen,    begleitet    von   Cyanit,     . 
in  einem  weifsen  Mineral  eingewachsen  vorkommt,  welches     . 
oft  als  Talkschiefer  oder  verhärteter  Talk  bezeichnet  wird, 


1)  Dana  fuhrt  in  Massachnsets  das  Vorkommen  des  Suuroliths  bei  Fitcb-      . 
bürg,  Lancaster  und  ChesleiTield  an 


603 

aber  ein  zum  Glimmer  gehöriges  Mineral  ist.  Schafhttati, 
der  es  Paragonit  nennt,  bat  es  bereits  untersucht,  und  darin 
über  8  Proc.  Natron  gefunden.  Eine  vorläufige  Analyse, 
die  ich  veranlafst  habe,  bat  dieses  Resultat  im  Ganzen  be- 
stätigt, und  die  Vermutbung  hervorgerufen,  es  möchte  vom 
Margarodit,  vielleicht  auch  vom  Damourit  (obwohl  dieser 
Kali  enthalten  soll)  nicht  verschieden  seyn. 

Bei  dieser  Gelegenheit  kann  man  nicht  umhin,  zu  be- 
dauern,' dafs  der  Fundort  dieses  Staurolits  und  des  unter 
VII  aufgeführten,  angeblich  von  Airolo,  nicht  besser  an- 
zugeben sind.  Der  Gebirgsstock ,  den  man  als  St.  Gott- 
hardt  bezeichnet,  wird  bei  Angabe  von  Mineralfundorten 
an  Stellen  versetzt,  bis  wohin  er  nicht  im  entferntesten 
reicht  Nun  soll  Staurolith,  begleitet  von  Cyanit,  bei 
Cheronico  im  Kanton  Uri,  und  am  Monte  Campione  bei 
Faido  im  Kanton  Tessin  vorkommen  ')•  Allein  Cheronico 
liegt  ebenfalls  im  Kanton  Tessin,  mehre  Stunden  südlich 
von  Faido,  in  deV  Nähe  von  Gioruico,  und  beide  Orte 
sind  sehr  weit  vom  St.  Gotthardt  entfernt,  welcher  erst 
oOrdlich  von  Airolo  ansteigt.  Ferner  sind  auch  die  Alpe 
Piora  und  Prato  als  Fundorte  angeführt,  woselbst  Turma- 
lin  und  Granat  die  Begleiter  des  Stauroliths  sind.  Der 
letztgenannte  Punkt  liegt  aber  auch  nicht  im  St.  Gotthardts- 
gebiet,  sondern  im  Kanton  Tessin,  südlich  des  imposanten 
Engpasses  Dazio  grande,  mithin  doch  ziemlich  fern  von  Airolo, 
obschon  ich  vermuthe,  dafs  beide  verwechselt  sind.  Bei 
diesem  Mangel  an  zuverlässigen  Angaben  habe  ich  die  bis- 
herigen Bezeichnungen  beibehalten  müssen.  . 

Dieser  Staurolith,  der  wie  der  vorige  ein  gelbbraunes 
Pulver  giebt,  ist  von  Klaproth,  Marignac,  Rosales, 
Lohmejer  und  Jacobson  untersucht  worden,  welcher 
Letzterer  das  spec.  Gew.  =3,744  fand. 

Meine  Resultate  sind  folgende: 

1)G    Leonliard,  Handwdrterbarh  der  topogr.  Min    $.482 


604 


A. 

I. 

II. 

MatsiichuMts. 

Gotlhardi. 

Kieselsäure         2'«36 

29,60 

Thonerde            49,19 

4S,53 

Eisen  oxjd             3,20 

4,25 

Eisenoxjdul       13,32 

11,50 

Manganoxydul      1,28 

0,96 

Magnesia               2,24 

3,12 

Glühverlust          0  43 

0,76 

Fe  17,03 


98,52        98,72. 

III.    Staiirolith  vom  St  Gotthardt. 

Obgleich  im  Ansehen,  auch  hinsichtlich  des  Vorkomin* 
und  des  begleitenden  Cyanits,  dem  vorigen  ganz  gleich, 
er  doch  eine  andere  Zusammensetzung.  Der  Cyanit  i 
nicht  blofs  in  der  bekannten  Weise  mit  ihm  vervirachs 
sondern  die  Staurolithkrjstalle  umschlossen  kleinere  s 
dünne  Cyanite,  so  dafs  ein  sehr  sorgfältiges  Aussuchen 
thig  war.  Weder  Turmalin  noch  Granat  liefs  sich  al 
wahrnehmen. 

IV.     Staurolith  von  Fraoconia,  New- Hampshire. 

Von  dieser  Abänderung  standen  mir  einige  grofse 
beiden  Enden  verbrochene  Prismen  zu  Gebote,  in  welcl 
kleine  rothe  Granatkrjstalle  eingewachsen  waren.  Sie  s 
an  den  Kanten  braun  durchscheinend,  und  gleichen  dei 
von  St.  Gotthardt  auch  in  der  Farbe  des  Pulvers. 

Das  spec.  Gew.  ist  =:  3,764. 

y.     Staurolith  von  Goldensteia  io  Mätireo. 

Braune  Krjstalle   in   einem   rothbraunen  Glimmerscl 
fer  mit  weifsem  oder  rothem  Quarz  und  begleitet  von  c 
zelnen  kleinen  röthlichen  Granaten.     Der  Staurolith   ist 
durchscheinend  wie  der  vom  Gotthardt,  aber  änfserlich 
von  Glimmer  bedeckX.    Sevvi  ^vxVstt  \%V.  ^<ilbbrauu. 


605 

Das  8pec  Gew.  ist  a=  3,654  und  3,660  (nach  zwei  Be- 
stimmungen). 

VI.    Staurolith  von  Litcbfield  io  CoDoecticut. 

Schwarze  undeutliche  Krjstallc  in  Glimmerschiefer,  von 
bräunlichgrauem  Pulver. 
Spec.  Gew.  =3,622. 


III. 

IV 

V. 

VI. 

Gotlhardt. 

Franconia. 

Goldenticio. 

Liichfield. 

Kieselsäure 

35,05 

35,36 

35,15 

36,62 

Thonerde 

44,18 

48,67 

44,02 

42,92 

Eisen  oxjd 

5,21 

2,27 

0,88 

1,85 

Eisenoxvdul 

11,48 

13,05 

12,16 

12,80 

Manganoxjdul 

Spur 

Spur 

1,41 

0,70 

Magnesia 

2,86 

2,19 

3,06 

2,93 

Glühverlust 

0,95 

0.27 

1,27 

1,00 

99,73 

101,81 

97,95      • 

98,82. 

c. 

IVn.    8taurolith  von  Airolo  (?) 
Es  ist  diefs  dieselbe  Abänderung,  welche  Jacobson 
,  untersucht  hat.     Die  schwarzen  Krjstalle  liegen  in  einem 
I  grauen  Glimmerschiefer,  welcher  mit  kleinen  braunen  Gra- 
I  naten  durchwachsen  ist.     Sie  sind  an  den  Kanten  schwach 
durchscheinend    mit   gelbgrauer  Farbe,    und,    obwohl    der 
Magnet  nichts  auszieht,  scheint  die  Masse  des  Minerals  nicht 
ganz  rein  zu  seyn. 

Jacobson  hat  das  specifische  Gewicht  =r  3,66  —  3,73 
gefunden. 

Kieselsäure  43,26 

Thonerde  40,45 
i                                 Eisenoxyd  2,40,       -^^ 

7  Eisenoxjdul  10,92  ) 

(Magnesia  2,09 

Glühverlust        0,45 


99,57 


auf) 
Prii 
grai 
ihm 


(irofGo  einfacbe  Krj'Gtalle,  von  der  Farbe  der  vorigen,  i 
in  grauem  Glimoierfichiefer.  Ihre  Flttcbeo  sind  iD  der  Regel  j 
mit  feinen  Gliinmerblätlchcii  bedeckt,  und  daher  schimtsernd.  I 
Ihr  Pulver  ist  frelbgraii.  i 

Dae  specifische  Gewicht  ist  =  3,263.  1 

VIII.  IX,  X.  I 

Liibon.  BrMii(ne.       Pilkinnla.  I 

Kieselsäure  49,10  50,75  51,32  (\ 

Thonerde  37,70  34,86  34,30  h 

Risciioxyd  —  2,S6            ^  h-^^ 

Kiseiioxydul  10,69  10,45  11,01  fj^ 

IVlniigaiiOxvdul  Spur  Sptir             0,42  ,,^j 

Magnesia  "  1,64  1,811           2,32  |,, 

Glühverlust  0,6H  0,38  0.59  'j,, 

99,81  101,10  99,96. 

Diese  zehn  S\aaTo\ift\ft  sVwi  V««  w^di  ihtem  Gehall  • 
Kieselsäure  iu8ammet»%efe\e\\\. ,  •RftW«^  >Be\ 


607 

I     und  II     etwa  30  Proc. 

III  bi8    VI      »      35     » 

VII  «43     »> 

VIII«     X       »      50     « 
betragt. 

Zunächst  bestätigeil  meine  Analjseu  die  grofsen  Diffe- 
renzen im  Säuregehalt  bei  ziemlich  gleichbleibender  Menge 
Bisen.  Zugleich  aber  tbun  sie  dar,  dafs  selbst  an  der- 
selben Stelle  Staurolithkrystalle  von  verschiedener  Zusam- 
mensetzung vorkommen.  Denn  wenn  man  auch  glauben 
könnte,  dafs  die  Abänderungen  11  und  III  nicht  von  der- 
selben Lokalität  herrührten,  so  ist  doch  No.  VII,  der  an- 
geblich von  Airolo  stammende,  von  Jacobson  mit  ganz 
anderem  Resultat  untersucht  worden,  nämlich 

R. 

43,26 

40,45 

14,53 

2,09 

.  ,-.« 0,45     ^ 

l         Die  Gesammtmengen  der  Kieselsäure  und  Thonerde  sind: 
'  80,68        80,91         8371. 

(Dabei   bezieht  sich  meine  Angabe  auf  reine,  durch  Fluor- 
wasserstoffsäure verflüchtigte  Kieselsäure ' ). 
In   der  Bretagne  kommt    der  Staurolith    allerdings  an- 
stehend   und    lose  an  mehreren   Stellen   der   Departements 
Morbihan    und    Finisterre    vor.       Während    Vauquelin 
33  Proc.  Kieselsäure    und    44  Thonerde    fand,    also   etwa 
die    Zusammensetzung    der   Staurolithe   III   bis  VI,    erhielt 
Jacobson  40  Kieselsäure  und  44  bis  45  Thonerde,  al^^ 
/schon    Collet-Decotils,    und    besser    noch    Thomson 
^  fanden  etwa   50  Kieselsäure  und  36  Thonerde,  also  nahe 
*  dieselben  Mengen  wie  ich. 

I)  Der  schwarze  SlwroViih  vom  St.  Gotlhardt,  welchen  Kl Aprotli  unter- 
suchte,  und  der  ein   specifisches    Gewicht  =3,51   halte,  liegt  gleichsam 
zwischen   jenen,   da  in  ihm  37,5  Kieselsäure,   und  41   Thon^rdt  C;?t^V\ 
etwas  au  wenif)  gefandta  wurden. 


Jacci 

ibson. 

a. 

b. 

Kieselsäure 

33,45 

3-2,99 

Thonerde 

47,23 

47,92 

Eisenoxjd 

16,51 

16,65 

Magnesia 

1,99 

1,66 

Glühverlust 

608 


Bei  der  nachfolgenden  Berechnung  der  Analysen  ist 
Sauerstoff  der  Kieselsäure  =52,46  Proc. '),  der  Thon« 
=^  46,8  Proc.  angenommen. 


M 


•  «  * 

Si 

•  ■  • 

AI 

•  •  « 

Fe 
Fe 


A. 

I. 

15,14 

23,02 

0,96 

2,96 


Mg  (Md)      1,19 


Si 
AI 

•  •  • 

Fe 
Fe 

Mg 


(Mn) 


111. 
18,39 
20,63 
1,56 
2,55 
1,14 


B. 
IV. 

18,55 

22,78 

0,68 

2,90 

0,88 

C. 


Sanenloff. 
II. 

15,53 

22,71 

1,27 

2,55 

1,47 

V. 

18,44 

20,60 
0,26 
2,70 
1,54 


Si 
AI 

•  •   • 

Fe 

1    V. 


Si 

■  •  • 

AI 

Fe 
Fe 

Mg  (Mn) 

VIII. 

25,76 
17,64 


VII. 
22,69 
18,93 
0,72 
2,43 
0.84 

t 

IX. 

26,62 

16,78 

0,86 

2,32 

0,72 


VI. 
19,21 

20,08 
0,55 
2,84 
1,37 


2,37 

Mg  (Mn)       0,66 
Hiernach  ist  das  Sauerstoffverhältnifs: 
J)  «>|=I4.5,  H==V. 


X. 
26,92 
16,05 

2,45 
1,02 


609 


•       ••  •      • • 

R:R:Si 

•  ■■■ 
R,ft: 

& 

I. 

0,6    :3:I,9 

1,84: 

IL 

0,5    :3:1,9 

1,84: 

III. 

0,5    : 3:  2,49 

1,4    : 

IV. 

0,48 : 3 : 2,37 

1,5    : 

V. 

0,6   : 3:2,65 

1,36: 

VL 

0,6   : 3:2,8 

1,3   : 

VIL 

0,5    :3:3,5 

1 

JL 

VIII. 

0,5   :3:4,4 

0,8 

•    1 

IX. 

0,6   :3:4,5 

0,8    : 

■ 

X. 

0,65 : 3 : 5,0 

0,73: 

■ 

Es  ergiebt  sich  hieraus,  dafs  di6  Staarolithe  io  einer  ganz 
Ahnlichen  Beziehung  zu  einander  stehen,  wie  die  isomor- 
phen  Glieder   der  Feldspathgruppe.     So    wie   bei   diesen 

*     *  *  * 

gleichsam  die  Verbindung  RR  mit  variablen  Mengen  Kie- 
selsäure sich  verbunden  hat,  ohne  dafs  die  Krystallform 
dadurch  wesentlich  geändert  wäre,  so  ist  für  die  einzelnen 

Glieder  der  Staurolithgruppe  die  Verbindung  RR*  charak- 
teristisch, und  die  allgemeinste  Formel  der  Staurolithe  wird 
demnach 

•    •  •  •  •  • 

(RR')  4-  Si- 

sejn,  ihre  Isomorphie  aber  unabhängig  von  der  GröCse  n 
sejm. 

Welches  ist  der  Werth  von  n  für  die  einzelnen  Stau- 
rolithe?   Offenbar  sind  die  Proportionen 

0,5:3:2     s=l:6:4 
und  0,5 : 3 : 4,6  =  1 : 6  : 9 

die  Extreme  der  untersuchten  Fälle,  wenn  auch  vielleicht 
nicht  der  überhaupt  vorhandenen.  Die  erstere  findet  sich 
in  der  Abtheilung  Ä^  der  säureärmsten  mit  etwa  30Proc. 
Kieselsäure,  zu  welcher  der  Staurolith  von  Massacliubjts 
(I),  offenbar  auch,  wie  man  aus  der  Kieselsäuremenge  sieht, 

PoigcodorfiTi  AnnaL  Bd.  CXIO.  %^ 


VI.  =  I   :  6  r  5,60 

VII.  =  1:6:  7,00 

Man  sollte  die  Proporlion  1:6:6,  der  Formel 

tRR')-|-Si^ 
enlsprcchend ,   worin  n  =  '-i  ist,  erwarten,  allein  statt  ihrer 
Glöfet  mau  auf  Zwieclicnverhülluisse,  von  welchen 

1:6:5    =(RR')'+Si'  «  =  2,5 
I:6:5^  =  (RR')'  +  Si'  n  =  2,66 
1:6:7    =  (RR')»  +  Si'  «  =  3,5 
norb   die   einfachsten   sind.     Es  würde   ganz  ohne  VT'erlh 
Beyn,   wollte   man   diese   Glieder  als  intermediäre  Vereini- 
gungen  von   A  und  D  betrachten  i  diefs    wAre   ebento   be- 
deuluiigslos  als  die  Voraussetzung:  es  gebe  nur  zwei  Feid- 
Gpalhe,  Atiorlhit  niid  Orthoklas  (Albit)  oder  gar  einen  noch 
säurercichcren,  und   die  übrigen  sejen  Vereinigungeo  der- 
I )  Dirfi   ichcinl  auclv  diu  Z>UHiuineDv!l»ui\  lamcli« 


igcQ  der-    J 

r  BDd  Td(>    I 


61t 

selben.  Damit  ist  nichts  gewonnen,  am  wenigsten  etwas  be- 
wiesen. 

■    •  •  •  •  • 

Sind  die  Verbindongen  (RR*)  +  Si'  unter  sich  isomorph, 
so  ist  es  leicht  glaublich,  dafs  sie  sich  neben  und  überein- 
ander krjstallisirt  haben.  Selbst  die  Analyse  eines  einzel- 
nen Krystalls  dürfte  dann  möglicherweise  nicht  zu  einem 
einfachen  Resultat  führen,  da  jedes  Mittel  fehlt,  seine 
homogene  Beschaffenheit  in  allen  Theilen  zu  erkennen« 
Dieselbe  Erscheinung  kehrt  in  allen  homorphen  Mineral- 
gmppen  wieder,  deren  Isomorphie  mit  stöchiometrischer  Ver- 
schiedenheit der  Zusammensetzung  verknüpft  ist,  mithin  bei 
▼ieleu  der  wichtigsten  Silikate,  den  Feldspathen,  Glimmern 
und  Turmalinen.  Wenn  die  Farbe  nicht  verriethe,  dafs 
die  Turmalinkrystalle  von  Paris  und  Chesterfield  aus  zwei 
verschiedenen  übereinander  krjstallisirten  ( einem  grünen 
und  einem  rothen)  bestehen,  so  würde  es  mir  nicht  möglich 
gewesen  seyn,  die  verschiedene  Zusammensetzung  beider 
an  ihnen  festzustellen. 

Es  verdient  Beachtung,  dafs  in  den  Staurolithen  das  Ei- 
senoxyd immer  in  sehr  kleiner  Menge,  mehrfach  gar  nicht 
vorhanden  ist.  Zu  einer  genauen  Bestimmung  der  relativen 
Menge  beider  Oxyde  des  Eisens  sind  die  Methoden  durch- 
aus nicht  geeignet,  und  die  Resultate  können  selbst  dann 
nicht  auf  grofre  Schdrfe  Anspruch  machen,  wenn  man,  wie 
ich  es  immer  gethan  habe,  die  Eisenoxydulbestimmung  wie- 
derholt, und  Mittel  zieht. 

Nun    wissen    wir   an   künstlidien   Eisenoxydnisilikaten, 

z.  B.  den  gelbbraunen  Krystallen  von  Fe^Si,  der  reinen 
Friscbschlacke,  wie  leicht  sich  etwas  Eisen  höher  oxydirt, 
Oxydoxydul  bildet,  und  den  Krystallen  eine  Farbe  giebt. 
Ea  wikre  möglich,  daCs  diefs  auch  bei  natürlichen  Silikaten 
sich  so  verhielte,  dafs  die  kleinen  Mengen  Eisenoxyd  eine 
sekundäre  Bildung  wären,  und  die  Staurolithe  z.  B.  ur* 
sprünglich  nur  Eisenoxydul  enthalten  hätten. 

Berechnet  man  die  Analysen  aus  diesem  Gesichtspunkt 
so  wird  das  Sauerstoffverhällnifs 


Ä.  (I.  II.)  =  (R'AP)  +  Si» 
mit  der  Proportion  ^  :  3 : 2  =:  2 : 9 :  6,  und 

/).  (VIII  bis  X.)  =  (R'Ai»)»  +  Si'» 
mit  der   Proportion   4:3:5^2:9:15.     Von  den   daxwi- 
schen  liegenden  dUrßeo 

:24  =  2:9:8    =(R*AP)    +Si*     (UI.  bis   V.) 
:3    =2:9:9    =  (R*  AI')»  +  Si'     (VI.) 
:3|  =2:9:11  =(R'AP)'-4-Si"    (Vtt) 

XU  erkennen  eeju,  doch  wird  es  aus  den  oben  angefQhrten 

Gründen  auch  hier  schwer  seyn  zu  sagen,  ob  diefs  selbst- 

stSndige  Verbindungen  sind. 

VVelcber  Ansicht  man  oun  auch  über  die  tinindmicchung 

der  Staurolitbe,  ob 

CRB')+S1*  oder  (R»AI»)  +  Si" 
iey.  man  wird  der  Aufstellung  sogenannter  ratioueller  For-  J 
mein   immer  einen  g,et'«\^eQ 'Wtt\Xi\«i^«^'a^  w»  l%a^e  die  I 
Wsher  geüble  ganx  ^V\lVtitAiÄie\«*i«Ä»a^^w^*<»»A«isi»- 


«18 

unter  die  BaMo  bei  der  Aufstellang  solcher  Formeln  fort- 
dauert.  Nach  meiner  Ansicht  haben  Feldspathformeln ,  wie 

CaSi    +    ÄISi  filr  Anorthit  =  CaAI  Si""    ' 

R  Si   +    AlSi'  "    Labrador  =R  AI  Si» 

R'Si''+2ÄlSi''  »    Oligoklas  sR'Äl'Si' 

R  Si*+    ÄiS>  »    Orthoklas  (Albit)  =  R  Ä'l  Si« 

an  und  f&r  sich  keinen  sonderlichen  Werth,  denn  der  ein- 
zigen Fordemngy  die  Sesqaioxyde  nie  auf  eine  höhere  SHt- 
tigung^tnfe  zu  erheben  ak  die  Mouoxyde,  läfst  sich  mei- 
stens durch  mehr  als  eine  Formel  gentigen.  Die  Isomor- 
phie  beider  Arten  von  Basen  und  die  ihrer  analogen  Ver- 
bindungen, welche  ich  nach  meinen  eignen  Arbeiten  für  eine 
Thatsache  halte,  und  die  durch  mehrfache  Gründe  unter- 
stützte Ansicht,  Thonerde,  Eisenoxjd  etc.  seyeu  ebenfijk 
Mouoxyde  alO,  feO  etc.,  zwingen  uus,  in  den  beiden  Glie- 
dern der  sogenannten  Doppelsilikate  nur  gleiche  Säitigungs- 
stufen  anzunehmen,  was  zwar  die  Formeln  meist  compli- 
cirter  macht,  aber  )ede  Willkür  in  der  Vertheilung  der 
Siure  unter  cBe  Basen  aufhebt.  DemgemSfs  betrachte  idi 
den  Anorthit  als  eine  Verbindung  von  Singulosilikaten, 

Ca»Si  +  Al»Si»; 
des  Labrador  als 

R*  Si»  =  R»  Si  +2RSi 
Al*Si^=Al»Si«H-2AlSi«, 

d.  b.  als  eine  Verbindung  von  Singulo-  und  Bisilikaten, 

(R' Si  4- AI' Si")  +  2(RSi  +  ÄiSi') 

o.  ••  w. 

In  derselben  V^eise  kann  man  beim  Staurolith  verfah- 

•     •  •  •  •  • 

ren.  Ist  er  allgemein  =:(RR')  +  Si*,  so  wird  die  am  mei- 
sten basische  Verbindung,  worin  n  =  2  ist,   sich  in   die 

Glieder  R*Si  und  B'Si''  (Singulo-  oder  Halbsilikate)  und 

R^Si  und  'Ü*Si^  (Viertelsilikate)  mi\  den  ^^xx^^VoKn^t- 


614 

klltoMBCB  1 : 1  and  2 : 1  auflOttti.  Di«  aftorereiciwte  hiii- 
gegea,  in  welcher  fir=:47  ist,  wird  aus  den  Grliedem  RSi 
und  BSi^  (einfachen  oder  Bistlikaten)  und  aus  R*Si  und 

•  •  •     •  • 

R'Si"  (Halb-  oder  Singulosilikaten)  bestehen,  worin  die 
Sauerstoffverhältnisse  =1:2  und  I  :  1  sind.  Alle  übrigen 
Stanrolithe  werden  auch  nur  zwei  von  diesen  drei  Gliedern 
enthalten. 

Räumt  man  der  Ansicht,  die  Staurolithe  seyen  (R*AP) 

+  Si^  den  Vorzug  ein,  so  ist  die  Beschaffenheit  der  Sitti* 
gungsBtufen  genau  dieselbe,  nur  die  relativen  Mengen  der 
einzelnen  Glieder  stellen  sich  etwas  anders  dar. 

Wenn  es  Staurolithe  giebt,  in  welchen   der  Sauerstoff 
der  Basen  und  der  S&ure  ss  3 : 2,  wie  im  Cjanit,  ist,  die 

also  entweder  (R«')*+Si'  oder  (R*Ai»)»  +  Si"  sinil, 
so  würden  dieselben  als 


oder 


R'Si  +  6ftSi, 


2R'Si-h9AlSi 

aufzufassen,  und  die  Verwachsung  mit  dem  Cjanit  als  eine 
Folge  der  ähnlichen  Zusammensetzung  zu  denken  sejn. 


«15 


IIL     Zur  Scheidung  des  Slrontians  com  Kalk; 

von  F.  G.  Schaff gois eh. 


i^lropCinB  und  Kalk,  wenn  sie  zusammen  vorkommen,  wef- 
den  bäufif;  durch  iudirecte  Aoaljse  bestimmt,  indem  ma^ 
beide  gemeinschafllich  als  Carbonate  fällt,  diese  wägt  und 
durch  Schmelzen  mit  tarirtem  überschüssigem  Boraxglas  ih- 
ren Gesammtgehalt  an  Basen  findet,  um  dann  aus  letztereni 
ond  dem  Gewichte  d^r  gemischten  Carbonate  die  Menge 
der  einzelnen  Basen  zu  berechnen').  Der  grofse  Uebel- 
sUmd,  dafs  jeder  Fehler  im  Gesammtgewicht  der  Basen  sich 
für  den  Kalk  vervierfacht  und  für  den  Strontian  sogar  ver- 
ftlnffiacht,  wird  einigermafsen  durch  die  Genauigkeit,  deren 
die  beiden  einzig  nölhigen  Wägungen  fähig  sind,  sowie 
durch  die  beträchtliche  Zeitersparnifs  aufgewogen;  dahinge* 
Ijen  sind  die  beiden  Basen  im  borsauren  Zustande  der  fqrr 
Deren,  jedenfalls  wüoschenswerthen,  analytischen  Behand- 
lung zum  Zwecke  directer  Scheidung  entzogen. 

Anders  und  besser,  wenn  man  die  Kohlensäure  durch 
blofses  Erhitzen  austreibt.  Diefs  geschieht  aber,  wie  ich  ge- 
funden habe,  leicht  uud  vollständig  bei  mäfsiger  Weifsgluih, 
wie  sie  ein  20  CG.  fassender  geschlofsner  Plalintiegel  tiber 
einem  gewöhnlichen  16 strahligen  Gas-  und  Luftgebläse  an- 
nimmt. Die  blendende,  Nickel  schmelzende  Weifsgluth, 
welche  dasselbe  Gebläse  bei  Umgebung  des  Tiegels  mit 
einem  oben  von  einem  Stück  Holzkohle  bedeckten  Mantel 
ans  feuerfestem  Thon  hervorbringt,  ist  zum  Kaustischbren- 
nen des  kohlensauren  Strontians  nicht  erforderlich ,  auch 
wegen  drohender  Verunreinigung  des  Tiegels  nicht  wohl 
anwendbar.  In  jener  mäfsigen  Weifsglühhitze  zeigt  der 
kohlensaure  Strontian,  abweichend  vom  kohlensauren  Baryt, 
keine  Spur  von  Schmelzung  oder  Einwirkung  auf  den  Tie* 
geL  Von  besonderer  Wichtigkeit  ist  es,  denselben,  sey  er 
Dan  rein  oder  mit  kohlensaurem  Kalk  gemengt,  m  TEk,t^v^%v 

\)  Freteatu»*  Aaleitung  i.  quaot.   ADalyse«  l%tö.    S.  ^%* 


817 

B.  Strontianit  von  Lttdinghauseu  in  Westfalen;  keilfOnnig 
■tttnglig,  8chneeweifs  bis  gelblichweifs.  Neues  Vor- 
kommen,  anstehend  in  kohlensaurem  Kalk. 

Analjrse  3. 

2,0578  Gm.  liefern  1,4185  —  1,4174  -  1,4174  Grm. 
d.  h.  68,879  Proc.  rein  weifsen  Glührtickstaud. 

Analyse  4. 

2,0704  Grm.  hinterlassen  —  1,4281  —  1,4281  GroL 
oder  68,977  Proc. 

Mittel  beider  Analysen:  68,928  Proc.  Rückstand,  folg- 
lich 91,11  kohlensaurer  Strontian  und  8,89  Proc  kohlen- 
saurer Kalk  oder  auch  63,95  Proc.  Strontian,  4,98  Proc 
Kalk  und  31,07  Proc  Kohlensäure. 

C*  Strontianit  von  Hövel  bei  Hamm')  in  Westfalen;  keil- 
förmig släuglig,  schueeweifs  bis  gelblichweifs,  übrigens 
im  Aussehn  vom  vorigen  ganz  verschieden,  weil  nicht, 
wie  dieser,  kurz-  und  zum  Theil  verworrenstrahlig, 
sondern  lang-  und  geradstrahlig. 

Analyse  5. 

2,0485  Grm.  lassen  1,4266  —  1,4233  —  1,4233  Grm. 
oder  69,480  Grm.  rein  weifsen  Rückstand. 

Analyse  6. 

2,0746  Gm.  geben  1,4410  —  1,4408  —  1,4408  Grm. 
d.  h.  69,450  Proc. 

Mittel  beider  Analysen :  69,465  Proc.  Rückstand,  woraus 
iicb  berechnen  94,89  Proc.  kohlensaurer  Strontian  und 
5,11  Proc  kohlensaurer  Kalk  oder  auch  66,61' Proc  Stron- 
tian, 2,86  Proc  Kalk  und  30,53  Proc  Kohlensäure. 

Die  vier  Analysen  der  westfölischen  Strontianite  sind 
nur  mit  Vorbehalt  gültig,  insofern  ich  keine  besondere  Prü- 
fung auf  fremde  Beimischungen  angestellt  habe,  doch  pflo- 
gen dargleichen  beim  Strontianit  nicht  vonnkommc^« 

1)  Diete  AnoMlen  Bd.  L,  S.  191. 


61d 

D.  Strontianit  von  Leadhilh  in  Schottland;  keil((5rniig  stSng- 
lig,  grtinlichweifs,  aufgewachsen  anf  schneeweiGseai 
Kaikspath,  der  sich  des  Farbenuntersehiedes  wegen  leicht 
von  ihm  sondern  liefs  und  weifsgeglfiht  56,4  Proc.  brau- 
nen manganoxjdhaltigen  Rückstand  gab,  nSmIich  0,4217 
Grm.  von  0,7472  Grm. 

Analyse  7. 

2,0534  Grm.  lassen  1,4261  —  1,4261  Grm.  oder  69,451 
Proc.  rein  weifsen  Rticksfand. 

Aaalyse  8. 

2,0500  Grm.  geben  1,423!  —  1,4231  Grm.  oder  69,420 
Proc 

Mittel  beider  Analysen:  69,435  Proc.  Rticksfand,  mithin 
94,68  Proc.  kohlensaurer  Strontian  und  5,32  Proc.  kohlen- 
saurer Kalk  oder  auch  66,46  Proc.  Strontian,  2,98  Proc. 
Kalk  und  30,56  Proc.  Kohlensäure.  Uuerwartet  und  be- 
merkenswerth  ist,  dafs  die  Analysen  7  und  8  sich  den  Ana- 
lysen 5  und  6  weit  mehr  nähern,  als  die  Analysen  3  und  4. 
Die  jetzt  folgenden  sind  directe,  angestellt  zur  Vergleichung 
mit  den  beiden  letzten. 

Analyse  9. 

1,9936  Grm,  in  neutrales  Nitrat  verwandelt,  geben  mit 
wasserfreiem,  aus  gleichen  Maafsen  gemischtem  Aether- 
AlkohoP)  geschüttelt  und  ebendamit  auf  gewof^enem  Filter 
gewaschen,  2,7046  Grm.  bei  110"  C.  getrockneten  Salpeter- 
säuren Strontian,  entsprechend  1,8866  Grm.  oder  94,63 
Proc.  kohlensaurem  und  1,3242  Grm.  oder  66,42  Proc.  rei- 
nem Stioutiau,  wenn  NO^=54. 

Analyse  10. 

2,0078  Grm.,  ebenso  behandelt,  liefern  2,7190  Grm.  Stron- 
tianuitrat,  welchem  1,8966  Grm.  oder  94,46  Proc;  Carbonat 

1)    Trait^  complei  de   chimie   anatyfique  par  ff.  Roie^    1861,  Ann. 
^uanl.\  I.  /aide;  p.2l^> 


ei9 

und  1,3312  Gnn.  oder  66,30  Proc  reiner  Strontiao  entspre- 
eben.  Das  Filtrat  ergiebt,  mit  dem  dreifachen  Maafs  Was- 
ser gemischt,  nach  Verjagung  des  Aetber-Alkuhols,  Zusatz 
von  kleesaurem  Ammoniak  u.  8.W.,  0,0640  Grm.  oder  3,19 
Pme.  weifsgeglühten  Kalk;  ihm  entsprechen  0,1  N3  Grm. 
oder  5,69  Proc.  kohlensaurer  Kalk.  Die  gesaminte  Kohlen- 
sKure  macht  30,66  Proc  aus,  die  Summe  vou  Stronlian,  Kalk 
und  KohlensAure  100,15  Proc.  statt  100  Proc. 

Analyse  IQa. 

Eine  Controle  oder,  wenn  man  will,  Wiederholung  der 
▼4M*igen  Analjse.  Der  von  dieser  herstammende  Salpeter- 
üttre  Straotiao  wird  ohne  Verlust  in  Wasser  zu  500  CG. 
gelöst,  ein  Zehntel  der  Lösung  mit  überschüssiger  KleesSure 
•iDgedampft»  der  Rückstand  geglüht  und  durch  Abdampfen 
mit  Salzsäure  in  säurefreies  Cblorstrontium  verwandelt.  Der 
SMgebOrige  weifsgeglühte  Kalk  wird  gleichfalls  ohne  Verlust 
in  säurefreies  Chlorid  umgeändert.  Beide  Salze  werden 
sQdann  in  gleichen  Gefäfsen  einzeln  in  gleichen  Wasser- 
nengen  gelöst.  Nach  Zusatz  von  gleichviel  chromsaurem 
Kali')  zu  jeder  Flüssigkeit  findet  sich  das  zum  Entstehen 
•wer  in  beiden  gleich  starken  rölhlichen  Färbung  erforder- 
liche Maafs  gelösten  salpetersauren  Silberoxjds  zu  25,65  CG 
auf  der  Strontiumseite,  d.  i.  zu  256,5  CC.  für  alles  Stron- 
iHiHi,  und  zu  22,85  CC.  auf  der  Caiciumscite,  woraus  un- 
wttelhar  folgt,  dafs  im  Strontianit  von  Leadhills  auf  jedes 
lUachuagsgewicht  Calcium  oder  Kalkcarbouat  betiehungs- 
w#ise  1 1,2254  Miscbungsgewichte  Strontium  oder  Strontian- 
Mrbonat  kommen,  also  94,31  Gewichtstheile  kohlensaurer 
Strontian  auf  5,69  Gewichtstheile  kohlensaurer  Kalk  oder 
auch  66,19  Gewichtstheile  Strontian  auf  3,19  Gewichtstheile 
Kalk  und  30,62  Gewichtstheile  Kohlensäure. 

Analjse  lOa  stimmt  gut  mit  Analyse  10  und  Analjse  9 
überein  und  die  Abweichung  aller  drei  von  Analjseu  7  u.  8 
ist  erträglich,  wie  die  folgende  Uebersicbt  zeigt. 

I)  F.  Mohr's   Lehrbuch  der  Titrirmcthode ,   1855^  5ft.     N!b\W\\xitk%  W. 
S.  Uff. 


An.  10 

Ad  lOi 

94,46 

94,31 

6,69 

5,69 

100,15 

100^00 

66,30 

66,19 

3.19 

3,19 

30,66 

30.62 

620 

StroDtiMiit  rott  liMdMIto. 
An.  7  Q.  8       Att.  9 

KoblensauGer  StroDÜan     94,68      94,63 
Kohlensaurer  Kalk  .     .      5,32 

lÖÖflÖ 
oder  aadi: 

StroDtian 66,46      66,42 

Kalk 2,98 

Kohlenaäure  ....    30,56 

"100,00  100,15     100,00 

Dem  aufmerksamen  Leser  wird  es  nicht  entgehen,  daüs 
die  Maafsanalyse  10  a,  obschon  sie  nur  zur  BewShning  der 
▼orbergehenden  Gewichtsanalyse  10  uolernommen  wurde 
und  nur  von  diesem  Gesichtspunkte  aus  zweckmSfaig  er- 
scheint, sich  dennoch  als  völlig  selbststttudig  betrachten  labt, 
d.  h.  als  unabhängig  nicht  blofs  von  jener  Gewichtsanalyse 
als  solcher,  sondern  auch  von  der  Existenz  aller  Waagen 
und  Gewichtsstücke  überhaupt,  mit  alleiniger  Ausnahme  der- 
jenio^en,  welche  irgend  wann  und  irgend  wo  zur  Ermitte- 
lung der  Mischungsgewichte  des  Strontians,  des  Kalkes  und 
der  Kohlensäure  nöthig  waren.  In  der  That  können  alle 
vier  WSgungen  der  Analyse  10,  nämlich  die  des  Strontia- 
nites,  des  Salpetersäuren  Strontians  und  seines  Filters  sowie 
die  des  Kalkes  fortfallen,  ohne  dafs  dadurch  das  Endergeb- 
nifs  der  Analyse  10a  berührt  wird.  Die  Silberlösung  hielt 
ein  unbekanntes  Gewicht  Silber  und  was  die  angewandten 
Maafsgeföfse  betrifft,  so  ist  ihre  absolute  Aichung  nach 
Wassergrammen  hier  ganz  ohne  Belang  und  Überhaupt  ihre 
Herstellung  durch  Wägen  zwar  thatsächlich  zuzugeben,  aber 
grundsätzlich  für  den  vorliegenden  Fall  unerheblich'). 

Berlin,  den  21.  Juli  1861. 

1)  Diese  AonalcD  Bd.  GXII,  S.  615. 


621 


IV.     Chemisch -analytische  Beiträge; 
von  Heinr.  Rose. 


fJeber  die  quaBtitative  Bef  timmuDg  des  Selens. 

(Schlafs.) 

TrennaDg  des  Selens  vom  Tellur. 

dcboD  Oppenheim  hat  die  Trennung  des  Selens  vom 
Tellur  durche  Schmelzen  mit  Cyaniialium  bewirkt  ^).  Er 
achmeixte  die  Verbindung  des  Selens  mit  dem  Tellur  mit 
dem  dreiüachen  Volum  von  Cjaukalium  im  Porcellantiegel 
xuaammen,  behandelte  die  geschmolzene  Masse  mit  Wasser, 
lieb  auB  der  Lösung  durch  Luftzutritt  oder  auch  durch  ei- 
nen Strom  von  Kohlensäuregas  das  Tellur  sich  abscheiden, 
und  iUlte  aus  der  filtrirten  Flüssigkeit  das  Selen  vermittelst 
GUorwaaserstoffsäure '). 

Wird  die  Trennung  auf  diese  Weise  ausgeführt,  so  ist 
ein  Verlust  hierbei  nicht  zu  vermeiden,  und  zwar  aus  Grün- 
den, die  schon  früher  in  diesen  Annalen  Bd.  CXII  S.  308, 
and;  auch  in  dieser  Abhandlung  erörtert  worden  sind.  Da- 
her weichen  auch  die  von  Oppenheim  angeführten  Re- 
aoltate  ziemlich  bedeutend  von  der  Wahrheit  ab. 

Man  erhAlt  indessen  genaue  Resultate,  wenn  man  die 
za  untersuchenden  Verbindungen,  auch  wenn  in  ihnen 
.de0  Selen  und  das  Tellur  als  Säuren  vorhanden  sind,  mit 

1)  Jovrn.  für  prakt.  Chemie  Bd.  71.  S.  279. 

9)  lo  oeaster  Zeit  bat  Oppenheim  diese  Methode  in  etwas  modificirt, 
indem  er  die  Verbindnnfen  von  Tellar  mit  Selen  und  auch  mit  Sehwefel 
mit  einer  Ldsang  von  Cyankalium  im  Wasserbade  8  bis  12  Standen 
hindorcb  diferirte,  das  nicht  gelöste  Tellur  abschied,  und  aus  der  filtrirten 
Lösung  das  Selen  durch  ChlorwasserstoffsSure  fällte  (Joum.  für  prakt. 
Chemie  Bd.  81 ,  S.  308).  Hierdurch  konnte  er  die  richtige  Menge  des 
Selens,  aber  nicht  die  des  Tellurs,  erhalten,  weil,  wie  ich  bei  der  Be- 
stimmung des  Tellurs  nachgewiesen  habe,  dasselbe  beim  Erbitten  in 
eioer  CyankaUumlösung  nicbt   unauflöslich   ist   (Po gg.   Ann.  Bd.  112^  i 

ft.  314).  ^ 


622 

der  zehnfachen  Menge  von  Cyankalium  in  einer  AtmospbSre 
Ton  Wasserstoffgas  schmelzt.  Das  Schmelzen  kenn,  wie 
diefs  schon  oben  angeführt  worden  ist,  im  Porcellantiegel, 
besser  aber  in  einem  Kolben  mit  langem  Halse  geschehen. 
Es  versteht  sich,  dafs  man  nur  in  letzterem  Falle  genaue 
Resultate  erhält,  und  dafs,  wenn  das  Schmelzen  im  Porcel- 
lantiegel  auch  im  Wasserstoffgasstrome  geschieht,  die  Re- 
sultate aus  Gründen,  die  früher  ausführlich  erörtert  worden 
sind,  minder  genau  ausfallen  müssen. 

Nachdem  das  Ganze  im  Strome  von  WasserstoffgSM  voll- 
ständig erkaltet  ist,  löst  man  die  geschmolzene  Masse  in 
vielem  Wasser,  wodurch  sich  schon  Tellur  ausscheidet,  and 
leitet  durch  die  Flüssigkeit  einen  langsamen  Strom  von  at- 
mosphärischer Luft.  Nach  12  Stunden  wird  das  abgeschie- 
dene Tellur  abfiltrirt.  Die  abfiltrirte  Flüssigkeit  wird  so 
behandelt,  wie  es  ff  über  gezeigt  worden  ist.  Man  erwärmt 
sie,  um  das  in  ihr  enthaltene  Selenkalium  in  Selencyanka- 
lium  zu  verwandeln,  läfst  erkalten,  und  fällt  mittelst  Chlor- 
wasserstoffsäure  das  Selen. 

Das  Mengen  der  zu  untersuchenden  Verbindungen  mit 
dem  grob  gepulverten  Cyankalium  geschieht  im  Kolben 
durch  Schütteln;  das  Gemenge  bedeckt  man  noch  mit  etwas 
Cyankalium.  Auch  wenn  das  Schmelzen  im  Porcellantiegel 
geschieht,  so  mufs  man  ebenfalls  das  Ganze  im  Tiegel  selbst 
mengen,  und  das  Gemenge  mit  einer  Schicht  von  Cyanka- 
lium bedecken. 

Es  wurden  0,556  Grm.  tellurichte  Säure  (die  0,445  Grm. 
Tellur  enthalten)  und  0,432  Grm.  selenichte  Säure  (in  de- 
nen 0,308  Grm.  Selen  enthalten  sind)  mit  kohlensaurem 
Natron  übersättigt,  und  sodann  im  Porcellantiegel  im  Wos- 
serstoffstrome  mit  der  zehnfachen  Menge  von  Cyankalium 
geschmolzen.  Hr.  Fink  euer  erhielt  nur  0,430  Gnn.  Tel- 
lur, also  nur  96,67  Proc,  und  0,303  Grm,  Selen  oder 
98,38  Proc.  von  den  Mengen,  die  in  den  angewandten  Säu- 
ren enthalten  waren.  Als  indessen  die  vom  Selen  abfiltrirte 
Fiüssigkeit  mit  schweflichter  Säure  behandelt  wurde,  konn- 
ten noch  0,018  Grm.  8eVeu\iÄ\V\^'ft&1t>\ÄX  ^Vi^^^cVvledcn  wer- 


623 

den;  es  wurde  also  fast  die  ganze  Menge  des  Tellurs  und 
des  Seleus  wieder  erhalten.  Es  geht  aber  auch  aus  diesem 
Versuch  hervor,  dafs  das  Tellur  empfindlicher  als  das  Se- 
len gegen  sehr  kleine  iVlengen  von  atmosphärischer  Luft  ist, 
UDd  daher  beim  Schmelzen  im  Porcellautiegel  mit  Cjanka- 
lium  etwas  leichter  oxvdirt  wird  als  das  Selen. 

Wird  das  Schmelzen  mit  Cyaukalium  in  einem  Wasser* 
stof&trome  in  einem  Kolben  mit  langem  Halse  angestellt, 
so  eind  die  Resultate  genauer.  Hr.  Finken  er  erhielt,  als 
er  (1,537  Grm.  tellurichte  Säure  (i),4296  (^rm.  Tellur  ent- 
sprechend) mit  t),82()9  Grm.  selenic  hter  Säure  (0,5848  Grm. 
S^len  enthaltend)  beide  mit  kohlensaurem  Natron  übersät- 
tigt, auf  diese  Weise  schmelzte,  0,4265  Grm.  Tellur  oder 
99,28  Proc.  und  0,5835  Grm.  Selen  oder  99,78  Proc. 

Die  Gegenwart  von  schwefelsauren  Salzen  ist  hierbei 
iron  keinem  Nachtheil,  wenn  dieselben  auch  durchs  Schmel- 
zen mit  Cjankalium  zum  Thcil  in  Rhodankalium  verwan- 
delt werden.  Herr  Fink  euer  schmelzte  0,507  Grm.  tellu- 
richte Säure  (0,4056  Grm.  Tellur  entsprechend),  mit  0,6538 
Gnn.  an  Natron  gebundener  selenichter  Säure  (in  welcher 
0,4653  Grm.  Selen  enthalten  sind)  und  ungefähr  1  Grm« 
schwefelsaures  Kali  mit  Cyankalium  Zusammen.  Er  erhielt 
0,3995  Gnn.  Tellur  (98,5  Proc.)  und  1^462  Grm.  Selen 
(99,29  Proc).  Aus  der  abfiltrirten  Flüssigkeit  wurde 
durch  schweflichte  Säure  noch  eine  geringe  Menge  einer 
Mengung  von  Tellur  und  Selen  gefällt,  die  durch  Schmel- 
zen mit  Cyankalium  in  0,008  Grm.  Tellur  und  in  0,009 
Grm.  Selen  zerlegt  wurde.  Im  Ganzen  wurdeu  also  UK),47 
Proc  Tellur  und  101,22  Proc.  Selen  erhallen.  Wenn  das 
Selen  durchs  Erhitzen  gefällt  wird,  und  sich  zusammenballt, 
so  kann  es  etwas  von  den  Salzen  der  Lösung  einschliefsen« 
Daraus  erklärt  sich  der  Ueberschufs. 

Durchs  Schmelzen  mit  Cjankalium  werden  nicht  nur 
Selen  und  Tellur  am  zweckmäfsigsten  quantitativ  geschie- 
den, sondern  es  giebt  auch  keine  zweckmäfsigere  Methode 
als  diese,  um   den  einen  Körper  vom  andern  voUkommea 


629 

■iH  Schwere]  menj^te,  erhielt  er  0,651  Gnn.  oder  99,24  Proc 
wieder.  Ea  hitle  iodessen  noch  mehr  und  die  f;auze  Menge 
des  Selens  gewonnen  werden  ktinnen,  wenn  man  die  Plfig- 
■igkeil,  die  immer  noch  etwas  bläulich  war,  noch  langer 
bitte  ileheD  lassen.  —  Die  Menge  des  Schwefeis  wurde 
liei  dienern  Versuche  nicht  bcstitninl. 

Nach  der  tweilen  Methode  schmelzt  man  die  Substanz 
mit  der  acht-  bis  zehnfachen  Menge  von  Cyankalium  in 
einein  Kolben  mit  langem  Halse  in  einem  Slrome  ton  Was- 
•erstoffg;»s  auf  die  oft  beschriebene  Weise.  Nnch  dem  Er- 
kalten lOsI  man  die  geschmolzene  Masse  in  Wnsser  auf, 
worin  sie  ▼ollstündig  nuflüslich  ist,  und  bringt  die  Losung 
bb  lum  Kochen  um  alles  darin  enthaltene  Selenkalium  in 
Selencyanhalium  tn  verwandeln,  wobei  auch  das  etwn  vor- 
handene Srfawefelkalium  in  Rhodankaliura  tlbergeführl  wird. 
Darauf  UbcrsSttig;!  man  die  LOsung  nach  dem  voiUlBiidigen 
Erkalten  mit  ChlorwasserstoffsBure  und  läfsl  das  Ganze 
llngere  Zeit  (mehrere  Tage)  bei  gewöhnlicher  Temperatur 
•teheo,  bis  das  Selen  sich  voltstSndig  abgeschieden  hat,  61- 
Uirt  dasselbe,  und  oxydirt  in  der  abtiltrirteo  Fldssigkeit 
nach  UebersältiguDg  mit  Kalih^drat  das  Rhodan  zu  Schwe- 
fdsBure,  welche  Eodann  als  schwefelsaure  Barjterde  be- 
tthnmt  wird. 

Da  die  Abscheidung  des  SeleuB  aas  der  LOsung  des 
Seleocjankaliums  durch  Chlorwassersloffi^Hure  eine  etwas 
lange  Zeit  erfordert,  wenn  sie  bei  gewöhnlicher  Tempera- 
tur bewirkt  wird,  so  kann  man  dieselbe  aufserordenllidi 
durch  Erbitznng  d^r  Lösung  beschleunigen.  Diefs  darf  in- 
dMHD  Dicht  in  offnen  Gefäfsen  geschehen,  da  dann  etwas 
TOD  der  in  der  Lösung  enthaltenen  Rhodanwassersloffsfiore 
flntweit^en  würde,  wodurch  die  nachherige  Schwefelbestlm- 
nrang  ungenau  wird.  Mao  bringt  daher  die  Flüssigkeit  in 
efaitt  Kolben,  und  verbindet  diesen  mit  einem  Kugelappa- 
nt,  welcher  eine  verdünnte  Lösung  von  Kalihjdrat  enthält. 
Mao  flbersXttigt  darauf  die  Lösung  des  Seleocjan  —  und 
d«  Rbodankaliums  mit  Chlorwasserstof&tiiaTe ,  «iWtomX  ük. 
liL  Bi.  CXIII.  ^Kk 


62t 

allmfiblich  bis  tum  gelinden  Kochen,  ond  kört  dUinit  aa( 
wenn  eine  Gasentwicklung  nicht  mehr  tu  bemerken  ist.  Dm 
Selen  scheidet  sich  dadurch  s<igleich  aua.  Nach  dem  Er^ 
kalten  wird  es  filtrirt,  und  in  der  fiUrirten  FIfiasigkeit  to> 
wohl,  als  auch  in  der  Flüssigkeit  des  Kugelapparatea  wird 
das  Rhodan  durch  Chlorgas  zu  Schwefelsäure  oxydirt,  welche 
als  schwefelsaure  Barjterde  bestimmt  wird. 

Auf  diese  Weise  können  sowohl  die  Verbindungen  un- 
tersucht werden,  welche  Selen  und  Schwefel  als  aacb  die, 
welche  die  Säuren  derselben  enthalten.  Die  schwefeiaau- 
ren  Alkalien  werden  durchs  Schmelzen  mit  Cjankaliun 
zum  Theil  zersetzt  und  um  so  mehr,  )e  stärker  die  Hilie 
beim  Schmelzen  ist,  und  je  ISnger  dasselbe  dauert  Ein 
sehr  beträchtlicher  Theil  des  schwefelsauren  Alkalis  bleibt 
gewöhnlich  unzersetzt.  Sollte  in  der  geschmolzenen  Masse 
noch  Schwefelkalium  oder  Schwefelnatrium  enthalten  seyo, 
so  wird  dasselbe  nach  der  Behandlung  mit  Wasser  durch 
den  noch  vorhandenen  Ueberschufs  des  Cjankaliums  bei 
dem  Erhitzen  bis  zum  Kochen  in  Rhodankalium  verwan- 
delt, indem  das  alkalische  Metall  sich  durch  den  Sauer- 
stoff der  Luft  in  Alkali  verwandelt. 

Die  erörterte  Methode  der  Trennung  des  Selens  vom 
Schwefel  giebt  hinsichtlich  des  Selens  genaue  Resultate;  bei 
der  Beatimmung  des  Schwefels,  wenn  derselbe  in  schwefel- 
saure Baryterde  verwandelt  wird,  stöfst  man  auf  Schwierig- 
keiten. Es  ist  bekannt,  dafs  die  schwefelsaure  Baryterde 
sich  oft  mit  kleinen  Antheilen  anderer  Salze  verbindet,  und 
wenn  sie  diese  Eigenschaft  auch  nicht  in  einem  so  hoheo 
Grade  wie  die  selensaure  Baryterde  zeigt,  so  kann  sie  doch 
in  gewissen  Fällen  so  viel  Fremdartiges  aufnehmen,  dafs 
die  Bestnnmung  des  Schwefels  und  der  Schwefelsäure  um 
viele  Procente  zu  hoch  ausfällt.  Es  ist  diefs  besonders  der 
Fall,  wenn  die  Flüssigkeit,  aus  welcher  man  die  Schwefel- 
säure fällt,  bedeutende  Mengen  von  alkalischen  Salzeo 
enthält. 

Hr.  Fink  euer  oxydirte  0,916  Grm.  Selen   durch  Sal- 
petersäure,  sälligle   die  Lös\\ii%  diwiAi  ^^VvV^^drat^  mengte 


887 

•Mi  mit  1,8626  Gm.  schwefelsaurem  Kali,  dampfte  im  Kal- 
bes bis  zur  TrockDifis  ab,  und  schmelzte  mit  Cjankaüum 
iD  eioem  Kolben  mit  langem  Halse  in  einem  Strome  von 
Wisserstoffgas.  Nach  Behandlung  der  geschmolzenen  Masse 
auf  die  oben  erwihnte  Weise  erhielt  er  0,929  Grm.  Selen. 
Es  ist  schon  oben  bemerkt  worden,  dafs  wenn  das  Selen 
durchs  Erhitzen  geftUt  wird  und  sich  zusammenballt,  es 
etwas  von  Salzen  der  Lösung  einschlieCsen  kann.  Das  Se- 
len wurde  daher  nochmals  in  Salpetersäure  gelöst,  und  nach 
Znsatz  von  ChlorwasserstoffsXure  wiederum  durch  schwef- 
Kchte  Siure  gefällt.  Es  wurden  nun  0,912  Grm.  Selen, 
oder  99,57  Proc  des  angewandten  Selens  erhalten. 

Aus  der  vom  Selen  abfiltrirten  Flüssigkeit  wurde  nach 
Zoeetzen  von  Kalihjdrat,  Behandeln  mit  Chlorgas  und  lieber- 
•itligen  mit  Cblorwasserstoffsäure  durch  Cblorbarjum  die 
schwefelsaure  Barjterde  gefüllt.  Es  wurde  sehr  viel  Sorg- 
falt auf  das  vollständige  Auswaschen  derselben  verwandt, 
aber  dennoch  ein  bedeutender  Ueberscbufs  erhalten.  Hr. 
Fink  euer  erhielt  2,720  Grm.  davon  und  noch  t»,068  Grm. 
MM  der  Flüssigkeit  der  Vorlage,  während  die  Menge  des 
angewandten  schwefelsauren  Kalis  nur  2,4906  Grm.  schwe- 
felsaurer Barjrterde  entspricht.  Es  ist  also  ein  Ueberschuls 
▼on  11,94  Proc  erbalten  worden. 

Um  zu.  erfahren,  was  für  Salze  mit  der  schwefelsauren 
Baryterde  bei  dieser  Untersuchung  gefällt  wurden,  behan- 
delte Hr.  Fi n kener  0,8625  Grm.  schwefelsaures  Kali  mit 
der  achtfachen  Menge  von  Cjankalium  im  Kolben  mit  lan- 
gem Halse  in  einer  Atmosphäre  von  Wasserstoffgas.  Das 
angewandte  Cj^ankalium  war  von  besonderer  Reinheit,  und 
durch  Einleiten  von  Cjanwasserstoffgas  in  eine  Kalihjrdrat- 
lösung  bereite!  vvorden.  Alle  augewandten  Materialien 
waren  frei  von  einem  Gehalt  an  Schwefel  befunden  wor- 
den. Nachdem  die  geschmolzene  Masse  auf  die  beschrie- 
bene Weise  mit  Kalihydrat  und  Cblo^gas  in  der  Siedhitze 
behaudelt  worden  war,  wurden  1,2180  Grm.  schwefelsaure 
Baryterde  erhalten.  Dieselbe  war  zuerslioW.^^^  N«^^Vi»Är 
ter  CblorwasaentoUsäuie   und  daraul  &o  \äu^^  vdaV  \i«ä»k«b^ 

4Ö* 


628 

Wasser  ausgewaschen  worden,  bis  im  Waschwasser  keine 
Chlorwasserstoffsaure  und  keine  Barjterde  mehr  zu  entdek- 
ken  war,  worauf  sie  nach  dem  Trocknen  bis  cur  Rothglflh- 
hitzc  erhitzt  wurde.  Das  angewandte  schwefelsaure  Kali 
entspricht  nur  1,1532  6rm.  schwefelsaurer  Baryterde;  es 
sind  also  105,62  Proc.  erhalten  worden.  Die  schwefebaare 
Barjterde  wurde  mit  Wasser  ausgewaschen,  das  geringe 
Mengen  von  Chlorbarjum  und  Chlorkalium  auszog.  Nach 
dem  Glühen  wog  sie  1,2050  Grm.  (104,49  Proc).  Sie 
wurde  darauf  der  Weifsgltihhilze  ausgesetzt,  wodurch  sich 
das  Gewicht  um  etwas  verminderte;  sie.  wog  nun  1,210 
Grm.  (  101,14  Proc).  Die  schwefelsaure  Barjterde  wurde 
darauf  mit  sehr  verdünnter  Chlorwasserstoffsäure  und  so- 
dann mit  kochendem  Wasser  ausgewaschen,  wodurch  wie- 
derum Chlorbaryum  gelöst  wurde;  sie  wog  nun  1,1890  Grm. 
(103,10  Proc) 

Nun  wurde  diese  Menge  der  schwefelsauren  Baryterde 
mit  der  vierfachen  Menge  von  kohlensaurem  Kali  geschmol- 
zen, die  geschmolzene  Masse  mit  Wasser  behandelt,  und 
aus  der  von  der  kohlensauren  Bnryterde  abfiltrirten  und 
stark  verdünnten  Flüssigkeit  die  Schwefelsäure  durch  Chlor- 
baryum gefällt.  Es  wurden  1,1910  Grm.  schwefelsaure 
Barylerde  ( 103,27  Proc )  erhalten.  Diese  mit  verdünnter 
Chlorwasserstoffsäure  behandelt  wogen  nach  sorgfältigem 
Auswaschen  1,1720  Grm.  (101,63  Proc).  Die  abfiltrirte  Flüs- 
sigkeit blieb  bei  einem  Zusatz  von  Schwefelsäure  klar:  ab- 
gedampft hinterliefs  sie  einen  Rückstand  von  0,0172  Grm. 
schwefelsaurem  Kali,  die  0,0147  Grm.  Chlorkalium  ent- 
sprechen, welche  in  der  schwefelsauren  Baryterde  enthal- 
ten waren. 

Die  Untersuchung  wurde  nicht  weiter  fortgesetzt.  Sie 
zeigt  aber,  mit  welcher  Schwierigkeit  oft  die  schwefelsaure 
Barylerde  von  anderen  Salzen  zu  befreien  ist.  Man  hat 
vorzüglich  nur  die  Verunreinigung  derselben  mit  salpeter- 
saurer Baryterde  berücksichtigt;  wir  sehen  aber,  dafs  auch 
alkalische  Salze  mit  eiwer  uicht  unbedeutenden  Verwandt- 
schaft in  der  schwe£eUauteuftÄt^VetÄL^TAw^ÖK^5^^V\Ä.\i  wer- 


629 

fkn.  Gewib  Dar  darcb  FttlluDg  der  Baryterde  TemiitteUt 
eines  Ueberscbusses  von  Schwefelsäure  kann  man  die  schwe- 
felsaure Baryterde  vollkommen  rein  erhalten,  und  daher 
nit  bei  weitem  gröfserer  Genauigkeit  die  Baryterde  durch 
Scbwefekiure,  als  die  Schwefelsäure  durch  Baryterde  be- 
stimmen. 

Man  kann  auf  eine  ähnliche  Weise  wie  das  Tellur  auch 
das  Selen  vom  Schwefel  durchs  Schmelzen  mit  kohlensau- 
rem Alkali  in  einem  Strome  von  Wasserstoffgas  trennen. 
Man  verfährt  dabei  ganz  so,  wie  es  früher  erörtert  worden 
isi  ')•  ^^^  Zusatz  von  Chlorkalium  und  Chlornatrium  darf 
amdi  bei  dieser  Trennung  nicht  weggelassen  werden.  Man 
erhält  etWas  bessere  Resultate  als  beim  Tellur.  Das  Selen 
ist  beim  Schmelzen  mit  kohlensaureüi  Alkali  nicht  so  em- 
pfindlieh gegen  einen  kleinen  Zutritt  der  atmosphärischen 
Luft  oder  das  selenichtsaure  Alkali  wird  leichter  und  voll- 
ständiger diu-ch  das  Wasserstoffgas  reducirt,  als  das  tellu- 
ricbtsaure  Alkali. 

Die  geschmolzene  Masse  von  röthlich  brauner  Farbe 
wird  mit  Wasser  behandelt.  Sie  löst  sich  in  demselben  zu 
einer  hellrothbraunen  Flüi^sigkeit  auf^  welche  indessen  durchs 
Durchleiten  von  atmosphärischer  Luft  immer  dunkler  wird. 
Es  löst  sich  zuerst  einfach  Selenkalium  auf,  welches  durch 
tbeilweise  Oxydation  des  Kaliums  durch  die  atmosphärische 
Luft  erst  in  höchstes  Selenkalium  übergeht,  und  endlich 
das  Selen  fallen  läfst,  wenn  alles  Kalium  oxydirt  worden 
ist  Wenn  man  mehrere  Stunden  atmosphärische  Luft  hin- 
dnrcbgeleitet  hat,  ist  alles  Selen  gefällt.  Eis  setzt  sich  gut 
ab,  und  läfst  sich  gut  filtriren.  Es  ist  anzurathen,  nicht 
früher  als  12  bis  18  Stunden  nach  Auflösung  der  geschmol- 
senen  Masse  das  Filtriren  anzufangen. 

Durch  die  abfiltrirte  Lösung  leitet  man  Chlorgas,  wäh- 
rend man  sie  erwärmt.  Der  Schwefel  wird  zu  Schwefel- 
säure oxydirty  und  als  schwefelsaure  Baryterde  bestimmt. 
Wenn  aber  das  Selen  vorher  nicht  vollständig  ausgeschie- 
den worden  oder  der  Reduction  ent^n^eu  yi^\  >  %^  ^\i4. 

O  Pogg.  Ana.  Bd.  11%  S.  314. 


4SI 

r 


M.    wiv^vtii.aajiivw\   t     lu     viii«.(ii 


seistüffslioinc  zusamnionsrliinelzle.  0,4295  (tFiti.  Selen 
fiber  noch  0,(^^-'^  (tiiii.  lV)r(*ellanscherben  enlhieltcn,  w 
nach  der  I^ösun^  des  Selens  in  Salpetersäure  ungelöi 
rtickbliebcn,  also  uur  0,3845  Grm.  Selen.  In  der 
wandten  selenicbten  Säure  sind  0,405  Grm.  Selen  e 
teu;  es  wurden  also  nur  94,94  Proc  von  dem  Sele 
halten,  das  in  der  angewandten  selenicbten  Sfture  ei 
ten  war. 

Als  darauf  in  der  vom  Selen  abfillrirten  Flüssigkei 
Schwefel  durch  Chlorgas  oxydirt,  und  die  Schwefelsiu 
schwefelsaure  Barjterde  gefttllt  wurde,  wurden  1,674 
davon  erhalten.  Die  angewandte  Menge  von  schwef 
rem  Kali  enthSlt  0,216  Grm.  Schwefel;  die  erhaltene  • 
feisaure  Baryterde  aber  0,230  Grm.  Es  sind  also  6,56 
von  letzterem  zu  viel  erhalten  worden.  Beim  Glühe 
schwefelsauren  Baryterde  zeigte  sich  ein  schwacher  I 
und  die  innere  Seite  des  Tiegeldeckels  war  schwarz 
laufen.  Es  hatte  rieh  mit  der  schwefelsauren  Baryter 
was  selensaure  Baryterde  gefillt.  Es  wird  weiter 
angegeben  werden,  wie  beide  von  einander  getrennt 
den  können. 

Die  gewöhnliche  Trennung  des  Schwefels  vom  Sei 


«st 

laryterde  frei  tob  einer  Eiomenguiig  vcm  seleDicbteaurer 
brjterde  lo  erhalten. 

Man  hat  auch  vorgeschlagen  die  Trennung  des  Selens 
MD  Schwefel  auf  die  Weise  zn  bewirken,  dais  man  die 
^•rbindfiDg  mit  einer  Mengung  von  saipetersaurem  und 
ohlensaurem  Alkali  schmelzt,  die  geschmolzene  Masse,  die 
Awefelsaures  und  selensaures  Alkali  enthält,  in  Wasser 
tot,  die  L(toung  mit  Salpetersäure  übersättigt,  und  durch 
in  Baryterdesalz  ein  Gemenge  Von  schwefelsaurer  und  se- 
insaurer Barjterde  fällt.  Dasselbe  wird  nach  Berzelius 
orschlag  in  einer  Kugelröhre  in  einer  Atmosphäre  von 
^asserstoffgas  erhitzt.  Die  selensanre  Beryterde  reducirt 
ch  dadurch  zu  Selenbarjum  mit  solcher  Heftigkeit,  dafs 
oe  Fenererscheinong  dabei  bemerkt  wird;  die  schwe- 
lsaure Baiyterde  bleibt  unverändert.  Auch  das  äu- 
ere  Ansehen  der  Masse  ändert  sich  dabei  nicht.  Wenn 
nn  Wasser  mehr  gebildet  wird,  hört  man  mit  dem  Ejt- 
tzen  auf.  Man  behandelt  darauf  die  Masse  mit  verdünn- 
r  Chlorwasserstoffsäure ;  diese  löst  das  Seleubaryum  unter 
ntwicklung  von  Seleuwasserstoffgas  auf,  während  die  seh we- 
kaore  Barjterde  ungelöst  zurückbleibt.  Gewöhnlich  wird 
e  Flüssigkeit  durch  die  in  der  Chlorwasserstoffsäure  ent- 
iltene  Luft,-  welche  Selen  wasserstoffgas  zersetzt,  blasrotb, 
in  welcher  Farbe  die  schwefelsaure  Baryterde  jedoch 
jckl  durch  Digestion  mit  Königswasser,  oder  einfacher 
irehs  Glühen  befreit  werden  kann. 

DaÜB  diese  Methode  keine  genaue  Resultate  geben  kann, 
ikt  aoe  dem  hervor,  was  früher  über  die  Fällung  der  se- 
Dsaarea  Baryterde  mitgetheilt  worden  ist.  Auch  findet 
an  das  Selen  nach  dieser  Methode  nur  aus  dem  Verlust 

Es  ergiebt  sich  aus  den  angeführten  Versuchen,  dafs 
e  zweckmäfsigste  Trennung  des  Selens  vom  Schwefel  die 
mniltelsfe  einer  Lösung  von  Cyankalium  ist  Ozydirte 
erbiadongen  werden  am  besten  durchs  Schmelzen  mit  Cyan- 
ÜMUm  im  Waaserstoffigasstrome  zerlegt 
.  Darch  Cyankalium  können  nicht  nur  Selen  und  Schwe- 


632 


M  am  xweckmäÜBigsteo  von  einander  qnantitatiT  geacbieden 
werden,  sondern  es  kann  auch  das  Selen  auf  keine  Weise 
besser  von  kleinen  Mengen  von  Schwefel  gereinigt  werden, 
als  durch  Cyankalium.  Auch  wenn  man  schnell  nntersn- 
chen  will,  ob  ein  Schwefel  selenhaltig  ist,  ist  es  am  xweck- 
mftfsigstcn,  denselben  im  fein  gepulverten  Zustande  mit  ei- 
ner Lösung  von  Cjankalium  zu  kochen.  In  der  abfiltrir- 
ten  Flüssigkeit  findet  man  nach  Uebersättigong  mit  Chlor- 
wasserstoffstture  sehr  kleine  Mengen  von  Selen  durch  eine 
röthliche  Trübung. 

TreDoung  des  Selens  vom  Schwefel  und  von  Tellv. 

Die  beste  Methode  der  Trennung  ist  folgende:  Man 
schmelzt  die  Verbindung  mit  der  acht-  bis  zehnfachen  Menge 
von  Cjankalium  in  einem  Kolben  mit  langem  Halse  im 
Wasserstoffgasstrome.  Aus  der  Lösuug  der  geschmolzenen 
Masse  wird  das  Tellur  durch  atmosphärische  Luft  abge- 
schieden. Aus  der  abfiltrirten  Flüssigkeit,  in  welcher  durchs 
Kochen  alles  Seleukalium  in  Selencjrankalium  verwandelt 
worden  ist,  wird  nach  dem  Erkalten  durch  Uebersältigung 
mit  ChlorwasserstoffsHure  das  Selen  gefällt.  Man  läfst  das 
Ganze  entweder  mehrere  Tage  hindurch  bei  gewöhnlicher 
Temperatur  stehen,  oder  bringt,  wenn  man  die  völlige  Ab- 
scheidung des  Selens  beschleunigen  will,  das  Ganze  in  ei- 
nen Kolben,  den  man  wie  oben  angeführt  worden  mit  ei- 
nem Kugelapparat  verbindet,  in  welchem  eine  Kalihjdrat- 
lösuDg  enthalten  ist,  und  kocht.  In  der  vom  Selen  abfil- 
trirten Flüssigkeit  oxjdirt  man  nach  Uebersättiguiig  mit 
Kalihydrat  den  Schwefel  durch  Chlorgas  zu  SchwefelsAure, 
welche  man  als  schwefelsaure  Barjrterde  bestimmt. 

Die  oxydirten  Verbindungen  dieser  Stoffe  werden-  auf 
dieselbe  Weise  behandelt. 

Man   kann   die  Trennung   des  Tellurs,   des  Selens  und 

des  Schwefels  auch    auf  die  Weise   bewirken,    dafs    man 

die  Verbindung  mit  kohlensaurem  Alkali  in  einer  Atmosphäre 

von  Wasserstoffgas  schmelzt,   aus  der  mit  Wasser  behau- 

delten  Masse  das  TeWuT  uw^l  d^^^  ^f\^\i  ^\k\d\  «Unosphäri- 


633 

•ebt  Luft  Eftllt  and  sodaon  nach  Oijdation  vermittebl 
Chlorgai  die  Sdiwefelsäare  ab  acbwefekaure  Barjrterde 
niederacblttgt.  Selen  und  Tellur  mttssen  dann  ▼ennittelit 
Schmeixena  mit  Cyankaiinm  von  einander  geschieden  wer- 
den. Es  iai  indessen  schon  oben  bei  der  Trennung  des 
Tellurs  ▼om  Schwefel'},  so  wie  auch  bei  der  Trennung 
des  Selens  vom  Schwefel  bemerkt,  dafs  man  auf  diese  Weise 
nicht  genaue  Resultate  erhilt.  Als  Hr.  Finken  er  0,7125 
Gm.  tellurichte  Store,  (die  0,570  Grm.  Tellur  enthalten) 
0,7335  Grm.  stienichte  Sfture  an  Natron  gebunden  (0,532 
Gm.  Selen  entsprechend)  mit  schwefelsaurem  Kali  und  mit 
kohlensaurem  Kali  xusammenschmelzte,  erhielt  er  aus  der 
mil  Wasser  behandelten  Masse  (K943  Grm.  einer  Mengong 
aas  Tellur  uod  Selen,  (also  nur  86,36  Proc  von  der  ange- 
wandten Menge)  welche  durchs  Schmelzen  mit  Cjankalium 
in  0;468  Gm.  Tellur  und  0,480  Grm.  Selen  zerlegt  wor- 
den. Die  Schwefelsäure  des  angewandten  schwefelsauren 
Rali's  wurde  nicht  bestimmt.  Als  zu  der  Flüssigkeit,  wel- 
che von  der  Mengung  des  Selens  und  des  Tellurs  abfiltrirt 
wurden  ChlorwasserstofiEsttore  und  schweflichte  Sfiure  hinzu- 
gefugt  wurde,  entstand  nach  dem  Erwflniien  noch  ein  bat 
sdiwarzer  Niederschlag  von  selenhaltigem  Tellur. 

TreoDOiig  des  Seleas  tod  des  Metallen. 

Es  gelingt  nicht,  wenigstens  nicht  Tollständig,  diejenigen 
Metalle  oder  Oxjde,  deren  Schwefelmetalle  in  alkalischen 
Schwefelmetallen  unlöslich  sind,  in  ihren  Lösungen  dareh 
Schwefelammonium  von  der  selenichten  Säure  zu  trennen, 
nachdem  man  dieselben  mit  Ammoniak  gesättigt  hat,  woraof 
auch  Wohlwill  aufmerksam  gemacht  hat^);  obgleich  das 
reine  Schwefeleelen  in  einem  Ueberschufs  von  Schwefri- 
ammonium  leicht  löslich  ist.  Fügt  man  Schwefelammiraium 
Mi  einer  Lösung  von  aelenichter  Säure,  so  fällt  zuerst  ro- 
thea  Selen,  ond^  das  Schwefelammonium  wird  höher  ge- 
schwefelt; setzt  man  dier  darauf  mehr  Schwefel  ammonium 

1)  Pogg.  Aoa/ltd  119,  S.« 
aj  Ani».  a^r  CH€m.  vmi  Pharm.  Bd.  114^  S.  \14. 


639 

deo,  und  dafs  zwischen  Scbwefelmetallen  und  Selenmetallea 
eine  nicht  geringe  Verwandtschaft  besteht. 

Nur  wenn   Metalloxjde  an  Selensäure  gebunden  sind^ 
so  könnten  sie  wohl  durch  Schwefeiammonium  von  der  Se 
lensäure  getrennt  werden,  da  diese  durch  Schwefelammo- 
nium nicht  Terftndert  wird;  jedoch  hierüber  sind  noch  keine 
Untersuchungeu  angestellt  worden. 

Die  Verbindungen  des  Selens  mit  Metallen  können  in 
den  meisten  F&Uen  am  zweckmäfsigsten  durch  Erhitzen  in 
Ghlorgas  untersucht  werden.  E^  wird  dann  das  flüchtige 
Chlorselen  von  den  nicht  flüchtigen  Chlormetalleu  abdestiU 
lirt.  Das  Cbiorselen  verflüchtigt  sich,  je  nach  dem  Zustrom 
men  des  Chlorgases  als  Seleuchlorür,  das  eine  ponuneran- 
zengelbe  ölige  Flüssigkeit  bildet,  oder  als  Selenchlorid.  ^- 
Die  meisten  Selenmetalle  werden  durch  Chlorgas  bei  wei- 
tem leichter  zersetzt,  als  die  einfachen  Schwefelmetalle, 
Arsenik  —  und  Antimonmetalle,  so  dais  diese  Zersetzungs- 
weise sehr  empfohlen  werden  kann. 

Aus  sauren  Lösungen  von  selenichtsauren  Metalloxydeo, 
•reiche  durch  Schwefelwasserstoffgas  nicht  gefallt  werden, 
kann  die  selenicbte  Stare  von  denselben  durch  dieses  Rea- 
gens getrennt  und  ab  Schwefelselen  gefällt  werden.  Von 
andern  Metalloijden  kann  aus  den  Lösungen  in  Chlorwas- 
serstoffsäure  das  Seien  durch  schweflichte  Säure  getrennt 
werden. 

Die  Verbindangen  des  Selens  mit  Metallen  verhalten 
sich  in  mancher  Hinsicht  verschieden  von  denen  des  Schwe- 
fels und  des  Tellurs  mit  denselben,  aber  fast  immer  zeigen 
die  Selenverbindungen  die  mittleren  Eigenschaften  der*  an- 
deren beiden  Verbindungen,  gerade  so  wie  diefs  bei  den 
Bromverbindungen  wenn  diese  mit  Chlor-,  und  lodver- 
binduogen  verglichen  werden,  der  Fall  ist.  Ich  will  hier 
nur  als  Beispiel  das  verschiedene  Verhallen  der  Verbin- 
dungen des  Silbers  mit  Tellur,  mit  Selen  und  mit  Schwefel 
gegen  Wasserstofijgas  erwähnen.  Das  Teliursilber  wird 
durch  Wasseraloffgas  bei  BothglübhiCze  f^v  u\cb\.  «^\\%^iu^^- 
Sea^  uod  semem  Gewichte  nadi  vetIku&eiX«  —  \^^%  ^^^6^- 


636 

Silber  wird  bei  Rotbgifihbitxe  Dar  tbeilweise  zersetzt;    es 
entweicht  dabei  Selen   aber  auch  Selenwasserstof^as,   ond 
nach  einem  Glühen   von   drei  Stunden  war  in  dem  rflck- 
ständigen  Silber  noch  viel  Selen  enihniten.  Ebenso  verhielt 
sicn  selenichtsaures  Silberoiyd.     Als  dasselbe  drei  Stunden 
hindurch    bei  Rothglflhhitze    mit  WasserstofFgas  bebandelt 
worden  war,  hinterliefsen  1,365  Grm.  desselben,  die  0,859 
Grm.  metallisches  iSilber  enthalten,   einen  Rflckstand   von 
1,088  Grm.,  der  also  noch  0,229  Grm.  Selen  enthielt.  — 
Das  Schwefelsilber    hingegen    wird  sehr   leicht   bei  Roth 
glühhitze  durch  Wasserstoffgas  zu  metallischem  Silber  re 
ducirl;  eben  so  auch  das  schwefelsaure  Silberoxyd.     1,216 
Grm.  desselben,  die  0,843  Grm.  metallisches  Silber  enthal- 
ten, hinterliefsen  nach  kurzer  Behandlung  0,842  Grm.  Silber. 
Es  wäre  widersinnig,  diesen  Erfolg,  der  nicht  vorauszu- 
sehen war,  durch  die  geringere  Verwandtschaft  des  Silbers 
zum  Schwefel  als  zum  Selen  und  zum  Tellur  zu  erkiftren, 
denn  die  stärkere  elektrouegative  Natur  des  Schwefels  als 
die  des  Selens  und  des  Tellurs  kann  nicht  bezweifelt  wer- 
den.    Die  stärkere  Verwandtschaft   des  Schwefels   als   die 
des  Selens  zum  Silber  ergiebt  sich  schon  daraus,  dafs  Sil- 
berblech  im  Schwefelgas  mit   weit   stärkerer  Feuererschei- 
nung sich  zu  Schwefelsilber  verbindet  als  in  Selengas  zu 
Selensilber,    in    welchem  Falle    die    Feuererscheinung    oft 
nur  mit   Mühe  zu   bemerken   ist.      Der   Erfolg   wird   aber 
durch  die  gröfsere  Verwandtschaft  des  Schwefels  zum  Was- 
serstoff,   als   sie   Selen   und   Tellur  zu   demselben   zeigen, 
bedingt. 

TreoDUog  der  Sftureo  des  Selens  vod  starken  Basen. 

Die  leichteste  Bestimmung  der  Alkalien  und  der  alkali- 
schen Erden  in  ihren  Verbindungen  mit  den  Säuren  des 
Selens  ist  die  vermittelst  Chlorammoniums.  Man  mengt  die 
Verbindungen  mit  der  fünffachen  Menge  von  Chlorammo- 
nium und  erhitzt  das  Gemenge  im  Porcellantiegel.  Schon 
durch  einmalige  Behandlung  ist  alles  Selen  verflüchtigt  wor- 
den, 60  dafs  man  aus  dem  <i«iV\ÄiV  i^tÄ  T^dk^tejJa^^ 


637 

meUUs  die  Menge  der  Bese  bestimmen  kann.  Der  Sieber- 
beit  wegen  unterwirft  mau  den  Rückstand  einer  zweiten 
Behandlung  mit  Chlorammonium,  0,848  Grm.  selensaure  Ba- 
rylarde  verwandelten  sich  auf  diese  Weise  in  0,640  Gm. 
Chlorbarjum.  Jene  enthalten  0,464  Grm.  Baryterde,  die- 
ser entsprechen  0,471  Grm.  Baryterde.  Die  nicht  yöllige 
Uebereinstimmung  rührt  von  der  nicht  völligen  Reinheit  der 
angewandten  selensauren  Baryterde  her. 

Auf  dieselbe  Weise  vermitteist  des  Chlorammoniums 
können  auch  starke  Basen  in  ihren  Verbindungen  mit  den 
SAuren  des  Tellurs  bestimmt  wctden.  Schon  durch  einma- 
liges Erhitzen  mit  Chlorammonium  ist  gewöhnlich  alles  Tel- 
lur: aus  der  Verbindung  verjagt  worden. 

BesUBMaag  der  Seleasftare  io  nnlSsUchea  Verbiodaogea. 

In  unlöslichen  selensauren  Verbindungen  ist  die  Bestim- 
mung der  Selensäore  insofern  mit  einiger  Schwierigkeit  ver- 
knüpft, als  in  denselben  die  Selensäure  durch  Chlorwasser- 
aloffsiure  nicht  leicht  in  selenicbte  Sfiure  verwandelt  wer- 
den kann,  aus  welcher  das  Selen  mit  groCser  Genauigkeit 
darch  schweflichte  Sfture  zu  reduciren  ist.  Diefs  ist  na- 
»mtlich  bei  der  selensauren  Baryterde  der  Fall.  Durch 
bnges  und  anhaltendes  Kochen  mit  Chlorwasserstoffsfiure 
wird  dieselbe  so  langsam  zersetzt,  dafs  man  nicht  deutlich 
das  Chlor,  welches  dabei  frei  wird,  durch  den  Geruch  be- 
merken kanUf  sondern  nur  durch  Blauwerden  eines  Papiers, 
daa  mit  Stirkmehl  und  lodkaliumlösung  gel  rankt  ist. 

Die  selensaure  Baryterde  kann  indessen,  wie  ich  die(s 
achon  früher  gezeigt  habe*),  durch  eine  Lösung  von  kohlen- 
saurem Alkali  schon  bei  gewöhnlicher  Temperatur  vollstän- 
dig zersetzt  werden.  In  der  Lösung  des  gebildeten  selen- 
aauren  Alkalis  kann  dann  die  Verwandlung  der  Selensäure 
im-  aelenichte  Säure  durch  ChlorwasserstoffBtture  erfolgen. 

'    Zweifach  kohlensaures  Alkali  greift  die  selensaure  Ba- 
lyterde  nur  wenig  an. 

Es  gelingt  indessen   nicht  durch  Behandluii%  mV  «vob«( 

I)  Pogg.  Aam.  Bd.  95,  S.  432. 


SS8 

Lösung  von  kohleosaarem  Alkali  bei  gvwdbnliciber  Te»- 
peratur  die  selensaure  Baryterde  von  der  schwefebauren 
Barjterde  zu  trennen,  welche  ietstere  bekanntlich  dvrch 
eine  Liösung  von  kohleusaureai  Alkali  bei  gewöhnlicher  Tem- 
peratur nicht  zersetzt  wird.  Es  wurden  um  diefs  zu  ver- 
suchen 0,813  Gnn.  Selen  und  0,6025  Grm.  Schwefel  mit 
einer  verdQnnten  Lösung  von  Kalihydrat  Obergossen,  und 
durch  die  erwärmte  Flüssigkeit  so  lange  Chlorgas  gelei- 
tet, bis  alles  aufgelöst  war.  Sie  wurde  mit  Chlorbaiyum 
gefällt,  nachdem  sie  durch  Chlorwasserstoffsäure  sauer  ge- 
macht worden  war.  Na6hdem  der  Niederschlag  sich  ge- 
setzt hatte,  wurde  noch  Alkohol,  ein  Sechstel  vom  Vo- 
lumen des  Ganzen,  hinzugefügt,  wodurch  eine  neue  Trfi- 
bung  entstand.  Der  Niederschlag  wurde  so  lange  ausge- 
waschen, bis  in  der  filtrirten  FlQssigkeit  Chlor  nicht  mehr 
zu  entdecken  war.  Getrocknet  und  geglüht  wog  er  7,454 
Grm.  Er  wurde  ausgewaschen  und  wiederum  geglüht;  er 
wog  nun  7,357  Grm.  Im  Waschwasser  fand  sich  etwas 
Chlorbaryum.  Es  stimmt  diese  Menge  ziemlich  mit  der 
berechneten  Menge  der  Baryt  erdesalze  und  ist  nur  um  ein 
Weniges  zu  hoch.  Ware  alles  Selen  und  aller  Schwefel 
als  selensaure  und  schwefelsaure  ßaryterde  gefällt  worden, 
so  hätten  2,8HI5  Gnn.  selensaure  und  4,3870  Grm.  schwe- 
felsaure Baryterde,  also  zusammen  7,2685  Grm.  erhalten 
werden  nüisFen. 

Das  Gemenge  wurde  zuer8t  mit  einer  Lösung  von  zwei- 
fach kohlensaurem  Kali  bei  gewöhnlicher  Temperatur  lange 
und  unter  öfterem  Umi  (ihren  behandelt.  Es  wurde  dadurch 
nur  sehr  wenig  angegriffen,  denn  die  filtrirte  Flüssigkeit 
enthielt  nur  sfhr  wenig  ^elensHure.  Durch  eine  Lösung 
von  einfach -kohlensaurem  Kali  hingegen  wurde  es  bedeu- 
tender zersetzt.  Nach  langer  Behandlung  wurde  filtrirt, 
und  das  ausgewaschene  Ungelöste  mit  verdünnter  Chlor- 
w^sserstoffsSure  behandelt  und  gewogen.  Da  dieser  aus- 
gewaschene Rückstand  noch  ein  viel  zu  bedeutendes  Ge- 
fficht  (6,569  Grm.)  zeigte,  wurde  die  Behandlung  mit  einer 


LteODg  voD  eiDfacb  -  kdbleiiMareni  Kali  wiederboh.  Es 
wurdtn  darauf  alle  Flüasigkeittii,  die  Seleoaäure  anthielteii, 
vereinigt  und  durch  Chlorbaryum  mit  einem  ZuaaUe  von 
Alkohol  aeleoeaure  Baryterde  gefällt.  Diese  wog  nur 
1»350  Gnn.,  wibreud  2,8815  Gm.  davon  bitten  erbalten 
vrerden  aollen.  Man  ersieht  hieraus,  dafs  es  nicht  mög- 
lich ist,  die  selensaore  Barjterde  von  der  schwefelsauren 
Barjterde  durch  Behandinng  mit  kohlensaurem  Kali  xu 
trennen. 


V.     Veber  das  Normal -Aräometer; 
pon  C.  H.  von  Baurnhauer  in  Amsierdeun* 


MJk  einer  Zeit,  in  der  auch  auberhalb  der  Wissenschaft 
der  Wunsch  sich  Geltung  xu  verschaffen  anfängt,  was 
Maalie,  Mfinzen  und  Gewichte  betrifft,  Einheit  in  den  ver- 
schiedenen Ländern  xu  erxielen,  indem  das  Unangenehme 
des  Mangels  dieser  Einheit  sich  in  dem  Maafse  stärker  fühl- 
bar macht,  als  die  Erleichterung  des  Verkehrs  die  Be- 
wohner verschiedener  Länder  immer  mehr  zu  einer  gro- 
fisto  Nation  vereinigt,  ist  es  die  Pflicht  der  Wissenschaft, 
nicht  allein  auf  diesem  Wege  voranzugehen,  sondern  auch 
die  Eegierungeu  und  alle,  welche  zur  Verwirklichung  des 
gewünschten  Zweckes  beitragen  können,  über  die  wahren 
Grundlagen  aufzuklären,  welche  bei  der  Bestimmung  dieser, 
wie  wir  hoffen,  bald  allgemein  geltenden  Maafse,  Münzen 
und  Gewichte  ins  Auge  gefafst  werden  müssen. 

Es  ist  hier  meine  Absicht  nicht,  mich  über  die  Vorlheile 
auszulassen,  welche  die  Annahme  des  Meters  als  Einheit 
aller  Maafse,  die  des  Kilogramms  als  Einheit  der  Gewichte 
sowohl  als  auch  der  Münzen  mit  sich  (ühfei\^  ^Q\\4^\\i  \sä^ 


640 

wfinsche  nur  die  Aofmerksainkeil  auf  eio  allgemein  ge* 
brauchtes  Werkzeug  xu  richteu,  weichet  zur  Bettimmung 
des  VerhttUnisses  zwischeu  Maafs  und  Gewicht  oder,  anders 
gesagt,  zur  Bestimmung  des  specifi^cbeu  Gewichts  oder  der 
Dichtigkeit  von  Flüssigkeiten  dient,  nttiiilich  auf  das  Aräo- 
meter. Wie  bekannt  giebt  es  nur  zwei  Alten  von  Ario- 
metern,  die  mit  conslantem  Gewicht  oder  die  VolumenarAo 
meter  und  die  von  conslantem  Volumen  oder  die  Gewicbts- 
aräometer.  Das  letztere,  dessen  Behandlung  keine  Erleich- 
terung  vor  der  Waage  voraus  hat,  die  es  ersetzen  soll,  ist 
deshalb  nicht  allgemein  in  Gebrauch  gekommen  und  be- 
darf hier  also  nicht  besprochen  zu  werden.  Das  Volumen- 
aräometer  hingegen,  das,  wo  nicht  die  höchste  Genauigkeit 
erfordert  wird,  die  Waage  mit  dem  gröfsten  Vortheil  er- 
setzt, so  dafs  die  umständlichen  Operationen  bei  der  Dich- 
tigkeitsbestimmung von  Flüssigkeiten  mit  der  Waage,  auf 
eine  einfache  Ablesung  an  einer  Scale  reducirt  werden, 
ist  ein  in  dem  Gemeinwesen  unentbehrliches  Werkzeug  ge- 
worden, nicht  allein,  nm  die  Dichtigkeit  von  Flüssigkeiten 
zu  bestimmen,  sondern  auch  daraus  auf  die  Menge  von  in 
einer  Flüssigkeit  gelösten  oder  damit  vermischten  festen, 
flüssigen  oder  gasförmigen  Stoffen  zu  schliefsen. 

Obgleich  nun  die  Form  der  Aräometer  in  den  verschie- 
denen Ländern  und  zu  den  verschiedenen  Zwecken  wenig 
von  einander  abweicht,  so  ist  doch  die  Eintheilung  der  Scale 
eine  so  auseinander  laufende,  dafs  es  oftmals  selbst  für  den 
wissenschaftlichen  Mann  sehr  schwierig  ist,  die  Angaben 
verschiedener  Aräometer  auf  ein  bestimmtes  Aräometer  oder 
auf  das  wahre  specifische  Gewicht  zu  reduciren.  Ich  glaube, 
dafs  Niemandem  die  Verschiedenheit  der  Eintheilungen  wQn- 
schenswerth  erscheinen  kann  und  es  ist  meine  Absicht  hier 
zu  verfolgen,  welche  Aräometerscale  als  die  für  den  Ge- 
brauch bequemste  und  für  den  Verfertiger  am  meisten  ein- 
fache meines  Erachtens  als  Grundlage  angenommen  werden 
mufs.  Ich  füge  dabei  für  diejenigen,  welche  meine  An- 
schauungsweise Iheileu,  die  Bitte  hinzu,  zur  Einführung  jener 
Scaleutheilung  soviel  wie  m6^\di  tDi\i.\xN^*\\\A\i  ^ä»x  «indren- 


641 

blb  ihre  GegengrOnde  geltend  zu  machen^  damit  Aber  die- 
sen für  das  Gemeiuwesen  wichtigeu  Punkt  Einigkeit  za  Stande 
komme.  !  Betrachten  wir  die  Eintheilungen  der  Aräometer- 
Scalen  etwas  nSher,  so  zeigen  sich  zwei  Hauptverscbieden- 
heften  derselben: 

1.  Eintheiinngen,  welche  nur  zur  Bestimmung  des  spe- 
dfischen  Gewichts  oder  specifiscben  Volumens  von  FlQs* 
fligkeiten  dienen,  ohne  dafs  dabei  ein  specieller  Zweck  in 
Betracht  kommt. 

2.  Eintheilungen,  die  sogleich  den  Gehalt  von  Flüssig- 
keiten an  bestimmten  Stoffen  anzeigen. 

Betrachten  wir  die  letzteren  zuerst,  um  zu  sehen,  ob 
es  so  wünschen  sej,  dafs  diese  auf  allerlei  Grundlagen  be- 
mbenden  Eintheilungen  bestehen  bleiben.  Es  gehören  da- 
bin die  Alkoholometer,  BranntweinwSger  (ptse-esprit),  Bier- 
wiger,  MilchwSger  (Galactometer,  Lactometer),  Zuckerwäger 
(Saccbarometer),  Säurewäger  (ptse-acMe)  Salzwäger  {phse- 
sei)  und  eine  gaqze  Reihe  anderer.  Die  Eintheilungen  dieser 
laufen  fast  alle  darauf  hinaus,  dafs  als  Nullpunkt  der  Punkt 
genommen  wird,  bis  zu  welchem  das  Aräometer  in  Wasser 
sinkt,  als  zweiter  Punkt  der  Scale  derjenige,  bis  zu  dem 
der  Flüssigkeitswäger  sinkt,  in  Wasser,  welches  ein  be- 
stimmtes Volumen  oder  Gewicht  des  Stoffes  enthält,  dessen 
Gdialt  man  auf  diese  Weise  bestimmen  will. 

Man  rühmt  diese  Werkzeuge  als  höchst  bequem  für  den 
Laien,  der,  ohne  einige  Kenntnifs  von  Aräometrie,  ohne  alle 
Berechnung  und  ohne  Tabellen,  sogleich  durch  eine  Able- 
sung finde,  was  er  wissen  wolle.  Doch  ist  dem  so?  Nehmen 
wir  zum  Beispiel  das  Aräometer  und  setzen  voraus,  daCs 
seine  Eintheilung  richtig  sey,  so  zeigt  dasselbe  den  wahren 
Volumgehalt  an  Alkohol  nur  dann  an,  wenn  die  untersuchte 
Flüssigkeit  die  Temperatur  hat,  für  die  das  Instrument  ge- 
macht ist,  also  15^  C.  bei  dem  Alkoholometer  von  Gaj- 
Lnssac,  15^,5  C.  bei  dem  von  Tralles;  bei  jeder  anderen 
Temperatur  sind  seine  Angaben  unrichtig  und  m.in  hat  Re- 
dnctionstafelu  nötbig,  um  den  wirklichen  Gehalt  kewii^w  tql 
lernen;  dasselbe  gilt  von  allen  Artomeleni  iK\«%tiT  Kx\>  ^^ 

PoggeadorfPä  Annsl.  Bd.  CXIU.  ^^ 


642 

bei  all«ii  FlOsrifjkeiton  die  Dichtigkeit  Mit  der  TeBperalur 
sich  Kndert;  aufaerdem  wird  für  viele  FlOsüfkeiten  die  EJn- 
Ibeiluiig  eine  f^nz  uDgleicfamirsige  aeyn  mfiuen,  wie  x.  B. 
fOr  G«meiige  von  Alliofaol  und  Wsiiser.  Uod  da  du  Artto- 
meter  ein  Instrument  xum  Gebrauche  fOr  den  Dtcbtwiaaen- 
Bcbaftlichen  Mann  ist,  wird  man  mir  xugeben,  datg  das 
Bringen  der  FlÜMigkeit  aaf  die  Nonnallemperatur  dea  Arlo- 
■eters  (Hr  die  Praxis  nicht  möglich  ist,  wodurch  also  die 
Vortheile  dieser  Art  von  Aräometeni  wegfallen.  Doch  sind 
noch  andere  nicht  unbedeutende  Gründe  vorhanden,  die 
die  Abschaffung  dieser  ArSometer  wflnscbenswerth  macheiL 

1.  Die  Nothwendigkeit  für  Flüssigkeiten  verschiedener 
Art,  verschiedene  Instrumente  zu  haben,  die  füglich  durch 
eins  ersetzt  werden  können:  es  ist  ebenso,  wie  wenn  man 
im  Handel  zur  Bezahlung  verschiedener  Waaren  auch  ver- 
schieden eingclheille  Münzen  für  uüthig  halten  würde. 

2.  Aber  auch  der  Mangel  an  Verband  zwischen  den 
Grundlagen  dieser  Eiutheiliingen  verursacht,  dafs  ihre  An- 
gaben iiicltt  vergleichbar  sind,  was  in  vielen  Fällen  sehr 
mifsljch  ist. 

Es  scheint  daher  nach  meinem  Urtheil  nicht  zweckmS- 
fsig,  dafs  diese  ArXomeler  beibehalten  werden. 

Wir  gehen  nun  zu  der  Art  von  Einlheilung  über,  die 
die  Bestimmung  des  speciüschen  Volumens  und  specifischen 
Gewichts  zum  Zweck  bat. 

Zum  Finden  des  specifischeo  Volumens  ist  es  natürlich 
nttihrg,  dafs  die  Einlheilung  gleiche  Theile  des  Elements 
{carine)  von  dem  Aräometer  anzeige,  oder  von  dem  Volu- 
men des  Aräometers,  welches  unter  Wasser  getaucht  ist, 
wenn  das  Aräometer  in  reinem  Wasser  schwimmt,  so  dafs, 
wenn  der  Stiel  des  Aräometers  ein  vollkoromner  Cylinder 
oder  ParallelepipedoD  ist,  die  Thcilungeu  gleich  grofs  sind. 
Die  zum  Anzeigen  der  Dichtigkeiten  bestimmte  Eiutheilung 
ist  dagegen  in  dem  Fall  eine  ungleirhmbfsige. 

Ehe  wir  jedoch  über  diese  Einlheilung  handeln,  müssen 
wir  zuerst  über  das  Element  des  Aräometers  selbst  oder 
den  rfullpuukt  der  Theiluog  (oder  den  Punkt  100  des  Vo- 


6i8 

Imiettn)  sprechen,  da  selbst  dieses  bei  den  versehiedenen 
AriMseteni  nicht  gleich  ist.  Obschon  msn  in  letzterer 
Zeit  ziemlich  allgemein  den  Punkt  0  oder  100  auf  die  Steile 
gesetzt  hat,  bis  zu  der  das  Aräometer  in  reinem  Wasser 
einsiokt  (wovon  jedoch  die  Ariometer  von  Baum^  und 
Cartier,  deren  Einführung  von  älterem  Datum  ist,  ausge- 
Bonmen  sind),  so  bleibt  doch  noch  einige  Verschiedenheit 
itt  der  Stellimg  dieses  Punktes,  da  Einige  den  Punkt  neb* 
»tD,  bis  zu  welchem  das  Aräometer  sinkt  in  Wasser  von 
16«C  oder  von  50«  F.=:15|C  oder  55*^  F.  =  ia°^C.,  An- 
dere Ton  14°  R.sl7S5  C,  noch  Andere  von  4''  C.  Da  aber 
gegenwärtig  sowohl  in  der  Wissenschaft,  als  auch  bei  dem 
Maafse-  und  Grewicht- System  das  Wasser  bei  seiner  gröüs- 
t«i  Dichtigkeit  oder  4«  C.  als  Einheit  angenommen  wird, 
so  meine  ich,  dafs  auch  zur  Bestimmung  des  Elements  von 
dem  Aräometer  das  Wasser  bei  4^  C.  als  Basis  angenom- 
men werden  mOsse.  Die  Temperaturgrade,  wohinter  wir  die 
Buchstaben  C,  F,  R  setzen  müssen,  zeigen  uns  schon  wie- 
der einen  Mangel  an  Elinheit;  ist  es,  weil  die  Temperatur 
durch  verschiedene  Instrumente  bestimmt  wird?  Keineswegiy 
allein  wieder  verschiedene  Eintheilungen  desselben  Instru- 
mentes. Jeder,  der  mit  den  Vorzügen  des  Decimalsystems 
bekannt  ist,  wird  mit  mir  die  Hoffnung  ausdrücken,  dafs 
das  buaderttheilige  Thermometer  so  schnell  wie  möglich 
das  von  Fahrenheit  und  von  R^aumur  verdränge. 

Kehren  wir  zurück  zu  den  Aräometern,  deren  Einthei- 
kmg  gleiche  Theile  des  Volumens  von  dem  Element  an- 
seigt.  Wenn  man  einen  Schüler,  der  mit  Decimalbrüchen 
bekannt  ist,  fragen  würde,  welche  Eintheilung  er  für  die 
beste  halte,  würde  er  wahrlich  die  zehntheilige  anempfehlen, 
mid  schwer  hält  es,  zu  begreifen,  dafs,  als  Gay-Lussac 
sein  hunderttheäiges  Aräometer  oder  Volumeter  eingeführt 
sehen  wollte,  die  Einführung  an  der  Unkunde  und  Träg- 
heit der  Menschen  scheiterte.  Das  Aräometer  von  Baum^ 
md  das  Niederländische  mit  dem  Element  144,  das  von  Car- 
lier  mit  dem  Element  132  sind  in  Gebrauch  geblieben  und 

41* 


645 

Tkeiluug  noch  zu  schwer  fallen  würde,  giebt  es  Herleitangs- 
tefeln  oder  endlich  auch  könuteu  auf  dem  Areometer  zwei 
Scalen  angebracht  werden,  die  eine  gezeichnet  K,  die  andere 
Df  da  diese  beiden  Angaben  für  den  Gebrauch  von  glei- 
ckem  Werthe  sind« 

Als  Resultat  dieser  Betrachtungen  folgt 

ly  daCs  es  wüoschenswerth  ist,  dafs  das  hunderttheilige 
Arftometer  oder  Volumeter  statt  aller  anderen  Flüssigkeits- 
wAger  gesetzt  werde. 

2,  dafs  als  Element  oder  cartne  des  Volumeters  aus- 
schliefslich  genommen  werde  das  Volumen  des  in  Wasser 
b^  seiner  gröfsten  Dichtigkeit  einsinkenden  Theiles  des 
Arllometers  und 

3,  dafs  in  der  Aräometrie  die  Temperatur  ausschlieCs- 
lieh  in  Graden  des  hundertlheiligen  Thermometers  ausge- 
drückt werde. 

Doch  muGs  noch  auf  einen  bereits  berührten  Punkt  be- 
sonders aufmerksam  gemacht  werden:  bei  den  Flüssigkeits* 
wdgem  wird  der  Wasserpunkt  durch  0  und  für  leichtere 
Flüssigkeiten  die  Grade  oberhalb  dieses  Punktes  durch  1, 
2  u.  s.  w.  augedeutet,  für  Flüssigkeiten  schwerer  als  Wasser 
werden  gleichfalls  die  Grade  durch  I,  2,  3  bezeichnet.  Will 
mMi  aber  das  Volumeter,  wie  es  Gaj-Lussac  vorge- 
sehlagen  hat,  beibehalten,  so  mufs  man  den  Wasserpunkt 
nicht  durch  0,  sondern  durch  100  andeuten  und  die  Grade 
für  leichtere  Flüsssigkeiten  durch  101,  102,  für  schwerere 
durch  99,  98  etc.  Wollte  man  aber  die  frühere  Bezeich- 
nung beibehalten,  so  würde  ich  vorschlagen  die  Bezeichnung 
F+für  leichtere  Flüssigkeiten  und  V —  für  schwerere  Flüssig- 
keiten als  Wasser,  so  dafs  8^  V+  bezeichnen  würde  100+8 
oder  lOS«*  und  8""  F— ,  lÖO— 8  oder  92^  diese  Schreib- 
wdse  würde  den  kleinen  Vortheil  von  wenigen  grofsen 
Zahlen  haben. 

Es  ist  endlich  natürlich,  dafs,  um  den  Aräometerbestim-, 
mungen  mehr  Genauigkeit  zu  geben,  ohne  die  dünne  Röhre 
zu  lang  zu  machen,  man  die  Scale  in  soviel  Theile  eiulk^v^ 
len  kann,  ah  die  Anwendutig  erfQrdetl,  Yio\)«i  dcifo  ^\^^^ 


647 

Thermoineter  basirt  8iDd,  aber  zagleich  bei  andern  Flüssig 
k^itawagem  und  Therinometem  gebraacfat  werden  können. 
Amsterdam,  C.  G.  yan  der  Post  1860. 


V^I.  Veber  die  thermischen  Verhältnisse  der  Kry stalle; 

von  F.  Pfajf  in  Erlangen. 

(Mhgctbeiit  toid  Hrn.  Verf.  aus  d.  Sittungsb.  d.  Muncho.  Akad.  1860,) 


I.    Die  Wftrneleitang  der  Krjstalle. 

l^as  Verhalten  der  Körper  gegen  die  Wärme  ist  für  die 
MoleGularphjsik  gewifs  von  derselben  Wichtigkeit  wie  ihr 
Verhalten  gegen  das  Licht,  ja  wegen  der  gröfseren  Manuig- 
falligkeit  der  Beziehungen  der  Wärme  gegen  die  Stoffe'  von 
noch  gröfserem  Belange  als  dieses.  Nichts  desto  weniger 
nt  dieses  Grebiet  der  Physik  verhältuifsmäfsig  nur  wenig 
nach  seinen  verschiedenen  Seiten  systematisch  durchforscht 
worden. 

In  noch  viel  höherem  Grade  gilt  dieses  für  das  Ver- 
halten der  krystallinischen  Substanzen  gegen  die  Wärme, 
fiber  das  nur  wenige  vereinzelte  Thatsachen  bisher  bekannt 
waren  y  die  kaum  zu  einem  bestimmten  Gesetze  sich  ver- 
einigen, aber  bi$  jetzt  durchaus  nicht  erklären  lassen. 

Der  Grund  hievon  mag  wohl  darin  zu  suchen  seyn,  dab 
eines  Theils  die  prachtvollen  Erscheinungen,  wie  sie  in  der 
Optik  der  Mineralien  sich  dem  Auge  darbieten,  bei  den 
thermischen  Untersuchungen  nattirlich  gänzlich  fehlen,  an- 
dern Theils  die  Wärmetheorie  den  hohen  Grad  der  Aus- 
bildung noch  nicht  erreicht  hat,  wie  die  Theorie  des  Lichtes, 
utid  dadurch  schon  für  die  Untersuchungen  sich  Schwierig- 
keiten ergeben,  die  mit  den  anderweitigen,  bei  den  Versu- 
chen auftretenden,  die  Wärmeversuche  sehr  mühevoll  ma- 
chen. 


648 

Id  den  folgeodea  Blittern  habe  icb  mm  die  Botal- 
tate  niedergelegt,  welche  meine  UnteraacIiangeB  fibcr  die 
WärmeleUung  der  Krjf$iaUe  ergaben^  Daran  lioi&  ich 
eine  Fortsetzung  derselben,  soweit  mir  eben  Material  dau 
za  Gebote  steht,  in  Bälde  anknfipfen  zu  können,  zugleidi 
mit  den  Resultaten  über  die  specifische  Wärme  ^  die  ich 
nach  einer  wesentlich  modi6cirten  Methode  bestimme. 

In  Beziehung  auf  die  Wärmeleitung  der  Krystalle  nad 
ihren  verschiedenen  Azen  liegen  bis  jetzt  nur  die  Untersa- 
chungen  von  S^narmont  vor.  Aus  denselben  geht  hervor, 
dafs  die  Krjstalle  des  regulären  Systems  die  Wurme  nach 
allen  Seiten  gleichm&tsig  fortleiten,  dab  bei  den  übrig» 
Krystallen  aber  eine  Verschiedenheit  der  Leitung  in  den 
krjstallographisch  verschiedenen  Azen  und  Richtungen  ein- 
tritt. Das  Verfahren,  dessen  er  sich  bediente,  erlaubte 
ihm  aber  nur,  bei  einigen  Krjstallen  das  relative  Verhält^ 
nifs  der  Wärmeleitung  nach  den  verschiedenen  Axen  zd 
bestimmen,  aber  nicht  ein  absolutes  Maafs  für  dieselbe  oder 
auch  nur  das  Wärmeleitungsvermögeu  verschiedener  Mine- 
ralien im  Verhältnifs  zu  einander  zu  finden.  Er  untersuchte 
nämlich  in  der  Art,  dafs  er  Krystallplatten  nach  verschie- 
denen Richtungen  geschliffen,  mit  einer  dünnen  Wachs- 
Schicht  überzog,  durch  ein  Loch  in  der  Mitte  der  Platte 
einen  erhitzten  dünnen  Metallcylinder  führte  und  nun  die 
Form  der  nach  und  nach  immer  weiter  sich  ausdehnen- 
den Schmelzungscurve  bestimmte.  Ueberall,  wo  in  der 
Ebene  der  Platte  verschiedene  Axen  liegen  ist  die  Curve 
eine  Ellipse;  das  Verhältnifs  der  langen  zur  kurzen  Axe 
giebt  das  Verhältnifs  der  gröfsten  und  geringsten  Leitungs- 
fähigkeit. 

Meine  Untersuchungen  bezweckten  nun,  genauer,  als 
dieses  nach  dem  eben  angegebenen  Verfahren  möglich  ist, 
die  Verschiedenheit  der  Wärmeleitung  nach  verschiedenen 
Azen  zu  bestimmen  und  zugleich  das  Leitungs vermögen 
aller  Krystalle  im  Verhältnifs  zu  dem  der  bereits  bekannten 
anderen  Körper  in  Zahlen  ausdrückbar  festzustellen. 


649 

.  Das  VerfabreD,  dessen  ich  mich  dazu  bediene,  soll  hier 
unAchst  kurz  mifgetheilt  werden. 

Alle  Krystalle,  die  ich  untersuchte,  wurden  zu  möglichst 
leich  grofsen  Würfeln  geschliffen,  so  dafs  die  Axen  senk- 
Bcbl  zu  den  Flächen  standen,  wie  es  im  Folgenden  noch 
&her  bezeichnet  werden  soll.  Die  Leitung  der  Wärme 
urch  diese  Würfel  wurde  nun  mittelst  eines,  Fig.  12, 
!a{L  VIII,  im  Durchschnitte  dargestellten  Apparates  be- 
timmt,  indem  als  Maafsstab  für  die  LeitungsfShigkeit  die 
leitdauer  gewählt  wurde,  welche  nöthig  war,  bis  das  gleiche 
Quantum  Wasser  von  der  nur  durch  die  Würfel  hindurch 
ugeführlen  Wärme  um  die  gleiche  Anzahl  Grade  erhöht 
rorde. 

A  ist  ein  Kästchen  von  Weifsblech  mit  einer  im  Durch- 
chnitte  quadratischen  Erhöhung  bei  B,  die  oben  mit  einer 
afgelötheten  Silberplatte  geschlossen  ist,  und  einer  cylin- 
rischen  Röhre  C,  auf  die  ein  längeres  Gummirohr  ange- 
aCst  werden  kann.  Der  Kasten  A  ist  mit  einem  zweiten 
OD  Holz  ohne  Boden  umgehen,  der  nur  die  Silberplatte 
ei  B  und  die  Röhre  C  frei  läfst.  Auf  diese  Platte  B  wird 
er  ganze  obere  Theil  des  Apparates  mit  dem  Krjstalle  D 
ufgestellt.  Dieser  obere  Theil  des  Apparates  besteht  aus 
jigenden  Stücken:  Ein  dünnes,  rechtwinklig  vierseitiges 
refäfs  von  Messingblech  a,  ebenfalls  mit  einer  Silberplatte 
m  Boden  geschlossen,  ist  so  eingelöthet  in  ein  zweites  &, 
afs  zwischen  beiden  ein  vollkommen  abgeschlossener  Luft- 
anm  sich  befindet,  b  ist  mit  Papier  überzogen  und  oben 
nd  unten  bei  c  und  d  so  mit  Schnur  umwunden,  dafs  es 
adurch  in  dem  hölzernen,  ebenfalls  vierseitigen  Kästchen  e 
ich  noch  ziemlich  leicht  mit  Reibung  verschieben  läfst.  Das 
Lftstchen  e  nimmt  unten  den  Kork  E  auf,  der  so  durch- 
9ilt  ist,  dafs  die  Krjstalle  D  seine  vierseitige  Oeffnung  ge- 
au  ausfüllen,  dabei  ist  er  weniger  hoch  als  diese,  so  dafs 
iese  Würfel  oben  und  unten  über  ihn  hervorstehen. 

In  das  obere  Gef^fs  a  wird  nun  Wasser  F  eingefüllt 
nd  dann  dasselbe  durch  den  ein  Thermometer  umschlie- 


brnden  RoA  «f  gut  i^eachlastea  B^r  Gietti^  'im-Vm- 
richtuDg  kt  nun  sdir  eiofadii  Bii«ffit  wM-dar^baNrTM 
des  Appwrates  sarecbc  fmacbt.  Dis  GrMUktm  m  mM  4m 
lieBtiiniDteB  QoaDlitat  Watten  gefUHli  bei  m^lmm  Apptnl 
111  Gr.,  der  Kork  E  ntt  dem  KrytliHe  D  Iü  de«!  Hoh- 
iMeheo  e  an  den  Boden  det  oberen  Gefitfut  a  Irichl  «n> 
gedrückt  und  nan  nach  Einbringnng  dea  ThermoBietera  m- 
hig  ttehen  gelasten.  Dann  wird  dat  Weiter  in  \leM  Bloch» 
ketten  Ä  durch  eine  kleine  WeingeMdampe,  die  ao  oinge- 
tchlosten  ist,  daft  ihre  Wime  nnr  an  einer  Siello  ob  den 
Boden  det  Kattent  dringen  kann,  mni  Kochen  gobncht 
nnd  dat  Gonraiirohr  bei  C  warn  Ableiten  der  Dtatpfo  nnf* 
gesetzt.  Hat  dat  Watter  einige  Zeit  ttark  gekocht,  ao  wiid 
nun  ratch  der  obere  Thett  det  Apparatot  mü  dem  Krj- 
ttalle  auf  die  untere  Silberplatte  bei  B  an^etets!,  die  Se- 
kunde des  Aufsitzens  und  die  Temperatur  det  Thermometers 
notirt  nnd  daon  einfach  beobachtet,  weldie  Zeit  verttreicht, 
bis  das  Thermometer  um  die  bestimmte  Anzahl  Grade  ge- 
ttiegen  ist.  Bei  sonst  gleichen  Verhilnissen  steht  die  Wir-  | 
meleitung  zweier  Würfel  zu  einander  im  umgekehrten  Ver-  | 
hältnisse  zu  der  Zeit,  welche  nöthig  war,  um  diesdbe  Tem- 
peraturerhöhung im  Wasser  herrorzumfen.  Anf  diese  Weise 
habe  ich  nun  die  folgenden  Resultate  erhalten,  deren  Mit-  | 
theiluog  ich  noch  einige  Bemerkungen  Ober  die  Unterso-  . 
suchungen  voranschicke.  ' 

Was  zunfichst  die  Fehlerquellen  betrifft,  welche  nnver-    | 
meidlich  sind,  so  giebt  es  deren  hauptsSchlidi  zwei,  nSm- 
lieh  einmal  ist,  trotz  der  doppelten  Umhüllung  and  der 
zwischenliegenden  Luftschichten,  die  Temperatur  der  inÜBe- 
ren  Umgebung  nicht  ohne  allen  störenden  Einfluft  auf  das    | 
Wasser  F;   dann  ist  es  nicht  möglich,  dafs  die  Wirme  al- 
lein durch  den  Krjstall  D  hindurch  dem  Wasser  zukomme, 
etwas  wird  eben  immer  auch  durch  den  Kork  E  hindurdi    > 
und  neben  diesem  an  dieses  gelangen.     Je  länger  nun  der 
Versuch   dauert,    desto  mehr  werden  diese  FehlerqueUen    , 
Störungen  verursachen.   Ich  habe  daher  abtiditlich  nor  eine    | 
g'eringere  Versucbsdauet  %ew^V.^  \xi^«vii  Vc^^  das  Watser    j 


651 

mr  am  6°  C.  £ich  höher  «rwärmeD  liefs,  ah  es  beim  An« 
fuig  des  Versuches  temperirt  war.  Dabei  richtete  ich  es  so 
eio  dafs  die  Anfangstemperatiir  desselben  2  bis  3^  anter  der 
des  omgebendem  Raumes  war,  dauo  war  die  Endtemperaiur 
dteofalls  uur  3  bis  2^  über  der  desselben.  Auf  diese  Weise 
wurden  diese  beiden  Fehlerquellen  möglichst  vermieden. 
Ebenso  achtete  ich  darauf,  überhaupt  möglichst  unter  den- 
selben ttufseren  Verhältnissen  zu  untersuchen;  es  {^ng  dieses 
in  soweit  an,  da(s  die  Anbngstemperatoren  nur  zwischen 
16^  und  19^  schwanj^ten. 

•  Die  2#eit,  welche  xu  dieser  Erhöhung  die  Temperatur 
um  5^  nöthig  war,  gestattete  immerhin  noch,  geringe  Diffe- 
reuxen  in  der  Leitungsfttbigkeit  nachzuweisen;  das  Minimum 
der  Zeit  betrug  170  Sekunden,  das  Maximum  440  Sekunden. 
Der  Moment  des  Aufsetzens  des  Krystalles  kann  sehr  ge- 
nau bestimmt  werden,  ich  habe  mich  überzeugt,  dafs  bei 
der  Art  meines  Verfahrens  keine  halbe  Sekunde  nöthig  ist, 
um  dasselbe  tu  bewerkstelligen. 

Mein  Thermometer  ist  ein  sehr  feines,  unmittelbar  in 
Vtf"  eingetbeiltes,  so  dafs  auch  der  Moment  des  Eintretens 
der  bestimmten  Temperaturerhöhung  ganz  genau  erkannt 
werden  kann;  dabei  ist  ein  merklicher  Fehler  um  so  we- 
niger möglich,  als  zuletzt  die  Temperalurzooahme  sehr  rasch 
erfolgt. 

Ich  brauche  wohl  nicht  zu  bemerken,  dafe  sehr  viel  dar- 
auf ankommt,  dafs  der  Krjstall  die  beiden  Platten  stets  ge- 
nau mit  seiner  ganzen  Fläche  berühre,  dafs  sie  auch  voll- 
kommen eben  seyn  müssen.  Das  erste  ist,  wenn  das  letz- 
tere erfüllt  ist,  leicht  zu  erreichen,  der  Kork  E  sitzt  näm- 
lich ziemlich  beweglich  in  e,  so  dafs  ein  leichter  Druck  auf 
den  Apparat  bei  G  sicher  den  Krystall  zur  innigen  Berüh- 
rung mit  beiden  Platten  bringt. 

Es  ist  natürlich  nicht  möglich,  absolut  genau  dieselbe 
Gröfse  für  alle  Würfel  zu  erhalten,  ich  habe  alle  genau 
mittelst  eines  Sphärometers  nach  ihren  Durchmessern  oder 
auch  ihre  Seiten  mit  einem  Mikrometer  unter  mäfsiger  Ver- 
gröfserung  gemessen  und  dann  alle  aui  d\^^^«  Qi\>C^\&^\i^- 


rechnet,  aaf  10,3"^  d  k  icb  habe  M  'Ma  eMM  kleiiierea, 
die  gerade  14"*  grofa  atch  seigteD,  daan  bei  den  grifsertB 
(der  grorste  halte  10,45^)  eine  C^rreetioa  aä  gefbodeMa 
Resaltate  nach  den  Annahmen  angdbracht^  dala  die  Wiraie- 
leitang  bei  gleichem  Qnerachnitte  sich  Terhalle  iifl^;elLehit 
wie  die  LiDge  der  Körper  nnd  dab  die  Menge  der  abge-  | 
gebenen  WUrme  dem  Flicheninhalt  der  Oberflicbe  propor- 
tional sey. 

In  der  folgenden  Tabelle  sind  nnn  die  von  mir  bis  jetit 
bestimmten  15  WSrmeleitangscoSifioepten  tMammeogestellt; 
die  erste  Kolumne  enthilt  die  Namen  der  Mineralien,  die 
zweite  die  Zeit,  welche  ▼erflob,  bis  die  TemperaturerUk 
hang  am  6^  erfolgt  war,  die  dritte  das  Wl^neleitlUlgvre^ 
mögen,  das  Silber  mit  1000  alsEinhmt  genommen,  dasKn- 
pfcr  za  860.  Da  mir  kein  Silberwflrfel  m  Gebolo  stand, 
habe  ich  eben  an  einem  yon  Kupfer  dieselben  Versuche 
angestellt,  und  als  die  Wttrmeleitung  dieses  die  Zahl  860 
als  Mittel wertb  zwischen  den  ftlteren  und  neueren  Bestim*  . 
mungen  angenommen.  I 

Ich  erwtthne  noch,  dab  alle  Zahlen  das  Mittel  von  min-  | 
destens  zwei  Versuchen  sind.  Ich  war  selbst  öberrascht,  . 
wie  genau  die  Terschiedenen  Versuche  zusammentrafen;  oft  ' 
betrug  die  Differenz  kaum  eine  Sekunde,  Snfaerat  sehen  | 
mehr  als  8  Sekunden  und  dlefs  nur  in- den  Füllen,  in  de-  < 
nen  überhaupt  das  Maximum  der  Zeit  nöthig  war.  Nach 
den  Kr^tallsystemen  geordnet  fand  ich  folgende  Resol-  ' 
täte : 


643 

lumeters)  sprechen,  da  selbst  dieses  bei  den  verschiedenen 
Aräometern  nicht  gleich  ist.  Obscbon  man  iu  letzterer 
Zeit  xiemlicb  allgemein  den  Punkt  0  oder  100  auf  die  Stelle 
geMtxt  hal,  bis  m  der  das  Aräometer  in  reinem  Wasser 
fMiiinkl  (wovon  jedoch  die  Aräometer  von  Baum^  und 
Cartier,  deren  Einführung  von  Slterem  Datum  ist,  ausge- 
nommen sind),  so  bleibt  doch  noch  einige  Verschiedenheit 
im  der  Stellung  dieses  Punktes,  da  Einige  den  Punkt  neh* 
■«n,  bis  zu  welchem  das  Aräometer  sinkt  in  Wasser  von 
15«C  odervon60<'F.sl5|C  oder  55"  F.  =  13°^ C^  An- 
dert  von  14"  R.  =  17^5  C,  noch  Andere  von  4""  C.  Da  aber 
gegenwärtig  sowohl  in  der  Wissenschaft,  als  auch  bei  dem 
Maafse-  und  Gewicht -System  das  Wasser  bei  seiner  groll- 
ten Dichtigkeit  oder  4^  C.  als  Einheit  angenommen  wird, 
•o  meine  ich,  dafs  auch  zur  Bestimmung  des  Ellemeuts  von 
dem  Aräometer  das  Wasser  bei  4^  C.  als  Basis  angenom- 
men werden  m^se.  Die  Temperaturgrade,  wohinter  wir  die 
Buchstaben  C,  F,  JR  setzen  müssen,  zeigen  uns  schon  wie- 
der einen  Mangel  an  Einheit;  ist  es,  weil  die  Temperatur 
durch  verschiedene  Instrumente  bestimmt  wird?  Keineswegs, 
alldn  wieder  verschiedene  Eintheilungen  desselben  Instru- 
mentes. Jeder,  der  mit  den  Vorzügen  des  Decimalsystema 
bekannt  ist,  wird  mit  mir  die  Hoffnung  ausdrücken,  daCs 
das  buaderttheilige  Thermometer  so  schnell  wie  möglich 
das  von  Fahrenheit  und  von  R^aumur  verdränge. 

Kehren  wir  zurück  zu  den  Aräometern,  deren  Einthei- 
inng  gleiche  Theile  des  Volumens  v<hi  dem  Element  an- 
zeigt. Wenn  man  einen  Schüler,  der  mit  Decimalbrflchen 
bekannt  ist,  fragen  würde,  welche  Eintheilung  er  für  die 
beste  halte,  würde  er  wahrlich  die  zehntheilige  anempfehlen, 
mid  schwer  hält  es,  zu  begreifen,  dafs,  als  6ay<Lussac 
sein  hunderttheiliges  Aräometer  oder  Volumeter  eingeführt 
sehen  wollte,  die  Einführung  an  der  Unkunde  und  Träg- 
heit der  Menschen  scheiterte.  Das  Aräometer  von  Baumd 
«nd  das  Niederländische  mit  dem  Element  144,  das  von  Car- 
%ier  mit  dem  Element  132  sind  in  G<\it^^a^  ^«^S^v^^^^aa^ 


645 

TkeiluDg  noch  zu  schwer  fallen  würde,  giebt  es  Herleitangs- 
tofela  oder  endlich  auch  könuteu  auf  dem  Areoineter  zwei 
Scalen  angebracht  werden,  die  eine  gezeichnet  K,  die  andere 
Df  da  diese  beiden  Angaben  für  den  Gebrauch  von  glei- 
ckem  Werthe  sind. 

Als  Resultat  dieser  Betrachtungen  folgt 

l,  daCs  es  wüoschenswerth  ist,  dafs  das  hunderttheilige 
Ariometer  oder  Yolumeter  statt  aller  anderen  Flüssigkeits- 
wSger  gesetzt  werde. 

2y  dafs  als  Element  oder  carine  des  Yolumeters  aus- 
•ebliefslich  genommen  werde  das  Volumen  des  in  Wasser 
bei  seiner  gröfsten  Dichtigkeit  einsinkenden  Theiles  des 
Ariometers  und 

3»  dafs  in  der  Aräometrie  die  Temperatur  ausschlieOs- 
licli  in  Graden  des  hundertlheiligen  Thermometers  ausge- 
drflckt  werde. 

Doch  muls  noch  auf  einen  bereits  berührten  Punkt  be- 
sonders aufmerksam  gemacht  werden:  bei  den  Flüssigkeits- 
wSgem  wird  der  Wasserpunkt  durch  0  und  für  leichtere 
Flüssigkeiten  die  Grade  oberhalb  dieses  Punktes  durch  1, 
2  u.  s.  w.  augedeutet,  für  Flüssigkeiten  schwerer  als  Wasser 
werden  gleichfalls  die  Grade  durch  1,  2,  3  bezeichnet.  Will 
mao  aber  das  Yolumeter,  wie  es  Gay-Lussac  vorge- 
flehlagen  hat»  beibehalten,  so  muCs  man  den  Wasserpunkt 
Hiebt  durch  0,  sondern  durch  100  andeuten  und  die  Grade 
für  leichtere  Flüsssigkeiten  durch  101,  102,  für  schwerere 
dmrch  99»  98  etc.  Wollte  man  aber  die  frühere  Bezeich- 
nung beibehalten,  so  würde  ich  vorschlagen  die  Bezeichnung 
F+für  leichtere  Flüssigkeiten  und  V —  für  schwerere  Flüssig- 
keiten als  Wasser,  so  dafs  8°  V+  bezeichnen  würde  100+8 
oder  lOS«*  und  8T— ,  löO— 8  oder  92^  diese  Schreib- 
wdse  würde  den  kleinen  Yortheil  von  wenigen  grofsen 
Zahlen  haben. 

Es  ist  endlich  natürlich,  dafs,  um  den  Aräometerbestim-, 
mungen  mehr  Genauigkeit  zu  geben»  ohne  die  dünne  Röhre 
zu  lang  zu  machen,  man  die  Scale  m  ^o\\e\T\i€A^  ^\vc^€\- 
Jen  kana,  ah  die  Anwendung  eri^TdeTl,  'woViÄ  aar  ^x^^^ 


647 

TbenDometer  basirt  »od,  aber  zagleich  bei  andern  Flüssig 
keitawSgem  und  Therinometern  gebraucht  werden  können. 
Amsterdam,  C.  G.  yan  der  Post  1860. 


VI.  tJeber  die  thermischen  Verhältnisse  der  Kry stalle; 

von  F.  Pfnff  in  Erlangen. 

(Mttgeibcilt  YoiD  Hrn.  Verf.  aus  d.  Siuungsb.  d.  MunchD.  Akad.  1860.) 


I.    Die  Wftrneleitiuig  der  Krj^stalle. 

l^as  Verhalten  der  Körper  gegen  die  Wärme  ist  für  die 
Molecularphysik  gewifs  von  derselben  Wichtigkeit  wie  ihr 
Verhalten  gegen  das  Licht,  ja  wegen  der  gröfseren  Mannig- 
faltigkeit der  Beziehungen  der  Wärme  gegen  die  Stoffe'  von 
Dodi  gröfserem  Belange  als  dieses.  Nichts  desto  weniger 
iBt  dieses  Gebiet  der  Physik  verhältuifsmäfsig  nur  wenig 
nach  seinen  verschiedenen  Seiten  systematisch  durchforscht 
worden. 

In  noch  viel  höherem  Grade  gilt  dieses  für  das  Ver- 
halten der  krystallinischen  Substanzen  gegen  die  Wärme, 
Ober  das  nur  wenige  vereinzelte  Thatsachen  bisher  bekannt 
waren,  die  kaum  zu  einem  bestimmten  Gesetze  sich  ver- 
einigen, aber  fra  jet:it  durchaus  nicht  erklären  lassen. 

Der  Grund  hievon  mag  wohl  darin  zu  suchen  seyn,  dab 
eines  Theils  die  prachtvollen  Erscheinungen,  wie  sie  in  der 
Optik  der  Mineralien  sich  dem  Auge  darbieten,  bei  den 
thermischen  Untersuchungen  natürlich  gänzlich  fehlen,  an- 
dern Theils  die  Wärmetheorie  den  hohen  Grad  der  Aus- 
bildung noch  nicht  erreicht  hat,  wie  die  Theorie  des  Lichtes, 
utid  dadurch  schon  für  die  Untersuchungen  sich  Schwierig- 
keiten ergeben,  die  mit  den  anderweitigen,  bei  den  Versu- 
chen auftretenden,  die  Wärmeversuche  sehr  müli^NQll  toA.- 
eben. 


tritt.  Das  Verfahren,  dessen  er  sieb  bediente,  erlaubte 
ihm  aber  nur,  bei  einigen  Kristallen  das  relative  Verbält- 
nifs  der  Wfirmeleiluiig  nach  den  verscbiedeneu  Axen  zd 
bestimmen,  aber  nicht  ein  absolutes  Maafs  für  dieselbe  oder 
auch  nur  das  Wärmcleifungsvcrmögeu  verschiedener  Mine- 
ralien im  VerhSltoifs  zu  einander  zu  finden.  Er  untersuchte 
nSmIich  in  der  Art,  dafs  er  Krystallplstten  nach  verscbie- 
deneu  Richtungen  geschliffen,  mit  einer  dünnen  Wachs- 
schicht überzog,  durch  ein  Loch  in  der  Mitte  der  Platte 
einen  erhitzten  dünnen  Metallc^linder  Hlhrle  und  nun  die 
Form  der  nach  und  nach  immer  weiter  sich  ausdehnen- 
den Schmelzungscurve  bestimmte.  Ueberall,  wo  in  der 
Ebene  der  Platte  verschiedene  Äsen  liegen  ist  die  Curve 
eine  Ellipse;  das  Verbältnifs  der  langen  zur  kurzen  Axe 
giebt  das  Verhältnifs  der  grüfsten  und  geringsten  Leitungs- 
fähigkeit. 

Meine  Untersuchungen  bezweckten  nun,  genauer,  ab 
dieses  nach  dem  eben  angegebenen  Verfahren  müglich  ist, 
die  Verschiedenheit  der  WSnneieitung  nach  verscbiedeoen 
Axen  zu  bestimmen  und  zugleich  das  Leilungsvermögen 
aller  Kristalle  im  Verhältnifs  zu  dem  der  bereits  bekannten 
anderea  Körper  in  ZiahVew  auft&t^^t^»  V^N»ial«Ueu. 


6A9 

.  Das  Verfabreo,  desseo  kb  mich  dazu  bediene,  soll  bier 
aoicbat  kurz  milgetheilt  werden. 

Alle  Krjstaile,  die  icb  untersucbte,  wurden  zu  möglicbst 
leicb  grofsen  Würfeln  gescbliffen,  so  dafs  die  Axen  senk- 
acht  zu  den  Fläcben  standen,  wie  es  im  Folgenden  noch 
fther  bezeichnet  werden  soll.  Die  Leitung  der  Wärme 
urch  diese  Wfirfel  wurde  nun  mittelst  eines,  Fig.  13, 
'mL  VUI,  im  Durchschnitte  dargestellten  Apparates  be« 
jimnt,  indem  als  Maafsstab  für  die  Leitungsfähigkeit  die 
«itdauer  gewählt  wurde,  welche  nöthig  war,  bis  das  gleiche 
Quantum  Wasser  von  der  nur  durch  die  Würfel  hindurch 
Bgeführten  Wärme  um  die  gleiche  Anzahl  Grade  erhöht 
rurde. 

A  ist  ein  Kästchen  von  Weifsblech  mit  einer  im  Durch- 
dbnitte  quadratischen  Erhöhung  bei  J?,  die  oben  mit  einer 
nfgelötheten  Silberplatte  geschlossen  ist,  und  einer  cyfin- 
riscben  Röhre  C,  auf  die  ein  längeres  Gummirohr  ange- 
afst  werden  kann.  Der  Kasten  Ä  ist  mit  einem  zweiten 
an  Holz  ohne  Boden  umgehen,  der  nur  die  Silberplatte 
<U  B  und  die  Röhre  C  frei  läfst.  Auf  diese  Platte  B  wird 
•r  ganze  obere  Theil  des  Apparates  mit  dem  Krjstalle  D 
ufgestellt.  Dieser  obere  Theil  des  Apparates  besteht  aus 
ilgenden  Stücken:  Eju  dünnes,  rechtwinklig  vierseitiges 
irefäfs  von  Messingblech  o,  ebenfalk  mit  einer  Silberplatte 
m  Boden  geschlossen,  ist  so  eingelöthet  in  ein  zweites  6, 
afs  zwischen  beiden  ein  vollkommen  abgeschlossener  Luft- 
aum  sich  befindet,  b  ist  mit  Papier  überzogen  und  oben 
od  unten  bei  c  und  d  so  mit  Schnur  umwunden,  dafs  es 
adurcb  in  dem  hölzernen,  ebenfalls  vierseitigen  Kästchen  e 
icb  noch  ziemlich  leicht  mit  Reibung  verschieben  läfst.  Das 
hitotcben  e  nimmt  unten  den  Kork  E  auf,  der  so  durch- 
9ib  ist,  dafs  die  Krystalle  D  seine  vierseitige  Oeffnung  ge- 
au  ausfüllen,  dabei  ist  er  weniger  hoch  als  diese,  so  dafs 
lese  Würfel  oben  und  unten  über  ihn  hervorstehen. 

In  das  obere  Geflifs  a  wird  nun  Wasser  F  eingefüllt 
nd  dann  dasselbe  durch  den  ein  ThermometeT  Ms»&cy\^- 


€5i 

Mir  um  5^  C.  sidi  höher  erwärmen  Hefa,  als  es  beiai  An« 
fMig  de«  Versuches  teaiperirt  war.  Dabei  richtete  ich  es  so 
•ia  ^(s  die  Aofangsteuiperatttr  desselben  2  bis  3^  unter  der 
des  OBgebendem  Raumes  war,  dann  war  die  Endtemperatur 
dieofalls  nur  3  bis  2*^  über  der  desselben.  Auf  diese  Weise 
wurden  diese  beiden  Fehlerquellen  möglichst  vermieden. 
Ebenso  achtete  ich  darauf,  überhaupt  möglichst  unter  den- 
selben ttufseren  Verhältnissen  zu  untersuchen;  es  ging  dieses 
IB  soweit  an,  da(s  die  An£angstemperaturen  nur  zwischen 
16^  und  10^  schwan^Lten. 

'  Die  Zeit,  wdche  su  dieser  Erhöhung  die  Temperatur 
an  6"  nötbig  war,  gestattete  immerhin  noch,  geringe  Diffe- 
renzen  iu  dar  Leitungsf&higkeit  nachzuweisen;  das  Minimum 
der  Zeit  betrug  170  Sekunden,  das  Maximum  440  Sekunden. 
Der  Moment  des  Aufsetzens  des  Krystailes  kann  sehr  ge- 
oiu  bestimmt  werden,  ich  habe  mich  überzeugt,  dafs  bei 
ifor  Art  meines  Verfahrens  keine  halbe  Sekunde  nöthig  ist, 
«•  dasselbe  zu  bewerkstelligen. 

Mein  Thermometer  ist  ein  sehr  feines,  unmittelbar  in 
f^^  eiogetheiltes,  mo  daCs  auch  der  Moment  des  Eintretens 
der  bestimmten  Temperaturerhöhung  ganz  genau  erkannt 
werden  kann;  dabei  ist  ein  merklicher  Fehler  um  so  we- 
aiger  möglich,  als  zuletzt  die  Temperaturzunahme  sehr  rasdi 
erfolgt. 

Ich  brauche  wohl  nicht  zu  bemerken,  dafs  sehr  viel  dar* 
auf  ankommt,  dafs  der  Krystall  die  beiden  Platten  stets  ge- 
nau mit  seiner  ganzen  Fläche  berühre,  dafs  sie  auch  voll- 
kommen eben  sejn  müssen.  Das  erste  ist,  wenn  das  letz- 
tere erfüllt  ist,  leicht  zu  erreichen,  der  Kork  £  sitzt  näm- 
lich ziemlich  beweglich  in  e,  so  dafs  ein  leichter  Druck  auf 
den  Apparat  bei  G  sicher  den  Krystall  zur  innigen  Berüh- 
rung mit  beiden  Platten  bringt. 

Es  ist  natürlich  nicht  möglich,  absolut  genau  dieselbe 
Gröfse  für  alle  Würfel  zu   erhalten,  ich  habe  alle  genau 
mittelst   eines  Sphärometers  nach  ihren  Durchmessern  oder 
auch  ihre  Seiten  mit  einem  Mikrometei  \mlef  \£i:^V^\%^\^  ^x- 
gröfserung  gemessen  und  dann  alle  äuI  dSi^^^^Jö^  Q,\Xi\&^\i^- 


habe  ich  eben  au  einem  tou  Kupfer  dieselben  Versuche 
aDgeslellt,  und  als  die  Wärmeleiluag  dieses  die  Zahl  860 
als  Mittelwerlh  znischea  dea  Slleren  and  neueren  Bestim 
mungen  angenommen. 

Ich  erwähne  nocb,  daCs  alle  Zahlen  das  Mittel  von  min- 
deslens  zwei  Versuchen  sind,  ich  war  selbst  flberrascht, 
wie  genau  die  verschiedeDea  Versuche  zasammenlrafen ;  oft 
betrug  die  Differenz  kaum  eine  Sekunde,  Sotsersl  sehen 
mehr  als  8  Sekunden  und  diefs  nur  in-dcn  Psllen,  in  de- 
nen überhaupt  das  Maximum  der  Zeit  nöthig  war.  Nach 
den  Kristallsystemen  geordnet  fand  ich  folg;ende  Resul- 
tate: 


63a 


Zcildaoer  in 

Lcitungsvcr- 

M                                         1 

Sekonden 

mögen  des 
Silbers  1000 

Bleiglftm 

408 

246 

Schwefelkies 

16B 

599 

FlufMpalh 

227 

443 

Kalk«p4ith  nach  a 

307 

327 

»            »     c 

268 

375 

Qoan  nacb  a 

257 

391 

»         »      e 

200 

503 

Tomalin  n«cb  a 

327 

307 

H                    *          C 

301 

334 

Sdiwertpalb  nach  a 

405 

248 

»                 n       b 

410 

245 

»               »      c 

440 

228 

AJolar  nach  a 

417 

241 

•           w      h 

386 

260 

»            •      C 

337 

298 

Kapfcr 

117 

860 

In  der  yorstebendeo  I^abelle  beseicbuet  bei  den  drei  be- 
xigonalen  Krjstallen  a  die  Neben-,  c  die  Hauptaxe.  Beim 
Sdiwerspath  ist  die  H  a  0  j '  scbe  Stellung  angenommen, 
•  als  die  kurze,  b  ab  die  lange  borizontale  Axe.  Beim 
Adalar  ist  6  tenkrecbt  auf  dem  zweiten  blättrigen  Bruche, 
a  senkrecht  auf  der  stumpfen  Kante  der  Säule  7,  und  o 
senkrecht  auf  ihnen  beiden. 

•  Die  'Resultate  des  Adulars  sind  etwas  unsicher,  indem, 
wie  ich  erst  später  bemerkte,  ein  StQck  des  WtSrfels  abge- 
sprungen and  Tom  Steinschleifer  mit  Canadabalsam  aufge- 
kittet  war. 

Werfen  wir  einen  Blick  auf  diese  Zahlen,  so  ergiebt 
sieh  daraus  zunächst  eiue  Bestätigung  der  von  Sänarmont 
gefundenen  Thatsachen,  und  bei  den  Mineralien  wie  Quarz, 
Kalkspath,  Schwerspath  eine  Uebereinstimmung  der  relativen 
Werthe  in  ein  und  demselben  Krystalle,  wie  man  sie  nur 
erwarten  kann.  Senarmont  fand  für  den  Quarz  als  Mittel 
aus  8  Versuchen  als  Verhältnifs  der  LeitungsCähigkeit  von 
a:c  1:1,31,  die  verschiedenen  Versuche  schwanken  bei 
ihm  von  1,25  bis  1,37;  nach  Zugrundlegung  meiner  obigen 
Zahlen  findet  man  tür  den  Quarz  a:  ct=V\\^^%^«  ^^ 
den  Kalkspatb   fand   er   das   VerblAUuU   NO\i  a  \  c  *=>  *^^Bfi& 


657 

Bis  fetzt  hielt  man  das  speGißsche  Gewicht  dea  Chlor- 
ailbera  als  nahe  an  5,5  lie^^eiid. 

Bringt  nun  eine  neue  Methode  das  Resultat,  dafs  das 
speciiischc  Gewiclit  1,1  also  nur  \  des  als  richtig;  ange- 
Doiuinenen  srj,  so  hat  der  Naturforscher  nachzuweisen,  wo- 
her dieser  Widerspruch  komme,  und  unter  welchen  Bedin- 
gungen das  geringe  specifische  Gewicht  in  das  fünfmal  so 
hohe  übergehe.  Das  specifische  Gewicht  ist  aber  nach  der 
vorliegenden  Methode  mit  Hülfe  eines  durch  die  Methode 
selbst  gefundenen  absoluten  Gewichtes  bestimmt  worden. 
Es  mufste  also  doch  nachgewiesen  werden,  ob  die  Bestim- 
nung  des  absoluten  Gewichtes  richtig  sey,  und  das  konnte 
ganz  einfach  durch  Wägong  des  Chlorsilbers  im  trocknen 
Zustande  geschehen.  Im  ersten  Versuch  sind  1,8U0  Grm. 
Chlorsilber,  im  zweiten  2,7278  Grm.  berechnet  worden. 
Die  Mengen  konnten  und  mufsten  auf  analytischem  Wege 
festgestellt  werden.  Fand  sich  das  absolute  Gewicht  des 
Chlorsilber  anders  als  in  der  Berechnung,  so  mufste  ein 
falches  specifisches  Gewicht  herauskommen,  und  diefs  hat 
denn  auch  in  sehr  hohem  Maafse  stattgefunden.  Man 
kann  sich  durch  einen  sehr  einfachen  Versuch  überzeugen, 
dafs  das  specifische  Gewicht  des  frisch  gef&llten  ChlorsiU 
bers  nicht  1,1  ist  In  diesem  Falle  müfste  es  in  einer 
Flüssigkeit  schwimmen,  die  schwerer  wäre  als  1,1.  Fügt 
man  zu  einer  gesättigten  Kochsalzlösung,  deren  specifisdies 
Gewicht  bekanntlich  1,205  ist,  einige  Tropfen  starker  Sil- 
berlösung und  schüttelt  heftig  um,  so  setzt  sich  das  Chlor- 
silber sogleich  zu  Boden.  Man  kann  sogar  aus  den  Ver- 
soeben  des  Hrn.  Dr.  Fleck  selbst  zeigen ,  dafs  das  von 
ibm  gewonnene  Resultat  falsch  ist.  Im  zweiten  Versuche 
(S*  168)  sind  die  specifischen  Gewichte  der  ersten  Flüssig- 
keit 1=  1,1392,  und  der  zweiten  s,  =:  1,10462;  in  beiden 
Flüssigkeiten  mufste  ein  Chlorsilber  vom  specifischen  Ge- 
wicht 1,08  schwimmen.  Dafs  diefs  jedoch  nicht  der  Fall 
war,  geht  einfach  aus  dem  Verfahren  hervor,  wonach  die 
über  dem  Niederschlage  stehende  klare  Flüssigkeit  mit  Cv- 

PoigeDdorfTt  AonMi  Bd,  CXIII.  ^"^ 


659 

keiteu  hatten  in  demselben  Wasser  gestanden  und  zeigten 
211"  C.  Das  Kölbchen  wurde  mit  einer  Pipette  genau  bis 
»D  die  Marke  augeffillt,  dann  mit  dem  Glasstopfer  ge- 
schlossen, und  in  einem  Tuche  tüchtig  geschüttelt.  I>a8 
Gblorsilber  fiel  sogleich  zu  Boden  and  darüber  stand  eine 
schwach  milchige  Flüssigkeit  von  1,1207  spec.  Gew.,  wie 
BMin  sie  bei  der  Silberprobe  immer  sieht.  Nach  dem  Ver- 
mischen stand  die  Flüssigkeit  etwas  über  der  Marke,  und 
zeigte  eine  Temperatur  von  25*'  C;  es  hatte  sich  also  Wärme 
entwickelt.  Als  wieder  die  Temperatur  auf  20"  C.  herge- 
stellt war,  stand  die  Flüssigkeit  wieder  an  der  Marke,  eher 
eiue  Haarbreite  =  y'o*"  darunter.  Sie  wurde  nun  24  Stun- 
den undurchsichtig  bedeckt  stehen  gelassen,  aber  bei  herge- 
stellter Temperatur  zeigte  sich  keine  Volumveränderung. 
Nun  wurde  das  Kölbchen  in  ein  Wasserbad  gesetzt  und 
diefs  allmählig  erwärmt,  bis  die  Flüssigkeit  den  leeren 
Raum  des  Halses  beinahe  ausfüllte.  Das  äufsere  Wasser  war 
nahezu  am  Kochen.  Es  wurde  nun  wieder  abkühlen  gelas- 
sen, wobei  die  Flüssigkeit  etwas  über  der  Marke  stand.  Bei 
starkem  Aufsetzen  des  Kölbchens  erhoben  sich  kleine  Luft- 
blasen aus  dem  Chlorsilber,  die  sich  durch  die  Erhitzung 
losgerissen  hatten  und  als  sie  alle  aufgestiegen  und  entfernt 
waren,  stand  die  Flüssigkeit  wieder  nahe  an  der  Marke 
etwa  eine  Haarbreite  darunter.  Es  geht  daraus  hervor,  dafs 
das  Chlorsilber  weder  durch  längeres  Stehen,  noch  durch 
Erhitzen  beinahe  zum  Kochen  eine  Verdichtung  erleidet. 
Dafs  man  auf  diesem  Wege  eine  Veränderung  des  Mole- 
cularzustandes  sehr  leicht  wahrnehmen  könnte,  zeigt  eine 
einfache  Betrachtung.  Das  gefällte  Cblorsilber  im  letzten 
Versuche  wog  analytisch   bestimmt  6,937  Grm.     Bei  dem 

6  937 

spec  Gew.  5,5  nimmt  es  ein  Volum  vom    '       =1,261  CC. 
ein;    bei    dem   spec.  Gew.  1^  würde  es  ein    Volum  von 

fi  9*17 

*  ■    =  6,306  CC.  einnehmen.     Ein    Uebergang   aus    dem 

letzten  in  den  ersten  Zustand  hätte  also  eine  Contraction 
am  6,306—1,261  =5,045  CC.  lur  ¥o\^<ft,  Ätk^  Q«x>C&»ä^  ^>fc 


{•r  nicht  i 
uod  mit  0 

von  Uesliii 

oben  bpiirtlieiltPii  drn  Vuizug  riiipr  ^rulsen  tiniiicliheit 
Man  lifitle  nur  eine  einzige  (lewic)tlsbratitnmuiif;  zn  innchen, 
und  diese  vrUrde  die  Conirnclioti  dirert  ohne  alle  Brrerh- 
niing  in  Vulum  ^eben.  Dan  Gewicht  des  Niederschlag 
könnte  man  aus  d<-Q  ßestandllieilen  schon  kennen.  Etat 
genogene  M<>n^e  Silber  würde  eine  bekannte  Men|;e  Clilor- 
Bilbcr,  eine  gewogene  Menge  Kalkspatb  »nch  der  Lösunj 
und  Füllnng  eine  bekannte  Menge  kohleiieanren  Kalk, 
gchwerdsaures  Kali,  Schwerppalh.  u.  6.  w,  ergeben.  Nach- 
dem die  an  dem  CMorsilbcr  gefundene  fnolt-culare  Ans- 
debnung  sich  nicht  bexläligt  halte,  bo  liest  eigentlich  kein 
Grund  vor,  das  bis  jetzt  angenommene  speciügche  Gewichl 
des<^clben  von  5,ö  bis  bfi  zu  bezweifeln.  Ann  meinem  letzten 
Versuche  erpab  sich,  dafs  zwei  FlÜsRigkeiten  von  den  8|iec. 
Gew.  l,-2iHiH3  und  l,i:J9.VJ  nach  der  Ausrsllmig  dos  Clilor- 
silbcrs  nur  n)ch  1,1-207  spcc,  Gew.  hallen.  Die  FKissii^keil 
war  also  leichter  geworden,  als  eine  von  beiden  war.  und 
daraus  folgt  dann,  dafs  sich  cm  Körper  ausgeschieden  halte, 
der  schwerer  war,  als  einer  von  beiden.  Die  11)0  CC.  Fla- 
sche mit  dem  Clilorsilbcrniederschlao;  f^ifste  1 17,37  (Irin.;  iril 
der  Flüssigkeit  1,12117  allein  gefüllt,  würde  sfe  112,(17  Grui. 
gefnfst  haben;  es  ist  also  9  =  1 17,37  —  i  12.07  —  5,30  Gnu. 
und  da  P  =  6,937  Grm.  w.ir,  so  ist  (S,  421) 

Diefs  tväre  das  specifische  Gewicht  des  Chlorsilbers  auf  die 
Fliissiskeit  1,1207  bezogen,  aUo  auf  Wasser  4.'»:nöXl.l2»7 
=  4,7iS8.  Dieses  Resnitat  ist  auch  fehlerhaft,  aber  doch 
nicht  Tibclhnft,  und  zeigt  nnr,  wie  man  dnrch  Umwege  und 
verwickelte  Operationen  mit  aller  Sorgfalt  zn  unrichtrgeD 
Besnllaten  kommen  kann.  In  einem  andern  Versuche  wuriie 
frisch  gefälltes  und  ansgewasrhcnes  Chlorsilber  in  einer 
(Glasröhre  in  deslillirlcs  Wasser  versenkt.  Das  Uebcrge- 
wicht  oder  q  betrug  2,163  Grm.  Das  Chiorsilber  bestimmt 
wog  2,622  Grm.     Es  ist  also 

q  —         2.liJ2         _  2,6211     _ 
~  -ifil-i  -  ■i,lAi  ~  0,459  ~    ' 


Gedruckt  bei  A-W,  Sc\l)l4l«  ui  OciUn,  SullaclveibantnAa  47. 


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